„Vorstellung“ – Versionsunterschied
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Die Seite wurde neu angelegt: „<p>vorstell + ung | Begriffwortübersetzung zu Idee, Repräsentation, Imagination</p> <!-- /wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><p>‘das Bekanntmachen, geistiges Bild, Idee, Aufführung, Einwand, Vorhaltung’ (um 1600); Aufführung (eines Theaterstücks o. Ä.), Vorführung eines Films o. Ä.; Bild, das sich jemand in seinen Gedanken von etwas macht, das er gewinnt, indem er sich eine Sache in bestimmter Weise vorstellt.</p> <!-- /wp:paragraph --><…“ |
K Textersetzung - „{{dt.}}“ durch „Sprachstufe::deu.“ |
||
| (3 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
<p>vorstell | <p>[[vorstell]][[-ung]] [[Sprachstufe::deu.]] [[Anschauung]]; Begriffwortübersetzung zu ''[[Idee]]'', ''[[Repräsentation]]'', ''[[Imagination]];''</p> | ||
* ‘das Bekanntmachen, geistiges Bild, Idee, Aufführung, Einwand, Vorhaltung’ (um 1600); | |||
* Aufführung (eines Theaterstücks o. Ä.), Vorführung eines Films o. Ä.; | |||
* Bild, das sich jemand in seinen Gedanken von etwas macht, das er gewinnt, indem er sich eine Sache in bestimmter Weise ''[[vorstellt]]''. | |||
< | ¦⊕¦ Bild oder Abbildung mittels des Vorstellungsvermögen; | ||
= Vorstellung = | |||
<p>Als '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorstellung Vorstellung]''' wird im weitesten Sinne eine [[anschaulich|anschauliche]] [[Repräsentation (Philosophie)|Repräsentation]] eines realen oder fiktiven Gegenstands im [[Bewusstsein]] eines [[Erkenntnissubjekt|Erkenntnissubjekts]] bezeichnet. Mit „anschaulich“ ist hierbei gemeint, dass eine Verbindung zu den Qualitäten der Sinneswahrnehmung besteht.</p> | |||
== <span id="Arten_von_Vorstellungen">Arten von Vorstellungen</span> == | |||
<p>Die Bezeichnung ''Vorstellung'' wird für den Vorgang des Vorstellens sowie auch für dessen Gegenstand bzw. Inhalt verwendet (für eine reale oder fiktive [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrnehmung Wahrnehmung] oder abstrakte Bezugnahme auf den Gegenstand).<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorstellung#cite_note-1 [1]]</sup></p><p>Eine Vorstellung eines fiktiven Gegenstands wird auch als ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Imagination Imagination]'' bezeichnet. Ebenso können Vorstellungen aber auch realistische zukunftsbezogene [https://de.wikipedia.org/wiki/Erwartung_(Psychologie) Erwartungen] darstellen, oder sie können auf Erinnerungen beruhen. Es kann sich ferner um anschaulichere Modelle zu einer abstrakt gegebenen Beschreibung handeln, also um eine Unterfütterung von abstrakten Inhalten mit wahrnehmungsbasierten Inhalten („sich unter einer Sache etwas vorstellen“). In diesem Zusammenhang ist die Frage diskutiert worden, ob Vorstellungen im Sprachverstehen für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Semantik Bedeutung]von Wörtern und Sätzen eine Rolle spielen (dies wurde zum Beispiel in der Sprachphilosophie [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottlob_Frege Freges] bestritten, wird aber heute vielfach angenommen).<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorstellung#cite_note-2 [2]]</sup> Im Unterschied zum ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff Begriff]'' oder ''Konzept,'' die dauerhaft im Geist angelegte Strukturen sind ([https://de.wikipedia.org/wiki/Dispositionelle_Eigenschaft Dispositionen]), handelt es sich bei Vorstellungen (jedenfalls im engeren Sinn) um konkret ablaufende Erscheinungen im Geist.