„Nutation (Physik)“ – Versionsunterschied
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Die Seite wurde neu angelegt: „{{Short description|Wobble of the axis of rotation}} {{about|the concept in physics|the term in astronomy|Astronomical nutation|the term in mechanical engineering|Nutation (engineering)|other uses}} {{distinguish|nunation}} thumb|Nutation of a sphere animation thumb|{{legend-line|green solid 2px|Rotation}} {{legend-line|blue solid 2px|Precession}}{{legend-line|red solid 2px|Nutation}}in obliquity of a planet…“ |
KKeine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| (Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
{{Dieser Artikel|behandelt die Nutation in der Kreiseltheorie. Für die Bedeutung in der Astronomie siehe [[Nutation (Astronomie)]]. Für weitere Bedeutungen siehe [[Nutation]].}} | {{Dieser Artikel|behandelt die Nutation in der Kreiseltheorie. Für die Bedeutung in der Astronomie siehe [[Nutation (Astronomie)]]. Für weitere Bedeutungen siehe [[Nutation]].}} | ||
[[Datei:Sat sci gmt120.webm|mini|Nutation eines rotierenden CD-Spielers in Schwerelosigkeit]] | [[Datei:Sat sci gmt120.webm|mini|Nutation eines rotierenden CD-Spielers in Schwerelosigkeit]] | ||
| Zeile 14: | Zeile 6: | ||
Provozieren kann man die Nutation durch Anstoßen eines stabil um seine Figurenachse rotierenden Kreisels. | Provozieren kann man die Nutation durch Anstoßen eines stabil um seine Figurenachse rotierenden Kreisels. | ||
Zusätzlich zur Nutation kann ein Kreisel, auf den ein Drehmoment wirkt, noch eine [[Präzession]]sbewegung ausführen. | |||
== Symmetrischer Kreisel == | |||
Der symmetrische Kreisel ist ein wichtiger Sonderfall, mit dem sich die Betrachtung der Nutation vereinfacht. | |||
Eine weitere Vereinfachung entsteht, wenn das [[Bezugssystem]] für momentane Betrachtungen am Kreisel ausgerichtet wird. Dabei liegt eine [[Koordinatenachse]] (<math>z</math>) längs der Figurenachse, womit der [[Trägheitstensor]] <math>\bar I</math> als [[Diagonalmatrix]] auftritt. Die nächste Koordinatenachse <math>x</math> wird so gewählt, dass eine Ebene aufgespannt wird, in der sich der Drehimpuls befindet, also der Drehimpulsvektor in einer Dimension den Wert null annimmt: <math>L_y = 0</math>. | |||
[[Datei:Vektorzerlegung Nutation.svg|mini|Vektorzerlegung der Bewegungsparameter am abgeplatteten Kreisel]] | |||
[[Datei:Zeichnung paehler.svg|mini|Vektorzerlegung der Bewegungsparameter am verlängerten Kreisel]] | |||
Nun bleiben im [[Drallsatz|Drehimpulssatz]] nur noch zwei variable Komponenten: | |||
:<math>\vec L = \bar{I} \, \vec \omega</math>. | |||
Hier zeigt sich, dass die [[Winkelgeschwindigkeit]] <math>\vec \omega</math> ''nicht'' parallel zum raumfesten Drehimpuls <math>\vec L</math> liegt, sondern davon abweicht und damit sich zeitlich ändert. | |||
Durch geschickte grafische Vektorzerlegung kann das Bewegungsverhalten des Kreisels allerdings besser beschrieben werden. Die Vektorkomponente ''ω''<sub>Fig</sub> sei so gewählt, dass sie parallel zur Figurenachse liegt, und die zweite Vektorkomponente ''ω''<sub>Nut</sub> so, dass sie parallel zum Drehimpuls liegt. Weil sich bei der Drehung eines symmetrischen Kreisels um seine Figurenachse weder dessen Ausrichtung im Raum noch der Trägheitstensor ändert, gilt die Bewegung ''ω''<sub>Fig</sub> als „neutral“. | |||
Spannender dagegen ist die Winkelgeschwindigkeit ''ω''<sub>Nut</sub>; mit ihr wird der Kreisel samt dem eingangs definierten Koordinatensystem um den Drehimpulsvektor geschwenkt. Damit zeigt sich, dass Figurenachse, Drehimpuls und Winkelgeschwindigkeit des symmetrischen Kreisels in konstanter räumlicher Beziehung zueinander stehen und stets in einer Ebene liegen. Die Figurenachse und die Winkelgeschwindigkeit überstreichen jeweils den Mantel eines Kegels, dessen Kegelachse der Drehimpuls bildet. | |||
Anhand der Grafik zur Vektorzerlegung kommt man zunächst auf die folgenden Gleichungen: | |||
