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„Unterlassen“ – Versionsunterschied

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[[unterlassen]] [[Sprachstufe::deu.]]<p>'''Unterlassen''' steht für:</p>
<p>'''Unterlassen''' steht für:</p>
*das Gegenteil von [[Handeln]]
*das Gegenteil von [https://de.wikipedia.org/wiki/Handeln Handeln]
*den Verstoß gegen eine Handlungspflicht, im Einzelnen siehe
*den Verstoß gegen eine Handlungspflicht, im Einzelnen siehe
**[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland) Unterlassen (Deutschland)]
**Unterlassen (Deutschland)
*die Begehungsweise einer Straftat, im Einzelnen siehe
*die Begehungsweise einer Straftat, im Einzelnen siehe
**[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Italien) Unterlassen (Italien)]
**Unterlassen (Italien)


= <span class="mw-page-title-main">Unterlassen (Deutschland)</span> =
= <span class="mw-page-title-main">Unterlassen (Deutschland)</span> =
<div id="bodyContent" class="vector-body"><div id="mw-content-text" class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de"><p>Unter '''Unterlassen''' (oder: ''Unterlassung'') wird im [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswissenschaft rechtswissenschaftlichen] Bereich eine Handlungsalternative zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Handeln positiven Tun] und zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Duldung_(Recht) Dulden] verstanden. Sie besteht im Untätigsein.</p>
Unter '''Unterlassen''' (oder: ''Unterlassung'') wird im [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswissenschaft rechtswissenschaftlichen] Bereich eine Handlungsalternative zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Handeln positiven Tun] und zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Duldung_(Recht) Dulden] verstanden. Sie besteht im Untätigsein.
== <span id="Allgemeines">Allgemeines</span> ==
 
<p>Tun, Dulden und Unterlassen sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtshandlung Rechtshandlungen], die zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfolge Rechtsfolgen] führen, wenn ein bestimmtes gesetzlich gefordertes Verhalten erwartet wird.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-1 [1]]</sup> Diese Erwartung richtet sich an [https://de.wikipedia.org/wiki/Nat%C3%BCrliche_Person natürliche Personen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Personenvereinigung Personenvereinigungen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen Unternehmen], ebenso die [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentliche_Verwaltung öffentliche Verwaltung]. Im Sinne des [https://de.wikipedia.org/wiki/Privatrecht Zivilrechts] sind die rechtswidrige Rechtsbeeinträchtigungen zu unterlassen, widrigenfalls besteht für den Benachteiligten ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungsanspruch Unterlassungsanspruch]. Bestimmte Rechtsgeschäfte oder Rechtshandlungen unterliegen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzliches_Verbot gesetzlichen Verboten]. Verstöße führen zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Unwirksamkeit Nichtigkeit] des Geschäfts, im [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht_(Deutschland) Strafrecht] resultieren [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafe Strafen].</p><p>Es gibt zwei Arten des Unterlassens, das ''pflichtwidrige Unterlassen'', bei dem der Rechtsverkehr eigentlich ein Handeln erwartet hätte und das ''pflichtgemäße Unterlassen'' von Handlungen, die gegen Verbote verstoßen würden.</p>
=== <span id="Allgemeines">Allgemeines</span> ===
== <span id="Etymologie_und_Geschichte">Etymologie und Geschichte</span> ==
Tun, Dulden und Unterlassen sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtshandlung Rechtshandlungen], die zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfolge Rechtsfolgen] führen, wenn ein bestimmtes gesetzlich gefordertes Verhalten erwartet wird.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-1 [1]]</sup> Diese Erwartung richtet sich an [https://de.wikipedia.org/wiki/Nat%C3%BCrliche_Person natürliche Personen], [https://de.wikipedia.org/wiki/Personenvereinigung Personenvereinigungen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Unternehmen Unternehmen], ebenso die [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentliche_Verwaltung öffentliche Verwaltung]. Im Sinne des [https://de.wikipedia.org/wiki/Privatrecht Zivilrechts] sind die rechtswidrige Rechtsbeeinträchtigungen zu unterlassen, widrigenfalls besteht für den Benachteiligten ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungsanspruch Unterlassungsanspruch]. Bestimmte Rechtsgeschäfte oder Rechtshandlungen unterliegen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzliches_Verbot gesetzlichen Verboten]. Verstöße führen zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Unwirksamkeit Nichtigkeit] des Geschäfts, im [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht_(Deutschland) Strafrecht] resultieren [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafe Strafen].
<p>Das Wort Unterlassung erschien im [https://de.wikipedia.org/wiki/Althochdeutsch Althochdeutschen] als „untarlâʒan“ erstmals im 9. Jahrhundert mit anderer Bedeutung.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-2 [2]]</sup> Erst [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther Martin Luther] wird 1662 posthum zitiert mit „…viel unterlassen, dasz sie sonsten thun“.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-3 [3]]</sup><sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-4 [4]]</sup> Als [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsbegriff Rechtsbegriff] tauchte die Unterlassung ersichtlich erstmals im Jahre 1656 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nieder%C3%B6sterreich Niederösterreich] auf, als eine Mutter behauptete, dass ihr Kind nicht durch Mord, sondern durch Unterlassung mütterlicher Hilfe gestorben sei.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-5 [5]]</sup> Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Zedler Johann Heinrich Zedler] erhielt der Begriff 1746 erstmals seine heutige Bedeutung.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-6 [6]]</sup> Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fisches_Allgemeines_Landrecht Preußische Allgemeine Landrecht] (APL) vom Juni 1794 definierte Unterlassungen als „Handlungen, die keine Willenserklärungen sind“ (I 3, § 32 APL). Dagegen vermied das im Januar 1812 in Kraft getretene österreichische [https://de.wikipedia.org/wiki/ABGB ABGB] eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Legaldefinition Legaldefinition] des viel verwendeten Begriffs. Auch das seit Januar 1900 geltende deutsche BGB unterlässt eine Definition.</p><p>Heute ist Unterlassen das [https://de.wikipedia.org/wiki/Kontradiktion kontradiktorische] Gegenteil zum Tun oder Handeln, den Oberbegriff bildet das [https://de.wikipedia.org/wiki/Verhalten_(Biologie) Verhalten].<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-7 [7]]</sup> Unterlassen ist die Nichtvornahme einer bestimmten, gebotenen Handlung.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-8 [8]]</sup></p>
 
== <span id="Zivilrecht">Zivilrecht</span> ==
Es gibt zwei Arten des Unterlassens, das ''pflichtwidrige Unterlassen'', bei dem der Rechtsverkehr eigentlich ein Handeln erwartet hätte und das ''pflichtgemäße Unterlassen'' von Handlungen, die gegen Verbote verstoßen würden.
<p>Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungsanspruch Unterlassungsanspruch] ist wichtiger Bestandteil verschiedener [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsgebiet Rechtsgebiete], insbesondere des [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerliches_Recht Bürgerlichen Rechts], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Urheberrecht_(Deutschland) Urheber-], [https://de.wikipedia.org/wiki/Markenrecht_(Deutschland) Marken-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Wettbewerbsrecht_(Deutschland) Wettbewerbsrechts].</p>
 
=== <span id="Vertrags-_und_Sachenrecht">Vertrags- und Sachenrecht</span> ===
=== <span id="Etymologie_und_Geschichte">Etymologie und Geschichte</span> ===
<p>Der Eigentümer einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Sache_(Recht) Sache] kann gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__903.html § 903]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerliches_Gesetzbuch BGB] mit seinem [https://de.wikipedia.org/wiki/Eigentum Eigentum] nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung ausschließen. Wirken andere rechtswidrig hierauf ein, so findet sich die [https://de.wikipedia.org/wiki/Anspruchsgrundlage Anspruchsgrundlage] des zivilrechtlichen Unterlassungsanspruchs in <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1004.html § 1004]</span> BGB. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Eigentumsbeeintr%C3%A4chtigung Eigentumsbeeinträchtigung] löst nach erfolgter [https://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%B6rer Störung] einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Beseitigungs-_und_Unterlassungsanspruch Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch] (bekannt bereits im [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Recht römischen Recht] als [https://de.wikipedia.org/wiki/Actio_negatoria_(r%C3%B6misches_Recht) actio negatoria]) aus, der mit einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungsklage Unterlassungsklage] durchgesetzt werden kann, sofern Wiederholungsgefahr droht.<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-9 [9]]</sup> Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsprechung Rechtsprechung] hat bereits im Oktober 1929 durch das [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsgericht Reichsgericht] (RG) die für das Eigentum gedachte Vorschrift des § 1004 BGB auf alle [https://de.wikipedia.org/wiki/Absolutes_Recht absoluten Rechte] ausgedehnt<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-10 [10]]</sup> und darüber hinaus auf alle deliktsrechtlich geschützten [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsgut Rechtsgüter] erweitert.<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-11 [11]]</sup> Strukturell analoge Rechte räumen <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__12.html § 12]</span> Satz 2 BGB dem Namensträger beim [https://de.wikipedia.org/wiki/Namensrecht_(Deutschland) Namensrecht], <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__541.html § 541]</span> BGB dem Vermieter bei vertragswidrigem Gebrauch durch den Mieter und <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__862.html § 862]</span> Abs. 1 Satz 2 BGB dem Besitzer bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Besitzst%C3%B6rung Besitzstörung] ein. Gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__241.html § 241]</span> Abs. 1 BGB kann die [https://de.wikipedia.org/wiki/Leistung_(Recht) Leistung] bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Schuldverh%C3%A4ltnis Schuldverhältnissen] auch in einem Unterlassen bestehen wie beispielsweise durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungserkl%C3%A4rung Unterlassungserklärung] des Wettbewerbsrechts.<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-12 [12]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Schuldrecht_(Deutschland) Schuldrechtlich] ist hierbei Unterlassen die Verpflichtung des Schuldners, etwas Bestimmtes nicht zu tun, was er zu tun berechtigt wäre.</p><p>Wer in [https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Gesch%C3%A4ftsbedingungen_(Deutschland) Allgemeinen Geschäftsbedingungen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Klausel_(Recht) Klauseln] verwendet, die nach den <span class="plainlinks-print">[https://www.buzer.de/s1.htm?g=BGB&a=307-309 §§ 307 bis 309]</span> BGB [https://de.wikipedia.org/wiki/Unwirksamkeit unwirksam] sind oder für den rechtsgeschäftlichen Verkehr empfiehlt, kann gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uklag/__1.html § 1]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungsklagengesetz UKlaG]auf Unterlassung und im Fall des Empfehlens auch auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Widerruf_(Recht) Widerruf] in Anspruch genommen werden.</p>
Das Wort Unterlassung erschien im [https://de.wikipedia.org/wiki/Althochdeutsch Althochdeutschen] als „untarlâʒan“ erstmals im 9. Jahrhundert mit anderer Bedeutung.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-2 [2]]</sup> Erst [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther Martin Luther] wird 1662 posthum zitiert mit „…viel unterlassen, dasz sie sonsten thun“.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-3 [3]]</sup><sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-4 [4]]</sup> Als [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsbegriff Rechtsbegriff] tauchte die Unterlassung ersichtlich erstmals im Jahre 1656 in [https://de.wikipedia.org/wiki/Nieder%C3%B6sterreich Niederösterreich] auf, als eine Mutter behauptete, dass ihr Kind nicht durch Mord, sondern durch Unterlassung mütterlicher Hilfe gestorben sei.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-5 [5]]</sup> Bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Zedler Johann Heinrich Zedler] erhielt der Begriff 1746 erstmals seine heutige Bedeutung.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-6 [6]]</sup> Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fisches_Allgemeines_Landrecht Preußische Allgemeine Landrecht] (APL) vom Juni 1794 definierte Unterlassungen als „Handlungen, die keine Willenserklärungen sind“ (I 3, § 32 APL). Dagegen vermied das im Januar 1812 in Kraft getretene österreichische [https://de.wikipedia.org/wiki/ABGB ABGB] eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Legaldefinition Legaldefinition] des viel verwendeten Begriffs. Auch das seit Januar 1900 geltende deutsche BGB unterlässt eine Definition.
=== <span id="Deliktsrecht">Deliktsrecht</span> ===
 
