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„Prädikation“ – Versionsunterschied

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[[praedicātiō]][[-n]] [[Sprachstufe::lat.-deu.]] vgl. ''[[Prädikatenlogik]]''


= Prädikation =
'''Prädikation''' (von lateinisch ''[[praedicāre]]'' ‚bekanntmachen‘, ‚ausrufen‘ bzw. ''[[praedicātiō]]'' ‚Aussage‘, ‚Bekanntmachung‘) ist ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachphilosophie (sprach-)philosophischer] Fachbegriff, der eine [[sprachliche Handlung]] bezeichnet, durch die einem [[Gegenstand]] ''([[Ding]], [[Objekt]], [[Sachverhalt]])'' [[Eigenschaften]] zu- oder abgesprochen werden.
'''Prädikation''' (von lateinisch ''[[praedicāre]]'' ‚bekanntmachen‘, ‚ausrufen‘ bzw. ''[[praedicātiō]]'' ‚Aussage‘, ‚Bekanntmachung‘) ist ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachphilosophie (sprach-)philosophischer] Fachbegriff, der eine [[sprachliche Handlung]] bezeichnet, durch die einem [[Gegenstand]] ''([[Ding]], [[Objekt]], [[Sachverhalt]])'' [[Eigenschaften]] zu- oder abgesprochen werden.