</p><p>Insofern den Vorstellungen frühere Wahrnehmungen zugrunde liegen, können sie bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinnesmodalit%C3%A4t Sinnesmodalitäten] zugeordnet werden, eine besondere Rolle spielt hierbei die [https://de.wikipedia.org/wiki/Bildliche_Vorstellung visuelle (bildliche) Vorstellung] (die dem Wort „Imagination“ ihren Namen verleiht, von lateinisch ''imago'' „Bild“). Daneben sind Vorstellungen anderer Modalitäten möglich, so von Klängen oder Geschmäckern, von Bewegungsabläufen etc.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorstellung#cite_note-3 [3]]</sup> Vorstellungen können unwillkürlich auftreten, häufig ist von ihnen aber als Form der aktiven mentalen Simulation die Rede. Ein Beispiel einer solchen willentlichen Simulation ist die in der Psychologie viel untersuchte „[https://de.wikipedia.org/wiki/Mentale_Rotation mentale Rotation]“ eines Gegenstandes, die auf visuellen und motorischen Vorstellungen beruht.</p> | |||
== <span id="Vorstellung_und_Einstellung">Vorstellung und Einstellung</span> == | |||
<p>Für eine Vorstellung ist charakteristisch, dass sie relativ unabhängig von [https://de.wikipedia.org/wiki/Propositionale_Einstellung Einstellungen] zur fraglichen Sache bestehen kann: Der Begriff der Vorstellung verhält sich neutral dazu, ob die betreffenden Inhalte gewünscht werden oder nicht. Im Gegensatz zu dem, [https://de.wikipedia.org/wiki/Glauben was man glaubt], muss etwas Vorgestelltes nicht unbedingt eine Auswirkung darauf haben, was man für wahr hält oder wie man [https://de.wikipedia.org/wiki/Handeln handeln] wird.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorstellung#cite_note-4 [4]]</sup></p> | |||
== <span id="Begriffe_der_Vorstellung_in_der_Philosophiegeschichte">Begriffe der Vorstellung in der Philosophiegeschichte</span> == | |||
<p>In der Philosophie wurden seit [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] (und seinem Begriff der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Phantasie phantasia]'') viele verschiedene Varianten eines Begriffs der Vorstellung entwickelt. Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Descartes Descartes] erscheint Vorstellung als Geistesinhalt mit sinnlichen Qualitäten im Gegensatz zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Abstraktion abstrakten Verstand]. Kant betont die Rolle der [https://de.wikipedia.org/wiki/Einbildungskraft Einbildungskraft]. In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie Phänomenologie] Brentanos und Husserls wird ''Vorstellung'' als Gegensatz zum ''Urteil'' oder auch zu ''begrifflicher Bedeutung'' behandelt.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorstellung#cite_note-5 [5]]</sup></p><p>Teilweise begegnet in der Philosophie „Vorstellung“ auch in Bedeutungen, die nicht der Alltagssprache entsprechen – zum Beispiel als Übersetzung des Begriffs der „idea“ in der Philosophie von [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Locke John Locke]. Locke befasst sich in seinem Werk ''[https://de.wikipedia.org/wiki/An_Essay_Concerning_Humane_Understanding An Essay Concerning Humane Understanding]'' mit der Herkunft von „ideas“ aus der Erfahrung, und schließt auch direkte Wahrnehmungen in denselben Begriff der „Idee / Vorstellung“ mit ein. Der deutsche philosophische Begriff der „Vorstellung“ hat durch die Tradition als Übersetzung von Lockes ''idea'' eine seiner maßgeblichen Prägungen erfahren, jedoch nicht seine einzige.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vorstellung#cite_note-6 [6]]</sup></p> | |||
== <span id="Literatur">Literatur</span> == | |||