<p>Ein Unterlassen kann im [https://de.wikipedia.org/wiki/Deliktsrecht Deliktsrecht] nur dann eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Schadensersatz Schadensersatzpflicht] auslösen, wenn für den [https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4ter Täter] [https://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrssicherungspflicht Verkehrssicherungspflichten] bestehen oder eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Garantenstellung Garantenstellung] als Beschützer- oder Überwachergarant vorliegt. Andernfalls ist das Unterlassen nicht [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswidrigkeit rechtswidrig].</p><p>''Überwachergarant'' ist dabei derjenige, der eine Gefahrenquelle geschaffen hat oder für sie Verantwortung trägt. Wer beispielsweise eine Grube aushebt und nicht absichert, in die jemand stürzen könnte oder wer den Schnee auf seinem Abschnitt des Bürgersteiges nicht räumt, verletzt ihm rechtlich aufgetragene Überwachungspflichten. Darunter fällt auch das pflichtwidrig gefährdende Vorverhalten, die so genannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Ingerenz Ingerenz] und die „Zustandshaftung“.</p><p>''Beschützergarant'' ist derjenige, den eine besondere Schutzpflicht hinsichtlich eines Rechtsgutes trifft. Diese Schutzpflicht kann aus der persönlichen Verbundenheit (Ehe, enge Verwandtschaft) oder aus tatsächlicher Übernahme der Gewähr für das Rechtsgut erwachsen (wobei eine vertragliche Verpflichtung auch unwirksam sein kann, daher ''tatsächliche'' Übernahme). Eine Schutzpflicht kann sich ansonsten auch aus dem Gesetz ergeben.</p>
Heute ist Unterlassen das [https://de.wikipedia.org/wiki/Kontradiktion kontradiktorische] Gegenteil zum Tun oder Handeln, den Oberbegriff bildet das [https://de.wikipedia.org/wiki/Verhalten_(Biologie) Verhalten].<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-7 [7]]</sup> Unterlassen ist die Nichtvornahme einer bestimmten, gebotenen Handlung.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-8 [8]]</sup>
=== <span id="Urheber-,_Patent-_und_Markenrecht">Urheber-, Patent- und Markenrecht</span> ===
 
<p>Eine große wirtschaftliche Bedeutung hat die Unterlassung bei der Verletzung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Geistiges_Eigentum geistigem Eigentum]. Mit der dem ihm eingeräumten Recht auf Unterlassung kann sich der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsinhaber Rechtsinhaber]beispielsweise gegen illegale [https://de.wikipedia.org/wiki/Download Downloads] aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Internet Internet] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Audiodatei Musik-], [https://de.wikipedia.org/wiki/Videodatei Video-] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Film Filmdateien], [https://de.wikipedia.org/wiki/Filesharing Filesharing]) durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Abmahnung Abmahnung] nebst [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungserkl%C3%A4rung Unterlassungserklärung] wehren. [https://de.wikipedia.org/wiki/Normadressat Normadressaten] der das geistige Eigentum schützenden Gesetze sind die so genannten Verletzer.</p><p>Wer das [https://de.wikipedia.org/wiki/Urheberrecht_(Deutschland) Urheberrecht] widerrechtlich verletzt, kann gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__97.html § 97]</span> Abs. 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Urheberrechtsgesetz_(Deutschland) UrhG] vom Urheber auf Beseitigung der Beeinträchtigung, bei Wiederholungsgefahr auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Der Anspruch auf Unterlassung besteht auch dann, wenn eine Zuwiderhandlung erstmals droht. Die Unterlassung ist daran zu erkennen, dass der Verletzer künftig von [https://de.wikipedia.org/wiki/Urheberrechtsverletzung Urheberrechtsverletzungen] absieht. Wer gegen <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__95b.html § 95b]</span> Abs. 1 UrhG verstößt, kann gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uklag/__2a.html § 2a]</span> UKlaG auf Unterlassung in Anspruch genommen werden.</p><p>Eine vergleichbare Unterlassungsnorm enthält <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/patg/__139.html § 139]</span> Abs. 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Patentgesetz_(Deutschland) PatG] für [https://de.wikipedia.org/wiki/Patent Patente], <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/markeng/__14.html § 14]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/MarkenG MarkenG] für [https://de.wikipedia.org/wiki/Marke_(Recht) Marken], <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/markeng/__15.html § 15]</span> MarkenG für eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesch%C3%A4ftliche_Bezeichnung geschäftliche Bezeichnung] sowie <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gebrmg/__24.html § 24]</span> Abs. 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebrauchsmustergesetz GebrMG] für [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebrauchsmuster Gebrauchsmuster].</p>
=== <span id="Zivilrecht">Zivilrecht</span> ===
=== <span id="Handelsrecht">Handelsrecht</span> ===
Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungsanspruch Unterlassungsanspruch] ist wichtiger Bestandteil verschiedener [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsgebiet Rechtsgebiete], insbesondere des [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerliches_Recht Bürgerlichen Rechts], des [https://de.wikipedia.org/wiki/Urheberrecht_(Deutschland) Urheber-], [https://de.wikipedia.org/wiki/Markenrecht_(Deutschland) Marken-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Wettbewerbsrecht_(Deutschland) Wettbewerbsrechts].
<p>Wer in seinen Rechten dadurch verletzt wird, dass ein anderer einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Firma Firmennamen] unbefugt gebraucht, kann gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__37.html § 37]</span> Abs. 2 [https://de.wikipedia.org/wiki/Handelsgesetzbuch HGB] von diesem die Unterlassung des Gebrauchs der Firma verlangen. Bei dieser firmenrechtlichen Unterlassungsklage scheinen sich formelles und materielles Firmenrecht zu berühren. Es handelt sich um die Parallelvorschrift zu § 12 BGB bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Privatperson Privatpersonen].</p><p>Das Unterlassen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Abschreibung Abschreibung] ist gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__285.html § 285]</span> Nr. 18b HGB im [https://de.wikipedia.org/wiki/Anhang_(Jahresabschluss) Anhang] zu erläutern (nach <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__314.html § 314]</span> Abs. 1 Nr. 10b HGB auch im [https://de.wikipedia.org/wiki/Konzernabschluss Konzernabschluss]). Gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__286.html § 286]</span> HGB dürfen Angaben im [https://de.wikipedia.org/wiki/Jahresabschluss Jahresabschluss] unter bestimmten Voraussetzungen unterbleiben.</p><p>Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Vorstand Vorstand] ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aktiengesellschaft_(Deutschland) Aktiengesellschaft] zur Loyalität verpflichtet. Verletzt er die dem Unternehmen gegenüber bestehende allgemeine Treuepflicht, kann er auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Besondere Ausprägungen der Treuepflicht sind das [https://de.wikipedia.org/wiki/Wettbewerbsverbot Wettbewerbsverbot] (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/aktg/__88.html § 88]</span> AktG) und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Verschwiegenheitspflicht Verschwiegenheitspflicht] (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/aktg/__93.html § 93]</span> Abs. 1 AktG).</p>
 
=== <span id="Wettbewerbsrecht">Wettbewerbsrecht</span> ===
==== <span id="Vertrags-_und_Sachenrecht">Vertrags- und Sachenrecht</span> ====
<p>Gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__3.html § 3]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_gegen_den_unlauteren_Wettbewerb UWG] sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Unlauterer_Wettbewerb unlautere] geschäftliche Handlungen unzulässig; <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__5a.html § 5a]</span> UWG behandelt die Irreführung durch Unterlassen, etwa das Verschweigen einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatsache Tatsache] oder die [https://de.wikipedia.org/wiki/Irref%C3%BChrende_Werbung irreführende Werbung]. Der Verletzer kann gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__8.html § 8]</span> UWG auf Beseitigung und – bei Wiederholungsgefahr – auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Unlauterer Wettbewerb kann neben der Unterlassung auch zivilrechtliche Ansprüche auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Schadensersatz Schadensersatz] (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__9.html § 9]</span> UWG), [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewinnabsch%C3%B6pfung Gewinnabschöpfung] (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__10.html § 10]</span> UWG) oder Erstattung der Abmahnkosten (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__12.html § 12]</span> Abs. 1 UWG) auslösen.</p>
Der Eigentümer einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Sache_(Recht) Sache] kann gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__903.html § 903]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerliches_Gesetzbuch BGB] mit seinem [https://de.wikipedia.org/wiki/Eigentum Eigentum] nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung ausschließen. Wirken andere rechtswidrig hierauf ein, so findet sich die [https://de.wikipedia.org/wiki/Anspruchsgrundlage Anspruchsgrundlage] des zivilrechtlichen Unterlassungsanspruchs in <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1004.html § 1004]</span> BGB. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Eigentumsbeeintr%C3%A4chtigung Eigentumsbeeinträchtigung] löst nach erfolgter [https://de.wikipedia.org/wiki/St%C3%B6rer Störung] einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Beseitigungs-_und_Unterlassungsanspruch Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch] (bekannt bereits im [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Recht römischen Recht] als [https://de.wikipedia.org/wiki/Actio_negatoria_(r%C3%B6misches_Recht) actio negatoria]) aus, der mit einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungsklage Unterlassungsklage] durchgesetzt werden kann, sofern Wiederholungsgefahr droht.<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-9 [9]]</sup> Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsprechung Rechtsprechung] hat bereits im Oktober 1929 durch das [https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsgericht Reichsgericht] (RG) die für das Eigentum gedachte Vorschrift des § 1004 BGB auf alle [https://de.wikipedia.org/wiki/Absolutes_Recht absoluten Rechte] ausgedehnt<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-10 [10]]</sup> und darüber hinaus auf alle deliktsrechtlich geschützten [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsgut Rechtsgüter] erweitert.<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-11 [11]]</sup> Strukturell analoge Rechte räumen <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__12.html § 12]</span> Satz 2 BGB dem Namensträger beim [https://de.wikipedia.org/wiki/Namensrecht_(Deutschland) Namensrecht], <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__541.html § 541]</span> BGB dem Vermieter bei vertragswidrigem Gebrauch durch den Mieter und <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__862.html § 862]</span> Abs. 1 Satz 2 BGB dem Besitzer bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Besitzst%C3%B6rung Besitzstörung] ein. Gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__241.html § 241]</span> Abs. 1 BGB kann die [https://de.wikipedia.org/wiki/Leistung_(Recht) Leistung] bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Schuldverh%C3%A4ltnis Schuldverhältnissen] auch in einem Unterlassen bestehen wie beispielsweise durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungserkl%C3%A4rung Unterlassungserklärung] des Wettbewerbsrechts.<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-12 [12]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Schuldrecht_(Deutschland) Schuldrechtlich] ist hierbei Unterlassen die Verpflichtung des Schuldners, etwas Bestimmtes nicht zu tun, was er zu tun berechtigt wäre.
=== <span id="Rechtsfolgen">Rechtsfolgen</span> ===
 
<p>Sämtliche Unterlassungsansprüche können in einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilprozessrecht_(Deutschland) Zivilprozess] durchgesetzt werden. Im Zivilprozessrecht ist die Unterlassung ein untätiges Verhalten, durch das ein bestimmter [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t_(Recht) Kausalverlauf] nicht mitbestimmend beeinflusst wird. Dabei kommt die Unterlassung in zwei Fällen vor:<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-13 [13]]</sup></p>
Wer in [https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Gesch%C3%A4ftsbedingungen_(Deutschland) Allgemeinen Geschäftsbedingungen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Klausel_(Recht) Klauseln] verwendet, die nach den <span class="plainlinks-print">[https://www.buzer.de/s1.htm?g=BGB&a=307-309 §§ 307 bis 309]</span> BGB [https://de.wikipedia.org/wiki/Unwirksamkeit unwirksam] sind oder für den rechtsgeschäftlichen Verkehr empfiehlt, kann gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uklag/__1.html § 1]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungsklagengesetz UKlaG]auf Unterlassung und im Fall des Empfehlens auch auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Widerruf_(Recht) Widerruf] in Anspruch genommen werden.
 