== <span id="Allgemeines">Allgemeines</span> ==
== Allgemeines ==
<p>In der Logik wird der sich auf einen Gegenstand beziehende Ausdruck auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Nominator_(Logik) Nominator], der eine Eigenschaft (im weiten Sinn) bezeichnende Ausdruck auch [[Prädikator]] genannt. Dann lässt sich wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Kamlah Wilhelm Kamlah] in seiner ''Logischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Prop%C3%A4deutik Propädeutik]''<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikation#cite_note-1 [1]]</sup> die Prädikation auch definieren als [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprechakt sprachliche Handlung], bei der durch Verwendung von Nominator und Prädikator ein Objekt identifiziert und ihm Eigenschaften zu- oder abgesprochen werden.</p><p>Die Prädikation bewirkt eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Klassifizierung Klassifizierung] bzw. [https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorisierung_(Kognitionswissenschaft) Kategorisierung]. Durch eine Prädikation werden sprachliche Unterscheidungen vorgenommen. Zusammen mit der Referenz führt die Prädikation zur sprachlichen „Gliederung der Welt“.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikation#cite_note-2 [2]]</sup></p><p>Daneben kann Prädikation auch das Ergebnis der Prädikation als Handlung, d.&nbsp;h. die Aussage selbst<sup id="cite_ref-Regenbogen_3-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikation#cite_note-Regenbogen-3 [3]]</sup> oder die Beziehung eines Gegenstandes zu einem Prädikat (Eigenschaft, Relation) bezeichnen,<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikation#cite_note-4 [4]]</sup> d.&nbsp;h. die Äußerung einer Aussage, die Aussage oder den Aussagegehalt/-inhalt ([https://de.wikipedia.org/wiki/Proposition_(Linguistik) Proposition]).</p><p>Von [https://de.wikipedia.org/wiki/Kuno_Lorenz Kuno Lorenz], [https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Lorenzen Paul Lorenzen] und Wilhelm Kamlah wurde die Prädikation [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachphilosophie sprachphilosophisch] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Handlungstheorie_(Philosophie) handlungstheoretisch] im Rahmen der ''Logischen Propädeutik'' des frühen [https://de.wikipedia.org/wiki/Erlanger_Konstruktivismus Erlanger Konstruktivismus] präzisiert.</p>
In der Logik wird der sich auf einen Gegenstand beziehende Ausdruck auch [[Nominator (Logik)|Nominator]], der eine Eigenschaft (im weiten Sinn) bezeichnende Ausdruck auch [[Prädikator]] genannt. Dann lässt sich wie [[Wilhelm Kamlah]] in seiner ''Logischen [[Propädeutik]]''<ref>[[Wilhelm Kamlah]], [[Paul Lorenzen]]: ''Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens'', Bibliographisches Institut Mannheim, 1967</ref> die Prädikation auch definieren als [[Sprechakt|sprachliche Handlung]], bei der durch Verwendung von Nominator und Prädikator ein Objekt identifiziert und ihm Eigenschaften zu- oder abgesprochen werden.
== <span id="Sprachlogischer_Prozess">Sprachlogischer Prozess</span> ==
<p>Um eine Prädikation sprachlich auszudrücken, bedient man sich einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Logische_Aussage logischen Aussage] bzw. eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Urteil_(Logik) logischen Urteils]. In frühen Phasen der Sprachentwicklung genügen Ein-Wort-Sätze; [https://de.wikipedia.org/wiki/Theo_Herrmann_(Psychologe) Theo Herrmann] (1972).<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikation#cite_note-5 [5]]</sup></p><p>In der Regel dient die Prädikation dazu, entweder den Gegenstand mithilfe der Kategorie (z.&nbsp;B. ''Dies ist ein Spargelschäler''), oder die Kategorie am Beispiel des Gegenstandes zu erklären (z.&nbsp;B. ''Linden sind Bäume, Eichen sind Bäume, Tannen sind Bäume'').</p><p>Wird nur ''einem'' Gegenstand eine Eigenschaft (sogenannter einstelliger Prädikator) zu- oder abgesprochen, führt diese einfache Prädikation zu einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Elementarsatz Elementarsatz]. Beispiel: ''Diese Enzyklopädie ist umfangreich'' oder: ''Dieser Artikel ist nicht lang.'' Kamlahs Beispiel für eine elementare Prädikation lautet „Dies ist ein Fagott“. Dieser Satz könnte in einer Gesprächssituation zwischen Musiklehrer und -schüler fallen, während der Lehrer auf ein gewisses Instrument zeigt (sog. [https://de.wikipedia.org/wiki/Deixis deiktische Handlung]). Indem andere (Eltern, Lehrer) Prädikationen wiederholen, lernen wir durch Beispiel und Gegenbeispiel (Kamlah: „Dies ist ein Fagott; jenes ist kein Fagott (sondern eine Klarinette).“) die Begriffe der Alltagssprache, nämlich die Wörter und zugleich die [https://de.wikipedia.org/wiki/Klassifizierung Kategorien], die sie bezeichnen.</p>
== <span id="Relationen">Relationen</span> ==
<p>Eine komplexere Prädikation findet bei der Verwendung mehrstelliger Prädikate (Relationen) statt. Beispiel: Das zweistellige Prädikat „x liebt y“ wird von den Personen (Gegenständen, Argumenten) &lt;Otto&gt; und &lt;Yvonne&gt; prädiziert, sodass die Aussage getroffen wird: „Otto liebt Yvonne“.<sup id="cite_ref-Regenbogen_3-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikation#cite_note-Regenbogen-3 [3]]</sup></p><p>„… sind befreundet“ und „… spielen miteinander“ sind Beispiele für Prädikatoren mit beliebiger Stellenzahl. Allgemeiner formuliert ist Prädikation der Sprechakt, der einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Gegenstand Gegenstand] (oder mehreren Gegenständen, einem n-[https://de.wikipedia.org/wiki/Tupel Tupel]) eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Eigenschaft Eigenschaft] (ein Merkmal/Attribut, ein n-stelliges [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikat_(Logik) Prädikat]) zu- oder abspricht.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikation#cite_note-6 [6]]</sup></p>
== <span id="Sprechakttheorie">Sprechakttheorie</span> ==
<p>'''Prädizieren''' kann man, indem man entweder (im einstelligen Fall) die Variable eines Prädikats durch einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Eigenname Eigennamen] ersetzt (Beispiel: Prädikat = „x ist umfangreich“ → „Diese Enzyklopädie hier ist umfangreich.“) oder ein Prädikat quantifiziert.<sup id="cite_ref-Regenbogen_3-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikation#cite_note-Regenbogen-3 [3]]</sup></p><p>In der Perspektive der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprechakttheorie Sprechakttheorie] vollzieht sich der propositionale Akt durch die Teilakte der Prädikation und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Referenz_(Linguistik) Referenz].<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikation#cite_note-7 [7]]</sup> Im Referenzakt nimmt der Sprecher Bezug auf Objekte und Sachverhalte (der realen Welt). Durch die Prädikation spricht er diesen [https://de.wikipedia.org/wiki/Referent_(Linguistik) Referenten] bestimmte Eigenschaften zu.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikation#cite_note-8 [8]]</sup></p>
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==


