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'''Der <span class="zenoTXHighlight0">Vergleich</span>''' <ref>Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1047-1048. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000497673; Lizenz: [http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]; Faksimiles: [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-1047 1047] | [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-1048 1048]</ref> , des -es, ''plur.'' die -e, von dem folgenden Zeitworte. 1. Die Handlungen des Vergleichens, die Vergleichung, in der zweyten Hauptbedeutung, oder vielmehr die Ähnlichkeit zwischen zwey Dingen, welche eine Vergleichung möglich macht; eine nur im gemeinen Leben übliche Bedeutung, in welcher der Plural nicht Statt findet. Und doch ist zwischen ihm und Damon kein <span class="zenoTXHighlight0">Vergleich</span>, es findet keine Vergleichung zwischen ihnen Statt, sie sind nicht mit einander zu vergleichen. Opitz gebraucht dieses Hauptwort mehrmahls für Vergleichung. 2. Ein Vertrag zur Hebung einer bereits entstandenen oder bevorstehenden Streitigkeit, woraus zugleich erhellet, daß <span class="zenoTXHighlight0">Vergleich</span> eine Unterart des Vertrages, folglich von engerm Umfange der Bedeutung ist. Einen <span class="zenoTXHighlight0">Vergleich</span> mit jemanden treffen. Einen <span class="zenoTXHighlight0">Vergleich</span> machen. Es kommt zu einem Vergleiche, zu einem gütlichen Vergleiche. Die Sache zu einem Vergleiche bringen, einleiten. Sich in einen <span class="zenoTXHighlight0">Vergleich</span> einlassen, einen <span class="zenoTXHighlight0">Vergleich</span> eingehen. Jemanden zum Vergleiche bewegen. Den <span class="zenoTXHighlight0">Vergleich</span> halten, brechen. | |||
< | == Vergleich (Philosophie) == | ||
<p id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading">Der '''Vergleich''' (auch: '''Komparation''') bezeichnet eine grundlegende, auf Wahrnehmung basierende Methode, die zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnis Erkenntnis] von Gemeinsamkeiten/Gleichheit oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterscheidung Unterschieden] zwischen Objekten der [https://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t Realität] führen soll. Eine prägnante Definition der Vergleichsmethode stammt von [https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Brunswig Alfred Brunswig]: „Zwei Objekte vergleichen heißt: sie aufmerksam ... mit spezieller Hinsicht auf ihr gegenseitiges Verhältnis betrachten.“<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie)#cite_note-1 [1]]</sup> Die wenigen Definitionen des Begriffs ''Vergleich'' stimmen im Großen und Ganzen überein. Sie wandeln sich historisch kaum.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie)#cite_note-2 [2]]</sup></p> | |||
== <span id="Voraussetzungen">Voraussetzungen</span> == | |||
<p>Die Durchführung eines Vergleichs setzt folgende vier Elemente voraus:</p> | |||
;Menge | |||
:mindestens eine Menge von zwei [https://de.wikipedia.org/wiki/Objekt_(Philosophie) Objekten] muss gegeben sein, denn andernfalls ist das Erkennen eines Verhältnisses („Verhältnis“ meint hier eine zweistellige [https://de.wikipedia.org/wiki/Relation_(Philosophie) Relation]) nicht möglich. | |||
;Subjekt und Objekt | |||
:Es gibt ein vergleichendes [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Philosophie) Subjekt], denn ''Subjekt'' und ''Objekt'' sind relative Begriffe. Wenn man etwas als „Objekt“ bezeichnet, dann setzt man voraus, dass es auch ein Subjekt gibt. | |||
;Verhältnis | |||
:ein Verhältnis, entweder in Gleichheit oder Ungleichheit, ist vorhanden. Husserl: „Eine Vergleichung kann entweder das Ergebnis liefern, dass die betrachteten Inhalte gleich sind oder dass sie verschieden, das heißt nicht gleich sind.“<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie)#cite_note-3 [3]]</sup> | |||
;Hinsicht | |||
:Objekte werden „aufmerksam ... mit spezieller [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hinsicht&action=edit&redlink=1 Hinsicht]“<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie)#cite_note-4 [4]]</sup> verglichen, denn Gleichheit und Ungleichheit werden stets in einer bestimmten Hinsicht erkannt. | |||
