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„Nichts“ – Versionsunterschied

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<p>¦√¦ merhere ''siehe'' ''[[nein]]'' und ''[[Wicht]]''; verwandt ''[[Wesen]]'' und mit indo-iranisch [https://en.wiktionary.org/wiki/%E0%A4%B5%E0%A4%B8%E0%A5%8D%E0%A4%A4%E0%A5%81#Sanskrit वस्तु] ''vastu'', “essence, substance, truth”) (relationship to ''*[[weh₁]]'' unclear)</p>
<p>¦√¦ merhere ''siehe'' ''[[nein]]'' und ''[[Wicht]]''; verwandt ''[[Wesen]]'' und mit indo-iranisch [https://en.wiktionary.org/wiki/%E0%A4%B5%E0%A4%B8%E0%A5%8D%E0%A4%A4%E0%A5%81#Sanskrit वस्तु] ''vastu'', “essence, substance, truth”) (relationship to ''*[[weh₁]]'' unclear)</p>
<p>¦↵¦ uger. ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Germanic/wiht%C4%85 wihtą]; aus'' ahd. ni, ''[https://en.wiktionary.org/wiki/nio#Old_High_German nio]'' "nein, kein, nie"und ahd. ''[https://en.wiktionary.org/wiki/wiht#Old_High_German wiht]''&nbsp;‘Kobold, Wesen, Ding’; zusammengerückt aus ''*na aiwin wihtes'' "kein eines/ewig Wichtes", "‘nicht irgendein Ding", ahd.&nbsp;''[https://en.wiktionary.org/wiki/wiht#Old_High_German wiht]'' ‘Kobold, Wesen, Ding’; Ahd.&nbsp;''[https://en.wiktionary.org/w/index.php?title=niowiht&action=edit&redlink=1 niowiht]'' (8. Jh.), mhd. ''niwiht'', ''niweht'', ''[https://en.wiktionary.org/wiki/niht#Middle_High_German niht]'', asächs. ''nio''-, ''neo''-, ''niewiht'', mnd. ''nicht'', ''niet'', mnl. nl. ''niet'', afries. ''nāwet'', ''naut'', ''nāt'', aengl. ''nōwiht'', engl. ''nought'' sowie got. ''ni'' ''waíht'' ‘nichts’</p>
<p>¦↵¦ uger. ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Germanic/wiht%C4%85 wihtą]; aus'' ahd. ni, ''[https://en.wiktionary.org/wiki/nio#Old_High_German nio]'' "nein, kein, nie"und ahd. ''[https://en.wiktionary.org/wiki/wiht#Old_High_German wiht]''&nbsp;‘Kobold, Wesen, Ding’; zusammengerückt aus ''*na aiwin wihtes'' "kein eines/ewig Wichtes", "‘nicht irgendein Ding", ahd.&nbsp;''[https://en.wiktionary.org/wiki/wiht#Old_High_German wiht]'' ‘Kobold, Wesen, Ding’; Ahd.&nbsp;''[https://en.wiktionary.org/w/index.php?title=niowiht&action=edit&redlink=1 niowiht]'' (8. Jh.), mhd. ''niwiht'', ''niweht'', ''[https://en.wiktionary.org/wiki/niht#Middle_High_German niht]'', asächs. ''nio''-, ''neo''-, ''niewiht'', mnd. ''nicht'', ''niet'', mnl. nl. ''niet'', afries. ''nāwet'', ''naut'', ''nāt'', aengl. ''nōwiht'', engl. ''nought'' sowie got. ''ni'' ''waíht'' ‘nichts’</p>
<p>'''Nichts'''</p>
<p>Mit '''Nichts''' wird in der Alltagssprache ein universelles [https://de.wikipedia.org/wiki/Abstraktion abstraktes] [https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff_(Philosophie) Konzept] bezeichnet, das verschiedene Bedeutungsaspekte besitzt. Es kann jedoch darüber gestritten werden, ob diese Bündelung der Aspekte eine gemeinsame [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachwissenschaft linguistische] Quelle hat oder ob es sich dabei zum Teil um [https://de.wikipedia.org/wiki/Homonym Homonyme] handelt, die auf fehlerhaften Umgang mit den Regeln der Oberflächen[https://de.wikipedia.org/wiki/Grammatik grammatik] zurückzuführen wären. Verschiedene Aspekte sind:</p>[[file:220px-Solid_black.svg.png|link=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Solid_black.svg|220x220px]]


In vielen Kulturen wird[https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarz Schwarz]
= Nichts =


mit dem Nichts assoziiert.
[[Datei:Solid black.svg|mini|In vielen Kulturen wird [[Schwarz]] mit dem Nichts assoziiert.]]
*Die Negations[https://de.wikipedia.org/wiki/Partikel_(Grammatik) partikel] „nicht“ dient zur sprachlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Negation Negation] von Aussagen oder Satzelementen.
 
*Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Indefinitpronomen Indefinitpronomen] „nichts“ bedeutet „nicht irgend (etwas)“, kein Ding, keine Sache, nicht das Mindeste.
Mit '''Nichts''' wird in der Alltagssprache ein universelles [[Abstraktion|abstraktes]] [[Begriff (Philosophie)|Konzept]] bezeichnet, das verschiedene Bedeutungsaspekte besitzt. Es kann jedoch darüber gestritten werden, ob diese Bündelung der Aspekte eine gemeinsame [[Sprachwissenschaft|linguistische]] Quelle hat oder ob es sich dabei zum Teil um [[Homonym]]e handelt, die auf fehlerhaften Umgang mit den Regeln der Oberflächen[[grammatik]] zurückzuführen wären. Verschiedene Aspekte sind:
*Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Nominalphrase Nominalphrase] „das Nichts“ bezieht sich auf das Gegenteil des [https://de.wikipedia.org/wiki/Sein Seins], die [https://de.wikipedia.org/wiki/Negation Negation] und Abwesenheit des Seins, das Nichtsein, eine absolute Leere oder allgemeine Unbestimmtheit.
 
*In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Formale_Logik formalen Logik] tritt „nichts“ ausschließlich in Gestalt des so genannten negierten [https://de.wikipedia.org/wiki/Quantor#Beispiele_f%C3%BCr_komplexe_S%C3%A4tze Existenzquantors] (<span class="mwe-math-element">[[file:72f2d72993e1fbf686b0b7e4cea1fce4633cd30d|alt={\displaystyle \neg \exists x}|300px]]</span>) auf. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass „nichts“ im Gegensatz zu „das Nichts“ kein [https://de.wikipedia.org/wiki/Eigenname Eigenname] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Nominator_(Logik) Nominator] ist. Daher sind z.&nbsp;B. „Nichts existiert“ (d.&nbsp;i. „Es ist nicht der Fall, dass etwas existiert“) und „Das Nichts existiert“ keineswegs [https://de.wikipedia.org/wiki/Synonym synonym].
* Die Negations[[Partikel (Grammatik)|partikel]] „nicht“ dient zur sprachlichen [[Negation]] von Aussagen oder Satzelementen.
*Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Substantiv Substantiv] „Nichts“ kann zudem bezogen werden auf:
* Das [[Indefinitpronomen]] „nichts“ bedeutet „nicht irgend (etwas)“, kein Ding, keine Sache, nicht das Mindeste.
**Etwas Abwesendes, dessen Anwesenheit erwartet wurde (''nihil privativum'');
* Die [[Nominalphrase]] „das Nichts“ bezieht sich auf das Gegenteil des [[Sein]]s, die [[Negation]] und Abwesenheit des Seins, das Nichtsein, eine absolute Leere oder allgemeine Unbestimmtheit.
**Etwas Wesenloses, Nichtiges, nicht Greifbares;
* In der [[Formale Logik|formalen Logik]] tritt „nichts“ ausschließlich in Gestalt des so genannten negierten [[Quantor#Beispiele für komplexe Sätze|Existenzquantors]] (<math>\neg \exists x</math>) auf. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass „nichts“ im Gegensatz zu „das Nichts“ kein [[Eigenname]] oder [[Nominator (Logik)|Nominator]] ist. Daher sind z.&nbsp;B. „Nichts existiert“ (d.&nbsp;i. „Es ist nicht der Fall, dass etwas existiert“) und „Das Nichts existiert“ nicht [[synonym]].
**Etwas, dem doch der eigentliche Inhalt, das innere Sein und Leben fehlt, der bloße „Schein“;
* Das [[Substantiv]] „Nichts“ kann zudem bezogen werden auf:
**Ebenso kann damit eine Person oder Sache als unwert, unbedeutend, gehaltlos und nichtig etikettiert werden.
** Etwas Abwesendes, dessen Anwesenheit erwartet wurde (''nihil privativum'');
<p>Das gemeinsame der substantivischen Verwendungen ist, dass eine Bestimmung (z.&nbsp;B. der Wert) irrelevant klein ist oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Null null] beträgt, oder eine Sache, deren [https://de.wikipedia.org/wiki/Existenz Existenz] oder Anwesenheit erwartet wurde, sich als fiktiv oder abwesend herausstellt.</p>
** Etwas Wesenloses, Nichtiges, nicht Greifbares;
== <span id="Philosophiegeschichte">Philosophiegeschichte</span> ==
** Etwas, dem doch der eigentliche Inhalt, das innere Sein und Leben fehlt, der bloße „Schein“;
<p>Die verschiedenen Bedeutungsaspekte von Nichts wurden in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] nicht immer klar unterschieden. Daher ist der Frage, ob sich „Nichts“ denken lässt oder nicht – und wenn ja, wie – in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Philosophie Philosophiegeschichte] auf sehr unterschiedliche Arten nachgegangen worden. Der Umgang mit dieser Frage kann in verschiedenen philosophischen Disziplinen geschehen; „Nichts“ kann als Thema der [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik Metaphysik] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie Ontologie] behandelt werden (z.&nbsp;B. bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon], im Gedenken der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Creatio_ex_nihilo creatio ex nihilo]'' oder in Hegels Metaphysik des [https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute Absoluten]), „Nichts“ kann aber auch als existentielle Erfahrung philosophisch beschrieben werden (z.&nbsp;B. bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger Martin Heidegger] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Paul_Sartre Jean-Paul Sartre]), oder die Spuren von „Nichts“ können als [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachphilosophie sprachphilosophische] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik logische] Phänomene wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Negation Verneinung] oder Falschheit analysiert werden. Gelegentlich wird dabei das Nichts selbst negiert, so ist die Unmöglichkeit des Nichts in der Natur ein Grundsatz der Naturphilosophie des [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Vakuum#Horror_vacui horror vacui]).</p>
** Ebenso kann damit eine Person oder Sache als unwert, unbedeutend, gehaltlos und nichtig etikettiert werden.
=== <span id="Vorsokratik">Vorsokratik</span> ===
 
<p>Die Frage nach dem Nichts beschäftigt die westliche Philosophie seit ihrem allerersten [https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsokratiker vorsokratischen] Anfang. Der griechische Philosoph [https://de.wikipedia.org/wiki/Parmenides Parmenides von Elea] behandelt das Thema in dem einzigen von ihm erhaltenen Fragment, seinem Lehrgedicht ''Über die Natur'':</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Wohlan, so will ich denn verkünden (Du aber nimm mein Wort zu Ohren), welche Wege der Forschung allein denkbar sind: der eine Weg, daß [das Seiende] ist und daß es unmöglich nicht sein kann, das ist der Weg der Überzeugung (denn er folgt der Wahrheit), der andere aber, daß es nicht ist und daß dies Nichtsein notwendig sei, dieser Pfad ist (so künde ich Dir) gänzlich unerforschbar. Denn das Nichtseiende kannst Du weder erkennen (es ist ja unausführbar) noch aussprechen.“<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts#cite_note-1 [1]]</sup></p></blockquote></div></div><p>Aus diesen Zeilen lässt sich die Handlungsanweisung entnehmen, sich nicht mit dem Nichtseienden zu befassen und alle Aufmerksamkeit stattdessen allein dem Seienden zukommen zu lassen. Es ist nämlich unmöglich, über das Nichtseiende zu sprechen, da im selben Moment, als man von diesem etwas aussagt, dessen Sein wieder voraussetzt. Außerdem sind Sein und Denken äquivalent: Über das Nichts kann man demnach nicht nachdenken. Auf diese Weise entsteht eine Definition der Aufgabe von Wissenschaft: lohnende Forschung kann alles zum Thema haben, nur nicht das Nichts. Der Spruch des [https://de.wikipedia.org/wiki/Parmenides Parmenides von Elea] gilt als erste Formulierung abstrakter metaphysischer Reflexion im antiken Griechenland und dient [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platons] [https://de.wikipedia.org/wiki/Platonischer_Dialog Dialog] ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Sophistes Sophistes]'' als Ausgangspunkt.</p>
Das gemeinsame der substantivischen Verwendungen ist, dass eine Bestimmung (z.&nbsp;B. der Wert) irrelevant klein ist oder [[null]] beträgt, oder eine Sache, deren [[Existenz]] oder Anwesenheit erwartet wurde, sich als fiktiv oder abwesend herausstellt.
=== <span id="Platon">Platon</span> ===
 
<p>Platon relativiert die Position des Parmenides vom absoluten Nichts. In dem Dialog ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Sophistes Sophistes]'' bestimmt er das Nichts als Nichtseiendes und dieses schließlich in einer längeren Argumentationskette als Verschiedenheit. Dabei werden fünf höchste [https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie_(Philosophie) Kategorien]/[https://de.wikipedia.org/wiki/Idee Ideen] entwickelt, die irreduzibel sind und an denen alle anderen Ideen teilhaben. Durch die Teilhabe an diesen fünf Ideen wird alles andere erst, was es ist, ohne mit den fünf Ideen identisch zu sein. Die fünf Ideen sind Sein, Ruhe und Bewegung, Identität und Verschiedenheit. Jede dieser Ideen ist mit sich selbst identisch und hat teil an den anderen Ideen. Durch die Verschiedenheit wird die Möglichkeit des Nichtseins aufgemacht. Die Idee der Ruhe ist mit sich selbst identisch, aber verschieden von den anderen vier Ideen. Sie hat Anteil z.&nbsp;B. an der Idee des Seins, sie ist jedoch nicht die Idee des Seins. Die Idee der Verschiedenheit eröffnet also die Möglichkeit des Nichtseins.</p>
== Philosophiegeschichte ==
=== <span id="Spätantike_und_Mittelalter">Spätantike und Mittelalter</span> ===
Die verschiedenen Bedeutungsaspekte von Nichts wurden in der [[Philosophie]] nicht immer klar unterschieden. Daher ist der Frage, ob sich „Nichts“ denken lässt oder nicht – und wenn ja, wie – in der [[Geschichte der Philosophie|Philosophiegeschichte]] auf sehr unterschiedliche Arten nachgegangen worden. Der Umgang mit dieser Frage kann in verschiedenen philosophischen Disziplinen geschehen; „Nichts“ kann als Thema der [[Metaphysik]] und [[Ontologie]] behandelt werden (z.&nbsp;B. bei [[Platon]], im Gedenken der ''[[creatio ex nihilo]]'' oder in Hegels Metaphysik des [[Das Absolute|Absoluten]]), „Nichts“ kann aber auch als existentielle Erfahrung philosophisch beschrieben werden (z.&nbsp;B. bei [[Martin Heidegger]] oder [[Jean-Paul Sartre]]), oder die Spuren von „Nichts“ können als [[Sprachphilosophie|sprachphilosophische]] und [[Logik|logische]] Phänomene wie [[Negation|Verneinung]] oder Falschheit analysiert werden. Gelegentlich wird dabei das Nichts selbst negiert, so ist die Unmöglichkeit des Nichts in der Natur ein Grundsatz der Naturphilosophie des [[Aristoteles]] ([[Vakuum#Horror vacui|horror vacui]]).
<p>In der frühchristlichen Philosophie stellt sich das Problem bei der Diskussion der göttlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6pfung Schöpfung]: sie kann nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Augustinus_von_Hippo Augustin] nur ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Creatio_ex_nihilo ex nihilo]'', aus dem Nichts erfolgt sein, denn alles andere wäre keine Schöpfung, sondern lediglich eine Umwandlung. [https://de.wikipedia.org/wiki/Tertullian Tertullian] differenziert zwei Sprechweisen ''a nihilo'', „von nichts her“, ohne eigene Ursache und ''Ex nihilo'': das Nichts als [https://de.wikipedia.org/wiki/Substanz Substanz]; dies führt nach Tertullian zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Gnosis Gnosis]. [https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Kues Nikolaus von Kues] versteht unter dem Nichts die ''alteritas'', die 'Andersheit', die je spezifisch zu einem möglichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Sein_(Philosophie) Sein] angelegt ist.</p>
 