*Bußmann: ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3. Auflage. 2002 (''Prädikation'').
Die Prädikation bewirkt eine [[Klassifizierung]] bzw. [[Kategorisierung (Kognitionswissenschaft)|Kategorisierung]]. Durch eine Prädikation werden sprachliche Unterscheidungen vorgenommen. Zusammen mit der Referenz führt die Prädikation zur sprachlichen „Gliederung der Welt“.<ref>Schülerduden, Philosophie, 2. Aufl. (2002), Prädikation; nach Regenbogen/Meyer, Wörterbuch (2005)/Prädikation Wohl nur einfache Prädikate</ref>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Kamlah Wilhelm Kamlah], [https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Lorenzen Paul Lorenzen]: ''Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens.'' Bibliographisches Institut, Mannheim 1967; 2. Auflage ebenda 1973 (= ''BI-HTB.'' Band 227); 3. Auflage Metzler, Stuttgart 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3476013715 ISBN 3-476-01371-5].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kuno_Lorenz Kuno Lorenz]: ''Elemente der Sprachkritik. Eine Alternative zum Dogmatismus und Skeptizismus in der Analytischen Philosophie.'' Suhrkamp (Reihe ''Theorie''), Frankfurt am Main 1970.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/George_A._Miller George A. Miller]: ''Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik.'' Herausgegeben und aus dem Amerikanischen übersetzt von [https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Grabowski Joachim Grabowski] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Christiane_Fellbaum Christiane Fellbaum]. Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg 1993; Lizenzausgabe: Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995; 2. Auflage ebenda 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3861501155 ISBN 3-86150-115-5], S. 227–229 (''Prädizierbare Adjektive'').
*Regenbogen/Meyer: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe.'' 2005 (''Prädikation'').


== <span id="Quellen">Quellen</span> ==
Daneben kann Prädikation auch das Ergebnis der Prädikation als Handlung, d.&nbsp;h. die Aussage selbst<ref name="Regenbogen"/> oder die Beziehung eines Gegenstandes zu einem Prädikat (Eigenschaft, Relation) bezeichnen,<ref>vgl. Bußmann: ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3. Aufl. (2002)/Prädikation, von der Beziehung zwischen Argument und Prädikat sprechend</ref> d.&nbsp;h. die Äußerung einer Aussage, die Aussage oder den Aussagegehalt/-inhalt ([[Proposition (Linguistik)|Proposition]]).


#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Kamlah Wilhelm Kamlah], [https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Lorenzen Paul Lorenzen]: ''Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens'', Bibliographisches Institut Mannheim, 1967</span>
Von [[Kuno Lorenz]], [[Paul Lorenzen]] und Wilhelm Kamlah wurde die Prädikation [[Sprachphilosophie|sprachphilosophisch]] und [[Handlungstheorie (Philosophie)|handlungstheoretisch]] im Rahmen der ''Logischen Propädeutik'' des frühen [[Erlanger Konstruktivismus]] präzisiert.
#<span class="reference-text">Schülerduden, Philosophie, 2. Aufl. (2002), Prädikation; nach Regenbogen/Meyer, Wörterbuch (2005)/Prädikation Wohl nur einfache Prädikate</span>
 
#<span class="reference-text">Regenbogen/Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2005)/Prädikation</span>
== Sprachlogischer Prozess ==
#<span class="reference-text">vgl. Bußmann: ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3. Aufl. (2002)/Prädikation, von der Beziehung zwischen Argument und Prädikat sprechend</span>
Um eine Prädikation sprachlich auszudrücken, bedient man sich einer [[Logische Aussage|logischen Aussage]] bzw. eines [[Urteil (Logik)|logischen Urteils]]. In frühen Phasen der Sprachentwicklung genügen Ein-Wort-Sätze; [[Theo Herrmann (Psychologe)|Theo Herrmann]] (1972).<ref>Friedrich Dorsch: ''Psychologisches Wörterbuch.'' Verlag Hans Huber, 1994</ref>
#<span class="reference-text">Friedrich Dorsch: ''Psychologisches Wörterbuch.'' Verlag Hans Huber, 1994</span>
 