<p>Voraussetzung dafür, durch einen Vergleich eine richtige Erkenntnis zu gewinnen, ist die strikte Einhaltung einer Reihe von notwendigen Bedingungen. Eine Bedingung ist [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Morris_Zelditch&action=edit&redlink=1 Morris Zelditch] zufolge, dass zwei Vergleichsobjekte wenigstens ein Merkmal („variable“) gemeinsam haben:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„(Comparability). Two or more instances of a phenomenon may be compared if and only if there exists some variable, say V, common to each instance.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person h-card">Zelditch, Morris<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie)#cite_note-5 [5]]</sup></span></div></div> | |||
=== <span id="Vergleichbarkeit">Vergleichbarkeit</span> === | |||
<p>''Vergleichen setzt Gemeinsames voraus''. Das bedeutet jedoch nicht, dass die beiden Objekte in Hinsicht auf die Merkmals''ausprägung'' gleich sein müssen. Zum Beispiel sind die zwei Töne C und D vergleichbar, weil sie u. a. das Merkmal/die Variable "Tonhöhe" gemeinsam haben. Hinsichtlich der Merkmalsausprägung sind die Töne jedoch ungleich: C ist ungleich D. Für Morris Zelditch ist diese Regel zusammen mit drei weiteren die logische Grundlage der vergleichenden Forschung.</p> | |||
== <span id="Anwendung">Anwendung</span> == | |||
=== <span id="Philosophie">Philosophie</span> === | |||
<p>Der Vergleich wird nicht nur im Prozess der [https://de.wikipedia.org/wiki/Verallgemeinerung Verallgemeinerung], sondern auch bei anderen Methoden angewendet, zum Beispiel bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Analogieschluss Analogieschlüssen], in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Induktion_(Denken) Induktion], der Traduktion oder der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deduktion Deduktion]. Es ist anerkannt, dass das Auffinden gemeinsamer Merkmale einer zu untersuchenden Klasse von Objekten die erste Stufe der Erkenntnis der Entwicklungsgesetzmäßigkeiten dieser Klasse ist. Außerdem ermöglicht das Vergleichen das [https://de.wikipedia.org/wiki/Messung Messen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Nummer numerisch] ausdrückbarer Eigenschaften. Ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Klassifikationssystem Klassifikationssystem] setzt Vergleichen voraus. Das Erkennen eines Objekts erfordert, es von anderen Objekten zu unterscheiden und eine [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84hnlichkeit_(Philosophie) Ähnlichkeit] mit verwandten Objekten und Erscheinungen festzustellen. Im Prozess der Erkenntnis bilden ''Unterscheidung'' und ''Ähnlichkeit'' eine untrennbare Einheit. Beim Vergleich von Begriffen dürfen nur ''gleichartige Begriffe'', die gleichartige Objekte der [https://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t Realität] repräsentieren, in die Untersuchungen einbezogen werden.</p> | |||
=== <span id="Sozialwissenschaften">Sozialwissenschaften</span> === | |||
<p>Auf die Bedeutung des Vergleichs für die Sozialwissenschaften, insbesondere für die Soziologie, haben bereits mehrere Autoren hingewiesen: Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Auguste_Comte Auguste Comte] ist die Vergleichsmethode "das wichtigste wissenschaftliche Hilfsmittel der Soziologie"<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie)#cite_note-6 [6]]</sup> Und [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89mile_Durkheim Émile Durkheim] zufolge ist die vergleichende Methode „die einzige, welche der Soziologie entspricht.“<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie)#cite_note-7 [7]]</sup> Trotz der hohen Bedeutung, die der Vergleichsmethode zuerkannt wird, sind die methodologischen Grundlagen der Vergleichsmethode kaum erforscht. So stellt Joachim Matthes fest, dass „eine breite und gediegene Auseinandersetzung mit dem epistemologischen und methodologischen Aspekten des „Vergleichens“ in den Sozialwissenschaften bislang fehlt.“<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie)#cite_note-8 [8]]</sup></p> | |||
=== <span id="Geisteswissenschaft">Geisteswissenschaft</span> === | |||