=== <span id="Nihil_privativum">Nihil privativum</span> ===
=== Vorsokratik ===
<p>In der frühen Neuzeit unterschied man verschiedene Aspekte des Nichts. Unter dem Begriff des ''nihil privativum'' wird das Nichts etwa als eine spezifische Abwesenheit von Etwas oder als Mangel definiert. Dabei handelt es sich um eine logische Entgegensetzung, die dem Negierten einen geringeren ontologischen Status zuweist: Dunkelheit ist nur die Abwesenheit von Licht, [https://de.wikipedia.org/wiki/Das_B%C3%B6se das Böse] nur die Abwesenheit des [https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Gute Guten] und so weiter. Dieser aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Platonismus Platonismus] stammende Gedanke spielt auch in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Theodizee Theodizee] eine Rolle.</p>
Die Frage nach dem Nichts beschäftigt die westliche Philosophie seit ihrem allerersten [[Vorsokratiker|vorsokratischen]] Anfang. Der griechische Philosoph [[Parmenides|Parmenides von Elea]] behandelt das Thema in dem einzigen von ihm erhaltenen Fragment, seinem Lehrgedicht ''Über die Natur'':
=== <span id="Rationalismus:_Satz_vom_Grund">Rationalismus: Satz vom Grund</span> ===
 
<p>Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Rationalismus Rationalismus] haben sowohl [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Leibniz] als auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Wolff_(Aufkl%C3%A4rer) Wolff] das bereits von [https://de.wikipedia.org/wiki/Cicero Cicero] formulierte Prinzip „Nichts geschieht ohne Grund“ (lat. nihil sine causa fit, De divinatione 2,61) im [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_zureichenden_Grund Satz vom zureichenden Grund] als maßgebliches metaphysisches Prinzip bestimmt. Bei Leibniz heißt es: „[…] nichts geschieht, ohne dass es eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t Ursache] [cause] oder wenigstens einen bestimmenden Grund [raison déterminante] gibt, d.&nbsp;h. etwas, das dazu dienen kann, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/A_priori a priori]'' zu begründen, weshalb etwas eher existiert als nicht existiert und weshalb etwas gerade so als in einer anderen Weise existiert.“<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts#cite_note-2 [2]]</sup> Die logische Bedeutung in Bezug auf den Begriff des Nichts diskutierte Wolff wie folgt: „Wo etwas vorhanden ist, woraus man begreifen kann, warum es ist, hat das einen zureichenden Grund (§ 29). Derowegen wo keiner vorhanden ist, da ist nichts, woraus man begreifen kann, warum etwas ist, nemlich warum es wirklich werden kann, und also muss es aus Nichts entstehen. Was demnach nicht aus Nichts entstehen kann, muss einen zureichenden Grund haben, warum es ist, als es muss an sich möglich sein und eine Ursache haben, die es zur Wirklichkeit bringen kann, wenn wir von Dingen reden, die nicht notwendig sind. Da es nun unmöglich ist, daß aus Nichts etwas werden kann, so muss auch Alles, was ist, seinen zureichenden Grund haben, warum es ist.“<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts#cite_note-3 [3]]</sup></p>
{{Zitat
=== <span id="Kant">Kant</span> ===
|Text=Wohlan, so will ich denn verkünden (Du aber nimm mein Wort zu Ohren), welche Wege der Forschung allein denkbar sind: der eine Weg, daß [das Seiende] ist und daß es unmöglich nicht sein kann, das ist der Weg der Überzeugung (denn er folgt der Wahrheit), der andere aber, daß es nicht ist und daß dies Nichtsein notwendig sei, dieser Pfad ist (so künde ich Dir) gänzlich unerforschbar. Denn das Nichtseiende kannst Du weder erkennen (es ist ja unausführbar) noch aussprechen.
<p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentale_Analytik transzendentalen Analytik] der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft Kritik der reinen Vernunft]'' fügte [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] am Schluss des Anhangs eine kleine Betrachtung über den Gegensatz von [https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B6glichkeit Möglichkeit] und Unmöglichkeit in Bezug auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie_(Philosophie) Kategorien] hinzu. Jeder Klasse der Kategorien entspricht auch ihre Negation. Danach ist „Nichts“ gemäß der Kategorientitel Quantität, Qualität, Relation und Modalität zu unterscheiden in Gedankending, Mangel an Etwas, reine Anschauung oder bloße Form, und Unding (vgl. nebenstehende Tafel).</p>
|ref=<ref>{{Literatur |Titel=Die Fragmente der Vorsokratiker. Griechisch und Deutsch von Hermann Diels. |Band=1 |Ort=Berlin |Datum=1922 |Seiten=151 |Online=[http://www.zeno.org/nid/20009262040#151 zeno.org]}}</ref>}}
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Aus diesen Zeilen lässt sich die Handlungsanweisung entnehmen, sich nicht mit dem Nichtseienden zu befassen und alle Aufmerksamkeit stattdessen allein dem Seienden zukommen zu lassen. Es ist nämlich unmöglich, über das Nichtseiende zu sprechen, da im selben Moment, als man von diesem etwas aussagt, dessen Sein wieder voraussetzt. Außerdem sind Sein und Denken äquivalent: Über das Nichts kann man demnach nicht nachdenken. Auf diese Weise entsteht eine Definition der Aufgabe von Wissenschaft: lohnende Forschung kann alles zum Thema haben, nur nicht das Nichts. Der Spruch des [[Parmenides|Parmenides von Elea]] gilt als erste Formulierung abstrakter metaphysischer Reflexion im antiken Griechenland und dient [[Platon]]s [[Platonischer Dialog|Dialog]] ''[[Sophistes]]'' als Ausgangspunkt.
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{| class="centered"
=== Platon ===
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Platon relativiert die Position des Parmenides vom absoluten Nichts. In dem Dialog ''[[Sophistes]]'' bestimmt er das Nichts als Nichtseiendes und dieses schließlich in einer längeren Argumentationskette als Verschiedenheit. Dabei werden fünf höchste [[Kategorie (Philosophie)|Kategorien]]/[[Idee]]n entwickelt, die irreduzibel sind und an denen alle anderen Ideen teilhaben. Durch die Teilhabe an diesen fünf Ideen wird alles andere erst, was es ist, ohne mit den fünf Ideen identisch zu sein. Die fünf Ideen sind Sein, Ruhe und Bewegung, Identität und Verschiedenheit. Jede dieser Ideen ist mit sich selbst identisch und hat teil an den anderen Ideen. Durch die Verschiedenheit wird die Möglichkeit des Nichtseins aufgemacht. Die Idee der Ruhe ist mit sich selbst identisch, aber verschieden von den anderen vier Ideen. Sie hat Anteil z.&nbsp;B. an der Idee des Seins, sie ist jedoch nicht die Idee des Seins. Die Idee der Verschiedenheit eröffnet also die Möglichkeit des Nichtseins.
! Nichts,
 
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=== Spätantike und Mittelalter ===
| als
In der frühchristlichen Philosophie stellt sich das Problem bei der Diskussion der göttlichen [[Schöpfung]]: sie kann nach [[Augustinus von Hippo|Augustin]] nur ''[[Creatio ex nihilo|ex nihilo]]'', aus dem Nichts erfolgt sein, denn alles andere wäre keine Schöpfung, sondern lediglich eine Umwandlung. [[Tertullian]] differenziert zwei Sprechweisen ''a nihilo'', „von nichts her“, ohne eigene Ursache und ''Ex nihilo'': das Nichts als [[Substanz]]; dies führt nach Tertullian zur [[Gnosis]]. [[Nikolaus von Kues]] versteht unter dem Nichts die ''alteritas'', die 'Andersheit', die je spezifisch zu einem möglichen [[Sein (Philosophie)|Sein]] angelegt ist.
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=== Nihil privativum ===
{| border="0" cellspacing="0" cellpadding="0"
In der frühen Neuzeit unterschied man verschiedene Aspekte des Nichts. Unter dem Begriff des ''nihil privativum'' wird das Nichts etwa als eine spezifische Abwesenheit von Etwas oder als Mangel definiert. Dabei handelt es sich um eine logische Entgegensetzung, die dem Negierten einen geringeren ontologischen Status zuweist: Dunkelheit ist nur die Abwesenheit von Licht, [[das Böse]] nur die Abwesenheit des [[Das Gute|Guten]] und so weiter. Dieser aus dem [[Platonismus]] stammende Gedanke spielt auch in der [[Theodizee]] eine Rolle.
 
=== Rationalismus: Satz vom Grund ===
Im [[Rationalismus]] haben sowohl [[Gottfried Wilhelm Leibniz|Leibniz]] als auch [[Christian Wolff (Aufklärer)|Wolff]] das bereits von [[Cicero]] formulierte Prinzip „Nichts geschieht ohne Grund“ (lat. nihil sine causa fit, De divinatione 2,61) im [[Satz vom zureichenden Grund]] als maßgebliches metaphysisches Prinzip bestimmt. Bei Leibniz heißt es: „[…] nichts geschieht, ohne dass es eine [[Kausalität|Ursache]] [cause] oder wenigstens einen bestimmenden Grund [raison déterminante] gibt, d.&nbsp;h. etwas, das dazu dienen kann, ''[[a priori]]'' zu begründen, weshalb etwas eher existiert als nicht existiert und weshalb etwas gerade so als in einer anderen Weise existiert.“<ref>Gottfried Wilhelm Leibniz: ''Theodizee.'' §44; zit. nach der dt.-frz. Suhrkamp-Ausgabe 1999, S. 273.</ref> Die logische Bedeutung in Bezug auf den Begriff des Nichts diskutierte Wolff wie folgt: „Wo etwas vorhanden ist, woraus man begreifen kann, warum es ist, hat das einen zureichenden Grund (§ 29). Derowegen wo keiner vorhanden ist, da ist nichts, woraus man begreifen kann, warum etwas ist, nemlich warum es wirklich werden kann, und also muss es aus Nichts entstehen. Was demnach nicht aus Nichts entstehen kann, muss einen zureichenden Grund haben, warum es ist, als es muss an sich möglich sein und eine Ursache haben, die es zur Wirklichkeit bringen kann, wenn wir von Dingen reden, die nicht notwendig sind. Da es nun unmöglich ist, daß aus Nichts etwas werden kann, so muss auch Alles, was ist, seinen zureichenden Grund haben, warum es ist.“<ref>Christian Wolff: ''Vernünftige Gedancken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt.'' Band 1, 1738, S. 16 (§ 30)</ref>
 
=== Kant ===
In der [[Transzendentale Analytik|transzendentalen Analytik]] der ''[[Kritik der reinen Vernunft]]'' fügte [[Immanuel Kant]] am Schluss des Anhangs eine kleine Betrachtung über den Gegensatz von [[Möglichkeit]] und Unmöglichkeit in Bezug auf die [[Kategorie (Philosophie)|Kategorien]] hinzu. Jeder Klasse der Kategorien entspricht auch ihre Negation. Danach ist „Nichts“ gemäß der Kategorientitel Quantität, Qualität, Relation und Modalität zu unterscheiden in Gedankending, Mangel an Etwas, reine Anschauung oder bloße Form, und Unding (vgl. nebenstehende Tafel).
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!Nichts als
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|1. Leerer begriff ohne Gegenstand
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|[[ens rationis|'''ens rationis''']]
| colspan="6" rowspan="2" | Leerer Begriff ohne Gegenstand,
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|2. Leerer Gegenstand eines Begriffs
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| colspan="6" rowspan="2" | ''ens rationis.''
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|'''[[nihil privatum]]'''
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|3. Leere Anschauung ohne Gegenstand
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|4. Leerer Gegenstand ohne Begriff
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|'''[[ens imaginarium]]'''
| colspan="6" rowspan="2" | Leere Anschauung ohne Gegenstand,
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| colspan="6" rowspan="2" | ''nihil privativum''
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|'''[[nihil negativum]]'''
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| colspan="6" rowspan="2" | ''ens imaginarium''
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| colspan="6" rowspan="2" | Leerer Gegenstand ohne Begriff,
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| colspan="6" rowspan="2" | ''nihil negativum''
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| Abb.: „Tafel der Eintheilung des Begriffs von Nichts .“, Darstellung ähnlich Immanuel Kant: [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant#Akademieausgabe AA] III, 233<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts#cite_note-4 [4]]</sup>
|Abb.: „Tafel der Eintheilung des Begriffs von Nichts .“, Darstellung ähnlich {{Kant|3|233}}
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<p>Die ''ens rationis'' ist dabei eine Fiktion, ein widerspruchsfreier Begriff von einem Gegenstand, der nicht in der Erfahrung gegeben werden kann (vgl. auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Noumenon Noumenon]). Es steht auf dem 1. Platz, der in den anderen Tafeln (der Urteilsformen, der Verstandesbegriffe) der Quantität zugeordnet ist, vielleicht, weil ihm keine Größe in der Anschauung entsprechen kann. Mit dem ''nihil privativum'' ist eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Deprivation Deprivation], eine Abwesenheit oder ein Mangel einer Qualität, die prinzipiell erfahrbar ist gemeint (Bsp. Finsternis als Mangel an Licht), es steht auf dem für Qualitäten reservierten Platz. Die leere Anschauung ohne Gegenstand erläutert Kant am Beispiel der [https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentale_%C3%84sthetik Anschauungsformen] Raum und Zeit, es steht zu vermuten, dass auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Geometrische_Figur geometrische Figuren], leere Formen etc. unter diesen Begriff fallen. Hier wird nicht, wie unter 2., eine bestimmte Qualität verneint, sondern etwas ohne Substanz vorgestellt. Da Substanz unter den Kategorientitel der Relation fällt, steht die ''ens imaginarium'' an diesem Ort. Zuletzt folgt das Unding oder ''nihil negativum'' die Vorstellung eines Gegenstands unter einem widersprüchlichen Begriff oder mit einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Unm%C3%B6gliche_Figur unmöglichen Form] (wie z.&nbsp;B. das [https://de.wikipedia.org/wiki/Penrose-Dreieck Penrose-Dreieck]).</p>
:„Man siehet, daß das Gedankending (n.1) von dem Unding (n4) dadurch unterschieden werde, dass jenes nicht unter die Möglichkeiten gezählet werden darf, weil es bloß Erdichtung (obzwar nicht widersprechende) ist, dieses aber der Möglichkeit entgegengesetzt ist, indem der Begriff sogar sich selbst aufhebt. Beide sind aber leere Begriffe. Dagegen sind das nihil privativum (n.2) und ens imaginarium (n.3) leere data zu Begriffen. Wenn das Licht nicht den Sinnen gegeben worden, so kann man auch keine Finsternis, und wenn nicht ausgedehnte Wesen wahrgenommen worden, keinen Raum vorstellen. Die Negation sowohl, als die bloße Form der Anschauung, sind, ohne ein Reales, keine Objekte.“ (<span class="Person">Immanuel Kant: [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant#Akademieausgabe AA] III, 233<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts#cite_note-5 [5]]</sup></span>) = ''KrV'' B 328