*Shen-yi Liao, Tamar Gendler: ''Imagination.'' In: Edward N. Zalta (ed.), ''The Stanford Encyclopedia of Philosophy.'' Summer 2020 Edition. [https://plato.stanford.edu/archives/sum2020/entries/imagination Online]. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Mittelstra%C3%9F Jürgen Mittelstraß] (Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Band 4: Sp–Z.'' J. B. Metzler, Stuttgart 1996. — Stichwort „Vorstellung“ S. 570f. | |||
*Peter Prechtl, Franz-Peter Burkard (Hrsg.): ''Metzler Lexikon Philosophie.'' 3. Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart 2008. — Stichwort: „Vorstellung“ S. 664f. | |||
*Nigel J.T. Thomas: ''Mental Imagery''. In: Edward N. Zalta (ed.), ''The Stanford Encyclopedia of Philosophy.'' Spring 2021 Edition. [https://plato.stanford.edu/archives/spr2021/entries/mental-imagery/ Online]. | |||
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> == | |||
<p>(Kurzverweise beziehen sich auf obige Literaturliste)</p> | |||
#<span class="reference-text">Katja Crone, ''Vorstellung'', in: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie'' Bd. 3, Meiner, Hamburg 2021, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783787340798 ISBN 9783787340798], S. 2918 </span> | |||
#<span class="reference-text">Vgl. Prechtl & Burkard (eds., 2008) s.v. „Vorstellung“ (letzter Abschnitt).</span> | |||
#<span class="reference-text">Thomas: ''Mental Imagery'', Stanford Encyclopedia of Philosophy</span> | |||
#<span class="reference-text">Liao & Gendler: ''Imagination'', Stanford Encyclopedia of Philosophy</span> | |||
#<span class="reference-text">Vgl. Prechtl & Burkard (eds., 2008) s.v. „Vorstellung“.</span> | |||
#<span class="reference-text">Mittelstraß (ed. 1996), s.v. „Vorstellung“.</span> | |||
Aktuelle Version vom 8. Juni 2025, 05:59 Uhr
vorstell-ung deu. Anschauung; Begriffwortübersetzung zu Idee, Repräsentation, Imagination;
- ‘das Bekanntmachen, geistiges Bild, Idee, Aufführung, Einwand, Vorhaltung’ (um 1600);
- Aufführung (eines Theaterstücks o. Ä.), Vorführung eines Films o. Ä.;
- Bild, das sich jemand in seinen Gedanken von etwas macht, das er gewinnt, indem er sich eine Sache in bestimmter Weise vorstellt.
¦⊕¦ Bild oder Abbildung mittels des Vorstellungsvermögen;
Vorstellung
Als Vorstellung wird im weitesten Sinne eine anschauliche Repräsentation eines realen oder fiktiven Gegenstands im Bewusstsein eines Erkenntnissubjekts bezeichnet. Mit „anschaulich“ ist hierbei gemeint, dass eine Verbindung zu den Qualitäten der Sinneswahrnehmung besteht.
Arten von Vorstellungen
Die Bezeichnung Vorstellung wird für den Vorgang des Vorstellens sowie auch für dessen Gegenstand bzw. Inhalt verwendet (für eine reale oder fiktive Wahrnehmung oder abstrakte Bezugnahme auf den Gegenstand).[1]
Eine Vorstellung eines fiktiven Gegenstands wird auch als Imagination bezeichnet. Ebenso können Vorstellungen aber auch realistische zukunftsbezogene Erwartungen darstellen, oder sie können auf Erinnerungen beruhen. Es kann sich ferner um anschaulichere Modelle zu einer abstrakt gegebenen Beschreibung handeln, also um eine Unterfütterung von abstrakten Inhalten mit wahrnehmungsbasierten Inhalten („sich unter einer Sache etwas vorstellen“). In diesem Zusammenhang ist die Frage diskutiert worden, ob Vorstellungen im Sprachverstehen für die Bedeutungvon Wörtern und Sätzen eine Rolle spielen (dies wurde zum Beispiel in der Sprachphilosophie Freges bestritten, wird aber heute vielfach angenommen).[2] Im Unterschied zum Begriff oder Konzept, die dauerhaft im Geist angelegte Strukturen sind (Dispositionen), handelt es sich bei Vorstellungen (jedenfalls im engeren Sinn) um konkret ablaufende Erscheinungen im Geist.