==== <span id="Deliktsrecht">Deliktsrecht</span> ====
Ein Unterlassen kann im [https://de.wikipedia.org/wiki/Deliktsrecht Deliktsrecht] nur dann eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Schadensersatz Schadensersatzpflicht] auslösen, wenn für den [https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4ter Täter] [https://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrssicherungspflicht Verkehrssicherungspflichten] bestehen oder eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Garantenstellung Garantenstellung] als Beschützer- oder Überwachergarant vorliegt. Andernfalls ist das Unterlassen nicht [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswidrigkeit rechtswidrig].
 
''Überwachergarant'' ist dabei derjenige, der eine Gefahrenquelle geschaffen hat oder für sie Verantwortung trägt. Wer beispielsweise eine Grube aushebt und nicht absichert, in die jemand stürzen könnte oder wer den Schnee auf seinem Abschnitt des Bürgersteiges nicht räumt, verletzt ihm rechtlich aufgetragene Überwachungspflichten. Darunter fällt auch das pflichtwidrig gefährdende Vorverhalten, die so genannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Ingerenz Ingerenz] und die „Zustandshaftung“.
 
''Beschützergarant'' ist derjenige, den eine besondere Schutzpflicht hinsichtlich eines Rechtsgutes trifft. Diese Schutzpflicht kann aus der persönlichen Verbundenheit (Ehe, enge Verwandtschaft) oder aus tatsächlicher Übernahme der Gewähr für das Rechtsgut erwachsen (wobei eine vertragliche Verpflichtung auch unwirksam sein kann, daher ''tatsächliche'' Übernahme). Eine Schutzpflicht kann sich ansonsten auch aus dem Gesetz ergeben.
 
==== <span id="Urheber-,_Patent-_und_Markenrecht">Urheber-, Patent- und Markenrecht</span> ====
Eine große wirtschaftliche Bedeutung hat die Unterlassung bei der Verletzung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Geistiges_Eigentum geistigem Eigentum]. Mit der dem ihm eingeräumten Recht auf Unterlassung kann sich der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsinhaber Rechtsinhaber]beispielsweise gegen illegale [https://de.wikipedia.org/wiki/Download Downloads] aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Internet Internet] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Audiodatei Musik-], [https://de.wikipedia.org/wiki/Videodatei Video-] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Film Filmdateien], [https://de.wikipedia.org/wiki/Filesharing Filesharing]) durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Abmahnung Abmahnung] nebst [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungserkl%C3%A4rung Unterlassungserklärung] wehren. [https://de.wikipedia.org/wiki/Normadressat Normadressaten] der das geistige Eigentum schützenden Gesetze sind die so genannten Verletzer.
 
Wer das [https://de.wikipedia.org/wiki/Urheberrecht_(Deutschland) Urheberrecht] widerrechtlich verletzt, kann gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__97.html § 97]</span> Abs. 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Urheberrechtsgesetz_(Deutschland) UrhG] vom Urheber auf Beseitigung der Beeinträchtigung, bei Wiederholungsgefahr auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Der Anspruch auf Unterlassung besteht auch dann, wenn eine Zuwiderhandlung erstmals droht. Die Unterlassung ist daran zu erkennen, dass der Verletzer künftig von [https://de.wikipedia.org/wiki/Urheberrechtsverletzung Urheberrechtsverletzungen] absieht. Wer gegen <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__95b.html § 95b]</span> Abs. 1 UrhG verstößt, kann gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uklag/__2a.html § 2a]</span> UKlaG auf Unterlassung in Anspruch genommen werden.
 
Eine vergleichbare Unterlassungsnorm enthält <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/patg/__139.html § 139]</span> Abs. 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Patentgesetz_(Deutschland) PatG] für [https://de.wikipedia.org/wiki/Patent Patente], <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/markeng/__14.html § 14]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/MarkenG MarkenG] für [https://de.wikipedia.org/wiki/Marke_(Recht) Marken], <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/markeng/__15.html § 15]</span> MarkenG für eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesch%C3%A4ftliche_Bezeichnung geschäftliche Bezeichnung] sowie <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gebrmg/__24.html § 24]</span> Abs. 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebrauchsmustergesetz GebrMG] für [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebrauchsmuster Gebrauchsmuster].
 
==== <span id="Handelsrecht">Handelsrecht</span> ====
Wer in seinen Rechten dadurch verletzt wird, dass ein anderer einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Firma Firmennamen] unbefugt gebraucht, kann gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__37.html § 37]</span> Abs. 2 [https://de.wikipedia.org/wiki/Handelsgesetzbuch HGB] von diesem die Unterlassung des Gebrauchs der Firma verlangen. Bei dieser firmenrechtlichen Unterlassungsklage scheinen sich formelles und materielles Firmenrecht zu berühren. Es handelt sich um die Parallelvorschrift zu § 12 BGB bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Privatperson Privatpersonen].
 
Das Unterlassen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Abschreibung Abschreibung] ist gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__285.html § 285]</span> Nr. 18b HGB im [https://de.wikipedia.org/wiki/Anhang_(Jahresabschluss) Anhang] zu erläutern (nach <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__314.html § 314]</span> Abs. 1 Nr. 10b HGB auch im [https://de.wikipedia.org/wiki/Konzernabschluss Konzernabschluss]). Gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__286.html § 286]</span> HGB dürfen Angaben im [https://de.wikipedia.org/wiki/Jahresabschluss Jahresabschluss] unter bestimmten Voraussetzungen unterbleiben.
 
Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Vorstand Vorstand] ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Aktiengesellschaft_(Deutschland) Aktiengesellschaft] zur Loyalität verpflichtet. Verletzt er die dem Unternehmen gegenüber bestehende allgemeine Treuepflicht, kann er auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Besondere Ausprägungen der Treuepflicht sind das [https://de.wikipedia.org/wiki/Wettbewerbsverbot Wettbewerbsverbot] (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/aktg/__88.html § 88]</span> AktG) und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Verschwiegenheitspflicht Verschwiegenheitspflicht] (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/aktg/__93.html § 93]</span> Abs. 1 AktG).
 
==== <span id="Wettbewerbsrecht">Wettbewerbsrecht</span> ====
Gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__3.html § 3]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_gegen_den_unlauteren_Wettbewerb UWG] sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Unlauterer_Wettbewerb unlautere] geschäftliche Handlungen unzulässig; <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__5a.html § 5a]</span> UWG behandelt die Irreführung durch Unterlassen, etwa das Verschweigen einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatsache Tatsache] oder die [https://de.wikipedia.org/wiki/Irref%C3%BChrende_Werbung irreführende Werbung]. Der Verletzer kann gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__8.html § 8]</span> UWG auf Beseitigung und – bei Wiederholungsgefahr – auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Unlauterer Wettbewerb kann neben der Unterlassung auch zivilrechtliche Ansprüche auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Schadensersatz Schadensersatz] (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__9.html § 9]</span> UWG), [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewinnabsch%C3%B6pfung Gewinnabschöpfung] (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__10.html § 10]</span> UWG) oder Erstattung der Abmahnkosten (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__12.html § 12]</span> Abs. 1 UWG) auslösen.
 
==== <span id="Rechtsfolgen">Rechtsfolgen</span> ====
Sämtliche Unterlassungsansprüche können in einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilprozessrecht_(Deutschland) Zivilprozess] durchgesetzt werden. Im Zivilprozessrecht ist die Unterlassung ein untätiges Verhalten, durch das ein bestimmter [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t_(Recht) Kausalverlauf] nicht mitbestimmend beeinflusst wird. Dabei kommt die Unterlassung in zwei Fällen vor:<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-13 [13]</sup>
 
*Der Schuldner kann verpflichtet sein, durch seine Untätigkeit einen bestimmten Geschehensablauf nicht zu beeinflussen oder
*Der Schuldner kann verpflichtet sein, durch seine Untätigkeit einen bestimmten Geschehensablauf nicht zu beeinflussen oder
*der Schuldner kann zu einem aktiven Tun verpflichtet sein, wenn er bestehende Beeinträchtigungen aufrechterhält und weiterhin ausnutzt.
*der Schuldner kann zu einem aktiven Tun verpflichtet sein, wenn er bestehende Beeinträchtigungen aufrechterhält und weiterhin ausnutzt.
<p>Handelt demnach der Schuldner der Verpflichtung zuwider, eine Handlung zu unterlassen oder die Vornahme einer Handlung zu dulden, so ist er gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__890.html § 890]</span> Abs. 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilprozessordnung_(Deutschland) ZPO] wegen einer jeden Zuwiderhandlung auf Antrag des Gläubigers vom Prozessgericht zu einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Ordnungsgeld Ordnungsgeld] und für den Fall, dass dieses nicht beigetrieben werden kann, zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Ordnungshaft Ordnungshaft] bis zu sechs Monaten zu verurteilen. Das einzelne Ordnungsgeld darf den Betrag von 250.000 Euro, die Ordnungshaft insgesamt zwei Jahre nicht übersteigen.</p>
 
== <span id="Strafrecht">Strafrecht</span> ==
Handelt demnach der Schuldner der Verpflichtung zuwider, eine Handlung zu unterlassen oder die Vornahme einer Handlung zu dulden, so ist er gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__890.html § 890]</span> Abs. 1 [https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilprozessordnung_(Deutschland) ZPO] wegen einer jeden Zuwiderhandlung auf Antrag des Gläubigers vom Prozessgericht zu einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Ordnungsgeld Ordnungsgeld] und für den Fall, dass dieses nicht beigetrieben werden kann, zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Ordnungshaft Ordnungshaft] bis zu sechs Monaten zu verurteilen. Das einzelne Ordnungsgeld darf den Betrag von 250.000 Euro, die Ordnungshaft insgesamt zwei Jahre nicht übersteigen.
=== <span id="Allgemeines_2">Allgemeines</span> ===
 
