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„Hybris“ – Versionsunterschied

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* Übernahme (19. Jh.) von
* [[glbed.]] <abbr title="" data-toggle="tooltip" data-original-title="griechisch">[[grie.]]</abbr> (<span class="etymwb-mentioned">[[ὕβρις]]</span>) {{Schaufenster|modus=ignorieren|link=1|linkpos=prefix|Seite=hýbris/dt.}}.
 
Dazu ohne [[grie.]] Vorbild (vielleicht mit formaler Anlehnung an [[hybrid]]<sup>1</sup>, s. d.) <span class="etymwb-headword"><span class="etymwb-orth">hybrid<sup>2</sup></span> <span class="etymwb-gramgrp">Adj. </span></span>‘hochmütig, überheblich, vermessen’ (20. Jh.).
 
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{{Begriffsklärungshinweis}}
[[Datei:Atlas Typhoeus Prometheus.png|mini|Schwarzfigurige Keramik (550 v. Chr.), die [[Prometheus]] im Strafvollzug darstellt, an eine Säule gebunden.]]
[[Datei:Sebald Beham, The Impossibility, 1549, NGA 4296.jpg|miniatur|[[Sebald Beham]]: ''Das Unmögliche''. Der Kupferstich von 1549 enthält die Warnung: ''Niment under stesich groser Ding, die im zu thun unmuglich sindt.'']]
Die '''Hybris''' [{{IPA|ˈhyːbʀɪs}}] ({{grcS|ὕβρις}} ''hýbris'' ‚Übermut‘, ‚Anmaßung‘) bezeichnet eine extreme Form der [[Selbstüberschätzung]] oder auch des [[Hochmut]]s. Man verbindet mit Hybris häufig den [[Realitätsverlust]] einer Person und die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, Leistungen oder Kompetenzen, vor allem von Personen in Machtpositionen.
 
== Beschreibung ==
In [[Antikes Griechenland|antiken griechischen]] [[Tragödie]]n wurde Hybris als Auslöser für das Scheitern vieler [[Protagonist]]en verwendet, die in ihrer [[Überheblichkeit]] die von [[Gott|Göttern]] gegebenen Befehle und Gesetze ignorierten. Auf die menschliche Hybris folgt häufig die göttliche Bestrafung durch [[Nemesis]], was schließlich oft zum Fall und Tod des Protagonisten führt.
 
Nach Auffassung von [[Walter Kaufmann (Philosoph)|Walter Kaufmann]] ist Hybris weder als [[Stolz]] auf eigene Leistung oder eigenen Wert noch als ein Herausstreichen des eigenen Verdiensts ([[Selbstbeweihräucherung]]) zu verstehen. Hybris ist nicht wie Stolz etwas, das man fühlt. Sie ist vielmehr immer mit einer Handlung verbunden. Das griechische Verb ὑβρίζειν ''(hybrízein)'' bedeutet bei [[Homer]] ‚zügellos werden‘ oder ‚sich austoben‘ und wird auch auf Flüsse, wuchernde Pflanzen und überfütterte Esel angewandt, die schreien und aufstampfen. Hybris bedeutet demnach ‚mutwillige Gewalt‘ und ‚Frechheit‘ (etwa in der [[Odyssee]] gebraucht für [[Penelope (Mythologie)|Penelopes]] Freier). Sie bedeutet auch ‚[[Habgier|Gier]]‘ und ‚Lüsternheit‘. ''Hybrisma'' bedeutet [[Frevel]], Vergewaltigung, Raub, und fasst im Recht alles zusammen, was einer Gottheit oder einem Menschen an schwerer [[Unbill]] zugefügt wird.<ref>[[Walter Kaufmann (Philosoph)|Walter Kaufmann]]: ''Tragödie und Philosophie'' (= ''Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften.'' Bd. 26). Mohr, Tübingen 1980, ISBN 3-16-942682-6, S.&nbsp;74.</ref>
 
In der Wissenschaft wird Hybris auch in der [[Psychologie]], [[Medizin]] sowie in der [[Organisationstheorie|Organisations-]] und [[Managementlehre|Managementforschung]] untersucht und thematisiert.<ref>Vgl. z.&nbsp;B. Philipp Hermanns: ''Organizational Hubris. Aufstieg und Fall einer Celebrity Firm am Beispiel der CargoLifter AG.'' Kölner Wissenschaftsverlag, Köln 2012, ISBN 978-3-942720-33-5, S.&nbsp;9 ff. Auch als [[Open Access|Open-Access]]-Version [https://refubium.fu-berlin.de/discover?filtertype_0=mycoreId&filter_relational_operator_0=equals&filter_0=FUDISS_thesis_000000039985 diss.fu-berlin.de.]</ref> Im heutigen Sprachgebrauch wird ''Hybris'' als ein bildungssprachlicher Ausdruck für Vermessenheit und Selbstüberhebung verwendet, die zu einem schlimmen Ende führen werden. Beispiel: {{"|Die Hybris, die uns versuchen läßt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.|[[Karl Popper]]<ref>Karl Popper: ''Das Elend des Historizismus.'' Vorwort zur deutschen Ausgabe von 1964, Mohr, Tübingen 1974, ISBN 3-16-532721-1, S.&nbsp;viii - ix.</ref>}}
 
== Literatur ==
* [[M. H. Abrams|Meyer H. Abrams]], Geoffrey Galt Harpham: ''A Glossary of Literary Terms.'' 10th edition, international edition. Wadsworth Cengage Learning, Boston MA u. a. 2012, ISBN 978-0-495-90659-9, S.&nbsp;408 f.
 