=== <span id="Hegel">Hegel</span> ===
Die ''ens rationis'' ist dabei eine Fiktion, ein widerspruchsfreier Begriff von einem Gegenstand, der nicht in der Erfahrung gegeben werden kann (vgl. auch [[Noumenon]]). Es steht auf dem 1. Platz, der in den anderen Tafeln (der Urteilsformen, der Verstandesbegriffe) der Quantität zugeordnet ist, vielleicht, weil ihm keine Größe in der Anschauung entsprechen kann. Mit dem ''nihil privativum'' ist eine [[Deprivation]], eine Abwesenheit oder ein Mangel einer Qualität, die prinzipiell erfahrbar ist gemeint (Bsp. Finsternis als Mangel an Licht), es steht auf dem für Qualitäten reservierten Platz. Die leere Anschauung ohne Gegenstand erläutert Kant am Beispiel der [[Transzendentale Ästhetik|Anschauungsformen]] Raum und Zeit, es steht zu vermuten, dass auch [[geometrische Figur]]en, leere Formen etc. unter diesen Begriff fallen. Hier wird nicht, wie unter 2., eine bestimmte Qualität verneint, sondern etwas ohne Substanz vorgestellt. Da Substanz unter den Kategorientitel der Relation fällt, steht die ''ens imaginarium'' an diesem Ort. Zuletzt folgt das Unding oder ''nihil negativum'' die Vorstellung eines Gegenstands unter einem widersprüchlichen Begriff oder mit einer [[unmögliche Figur|unmöglichen Form]] (wie z.&nbsp;B. das [[Penrose-Dreieck]]).
<p>Das ''Nichts'' ist für Hegel der Gegenbegriff zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Sein_(Philosophie)#Hegel Sein]. Er beginnt seine ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft_der_Logik Wissenschaft der Logik]'' mit den drei Bestimmungen „Sein“, „Nichts“, „Werden“. Sein, „reines Sein“ soll als unbestimmtes Unmittelbares verstanden werden. Da das reine Sein unbestimmt sein soll, kann es keine Qualität haben, keine irgendwie geartete innere Komplexität, es können auch keine Beziehungen zu anderen Dingen oder Gedanken bestehen. Die Unmittelbarkeit des reinen Seins betont noch einmal, dass das reine Sein keinen äußeren Bedingungen unterliegt, keine Ursache hat, sondern einfach nur es selbst ist. Der Gedanke des reinen Seins erweist sich somit als vollkommen leer und das, was in diesem leeren Gedanken gedacht wird, ist eigentlich nichts. Die Bestimmungen vom reinen Sein und vom reinen Nichts erweisen sich als dieselben und auch der Gedanke vom reinen Nichts ist mit dem Gedanken vom reinen Sein identisch.</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Dies reine Sein ist nun die ''reine Abstraktion'', damit das ''Absolut-Negative'', welches, gleichfalls unmittelbar genommen, das ''Nichts'' ist.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person">Hegel</span>: <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Enzyklop%C3%A4die_der_philosophischen_Wissenschaften Enzyklopädie], §&nbsp;87</cite></div></div><p>Kerngedanken dieses Zitats sind:</p>
 
*Das reine Sein ist für Hegel „reine [https://de.wikipedia.org/wiki/Abstraktion Abstraktion]“.
:{{"|Man siehet, daß das Gedankending (n.1) von dem Unding (n4) dadurch unterschieden werde, dass jenes nicht unter die Möglichkeiten gezählet werden darf, weil es bloß Erdichtung (obzwar nicht widersprechende) ist, dieses aber der Möglichkeit entgegengesetzt ist, indem der Begriff sogar sich selbst aufhebt. Beide sind aber leere Begriffe. Dagegen sind das nihil privativum (n.2) und ens imaginarium (n.3) leere data zu Begriffen. Wenn das Licht nicht den Sinnen gegeben worden, so kann man auch keine Finsternis, und wenn nicht ausgedehnte Wesen wahrgenommen worden, keinen Raum vorstellen. Die Negation sowohl, als die bloße Form der Anschauung, sind, ohne ein Reales, keine Objekte.|{{Kant|3|233|6=''KrV'' B 348}}}} = ''KrV'' B 328
*Aus dieser Eigenschaft lässt er folgen, dass das Sein das „Absolut-Negative“ sei.
 
*Ist das Sein das Absolut-Negative, so ist es Nichts.
=== Hegel ===
Das ''Nichts'' ist für Hegel der Gegenbegriff zum [[Sein (Philosophie)#Hegel|Sein]]. Er beginnt seine ''[[Wissenschaft der Logik]]'' mit den drei Bestimmungen „Sein“, „Nichts“, „Werden“. Sein, „reines Sein“ soll als unbestimmtes Unmittelbares verstanden werden. Da das reine Sein unbestimmt sein soll, kann es keine Qualität haben, keine irgendwie geartete innere Komplexität, es können auch keine Beziehungen zu anderen Dingen oder Gedanken bestehen. Die Unmittelbarkeit des reinen Seins betont noch einmal, dass das reine Sein keinen äußeren Bedingungen unterliegt, keine Ursache hat, sondern einfach nur es selbst ist. Der Gedanke des reinen Seins erweist sich somit als vollkommen leer und das, was in diesem leeren Gedanken gedacht wird, ist eigentlich nichts. Die Bestimmungen vom reinen Sein und vom reinen Nichts erweisen sich als dieselben und auch der Gedanke vom reinen Nichts ist mit dem Gedanken vom reinen Sein identisch.
 
{{Zitat
|Text=Dies reine Sein ist nun die ''reine Abstraktion'', damit das ''Absolut-Negative'', welches, gleichfalls unmittelbar genommen, das ''Nichts'' ist.
|Autor=Hegel
|Quelle=[[Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften|Enzyklopädie]], §&nbsp;87}}
 
Kerngedanken dieses Zitats sind:
 
* Das reine Sein ist für Hegel „reine [[Abstraktion]]“.
* Aus dieser Eigenschaft lässt er folgen, dass das Sein das „Absolut-Negative“ sei.
* Ist das Sein das Absolut-Negative, so ist es Nichts.
 
=== Trendelenburg und Dilthey ===
[[Friedrich Adolf Trendelenburg]] bestritt in direkter Opposition zu Hegel, dass im reinen Denken eine Brücke zwischen Sein und Nichts zum Werden hergestellt werden könne. In dieser für die Dialektik Hegels grundlegenden Beziehung sah Trendelenburg einen versteckten Rückgriff auf die Anschauung, den Hegel negierte oder übersah. „Das reine Sein, sich selbst gleich ist Ruhe; das Nichts – das sich selbst Gleiche – ist Ruhe. Wie kommt aus der Einheit zweier ruhender Vorstellungen das bewegte Werden heraus? Nirgends liegt in den Vorstufen die Bewegung vorgebildet, ohne welche das Werden nur ein Sein wäre. Da sowohl das reine Sein als auch das Nicht-Sein ausdrückt, so kann folgerichtig die nächste Aufgabe des Denkens, wenn die Einheit beider gesetzt werden soll, nur die sein, eine ruhende Vereinigung zu finden. Wenn aber das Denken aus jener Einheit ein Anderes erzeugt, trägt es offenbar dies Andere hinzu und schiebt die Bewegung stillschweigend unter, um Sein und Nicht-Sein in den Fluss des Werdens zu bringen. […] Aus dem Sein, einer zugestandenen Abstraktion, und dem Nichts, einer ebenfalls zugestandenen Abstraktion kann nicht urplötzlich das Werden entstehen, diese concrete, das Leben und den Tod beherrschende, Anschauung.“<ref>Friedrich Adolf Trendelenburg: ''Logische Untersuchungen.'' Band 1, 3. Auflage. 1870, S. 38.</ref> Trendelenburgs Schüler [[Wilhelm Dilthey]] stellte in gleicher Weise in Bezug auf Hegels System kritisch fest: „Aber jede Metaphysik dieser Art ist von vornherein durch einen inneren Widerspruch in ihrer Grundlage gerichtet. Das über unsere Erfahrung Hinausliegende kann nicht einmal durch [[Analogie (Philosophie)|Analogie]] einleuchtend gemacht, geschweige denn bewiesen werden, wenn dem Mittel der Begründung und des Beweises, dem logischen Zusammenhang, die ontologische Gültigkeit und Tragweite genommen wird.“<ref>Wilhelm Dilthey: ''Schlußbetrachtung über die Unmöglichkeit der metaphysischen Stellung des Erkennen.'' In: ''Einleitung in die Geisteswissenschaft.'' Band 1 [1883], abgedruckt in: ''Das Wesen der Philosophie.'' Reclam, Stuttgart 1984, S. 138.</ref>
 
=== Heidegger versus Carnap ===
Nach [[Martin Heidegger]]s Vortrag ''[[Was ist Metaphysik?]]'' gehören das „Nichts“ und das „Sein“ zusammen. Sie sind nicht dasselbe, aber sie bedingen sich und gehören zusammen. Erst durch das „Nichts“ offenbart sich das „Sein“ als eine „Befremdlichkeit“ oder als das „Andere“. Deutlich spürbar ist dieses „Nichts“ in der „Stimmung“ der [[Angst]], nicht in der Furcht vor etwas Bestimmtem, sondern in der tiefen, in uns verborgenen „Angst vor“, oder „wegen“. Nicht ganz unbestimmt, aber auch nicht in Worten fassbar, eben die Angst vor dem „Nichts“. In einer solchen Angst ist einem alles gleichgültig und zwar gleichermaßen gleichgültig. Ob Tisch oder Stuhl, Tod oder Leben, es hat keine Relevanz. Eine merkwürdige Ruhe durchzieht einen, fast wie in der Stimmung der [[Langeweile]], die dem Sein am spürbar nächsten ist, und doch nicht ganz. Dieser kleine, von uns gefühlte Unterschied zwischen den beiden Stimmungen, wieder nicht in Worten fassbar, aber als etwas „Fehlendes“ fühlbar, ist das „Nichts“.
 
In prominenter Weise warf [[Rudolf Carnap]] als Vertreter des logischen Empirismus ([[Wiener Kreis]]) und der mittleren analytischen Philosophie dem Existentialismus Martin Heideggers vor, er würde den Begriff „Das Nichts“ fälschlich so verwenden, als ob er für eine bestimmte [[Entität]] stünde. Rudolf Carnap tadelte diesen Punkt bei Heidegger in seinem Aufsatz „Überwindung der [[Metaphysik]] durch logische Analyse der Sprache“. Die Annahme, der Begriff „Das Nichts“ habe einen Inhalt, beruht Carnap zufolge auf einer Verwechslung von logischer und grammatischer Struktur von Begriffen und Sätzen. Die analytische [[Sprachphilosophie]] versucht zu zeigen, dass „Nichts“ einfach nur als „Nicht etwas“ verstanden werden kann und muss, so dass keine derartige Umformung möglich ist. Ihre Analyse ist also vor allem als [[Metaphysikkritik]] gemeint.
 
Nach Carnap beruhen sämtliche Sätze über ''das Nichts'' auf sprachlicher Verwirrung. Zwar sei die Bildung des Substantivs „das Nichts“ syntaktisch korrekt; Sätze, die den Ausdruck beinhalten, fallen aber in die Klasse der sinnlosen Sätze, da sie keinen empirischen Gehalt haben und unmöglich [[Verifikation|verifiziert]] werden können. Der [[Verifikationismus]] gilt zwar als gescheitertes Projekt, Carnaps Analyse des Nichts (die ursprünglich vor allem gegen Heideggers ''Sein und Zeit'' gerichtet war) ist jedoch in der [[Analytische Philosophie|analytischen Philosophie]] zum Konsens geworden.
 
Heidegger wies diese Angriffe selbst zurück: Aus seiner Sicht sei es dogmatisch, Logik und Sprachanalyse als einzige philosophische Methoden zuzulassen. Sein [[Existenzialismus]] von 1927 versucht daher, die Rolle von Logik und Sprache innerhalb des gesamten menschlichen Daseins zu relativieren. In seinem Vortrag ''[[Was ist Metaphysik?]]'' hielt Heidegger dem logischen Empirismus vor, dass die modernen Wissenschaften auf logischen Prinzipien beruhten, ohne das Nichts zu thematisieren. Der logische Empirismus habe sich als „Wissenschaftsphilosophie“ daher auf einen begrenzten Erkenntnisbereich des Seienden, der einer methodischen Welterschließung (Wissenschaft) zugänglich ist, zu beschränken. Heidegger gibt zu, dass Wissenschaften das Nichts nur als Negation eines Seienden, als Mangel, vorstellen können und müssen, was aber nicht dem [[Phänomenologie|phänomenologischen]] Charakter des Nichts ''als Nichts'' gerecht würde.
 
Auch [[Richard Hönigswald]] reagierte auf die Handhabung des Begriffs durch Heidegger mit einer polemischen Kritik: „Unvergleichlich, wie es nun einmal ist, brütet das „Nichts“ tröstliche Angst verbreitend, indem es, so lautet der nahe liegende und gerade darum überraschende Ausdruck „nichtet“. „Es ist darum ursprünglicher als das Nicht und die Verneinung.“ – Indessen, solche Einsichten entziehen sich, wie man bei näherer Betrachtung erkennt, jedem Bedenken. Sie liegen gleichsam jenseits seiner Bedingungen und Kompetenzen. Denn Bedenken bedeuten immer Fragen; wieweit nun Fragen bis in die unheimlichen Tiefen des „Nichts“ überhaupt herabreichen, läßt sich grundsätzlich nicht ausmachen.“<ref>Richard Hönigswald: ''Grundfragen der Erkenntnistheorie.'' Tübingen 1931; (neu herausgegeben: Meiner, Hamburg 1997, S. 62).</ref>
 
=== Sartre: „Nichts“ als Freiheit ===
[[Jean-Paul Sartre]] bestimmt in seinem Werk ''[[Das Sein und das Nichts]]'' den Menschen als die Form des Seins, die das Nichts in die Wirklichkeit bringt und sich dadurch von allem anderen (bewusstlosen) Sein unterscheidet. Aus der Bewusstheit, die der Mensch über die Möglichkeit des Nicht-Seins hat, leitet er die Fähigkeit der „Negation“ ab. Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich von bestimmten Zukunfts- und Vergangenheitsbildern zu distanzieren. Durch diese Fähigkeit der Negation hat der Mensch die Freiheit, sich in die Zukunft zu entwerfen und aus der Vergangenheit zu lösen. Diese Freiheit verstärkt sich noch, da der Mensch auch die Form der eigenen Gegenwart negieren kann („ich bin das, was ich sein werde“) und somit auch nicht von dieser „abhängig“ ist bzw. „festgelegt“ wird. Das Nichts ist nach Sartre die Freiheit, die dem Menschen gegeben ist und die nicht abgelehnt werden kann.
 
Sartre verweist in seinem Werk ''Das Sein und das Nichts'' außerdem darauf, dass das ''Nichts'' eigentlich nicht durch Seinsbegriffe zu erfassen ist. Der [[Transzendenz|transzendente]] Begriff des ''Nichts'' kann laut Sartre aufgrund der Nichtexistenz eines Inhaltes nur annähernd verdeutlicht werden, z.&nbsp;B. in der Grenzziehung zwischen einem Moment und dem folgenden. Versuchten wir uns hier eine Grenze vorzustellen, seien wir dazu nicht in der Lage und genau hier fänden wir das „Nichts“.
 
=== Bloch: Philosophie des Noch-Nicht-Seins ===
Eine differenzierte Philosophie des Nichts findet sich auch bei [[Ernst Bloch]]. Unter der Kategorie des ''Noch-Nicht-Seins'' fasst Bloch die verschiedenen Formen der menschlichen Erfahrung des Mangels als Ausdruck einer fundamentalen ''Nichtigkeit'' einer Gegenwart, in der allerdings [[Tendenz]]en auf ein mögliches, volles Sein angelegt sind. Bloch unterscheidet ''Nicht'' von ''Nichts''. Ersteres referiert auf eine mögliche Veränderung und damit Verbesserung in der Zukunft, denn was nicht ist, kann noch werden. Letzteres ist das Gegenteil von ''Alles'' und damit die Negativität, das Böse, welches das positive Ende des welthistorischen Prozesses zum Guten – alles in allem – vereitelt.<ref>Johan Siebers: ''Noch-Nicht.'' In: [[Beat Dietschy]], Doris Zeilinger, [[Rainer E. Zimmermann]] (Hrsg.): ''Bloch-Wörterbuch. Leitbegriffe der Philosophie Ernst Blochs.'' De Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-048580-6, S.&nbsp;403–412 (hier: S.&nbsp;410&nbsp;f.).</ref>
 
=== Derrida: „Nichts“ als Schweigen ===
In seiner Kritik an [[Michel Foucault|Foucaults]] Deutung des [[René Descartes|descartschen]] „[[Cogito ergo sum|Cogito]]“ entwickelt [[Jacques Derrida]] (''Cogito und die Geschichte des Wahnsinns.'' In: ''Die Schrift und die Differenz'') auch eine Bestimmung von „Nichts“. „Nichts“ ist die [[wahnsinn]]ige Unbestimmtheit jenseits der von ihr befreiten „cogito-Erfahrung“, welche als feste Basis Gewissheit über unsere eigene Existenz gibt, jedoch nicht über selbige hinaus. Aufgrund des Wesens des „Nichts“ kann über es nicht gesprochen werden, da die Sprache Ausdruck der Vernunft ist, welche dem „Nichts“ gegenübersteht und es in Schach hält. „Nichts“ offenbart sich also ausschließlich im [[Schweigen]].
 
