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Aktuelle Version vom 22. Mai 2026, 08:30 Uhr
6[1]▷Dico autem consequenter: Cum omne exsistens possit esse id quod est actu, hinc actualitatem conspicimus absolutam, per quam quae actu sunt id sunt quod sunt. Sicut cum alba videmus visibili oculo, albedinem intellectualiter intuemur, sine qua album non est album. Cum igitur actualitas sit actu, utique et ipsa potest esse, cum impossibile esse non sit. Nec potest ipsa absoluta possibilitas aliud esse a posse, sicut nec absoluta actualitas aliud ab actu. Nec potest ipsa iam dicta possibilitas prior esse actualitate quemadmodum dicimus aliquam potentiam praecedere actum. Nam quomodo prodisset in actum nisi per actualitatem? Posse enim fieri si se ipsum ad actum produceret, esset actu antequam actu esset. Possibilitas ergo absoluta, de qua loquimur, per quam ea quae actu sunt actu esse possunt, non praecedit actualitatem neque etiam sequitur. Quomodo enim actualitas esse posset possibilitate non exsistente? Coaeterna ergo sunt absoluta potentia et actus et utriusque nexus. Neque plura sunt aeterna, sed sic sunt aeterna quod ipsa aeternitas. Videnturne vobis haec sic aut aliter se habere?
Folglich sage ich nun weiter: Da jedes Bestehende das sein kann was es wirklich ist, erblicken wir von hier aus die absolute Wirklichkeit[2], durch die alles was wirklich ist das ist was es ist[3]. Gleichwie wenn wir weiße Dinge mit dem sinnlichen Auge sehen, wir die Weiße, ohne die Weißes nicht weiß ist[4], geistig wahrnehmen. Da nun die Wirklichkeit wirklich ist, gilt auch von ihr, daß sie sein kann, weil was nicht sein kann nicht ist. Und die absolute Möglichkeit selbst[5] kann nichts anderes sein als das Können, wie die absolute Wirklichkeit nichts anderes als das Wirklichsein. Und diese genannte Möglichkeit kann nicht früher sein als die Wirklichkeit, wie wir von irgendeiner Möglichkeit sagen, sie gehe der Wirklichkeit vorauf. Denn wie sollte sie zum Wirklichsein kommen wenn nicht durch Wirklichkeit? Wenn nämlich das Werdenkönnen sich selbst ins Wirklichsein führte, wäre es wirklich ehe es in Wirklichkeit wäre[6]. Die absolute Möglichkeit also, von der wir sprechen, durch die das was wirklich ist wirklich sein kann, geht der Wirklichkeit nicht vorauf noch folgt sie ihr. Denn wie könnte die Wirklichkeit sein, wenn es die Möglichkeit nicht gäbe? Gleichewig also sind reine Möglichkeit, Wirklichkeit und beider Verknüpfung.[7] Und sie sind nicht mehrere Ewige[8], sondern auf solche Weise ewig, daß sie die Ewigkeit selbst sind[9]. Verhält sich dies nach eurer Meinung so, oder ist es anders?
Folgerichtig sage ich weiter: da alles Bestehende das sein kann, was es als Wirkliches ist, sehen wir von hier aus die absolute Wirklichkeit, durch die alles, das als Wirkliches ist, das ist, was es ist. So schauen wir, wenn wir mit dem sinnlichen Auge Weißes sehen, geistig das Weißsein, ohne das das Weiße nicht weiß ist. Wenn also die Wirklichkeit wirklich ist, so kann sie auch sein, da das Unmöglich-Sein nicht ist; die absolute Möglichkeit kann nichts anderes sein als das Können und die absolute Wirklichkeit kann nichts anderes sein als das Wirklich-Sein. Diese genannte Möglichkeit kann nicht früher sein als das Wirklichsein, so wie wir sonst sagen, eine Möglichkeit gehe der Wirklichkeit voran. Denn wie sollte sie in die Wirklichkeit übergehen, wenn nicht durch das Wirklichsein? Wenn das Werden-Können sich selbst zur Wirklichkeit führte, dann wäre es wirklich, bevor es wirklich wäre. Die absolute Möglichkeit also, über die wir sprechen und durch die alles, was wirklich ist, wirklich sein kann, geht weder dem Wirklichsein voraus noch folgt sie ihm. Denn wie sollte es Wirklichsein geben, während die Möglichkeit nicht besteht? Die absolute Möglichkeit und Wirklichkeit und Verknüpfung beider sind darum gleichewig. Und es gibt nicht mehrere Ewige; sie sind vielmehr so Ewige, daß sie die Ewigkeit selbst sind. Scheint euch, daß es sich so verhält oder anders?