:<math>\omega_x = \sin \alpha \, \omega_\text{Nut}</math> | |||
:<math>L_x = \sin \alpha \, L</math> | |||
Über den Drehimpulssatz ergibt sich durch geschicktes Einsetzen: | |||
:<math>L_x = \omega_x \, I_x \quad \Leftrightarrow \quad \omega_x | |||
= \frac{L_x}{I_x} | |||
= \frac {\sin \alpha \, L }{I_x} | |||
= \sin \alpha \, \omega_\text{Nut}</math> | |||
Wenn gilt <math display="inline">\omega_z \gg \omega_x</math>, dann lässt sich folgende Näherungsrechnung aufstellen: | |||
:<math>\omega_\text{Nut} | |||
= \frac{L }{I_x} | |||
\approx \frac{I_z}{I_x} \, \omega</math> | |||
Ein abgeplatteter Kreisel, der gestoßen wurde, flattert anschließend mit einer [[Frequenz]], die oberhalb seiner Rotationsfrequenz liegt. Durch die hohe Frequenz findet meist eine schnelle [[Dämpfung]] der Nutation statt, und die Figurenachse richtet sich bald nach dem Drehimpuls aus. | |||
Eine ausführliche mathematische Beschreibung der Kreiselbewegung wird durch die [[Eulersche Gleichungen (Kreiseltheorie)|eulerschen Gleichungen]] ermöglicht. | |||
== Bedeutung == | |||
* Astronomische Beobachtungen | |||
* Atomphysik (z. B. [[Magnetresonanztomographie|MRT]]) | |||
== Weblinks == | |||
* [https://pawn.physik.uni-wuerzburg.de/physikonline/video1/m6_starrerk/m2versuch7.html Kreisel mit Rotation, Präzession und Nutation] | |||
{{Normdaten|TYP=s|GND=4582659-6}} | |||
[[Kategorie:Klassische Mechanik]] | |||
[[Kategorie:Wikipedia:Artikel mit Video]] | |||
[[Kategorie:Kreiseltheorie]] | |||
= Nutation = | |||
'''Nutation''' ([[nūtātiō]]) is a rocking, swaying, or nodding motion in the [[axis of rotation]] of a largely axially symmetric object, such as a [[gyroscope]], [[planet]], or [[bullet]] [[external ballistics|in flight]], or as an intended behaviour of a mechanism. In an appropriate [[frame of reference|reference frame]] it can be defined as a change in the second [[Euler angles#Euler rotations|Euler angle]]. If it is not caused by forces external to the body, it is called free nutation or Euler nutation (after [[Leonhard Euler]]).<ref>Lowrie, William (2007). ''Fundamentals of Geophysics'' (2nd ed.). Cambridge [u.a.]: Cambridge University Press. pp. 58–59. ISBN 9780521675963.</ref> | |||
A pure nutation is a movement of a rotational axis such that the first Euler angle (or precession) is constant. Astronomers usually make a distinction between ''precession'', which is a steady long-term change in the axis of rotation, and ''nutation'', which is the combined effect of similar shorter-term variations.<ref><nowiki>https://wiki.aewi.de/mediawiki/index.php?title=Kategorie:Vorlage&action=edit</nowiki> | |||
Seidelmann, P. Kenneth, ed. (1992). ''Explanatory Supplement to the Astronomical Almanac''. University Science Books. pp. 99–120. ISBN 0-935702-68-7.</ref> Therefore it can be seen that the circular red arrow in the planetary nutation diagram indicates the combined effects of precession and nutation, while nutation in the absence of precession would only change the tilt from vertical (second Euler angle). However, in spacecraft dynamics, precession (a change in the first Euler angle) is sometimes referred to as nutation.<ref>Kasdin, N. Jeremy; Paley, Derek A. (2010). Engineering dynamics : a comprehensive introduction. Princeton, N.J.: Princeton University Press. pp. 526–527. ISBN 9780691135373.</ref> | |||
Aktuelle Version vom 17. August 2026, 10:12 Uhr
Die Nutation ist die Bewegung der Figurenachse eines kräftefreien Kreisels, wenn der Drehimpuls nicht parallel zu einer der Hauptachsen des Kreisels ausgerichtet ist.
Bei einem symmetrischen Kreisel überstreicht durch die Nutation die Figurenachse einen Kegel mit dem Drehimpuls als Achse. Aufgrund der Drehimpulserhaltung bleibt der Drehimpuls dabei in Betrag und Richtung konstant.
Provozieren kann man die Nutation durch Anstoßen eines stabil um seine Figurenachse rotierenden Kreisels.