<p>Mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Komparatistik Komparatistik] hat der Vergleich eine eigene Gattung innerhalb der [https://de.wikipedia.org/wiki/Literaturwissenschaft Literaturwissenschaft].</p> | |||
== <span id="Bedeutung_des_Vergleichs_in_der_Gesellschaft">Bedeutung des Vergleichs in der Gesellschaft</span> == | |||
<p>Durch den "sozialen Vergleich" können im Alltag soziale Ungleichheiten in der Gesellschaft erkannt werden. Diese Art von Vergleich unter Mitmenschen wird vor allem in der (Sozial-)Psychologie und der Mikrosoziologie untersucht. Eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie_des_sozialen_Vergleichs Theorie des sozialen Vergleichs] stammt von [https://de.wikipedia.org/wiki/Leon_Festinger Leon Festinger].</p><p>Vergleiche können auch in einem umfassenderen Zusammenhang vollzogen werden. Z. B. wird in der Gesellschaft weltweit zwischen Waren und Dienstleistungen, sportlichen Leistungen oder zwischen Ländern und Kulturen verglichen. Diese Art von Vergleich wird in der Makrosoziologie erforscht und wird auch als [https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturvergleichende_Sozialforschung Kulturvergleichende Sozialforschung] bezeichnet.<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Vergleich_(Philosophie)#cite_note-9 [9]]</sup></p> | |||
== <span id="Einteilung_der_Vergleiche">Einteilung der Vergleiche</span> == | |||
<p>Verglichen werden können Objekte der Außenwelt (Menschen, Preise, Länder etc.) oder auch der Innenwelt (zum Beispiel Begriffe oder Gedanken). Bezüglich der Art der Vergleichsobjekte unterscheidet Brunswig (1910, S. 148–182) elf Arten von Vergleichen; u. a. Farb-, Zeit- und Wertvergleiche. Meinong (1971, S. 237–239) unterscheidet nach der Art des Gegebenseins der Objekte direkte und indirekte Vergleiche.</p> | |||
== <span id="Literatur">Literatur</span> == | |||
*Alfred Brunswig: ''Das Vergleichen und die Relationserkenntnis.'' B. G. Teubner, Leipzig/Berlin 1910. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Dorschel Andreas Dorschel]: ''Das anthropologische Argument in der praktischen Philosophie und die Logik des Vergleichs.'' In: ''Logos.'' Neue Folge. Band 2, 1995, Nr. 1, S. 19–40. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Husserl Edmund Husserl]: ''Philosophie der Arithmetik. Mit ergänzenden Texten (1890–1901).'' Lothar Eley (Hrsg.). Martinius Nijhoff, Den Haag 1970. | |||
*Joachim Matthes: ''The Operation Called „Vergleichen“.'' In: ders. (Hrsg.): ''Zwischen den Kulturen? Die Sozialwissenschaften vor dem Problem des Kulturvergleichs.'' (= ''Soziale Welt''. Sonderband 8). Göttingen 1992, S. 75–99. | |||
*Alexius Meinong: ''Über die Bedeutung des Webersches Gesetzes.'' In: Rudolf Haller, Rudolf Kindinger, Roderick M. Chisholm (Hrsg.): ''Alexius Meinong Gesamtausgabe.'' Bd. II: ''Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie,'' bearbeitet von Rudolf Haller. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1971, S. 215–376. | |||
*Haun Saussy: ''Are We Comparing Yet? On Standards, Justice, and Incomparability.'' Transcript, Bielefeld 2019, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783837649772 ISBN 978-3-8376-4977-2] ([https://www.bielefeld-university-press.de/978-3-8376-4977-2/are-we-comparing-yet/?number=978-3-8394-4977-6 PDF-Download]). | |||
*Günter Schenk, Andrej Krause: ''Vergleich.'' In: Joachim Ritter, Karlfried Gründer (Hrsg.): ''Historisches Wörterbuch der Philosophie.'' Bd. 11. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, Sp. 676–680 | |||
*Philip Thelen: ''Vergleich in der Weltgesellschaft. Zur Funktion nationaler Grenzen für die Globalisierung von Wissenschaft und Politik.'' Transcript. Bielefeld 2011. | |||
*Morris Zelditch, Jr.: ''"Intelligible comparisons".'' In Ivan Vallier (Hrsg.): ''Comparative Methods in Sociology. Essays on Trends and Applications.'' University of California Press, Berkeley 1971, S. 267–308. | |||
*Andreas Mauz, Hartmut von Sass (Hg.), ''Hermeneutik des Vergleichs. Strukturen, Anwendungen und Grenzen komparativer Verfahren.'' Königshausen & Neumann, Würzburg 2011 (Interpretation Interdisziplinär, Bd. 8). [https://www.academia.edu/33053827/Hermeneutik_des_Vergleichs_Strukturen_Anwendungen_und_Grenzen_komparativer_Verfahren_hg_v_Andreas_Mauz_u_Hartmut_von_Sass_2011_ pdf-Version] | |||