<p>Eine Unterlassung führt zur Haftung oder Strafe dann, wenn ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebot_(Rechtswissenschaft) Gebot] beziehungsweise eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Pflicht_(Recht) Pflicht] besteht, die tatsächlich unterlassene Handlung, vorzunehmen. Die Verantwortlichkeit für einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Handlungslehre_(Strafrecht) eingetretenen Erfolg] (Beispiel: Tod eines Menschen) setzt voraus, dass ein Gebot missachtet wurde, das geschaffen war, diesen Erfolg durch eine geeignete Handlung zu verhindern. Die Rechtsgrundlage dafür bildet <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__13.html § 13]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) StGB], die so genannte ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Entsprechungsklausel Entsprechungsklausel]''. Mit ihr wird im Strafrecht die Gleichwertigkeit von Tun und Unterlassen geregelt. Voraussetzung der objektiven [https://de.wikipedia.org/wiki/Zurechnung Zurechnung] des Erfolgs ist der Nachweis, dass die gebotene Handlung im Rahmen der Umkehrung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Conditio_sine_qua_non conditio-sine-qua-non]-Formel nicht hinzugedacht werden kann, ohne dass der Erfolg mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindert worden wäre, das Unterlassen der gebotenen Handlung mithin [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t kausal] für den eingetretenen Erfolg war.</p><p>Im Strafrecht werden zwei Arten von [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungsdelikt Unterlassungsdelikten] unterschieden. Dieser Unterschied beruht auf der Systematik des Gesetzes:</p>
=== <span id="Strafrecht">Strafrecht</span> ===
 
==== <span id="Allgemeines_2">Allgemeines</span> ====
Eine Unterlassung führt zur Haftung oder Strafe dann, wenn ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebot_(Rechtswissenschaft) Gebot] beziehungsweise eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Pflicht_(Recht) Pflicht] besteht, die tatsächlich unterlassene Handlung, vorzunehmen. Die Verantwortlichkeit für einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Handlungslehre_(Strafrecht) eingetretenen Erfolg] (Beispiel: Tod eines Menschen) setzt voraus, dass ein Gebot missachtet wurde, das geschaffen war, diesen Erfolg durch eine geeignete Handlung zu verhindern. Die Rechtsgrundlage dafür bildet <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__13.html § 13]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) StGB], die so genannte ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Entsprechungsklausel Entsprechungsklausel]''. Mit ihr wird im Strafrecht die Gleichwertigkeit von Tun und Unterlassen geregelt. Voraussetzung der objektiven [https://de.wikipedia.org/wiki/Zurechnung Zurechnung] des Erfolgs ist der Nachweis, dass die gebotene Handlung im Rahmen der Umkehrung der [https://de.wikipedia.org/wiki/Conditio_sine_qua_non conditio-sine-qua-non]-Formel nicht hinzugedacht werden kann, ohne dass der Erfolg mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindert worden wäre, das Unterlassen der gebotenen Handlung mithin [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t kausal] für den eingetretenen Erfolg war.
 
Im Strafrecht werden zwei Arten von [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassungsdelikt Unterlassungsdelikten] unterschieden. Dieser Unterschied beruht auf der Systematik des Gesetzes:
 
*''Echte Unterlassungsdelikte'' sind Straftatbestände, die ausschließlich durch ein Unterlassen verwirklicht werden können: Beispiele im deutschen Recht: <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__323c.html § 323c]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassene_Hilfeleistung Unterlassene Hilfeleistung] und <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__138.html § 138]</span> StGB [https://de.wikipedia.org/wiki/Nichtanzeige_geplanter_Straftaten Nichtanzeige geplanter Straftaten]; im schweizerischen Recht: Art.&nbsp;128 Unterlassung der Nothilfe und Art.&nbsp;217 [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Schweiz) StGB] Vernachlässigung von Unterhaltspflichten.
*''Echte Unterlassungsdelikte'' sind Straftatbestände, die ausschließlich durch ein Unterlassen verwirklicht werden können: Beispiele im deutschen Recht: <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__323c.html § 323c]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassene_Hilfeleistung Unterlassene Hilfeleistung] und <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__138.html § 138]</span> StGB [https://de.wikipedia.org/wiki/Nichtanzeige_geplanter_Straftaten Nichtanzeige geplanter Straftaten]; im schweizerischen Recht: Art.&nbsp;128 Unterlassung der Nothilfe und Art.&nbsp;217 [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Schweiz) StGB] Vernachlässigung von Unterhaltspflichten.
*''Unechte Unterlassungsdelikte'' sind Straftatbestände, die durch ein positives Tun oder durch Unterlassen verwirklicht werden können. Die Strafbarkeit ergibt sich dogmatisch aus einer Zusammenschau des Allgemeinen Teils des Strafrechts mit einem Tatbestand des Besonderen Teils: Die Tötung eines Menschen ist in Deutschland gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__212.html § 212]</span> StGB verboten. Dessen Wortlaut „wer einen anderen tötet, wird bestraft“ bezieht sich aber nur auf eine Handlung. Mit § 13 StGB wird das Unterlassen dem Handeln aber gleichgestellt. Beide Normen zusammengedacht ergäben folgenden Wortlaut: „Wer einen Menschen tötet oder nicht verhindert, dass ein Mensch getötet wird, obwohl er dazu verpflichtet ist, wird bestraft“. Diese systematische Vorgehensweise des Gesetzgebers verkürzt den Gesetzestext zum Zwecke der Übersichtlichkeit, da nicht für jede Handlung eigens das entsprechende Unterlassen im Besonderen Teil formuliert werden muss.
*''Unechte Unterlassungsdelikte'' sind Straftatbestände, die durch ein positives Tun oder durch Unterlassen verwirklicht werden können. Die Strafbarkeit ergibt sich dogmatisch aus einer Zusammenschau des Allgemeinen Teils des Strafrechts mit einem Tatbestand des Besonderen Teils: Die Tötung eines Menschen ist in Deutschland gemäß <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__212.html § 212]</span> StGB verboten. Dessen Wortlaut „wer einen anderen tötet, wird bestraft“ bezieht sich aber nur auf eine Handlung. Mit § 13 StGB wird das Unterlassen dem Handeln aber gleichgestellt. Beide Normen zusammengedacht ergäben folgenden Wortlaut: „Wer einen Menschen tötet oder nicht verhindert, dass ein Mensch getötet wird, obwohl er dazu verpflichtet ist, wird bestraft“. Diese systematische Vorgehensweise des Gesetzgebers verkürzt den Gesetzestext zum Zwecke der Übersichtlichkeit, da nicht für jede Handlung eigens das entsprechende Unterlassen im Besonderen Teil formuliert werden muss.


=== <span id="Garantenstellung_und_Garantenpflicht">Garantenstellung und Garantenpflicht</span> ===
==== <span id="Garantenstellung_und_Garantenpflicht">Garantenstellung und Garantenpflicht</span> ====
<p>Bei beiden Delikten wird vom Täter die Vornahme einer Handlung gefordert. Diese Handlung muss für ihn möglich und zumutbar sein. Er muss erkennen, dass er aufgefordert ist zu handeln, unterlässt dies jedoch [https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Deutschland) vorsätzlich]. Im Gegensatz zu den „echten Unterlassungsdelikten“ trifft den Täter bei den „unechten Unterlassungsdelikten“ zudem eine besondere [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtspflicht Rechtspflicht] zum Handeln, eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Garantenpflicht Garantenpflicht], die ihm aus seiner Garantenstellung heraus erwächst. Vorsätzlich handelt er in diesen Fällen, wenn er Kenntnis um alle objektiven Tatbestandsmerkmale (einschließlich seiner Garantenstellung) hat, weiterhin Kenntnis um die Erfolgsabwendungsmöglichkeiten und sich selbst einen Willen formuliert, untätig zu bleiben. Denkbar ist im Zusammenhang des Vorsatzvorwurfs, dass der Täter einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestandsirrtum Tatbestandsirrtum] bezüglich seiner Garantenstellung unterliegt, was ihn im Einzelfall entlasten kann.</p>
Bei beiden Delikten wird vom Täter die Vornahme einer Handlung gefordert. Diese Handlung muss für ihn möglich und zumutbar sein. Er muss erkennen, dass er aufgefordert ist zu handeln, unterlässt dies jedoch [https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsatz_(Deutschland) vorsätzlich]. Im Gegensatz zu den „echten Unterlassungsdelikten“ trifft den Täter bei den „unechten Unterlassungsdelikten“ zudem eine besondere [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtspflicht Rechtspflicht] zum Handeln, eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Garantenpflicht Garantenpflicht], die ihm aus seiner Garantenstellung heraus erwächst. Vorsätzlich handelt er in diesen Fällen, wenn er Kenntnis um alle objektiven Tatbestandsmerkmale (einschließlich seiner Garantenstellung) hat, weiterhin Kenntnis um die Erfolgsabwendungsmöglichkeiten und sich selbst einen Willen formuliert, untätig zu bleiben. Denkbar ist im Zusammenhang des Vorsatzvorwurfs, dass der Täter einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatbestandsirrtum Tatbestandsirrtum] bezüglich seiner Garantenstellung unterliegt, was ihn im Einzelfall entlasten kann.
=== <span id="Rechtswidrigkeit">Rechtswidrigkeit</span> ===
 
<p>Vorsätzliche (un-)echte Unterlassungsdelikte erfüllen den Unrechtstatbestand nicht, wenn sie gerechtfertigt sind. Insbesondere ist hier an die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtfertigungsgrund rechtfertigende] [https://de.wikipedia.org/wiki/Pflichtenkollision Pflichtenkollision] zu denken. Diese ist insbesondere denkbar, wenn von mehreren gleichrangigen Handlungspflichten nur eine erfüllt werden kann und nur eine erfüllt wird (Beispiel: fortgeschrittener Wohnungsbrand. Rettungssanitäter X rettet A, obwohl A und B gleichermaßen in Not sind, weshalb B letztlich schwer verletzt wird). Eine Rechtfertigung aus Pflichtenkollision kann auch daraus resultieren, dass von mehreren verschiedenrangigen Pflichten diejenige gewählt wird, die höherrangig ist (Feuerwehrmann Y rettet A statt dessen von den Flammen eingeschlossenen Hund).</p>
==== <span id="Rechtswidrigkeit">Rechtswidrigkeit</span> ====
=== <span id="Sonstiges">Sonstiges</span> ===
Vorsätzliche (un-)echte Unterlassungsdelikte erfüllen den Unrechtstatbestand nicht, wenn sie gerechtfertigt sind. Insbesondere ist hier an die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtfertigungsgrund rechtfertigende] [https://de.wikipedia.org/wiki/Pflichtenkollision Pflichtenkollision] zu denken. Diese ist insbesondere denkbar, wenn von mehreren gleichrangigen Handlungspflichten nur eine erfüllt werden kann und nur eine erfüllt wird (Beispiel: fortgeschrittener Wohnungsbrand. Rettungssanitäter X rettet A, obwohl A und B gleichermaßen in Not sind, weshalb B letztlich schwer verletzt wird). Eine Rechtfertigung aus Pflichtenkollision kann auch daraus resultieren, dass von mehreren verschiedenrangigen Pflichten diejenige gewählt wird, die höherrangig ist (Feuerwehrmann Y rettet A statt dessen von den Flammen eingeschlossenen Hund).
<p>In <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__13.html § 13]</span> Abs.&nbsp;2 StGB wird durch Verweis auf die Strafzumessungsvorschrift für besondere gesetzliche Milderungsgründe, <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__49.html § 49]</span> StGB, geregelt, dass die Strafe des Unterlassungstäters milder ausfallen kann als bei dem Täter, der den tatbestandlichen Erfolg durch positives Tun hervorruft.</p><p>Der Passus „Tatbestand eines Strafgesetzes“ in § 13 StGB verdeutlicht das [https://de.wikipedia.org/wiki/Analogieverbot Analogieverbot] nach <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_103.html Art. 103]</span> Abs.&nbsp;2 [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland GG], wonach die Schutznorm positiv formuliert sein muss.</p><p>Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesverfassungsgericht Bundesverfassungsgericht] (BVerfG) hat die Vorschrift für verfassungsgemäß erachtet,<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-14 [14]]</sup> obwohl in der Literatur Bedenken in Hinblick auf das [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrechtlicher_Bestimmtheitsgrundsatz_(Deutschland) Bestimmtheitsgebot] vorgebracht werden. Gerade nähere Bestimmungen zur Garantenpflicht fehlten im Gesetz. Nach dem BVerfG gelte: „Die Anbindung an das Erfordernis normativ begründeter Pflichten und eine auf langjähriger Tradition beruhende einheitliche und klare richterrechtliche Umschreibung möglicher Garantenstellungen gewährleisten aber, dass das Risiko einer Bestrafung für den Normadressaten voraussehbar wird.“<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-15 [15]]</sup></p>
 
