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„hinter“ – Versionsunterschied

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Die Seite wurde neu angelegt: „<p>'''hinter<sup>2</sup>''' | hin + ter | Präp. mit Wemfall und Wenfall ‘an der, an die Rückseite von’, ein konstantes Lageverhältnis (bei Ruhe und gleichlaufender Bewegung) oder die Richtung auf einen Zielpunkt angebend, von räumlichen Vorstellungen her auch auf zeitliche Verhältnisse übertragen (vgl. ''etw. hinter sich haben'', ''bringen''); ahd. ''hintar'' (10. Jh., bereits für das 9. Jh. mehrfach als 1. Ko…“
 
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'''hinter<sup>1</sup>'''&nbsp;| [[hint]] + [[-er]] | (heute nur mit Flexionsendung&nbsp;''der hintere'',&nbsp;''ein hinterer'') ‘zum Ende hin, an der Rückseite befindlich, weiter zurückliegend’,&nbsp;ahd.&nbsp;''hintaro''&nbsp;(10. Jh., auch ‘geringer, niedriger’),mhd.&nbsp;frühnhd.&nbsp;''hinder'',&nbsp;
hintere,hinteren,hinterem,hinterer,hinteres,
<p>asächs.&nbsp;''hindiro''&nbsp;‘hinter’,&nbsp;anord.&nbsp;''hindri''&nbsp;‘später, entfernter’. Verwandt mit ''hinten''.</p>
<p>Das Egsw. drückt stets die Bezoiehung zu etw. weiter vorn Befindlichem aus und hat schon im&nbsp;Ahd. komparativische Funktion, so daß zu ihm ein Superlativ&nbsp;ahd.&nbsp;''hintarōsto''&nbsp;(bereits 8. Jh.) gebildet wird (obd.&nbsp;frk.&nbsp;auch&nbsp;ahd.&nbsp;''hintarōro''&nbsp;mit zusätzlicher Komparativendung, 10. Jh.).</p>
<p>Möglicherweise bewahrt&nbsp;''hinter''&nbsp;in seinem zweiten Wortteil ein altes, im&nbsp;Germ.&nbsp;nicht mehr produktives Komparativsuffixuig.&nbsp;''-(t)ero-''&nbsp;(vgl.&nbsp;aind.&nbsp;''úparaḥ''&nbsp;‘der untere, hintere, spätere’,''āmátaraḥ''&nbsp;‘der rohere’), worauf vor allem die belegten Superlativformen&nbsp;aengl.&nbsp;''hindema'',&nbsp;got. ''hindumists''&nbsp;‘der hintere, letzte’ deuten,</p>
<p>die Spuren der entsprechenden Superlativendung&nbsp;ie.&nbsp;''-(t)ṃmo-''&nbsp;(vgl.&nbsp;aind.&nbsp;''upamáḥ''&nbsp;‘der oberste’,&nbsp;''āmátamaḥ''&nbsp;‘der roheste’) erkennen lassen.</p>
<p>Da nach Brugmann/Delbrück&nbsp;Grundriß d. vergl. Gramm. d. indogerm. Sprachen 2, 1 (²1906) 165 und 323&nbsp;ff.&nbsp;Komparative auf&nbsp;uig.&nbsp;''-(t)ero-''&nbsp;zunächst von Ortsadverbien ausgehen, stellt eine solche Erklärung den engen Zusammenhang mit der Lokalpartikel&nbsp;''hinter''&nbsp;(s.&nbsp;''hinter''<sup>2</sup>&nbsp;Präp.), als deren reflektierbare Variante das Egsw.&nbsp;''hinter''&nbsp;erscheint, nicht in Frage.</p>
<p>Wie&nbsp;''hinter''<sup>2</sup>&nbsp;Präp. und&nbsp;''hinten'' gehört&nbsp;''hinter''&nbsp;Egsw. wahrscheinlich zu dem erweiterten Pronominalstammgerm.&nbsp;''*hind-''&nbsp;(oder&nbsp;''*hin-'', falls das dentale Formans als Bestandteil des Komparativsuffixes angesehen werden muß).</p>
<p>Mildernder Umschreibung dient die Substantivierung&nbsp;''der Hintere'', ''Hinterste'',&nbsp;mhd.&nbsp;''der hindere''&nbsp;(vgl.&nbsp;ahd.&nbsp;''hintarī''&nbsp;f. ‘hinteres Ende, Schwanz’, 10. Jh.), heute meist (mit aus den obliquen Kasus stammender Nominativform)&nbsp;''Hintern''.&nbsp;</p>
<p>'''hinter<sup>2</sup>'''&nbsp;| hin + ter | Präp.&nbsp;mit Wemfall und Wenfall ‘an der, an die Rückseite von’, ein konstantes Lageverhältnis (bei Ruhe und gleichlaufender Bewegung) oder die Richtung auf einen Zielpunkt angebend, von räumlichen Vorstellungen her auch auf zeitliche Verhältnisse übertragen (vgl.&nbsp;''etw. hinter sich haben'',&nbsp;''bringen'');&nbsp;ahd.&nbsp;''hintar''&nbsp;(10. Jh., bereits für das 9. Jh. mehrfach als 1. Kompositionsglied bezeugt,</p>
<p>'''hinter<sup>2</sup>'''&nbsp;| hin + ter | Präp.&nbsp;mit Wemfall und Wenfall ‘an der, an die Rückseite von’, ein konstantes Lageverhältnis (bei Ruhe und gleichlaufender Bewegung) oder die Richtung auf einen Zielpunkt angebend, von räumlichen Vorstellungen her auch auf zeitliche Verhältnisse übertragen (vgl.&nbsp;''etw. hinter sich haben'',&nbsp;''bringen'');&nbsp;ahd.&nbsp;''hintar''&nbsp;(10. Jh., bereits für das 9. Jh. mehrfach als 1. Kompositionsglied bezeugt,</p>
 