== Buddhismus ==
Der buddhistische Begriff ''[[Shunyata]]'' ([[Sanskrit]], [[Japanische Schrift|jap.]] {{lang|ja-Hani|空}}, ''kū'') bedeutet Leere oder ''Leerheit''. Eine Gleichsetzung von Shunyata ([[Mahayana]]) und Nichts ([[Nihilismus]]) wird üblicherweise vermieden. Der japanische Philosoph [[Keiji Nishitani]] bildet eine Ausnahme: Ihm zufolge gelinge bei genauer Kenntnis der westlichen und östlichen Philosophie eine Paralleldarstellung von ''Nihil'' und ''Shunyata'' in existentialistischer Sprache. In der Übersetzung von Büchern, die Übungen im [[Zen-Buddhismus]] beschreiben, werde insofern auch vom ''Nichts'' gesprochen. Im Ideal sei dies die Praxis einer ''nicht'' vorhandenen [[Upadana|Anhaftung]]. Der vielfach verwendete Begriff [[Nirwana|Nirvana]] sei durch Fehlübersetzung mit dem Nichts gleichgesetzt, bedeute aber in etwa „verweht“.
 
[[Hans Waldenfels]] findet in seiner Analyse des Nichts einen Widerspruch:
{{Zitat
|Text=Wenn wir sehen, daß wir nichts sehen, wird das Nichts insofern zweideutig, als wir, wo wir nichts sehen, doch ''etwas'' sehen, das wir aussagen können. Denn entweder ist die Erfahrung des Nichts die Erfahrung eines nihilistischen Nichts oder die Erfahrung absoluter Verborgenheit. Wesentlich für die Erfahrung des Nichts ist, daß wir absolut unfähig sind zu entscheiden, ob sie das eine oder das andere ist. Die Zweideutigkeit entzieht sich folglich menschlicher Manipulation.
|ref=<ref>Hans Waldenfels: ''Faszination des Buddhismus. Zum christlich-buddhistischen Dialog.'' Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 19982, ISBN 3-7867-0988-2, S.&nbsp;35</ref>}}<!---Relevanz??-->
 
{{Siehe auch|Mu (Philosophie)|Das Absolute#Das absolute Nichts der Kyōto-Schule}}
 
== Naturwissenschaften ==
Während in der Zeit von [[Otto von Guericke]] und seinem Versuch mit den [[Magdeburger Halbkugeln]] vielen bereits die Abwesenheit von Luft als Nichts galt, würde heute niemand mehr das [[Vakuum]] – im Sinne eines materiefreien Raumes – als Nichts betrachten. Selbst wenn es gelänge, ein hundertprozentiges Vakuum zu schaffen, in dem weder materielose Wellen noch [[Grundkräfte der Physik|wechselwirkende Felder]] vorkämen, so wäre dieser Raum dennoch nicht völlig „leer“, da sich permanent Teilchen und Antiteilchen – wenn auch in [[Virtuelles Teilchen|virtuellen Zuständen]] – bilden und sofort wieder vernichten. Dieses als [[Vakuumfluktuation]] bezeichnete Phänomen wurde durch den resultierenden [[Casimir-Effekt]] 1958 experimentell bestätigt.


=== <span id="Trendelenburg_und_Dilthey">Trendelenburg und Dilthey</span> ===
Seit dem 20. Jahrhundert wird mit dem Begriff ''Nichts'' eher die dem menschlichen Verstand nicht zugängliche Abwesenheit jeglichen Seins, also auch von [[Raum (Physik)|Raum]] und [[Zeit]] verstanden. Das im Rahmen der [[Allgemeine Relativitätstheorie|Allgemeinen Relativitätstheorie]] formulierte heutige Standardmodell der [[Kosmologie]] legt die Entstehung von Raum und Zeit in den [[Urknall]]. Deren heutige Eigenschaften verlieren jedoch ihre Gültigkeit, wenn man bei einer zeitlich rückwärts gerichteten Annäherung an den Urknall in die Nähe der [[Planck-Zeit]] kommt. Der Begriff des Nichts im Sinne eines „vor dem Urknall“ wird aus diesen Gründen von der heutigen Naturwissenschaft nicht verwendet, sondern als physikalisch sinnlos betrachtet. In Astronomie und Physik spricht man im Zusammenhang mit dem Urknall von einer [[Singularität (Astronomie)|Singularität]].
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Adolf_Trendelenburg Friedrich Adolf Trendelenburg] bestritt in direkter Opposition zu Hegel, dass im reinen Denken eine Brücke zwischen Sein und Nichts zum Werden hergestellt werden könne. In dieser für die Dialektik Hegels grundlegenden Beziehung sah Trendelenburg einen versteckten Rückgriff auf die Anschauung, den Hegel negierte oder übersah. „Das reine Sein, sich selbst gleich ist Ruhe; das Nichts – das sich selbst Gleiche – ist Ruhe. Wie kommt aus der Einheit zweier ruhender Vorstellungen das bewegte Werden heraus? Nirgends liegt in den Vorstufen die Bewegung vorgebildet, ohne welche das Werden nur ein Sein wäre. Da sowohl das reine Sein als auch das Nicht-Sein ausdrückt, so kann folgerichtig die nächste Aufgabe des Denkens, wenn die Einheit beider gesetzt werden soll, nur die sein, eine ruhende Vereinigung zu finden. Wenn aber das Denken aus jener Einheit ein Anderes erzeugt, trägt es offenbar dies Andere hinzu und schiebt die Bewegung stillschweigend unter, um Sein und Nicht-Sein in den Fluss des Werdens zu bringen. […] Aus dem Sein, einer zugestandenen Abstraktion, und dem Nichts, einer ebenfalls zugestandenen Abstraktion kann nicht urplötzlich das Werden entstehen, diese concrete, das Leben und den Tod beherrschende, Anschauung.“<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts#cite_note-6 [6]]</sup> Trendelenburgs Schüler [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Dilthey Wilhelm Dilthey] stellte in gleicher Weise in Bezug auf Hegels System kritisch fest: „Aber jede Metaphysik dieser Art ist von vornherein durch einen inneren Widerspruch in ihrer Grundlage gerichtet. Das über unsere Erfahrung Hinausliegende kann nicht einmal durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Analogie_(Philosophie) Analogie] einleuchtend gemacht, geschweige denn bewiesen werden, wenn dem Mittel der Begründung und des Beweises, dem logischen Zusammenhang, die ontologische Gültigkeit und Tragweite genommen wird.“<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts#cite_note-7 [7]]</sup></p>
=== <span id="Heidegger_versus_Carnap">Heidegger versus Carnap</span> ===
<p>Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Heidegger Martin Heideggers] Vortrag ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Was_ist_Metaphysik%3F Was ist Metaphysik?]'' gehören das „Nichts“ und das „Sein“ zusammen. Sie sind nicht dasselbe, aber sie bedingen sich und gehören zusammen. Erst durch das „Nichts“ offenbart sich das „Sein“ als eine „Befremdlichkeit“ oder als das „Andere“. Deutlich spürbar ist dieses „Nichts“ in der „Stimmung“ der [https://de.wikipedia.org/wiki/Angst Angst], nicht in der Furcht vor etwas Bestimmtem, sondern in der tiefen, in uns verborgenen „Angst vor“, oder „wegen“. Nicht ganz unbestimmt, aber auch nicht in Worten fassbar, eben die Angst vor dem „Nichts“. In einer solchen Angst ist einem alles gleichgültig und zwar gleichermaßen gleichgültig. Ob Tisch oder Stuhl, Tod oder Leben, es hat keine Relevanz. Eine merkwürdige Ruhe durchzieht einen, fast wie in der Stimmung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Langeweile Langeweile], die dem Sein am spürbar nächsten ist, und doch nicht ganz. Dieser kleine, von uns gefühlte Unterschied zwischen den beiden Stimmungen, wieder nicht in Worten fassbar, aber als etwas „Fehlendes“ fühlbar, ist das „Nichts“.</p><p>In prominenter Weise warf [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Carnap Rudolf Carnap] als Vertreter des logischen Empirismus ([https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_Kreis Wiener Kreis]) und der mittleren analytischen Philosophie dem Existentialismus Martin Heideggers vor, er würde den Begriff „Das Nichts“ fälschlich so verwenden, als ob er für eine bestimmte [https://de.wikipedia.org/wiki/Entit%C3%A4t Entität] stünde. Rudolf Carnap tadelte diesen Punkt bei Heidegger in seinem Aufsatz „Überwindung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik Metaphysik] durch logische Analyse der Sprache“. Die Annahme, der Begriff „Das Nichts“ habe einen Inhalt, beruht Carnap zufolge auf einer Verwechslung von logischer und grammatischer Struktur von Begriffen und Sätzen. Die analytische [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachphilosophie Sprachphilosophie] versucht zu zeigen, dass „Nichts“ einfach nur als „Nicht etwas“ verstanden werden kann und muss, so dass keine derartige Umformung möglich ist. Ihre Analyse ist also vor allem als [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysikkritik Metaphysikkritik] gemeint.</p><p>Nach Carnap beruhen sämtliche Sätze über ''das Nichts'' auf sprachlicher Verwirrung. Zwar sei die Bildung des Substantivs „das Nichts“ syntaktisch korrekt; Sätze, die den Ausdruck beinhalten, fallen aber in die Klasse der sinnlosen Sätze, da sie keinen empirischen Gehalt haben und unmöglich [https://de.wikipedia.org/wiki/Verifikation verifiziert] werden können. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Verifikationismus Verifikationismus] gilt zwar als gescheitertes Projekt, Carnaps Analyse des Nichts (die ursprünglich vor allem gegen Heideggers ''Sein und Zeit'' gerichtet war) ist jedoch in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Analytische_Philosophie analytischen Philosophie] zum Konsens geworden.</p><p>Heidegger wies diese Angriffe selbst zurück: Aus seiner Sicht sei es dogmatisch, Logik und Sprachanalyse als einzige philosophische Methoden zuzulassen. Sein [https://de.wikipedia.org/wiki/Existenzialismus Existenzialismus] von 1927 versucht daher, die Rolle von Logik und Sprache innerhalb des gesamten menschlichen Daseins zu relativieren. In seinem Vortrag ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Was_ist_Metaphysik%3F Was ist Metaphysik?]'' hielt Heidegger dem logischen Empirismus vor, dass die modernen Wissenschaften auf logischen Prinzipien beruhten, ohne das Nichts zu thematisieren. Der logische Empirismus habe sich als „Wissenschaftsphilosophie“ daher auf einen begrenzten Erkenntnisbereich des Seienden, der einer methodischen Welterschließung (Wissenschaft) zugänglich ist, zu beschränken. Heidegger gibt zu, dass Wissenschaften das Nichts nur als Negation eines Seienden, als Mangel, vorstellen können und müssen, was aber nicht dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie phänomenologischen] Charakter des Nichts ''als Nichts'' gerecht würde.</p><p>Auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_H%C3%B6nigswald Richard Hönigswald] reagierte auf die Handhabung des Begriffs durch Heidegger mit einer polemischen Kritik: „Unvergleichlich, wie es nun einmal ist, brütet das „Nichts“ tröstliche Angst verbreitend, indem es, so lautet der nahe liegende und gerade darum überraschende Ausdruck „nichtet“. „Es ist darum ursprünglicher als das Nicht und die Verneinung.“ – Indessen, solche Einsichten entziehen sich, wie man bei näherer Betrachtung erkennt, jedem Bedenken. Sie liegen gleichsam jenseits seiner Bedingungen und Kompetenzen. Denn Bedenken bedeuten immer Fragen; wieweit nun Fragen bis in die unheimlichen Tiefen des „Nichts“ überhaupt herabreichen, läßt sich grundsätzlich nicht ausmachen.“<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts#cite_note-8 [8]]</sup></p>
=== <span id="Sartre:_„Nichts“_als_Freiheit">Sartre: „Nichts“ als Freiheit</span> ===
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Paul_Sartre Jean-Paul Sartre] bestimmt in seinem Werk ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Sein_und_das_Nichts Das Sein und das Nichts]'' den Menschen als die Form des Seins, die das Nichts in die Wirklichkeit bringt und sich dadurch von allem anderen (bewusstlosen) Sein unterscheidet. Aus der Bewusstheit, die der Mensch über die Möglichkeit des Nicht-Seins hat, leitet er die Fähigkeit der „Negation“ ab. Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich von bestimmten Zukunfts- und Vergangenheitsbildern zu distanzieren. Durch diese Fähigkeit der Negation hat der Mensch die Freiheit, sich in die Zukunft zu entwerfen und aus der Vergangenheit zu lösen. Diese Freiheit verstärkt sich noch, da der Mensch auch die Form der eigenen Gegenwart negieren kann („ich bin das, was ich sein werde“) und somit auch nicht von dieser „abhängig“ ist bzw. „festgelegt“ wird. Das Nichts ist nach Sartre die Freiheit, die dem Menschen gegeben ist und die nicht abgelehnt werden kann.</p><p>Sartre verweist in seinem Werk ''Das Sein und das Nichts'' außerdem darauf, dass das ''Nichts'' eigentlich nicht durch Seinsbegriffe zu erfassen ist. Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendenz transzendente] Begriff des ''Nichts'' kann laut Sartre aufgrund der Nichtexistenz eines Inhaltes nur annähernd verdeutlicht werden, z.&nbsp;B. in der Grenzziehung zwischen einem Moment und dem folgenden. Versuchten wir uns hier eine Grenze vorzustellen, seien wir dazu nicht in der Lage und genau hier fänden wir das „Nichts“.</p>
=== <span id="Bloch:_Philosophie_des_Noch-Nicht-Seins">Bloch: Philosophie des Noch-Nicht-Seins</span> ===
<p>Eine differenzierte Philosophie des Nichts findet sich auch bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Bloch Ernst Bloch]. Unter der Kategorie des ''Noch-Nicht-Seins'' fasst Bloch die verschiedenen Formen der menschlichen Erfahrung des Mangels als Ausdruck einer fundamentalen ''Nichtigkeit'' einer Gegenwart, in der allerdings [https://de.wikipedia.org/wiki/Tendenz Tendenzen] auf ein mögliches, volles Sein angelegt sind.</p>
=== <span id="Derrida:_„Nichts“_als_Schweigen">Derrida: „Nichts“ als Schweigen</span> ===
<p>In seiner Kritik an [https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Foucault Foucaults] Deutung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes descartschen] „[https://de.wikipedia.org/wiki/Cogito_ergo_sum Cogito]“ entwickelt [https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Derrida Jacques Derrida] (''Cogito und die Geschichte des Wahnsinns.'' In: ''Die Schrift und die Differenz'') auch eine Bestimmung von „Nichts“. „Nichts“ ist die [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahnsinn wahnsinnige]Unbestimmtheit jenseits der von ihr befreiten „cogito-Erfahrung“, welche als feste Basis Gewissheit über unsere eigene Existenz gibt, jedoch nicht über selbige hinaus. Aufgrund des Wesens des „Nichts“ kann über es nicht gesprochen werden, da die Sprache Ausdruck der Vernunft ist, welche dem „Nichts“ gegenübersteht und es in Schach hält. „Nichts“ offenbart sich also ausschließlich im [https://de.wikipedia.org/wiki/Schweigen Schweigen].</p>
== <span id="Buddhismus">Buddhismus</span> ==
<p>Der buddhistische Begriff ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Shunyata Shunyata]'' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Sanskrit Sanskrit], [https://de.wikipedia.org/wiki/Japanische_Schrift jap.] <span class="Hani" lang="ja-Hani">空</span>, ''kū'') bedeutet Leere oder ''Leerheit''. Eine Gleichsetzung von Shunyata ([https://de.wikipedia.org/wiki/Mahayana Mahayana]) und Nichts ([https://de.wikipedia.org/wiki/Nihilismus Nihilismus]) wird üblicherweise vermieden. Der japanische Philosoph [https://de.wikipedia.org/wiki/Keiji_Nishitani Keiji Nishitani] bildet eine Ausnahme: Ihm zufolge gelinge bei genauer Kenntnis der westlichen und östlichen Philosophie eine Paralleldarstellung von ''Nihil'' und ''Shunyata'' in existentialistischer Sprache. In der Übersetzung von Büchern, die Übungen im [https://de.wikipedia.org/wiki/Zen-Buddhismus Zen-Buddhismus] beschreiben, werde insofern auch vom ''Nichts'' gesprochen. Im Ideal sei dies die Praxis einer ''nicht'' vorhandenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Upadana Anhaftung]. Der vielfach verwendete Begriff [https://de.wikipedia.org/wiki/Nirwana Nirvana] sei durch Fehlübersetzung mit dem Nichts gleichgesetzt, bedeute aber in etwa „verweht“.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Waldenfels Hans Waldenfels] findet in seiner Analyse des Nichts einen Widerspruch:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Wenn wir sehen, daß wir nichts sehen, wird das Nichts insofern zweideutig, als wir, wo wir nichts sehen, doch ''etwas'' sehen, das wir aussagen können. Denn entweder ist die Erfahrung des Nichts die Erfahrung eines nihilistischen Nichts oder die Erfahrung absoluter Verborgenheit. Wesentlich für die Erfahrung des Nichts ist, daß wir absolut unfähig sind zu entscheiden, ob sie das eine oder das andere ist. Die Zweideutigkeit entzieht sich folglich menschlicher Manipulation.“<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts#cite_note-9 [9]]</sup></p></blockquote></div></div><div class="sieheauch" role="navigation"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Mu_(Philosophie) Mu (Philosophie)]&nbsp;und [https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#Das_absolute_Nichts_der_Ky%C5%8Dto-Schule Das Absolute#Das absolute Nichts der Kyōto-Schule]</div>
== <span id="Naturwissenschaften">Naturwissenschaften</span> ==
<p>Während in der Zeit von [https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_von_Guericke Otto von Guericke] und seinem Versuch mit den [https://de.wikipedia.org/wiki/Magdeburger_Halbkugeln Magdeburger Halbkugeln] vielen bereits die Abwesenheit von Luft als Nichts galt, würde heute niemand mehr das [https://de.wikipedia.org/wiki/Vakuum Vakuum] – im Sinne eines materiefreien Raumes – als Nichts betrachten. Selbst wenn es gelänge, ein hundertprozentiges Vakuum zu schaffen, in dem weder materielose Wellen noch [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundkr%C3%A4fte_der_Physik wechselwirkende Felder] vorkämen, so wäre dieser Raum dennoch nicht völlig „leer“, da sich permanent Teilchen und Antiteilchen – wenn auch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Virtuelles_Teilchen virtuellen Zuständen] – bilden und sofort wieder vernichten. Dieses als [https://de.wikipedia.org/wiki/Vakuumfluktuation Vakuumfluktuation] bezeichnete Phänomen wurde durch den resultierenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Casimir-Effekt Casimir-Effekt] 1958 experimentell bestätigt.</p><p>Seit dem 20. Jahrhundert wird mit dem Begriff ''Nichts'' eher die dem menschlichen Verstand nicht zugängliche Abwesenheit jeglichen Seins, also auch von [https://de.wikipedia.org/wiki/Raum_(Physik) Raum] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeit Zeit] verstanden. Das im Rahmen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Relativit%C3%A4tstheorie Allgemeinen Relativitätstheorie]formulierte heutige Standardmodell der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmologie Kosmologie] legt die Entstehung von Raum und Zeit in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Urknall Urknall]. Deren heutige Eigenschaften verlieren jedoch ihre Gültigkeit, wenn man bei einer zeitlich rückwärts gerichteten Annäherung an den Urknall in die Nähe der [https://de.wikipedia.org/wiki/Planck-Zeit Planck-Zeit] kommt. Der Begriff des Nichts im Sinne eines „vor dem Urknall“ wird aus diesen Gründen von der heutigen Naturwissenschaft nicht verwendet, sondern als physikalisch sinnlos betrachtet. In Astronomie und Physik spricht man im Zusammenhang mit dem Urknall von einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Singularit%C3%A4t_(Astronomie) Singularität].</p>
== <span id="Mathematik_und_Informatik">Mathematik und Informatik</span> ==


*Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Zahl Zahl] [https://de.wikipedia.org/wiki/Null Null] wird mit dem ''Nichts'' in Verbindung gebracht, aber auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Positive_und_negative_Zahlen negative Zahlen] können als Ausdruck eines Mangels verwendet werden. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Nat%C3%BCrliche_Zahl natürlichen Zahlen] können nach [https://de.wikipedia.org/wiki/John_von_Neumann John von Neumanns] [https://de.wikipedia.org/wiki/Nat%C3%BCrliche_Zahl#Von_Neumanns_Modell mengentheoretischem Modell]jedoch aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Leere_Menge leeren Menge] und einer einfachen Mengenbildungsregel konstruiert werden. In diesem Modell repräsentiert die leere Menge, die kein Element (= Nichts) enthält, die Null, während die [https://de.wikipedia.org/wiki/Eins Eins] die [https://de.wikipedia.org/wiki/Menge_(Mathematik) Menge] ist, welche die leere Menge (= Null) enthält. Die Null ist demnach nicht Nichts, sondern vielmehr die Menge, die Nichts enthält.<br>Zudem bezeichnet in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Abstrakte_Algebra abstrakten Algebra] die Null das [https://de.wikipedia.org/wiki/Neutrales_Element neutrale Element] (Nullelement) einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Addition additiv] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Operator_(Mathematik) Operator] ''Plus'') geschriebenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Verkn%C3%BCpfung_(Mathematik) Verknüpfung], sodass jedes damit verknüpfte Element auf sich selbst abgebildet wird. Ein mit ''Nichts''verknüpftes Element wird dagegen erst gar nicht abgebildet.
== Mathematik und Informatik ==
*Im Kontext von [https://de.wikipedia.org/wiki/Datenbank Datenbanken] bezeichnet man den Wert einer Zelle, die kein Zeichen enthält, als [https://de.wikipedia.org/wiki/Nullwert Nullwert] (oft dargestellt als „NULL“, aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Englische_Sprache englischen Sprache]). Der Nullwert entspricht also dem ''Nichts'' im Sinne von „keine Information“ und keineswegs dem Zahlenwert 0 (= ''zero'' oder deutsch null).
* Die [[Zahl]] [[Null]] wird mit dem ''Nichts'' in Verbindung gebracht, aber auch [[Positive und negative Zahlen|negative Zahlen]] können als Ausdruck eines Mangels verwendet werden. Die [[Natürliche Zahl|natürlichen Zahlen]] können nach [[John von Neumann]]s [[Natürliche Zahl#Von Neumanns Modell|mengentheoretischem Modell]] jedoch aus der [[Leere Menge|leeren Menge]] und einer einfachen Mengenbildungsregel konstruiert werden. In diesem Modell repräsentiert die leere Menge, die kein Element (= Nichts) enthält, die Null, während die [[Eins]] die [[Menge (Mathematik)|Menge]] ist, welche die leere Menge (= Null) enthält. Die Null ist demnach nicht Nichts, sondern vielmehr die Menge, die Nichts enthält.<br />Zudem bezeichnet in der [[Abstrakte Algebra|abstrakten Algebra]] die Null das [[Neutrales Element|neutrale Element]] (Nullelement) einer [[Addition|additiv]] ([[Operator (Mathematik)|Operator]] ''Plus'') geschriebenen [[Verknüpfung (Mathematik)|Verknüpfung]], sodass jedes damit verknüpfte Element auf sich selbst abgebildet wird. Ein mit ''Nichts'' verknüpftes Element wird dagegen erst gar nicht abgebildet.
*In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Informatik Informatik] spielt auch der Begriff „None“ eine wichtige Rolle und kann, ähnlich wie „Null“, als eine Form des Nichts betrachtet werden. Es ist jedoch entscheidend zu betonen, dass „None“ und „Null“ identisch sind. In diversen [https://de.wikipedia.org/wiki/Programmiersprache Programmiersprachen] wird ''None'' teilweise aber auch ''Null'' (''NULL'' oder ''NIL'') verwendet, um auszudrücken, dass eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeiger_(Informatik) Pointervariable] (noch) auf kein gültiges Objekt zeigt.
* Im Kontext von [[Datenbank]]en bezeichnet man den Wert einer Zelle, die kein Zeichen enthält, als [[Nullwert]] (oft dargestellt als „NULL“, aus der [[englische Sprache|englischen Sprache]]). Der Nullwert entspricht also dem ''Nichts'' im Sinne von „keine Information“ und keineswegs dem Zahlenwert 0 (= ''zero'' oder deutsch null).
*Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Dreiwertige_Logik Ternäre Logik] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Data_Manipulation_Language Datenmanipulationssprachen] kennt außer den Begriffen ''TRUE'' und ''FALSE'' noch ''UNKNOWN'' für ''nicht bestimmt''.
* In der [[Informatik]] spielt auch der Begriff „None“ eine wichtige Rolle und kann, ähnlich wie „Null“, als eine Form des Nichts betrachtet werden. Es ist jedoch entscheidend zu betonen, dass „None“ und „Null“ identisch sind. In diversen [[Programmiersprache]]n wird ''None'' teilweise aber auch ''Null'' (''NULL'' oder ''NIL'') verwendet, um auszudrücken, dass eine [[Zeiger (Informatik)|Pointervariable]] (noch) auf kein gültiges Objekt zeigt.
*Nichtnumerische Daten benötigen als Distanzhalter Leerzeichen, auch als ''SPACE'' oder ''BLANK'' bezeichnet. Um sie von anderen unsichtbaren Zeichen zu unterscheiden, bieten Textprogramme die Option, Leerzeichen durch einen Punkt zu kennzeichnen.
* Die [[Dreiwertige Logik|Ternäre Logik]] der [[Data Manipulation Language|Datenmanipulationssprachen]] kennt außer den Begriffen ''TRUE'' und ''FALSE'' noch ''UNKNOWN'' für ''nicht bestimmt''.
* Nichtnumerische Daten benötigen als Distanzhalter Leerzeichen, auch als ''SPACE'' oder ''BLANK'' bezeichnet. Um sie von anderen unsichtbaren Zeichen zu unterscheiden, bieten Textprogramme die Option, Leerzeichen durch einen Punkt zu kennzeichnen.


== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==
== Siehe auch ==
* [[Absolutes Nichts]] (absolutes und relatives Nichts)
* [[Nichts (Roman)]] (Jugendbuch von [[Janne Teller]])
* [[Plenismus]]


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Absolutes_Nichts Absolutes Nichts] (absolutes und relatives Nichts)
== Trivia ==
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts_(Roman) Nichts (Roman)] (Jugendbuch von [https://de.wikipedia.org/wiki/Janne_Teller Janne Teller])
[[Datei:Kyritz NICHTS.jpg|mini|Gedenkstein an das „NICHTS“ in [[Kyritz]]]]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Plenismus Plenismus]


== <span id="Trivia">Trivia</span> ==
* ''Nichts'' wird in Deutschland mit zwei Gedenktafeln gewürdigt: Sowohl in [[Kyritz]] auf dem Markt („Dieser Stein erinnert an den 14.02.1842 – Hier geschah um 10.57 Uhr NICHTS“) als auch in [[Schwerte]] („Genau an dieser Stelle ereignete sich am 15. Mai des Jahres 1785 überhaupt gar nichts“).<ref>Gerd-Otto Rieke: ''Bei den Denkmalen der Nichtigkeiten''. [[Thüringische Landeszeitung]], 15. Mai 2021, ''Reise''-Seite (ohne Seitenzahl)</ref>
<span></span>
* In einem Sketch von 1974 stellte [[Ernst Hilbich]] die Vorzüge eines Schnapses mit Namen Nichts vor.<ref>{{Internetquelle |autor=4Astaroth |url=https://www.youtube.com/watch?v=EctwYt1vGYM |titel=Nichts trinken Comedy |datum=2013-08-06 |abruf=2024-05-31}}</ref> In der Folge wurde tatsächlich ein solcher auf den Markt gebracht, mit entsprechenden Sprüchen auf dem Etikett („sagen Sie Ihrer Frau einfach, sie hätten Nichts getrunken“). Auch heute ist ein [[Köm|Kümmel]] dieses Namens erhältlich.<ref>{{Internetquelle |url=https://madeinbremen.com/products/nichts-aquavit-200ml-grashoff |titel=Nichts der Aquavit – Kümmel-Kräuter-Spirituose 200ml |sprache=de |abruf=2024-05-31}}</ref>
*''Nichts'' wird in Deutschland mit zwei Gedenktafeln gewürdigt: Sowohl in [https://de.wikipedia.org/wiki/Kyritz Kyritz] auf dem Markt („Dieser Stein erinnert an den 14.02.1842 – Hier geschah um 10.57 Uhr NICHTS“) als auch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Schwerte Schwerte](„Genau an dieser Stelle ereignete sich am 15. Mai des Jahres 1785 überhaupt gar nichts“).<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts#cite_note-10 [10]]</sup>
*In einem Sketch von 1974 stellte [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Hilbich Ernst Hilbich] die Vorzüge eines Schnapses mit Namen Nichts vor.<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts#cite_note-11 [11]]</sup> In der Folge wurde tatsächlich ein solcher auf den Markt gebracht, mit entsprechenden Sprüchen auf dem Etikett („sagen Sie Ihrer Frau einfach, sie hätten Nichts getrunken“). Selbst heute ist ein [https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6m Kümmel] dieses Namens erhältlich.


== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
== Literatur ==
<span></span>
* [[Parmenides]]: Fragment ''Über die Natur.'' [http://www.pinselpark.org/philosophie/p/parmen/texte/natur.html (online)]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Parmenides Parmenides]: Fragment ''Über die Natur.'' [http://www.pinselpark.org/philosophie/p/parmen/texte/natur.html (online)]
* [[Jacques Derrida]]: ''Cogito und die Geschichte des Wahnsinns.'' In: ''Die Schrift und die Differenz.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_Derrida Jacques Derrida]: ''Cogito und die Geschichte des Wahnsinns.'' In: ''Die Schrift und die Differenz.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000.
* [[Thomas von Aquin]]: ''[[De ente et essentia|Über Seiendes und Wesenheit]]''. Lateinisch – Deutsch, mit Einleitung, Übersetzung und Kommentar herausgegeben von Horst Seidl. Hamburg 1988.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin]: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/De_ente_et_essentia Über Seiendes und Wesenheit]''. Lateinisch – Deutsch, mit Einleitung, Übersetzung und Kommentar herausgegeben von Horst Seidl. Hamburg 1988.
* [[Konrad Goehl]], [[Johannes Gottfried Mayer]]: ''Deus in cogitatione existens. Der Appendix zum „Proslogion“ des Anselm von Canterbury – oder: Kann Gaunilos Nicht-Sein gedacht werden?'' In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): ''Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für [[Gundolf Keil]] zum 65. Geburtstag.'' Königshausen & Neumann, Würzburg 2000 (= ''Texte und Wissen.'' Band 3), ISBN 3-8260-1851-6, S. 339–402.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Goehl Konrad Goehl], [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gottfried_Mayer Johannes Gottfried Mayer]: ''Deus in cogitatione existens. Der Appendix zum „Proslogion“ des Anselm von Canterbury – oder: Kann Gaunilos Nicht-Sein gedacht werden?'' In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): ''Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für [https://de.wikipedia.org/wiki/Gundolf_Keil Gundolf Keil] zum 65. Geburtstag.'' Königshausen & Neumann, Würzburg 2000 (= ''Texte und Wissen.'' Band 3), [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3826018516 ISBN 3-8260-1851-6], S. 339–402.
* ''Nichts.'' In: [[Walter Brugger (Philosoph)|Walter Brugger]], [[Harald Schöndorf]] (Hrsg.): ''Philosophisches Wörterbuch.'' Alber, Freiburg im Breisgau 2007, ISBN 978-3-495-48213-1.
*''Nichts.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Brugger_(Philosoph) Walter Brugger], [https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Sch%C3%B6ndorf Harald Schöndorf] (Hrsg.): ''Philosophisches Wörterbuch.'' Alber, Freiburg im Breisgau 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783495482131 ISBN 978-3-495-48213-1].
* Markus Wirtz: ''Geschichten des Nichts. Hegel, Nietzsche, Heidegger und das Problem der philosophischen Pluralität.'' Alber, Freiburg/München 2006, ISBN 3-495-48132-X.
*Markus Wirtz: ''Geschichten des Nichts. Hegel, Nietzsche, Heidegger und das Problem der philosophischen Pluralität.'' Alber, Freiburg/ München 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/349548132X ISBN 3-495-48132-X].
* Joji Yorikawa: ''Das System der Philosophie und das Nichts. Studien zu Hegel, Schelling und Heidegger.'' Alber, Freiburg im Breisgau 2005, ISBN 3-495-48159-1.
*Joji Yorikawa: ''Das System der Philosophie und das Nichts. Studien zu Hegel, Schelling und Heidegger.'' Alber, Freiburg im Breisgau 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3495481591 ISBN 3-495-48159-1].
* [[Hisaki Hashi]]: ''Die Dynamik von Sein und Nichts. Dimensionen der vergleichenden Philosophie.'' Lang, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-631-50561-2.
*Hisaki Hashi: ''Die Dynamik von Sein und Nichts. Dimensionen der vergleichenden Philosophie.'' Lang, Frankfurt am Main 2004, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3631505612 ISBN 3-631-50561-2].
* [[Ludger Lütkehaus]]: ''Nichts. Abschied vom Sein – Ende der Angst.'' Haffmans, Zürich 1999 (6. Auflage. Haffmans bei Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-86150-544-4).
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ludger_L%C3%BCtkehaus Ludger Lütkehaus]: ''Nichts. Abschied vom Sein – Ende der Angst.'' Haffmans, Zürich 1999 (6. Auflage. Haffmans bei Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2004, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3861505444 ISBN 3-86150-544-4]).
* Walter G. Neumann: ''Die Philosophie des Nichts in der Moderne. Sein und Nichts bei Hegel, Marx, Heidegger und Sartre.'' Die Blaue Eule, Essen 1989, ISBN 3-89206-330-3.
*Walter G. Neumann: ''Die Philosophie des Nichts in der Moderne. Sein und Nichts bei Hegel, Marx, Heidegger und Sartre.'' Die Blaue Eule, Essen 1989, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3892063303 ISBN 3-89206-330-3].
* Rudolf Carnap: ''Logische Syntax der Sprache.'' Springer, Wien 1934. (2. Auflage. 1968)
*Rudolf Carnap: ''Logische Syntax der Sprache.'' Springer, Wien 1934. (2. Auflage. 1968)
* [[Henning Genz]]: ''Die Entdeckung des Nichts.'' Rowohlt, Hamburg 1999, ISBN 3-499-60729-8.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Henning_Genz Henning Genz]: ''Die Entdeckung des Nichts.'' Rowohlt, Hamburg 1999, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3499607298 ISBN 3-499-60729-8].
* [[Ute Guzzoni]]: ''Nichts. Bilder und Beispiele.'' Parerga, Düsseldorf 1999, ISBN 3-930450-39-9.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ute_Guzzoni Ute Guzzoni]: ''Nichts. Bilder und Beispiele.'' Parerga, Düsseldorf 1999, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3930450399 ISBN 3-930450-39-9].
* [[John D. Barrow]]: ''The Book of Nothing: Vacuums, Voids, and the Latest Ideas about the Origins of the Universe.'' Vintage Books (Reprint: 2002, ISBN 0-375-72609-8).
*[https://de.wikipedia.org/wiki/John_D._Barrow John D. Barrow]: ''The Book of Nothing: Vacuums, Voids, and the Latest Ideas about the Origins of the Universe.'' Vintage Books (Reprint: 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0375726098 ISBN 0-375-72609-8]).
* Marco S. Torini: ''Apophatische Theologie und göttliches Nichts. Über Traditionen negativer Begrifflichkeit in der abendländischen und buddhistischen Mystik.'' In: ''Tradition und Translation. Zum Problem der interkulturellen Übersetzbarkeit religiöser Phänomene.'' De Gruyter, Berlin u. a. 1994, S. 493–520.
*Marco S. Torini: ''Apophatische Theologie und göttliches Nichts. Über Traditionen negativer Begrifflichkeit in der abendländischen und buddhistischen Mystik.'' In: ''Tradition und Translation. Zum Problem der interkulturellen Übersetzbarkeit religiöser Phänomene.'' De Gruyter, Berlin u. a. 1994, S. 493–520.
* [[Jim Holt]]: ''Gibt es alles oder nichts? : Eine philosophische Detektivgeschichte.'' Übersetzung Hainer Kober. Rowohlt, Reinbek 2014, ISBN 978-3-498-02813-8.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Jim_Holt Jim Holt]: ''Gibt es alles oder nichts?&nbsp;: Eine philosophische Detektivgeschichte.'' Übersetzung Hainer Kober. Rowohlt, Reinbek 2014, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783498028138 ISBN 978-3-498-02813-8].
* [[Fridugisus]]: ''De substantia nihili et tenebrarum'' (''Brief über das Wesen des Nichts''<ref>Karl Maurer: ''Um 800: Karl der Große ordnet an, dass die in der Landessprache überlieferten Heldenlieder in seiner Palastschule in Aachen aufgezeicnet werden.'' In: ''Eine neue Geschichte der deutschen Literatur.'' Berlin University Press, Berlin 2007, ISBN 978-3-940432-12-4, S. 35.</ref> nach 804, im Auftrag [[Karl der Große|Karls des Großen]]; Erstdruck: Lucca 1761)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Fridugisus Fridugisus]: ''De substantia nihili et tenebrarum'' (''Brief über das Wesen des Nichts''<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nichts#cite_note-12 [12]]</sup> nach 804, im Auftrag [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Gro%C3%9Fe Karls des Großen]; Erstdruck: Lucca 1761)
* [[Hartwig Schmidt]]: ''Nichts und Zeit. Metaphysia dialectica – urtümliche Figuren.'' Felix Meiner Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-7873-1840-7.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hartwig_Schmidt Hartwig Schmidt]: ''Nichts und Zeit. Metaphysia dialectica – urtümliche Figuren.'' Felix Meiner Verlag, Hamburg 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783787318407 ISBN 978-3-7873-1840-7].
* Dirk Cürsgen: ''Zwischen Verstand und Vernunft. Kants Thesen über das Nichts''. Epubli, Berlin 2020, ISBN 978-3-7531-0288-7.
*Dirk Cürsgen: ''Zwischen Verstand und Vernunft. Kants Thesen über das Nichts''. Epubli, Berlin 2020, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783753102887 ISBN 978-3-7531-0288-7].
* Sascha Michel: ''Leere. Eine Kulturgeschichte'' (= Nexus, Bd. 110). Klostermann, Frankfurt/M. 2024, ISBN 978-3-465-04658-5.  


== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
== Weblinks ==
<span></span><div class="sisterproject"><div class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wikiquote">[[file:13px-Wikiquote-logo.svg.png|13x16px]]</span></span></div>'''[https://de.wikiquote.org/wiki/Nichts Wikiquote: Nichts]'''&nbsp;– Zitate</div><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Nichts Wiktionary: Nichts]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]
*Roy Sorensen:&nbsp;[http://plato.stanford.edu/entries/nothingness/ ''Nothingness.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]''.
{{Wikiquote}}
*Suki Finn:&nbsp;[https://iep.utm.edu/metaphysics-of-nothing/ ''The Metaphysics of Nothing.''] In: J. Fieser, B. Dowden (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Encyclopedia_of_Philosophy Internet Encyclopedia of Philosophy]''.
{{Wiktionary}}
*Harald Lesch: [http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-centauri/alpha-centauri-nichts-2006_x100.html ''Warum ist nicht nichts.'']
* {{SEP|http://plato.stanford.edu/entries/nothingness/|Nothingness|Roy Sorensen}}
*<span class="cite">Hilmar Alquiros: [https://www.hilmar-alquiros.de/NPB.htm ''Nothingness and Being.'']</span>
* {{IEP|https://iep.utm.edu/metaphysics-of-nothing/|The Metaphysics of Nothing|Suki Finn}}
* Harald Lesch: [http://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-centauri/alpha-centauri-nichts-2006_x100.html ''Warum ist nicht nichts.'']
* {{cite web |last=Alquiros |first=Hilmar |title=Nothingness and Being |url= https://www.hilmar-alquiros.de/NPB.htm}}


== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
== Einzelnachweise ==
<references />


#<span class="reference-text"><cite>Die Fragmente der Vorsokratiker. Griechisch und Deutsch von Hermann Diels.</cite> Band&nbsp;1. Berlin 1922, S.&nbsp;151 ([http://www.zeno.org/nid/20009262040#151 zeno.org]).</span>
[[Kategorie:Abstraktum]]
#<span class="reference-text">Gottfried Wilhelm Leibniz: ''Theodizee.'' §44; zit. nach der dt.-frz. Suhrkamp-Ausgabe 1999, S. 273.</span>
[[Kategorie:Metaphysik]]
#<span class="reference-text">Christian Wolff: ''Vernünftige Gedancken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt.'' Band 1, 1738, S. 16 (§ 30)</span>
[[Kategorie:Ontologie]]
#<span class="reference-text">Immanuel Kant, ''Gesammelte Schriften.'' Hrsg.: Bd. 1–22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., [http://kant.korpora.org/Band3/233.html AA III, 233].</span>
[[Kategorie:Existenzphilosophie]]
#<span class="reference-text">Immanuel Kant, ''Gesammelte Schriften.'' Hrsg.: Bd. 1–22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., [http://kant.korpora.org/Band3/233.html AA III, 233]&nbsp;/ ''KrV'' B 348.</span>
#<span class="reference-text">Friedrich Adolf Trendelenburg: ''Logische Untersuchungen.'' Band 1, 3. Auflage. 1870, S. 38.</span>
#<span class="reference-text">Wilhelm Dilthey: ''Schlußbetrachtung über die Unmöglichkeit der metaphysischen Stellung des Erkennen.'' In: ''Einleitung in die Geisteswissenschaft.'' Band 1 [1883], abgedruckt in: ''Das Wesen der Philosophie.'' Reclam, Stuttgart 1984, S. 138.</span>
#<span class="reference-text">Richard Hönigswald: ''Grundfragen der Erkenntnistheorie.'' Tübingen 1931; (neu herausgegeben: Meiner, Hamburg 1997, S. 62).</span>
#<span class="reference-text">Hans Waldenfels: ''Faszination des Buddhismus. Zum christlich-buddhistischen Dialog.'' Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 19982, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3786709882 ISBN 3-7867-0988-2], S.&nbsp;35</span>
#<span class="reference-text">Gerd-Otto Rieke: ''Bei den Denkmalen der Nichtigkeiten''. [https://de.wikipedia.org/wiki/Th%C3%BCringische_Landeszeitung Thüringische Landeszeitung], 15. Mai 2021, ''Reise''-Seite (ohne Seitenzahl)</span>
#<span class="reference-text">[https://m.youtube.com/watch?v=EctwYt1vGYM [1]] Ernst Hilbich in [https://de.wikipedia.org/wiki/Am_laufenden_Band Am laufenden Band]</span>
#<span class="reference-text">Karl Maurer: ''Um 800: Karl der Große ordnet an, dass die in der Landessprache überlieferten Heldenlieder in seiner Palastschule in Aachen aufgezeicnet werden.'' In: ''Eine neue Geschichte der deutschen Literatur.'' Berlin University Press, Berlin 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783940432124 ISBN 978-3-940432-12-4], S. 35.</span>

Aktuelle Version vom 2. April 2026, 14:50 Uhr

nichts | ni + wicht + s | zu ni, nio "nein, kein, nie" und Wicht "Kobold, Ding, Sache"

Nichts n. (16. Jh.). Auf einer alten genitivischen Fügung beruhen auch nichtsdestoweniger, und nichtswürdig.

¦∅¦ Abwesenheit von Dasein, Stofflichkeit, Gegenständlichkeit

¦⊕¦ Unergreifbares, Unerkennbares, Unwahrnehmbares, Unmeßbares oder ähnlich;

¦√¦ merhere siehe nein und Wicht; verwandt Wesen und mit indo-iranisch वस्तु vastu, “essence, substance, truth”) (relationship to *weh₁ unclear)

¦↵¦ uger. wihtą; aus ahd. ni, nio "nein, kein, nie"und ahd. wiht ‘Kobold, Wesen, Ding’; zusammengerückt aus *na aiwin wihtes "kein eines/ewig Wichtes", "‘nicht irgendein Ding", ahd. wiht ‘Kobold, Wesen, Ding’; Ahd. niowiht (8. Jh.), mhd. niwiht, niweht, niht, asächs. nio-, neo-, niewiht, mnd. nicht, niet, mnl. nl. niet, afries. nāwet, naut, nāt, aengl. nōwiht, engl. nought sowie got. ni waíht ‘nichts’

Nichts

In vielen Kulturen wird Schwarz mit dem Nichts assoziiert.

Mit Nichts wird in der Alltagssprache ein universelles abstraktes Konzept bezeichnet, das verschiedene Bedeutungsaspekte besitzt. Es kann jedoch darüber gestritten werden, ob diese Bündelung der Aspekte eine gemeinsame linguistische Quelle hat oder ob es sich dabei zum Teil um Homonyme handelt, die auf fehlerhaften Umgang mit den Regeln der Oberflächengrammatik zurückzuführen wären. Verschiedene Aspekte sind:

  • Die Negationspartikel „nicht“ dient zur sprachlichen Negation von Aussagen oder Satzelementen.
  • Das Indefinitpronomen „nichts“ bedeutet „nicht irgend (etwas)“, kein Ding, keine Sache, nicht das Mindeste.
  • Die Nominalphrase „das Nichts“ bezieht sich auf das Gegenteil des Seins, die Negation und Abwesenheit des Seins, das Nichtsein, eine absolute Leere oder allgemeine Unbestimmtheit.
  • In der formalen Logik tritt „nichts“ ausschließlich in Gestalt des so genannten negierten Existenzquantors (¬∃x) auf. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass „nichts“ im Gegensatz zu „das Nichts“ kein Eigenname oder Nominator ist. Daher sind z. B. „Nichts existiert“ (d. i. „Es ist nicht der Fall, dass etwas existiert“) und „Das Nichts existiert“ nicht synonym.
  • Das Substantiv „Nichts“ kann zudem bezogen werden auf:
    • Etwas Abwesendes, dessen Anwesenheit erwartet wurde (nihil privativum);
    • Etwas Wesenloses, Nichtiges, nicht Greifbares;
    • Etwas, dem doch der eigentliche Inhalt, das innere Sein und Leben fehlt, der bloße „Schein“;
    • Ebenso kann damit eine Person oder Sache als unwert, unbedeutend, gehaltlos und nichtig etikettiert werden.

Das gemeinsame der substantivischen Verwendungen ist, dass eine Bestimmung (z. B. der Wert) irrelevant klein ist oder null beträgt, oder eine Sache, deren Existenz oder Anwesenheit erwartet wurde, sich als fiktiv oder abwesend herausstellt.

Philosophiegeschichte

Die verschiedenen Bedeutungsaspekte von Nichts wurden in der Philosophie nicht immer klar unterschieden. Daher ist der Frage, ob sich „Nichts“ denken lässt oder nicht – und wenn ja, wie – in der Philosophiegeschichte auf sehr unterschiedliche Arten nachgegangen worden. Der Umgang mit dieser Frage kann in verschiedenen philosophischen Disziplinen geschehen; „Nichts“ kann als Thema der Metaphysik und Ontologie behandelt werden (z. B. bei Platon, im Gedenken der creatio ex nihilo oder in Hegels Metaphysik des Absoluten), „Nichts“ kann aber auch als existentielle Erfahrung philosophisch beschrieben werden (z. B. bei Martin Heidegger oder Jean-Paul Sartre), oder die Spuren von „Nichts“ können als sprachphilosophische und logische Phänomene wie Verneinung oder Falschheit analysiert werden. Gelegentlich wird dabei das Nichts selbst negiert, so ist die Unmöglichkeit des Nichts in der Natur ein Grundsatz der Naturphilosophie des Aristoteles (horror vacui).