Insofern den Vorstellungen frühere Wahrnehmungen zugrunde liegen, können sie bestimmten Sinnesmodalitäten zugeordnet werden, eine besondere Rolle spielt hierbei die visuelle (bildliche) Vorstellung (die dem Wort „Imagination“ ihren Namen verleiht, von lateinisch imago „Bild“). Daneben sind Vorstellungen anderer Modalitäten möglich, so von Klängen oder Geschmäckern, von Bewegungsabläufen etc.[3] Vorstellungen können unwillkürlich auftreten, häufig ist von ihnen aber als Form der aktiven mentalen Simulation die Rede. Ein Beispiel einer solchen willentlichen Simulation ist die in der Psychologie viel untersuchte „mentale Rotation“ eines Gegenstandes, die auf visuellen und motorischen Vorstellungen beruht.
Vorstellung und Einstellung
Für eine Vorstellung ist charakteristisch, dass sie relativ unabhängig von Einstellungen zur fraglichen Sache bestehen kann: Der Begriff der Vorstellung verhält sich neutral dazu, ob die betreffenden Inhalte gewünscht werden oder nicht. Im Gegensatz zu dem, was man glaubt, muss etwas Vorgestelltes nicht unbedingt eine Auswirkung darauf haben, was man für wahr hält oder wie man handeln wird.[4]
Begriffe der Vorstellung in der Philosophiegeschichte
In der Philosophie wurden seit Aristoteles (und seinem Begriff der phantasia) viele verschiedene Varianten eines Begriffs der Vorstellung entwickelt. Bei Descartes erscheint Vorstellung als Geistesinhalt mit sinnlichen Qualitäten im Gegensatz zum abstrakten Verstand. Kant betont die Rolle der Einbildungskraft. In der Phänomenologie Brentanos und Husserls wird Vorstellung als Gegensatz zum Urteil oder auch zu begrifflicher Bedeutung behandelt.[5]
Teilweise begegnet in der Philosophie „Vorstellung“ auch in Bedeutungen, die nicht der Alltagssprache entsprechen – zum Beispiel als Übersetzung des Begriffs der „idea“ in der Philosophie von John Locke. Locke befasst sich in seinem Werk An Essay Concerning Humane Understanding mit der Herkunft von „ideas“ aus der Erfahrung, und schließt auch direkte Wahrnehmungen in denselben Begriff der „Idee / Vorstellung“ mit ein. Der deutsche philosophische Begriff der „Vorstellung“ hat durch die Tradition als Übersetzung von Lockes idea eine seiner maßgeblichen Prägungen erfahren, jedoch nicht seine einzige.[6]
Literatur
- Shen-yi Liao, Tamar Gendler: Imagination. In: Edward N. Zalta (ed.), The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Summer 2020 Edition. Online.
- Jürgen Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. Band 4: Sp–Z. J. B. Metzler, Stuttgart 1996. — Stichwort „Vorstellung“ S. 570f.
- Peter Prechtl, Franz-Peter Burkard (Hrsg.): Metzler Lexikon Philosophie. 3. Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart 2008. — Stichwort: „Vorstellung“ S. 664f.
- Nigel J.T. Thomas: Mental Imagery. In: Edward N. Zalta (ed.), The Stanford Encyclopedia of Philosophy. Spring 2021 Edition. Online.
Einzelnachweise
(Kurzverweise beziehen sich auf obige Literaturliste)
- Katja Crone, Vorstellung, in: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie Bd. 3, Meiner, Hamburg 2021, ISBN 9783787340798, S. 2918
- Vgl. Prechtl & Burkard (eds., 2008) s.v. „Vorstellung“ (letzter Abschnitt).
- Thomas: Mental Imagery, Stanford Encyclopedia of Philosophy
- Liao & Gendler: Imagination, Stanford Encyclopedia of Philosophy
- Vgl. Prechtl & Burkard (eds., 2008) s.v. „Vorstellung“.
- Mittelstraß (ed. 1996), s.v. „Vorstellung“.