== <span id="International">International</span> ==
==== <span id="Sonstiges">Sonstiges</span> ====
<p>Auch im [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich österreichischen] Recht gehören die Unterlassungen zu den Handlungen, wie <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12018641 § 917]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/ABGB ABGB] deutlich zum Ausdruck bringt. Unterlassungstatbestände enthalten unter anderem <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12017733 § 43]</span> ABGB (Namensrecht), <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR40146841 § 227]</span> ABGB ([https://de.wikipedia.org/wiki/Obsorge Obsorge]), <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12018641 § 472]</span> ABGB, <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12018204 § 476]</span> ABGB, <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12018210 § 482]</span> ABGB ([https://de.wikipedia.org/wiki/Servitut Servitut]), <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12018583 § 861]</span> ABGB ([https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag Vertrag]), <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12018690 § 964]</span> ABGB (Verwahrerhaftung), <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12019036 § 1294]</span> ABGB, <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12019043 § 1301]</span> ABGB ([https://de.wikipedia.org/wiki/Schaden Schaden]) oder <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12019095 § 1350]</span> ABGB ([https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgschaft_(%C3%96sterreich) Bürgschaftszweck]). In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schweiz Schweiz] gibt es beispielsweise die Unterlassung im Namensrecht (<span class="plainlinks-print">[https://www.fedlex.admin.ch/de/search?collection=classified_compilation&classifiedBy=210&article=29 Art. 29]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilgesetzbuch ZGB]) oder <span class="plainlinks-print">[https://www.fedlex.admin.ch/de/search?collection=classified_compilation&classifiedBy=210&article=921 Art. 921]</span>, <span class="plainlinks-print">[https://www.fedlex.admin.ch/de/search?collection=classified_compilation&classifiedBy=210&article=928 Art. 928]</span> ZGB ([https://de.wikipedia.org/wiki/Besitz Besitz]).</p>
In <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__13.html § 13]</span> Abs.&nbsp;2 StGB wird durch Verweis auf die Strafzumessungsvorschrift für besondere gesetzliche Milderungsgründe, <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__49.html § 49]</span> StGB, geregelt, dass die Strafe des Unterlassungstäters milder ausfallen kann als bei dem Täter, der den tatbestandlichen Erfolg durch positives Tun hervorruft.
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
 
Der Passus „Tatbestand eines Strafgesetzes“ in § 13 StGB verdeutlicht das [https://de.wikipedia.org/wiki/Analogieverbot Analogieverbot] nach <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_103.html Art. 103]</span> Abs.&nbsp;2 [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland GG], wonach die Schutznorm positiv formuliert sein muss.
 
Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesverfassungsgericht Bundesverfassungsgericht] (BVerfG) hat die Vorschrift für verfassungsgemäß erachtet,<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-14 [14]]</sup> obwohl in der Literatur Bedenken in Hinblick auf das [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrechtlicher_Bestimmtheitsgrundsatz_(Deutschland) Bestimmtheitsgebot] vorgebracht werden. Gerade nähere Bestimmungen zur Garantenpflicht fehlten im Gesetz. Nach dem BVerfG gelte: „Die Anbindung an das Erfordernis normativ begründeter Pflichten und eine auf langjähriger Tradition beruhende einheitliche und klare richterrechtliche Umschreibung möglicher Garantenstellungen gewährleisten aber, dass das Risiko einer Bestrafung für den Normadressaten voraussehbar wird.“<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland)#cite_note-15 [15]]</sup>
 
=== <span id="International">International</span> ===
Auch im [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterreich österreichischen] Recht gehören die Unterlassungen zu den Handlungen, wie <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12018641 § 917]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/ABGB ABGB] deutlich zum Ausdruck bringt. Unterlassungstatbestände enthalten unter anderem <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12017733 § 43]</span> ABGB (Namensrecht), <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR40146841 § 227]</span> ABGB ([https://de.wikipedia.org/wiki/Obsorge Obsorge]), <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12018641 § 472]</span> ABGB, <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12018204 § 476]</span> ABGB, <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12018210 § 482]</span> ABGB ([https://de.wikipedia.org/wiki/Servitut Servitut]), <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12018583 § 861]</span> ABGB ([https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag Vertrag]), <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12018690 § 964]</span> ABGB (Verwahrerhaftung), <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12019036 § 1294]</span> ABGB, <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12019043 § 1301]</span> ABGB ([https://de.wikipedia.org/wiki/Schaden Schaden]) oder <span class="plainlinks-print">[https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR12019095 § 1350]</span> ABGB ([https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgschaft_(%C3%96sterreich) Bürgschaftszweck]). In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Schweiz Schweiz] gibt es beispielsweise die Unterlassung im Namensrecht (<span class="plainlinks-print">[https://www.fedlex.admin.ch/de/search?collection=classified_compilation&classifiedBy=210&article=29 Art. 29]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Zivilgesetzbuch ZGB]) oder <span class="plainlinks-print">[https://www.fedlex.admin.ch/de/search?collection=classified_compilation&classifiedBy=210&article=921 Art. 921]</span>, <span class="plainlinks-print">[https://www.fedlex.admin.ch/de/search?collection=classified_compilation&classifiedBy=210&article=928 Art. 928]</span> ZGB ([https://de.wikipedia.org/wiki/Besitz Besitz]).
 
=== <span id="Literatur">Literatur</span> ===


*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Stephan_Ast&action=edit&redlink=1 Stephan Ast]: ''Normentheorie und Strafrechtsdogmatik. Eine Systematisierung von Normarten und deren Nutzen für Fragen der Erfolgzurechnung, insbesondere die Abgrenzung des Begehungs- vom Unterlassungsdelikt'', Duncker & Humblot, Berlin 2010, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783428131747 ISBN 978-3-428131747].
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Stephan_Ast&action=edit&redlink=1 Stephan Ast]: ''Normentheorie und Strafrechtsdogmatik. Eine Systematisierung von Normarten und deren Nutzen für Fragen der Erfolgzurechnung, insbesondere die Abgrenzung des Begehungs- vom Unterlassungsdelikt'', Duncker & Humblot, Berlin 2010, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783428131747 ISBN 978-3-428131747].
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*[https://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Roxin Claus Roxin]: ''Strafrecht. Allgemeiner Teil. Band II: Besondere Erscheinungsformen der Straftat'', C. H. Beck, München 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3406438687 ISBN 3-406-43868-7], S. 625–706.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Roxin Claus Roxin]: ''Strafrecht. Allgemeiner Teil. Band II: Besondere Erscheinungsformen der Straftat'', C. H. Beck, München 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3406438687 ISBN 3-406-43868-7], S. 625–706.


== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
=== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ===
Marten Selbmann, ''Einordnung des BGH-Urteils vom 20. Oktober 2011 - 4 StR 71/11 = [https://de.wikipedia.org/wiki/HRRS HRRS] 2012 Nr. 74 in die Dogmatik zur Geschäftsherrenhaftung''[https://www.hrr-strafrecht.de/hrr/archiv/14-06/index.php?sz=10 [1]]
 
=== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ===
 
*<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Benno_Mugdan Benno Mugdan], ''Die gesammten Materialien zum Bürgerlichen Gesetzbuch für das Deutsche Reich'', Band I, 1899, S. 421</span>
*<span class="reference-text">[https://books.google.de/books?id=jWa3EABgi54C&pg=PA401&dq=Unterlassung+untarl%C3%A4zan&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi4___-n63cAhWQCewKHTTMBo0Q6AEIJzAA#v=onepage&q=Unterlassung%20untarl%C3%A4zan&f=false Ulrike Köbler, ''Werden, Wandel und Wesen des deutschen Privatrechtswortschatzes'', 2010, S. 401]</span>
*<span class="reference-text">[https://books.google.de/books?id=rzNjAAAAcAAJ&pg=PA981&lpg=PA981&dq=Luther+%22viel+unterlassen%22&source=bl&ots=jPeJtNIBUf&sig=PKQkFrhE3eO4nm9avfe22XFH65Q&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiamI7To63cAhXK16QKHdhsBIMQ6AEIOTAF#v=onepage&q=Luther%20%22viel%20unterlassen%22&f=false Martin Luther, ''Der Achte Teil aller teutschen Bücher und Schrifften des theuren seeligen Mannes Gottes'', Band 8, 1662, S. 981]</span>
*<span class="reference-text">[https://books.google.de/books?id=dWDLili-mTgC&pg=PA539&lpg=PA539&dq=Luther+%22viel+unterlassen%22&source=bl&ots=yB4AA6VsWx&sig=rws6OEU9NAGMLgs-2YHkCKJ_BhA&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiamI7To63cAhXK16QKHdhsBIMQ6AEIMTAC#v=onepage&q=Luther%20%22viel%20unterlassen%22&f=false Johann Heinrich Zedler (Hrsg.), ''Des Theuren Mannes Gottes, D. Martin Luthers sämtliche Theils von ihm selbst Deutsch verfertigte'', Band 12, 1731, S. 539]</span>
*<span class="reference-text">Niederösterreichische Landgerichtsordnung von 1656, in: ''Codex Austriacus'', 1704, S. 659 ff.</span>
*<span class="reference-text">Johann Heinrich Zedler, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Grosses_vollst%C3%A4ndiges_Universal-Lexicon_Aller_Wissenschafften_und_K%C3%BCnste Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste]'', 1746, Sp. 455</span>
*<span class="reference-text">[https://books.google.de/books?id=1jeHBwAAQBAJ&pg=PA353&dq=%C2%A7+241+Unterlassen&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwidhtCCuKncAhUHZFAKHQuzDaMQ6AEIOjAE#v=onepage&q=Unterlassen&f=false Jörg Fritzsche, ''Unterlassungsanspruch und Unterlassungsklage'', 2000, S. 7 ff.]</span>
*<span class="reference-text">Gerhard Köbler, ''Etymologisches Rechtswörterbuch'', 1995, S. 419</span>
*<span class="reference-text">[https://books.google.de/books?id=I7OKqlLHln4C&pg=PA42&dq=Unterlassung+bgb&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjigd6WuqjcAhVEJ1AKHc7dBeAQ6AEILDAB#v=onepage&q=Unterlassung%20bgb&f=false Marcus Grosch, ''Rechtswandel und Rechtskraft bei Unterlassungsurteilen'', 2002, S. 35]</span>
*<span class="reference-text">RG, Urteil vom 9. Oktober 1929, Az.: I 63/29 = RGZ 125, 391</span>
*<span class="reference-text">RG, Urteil vom 5. Januar 1905, Az.: VI 38/04 = RGZ 60, 6, 7</span>
*<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Palandt Otto Palandt]/Christian Grüneberg, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCneberg_(Gesetzeskommentar) BGB-Kommentar]'', 73. Auflage, 2014, § 241 Rn. 4</span>
*<span class="reference-text">Alpmann Brockhaus, ''Fachlexikon Recht'', 2005, S. 1353</span>
*<span class="reference-text">BVerfG, 21.&nbsp;November 2002, Az. [https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2+BvR+2202%2F01 2 BvR 2202/01].</span>
*<span class="reference-text">BVerfG, 21.&nbsp;November 2002, Az. 2 BvR 2202/01 Rn.&nbsp;6.</span>
 
== <span class="mw-page-title-main">Unterlassen (Italien)</span> ==
Als '''Unterlassen''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Italienische_Sprache it.] ''reato omissivo'') bezeichnet man im [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht_(Italien) Strafrecht Italiens] neben ''azione'' (Handlung) eine Begehungsweise der Straftat. ''Omissione'' und ''azione'' bilden gemeinsam das Merkmal ''condotta'' (Verhalten).