Vorsokratik

Die Frage nach dem Nichts beschäftigt die westliche Philosophie seit ihrem allerersten vorsokratischen Anfang. Der griechische Philosoph Parmenides von Elea behandelt das Thema in dem einzigen von ihm erhaltenen Fragment, seinem Lehrgedicht Über die Natur:

„Wohlan, so will ich denn verkünden (Du aber nimm mein Wort zu Ohren), welche Wege der Forschung allein denkbar sind: der eine Weg, daß [das Seiende] ist und daß es unmöglich nicht sein kann, das ist der Weg der Überzeugung (denn er folgt der Wahrheit), der andere aber, daß es nicht ist und daß dies Nichtsein notwendig sei, dieser Pfad ist (so künde ich Dir) gänzlich unerforschbar. Denn das Nichtseiende kannst Du weder erkennen (es ist ja unausführbar) noch aussprechen.“[1]

Aus diesen Zeilen lässt sich die Handlungsanweisung entnehmen, sich nicht mit dem Nichtseienden zu befassen und alle Aufmerksamkeit stattdessen allein dem Seienden zukommen zu lassen. Es ist nämlich unmöglich, über das Nichtseiende zu sprechen, da im selben Moment, als man von diesem etwas aussagt, dessen Sein wieder voraussetzt. Außerdem sind Sein und Denken äquivalent: Über das Nichts kann man demnach nicht nachdenken. Auf diese Weise entsteht eine Definition der Aufgabe von Wissenschaft: lohnende Forschung kann alles zum Thema haben, nur nicht das Nichts. Der Spruch des Parmenides von Elea gilt als erste Formulierung abstrakter metaphysischer Reflexion im antiken Griechenland und dient Platons Dialog Sophistes als Ausgangspunkt.

Platon

Platon relativiert die Position des Parmenides vom absoluten Nichts. In dem Dialog Sophistes bestimmt er das Nichts als Nichtseiendes und dieses schließlich in einer längeren Argumentationskette als Verschiedenheit. Dabei werden fünf höchste Kategorien/Ideen entwickelt, die irreduzibel sind und an denen alle anderen Ideen teilhaben. Durch die Teilhabe an diesen fünf Ideen wird alles andere erst, was es ist, ohne mit den fünf Ideen identisch zu sein. Die fünf Ideen sind Sein, Ruhe und Bewegung, Identität und Verschiedenheit. Jede dieser Ideen ist mit sich selbst identisch und hat teil an den anderen Ideen. Durch die Verschiedenheit wird die Möglichkeit des Nichtseins aufgemacht. Die Idee der Ruhe ist mit sich selbst identisch, aber verschieden von den anderen vier Ideen. Sie hat Anteil z. B. an der Idee des Seins, sie ist jedoch nicht die Idee des Seins. Die Idee der Verschiedenheit eröffnet also die Möglichkeit des Nichtseins.

Spätantike und Mittelalter

In der frühchristlichen Philosophie stellt sich das Problem bei der Diskussion der göttlichen Schöpfung: sie kann nach Augustin nur ex nihilo, aus dem Nichts erfolgt sein, denn alles andere wäre keine Schöpfung, sondern lediglich eine Umwandlung. Tertullian differenziert zwei Sprechweisen a nihilo, „von nichts her“, ohne eigene Ursache und Ex nihilo: das Nichts als Substanz; dies führt nach Tertullian zur Gnosis. Nikolaus von Kues versteht unter dem Nichts die alteritas, die 'Andersheit', die je spezifisch zu einem möglichen Sein angelegt ist.

Nihil privativum

In der frühen Neuzeit unterschied man verschiedene Aspekte des Nichts. Unter dem Begriff des nihil privativum wird das Nichts etwa als eine spezifische Abwesenheit von Etwas oder als Mangel definiert. Dabei handelt es sich um eine logische Entgegensetzung, die dem Negierten einen geringeren ontologischen Status zuweist: Dunkelheit ist nur die Abwesenheit von Licht, das Böse nur die Abwesenheit des Guten und so weiter. Dieser aus dem Platonismus stammende Gedanke spielt auch in der Theodizee eine Rolle.

Rationalismus: Satz vom Grund

Im Rationalismus haben sowohl Leibniz als auch Wolff das bereits von Cicero formulierte Prinzip „Nichts geschieht ohne Grund“ (lat. nihil sine causa fit, De divinatione 2,61) im Satz vom zureichenden Grund als maßgebliches metaphysisches Prinzip bestimmt. Bei Leibniz heißt es: „[…] nichts geschieht, ohne dass es eine Ursache [cause] oder wenigstens einen bestimmenden Grund [raison déterminante] gibt, d. h. etwas, das dazu dienen kann, a priori zu begründen, weshalb etwas eher existiert als nicht existiert und weshalb etwas gerade so als in einer anderen Weise existiert.“[2] Die logische Bedeutung in Bezug auf den Begriff des Nichts diskutierte Wolff wie folgt: „Wo etwas vorhanden ist, woraus man begreifen kann, warum es ist, hat das einen zureichenden Grund (§ 29). Derowegen wo keiner vorhanden ist, da ist nichts, woraus man begreifen kann, warum etwas ist, nemlich warum es wirklich werden kann, und also muss es aus Nichts entstehen. Was demnach nicht aus Nichts entstehen kann, muss einen zureichenden Grund haben, warum es ist, als es muss an sich möglich sein und eine Ursache haben, die es zur Wirklichkeit bringen kann, wenn wir von Dingen reden, die nicht notwendig sind. Da es nun unmöglich ist, daß aus Nichts etwas werden kann, so muss auch Alles, was ist, seinen zureichenden Grund haben, warum es ist.“[3]

Kant

In der transzendentalen Analytik der Kritik der reinen Vernunft fügte Immanuel Kant am Schluss des Anhangs eine kleine Betrachtung über den Gegensatz von Möglichkeit und Unmöglichkeit in Bezug auf die Kategorien hinzu. Jeder Klasse der Kategorien entspricht auch ihre Negation. Danach ist „Nichts“ gemäß der Kategorientitel Quantität, Qualität, Relation und Modalität zu unterscheiden in Gedankending, Mangel an Etwas, reine Anschauung oder bloße Form, und Unding (vgl. nebenstehende Tafel).

Nichts als
1. Leerer begriff ohne Gegenstand
ens rationis
2. Leerer Gegenstand eines Begriffs
nihil privatum 3. Leere Anschauung ohne Gegenstand
4. Leerer Gegenstand ohne Begriff ens imaginarium
nihil negativum
Abb.: „Tafel der Eintheilung des Begriffs von Nichts .“, Darstellung ähnlich Immanuel Kant: AA III, 233[4]

Die ens rationis ist dabei eine Fiktion, ein widerspruchsfreier Begriff von einem Gegenstand, der nicht in der Erfahrung gegeben werden kann (vgl. auch Noumenon). Es steht auf dem 1. Platz, der in den anderen Tafeln (der Urteilsformen, der Verstandesbegriffe) der Quantität zugeordnet ist, vielleicht, weil ihm keine Größe in der Anschauung entsprechen kann. Mit dem nihil privativum ist eine Deprivation, eine Abwesenheit oder ein Mangel einer Qualität, die prinzipiell erfahrbar ist gemeint (Bsp. Finsternis als Mangel an Licht), es steht auf dem für Qualitäten reservierten Platz. Die leere Anschauung ohne Gegenstand erläutert Kant am Beispiel der Anschauungsformen Raum und Zeit, es steht zu vermuten, dass auch geometrische Figuren, leere Formen etc. unter diesen Begriff fallen. Hier wird nicht, wie unter 2., eine bestimmte Qualität verneint, sondern etwas ohne Substanz vorgestellt. Da Substanz unter den Kategorientitel der Relation fällt, steht die ens imaginarium an diesem Ort. Zuletzt folgt das Unding oder nihil negativum die Vorstellung eines Gegenstands unter einem widersprüchlichen Begriff oder mit einer unmöglichen Form (wie z. B. das Penrose-Dreieck).

„Man siehet, daß das Gedankending (n.1) von dem Unding (n4) dadurch unterschieden werde, dass jenes nicht unter die Möglichkeiten gezählet werden darf, weil es bloß Erdichtung (obzwar nicht widersprechende) ist, dieses aber der Möglichkeit entgegengesetzt ist, indem der Begriff sogar sich selbst aufhebt. Beide sind aber leere Begriffe. Dagegen sind das nihil privativum (n.2) und ens imaginarium (n.3) leere data zu Begriffen. Wenn das Licht nicht den Sinnen gegeben worden, so kann man auch keine Finsternis, und wenn nicht ausgedehnte Wesen wahrgenommen worden, keinen Raum vorstellen. Die Negation sowohl, als die bloße Form der Anschauung, sind, ohne ein Reales, keine Objekte.“ (Immanuel Kant: AA III, 233[5]) = KrV B 328

Hegel

Das Nichts ist für Hegel der Gegenbegriff zum Sein. Er beginnt seine Wissenschaft der Logik mit den drei Bestimmungen „Sein“, „Nichts“, „Werden“. Sein, „reines Sein“ soll als unbestimmtes Unmittelbares verstanden werden. Da das reine Sein unbestimmt sein soll, kann es keine Qualität haben, keine irgendwie geartete innere Komplexität, es können auch keine Beziehungen zu anderen Dingen oder Gedanken bestehen. Die Unmittelbarkeit des reinen Seins betont noch einmal, dass das reine Sein keinen äußeren Bedingungen unterliegt, keine Ursache hat, sondern einfach nur es selbst ist. Der Gedanke des reinen Seins erweist sich somit als vollkommen leer und das, was in diesem leeren Gedanken gedacht wird, ist eigentlich nichts. Die Bestimmungen vom reinen Sein und vom reinen Nichts erweisen sich als dieselben und auch der Gedanke vom reinen Nichts ist mit dem Gedanken vom reinen Sein identisch.

„Dies reine Sein ist nun die reine Abstraktion, damit das Absolut-Negative, welches, gleichfalls unmittelbar genommen, das Nichts ist.“

– Hegel: Enzyklopädie, § 87

Kerngedanken dieses Zitats sind:

  • Das reine Sein ist für Hegel „reine Abstraktion“.
  • Aus dieser Eigenschaft lässt er folgen, dass das Sein das „Absolut-Negative“ sei.
  • Ist das Sein das Absolut-Negative, so ist es Nichts.

Trendelenburg und Dilthey

Friedrich Adolf Trendelenburg bestritt in direkter Opposition zu Hegel, dass im reinen Denken eine Brücke zwischen Sein und Nichts zum Werden hergestellt werden könne. In dieser für die Dialektik Hegels grundlegenden Beziehung sah Trendelenburg einen versteckten Rückgriff auf die Anschauung, den Hegel negierte oder übersah. „Das reine Sein, sich selbst gleich ist Ruhe; das Nichts – das sich selbst Gleiche – ist Ruhe. Wie kommt aus der Einheit zweier ruhender Vorstellungen das bewegte Werden heraus? Nirgends liegt in den Vorstufen die Bewegung vorgebildet, ohne welche das Werden nur ein Sein wäre. Da sowohl das reine Sein als auch das Nicht-Sein ausdrückt, so kann folgerichtig die nächste Aufgabe des Denkens, wenn die Einheit beider gesetzt werden soll, nur die sein, eine ruhende Vereinigung zu finden. Wenn aber das Denken aus jener Einheit ein Anderes erzeugt, trägt es offenbar dies Andere hinzu und schiebt die Bewegung stillschweigend unter, um Sein und Nicht-Sein in den Fluss des Werdens zu bringen. […] Aus dem Sein, einer zugestandenen Abstraktion, und dem Nichts, einer ebenfalls zugestandenen Abstraktion kann nicht urplötzlich das Werden entstehen, diese concrete, das Leben und den Tod beherrschende, Anschauung.“[6] Trendelenburgs Schüler Wilhelm Dilthey stellte in gleicher Weise in Bezug auf Hegels System kritisch fest: „Aber jede Metaphysik dieser Art ist von vornherein durch einen inneren Widerspruch in ihrer Grundlage gerichtet. Das über unsere Erfahrung Hinausliegende kann nicht einmal durch Analogie einleuchtend gemacht, geschweige denn bewiesen werden, wenn dem Mittel der Begründung und des Beweises, dem logischen Zusammenhang, die ontologische Gültigkeit und Tragweite genommen wird.“[7]

Heidegger versus Carnap

Nach Martin Heideggers Vortrag Was ist Metaphysik? gehören das „Nichts“ und das „Sein“ zusammen. Sie sind nicht dasselbe, aber sie bedingen sich und gehören zusammen. Erst durch das „Nichts“ offenbart sich das „Sein“ als eine „Befremdlichkeit“ oder als das „Andere“. Deutlich spürbar ist dieses „Nichts“ in der „Stimmung“ der Angst, nicht in der Furcht vor etwas Bestimmtem, sondern in der tiefen, in uns verborgenen „Angst vor“, oder „wegen“. Nicht ganz unbestimmt, aber auch nicht in Worten fassbar, eben die Angst vor dem „Nichts“. In einer solchen Angst ist einem alles gleichgültig und zwar gleichermaßen gleichgültig. Ob Tisch oder Stuhl, Tod oder Leben, es hat keine Relevanz. Eine merkwürdige Ruhe durchzieht einen, fast wie in der Stimmung der Langeweile, die dem Sein am spürbar nächsten ist, und doch nicht ganz. Dieser kleine, von uns gefühlte Unterschied zwischen den beiden Stimmungen, wieder nicht in Worten fassbar, aber als etwas „Fehlendes“ fühlbar, ist das „Nichts“.

In prominenter Weise warf Rudolf Carnap als Vertreter des logischen Empirismus (Wiener Kreis) und der mittleren analytischen Philosophie dem Existentialismus Martin Heideggers vor, er würde den Begriff „Das Nichts“ fälschlich so verwenden, als ob er für eine bestimmte Entität stünde. Rudolf Carnap tadelte diesen Punkt bei Heidegger in seinem Aufsatz „Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache“. Die Annahme, der Begriff „Das Nichts“ habe einen Inhalt, beruht Carnap zufolge auf einer Verwechslung von logischer und grammatischer Struktur von Begriffen und Sätzen. Die analytische Sprachphilosophie versucht zu zeigen, dass „Nichts“ einfach nur als „Nicht etwas“ verstanden werden kann und muss, so dass keine derartige Umformung möglich ist. Ihre Analyse ist also vor allem als Metaphysikkritik gemeint.

Nach Carnap beruhen sämtliche Sätze über das Nichts auf sprachlicher Verwirrung. Zwar sei die Bildung des Substantivs „das Nichts“ syntaktisch korrekt; Sätze, die den Ausdruck beinhalten, fallen aber in die Klasse der sinnlosen Sätze, da sie keinen empirischen Gehalt haben und unmöglich verifiziert werden können. Der Verifikationismus gilt zwar als gescheitertes Projekt, Carnaps Analyse des Nichts (die ursprünglich vor allem gegen Heideggers Sein und Zeit gerichtet war) ist jedoch in der analytischen Philosophie zum Konsens geworden.

Heidegger wies diese Angriffe selbst zurück: Aus seiner Sicht sei es dogmatisch, Logik und Sprachanalyse als einzige philosophische Methoden zuzulassen. Sein Existenzialismus von 1927 versucht daher, die Rolle von Logik und Sprache innerhalb des gesamten menschlichen Daseins zu relativieren. In seinem Vortrag Was ist Metaphysik? hielt Heidegger dem logischen Empirismus vor, dass die modernen Wissenschaften auf logischen Prinzipien beruhten, ohne das Nichts zu thematisieren. Der logische Empirismus habe sich als „Wissenschaftsphilosophie“ daher auf einen begrenzten Erkenntnisbereich des Seienden, der einer methodischen Welterschließung (Wissenschaft) zugänglich ist, zu beschränken. Heidegger gibt zu, dass Wissenschaften das Nichts nur als Negation eines Seienden, als Mangel, vorstellen können und müssen, was aber nicht dem phänomenologischen Charakter des Nichts als Nichts gerecht würde.