<p>ferner in&nbsp;''hintarort''&nbsp;‘zurück, verkehrt’,&nbsp;''gihintaren'', ''firhintaren'', s.&nbsp;''hindern'',&nbsp;''verhindern''),&nbsp;mhd.&nbsp;''hinder'',&nbsp;frühnhd.&nbsp;''hinder'',&nbsp;''hinter'',&nbsp;mnd.&nbsp;''hinder'' (auch temporal ‘nach, von … an’),&nbsp;mnl.&nbsp;''hinder'',&nbsp;got.&nbsp;''hindar''&nbsp;(auch ‘jenseits von’).</p>
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>ferner in&nbsp;''hintarort''&nbsp;‘zurück, verkehrt’,&nbsp;''gihintaren'', ''firhintaren'', s.&nbsp;''hindern'',&nbsp;''verhindern''),&nbsp;mhd.&nbsp;''hinder'',&nbsp;frühnhd.&nbsp;''hinder'',&nbsp;''hinter'',&nbsp;mnd.&nbsp;''hinder'' (auch temporal ‘nach, von … an’),&nbsp;mnl.&nbsp;''hinder'',&nbsp;got.&nbsp;''hindar''&nbsp;(auch ‘jenseits von’).</p>
<p>Die heute literatursprachlich allein in präpositionaler Verwendung übliche Lokalpartikel ist zunächst Adverb, daher noch&nbsp;mhd.&nbsp;mnl.&nbsp;aengl.&nbsp;''hinder''&nbsp;‘hinten, nach hinten, zurück’ (aengl. altenglisch&nbsp;auch ‘hinunter’)</p>
 
