„Weltachse“ – Versionsunterschied
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[[Himmelsachse]] (Astrologie)<p>Die '''Weltachse''' auch '''Himmelsachse''', '''Weltsäule''' oder '''Weltensäule''' ist ein grundlegender Begriff [https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmogonie kosmogonischer]Mythen und bezeichnet die Verbindung zwischen dem Zentrum von Himmel und Erde.</p> | |||
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{{Dieser Artikel|behandelt den mythologischen Begriff. Zur Weltachse in der Astrologie siehe [[Quadrant (Astrologie)]].}} | |||
Die '''Weltachse''' ({{laS|axis mundi}}), auch '''Himmelsachse''', '''Weltsäule''' oder '''Weltensäule''' ist ein grundlegender Begriff [[Kosmogonie|kosmogonischer]] Mythen und bezeichnet die Verbindung zwischen dem Zentrum von Himmel und Erde. | |||
== Verbreitung == | |||
In zahlreichen [[Mythologie|mythologischen]] Vorstellungen, besonders in der [[Schamanistische Kosmologie|schamanistischen Kosmologie]], stehen der [[Weltenbaum]], der [[Weltenberg]] und die Weltachse im Zentrum der Kosmogonie. Die Achse des Weltenbaumes durchbricht die verschiedenen Ebenen der Realität und bietet so eine Möglichkeit, von einer Existenzform zur anderen vorzudringen. Mithilfe und entlang dieser Weltachse bewegt sich der [[Schamane]], die Hexe oder auch der weise Seher zu anderen Ebenen des Seins, um im Dienste der Gemeinschaft mit dort über- und unterirdischen Wesen (Ahnen, Geistern) in Verbindung zu treten.<ref>Mircea Eliade: ''Die Religionen und das Heilige. Elemente der Religionsgeschichte.'' Otto Müller Verlag, Salzburg 1954, Kapitel VIII, bes. S. 112 ff.</ref> | |||
Der mythologische Ursprung einer Weltachse leitet sich wohl aus dem frühen Gebrauch des Rades ab. In der Vorstellung vieler Völker war es intuitiv einsichtig, dass ebenso die sich drehende Erde oder die sich um die Erde drehende Welt eine Achse haben müsse. Ebenso wie eine Radachse musste nach damaliger Vorstellung dies die Anbindung an ein höheres Wirkungsgefüge darstellen und so die einzige Verbindung zu einer anderen Realität bieten.<ref>Uno Harva: ''Die religiösen Vorstellungen der altaischen Völker.'' FF Communications N:o 125. Suomalainen Tiedeakatemia, Helsinki 1938, S. 34–49.</ref> | |||
Am Schnittpunkt von irdischer Welt und Weltachse befindet sich der oft als „Nabel der Erde“ bezeichnete Weltmittelpunkt, an dessen Ort sich ein [[heiliger Berg]], eine heilige Stadt oder ein zentraler Tempel befindet.<ref name="RGG">''[[Die Religion in Geschichte und Gegenwart]]''. 3. Auflage. Tübingen 1956 ff., Band 4, S. 625.</ref> | |||
In der griechischen Antike galt der Kultstein [[Omphalos]] als Weltachse. In Indien wurden in frühbuddhistischer Zeit freistehende Steinsäulen, [[Indische Architektur#Der Stambha|Stambhas]], aufgestellt, die wie der gleichnamige Flaggenmast ([[Sanskrit]] ''dwajasthamba'') auf dem Gelände von [[Hindutempel]]n als Weltachse aufgefasst werden. | |||
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Auch in der Mythologie der [[Maya-Zivilisation|Maya]] spielt die Weltachse eine wichtige Rolle (vgl. [[Palenque]], [[Balancanché]] u. a.). | |||
In vielen Kulturen entwickelten sich der Weltachse nachfolgende und abgeleitete [[Brauch|Bräuche]] und [[Ritus|Riten]]. Der im deutschen Sprachraum und Teilen Skandinaviens bekannteste Brauch ist das [[Maibaum]]fest. Hier symbolisiert der durch einen [[Kranz]] geschmückte Maibaum den [[Weltenbaum]] bzw. die Weltachse. | |||
== Sonstiges == | |||
