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„Dauer im Wechsel“ – Versionsunterschied

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[[Kategorie:Werk von Johann Wolfgang von Goethe]]
{{AufEinWortWerk
| Werkart = Abschrift
| Ururheber = Johann Wolfgang von Goethe
| Urwerk = Dauer im Wechsel
| Urwerkdatum = 1806
| Güte = unüberarbeitet
| Prüfstand = ungeprüft
}}
 
<blockquote>Hielte diesen frühen Segen,
 
Ach, nur eine Stunde fest!
 
Aber vollen Blütenregen
 
Schüttelt schon der laue West.
 
Soll ich mich des Grünen freuen,
 
Dem ich Schatten erst verdankt?
 
Bald wird Sturm auch das zerstreuen,
 
Wenn es falb im Herbst geschwankt.</blockquote>{{Anker|Heraklit}} <blockquote>Willst du nach den Früchten greifen,
 
Eilig nimm dein Teil davon!
 
Diese fangen an zu reifen,
 
Und die andern keimen schon;
 
Gleich mit jedem Regengusse
 
Ändert sich dein holdes Tal,
 
Ach, und in demselben Flusse
 
Schwimmst du nicht zum Zweitenmal.</blockquote> <blockquote>Du nun selbst! Was felsenfeste
 
Sich vor dir hervorgetan,
 
Mauern siehst du, siehst Paläste
 
Stets mit andern Augen an.
 
Weggeschwunden ist die Lippe,
 
Die im Kusse sonst genas,
 
Jener Fuß, der an der Klippe
 
Sich mit Gemsenfreche maß.</blockquote> <blockquote>Jene Hand, die gern und milde
 
Sich bewegte, wohlzutun,
 
Das gegliederte Gebilde,
 
Alles ist ein andres nun.
 
Und was sich an jener Stelle
 
Nun mit deinem Namen nennt,
 
Kam herbei wie eine Welle,
 
Und so eilt's zum Element.</blockquote> <blockquote>Laß den Anfang mit dem Ende
 
Sich in eins zusammenzieh'n!
 
Schneller als die Gegenstände
 
Selber dich vorüberflieh'n.
 
Danke, daß die Gunst der Musen
 
Unvergängliches verheißt:
 
Den Gehalt in deinem Busen
 
Und die Form in deinem Geist.</blockquote>

Aktuelle Version vom 5. Juli 2026, 12:16 Uhr

Hielte diesen frühen Segen,

Ach, nur eine Stunde fest!

Aber vollen Blütenregen

Schüttelt schon der laue West.

Soll ich mich des Grünen freuen,

Dem ich Schatten erst verdankt?

Bald wird Sturm auch das zerstreuen,

Wenn es falb im Herbst geschwankt.

Willst du nach den Früchten greifen,

Eilig nimm dein Teil davon!

Diese fangen an zu reifen,

Und die andern keimen schon;

Gleich mit jedem Regengusse

Ändert sich dein holdes Tal,

Ach, und in demselben Flusse

Schwimmst du nicht zum Zweitenmal.

Du nun selbst! Was felsenfeste

Sich vor dir hervorgetan,

Mauern siehst du, siehst Paläste

Stets mit andern Augen an.

Weggeschwunden ist die Lippe,

Die im Kusse sonst genas,

Jener Fuß, der an der Klippe

Sich mit Gemsenfreche maß.

Jene Hand, die gern und milde

Sich bewegte, wohlzutun,

Das gegliederte Gebilde,

Alles ist ein andres nun.

Und was sich an jener Stelle

Nun mit deinem Namen nennt,

Kam herbei wie eine Welle,

Und so eilt's zum Element.

Laß den Anfang mit dem Ende

Sich in eins zusammenzieh'n!

Schneller als die Gegenstände

Selber dich vorüberflieh'n.

Danke, daß die Gunst der Musen

Unvergängliches verheißt:

Den Gehalt in deinem Busen

Und die Form in deinem Geist.