#<span class="reference-text">Schülerduden: ''Philosophie.'' 2. Aufl. (2002), Prädikation; auch das Absprechen ist wichtig, vgl. Seiffert, Logik (1973), S.&nbsp;23</span>
In der Regel dient die Prädikation dazu, entweder den Gegenstand mithilfe der Kategorie (z.&nbsp;B. ''Dies ist ein Spargelschäler''), oder die Kategorie am Beispiel des Gegenstandes zu erklären (z.&nbsp;B. ''Linden sind Bäume, Eichen sind Bäume, Tannen sind Bäume'').
#<span class="reference-text">Brandt/Dietrich/Schön: ''Sprachwissenschaft.'' 2. Aufl. (2006), S.&nbsp;293</span>
 
#<span class="reference-text">Bußmann: ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3. Aufl. (2002)/Prädikation (2)</span>
Wird nur ''einem'' Gegenstand eine Eigenschaft (sogenannter einstelliger Prädikator) zu- oder abgesprochen, führt diese einfache Prädikation zu einem [[Elementarsatz]]. Beispiel: ''Diese Enzyklopädie ist umfangreich'' oder: ''Dieser Artikel ist nicht lang.'' Kamlahs Beispiel für eine elementare Prädikation lautet „Dies ist ein Fagott“. Dieser Satz könnte in einer Gesprächssituation zwischen Musiklehrer und -schüler fallen, während der Lehrer auf ein gewisses Instrument zeigt (sog. [[Deixis|deiktische Handlung]]). Indem andere (Eltern, Lehrer) Prädikationen wiederholen, lernen wir durch Beispiel und Gegenbeispiel (Kamlah: „Dies ist ein Fagott; jenes ist kein Fagott (sondern eine Klarinette).“) die Begriffe der Alltagssprache, nämlich die Wörter und zugleich die [[Klassifizierung|Kategorien]], die sie bezeichnen.
 
== Relationen ==
Eine komplexere Prädikation findet bei der Verwendung mehrstelliger Prädikate (Relationen) statt. Beispiel: Das zweistellige Prädikat „x liebt y“ wird von den Personen (Gegenständen, Argumenten) <Otto> und <Yvonne> prädiziert, sodass die Aussage getroffen wird: „Otto liebt Yvonne“.<ref name="Regenbogen">Regenbogen/Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2005)/Prädikation</ref>
 
„… sind befreundet“ und „… spielen miteinander“ sind Beispiele für Prädikatoren mit beliebiger Stellenzahl. Allgemeiner formuliert ist Prädikation der Sprechakt, der einem [[Gegenstand]] (oder mehreren Gegenständen, einem n-[[Tupel]]) eine [[Eigenschaft]] (ein Merkmal/Attribut, ein n-stelliges [[Prädikat (Logik)|Prädikat]]) zu- oder abspricht.<ref>Schülerduden: ''Philosophie.'' 2. Aufl. (2002), Prädikation; auch das Absprechen ist wichtig, vgl. Seiffert, Logik (1973), S.&nbsp;23</ref>
 
== Sprechakttheorie ==
'''Prädizieren''' kann man, indem man entweder (im einstelligen Fall) die Variable eines Prädikats durch einen [[Eigenname]]n ersetzt (Beispiel: Prädikat = „x ist umfangreich“ → „Diese Enzyklopädie hier ist umfangreich.“) oder ein Prädikat quantifiziert.<ref name="Regenbogen"/>
 