*Marten Selbmann, ''Einordnung des BGH-Urteils vom 20. Oktober 2011 - 4 StR 71/11 = [https://de.wikipedia.org/wiki/HRRS HRRS] 2012 Nr. 74 in die Dogmatik zur Geschäftsherrenhaftung''[https://www.hrr-strafrecht.de/hrr/archiv/14-06/index.php?sz=10 [1]]
=== <span id="Abgrenzung_von_reati_omissivi_propri_und_impropri">Abgrenzung von ''reati omissivi propri'' und ''impropri''</span> ===
Vergleichbar der Abgrenzung im [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland) deutschen Recht] von ''echten'' und ''unechten'' Unterlassungsdelikten, kennt auch das italienische Strafrecht zwei Arten von Unterlassungsdelikten: ''reati omissivi propri''und ''impropri.'' Worin das Abgrenzungsmerkmal bestehen soll, ist indessen nicht abschließend geklärt. Marinucci/Dolcini versuchen dies über das Merkmal der Erfolgszurechnung. Die ''reati omissivi propri'' rechnen dem Unterlassungstäter einen bestimmten Erfolg zu, während die ''impropri'' ein bloßes Unterlassen zur Bedingung hätten (das freilich ebenfalls in einen Erfolg münden könne).<sup id="cite_ref-maiwald11_1-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Italien)#cite_note-maiwald11-1 [1]]</sup>


== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
Eine zweite Ansicht verweist hingegen auf das formale Kriterium, ob der Tatbestand vom Gesetzgeber ausdrücklich vorgesehen sei (dann ''propri'') oder sich lediglich aus der Kombination von Art. 40 Abs. 2 [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht_(Italien) c.p.] (Pflicht zur Verhinderung des Erfolges) mit den Delikten des besonderen Teiles ergebe. Echte Unterlassungsdelikte, d.&nbsp;h. solche die vom Gesetzgeber explizit als Unterlassungsdelikte benannt sind, sind demnach etwa die ''unterlassene Hilfeleistung'' (Art. 593 c.p.) oder das ''Unterlassen der Anzeige eines Delikts gegen den Bestand des Staates'' (Art. 364 c.p.).<sup id="cite_ref-maiwald11_1-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Italien)#cite_note-maiwald11-1 [1]]</sup>


#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Benno_Mugdan Benno Mugdan], ''Die gesammten Materialien zum Bürgerlichen Gesetzbuch für das Deutsche Reich'', Band I, 1899, S. 421</span>
=== <span id="Merkmale_des_reato_omissivo_proprio">Merkmale des ''reato omissivo proprio''</span> ===
#<span class="reference-text">[https://books.google.de/books?id=jWa3EABgi54C&pg=PA401&dq=Unterlassung+untarl%C3%A4zan&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwi4___-n63cAhWQCewKHTTMBo0Q6AEIJzAA#v=onepage&q=Unterlassung%20untarl%C3%A4zan&f=false Ulrike Köbler, ''Werden, Wandel und Wesen des deutschen Privatrechtswortschatzes'', 2010, S. 401]</span>
Die Merkmale des ''reato omissivo proprio'' sind:
#<span class="reference-text">[https://books.google.de/books?id=rzNjAAAAcAAJ&pg=PA981&lpg=PA981&dq=Luther+%22viel+unterlassen%22&source=bl&ots=jPeJtNIBUf&sig=PKQkFrhE3eO4nm9avfe22XFH65Q&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiamI7To63cAhXK16QKHdhsBIMQ6AEIOTAF#v=onepage&q=Luther%20%22viel%20unterlassen%22&f=false Martin Luther, ''Der Achte Teil aller teutschen Bücher und Schrifften des theuren seeligen Mannes Gottes'', Band 8, 1662, S. 981]</span>
#<span class="reference-text">[https://books.google.de/books?id=dWDLili-mTgC&pg=PA539&lpg=PA539&dq=Luther+%22viel+unterlassen%22&source=bl&ots=yB4AA6VsWx&sig=rws6OEU9NAGMLgs-2YHkCKJ_BhA&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiamI7To63cAhXK16QKHdhsBIMQ6AEIMTAC#v=onepage&q=Luther%20%22viel%20unterlassen%22&f=false Johann Heinrich Zedler (Hrsg.), ''Des Theuren Mannes Gottes, D. Martin Luthers sämtliche Theils von ihm selbst Deutsch verfertigte'', Band 12, 1731, S. 539]</span>
#<span class="reference-text">Niederösterreichische Landgerichtsordnung von 1656, in: ''Codex Austriacus'', 1704, S. 659 ff.</span>
#<span class="reference-text">Johann Heinrich Zedler, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Grosses_vollst%C3%A4ndiges_Universal-Lexicon_Aller_Wissenschafften_und_K%C3%BCnste Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste]'', 1746, Sp. 455</span>
#<span class="reference-text">[https://books.google.de/books?id=1jeHBwAAQBAJ&pg=PA353&dq=%C2%A7+241+Unterlassen&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwidhtCCuKncAhUHZFAKHQuzDaMQ6AEIOjAE#v=onepage&q=Unterlassen&f=false Jörg Fritzsche, ''Unterlassungsanspruch und Unterlassungsklage'', 2000, S. 7 ff.]</span>
#<span class="reference-text">Gerhard Köbler, ''Etymologisches Rechtswörterbuch'', 1995, S. 419</span>
#<span class="reference-text">[https://books.google.de/books?id=I7OKqlLHln4C&pg=PA42&dq=Unterlassung+bgb&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjigd6WuqjcAhVEJ1AKHc7dBeAQ6AEILDAB#v=onepage&q=Unterlassung%20bgb&f=false Marcus Grosch, ''Rechtswandel und Rechtskraft bei Unterlassungsurteilen'', 2002, S. 35]</span>
#<span class="reference-text">RG, Urteil vom 9. Oktober 1929, Az.: I 63/29 = RGZ 125, 391</span>
#<span class="reference-text">RG, Urteil vom 5. Januar 1905, Az.: VI 38/04 = RGZ 60, 6, 7</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Palandt Otto Palandt]/Christian Grüneberg, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCneberg_(Gesetzeskommentar) BGB-Kommentar]'', 73. Auflage, 2014, § 241 Rn. 4</span>
#<span class="reference-text">Alpmann Brockhaus, ''Fachlexikon Recht'', 2005, S. 1353</span>
#<span class="reference-text">BVerfG, 21.&nbsp;November 2002, Az. [https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=2+BvR+2202%2F01 2 BvR 2202/01].</span>
#<span class="reference-text">BVerfG, 21.&nbsp;November 2002, Az. 2 BvR 2202/01 Rn.&nbsp;6.</span>


= <span class="mw-page-title-main">Unterlassen (Italien)</span> =
*''Situazione tipica'' (deliktstypische Situation): Echte Unterlassungsdelikte beschreiben in ihren tatbestandlichen Voraussetzungen eine deliktstypische Situation; im Falle der ''unterlassenen Hilfeleistung'' etwa die Gefahrsituation der hilfsbedürftigen Person.<sup id="cite_ref-maiwald11_1-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Italien)#cite_note-maiwald11-1 [1]]</sup>
<div id="bodyContent" class="vector-body"><div id="mw-content-text" class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de"><p>Als '''Unterlassen''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Italienische_Sprache it.] ''reato omissivo'') bezeichnet man im [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht_(Italien) Strafrecht Italiens] neben ''azione'' (Handlung) eine Begehungsweise der Straftat. ''Omissione'' und ''azione'' bilden gemeinsam das Merkmal ''condotta'' (Verhalten).</p>
*''Condotta omissiva'' (unterlassendes Verhalten): In dieser deliktstypischen Situation unterlässt es der Täter zu handeln, obwohl
== <span id="Abgrenzung_von_reati_omissivi_propri_und_impropri">Abgrenzung von ''reati omissivi propri'' und ''impropri''</span> ==
*die ''possibilità materiale'' (auch ''possibilità di agire;'' Handlungsfähigkeit) besteht. Diese wird etwa verneint, wenn ein Nichtschwimmer einem Ertrinkenden nicht zu Hilfe eilt.<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Maiwald Manfred Maiwald]: <cite>Einführung in das italienische Strafrecht und Strafprozessrecht</cite>. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, § 11 III.</span></ref>
<p>Vergleichbar der Abgrenzung im [https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Deutschland) deutschen Recht] von ''echten'' und ''unechten'' Unterlassungsdelikten, kennt auch das italienische Strafrecht zwei Arten von Unterlassungsdelikten: ''reati omissivi propri''und ''impropri.'' Worin das Abgrenzungsmerkmal bestehen soll, ist indessen nicht abschließend geklärt. Marinucci/Dolcini versuchen dies über das Merkmal der Erfolgszurechnung. Die ''reati omissivi propri'' rechnen dem Unterlassungstäter einen bestimmten Erfolg zu, während die ''impropri'' ein bloßes Unterlassen zur Bedingung hätten (das freilich ebenfalls in einen Erfolg münden könne).<sup id="cite_ref-maiwald11_1-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Italien)#cite_note-maiwald11-1 [1]]</sup></p><p>Eine zweite Ansicht verweist hingegen auf das formale Kriterium, ob der Tatbestand vom Gesetzgeber ausdrücklich vorgesehen sei (dann ''propri'') oder sich lediglich aus der Kombination von Art. 40 Abs. 2 [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafrecht_(Italien) c.p.] (Pflicht zur Verhinderung des Erfolges) mit den Delikten des besonderen Teiles ergebe. Echte Unterlassungsdelikte, d.&nbsp;h. solche die vom Gesetzgeber explizit als Unterlassungsdelikte benannt sind, sind demnach etwa die ''unterlassene Hilfeleistung'' (Art. 593 c.p.) oder das ''Unterlassen der Anzeige eines Delikts gegen den Bestand des Staates'' (Art. 364 c.p.).<sup id="cite_ref-maiwald11_1-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Italien)#cite_note-maiwald11-1 [1]]</sup></p>
== <span id="Merkmale_des_reato_omissivo_proprio">Merkmale des ''reato omissivo proprio''</span> ==
<p>Die Merkmale des ''reato omissivo proprio'' sind:</p>
#''Situazione tipica'' (deliktstypische Situation): Echte Unterlassungsdelikte beschreiben in ihren tatbestandlichen Voraussetzungen eine deliktstypische Situation; im Falle der ''unterlassenen Hilfeleistung'' etwa die Gefahrsituation der hilfsbedürftigen Person.<sup id="cite_ref-maiwald11_1-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Italien)#cite_note-maiwald11-1 [1]]</sup>
#''Condotta omissiva'' (unterlassendes Verhalten): In dieser deliktstypischen Situation unterlässt es der Täter zu handeln, obwohl
#die ''possibilità materiale'' (auch ''possibilità di agire;'' Handlungsfähigkeit) besteht. Diese wird etwa verneint, wenn ein Nichtschwimmer einem Ertrinkenden nicht zu Hilfe eilt.<sup id="cite_ref-maiwald11_1-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Unterlassen_(Italien)#cite_note-maiwald11-1 [1]]</sup>


== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
=== <span id="Literatur">Literatur</span> ===


*[https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Maiwald Manfred Maiwald]: <cite>Einführung in das italienische Strafrecht und Strafprozessrecht</cite>. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Maiwald Manfred Maiwald]: <cite>Einführung in das italienische Strafrecht und Strafprozessrecht</cite>. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009.
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#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Maiwald Manfred Maiwald]: <cite>Einführung in das italienische Strafrecht und Strafprozessrecht</cite>. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, § 11 III.</span>
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Aktuelle Version vom 8. Juni 2025, 06:03 Uhr

unterlassen deu.

