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„Eidos“ – Versionsunterschied

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<p>'''Eidos''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache griechisch] <span class="Grek" lang="grc-Grek">εἶδος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">eîdos</span>, deutsch ‚das zu Sehende, Gestalt‘, zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Indogermanische_Ursprache indogermanisch] ''*weyd-'' ‚sehen‘, vgl. die griechische Perfektform <span class="Grek" lang="grc-Grek">οἶδα</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">oîda</span>‚ [ich habe gesehen]‘ → ‚ich weiß‘) bezeichnet Gestalt, Form oder Aussehen.</p><p>Der Begriff findet sich bereits in [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platons] [https://de.wikipedia.org/wiki/Platonischer_Dialog Dialogen] ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kratylos Kratylos]'' und ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Parmenides_(Platon) Parmenides]'', wo er meist als „[https://de.wikipedia.org/wiki/Idee Idee]“ übersetzt wird. Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] steht er im Gegensatz zur Materie (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Hyle hýlē]'' <span class="Grek" lang="grc-Grek">ὕλη</span>). In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie Phänomenologie] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Husserl Edmund Husserl] steht der Begriff für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie) Wesen].</p>
Eidos [[Sprachstufe::agr.-deu.]]
== <span id="Bedeutung_bei_Aristoteles">Bedeutung bei Aristoteles</span> ==
<p>''Eidos'' hat für [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] vor allem zwei unterschiedliche Bedeutungen:</p>
*im Sinne der logischen oder naturwissenschaftlichen Klassifikation die [https://de.wikipedia.org/wiki/Art_(Biologie) Art] einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Biologie) Gattung]
*im Sinne der [https://de.wikipedia.org/wiki/Form_(Philosophie) Form] (etwa einer Bronzekugel oder der Konstruktionsanleitung eines Hauses) der Gegenbegriff zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Materie Materie], dem Stoff, der ''hýlē'' (dieser Bronzekugel, der Bauteile dieses Hauses).
<p>''Eidos'' ist für Aristoteles ein zentraler Begriff. In seiner ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik_(Aristoteles) Metaphysik]'' bestimmt er das Eidos als die „inseiende Form“ (to eidos to enon) der (primären) [https://de.wikipedia.org/wiki/Substanz Substanz] oder ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ousia ousia]''. (Met. VII 11, 1037a 29-30) Form und Materie sind zwei Perspektiven auf das eine Ganze (synolon). Kein Einzelding besteht ohne Materie. Aber es ist nicht definierbar ohne seine Form, ohne das Allgemeine, das in ihm enthalten ist.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Eidos#cite_note-1 [1]]</sup></p><p>Der Begriff der [https://de.wikipedia.org/wiki/Eidetik Eidetik], der Begriff des Wesens als anschauliche Gegebenheit, ist von ''eidos'' abgeleitet.</p>
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==


*Torsten Menkhaus: ''Eidos, Psyche und Unsterblichkeit: Ein Kommentar zu Platons „Phaidon“.'' Frankfurt am Main/London 2003
{{Dieser Artikel|befasst sich mit dem philosophischen Begriff, zu weiteren Bedeutungen siehe [[Eidos (Begriffsklärung)]].}}


== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==
'''Eidos''' ({{grcS|prefix=nein|εἶδος|eîdos|de=das zu Sehende, Gestalt}}, zu [[Indogermanische Ursprache|indogermanisch]] ''*weyd-'' ‚sehen‘, vgl. die griechische Perfektform {{lang|grc|οἶδα|oîda}}‚ [ich habe gesehen]‘ → ‚ich weiß‘) bezeichnet Gestalt, Form oder Aussehen.


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hylemorphismus Hylemorphismus]
Der Begriff findet sich bereits in [[Platon]]s [[Platonischer Dialog|Dialogen]] ''[[Kratylos]]'' und ''[[Parmenides (Platon)|Parmenides]]'', wo er meist als „[[Idee]]“ übersetzt wird. Bei [[Aristoteles]] steht er im Gegensatz zur Materie (''[[Hyle|hýlē]]'' {{lang|grc|ὕλη}}). In der [[Phänomenologie]] von [[Edmund Husserl]] steht der Begriff für das [[Wesen (Philosophie)|Wesen]].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ideologie Ideologie]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Idolatrie Idolatrie]


== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
== Bedeutung bei Aristoteles ==
''Eidos'' hat für [[Aristoteles]] vor allem zwei unterschiedliche Bedeutungen:
* im Sinne der logischen oder naturwissenschaftlichen Klassifikation die [[Art (Biologie)|Art]] einer [[Gattung (Biologie)|Gattung]]
* im Sinne der [[Form (Philosophie)|Form]] (etwa einer Bronzekugel oder der Konstruktionsanleitung eines Hauses) der Gegenbegriff zur [[Materie]], dem Stoff, der ''hýlē'' (dieser Bronzekugel, der Bauteile dieses Hauses).