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> == | |||
<div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Vergleich Wiktionary: Vergleich]''' – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div> | |||
*[http://vergleichsmethode.wordpress.com/ Informationen zur Vergleichsmethode] | |||
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> == | |||
#<span class="reference-text">Brunswig, Alfred: Das Vergleichen und die Relationserkenntnis, Leipzig/Berlin: B. G. Teubner, 1910, S. 62.</span> | |||
#<span class="reference-text">Vgl. Schenk, G./Krause, A., 2001, Spalte 677.</span> | |||
#<span class="reference-text">Edmund Husserl: ''Philosophie der Arithmetik. Mit ergänzenden Texten (1890–1901).'' Herausgegeben von Lothar Eley. Martinius Nijhoff, Den Haag 1970, S. 55.</span> | |||
#<span class="reference-text">Brunswig, 1911, S. 62</span> | |||
#<span class="reference-text">Zelditch, Morris Jr.: "Intelligible comparisons," in Ivan Vallier (Hrsg.): Comparative Methods in Sociology. Essays on Trends and Applications, Berkeley: University of California Press, 1971, S. 267.</span> | |||
#<span class="reference-text">Comte, Auguste: Die Soziologie, 1974, S. 109</span> | |||
#<span class="reference-text">Durkheim, Emile: Die Regeln der soziologischen Methode, 1991, S. 205.</span> | |||
#<span class="reference-text">Matthes, Joachim: The Operation Called „Vergleichen“, in: ders. (Hrsg.): Zwischen den Kulturen? Die Sozialwissenschaften vor dem Problem des Kulturvergleichs, (Soziale Welt, Sonderband 8), Göttingen: 1992, S. 75.</span> | |||
#<span class="reference-text">Vgl. Philip Thelen: Vergleich in der Weltgesellschaft, Bielefeld, Transcript, 2011.</span> | |||
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Aktuelle Version vom 8. Juni 2025, 06:02 Uhr
vergleich deu. ‘prüfende, kritische Nebeneinanderstellung, gütlicher Ausgleich in einem Streitfall, Einigung’ (17. Jh.), älter Vergleichung; Vorgang bei dem etwas mit etwas aus einem anderen (gegenständlichen) Bereich im Hinblick auf ein beiden Gemeinsames in Beziehung gesetzt und dadurch eindringlich veranschaulicht wird z. B. Haare schwarz wie Ebenholz;
Der Vergleich [1] , des -es, plur. die -e, von dem folgenden Zeitworte. 1. Die Handlungen des Vergleichens, die Vergleichung, in der zweyten Hauptbedeutung, oder vielmehr die Ähnlichkeit zwischen zwey Dingen, welche eine Vergleichung möglich macht; eine nur im gemeinen Leben übliche Bedeutung, in welcher der Plural nicht Statt findet. Und doch ist zwischen ihm und Damon kein Vergleich, es findet keine Vergleichung zwischen ihnen Statt, sie sind nicht mit einander zu vergleichen. Opitz gebraucht dieses Hauptwort mehrmahls für Vergleichung. 2. Ein Vertrag zur Hebung einer bereits entstandenen oder bevorstehenden Streitigkeit, woraus zugleich erhellet, daß Vergleich eine Unterart des Vertrages, folglich von engerm Umfange der Bedeutung ist. Einen Vergleich mit jemanden treffen. Einen Vergleich machen. Es kommt zu einem Vergleiche, zu einem gütlichen Vergleiche. Die Sache zu einem Vergleiche bringen, einleiten. Sich in einen Vergleich einlassen, einen Vergleich eingehen. Jemanden zum Vergleiche bewegen. Den Vergleich halten, brechen.
Vergleich (Philosophie)
Der Vergleich (auch: Komparation) bezeichnet eine grundlegende, auf Wahrnehmung basierende Methode, die zur Erkenntnis von Gemeinsamkeiten/Gleichheit oder Unterschieden zwischen Objekten der Realität führen soll. Eine prägnante Definition der Vergleichsmethode stammt von Alfred Brunswig: „Zwei Objekte vergleichen heißt: sie aufmerksam ... mit spezieller Hinsicht auf ihr gegenseitiges Verhältnis betrachten.“[1] Die wenigen Definitionen des Begriffs Vergleich stimmen im Großen und Ganzen überein. Sie wandeln sich historisch kaum.[2]
Voraussetzungen
Die Durchführung eines Vergleichs setzt folgende vier Elemente voraus:
- Menge
- mindestens eine Menge von zwei Objekten muss gegeben sein, denn andernfalls ist das Erkennen eines Verhältnisses („Verhältnis“ meint hier eine zweistellige Relation) nicht möglich.