Unterlassen steht für:

  • das Gegenteil von Handeln
  • den Verstoß gegen eine Handlungspflicht, im Einzelnen siehe
    • Unterlassen (Deutschland)
  • die Begehungsweise einer Straftat, im Einzelnen siehe
    • Unterlassen (Italien)

Unterlassen (Deutschland)

Unter Unterlassen (oder: Unterlassung) wird im rechtswissenschaftlichen Bereich eine Handlungsalternative zum positiven Tun und zum Dulden verstanden. Sie besteht im Untätigsein.

Allgemeines

Tun, Dulden und Unterlassen sind Rechtshandlungen, die zu Rechtsfolgen führen, wenn ein bestimmtes gesetzlich gefordertes Verhalten erwartet wird.[1] Diese Erwartung richtet sich an natürliche Personen, Personenvereinigungen und Unternehmen, ebenso die öffentliche Verwaltung. Im Sinne des Zivilrechts sind die rechtswidrige Rechtsbeeinträchtigungen zu unterlassen, widrigenfalls besteht für den Benachteiligten ein Unterlassungsanspruch. Bestimmte Rechtsgeschäfte oder Rechtshandlungen unterliegen gesetzlichen Verboten. Verstöße führen zur Nichtigkeit des Geschäfts, im Strafrecht resultieren Strafen.

Es gibt zwei Arten des Unterlassens, das pflichtwidrige Unterlassen, bei dem der Rechtsverkehr eigentlich ein Handeln erwartet hätte und das pflichtgemäße Unterlassen von Handlungen, die gegen Verbote verstoßen würden.

Etymologie und Geschichte

Das Wort Unterlassung erschien im Althochdeutschen als „untarlâʒan“ erstmals im 9. Jahrhundert mit anderer Bedeutung.[2] Erst Martin Luther wird 1662 posthum zitiert mit „…viel unterlassen, dasz sie sonsten thun“.[3][4] Als Rechtsbegriff tauchte die Unterlassung ersichtlich erstmals im Jahre 1656 in Niederösterreich auf, als eine Mutter behauptete, dass ihr Kind nicht durch Mord, sondern durch Unterlassung mütterlicher Hilfe gestorben sei.[5] Bei Johann Heinrich Zedler erhielt der Begriff 1746 erstmals seine heutige Bedeutung.[6] Das Preußische Allgemeine Landrecht (APL) vom Juni 1794 definierte Unterlassungen als „Handlungen, die keine Willenserklärungen sind“ (I 3, § 32 APL). Dagegen vermied das im Januar 1812 in Kraft getretene österreichische ABGB eine Legaldefinition des viel verwendeten Begriffs. Auch das seit Januar 1900 geltende deutsche BGB unterlässt eine Definition.

Heute ist Unterlassen das kontradiktorische Gegenteil zum Tun oder Handeln, den Oberbegriff bildet das Verhalten.[7] Unterlassen ist die Nichtvornahme einer bestimmten, gebotenen Handlung.[8]

Zivilrecht

Der Unterlassungsanspruch ist wichtiger Bestandteil verschiedener Rechtsgebiete, insbesondere des Bürgerlichen Rechts, des Urheber-, Marken- und Wettbewerbsrechts.

Vertrags- und Sachenrecht

Der Eigentümer einer Sache kann gemäß § 903 BGB mit seinem Eigentum nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung ausschließen. Wirken andere rechtswidrig hierauf ein, so findet sich die Anspruchsgrundlage des zivilrechtlichen Unterlassungsanspruchs in § 1004 BGB. Die Eigentumsbeeinträchtigung löst nach erfolgter Störung einen Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch (bekannt bereits im römischen Recht als actio negatoria) aus, der mit einer Unterlassungsklage durchgesetzt werden kann, sofern Wiederholungsgefahr droht.[9] Die Rechtsprechung hat bereits im Oktober 1929 durch das Reichsgericht (RG) die für das Eigentum gedachte Vorschrift des § 1004 BGB auf alle absoluten Rechte ausgedehnt[10] und darüber hinaus auf alle deliktsrechtlich geschützten Rechtsgüter erweitert.[11] Strukturell analoge Rechte räumen § 12 Satz 2 BGB dem Namensträger beim Namensrecht, § 541 BGB dem Vermieter bei vertragswidrigem Gebrauch durch den Mieter und § 862 Abs. 1 Satz 2 BGB dem Besitzer bei Besitzstörung ein. Gemäß § 241 Abs. 1 BGB kann die Leistung bei Schuldverhältnissen auch in einem Unterlassen bestehen wie beispielsweise durch die Unterlassungserklärung des Wettbewerbsrechts.[12] Schuldrechtlich ist hierbei Unterlassen die Verpflichtung des Schuldners, etwas Bestimmtes nicht zu tun, was er zu tun berechtigt wäre.

Wer in Allgemeinen Geschäftsbedingungen Klauseln verwendet, die nach den §§ 307 bis 309 BGB unwirksam sind oder für den rechtsgeschäftlichen Verkehr empfiehlt, kann gemäß § 1 UKlaGauf Unterlassung und im Fall des Empfehlens auch auf Widerruf in Anspruch genommen werden.

Deliktsrecht

Ein Unterlassen kann im Deliktsrecht nur dann eine Schadensersatzpflicht auslösen, wenn für den Täter Verkehrssicherungspflichten bestehen oder eine Garantenstellung als Beschützer- oder Überwachergarant vorliegt. Andernfalls ist das Unterlassen nicht rechtswidrig.

Überwachergarant ist dabei derjenige, der eine Gefahrenquelle geschaffen hat oder für sie Verantwortung trägt. Wer beispielsweise eine Grube aushebt und nicht absichert, in die jemand stürzen könnte oder wer den Schnee auf seinem Abschnitt des Bürgersteiges nicht räumt, verletzt ihm rechtlich aufgetragene Überwachungspflichten. Darunter fällt auch das pflichtwidrig gefährdende Vorverhalten, die so genannte Ingerenz und die „Zustandshaftung“.

Beschützergarant ist derjenige, den eine besondere Schutzpflicht hinsichtlich eines Rechtsgutes trifft. Diese Schutzpflicht kann aus der persönlichen Verbundenheit (Ehe, enge Verwandtschaft) oder aus tatsächlicher Übernahme der Gewähr für das Rechtsgut erwachsen (wobei eine vertragliche Verpflichtung auch unwirksam sein kann, daher tatsächliche Übernahme). Eine Schutzpflicht kann sich ansonsten auch aus dem Gesetz ergeben.

Urheber-, Patent- und Markenrecht

Eine große wirtschaftliche Bedeutung hat die Unterlassung bei der Verletzung von geistigem Eigentum. Mit der dem ihm eingeräumten Recht auf Unterlassung kann sich der Rechtsinhaberbeispielsweise gegen illegale Downloads aus dem Internet (Musik-, Video- oder Filmdateien, Filesharing) durch Abmahnung nebst Unterlassungserklärung wehren. Normadressaten der das geistige Eigentum schützenden Gesetze sind die so genannten Verletzer.

Wer das Urheberrecht widerrechtlich verletzt, kann gemäß § 97 Abs. 1 UrhG vom Urheber auf Beseitigung der Beeinträchtigung, bei Wiederholungsgefahr auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Der Anspruch auf Unterlassung besteht auch dann, wenn eine Zuwiderhandlung erstmals droht. Die Unterlassung ist daran zu erkennen, dass der Verletzer künftig von Urheberrechtsverletzungen absieht. Wer gegen § 95b Abs. 1 UrhG verstößt, kann gemäß § 2a UKlaG auf Unterlassung in Anspruch genommen werden.

Eine vergleichbare Unterlassungsnorm enthält § 139 Abs. 1 PatG für Patente, § 14 MarkenG für Marken, § 15 MarkenG für eine geschäftliche Bezeichnung sowie § 24 Abs. 1 GebrMG für Gebrauchsmuster.

Handelsrecht

Wer in seinen Rechten dadurch verletzt wird, dass ein anderer einen Firmennamen unbefugt gebraucht, kann gemäß § 37 Abs. 2 HGB von diesem die Unterlassung des Gebrauchs der Firma verlangen. Bei dieser firmenrechtlichen Unterlassungsklage scheinen sich formelles und materielles Firmenrecht zu berühren. Es handelt sich um die Parallelvorschrift zu § 12 BGB bei Privatpersonen.

Das Unterlassen der Abschreibung ist gemäß § 285 Nr. 18b HGB im Anhang zu erläutern (nach § 314 Abs. 1 Nr. 10b HGB auch im Konzernabschluss). Gemäß § 286 HGB dürfen Angaben im Jahresabschluss unter bestimmten Voraussetzungen unterbleiben.

Der Vorstand ist der Aktiengesellschaft zur Loyalität verpflichtet. Verletzt er die dem Unternehmen gegenüber bestehende allgemeine Treuepflicht, kann er auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Besondere Ausprägungen der Treuepflicht sind das Wettbewerbsverbot (§ 88 AktG) und die Verschwiegenheitspflicht (§ 93 Abs. 1 AktG).

Wettbewerbsrecht

Gemäß § 3 UWG sind unlautere geschäftliche Handlungen unzulässig; § 5a UWG behandelt die Irreführung durch Unterlassen, etwa das Verschweigen einer Tatsache oder die irreführende Werbung. Der Verletzer kann gemäß § 8 UWG auf Beseitigung und – bei Wiederholungsgefahr – auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. Unlauterer Wettbewerb kann neben der Unterlassung auch zivilrechtliche Ansprüche auf Schadensersatz (§ 9 UWG), Gewinnabschöpfung (§ 10 UWG) oder Erstattung der Abmahnkosten (§ 12 Abs. 1 UWG) auslösen.

Rechtsfolgen

Sämtliche Unterlassungsansprüche können in einem Zivilprozess durchgesetzt werden. Im Zivilprozessrecht ist die Unterlassung ein untätiges Verhalten, durch das ein bestimmter Kausalverlauf nicht mitbestimmend beeinflusst wird. Dabei kommt die Unterlassung in zwei Fällen vor:[13

  • Der Schuldner kann verpflichtet sein, durch seine Untätigkeit einen bestimmten Geschehensablauf nicht zu beeinflussen oder
  • der Schuldner kann zu einem aktiven Tun verpflichtet sein, wenn er bestehende Beeinträchtigungen aufrechterhält und weiterhin ausnutzt.