* Eine regionale Bedeutung in Form einer ''Weltachsölung'' hat sich im pfälzischen [[Waldleiningen]] entwickelt, die auf den pfälzischen Mundartdichter [[Paul Münch (Autor)|Paul Münch]] zurückgehende Schmierung der [[Pälzer Weltachs]] ist dort seit 1964 zur Tradition geworden. | |||
* Bis ins 19. Jahrhundert wurde „Weltachse“ bzw. „Himmelsachse“ auch synonym für [[Erdachse]] gebraucht.<ref>{{Pierer-1857 |Lemma=Weltachse |Band=19 |Seite=87 |zenoID=20011274689}}</ref> In der [[Astrologie]] wird der lateinische Name ''Axis Mundi'' heute noch verwendet und bezeichnet meist die Verbindungslinie zwischen ''[[Medium coeli]]'' (M.C., Südpunkt) und ''[[Imum coeli]]'' (I.C., Nordpunkt) im [[Horoskop]], manchmal aber auch die Verbindungslinie von [[Zenit (Richtungsangabe)|Zenit]] und [[Nadir (Richtungsangabe)|Nadir]], wobei die von dieser Verbindungslinie und der Erdachse aufgespannte [[Ebene (Mathematik)|Ebene]] die im Horoskop repräsentierte Ebene des [[Tierkreis]]es eben in der Linie M.C.–I.C. schneidet. | |||
== Literatur == | |||
* [[Mircea Eliade]]: [https://ignca.gov.in/Asi_data/11012.pdf ''Images and Symbols. Sudies in Religious Symbolism.''] Harvill Press, London 1952 | |||
* [[Uno Harva]]: ''Die religiösen Vorstellungen der altaischen Völker.'' FF Communications N:o 125. Suomalainen Tiedeakatemia, Helsinki 1938, S. 34–49 (Kapitel: ''Der Himmel mit seiner Säule'') | |||
== Einzelnachweise == | |||
<references /> | |||
[[Kategorie:Mythologischer Ort]] | |||
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]] | |||
Aktuelle Version vom 21. Mai 2026, 11:25 Uhr
Welt + Achse | Achse der Welt, kat. Axis Mundi.
Himmelsachse, Weltsäule, Weltensäule,
Himmelsachse (Astrologie)
Die Weltachse auch Himmelsachse, Weltsäule oder Weltensäule ist ein grundlegender Begriff kosmogonischerMythen und bezeichnet die Verbindung zwischen dem Zentrum von Himmel und Erde.
Weltachse
Die Weltachse (lat. axis mundi), auch Himmelsachse, Weltsäule oder Weltensäule ist ein grundlegender Begriff kosmogonischer Mythen und bezeichnet die Verbindung zwischen dem Zentrum von Himmel und Erde.
Verbreitung
In zahlreichen mythologischen Vorstellungen, besonders in der schamanistischen Kosmologie, stehen der Weltenbaum, der Weltenberg und die Weltachse im Zentrum der Kosmogonie. Die Achse des Weltenbaumes durchbricht die verschiedenen Ebenen der Realität und bietet so eine Möglichkeit, von einer Existenzform zur anderen vorzudringen. Mithilfe und entlang dieser Weltachse bewegt sich der Schamane, die Hexe oder auch der weise Seher zu anderen Ebenen des Seins, um im Dienste der Gemeinschaft mit dort über- und unterirdischen Wesen (Ahnen, Geistern) in Verbindung zu treten.[1]
Der mythologische Ursprung einer Weltachse leitet sich wohl aus dem frühen Gebrauch des Rades ab. In der Vorstellung vieler Völker war es intuitiv einsichtig, dass ebenso die sich drehende Erde oder die sich um die Erde drehende Welt eine Achse haben müsse. Ebenso wie eine Radachse musste nach damaliger Vorstellung dies die Anbindung an ein höheres Wirkungsgefüge darstellen und so die einzige Verbindung zu einer anderen Realität bieten.[2]
Am Schnittpunkt von irdischer Welt und Weltachse befindet sich der oft als „Nabel der Erde“ bezeichnete Weltmittelpunkt, an dessen Ort sich ein heiliger Berg, eine heilige Stadt oder ein zentraler Tempel befindet.[3]
In der griechischen Antike galt der Kultstein Omphalos als Weltachse. In Indien wurden in frühbuddhistischer Zeit freistehende Steinsäulen, Stambhas, aufgestellt, die wie der gleichnamige Flaggenmast (Sanskrit dwajasthamba) auf dem Gelände von Hindutempeln als Weltachse aufgefasst werden.