In der Perspektive der [[Sprechakttheorie]] vollzieht sich der propositionale Akt durch die Teilakte der Prädikation und der [[Referenz (Linguistik)|Referenz]].<ref>Brandt/Dietrich/Schön: ''Sprachwissenschaft.'' 2. Aufl. (2006), S.&nbsp;293</ref> Im Referenzakt nimmt der Sprecher Bezug auf Objekte und Sachverhalte (der realen Welt). Durch die Prädikation spricht er diesen [[Referent (Linguistik)|Referenten]] bestimmte Eigenschaften zu.<ref>Bußmann: ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3. Aufl. (2002)/Prädikation (2)</ref>
<!--
== Prädikation erster und zweiter Stufe ==
Als grundlegende Unterscheidung für eine Prädikationstheorie wird die zwischen ''Prädikation erster Stufe'' und ''Prädikation zweiter Stufe'' genannt: Als Prädikation erster Stufe wird die „kennzeichnende Beschreibung“ und als Prädikation zweiter Stufe „die Feststellung, dass die Beschreibung von dem Bezugsgegenstand erfüllt wird“, bezeichnet.<ref>So Prechtl, in: ''Metzler-Lexikon Sprache.'' 3. Aufl. (2005)/Prädikation</ref> Bei der Prädikation erster Stufe kommen also nur Eigennamen als Argumente in Frage, während die Prädikation zweiter Stufe eine Relation ausdrückt, deren Argument ein aus einem Prädikator erster Stufe und einem Nominator bestehendes Paar ist.
-->
== Literatur ==
* Bußmann: ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3. Auflage. 2002 (''Prädikation'').
* [[Wilhelm Kamlah]], [[Paul Lorenzen]]: ''Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens.'' Bibliographisches Institut, Mannheim 1967; 2. Auflage ebenda 1973 (= ''BI-HTB.'' Band 227); 3. Auflage Metzler, Stuttgart 1996, ISBN 3-476-01371-5.
* [[Kuno Lorenz]]: ''Elemente der Sprachkritik. Eine Alternative zum Dogmatismus und Skeptizismus in der Analytischen Philosophie.'' Suhrkamp (Reihe ''Theorie''), Frankfurt am Main 1970.
* [[George A. Miller]]: ''Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik.'' Herausgegeben und aus dem Amerikanischen übersetzt von [[Joachim Grabowski]] und [[Christiane Fellbaum]]. Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg 1993; Lizenzausgabe: Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995; 2. Auflage ebenda 1996, ISBN 3-86150-115-5, S. 227–229 (''Prädizierbare Adjektive'').
* Regenbogen/Meyer: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe.'' 2005 (''Prädikation'').
 
== Quellen ==
<references />
 
{{SORTIERUNG:Pradikation}}
[[Kategorie:Philosophische Logik]]
[[Kategorie:Sprachphilosophie]]

Aktuelle Version vom 30. Dezember 2025, 15:40 Uhr

praedicātiō-n lat.-deu. vgl. Prädikatenlogik

Prädikation

Prädikation (von lateinisch praedicāre ‚bekanntmachen‘, ‚ausrufen‘ bzw. praedicātiō ‚Aussage‘, ‚Bekanntmachung‘) ist ein (sprach-)philosophischer Fachbegriff, der eine sprachliche Handlung bezeichnet, durch die einem Gegenstand (Ding, Objekt, Sachverhalt) Eigenschaften zu- oder abgesprochen werden.

Allgemeines

In der Logik wird der sich auf einen Gegenstand beziehende Ausdruck auch Nominator, der eine Eigenschaft (im weiten Sinn) bezeichnende Ausdruck auch Prädikator genannt. Dann lässt sich wie Wilhelm Kamlah in seiner Logischen Propädeutik[1] die Prädikation auch definieren als sprachliche Handlung, bei der durch Verwendung von Nominator und Prädikator ein Objekt identifiziert und ihm Eigenschaften zu- oder abgesprochen werden.

Die Prädikation bewirkt eine Klassifizierung bzw. Kategorisierung. Durch eine Prädikation werden sprachliche Unterscheidungen vorgenommen. Zusammen mit der Referenz führt die Prädikation zur sprachlichen „Gliederung der Welt“.[2]

Daneben kann Prädikation auch das Ergebnis der Prädikation als Handlung, d. h. die Aussage selbst[3] oder die Beziehung eines Gegenstandes zu einem Prädikat (Eigenschaft, Relation) bezeichnen,[4] d. h. die Äußerung einer Aussage, die Aussage oder den Aussagegehalt/-inhalt (Proposition).

Von Kuno Lorenz, Paul Lorenzen und Wilhelm Kamlah wurde die Prädikation sprachphilosophisch und handlungstheoretisch im Rahmen der Logischen Propädeutik des frühen Erlanger Konstruktivismus präzisiert.

Sprachlogischer Prozess

Um eine Prädikation sprachlich auszudrücken, bedient man sich einer logischen Aussage bzw. eines logischen Urteils. In frühen Phasen der Sprachentwicklung genügen Ein-Wort-Sätze; Theo Herrmann (1972).[5]

In der Regel dient die Prädikation dazu, entweder den Gegenstand mithilfe der Kategorie (z. B. Dies ist ein Spargelschäler), oder die Kategorie am Beispiel des Gegenstandes zu erklären (z. B. Linden sind Bäume, Eichen sind Bäume, Tannen sind Bäume).