Handelt demnach der Schuldner der Verpflichtung zuwider, eine Handlung zu unterlassen oder die Vornahme einer Handlung zu dulden, so ist er gemäß § 890 Abs. 1 ZPO wegen einer jeden Zuwiderhandlung auf Antrag des Gläubigers vom Prozessgericht zu einem Ordnungsgeld und für den Fall, dass dieses nicht beigetrieben werden kann, zur Ordnungshaft bis zu sechs Monaten zu verurteilen. Das einzelne Ordnungsgeld darf den Betrag von 250.000 Euro, die Ordnungshaft insgesamt zwei Jahre nicht übersteigen.

Strafrecht

Allgemeines

Eine Unterlassung führt zur Haftung oder Strafe dann, wenn ein Gebot beziehungsweise eine Pflicht besteht, die tatsächlich unterlassene Handlung, vorzunehmen. Die Verantwortlichkeit für einen eingetretenen Erfolg (Beispiel: Tod eines Menschen) setzt voraus, dass ein Gebot missachtet wurde, das geschaffen war, diesen Erfolg durch eine geeignete Handlung zu verhindern. Die Rechtsgrundlage dafür bildet § 13 StGB, die so genannte Entsprechungsklausel. Mit ihr wird im Strafrecht die Gleichwertigkeit von Tun und Unterlassen geregelt. Voraussetzung der objektiven Zurechnung des Erfolgs ist der Nachweis, dass die gebotene Handlung im Rahmen der Umkehrung der conditio-sine-qua-non-Formel nicht hinzugedacht werden kann, ohne dass der Erfolg mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindert worden wäre, das Unterlassen der gebotenen Handlung mithin kausal für den eingetretenen Erfolg war.

Im Strafrecht werden zwei Arten von Unterlassungsdelikten unterschieden. Dieser Unterschied beruht auf der Systematik des Gesetzes:

  • Echte Unterlassungsdelikte sind Straftatbestände, die ausschließlich durch ein Unterlassen verwirklicht werden können: Beispiele im deutschen Recht: § 323c Unterlassene Hilfeleistung und § 138 StGB Nichtanzeige geplanter Straftaten; im schweizerischen Recht: Art. 128 Unterlassung der Nothilfe und Art. 217 StGB Vernachlässigung von Unterhaltspflichten.
  • Unechte Unterlassungsdelikte sind Straftatbestände, die durch ein positives Tun oder durch Unterlassen verwirklicht werden können. Die Strafbarkeit ergibt sich dogmatisch aus einer Zusammenschau des Allgemeinen Teils des Strafrechts mit einem Tatbestand des Besonderen Teils: Die Tötung eines Menschen ist in Deutschland gemäß § 212 StGB verboten. Dessen Wortlaut „wer einen anderen tötet, wird bestraft“ bezieht sich aber nur auf eine Handlung. Mit § 13 StGB wird das Unterlassen dem Handeln aber gleichgestellt. Beide Normen zusammengedacht ergäben folgenden Wortlaut: „Wer einen Menschen tötet oder nicht verhindert, dass ein Mensch getötet wird, obwohl er dazu verpflichtet ist, wird bestraft“. Diese systematische Vorgehensweise des Gesetzgebers verkürzt den Gesetzestext zum Zwecke der Übersichtlichkeit, da nicht für jede Handlung eigens das entsprechende Unterlassen im Besonderen Teil formuliert werden muss.

Garantenstellung und Garantenpflicht

Bei beiden Delikten wird vom Täter die Vornahme einer Handlung gefordert. Diese Handlung muss für ihn möglich und zumutbar sein. Er muss erkennen, dass er aufgefordert ist zu handeln, unterlässt dies jedoch vorsätzlich. Im Gegensatz zu den „echten Unterlassungsdelikten“ trifft den Täter bei den „unechten Unterlassungsdelikten“ zudem eine besondere Rechtspflicht zum Handeln, eine Garantenpflicht, die ihm aus seiner Garantenstellung heraus erwächst. Vorsätzlich handelt er in diesen Fällen, wenn er Kenntnis um alle objektiven Tatbestandsmerkmale (einschließlich seiner Garantenstellung) hat, weiterhin Kenntnis um die Erfolgsabwendungsmöglichkeiten und sich selbst einen Willen formuliert, untätig zu bleiben. Denkbar ist im Zusammenhang des Vorsatzvorwurfs, dass der Täter einem Tatbestandsirrtum bezüglich seiner Garantenstellung unterliegt, was ihn im Einzelfall entlasten kann.

Rechtswidrigkeit

Vorsätzliche (un-)echte Unterlassungsdelikte erfüllen den Unrechtstatbestand nicht, wenn sie gerechtfertigt sind. Insbesondere ist hier an die rechtfertigende Pflichtenkollision zu denken. Diese ist insbesondere denkbar, wenn von mehreren gleichrangigen Handlungspflichten nur eine erfüllt werden kann und nur eine erfüllt wird (Beispiel: fortgeschrittener Wohnungsbrand. Rettungssanitäter X rettet A, obwohl A und B gleichermaßen in Not sind, weshalb B letztlich schwer verletzt wird). Eine Rechtfertigung aus Pflichtenkollision kann auch daraus resultieren, dass von mehreren verschiedenrangigen Pflichten diejenige gewählt wird, die höherrangig ist (Feuerwehrmann Y rettet A statt dessen von den Flammen eingeschlossenen Hund).

Sonstiges

In § 13 Abs. 2 StGB wird durch Verweis auf die Strafzumessungsvorschrift für besondere gesetzliche Milderungsgründe, § 49 StGB, geregelt, dass die Strafe des Unterlassungstäters milder ausfallen kann als bei dem Täter, der den tatbestandlichen Erfolg durch positives Tun hervorruft.

Der Passus „Tatbestand eines Strafgesetzes“ in § 13 StGB verdeutlicht das Analogieverbot nach Art. 103 Abs. 2 GG, wonach die Schutznorm positiv formuliert sein muss.

Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) hat die Vorschrift für verfassungsgemäß erachtet,[14] obwohl in der Literatur Bedenken in Hinblick auf das Bestimmtheitsgebot vorgebracht werden. Gerade nähere Bestimmungen zur Garantenpflicht fehlten im Gesetz. Nach dem BVerfG gelte: „Die Anbindung an das Erfordernis normativ begründeter Pflichten und eine auf langjähriger Tradition beruhende einheitliche und klare richterrechtliche Umschreibung möglicher Garantenstellungen gewährleisten aber, dass das Risiko einer Bestrafung für den Normadressaten voraussehbar wird.“[15]

International

Auch im österreichischen Recht gehören die Unterlassungen zu den Handlungen, wie § 917 ABGB deutlich zum Ausdruck bringt. Unterlassungstatbestände enthalten unter anderem § 43 ABGB (Namensrecht), § 227 ABGB (Obsorge), § 472 ABGB, § 476 ABGB, § 482 ABGB (Servitut), § 861 ABGB (Vertrag), § 964 ABGB (Verwahrerhaftung), § 1294 ABGB, § 1301 ABGB (Schaden) oder § 1350 ABGB (Bürgschaftszweck). In der Schweiz gibt es beispielsweise die Unterlassung im Namensrecht (Art. 29 ZGB) oder Art. 921, Art. 928 ZGB (Besitz).

Literatur

  • Stephan Ast: Normentheorie und Strafrechtsdogmatik. Eine Systematisierung von Normarten und deren Nutzen für Fragen der Erfolgzurechnung, insbesondere die Abgrenzung des Begehungs- vom Unterlassungsdelikt, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428131747.
  • Carl Bottek: Unterlassungen und ihre Folgen. Handlungs- und kausalitätstheoretische Überlegungen. Mohr Siebeck, Tübingen 2014, ISBN 978-3-16-153161-3.
  • Theo Jung (Hrsg.): Zwischen Handeln und NIchthandeln. Unterlassungspraktiken in der europäischen Moderne, Campus, Frankfurt a. M. 2019, ISBN 978-3-59-351006-4.
  • Armin Kaufmann: Die Dogmatik der Unterlassungsdelikte, Schwartz & Co., Göttingen 1959.
  • Klaus Otter: Funktionen des Handlungsbegriffs im Verbrechensaufbau?, Röhrscheid, Bonn 1973.
  • Gustav Radbruch: Der Handlungsbegriff in seiner Bedeutung für das Strafrechtssystem. Zugleich ein Beitrag zur Lehre von der rechtswissenschaftlichen Systematik Berlin 1904.
  • Claus Roxin: Strafrecht. Allgemeiner Teil. Band II: Besondere Erscheinungsformen der Straftat, C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-43868-7, S. 625–706.

Marten Selbmann, Einordnung des BGH-Urteils vom 20. Oktober 2011 - 4 StR 71/11 = HRRS 2012 Nr. 74 in die Dogmatik zur Geschäftsherrenhaftung[1]

Einzelnachweise

Unterlassen (Italien)

Als Unterlassen (it. reato omissivo) bezeichnet man im Strafrecht Italiens neben azione (Handlung) eine Begehungsweise der Straftat. Omissione und azione bilden gemeinsam das Merkmal condotta (Verhalten).

Abgrenzung von reati omissivi propri und impropri

Vergleichbar der Abgrenzung im deutschen Recht von echten und unechten Unterlassungsdelikten, kennt auch das italienische Strafrecht zwei Arten von Unterlassungsdelikten: reati omissivi propriund impropri. Worin das Abgrenzungsmerkmal bestehen soll, ist indessen nicht abschließend geklärt. Marinucci/Dolcini versuchen dies über das Merkmal der Erfolgszurechnung. Die reati omissivi propri rechnen dem Unterlassungstäter einen bestimmten Erfolg zu, während die impropri ein bloßes Unterlassen zur Bedingung hätten (das freilich ebenfalls in einen Erfolg münden könne).[1]

Eine zweite Ansicht verweist hingegen auf das formale Kriterium, ob der Tatbestand vom Gesetzgeber ausdrücklich vorgesehen sei (dann propri) oder sich lediglich aus der Kombination von Art. 40 Abs. 2 c.p. (Pflicht zur Verhinderung des Erfolges) mit den Delikten des besonderen Teiles ergebe. Echte Unterlassungsdelikte, d. h. solche die vom Gesetzgeber explizit als Unterlassungsdelikte benannt sind, sind demnach etwa die unterlassene Hilfeleistung (Art. 593 c.p.) oder das Unterlassen der Anzeige eines Delikts gegen den Bestand des Staates (Art. 364 c.p.).[1]

Merkmale des reato omissivo proprio

Die Merkmale des reato omissivo proprio sind:

  • Situazione tipica (deliktstypische Situation): Echte Unterlassungsdelikte beschreiben in ihren tatbestandlichen Voraussetzungen eine deliktstypische Situation; im Falle der unterlassenen Hilfeleistung etwa die Gefahrsituation der hilfsbedürftigen Person.[1]
  • Condotta omissiva (unterlassendes Verhalten): In dieser deliktstypischen Situation unterlässt es der Täter zu handeln, obwohl
  • die possibilità materiale (auch possibilità di agire; Handlungsfähigkeit) besteht. Diese wird etwa verneint, wenn ein Nichtschwimmer einem Ertrinkenden nicht zu Hilfe eilt.[1]

Literatur

  • Manfred Maiwald: Einführung in das italienische Strafrecht und Strafprozessrecht. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009.
  • Giorgio Marinucci und Emilio Dolcini: Manuale di diritto penale, parte generale. 2. Auflage. 2006.

Einzelnachweise

  1. ↑ Manfred Maiwald: Einführung in das italienische Strafrecht und Strafprozessrecht. Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, § 11 III.