- Subjekt und Objekt
- Es gibt ein vergleichendes Subjekt, denn Subjekt und Objekt sind relative Begriffe. Wenn man etwas als „Objekt“ bezeichnet, dann setzt man voraus, dass es auch ein Subjekt gibt.
- Verhältnis
- ein Verhältnis, entweder in Gleichheit oder Ungleichheit, ist vorhanden. Husserl: „Eine Vergleichung kann entweder das Ergebnis liefern, dass die betrachteten Inhalte gleich sind oder dass sie verschieden, das heißt nicht gleich sind.“[3]
- Hinsicht
- Objekte werden „aufmerksam ... mit spezieller Hinsicht“[4] verglichen, denn Gleichheit und Ungleichheit werden stets in einer bestimmten Hinsicht erkannt.
Voraussetzung dafür, durch einen Vergleich eine richtige Erkenntnis zu gewinnen, ist die strikte Einhaltung einer Reihe von notwendigen Bedingungen. Eine Bedingung ist Morris Zelditch zufolge, dass zwei Vergleichsobjekte wenigstens ein Merkmal („variable“) gemeinsam haben:
„(Comparability). Two or more instances of a phenomenon may be compared if and only if there exists some variable, say V, common to each instance.“
Vergleichbarkeit
Vergleichen setzt Gemeinsames voraus. Das bedeutet jedoch nicht, dass die beiden Objekte in Hinsicht auf die Merkmalsausprägung gleich sein müssen. Zum Beispiel sind die zwei Töne C und D vergleichbar, weil sie u. a. das Merkmal/die Variable "Tonhöhe" gemeinsam haben. Hinsichtlich der Merkmalsausprägung sind die Töne jedoch ungleich: C ist ungleich D. Für Morris Zelditch ist diese Regel zusammen mit drei weiteren die logische Grundlage der vergleichenden Forschung.
Anwendung
Philosophie
Der Vergleich wird nicht nur im Prozess der Verallgemeinerung, sondern auch bei anderen Methoden angewendet, zum Beispiel bei Analogieschlüssen, in der Induktion, der Traduktion oder der Deduktion. Es ist anerkannt, dass das Auffinden gemeinsamer Merkmale einer zu untersuchenden Klasse von Objekten die erste Stufe der Erkenntnis der Entwicklungsgesetzmäßigkeiten dieser Klasse ist. Außerdem ermöglicht das Vergleichen das Messen numerisch ausdrückbarer Eigenschaften. Ein Klassifikationssystem setzt Vergleichen voraus. Das Erkennen eines Objekts erfordert, es von anderen Objekten zu unterscheiden und eine Ähnlichkeit mit verwandten Objekten und Erscheinungen festzustellen. Im Prozess der Erkenntnis bilden Unterscheidung und Ähnlichkeit eine untrennbare Einheit. Beim Vergleich von Begriffen dürfen nur gleichartige Begriffe, die gleichartige Objekte der Realität repräsentieren, in die Untersuchungen einbezogen werden.
Sozialwissenschaften
Auf die Bedeutung des Vergleichs für die Sozialwissenschaften, insbesondere für die Soziologie, haben bereits mehrere Autoren hingewiesen: Für Auguste Comte ist die Vergleichsmethode "das wichtigste wissenschaftliche Hilfsmittel der Soziologie"[6] Und Émile Durkheim zufolge ist die vergleichende Methode „die einzige, welche der Soziologie entspricht.“[7] Trotz der hohen Bedeutung, die der Vergleichsmethode zuerkannt wird, sind die methodologischen Grundlagen der Vergleichsmethode kaum erforscht. So stellt Joachim Matthes fest, dass „eine breite und gediegene Auseinandersetzung mit dem epistemologischen und methodologischen Aspekten des „Vergleichens“ in den Sozialwissenschaften bislang fehlt.“[8]
Geisteswissenschaft
Mit der Komparatistik hat der Vergleich eine eigene Gattung innerhalb der Literaturwissenschaft.
Bedeutung des Vergleichs in der Gesellschaft
Durch den "sozialen Vergleich" können im Alltag soziale Ungleichheiten in der Gesellschaft erkannt werden. Diese Art von Vergleich unter Mitmenschen wird vor allem in der (Sozial-)Psychologie und der Mikrosoziologie untersucht. Eine Theorie des sozialen Vergleichs stammt von Leon Festinger.