<p>sowie die oben angeführten Ableitungen und zahlreiche Zusammensetzungen im&nbsp;Ahd.;</p>
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Die heute literatursprachlich allein in präpositionaler Verwendung übliche Lokalpartikel ist zunächst Adverb, daher noch&nbsp;mhd.&nbsp;mnl.&nbsp;aengl.&nbsp;''hinder''&nbsp;‘hinten, nach hinten, zurück’ (aengl. altenglisch&nbsp;auch ‘hinunter’)</p>
<p>nur die regionale Umgangssprache bewahrt Reste des adverbiellen Gebrauchs in Präfixverben wie&nbsp;omd.&nbsp;südd.&nbsp;''hinterbringen'',&nbsp;''-kommen'',&nbsp;''-schaffen''&nbsp;(‘nach hinten’),&nbsp;omd.''hinteressen'',&nbsp;''-kippen'',&nbsp;''-schlucken''&nbsp;(‘hinunter’);</p>
 
<p>vgl. auch&nbsp;''dahinter''. Bei&nbsp;''hinter'', das wahrscheinlich an den unter&nbsp;''hinten''&nbsp;genannten erweiterten Pronominalstamm&nbsp;ger.&nbsp;*hind-anzuschließen ist, handelt es sich um eine Adverbialbildung auf -r, vergleichbar den in&nbsp;''da''<sup>1</sup>, hier,&nbsp;wo&nbsp;fortlebenden Pronominaladverbien&nbsp;ahd.&nbsp;''thār'',&nbsp;''hier'',&nbsp;''(h)wār''&nbsp;und anderen lokalen Ustw. und Vhnw. mit derselben Endung, z. B.&nbsp;''außer'',&nbsp;''nieder'',&nbsp;''über'', ''unter''.</p>
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>sowie die oben angeführten Ableitungen und zahlreiche Zusammensetzungen im&nbsp;Ahd.;</p>
<p>Dieser Bildungstyp liegt vielleicht alten Komparativformen auf&nbsp;ie.&nbsp;''-(t)ero-''zugrunde (s.&nbsp;''hinter''<sup>1</sup>&nbsp;Adj.).&nbsp;</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>nur die regionale Umgangssprache bewahrt Reste des adverbiellen Gebrauchs in Präfixverben wie&nbsp;omd.&nbsp;südd.&nbsp;''hinterbringen'',&nbsp;''-kommen'',&nbsp;''-schaffen''&nbsp;(‘nach hinten’),&nbsp;omd.''hinteressen'',&nbsp;''-kippen'',&nbsp;''-schlucken''&nbsp;(‘hinunter’);</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>vgl. auch&nbsp;''dahinter''. Bei&nbsp;''hinter'', das wahrscheinlich an den unter&nbsp;''hinten''&nbsp;genannten erweiterten Pronominalstamm&nbsp;ger.&nbsp;*hind-anzuschließen ist, handelt es sich um eine Adverbialbildung auf -r, vergleichbar den in&nbsp;''da''<sup>1</sup>, hier,&nbsp;wo&nbsp;fortlebenden Pronominaladverbien&nbsp;ahd.&nbsp;''thār'',&nbsp;''hier'',&nbsp;''(h)wār''&nbsp;und anderen lokalen Ustw. und Vhnw. mit derselben Endung, z. B.&nbsp;''außer'',&nbsp;''nieder'',&nbsp;''über'', ''unter''.</p>
 
<!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>Dieser Bildungstyp liegt vielleicht alten Komparativformen auf&nbsp;ie.&nbsp;''-(t)ero-''zugrunde (s.&nbsp;''hinter''<sup>1</sup>&nbsp;Adj.).&nbsp;</p>

Aktuelle Version vom 12. Dezember 2023, 11:56 Uhr

hinter1 | hint + -er | (heute nur mit Flexionsendung der hintere, ein hinterer) ‘zum Ende hin, an der Rückseite befindlich, weiter zurückliegend’, ahd. hintaro (10. Jh., auch ‘geringer, niedriger’),mhd. frühnhd. hinder, 

hintere,hinteren,hinterem,hinterer,hinteres,

asächs. hindiro ‘hinter’, anord. hindri ‘später, entfernter’. Verwandt mit hinten.