== Weblinks ==
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]
{{Wiktionary}}
 
== Einzelnachweise ==
<references />
 
{{Normdaten|TYP=s|GND=4331586-0|LCCN=sh/95/8867}}
 
[[Kategorie:Literarischer Begriff]]
[[Kategorie:Religiöse Ethik]]
[[Kategorie:Handlung und Verhalten]]

Aktuelle Version vom 2. April 2026, 08:52 Uhr

hybris f. ,

hybr-is

Dazu ohne grie. Vorbild (vielleicht mit formaler Anlehnung an hybrid1, s. d.) hybrid2 Adj. ‘hochmütig, überheblich, vermessen’ (20. Jh.).


Schwarzfigurige Keramik (550 v. Chr.), die Prometheus im Strafvollzug darstellt, an eine Säule gebunden.
Sebald Beham: Das Unmögliche. Der Kupferstich von 1549 enthält die Warnung: Niment under stesich groser Ding, die im zu thun unmuglich sindt.

Die Hybris [ˈhyːbʀɪs] (altgriechisch ὕβρις hýbris ‚Übermut‘, ‚Anmaßung‘) bezeichnet eine extreme Form der Selbstüberschätzung oder auch des Hochmuts. Man verbindet mit Hybris häufig den Realitätsverlust einer Person und die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, Leistungen oder Kompetenzen, vor allem von Personen in Machtpositionen.

Beschreibung

In antiken griechischen Tragödien wurde Hybris als Auslöser für das Scheitern vieler Protagonisten verwendet, die in ihrer Überheblichkeit die von Göttern gegebenen Befehle und Gesetze ignorierten. Auf die menschliche Hybris folgt häufig die göttliche Bestrafung durch Nemesis, was schließlich oft zum Fall und Tod des Protagonisten führt.

Nach Auffassung von Walter Kaufmann ist Hybris weder als Stolz auf eigene Leistung oder eigenen Wert noch als ein Herausstreichen des eigenen Verdiensts (Selbstbeweihräucherung) zu verstehen. Hybris ist nicht wie Stolz etwas, das man fühlt. Sie ist vielmehr immer mit einer Handlung verbunden. Das griechische Verb ὑβρίζειν (hybrízein) bedeutet bei Homer ‚zügellos werden‘ oder ‚sich austoben‘ und wird auch auf Flüsse, wuchernde Pflanzen und überfütterte Esel angewandt, die schreien und aufstampfen. Hybris bedeutet demnach ‚mutwillige Gewalt‘ und ‚Frechheit‘ (etwa in der Odyssee gebraucht für Penelopes Freier). Sie bedeutet auch ‚Gier‘ und ‚Lüsternheit‘. Hybrisma bedeutet Frevel, Vergewaltigung, Raub, und fasst im Recht alles zusammen, was einer Gottheit oder einem Menschen an schwerer Unbill zugefügt wird.[1]

In der Wissenschaft wird Hybris auch in der Psychologie, Medizin sowie in der Organisations- und Managementforschung untersucht und thematisiert.[2] Im heutigen Sprachgebrauch wird Hybris als ein bildungssprachlicher Ausdruck für Vermessenheit und Selbstüberhebung verwendet, die zu einem schlimmen Ende führen werden. Beispiel: „Die Hybris, die uns versuchen läßt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.“ (Karl Popper[3])

Literatur

  • Meyer H. Abrams, Geoffrey Galt Harpham: A Glossary of Literary Terms. 10th edition, international edition. Wadsworth Cengage Learning, Boston MA u. a. 2012, ISBN 978-0-495-90659-9, S. 408 f.
Wiktionary: Hybris – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Walter Kaufmann: Tragödie und Philosophie (= Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften. Bd. 26). Mohr, Tübingen 1980, ISBN 3-16-942682-6, S. 74.
  2. ↑ Vgl. z. B. Philipp Hermanns: Organizational Hubris. Aufstieg und Fall einer Celebrity Firm am Beispiel der CargoLifter AG. Kölner Wissenschaftsverlag, Köln 2012, ISBN 978-3-942720-33-5, S. 9 ff. Auch als Open-Access-Version diss.fu-berlin.de.
  3. ↑ Karl Popper: Das Elend des Historizismus. Vorwort zur deutschen Ausgabe von 1964, Mohr, Tübingen 1974, ISBN 3-16-532721-1, S. viii - ix.