Vergleiche können auch in einem umfassenderen Zusammenhang vollzogen werden. Z. B. wird in der Gesellschaft weltweit zwischen Waren und Dienstleistungen, sportlichen Leistungen oder zwischen Ländern und Kulturen verglichen. Diese Art von Vergleich wird in der Makrosoziologie erforscht und wird auch als Kulturvergleichende Sozialforschung bezeichnet.[9]
Einteilung der Vergleiche
Verglichen werden können Objekte der Außenwelt (Menschen, Preise, Länder etc.) oder auch der Innenwelt (zum Beispiel Begriffe oder Gedanken). Bezüglich der Art der Vergleichsobjekte unterscheidet Brunswig (1910, S. 148–182) elf Arten von Vergleichen; u. a. Farb-, Zeit- und Wertvergleiche. Meinong (1971, S. 237–239) unterscheidet nach der Art des Gegebenseins der Objekte direkte und indirekte Vergleiche.
Literatur
- Alfred Brunswig: Das Vergleichen und die Relationserkenntnis. B. G. Teubner, Leipzig/Berlin 1910.
- Andreas Dorschel: Das anthropologische Argument in der praktischen Philosophie und die Logik des Vergleichs. In: Logos. Neue Folge. Band 2, 1995, Nr. 1, S. 19–40.
- Edmund Husserl: Philosophie der Arithmetik. Mit ergänzenden Texten (1890–1901). Lothar Eley (Hrsg.). Martinius Nijhoff, Den Haag 1970.
- Joachim Matthes: The Operation Called „Vergleichen“. In: ders. (Hrsg.): Zwischen den Kulturen? Die Sozialwissenschaften vor dem Problem des Kulturvergleichs. (= Soziale Welt. Sonderband 8). Göttingen 1992, S. 75–99.
- Alexius Meinong: Über die Bedeutung des Webersches Gesetzes. In: Rudolf Haller, Rudolf Kindinger, Roderick M. Chisholm (Hrsg.): Alexius Meinong Gesamtausgabe. Bd. II: Abhandlungen zur Erkenntnistheorie und Gegenstandstheorie, bearbeitet von Rudolf Haller. Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1971, S. 215–376.
- Haun Saussy: Are We Comparing Yet? On Standards, Justice, and Incomparability. Transcript, Bielefeld 2019, ISBN 978-3-8376-4977-2 (PDF-Download).
- Günter Schenk, Andrej Krause: Vergleich. In: Joachim Ritter, Karlfried Gründer (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Bd. 11. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, Sp. 676–680
- Philip Thelen: Vergleich in der Weltgesellschaft. Zur Funktion nationaler Grenzen für die Globalisierung von Wissenschaft und Politik. Transcript. Bielefeld 2011.
- Morris Zelditch, Jr.: "Intelligible comparisons". In Ivan Vallier (Hrsg.): Comparative Methods in Sociology. Essays on Trends and Applications. University of California Press, Berkeley 1971, S. 267–308.
- Andreas Mauz, Hartmut von Sass (Hg.), Hermeneutik des Vergleichs. Strukturen, Anwendungen und Grenzen komparativer Verfahren. Königshausen & Neumann, Würzburg 2011 (Interpretation Interdisziplinär, Bd. 8). pdf-Version
Weblinks
Einzelnachweise
- Brunswig, Alfred: Das Vergleichen und die Relationserkenntnis, Leipzig/Berlin: B. G. Teubner, 1910, S. 62.
- Vgl. Schenk, G./Krause, A., 2001, Spalte 677.
- Edmund Husserl: Philosophie der Arithmetik. Mit ergänzenden Texten (1890–1901). Herausgegeben von Lothar Eley. Martinius Nijhoff, Den Haag 1970, S. 55.
- Brunswig, 1911, S. 62
- Zelditch, Morris Jr.: "Intelligible comparisons," in Ivan Vallier (Hrsg.): Comparative Methods in Sociology. Essays on Trends and Applications, Berkeley: University of California Press, 1971, S. 267.
- Comte, Auguste: Die Soziologie, 1974, S. 109
- Durkheim, Emile: Die Regeln der soziologischen Methode, 1991, S. 205.
- Matthes, Joachim: The Operation Called „Vergleichen“, in: ders. (Hrsg.): Zwischen den Kulturen? Die Sozialwissenschaften vor dem Problem des Kulturvergleichs, (Soziale Welt, Sonderband 8), Göttingen: 1992, S. 75.
- Vgl. Philip Thelen: Vergleich in der Weltgesellschaft, Bielefeld, Transcript, 2011.
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1047-1048. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000497673; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 1047 | 1048