Das Egsw. drückt stets die Bezoiehung zu etw. weiter vorn Befindlichem aus und hat schon im Ahd. komparativische Funktion, so daß zu ihm ein Superlativ ahd. hintarōsto (bereits 8. Jh.) gebildet wird (obd. frk. auch ahd. hintarōro mit zusätzlicher Komparativendung, 10. Jh.).

Möglicherweise bewahrt hinter in seinem zweiten Wortteil ein altes, im Germ. nicht mehr produktives Komparativsuffixuig. -(t)ero- (vgl. aind. úparaḥ ‘der untere, hintere, spätere’,āmátaraḥ ‘der rohere’), worauf vor allem die belegten Superlativformen aengl. hindema, got. hindumists ‘der hintere, letzte’ deuten,

die Spuren der entsprechenden Superlativendung ie. -(t)ṃmo- (vgl. aind. upamáḥ ‘der oberste’, āmátamaḥ ‘der roheste’) erkennen lassen.

Da nach Brugmann/Delbrück Grundriß d. vergl. Gramm. d. indogerm. Sprachen 2, 1 (²1906) 165 und 323 ff. Komparative auf uig. -(t)ero- zunächst von Ortsadverbien ausgehen, stellt eine solche Erklärung den engen Zusammenhang mit der Lokalpartikel hinter (s. hinter2 Präp.), als deren reflektierbare Variante das Egsw. hinter erscheint, nicht in Frage.

Wie hinter2 Präp. und hinten gehört hinter Egsw. wahrscheinlich zu dem erweiterten Pronominalstammgerm. *hind- (oder *hin-, falls das dentale Formans als Bestandteil des Komparativsuffixes angesehen werden muß).

Mildernder Umschreibung dient die Substantivierung der Hintere, Hinterste, mhd. der hindere (vgl. ahd. hintarī f. ‘hinteres Ende, Schwanz’, 10. Jh.), heute meist (mit aus den obliquen Kasus stammender Nominativform) Hintern. 

hinter2 | hin + ter | Präp. mit Wemfall und Wenfall ‘an der, an die Rückseite von’, ein konstantes Lageverhältnis (bei Ruhe und gleichlaufender Bewegung) oder die Richtung auf einen Zielpunkt angebend, von räumlichen Vorstellungen her auch auf zeitliche Verhältnisse übertragen (vgl. etw. hinter sich haben, bringen); ahd. hintar (10. Jh., bereits für das 9. Jh. mehrfach als 1. Kompositionsglied bezeugt,

ferner in hintarort ‘zurück, verkehrt’, gihintaren, firhintaren, s. hindern, verhindern), mhd. hinder, frühnhd. hinder, hinter, mnd. hinder (auch temporal ‘nach, von … an’), mnl. hinder, got. hindar (auch ‘jenseits von’).

Die heute literatursprachlich allein in präpositionaler Verwendung übliche Lokalpartikel ist zunächst Adverb, daher noch mhd. mnl. aengl. hinder ‘hinten, nach hinten, zurück’ (aengl. altenglisch auch ‘hinunter’)

sowie die oben angeführten Ableitungen und zahlreiche Zusammensetzungen im Ahd.;

nur die regionale Umgangssprache bewahrt Reste des adverbiellen Gebrauchs in Präfixverben wie omd. südd. hinterbringen, -kommen, -schaffen (‘nach hinten’), omd.hinteressen, -kippen, -schlucken (‘hinunter’);

vgl. auch dahinter. Bei hinter, das wahrscheinlich an den unter hinten genannten erweiterten Pronominalstamm ger. *hind-anzuschließen ist, handelt es sich um eine Adverbialbildung auf -r, vergleichbar den in da1, hier, wo fortlebenden Pronominaladverbien ahd. thār, hier, (h)wār und anderen lokalen Ustw. und Vhnw. mit derselben Endung, z. B. außer, nieder, über, unter.

Dieser Bildungstyp liegt vielleicht alten Komparativformen auf ie. -(t)ero-zugrunde (s. hinter1 Adj.).