#<span class="reference-text">M. Frede/G. Patzig: Aristoteles Metaphysik Z, Text, Übers. und Kommentar, 2 Bde., München 1988, hier Bd. II, S. 211–214</span>
''Eidos'' ist für Aristoteles ein zentraler Begriff. In seiner ''[[Metaphysik (Aristoteles)|Metaphysik]]'' bestimmt er das Eidos als die „inseiende Form“ (to eidos to enon) der (primären)  [[Substanz]] oder ''[[ousia]]''. (Met. VII 11, 1037a 29-30) Form und Materie sind zwei Perspektiven auf das eine Ganze (synolon). Kein Einzelding besteht ohne Materie. Aber es ist nicht definierbar ohne seine Form, ohne das Allgemeine, das in ihm enthalten ist.<ref>M. Frede/G. Patzig: Aristoteles Metaphysik Z, Text, Übers. und Kommentar, 2 Bde., München 1988, hier Bd. II, S. 211–214</ref>
 
Der Begriff der [[Eidetik]], der Begriff des Wesens als anschauliche Gegebenheit, ist von ''eidos'' abgeleitet.
 
== Literatur ==
* Torsten Menkhaus: ''Eidos, Psyche und Unsterblichkeit: Ein Kommentar zu Platons „Phaidon“.'' Frankfurt am Main/London 2003
 
== Siehe auch ==
* [[Hylemorphismus]]
* [[Ideologie]]
* [[Idolatrie]]
 
== Einzelnachweise ==
<references/>
 
[[Kategorie:Griechische Philosophie]]
[[Kategorie:Phänomenologie]]
[[Kategorie:Ontologie]]
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]

Aktuelle Version vom 3. Mai 2026, 05:56 Uhr

Eidos agr.-deu.

Eidos (griechisch εἶδος eîdos, deutsch ‚das zu Sehende, Gestalt‘, zu indogermanisch *weyd- ‚sehen‘, vgl. die griechische Perfektform οἶδα oîda‚ [ich habe gesehen]‘ → ‚ich weiß‘) bezeichnet Gestalt, Form oder Aussehen.

Der Begriff findet sich bereits in Platons Dialogen Kratylos und Parmenides, wo er meist als „Idee“ übersetzt wird. Bei Aristoteles steht er im Gegensatz zur Materie (hýlē ὕλη). In der Phänomenologie von Edmund Husserl steht der Begriff für das Wesen.

Bedeutung bei Aristoteles

Eidos hat für Aristoteles vor allem zwei unterschiedliche Bedeutungen:

  • im Sinne der logischen oder naturwissenschaftlichen Klassifikation die Art einer Gattung
  • im Sinne der Form (etwa einer Bronzekugel oder der Konstruktionsanleitung eines Hauses) der Gegenbegriff zur Materie, dem Stoff, der hýlē (dieser Bronzekugel, der Bauteile dieses Hauses).

Eidos ist für Aristoteles ein zentraler Begriff. In seiner Metaphysik bestimmt er das Eidos als die „inseiende Form“ (to eidos to enon) der (primären) Substanz oder ousia. (Met. VII 11, 1037a 29-30) Form und Materie sind zwei Perspektiven auf das eine Ganze (synolon). Kein Einzelding besteht ohne Materie. Aber es ist nicht definierbar ohne seine Form, ohne das Allgemeine, das in ihm enthalten ist.[1]

Der Begriff der Eidetik, der Begriff des Wesens als anschauliche Gegebenheit, ist von eidos abgeleitet.

Literatur

  • Torsten Menkhaus: Eidos, Psyche und Unsterblichkeit: Ein Kommentar zu Platons „Phaidon“. Frankfurt am Main/London 2003

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ M. Frede/G. Patzig: Aristoteles Metaphysik Z, Text, Übers. und Kommentar, 2 Bde., München 1988, hier Bd. II, S. 211–214