Wird nur einem Gegenstand eine Eigenschaft (sogenannter einstelliger Prädikator) zu- oder abgesprochen, führt diese einfache Prädikation zu einem Elementarsatz. Beispiel: Diese Enzyklopädie ist umfangreich oder: Dieser Artikel ist nicht lang. Kamlahs Beispiel für eine elementare Prädikation lautet „Dies ist ein Fagott“. Dieser Satz könnte in einer Gesprächssituation zwischen Musiklehrer und -schüler fallen, während der Lehrer auf ein gewisses Instrument zeigt (sog. deiktische Handlung). Indem andere (Eltern, Lehrer) Prädikationen wiederholen, lernen wir durch Beispiel und Gegenbeispiel (Kamlah: „Dies ist ein Fagott; jenes ist kein Fagott (sondern eine Klarinette).“) die Begriffe der Alltagssprache, nämlich die Wörter und zugleich die Kategorien, die sie bezeichnen.

Relationen

Eine komplexere Prädikation findet bei der Verwendung mehrstelliger Prädikate (Relationen) statt. Beispiel: Das zweistellige Prädikat „x liebt y“ wird von den Personen (Gegenständen, Argumenten) <Otto> und <Yvonne> prädiziert, sodass die Aussage getroffen wird: „Otto liebt Yvonne“.[3]

„… sind befreundet“ und „… spielen miteinander“ sind Beispiele für Prädikatoren mit beliebiger Stellenzahl. Allgemeiner formuliert ist Prädikation der Sprechakt, der einem Gegenstand (oder mehreren Gegenständen, einem n-Tupel) eine Eigenschaft (ein Merkmal/Attribut, ein n-stelliges Prädikat) zu- oder abspricht.[6]

Sprechakttheorie

Prädizieren kann man, indem man entweder (im einstelligen Fall) die Variable eines Prädikats durch einen Eigennamen ersetzt (Beispiel: Prädikat = „x ist umfangreich“ → „Diese Enzyklopädie hier ist umfangreich.“) oder ein Prädikat quantifiziert.[3]

In der Perspektive der Sprechakttheorie vollzieht sich der propositionale Akt durch die Teilakte der Prädikation und der Referenz.[7] Im Referenzakt nimmt der Sprecher Bezug auf Objekte und Sachverhalte (der realen Welt). Durch die Prädikation spricht er diesen Referenten bestimmte Eigenschaften zu.[8]

Literatur

  • Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Auflage. 2002 (Prädikation).
  • Wilhelm Kamlah, Paul Lorenzen: Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens. Bibliographisches Institut, Mannheim 1967; 2. Auflage ebenda 1973 (= BI-HTB. Band 227); 3. Auflage Metzler, Stuttgart 1996, ISBN 3-476-01371-5.
  • Kuno Lorenz: Elemente der Sprachkritik. Eine Alternative zum Dogmatismus und Skeptizismus in der Analytischen Philosophie. Suhrkamp (Reihe Theorie), Frankfurt am Main 1970.
  • George A. Miller: Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik. Herausgegeben und aus dem Amerikanischen übersetzt von Joachim Grabowski und Christiane Fellbaum. Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg 1993; Lizenzausgabe: Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995; 2. Auflage ebenda 1996, ISBN 3-86150-115-5, S. 227–229 (Prädizierbare Adjektive).
  • Regenbogen/Meyer: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. 2005 (Prädikation).

Quellen

  1. ↑ Wilhelm Kamlah, Paul Lorenzen: Logische Propädeutik. Vorschule des vernünftigen Redens, Bibliographisches Institut Mannheim, 1967
  2. ↑ Schülerduden, Philosophie, 2. Aufl. (2002), Prädikation; nach Regenbogen/Meyer, Wörterbuch (2005)/Prädikation Wohl nur einfache Prädikate
  3. ↑ a b c Regenbogen/Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2005)/Prädikation
  4. ↑ vgl. Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Aufl. (2002)/Prädikation, von der Beziehung zwischen Argument und Prädikat sprechend
  5. ↑ Friedrich Dorsch: Psychologisches Wörterbuch. Verlag Hans Huber, 1994
  6. ↑ Schülerduden: Philosophie. 2. Aufl. (2002), Prädikation; auch das Absprechen ist wichtig, vgl. Seiffert, Logik (1973), S. 23
  7. ↑ Brandt/Dietrich/Schön: Sprachwissenschaft. 2. Aufl. (2006), S. 293
  8. ↑ Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. Aufl. (2002)/Prädikation (2)