Im Mithras-Kult ist die Weltachse eine achtteilige Leiter, welche die Erde mit den acht Himmeln verbindet.[3]
Im Christentum und in der christlichen Kosmologie wurde Jerusalem mit dem Hügel Golgota als Mittelpunkt der Welt betrachtet, dementsprechend war das Kreuz in symbolischer Weise als eine Art Weltenbaum zu sehen.[4]
Bei den nordamerikanischen Indianern war der Weltmittelpunkt symbolisiert durch eine kleine Höhlung (sipapu bei den Hopi) im Zentrum des unterirdischen Kultraums (kiva), gleichzeitig der Eingang der Unterwelt. Von dort erfolgt der Aufstieg entlang der Weltachse und damit das Erscheinen des Menschen in der Welt.[4]
Auch in der Mythologie der Maya spielt die Weltachse eine wichtige Rolle (vgl. Palenque, Balancanché u. a.).
In vielen Kulturen entwickelten sich der Weltachse nachfolgende und abgeleitete Bräuche und Riten. Der im deutschen Sprachraum und Teilen Skandinaviens bekannteste Brauch ist das Maibaumfest. Hier symbolisiert der durch einen Kranz geschmückte Maibaum den Weltenbaum bzw. die Weltachse.
Sonstiges
- Eine regionale Bedeutung in Form einer Weltachsölung hat sich im pfälzischen Waldleiningen entwickelt, die auf den pfälzischen Mundartdichter Paul Münch zurückgehende Schmierung der Pälzer Weltachs ist dort seit 1964 zur Tradition geworden.
- Bis ins 19. Jahrhundert wurde „Weltachse“ bzw. „Himmelsachse“ auch synonym für Erdachse gebraucht.[5] In der Astrologie wird der lateinische Name Axis Mundi heute noch verwendet und bezeichnet meist die Verbindungslinie zwischen Medium coeli (M.C., Südpunkt) und Imum coeli (I.C., Nordpunkt) im Horoskop, manchmal aber auch die Verbindungslinie von Zenit und Nadir, wobei die von dieser Verbindungslinie und der Erdachse aufgespannte Ebene die im Horoskop repräsentierte Ebene des Tierkreises eben in der Linie M.C.–I.C. schneidet.
Literatur
- Mircea Eliade: Images and Symbols. Sudies in Religious Symbolism. Harvill Press, London 1952
- Uno Harva: Die religiösen Vorstellungen der altaischen Völker. FF Communications N:o 125. Suomalainen Tiedeakatemia, Helsinki 1938, S. 34–49 (Kapitel: Der Himmel mit seiner Säule)
Einzelnachweise
- ↑ Mircea Eliade: Die Religionen und das Heilige. Elemente der Religionsgeschichte. Otto Müller Verlag, Salzburg 1954, Kapitel VIII, bes. S. 112 ff.
- ↑ Uno Harva: Die religiösen Vorstellungen der altaischen Völker. FF Communications N:o 125. Suomalainen Tiedeakatemia, Helsinki 1938, S. 34–49.
- ↑ a b Die Religion in Geschichte und Gegenwart. 3. Auflage. Tübingen 1956 ff., Band 4, S. 625.
- ↑ a b David A. Leeming: Axis Mundi. In: Encyclopedia of Psychology and Religion. Springer, New York 2010, Band 2, S. 90.
- ↑ Weltachse. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 19: Weck–Zz und Nachträge. Altenburg 1865, S. 87 (Digitalisat. zeno.org).