Auch Richard Hönigswald reagierte auf die Handhabung des Begriffs durch Heidegger mit einer polemischen Kritik: „Unvergleichlich, wie es nun einmal ist, brütet das „Nichts“ tröstliche Angst verbreitend, indem es, so lautet der nahe liegende und gerade darum überraschende Ausdruck „nichtet“. „Es ist darum ursprünglicher als das Nicht und die Verneinung.“ – Indessen, solche Einsichten entziehen sich, wie man bei näherer Betrachtung erkennt, jedem Bedenken. Sie liegen gleichsam jenseits seiner Bedingungen und Kompetenzen. Denn Bedenken bedeuten immer Fragen; wieweit nun Fragen bis in die unheimlichen Tiefen des „Nichts“ überhaupt herabreichen, läßt sich grundsätzlich nicht ausmachen.“[8]

Sartre: „Nichts“ als Freiheit

Jean-Paul Sartre bestimmt in seinem Werk Das Sein und das Nichts den Menschen als die Form des Seins, die das Nichts in die Wirklichkeit bringt und sich dadurch von allem anderen (bewusstlosen) Sein unterscheidet. Aus der Bewusstheit, die der Mensch über die Möglichkeit des Nicht-Seins hat, leitet er die Fähigkeit der „Negation“ ab. Damit ist die Fähigkeit gemeint, sich von bestimmten Zukunfts- und Vergangenheitsbildern zu distanzieren. Durch diese Fähigkeit der Negation hat der Mensch die Freiheit, sich in die Zukunft zu entwerfen und aus der Vergangenheit zu lösen. Diese Freiheit verstärkt sich noch, da der Mensch auch die Form der eigenen Gegenwart negieren kann („ich bin das, was ich sein werde“) und somit auch nicht von dieser „abhängig“ ist bzw. „festgelegt“ wird. Das Nichts ist nach Sartre die Freiheit, die dem Menschen gegeben ist und die nicht abgelehnt werden kann.

Sartre verweist in seinem Werk Das Sein und das Nichts außerdem darauf, dass das Nichts eigentlich nicht durch Seinsbegriffe zu erfassen ist. Der transzendente Begriff des Nichts kann laut Sartre aufgrund der Nichtexistenz eines Inhaltes nur annähernd verdeutlicht werden, z. B. in der Grenzziehung zwischen einem Moment und dem folgenden. Versuchten wir uns hier eine Grenze vorzustellen, seien wir dazu nicht in der Lage und genau hier fänden wir das „Nichts“.

Bloch: Philosophie des Noch-Nicht-Seins

Eine differenzierte Philosophie des Nichts findet sich auch bei Ernst Bloch. Unter der Kategorie des Noch-Nicht-Seins fasst Bloch die verschiedenen Formen der menschlichen Erfahrung des Mangels als Ausdruck einer fundamentalen Nichtigkeit einer Gegenwart, in der allerdings Tendenzen auf ein mögliches, volles Sein angelegt sind. Bloch unterscheidet Nicht von Nichts. Ersteres referiert auf eine mögliche Veränderung und damit Verbesserung in der Zukunft, denn was nicht ist, kann noch werden. Letzteres ist das Gegenteil von Alles und damit die Negativität, das Böse, welches das positive Ende des welthistorischen Prozesses zum Guten – alles in allem – vereitelt.[9]

Derrida: „Nichts“ als Schweigen

In seiner Kritik an Foucaults Deutung des descartschen „Cogito“ entwickelt Jacques Derrida (Cogito und die Geschichte des Wahnsinns. In: Die Schrift und die Differenz) auch eine Bestimmung von „Nichts“. „Nichts“ ist die wahnsinnige Unbestimmtheit jenseits der von ihr befreiten „cogito-Erfahrung“, welche als feste Basis Gewissheit über unsere eigene Existenz gibt, jedoch nicht über selbige hinaus. Aufgrund des Wesens des „Nichts“ kann über es nicht gesprochen werden, da die Sprache Ausdruck der Vernunft ist, welche dem „Nichts“ gegenübersteht und es in Schach hält. „Nichts“ offenbart sich also ausschließlich im Schweigen.

Buddhismus

Der buddhistische Begriff Shunyata (Sanskrit, jap. 空, kū) bedeutet Leere oder Leerheit. Eine Gleichsetzung von Shunyata (Mahayana) und Nichts (Nihilismus) wird üblicherweise vermieden. Der japanische Philosoph Keiji Nishitani bildet eine Ausnahme: Ihm zufolge gelinge bei genauer Kenntnis der westlichen und östlichen Philosophie eine Paralleldarstellung von Nihil und Shunyata in existentialistischer Sprache. In der Übersetzung von Büchern, die Übungen im Zen-Buddhismus beschreiben, werde insofern auch vom Nichts gesprochen. Im Ideal sei dies die Praxis einer nicht vorhandenen Anhaftung. Der vielfach verwendete Begriff Nirvana sei durch Fehlübersetzung mit dem Nichts gleichgesetzt, bedeute aber in etwa „verweht“.

Hans Waldenfels findet in seiner Analyse des Nichts einen Widerspruch:

„Wenn wir sehen, daß wir nichts sehen, wird das Nichts insofern zweideutig, als wir, wo wir nichts sehen, doch etwas sehen, das wir aussagen können. Denn entweder ist die Erfahrung des Nichts die Erfahrung eines nihilistischen Nichts oder die Erfahrung absoluter Verborgenheit. Wesentlich für die Erfahrung des Nichts ist, daß wir absolut unfähig sind zu entscheiden, ob sie das eine oder das andere ist. Die Zweideutigkeit entzieht sich folglich menschlicher Manipulation.“[10]

Naturwissenschaften

Während in der Zeit von Otto von Guericke und seinem Versuch mit den Magdeburger Halbkugeln vielen bereits die Abwesenheit von Luft als Nichts galt, würde heute niemand mehr das Vakuum – im Sinne eines materiefreien Raumes – als Nichts betrachten. Selbst wenn es gelänge, ein hundertprozentiges Vakuum zu schaffen, in dem weder materielose Wellen noch wechselwirkende Felder vorkämen, so wäre dieser Raum dennoch nicht völlig „leer“, da sich permanent Teilchen und Antiteilchen – wenn auch in virtuellen Zuständen – bilden und sofort wieder vernichten. Dieses als Vakuumfluktuation bezeichnete Phänomen wurde durch den resultierenden Casimir-Effekt 1958 experimentell bestätigt.

Seit dem 20. Jahrhundert wird mit dem Begriff Nichts eher die dem menschlichen Verstand nicht zugängliche Abwesenheit jeglichen Seins, also auch von Raum und Zeit verstanden. Das im Rahmen der Allgemeinen Relativitätstheorie formulierte heutige Standardmodell der Kosmologie legt die Entstehung von Raum und Zeit in den Urknall. Deren heutige Eigenschaften verlieren jedoch ihre Gültigkeit, wenn man bei einer zeitlich rückwärts gerichteten Annäherung an den Urknall in die Nähe der Planck-Zeit kommt. Der Begriff des Nichts im Sinne eines „vor dem Urknall“ wird aus diesen Gründen von der heutigen Naturwissenschaft nicht verwendet, sondern als physikalisch sinnlos betrachtet. In Astronomie und Physik spricht man im Zusammenhang mit dem Urknall von einer Singularität.

Mathematik und Informatik

  • Die Zahl Null wird mit dem Nichts in Verbindung gebracht, aber auch negative Zahlen können als Ausdruck eines Mangels verwendet werden. Die natürlichen Zahlen können nach John von Neumanns mengentheoretischem Modell jedoch aus der leeren Menge und einer einfachen Mengenbildungsregel konstruiert werden. In diesem Modell repräsentiert die leere Menge, die kein Element (= Nichts) enthält, die Null, während die Eins die Menge ist, welche die leere Menge (= Null) enthält. Die Null ist demnach nicht Nichts, sondern vielmehr die Menge, die Nichts enthält.
    Zudem bezeichnet in der abstrakten Algebra die Null das neutrale Element (Nullelement) einer additiv (Operator Plus) geschriebenen Verknüpfung, sodass jedes damit verknüpfte Element auf sich selbst abgebildet wird. Ein mit Nichts verknüpftes Element wird dagegen erst gar nicht abgebildet.
  • Im Kontext von Datenbanken bezeichnet man den Wert einer Zelle, die kein Zeichen enthält, als Nullwert (oft dargestellt als „NULL“, aus der englischen Sprache). Der Nullwert entspricht also dem Nichts im Sinne von „keine Information“ und keineswegs dem Zahlenwert 0 (= zero oder deutsch null).
  • In der Informatik spielt auch der Begriff „None“ eine wichtige Rolle und kann, ähnlich wie „Null“, als eine Form des Nichts betrachtet werden. Es ist jedoch entscheidend zu betonen, dass „None“ und „Null“ identisch sind. In diversen Programmiersprachen wird None teilweise aber auch Null (NULL oder NIL) verwendet, um auszudrücken, dass eine Pointervariable (noch) auf kein gültiges Objekt zeigt.
  • Die Ternäre Logik der Datenmanipulationssprachen kennt außer den Begriffen TRUE und FALSE noch UNKNOWN für nicht bestimmt.
  • Nichtnumerische Daten benötigen als Distanzhalter Leerzeichen, auch als SPACE oder BLANK bezeichnet. Um sie von anderen unsichtbaren Zeichen zu unterscheiden, bieten Textprogramme die Option, Leerzeichen durch einen Punkt zu kennzeichnen.

Siehe auch

Trivia

Gedenkstein an das „NICHTS“ in Kyritz
  • Nichts wird in Deutschland mit zwei Gedenktafeln gewürdigt: Sowohl in Kyritz auf dem Markt („Dieser Stein erinnert an den 14.02.1842 – Hier geschah um 10.57 Uhr NICHTS“) als auch in Schwerte („Genau an dieser Stelle ereignete sich am 15. Mai des Jahres 1785 überhaupt gar nichts“).[11]
  • In einem Sketch von 1974 stellte Ernst Hilbich die Vorzüge eines Schnapses mit Namen Nichts vor.[12] In der Folge wurde tatsächlich ein solcher auf den Markt gebracht, mit entsprechenden Sprüchen auf dem Etikett („sagen Sie Ihrer Frau einfach, sie hätten Nichts getrunken“). Auch heute ist ein Kümmel dieses Namens erhältlich.[13]

Literatur

  • Parmenides: Fragment Über die Natur. (online)
  • Jacques Derrida: Cogito und die Geschichte des Wahnsinns. In: Die Schrift und die Differenz. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2000.
  • Thomas von Aquin: Über Seiendes und Wesenheit. Lateinisch – Deutsch, mit Einleitung, Übersetzung und Kommentar herausgegeben von Horst Seidl. Hamburg 1988.
  • Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer: Deus in cogitatione existens. Der Appendix zum „Proslogion“ des Anselm von Canterbury – oder: Kann Gaunilos Nicht-Sein gedacht werden? In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000 (= Texte und Wissen. Band 3), ISBN 3-8260-1851-6, S. 339–402.
  • Nichts. In: Walter Brugger, Harald Schöndorf (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. Alber, Freiburg im Breisgau 2007, ISBN 978-3-495-48213-1.
  • Markus Wirtz: Geschichten des Nichts. Hegel, Nietzsche, Heidegger und das Problem der philosophischen Pluralität. Alber, Freiburg/München 2006, ISBN 3-495-48132-X.
  • Joji Yorikawa: Das System der Philosophie und das Nichts. Studien zu Hegel, Schelling und Heidegger. Alber, Freiburg im Breisgau 2005, ISBN 3-495-48159-1.
  • Hisaki Hashi: Die Dynamik von Sein und Nichts. Dimensionen der vergleichenden Philosophie. Lang, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-631-50561-2.
  • Ludger Lütkehaus: Nichts. Abschied vom Sein – Ende der Angst. Haffmans, Zürich 1999 (6. Auflage. Haffmans bei Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-86150-544-4).
  • Walter G. Neumann: Die Philosophie des Nichts in der Moderne. Sein und Nichts bei Hegel, Marx, Heidegger und Sartre. Die Blaue Eule, Essen 1989, ISBN 3-89206-330-3.
  • Rudolf Carnap: Logische Syntax der Sprache. Springer, Wien 1934. (2. Auflage. 1968)
  • Henning Genz: Die Entdeckung des Nichts. Rowohlt, Hamburg 1999, ISBN 3-499-60729-8.
  • Ute Guzzoni: Nichts. Bilder und Beispiele. Parerga, Düsseldorf 1999, ISBN 3-930450-39-9.
  • John D. Barrow: The Book of Nothing: Vacuums, Voids, and the Latest Ideas about the Origins of the Universe. Vintage Books (Reprint: 2002, ISBN 0-375-72609-8).
  • Marco S. Torini: Apophatische Theologie und göttliches Nichts. Über Traditionen negativer Begrifflichkeit in der abendländischen und buddhistischen Mystik. In: Tradition und Translation. Zum Problem der interkulturellen Übersetzbarkeit religiöser Phänomene. De Gruyter, Berlin u. a. 1994, S. 493–520.
  • Jim Holt: Gibt es alles oder nichts? : Eine philosophische Detektivgeschichte. Übersetzung Hainer Kober. Rowohlt, Reinbek 2014, ISBN 978-3-498-02813-8.
  • Fridugisus: De substantia nihili et tenebrarum (Brief über das Wesen des Nichts[14] nach 804, im Auftrag Karls des Großen; Erstdruck: Lucca 1761)
  • Hartwig Schmidt: Nichts und Zeit. Metaphysia dialectica – urtümliche Figuren. Felix Meiner Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-7873-1840-7.
  • Dirk Cürsgen: Zwischen Verstand und Vernunft. Kants Thesen über das Nichts. Epubli, Berlin 2020, ISBN 978-3-7531-0288-7.
  • Sascha Michel: Leere. Eine Kulturgeschichte (= Nexus, Bd. 110). Klostermann, Frankfurt/M. 2024, ISBN 978-3-465-04658-5.
Wikiquote: Nichts – Zitate
Wiktionary: Nichts – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Die Fragmente der Vorsokratiker. Griechisch und Deutsch von Hermann Diels. Band 1. Berlin 1922, S. 151 (zeno.org).
  2. ↑ Gottfried Wilhelm Leibniz: Theodizee. §44; zit. nach der dt.-frz. Suhrkamp-Ausgabe 1999, S. 273.
  3. ↑ Christian Wolff: Vernünftige Gedancken von Gott, der Welt und der Seele des Menschen, auch allen Dingen überhaupt. Band 1, 1738, S. 16 (§ 30)
  4. ↑ Immanuel Kant, Gesammelte Schriften. Hrsg.: Bd. 1–22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., AA III, 233, Faksimile
  5. ↑ Immanuel Kant, Gesammelte Schriften. Hrsg.: Bd. 1–22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., AA III, 233 / KrV B 348, Faksimile
  6. ↑ Friedrich Adolf Trendelenburg: Logische Untersuchungen. Band 1, 3. Auflage. 1870, S. 38.
  7. ↑ Wilhelm Dilthey: Schlußbetrachtung über die Unmöglichkeit der metaphysischen Stellung des Erkennen. In: Einleitung in die Geisteswissenschaft. Band 1 [1883], abgedruckt in: Das Wesen der Philosophie. Reclam, Stuttgart 1984, S. 138.
  8. ↑ Richard Hönigswald: Grundfragen der Erkenntnistheorie. Tübingen 1931; (neu herausgegeben: Meiner, Hamburg 1997, S. 62).
  9. ↑ Johan Siebers: Noch-Nicht. In: Beat Dietschy, Doris Zeilinger, Rainer E. Zimmermann (Hrsg.): Bloch-Wörterbuch. Leitbegriffe der Philosophie Ernst Blochs. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, ISBN 978-3-11-048580-6, S. 403–412 (hier: S. 410 f.).
  10. ↑ Hans Waldenfels: Faszination des Buddhismus. Zum christlich-buddhistischen Dialog. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 19982, ISBN 3-7867-0988-2, S. 35
  11. ↑ Gerd-Otto Rieke: Bei den Denkmalen der Nichtigkeiten. Thüringische Landeszeitung, 15. Mai 2021, Reise-Seite (ohne Seitenzahl)
  12. ↑ 4Astaroth: Nichts trinken Comedy. 6. August 2013, abgerufen am 31. Mai 2024.
  13. ↑ Nichts der Aquavit – Kümmel-Kräuter-Spirituose 200ml. Abgerufen am 31. Mai 2024.
  14. ↑ Karl Maurer: Um 800: Karl der Große ordnet an, dass die in der Landessprache überlieferten Heldenlieder in seiner Palastschule in Aachen aufgezeicnet werden. In: Eine neue Geschichte der deutschen Literatur. Berlin University Press, Berlin 2007, ISBN 978-3-940432-12-4, S. 35.