Zusätzlich zur Nutation kann ein Kreisel, auf den ein Drehmoment wirkt, noch eine Präzessionsbewegung ausführen.
Symmetrischer Kreisel
Der symmetrische Kreisel ist ein wichtiger Sonderfall, mit dem sich die Betrachtung der Nutation vereinfacht.
Eine weitere Vereinfachung entsteht, wenn das Bezugssystem für momentane Betrachtungen am Kreisel ausgerichtet wird. Dabei liegt eine Koordinatenachse () längs der Figurenachse, womit der Trägheitstensor als Diagonalmatrix auftritt. Die nächste Koordinatenachse wird so gewählt, dass eine Ebene aufgespannt wird, in der sich der Drehimpuls befindet, also der Drehimpulsvektor in einer Dimension den Wert null annimmt: .


Nun bleiben im Drehimpulssatz nur noch zwei variable Komponenten:
- .
Hier zeigt sich, dass die Winkelgeschwindigkeit nicht parallel zum raumfesten Drehimpuls liegt, sondern davon abweicht und damit sich zeitlich ändert.
Durch geschickte grafische Vektorzerlegung kann das Bewegungsverhalten des Kreisels allerdings besser beschrieben werden. Die Vektorkomponente ωFig sei so gewählt, dass sie parallel zur Figurenachse liegt, und die zweite Vektorkomponente ωNut so, dass sie parallel zum Drehimpuls liegt. Weil sich bei der Drehung eines symmetrischen Kreisels um seine Figurenachse weder dessen Ausrichtung im Raum noch der Trägheitstensor ändert, gilt die Bewegung ωFig als „neutral“.
Spannender dagegen ist die Winkelgeschwindigkeit ωNut; mit ihr wird der Kreisel samt dem eingangs definierten Koordinatensystem um den Drehimpulsvektor geschwenkt. Damit zeigt sich, dass Figurenachse, Drehimpuls und Winkelgeschwindigkeit des symmetrischen Kreisels in konstanter räumlicher Beziehung zueinander stehen und stets in einer Ebene liegen. Die Figurenachse und die Winkelgeschwindigkeit überstreichen jeweils den Mantel eines Kegels, dessen Kegelachse der Drehimpuls bildet.
Anhand der Grafik zur Vektorzerlegung kommt man zunächst auf die folgenden Gleichungen:
Über den Drehimpulssatz ergibt sich durch geschicktes Einsetzen:
Wenn gilt , dann lässt sich folgende Näherungsrechnung aufstellen:
Ein abgeplatteter Kreisel, der gestoßen wurde, flattert anschließend mit einer Frequenz, die oberhalb seiner Rotationsfrequenz liegt. Durch die hohe Frequenz findet meist eine schnelle Dämpfung der Nutation statt, und die Figurenachse richtet sich bald nach dem Drehimpuls aus.
Eine ausführliche mathematische Beschreibung der Kreiselbewegung wird durch die eulerschen Gleichungen ermöglicht.
Bedeutung
- Astronomische Beobachtungen
- Atomphysik (z. B. MRT)
Weblinks
Nutation
Nutation (nūtātiō) is a rocking, swaying, or nodding motion in the axis of rotation of a largely axially symmetric object, such as a gyroscope, planet, or bullet in flight, or as an intended behaviour of a mechanism. In an appropriate reference frame it can be defined as a change in the second Euler angle. If it is not caused by forces external to the body, it is called free nutation or Euler nutation (after Leonhard Euler).[1]
A pure nutation is a movement of a rotational axis such that the first Euler angle (or precession) is constant. Astronomers usually make a distinction between precession, which is a steady long-term change in the axis of rotation, and nutation, which is the combined effect of similar shorter-term variations.[2] Therefore it can be seen that the circular red arrow in the planetary nutation diagram indicates the combined effects of precession and nutation, while nutation in the absence of precession would only change the tilt from vertical (second Euler angle). However, in spacecraft dynamics, precession (a change in the first Euler angle) is sometimes referred to as nutation.[3]
- ↑ Lowrie, William (2007). Fundamentals of Geophysics (2nd ed.). Cambridge [u.a.]: Cambridge University Press. pp. 58–59. ISBN 9780521675963.
- ↑ https://wiki.aewi.de/mediawiki/index.php?title=Kategorie:Vorlage&action=edit Seidelmann, P. Kenneth, ed. (1992). Explanatory Supplement to the Astronomical Almanac. University Science Books. pp. 99–120. ISBN 0-935702-68-7.
- ↑ Kasdin, N. Jeremy; Paley, Derek A. (2010). Engineering dynamics : a comprehensive introduction. Princeton, N.J.: Princeton University Press. pp. 526–527. ISBN 9780691135373.