Warum wird das "C" in der CDU so wenig betont?

Position der CDU-Fraktion:

Die Stärke der Volkspartei CDU war und ist, dass sie eine Union verschiedener politischer Traditionsstränge ist, des christlich-sozialen, liberalen und konservativen. Diese Ausprägungen standen nie nebeneinander und schließen einander auch nicht aus.

Deshalb tut es auch der CDU gut und sichert ihr die politische Gestaltungskraft für die Zukunft, wenn sie immer wieder danach fragt, was es heute und morgen bedeutet, christlich-sozial, liberal oder konservativ zu sein. In der öffentlichen Debatte ist es oft einfacher, das soziale oder das liberale Element zu betonen und im Wettstreit mit dem politischen Mitbewerber in den Fokus zu rücken. Das Element des Konservativen wird in der Öffentlichkeit nicht selten mit reaktionärem Denken verwechselt. Der angebliche Makel des „rückwärtsgewandten“ und damit „rückständigen“ Politikers, der mit diesem Missverständnis einhergeht, verleiht einem daher schnell das Gefühl, in der öffentlichen Debatte mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Es erfordert Mut, diesen Weg dennoch zu gehen. Und es erfordert Standhaftigkeit, stets aufs Neue darauf hinzuweisen, das erst mit dem Element des Konservativen das Profil der Union vollständig – und damit auch erklärbar wird.

Auch wenn das „C“ nicht jeden Tag als Bestandteil unserer Politik in den Medien auftaucht, bestimmt es jedoch unser Handeln. Dies sehen Sie nicht nur in unserem Verantwortungsvollen Umgang mit den Familien, sondern auch mit unserer Initiative für gleiche Löhne in den neuen und alten Bundesländern. Der christliche Aspekt prägt das Handeln der Partei genauso, wie alle anderen Strömungen innerhalb der Union.

Sammelband "Was heißt heute konservativ?", Herausgeber: Mike Mohring
Kommentar von Mike Mohring in der Financial Times-Serie