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„Monadologie“ – Versionsunterschied

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<p>Die '''Monadologie''' (von griechisch μονάς ''monás'' „Eins“, „Einheit“) ist die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Gottfried Wilhelm Leibniz] begründete [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz#Monadologie Monadenlehre] und Titel des Werkes von 1714, in dem er diese in 90 Paragraphen darlegt. Die dort erläuterte Monadologie ist die Lehre von den [https://de.wikipedia.org/wiki/Monade_(Philosophie) Monaden] oder einfachen [https://de.wikipedia.org/wiki/Substanz Substanzen] bzw. letzten Elementen der Wirklichkeit und ist das zur Lösung metaphysischer Probleme dienende Kernstück der Philosophie Leibniz’.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Monadologie#cite_note-1 [1]]</sup></p>[[file:220px-Leibniz_Monadology_2.jpg|link=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Leibniz_Monadology_2.jpg|220x311px]]
[[Monad]]{{-o-}}[[-logie]] [[Sprachstufe::agr.-frz.-deu.]] {{Wrtdtng}} 'Einungslehre, Einungslogik'
 
Die '''Monadologie''' (von griechisch μονάς ''monás'' „Eins“, „Einheit“) ist die von [[Gottfried Wilhelm Leibniz]] begründete [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz#Monadologie Monadenlehre] und Titel des Werkes von 1714, in dem er diese in 90 Paragraphen darlegt. Die dort erläuterte Monadologie ist die Lehre von den [[Monade (Philosophie)|Monaden]] oder einfachen [[Substanzen]] bzw. letzten [[Elemente|Elementen]] der Wirklichkeit und ist das zur Lösung metaphysischer Probleme dienende Kernstück der Philosophie Leibniz’.<ref><span class="reference-text">Vgl. P. Prechtl (Hrsg.): ''Philosophie''. Metzler kompakt, Stuttgart 2005, S. 121.</span></ref>
[[Datei:220px-Leibniz_Monadology_2.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Leibniz_Monadology_2.jpg|mini|311x311px|Manuskriptseite der Monadologie]]
Dabei ist zu bemerken, dass das Werk keine umfassende Darstellung von Leibniz’ philosophischem System als solchem bietet und als solches auch von ihm nicht zur Veröffentlichung vorgesehen worden war.<ref><span class="reference-text">Hubertus Busche: ''Einführung''. In: Hubertus Busche (Hrsg.): ''Gottfried Wilhelm Leibniz. Monadologie''. Akademie-Verlag, Berlin 2009, S. 1–35, hier: S. 3.</span></ref> Vielmehr verfasste Leibniz den Text mit dem Ziel, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik metaphysische Komponente] seines philosophischen Systems dem Gelehrtenkreis um den französischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Platoniker Platoniker] [https://de.wikipedia.org/wiki/Nicolas_Fran%C3%A7ois_R%C3%A9mond Nicolas François Rémond] darzulegen. Den Text ließ Leibniz Rémond im Juli 1714 unter dem Titel ''Eclaircissement sur les Monades'' zukommen. Der deutsche Titel ''Monadologie'' wurde von [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_K%C3%B6hler_(Philosoph) Heinrich Köhler] in seiner ersten Übersetzung ins Deutsche aus dem Jahre 1720 gewählt.<ref><span class="reference-text">Hubertus Busche: ''Einführung''. In: Hubertus Busche (Hrsg.): ''Gottfried Wilhelm Leibniz. Monadologie''. Akademie-Verlag, Berlin 2009, S. 1–35, hier: S. 3f.</span></ref>
 
== Monadologie ==
Quelle: [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz#Monadologie Monadologie]
 
s.a. [[Monade (Philosophie)]]
 
Leibniz entwickelt seine Metaphysik in kritischer Auseinandersetzung mit sehr unterschiedlichen philosophischen Schulen seiner Zeit&nbsp;– etwa der platonischen und aristotelisch-scholastischen Tradition und der dualistischen Substanzmetaphysik Descartes’. Wichtig ist zudem das [https://de.wikipedia.org/wiki/Mechanistisches_Weltbild mechanistische Weltbild] vieler Philosophen seiner Zeit: Diesem zufolge lassen sich alle sinnlichen Eigenschaften der Dinge (Farben, Töne etc.) und alle Naturerscheinungen auf geometrische Modifikationen (unterschiedliche Größe, Gestalt, Bewegung) einer in sich homogenen Materie zurückführen. Leibniz tritt zwar einerseits zeitlebens für eine mechanistische Erklärung der Naturerscheinungen ein. Andererseits macht er dem mechanistischen Standpunkt den Vorwurf, nicht die Bereitschaft aufzubringen, über die bloß mechanistische Erklärung bis zu den höchsten Gründen der Natur vorzudringen. Deswegen nennt er sie eine „faule“ und „oberflächliche Philosophie“.<ref>„philosophie paresseuse“ / „philosophie superficielle“ – Gottfried Wilhelm Leibniz: ''Brief an Samuel Clarke vom 8.8.1716'', §§ 24, 26. Zitiert nach Gerhardt VII, S. 394 f.</ref> Eine Letztbegründung der mechanischen Körperwelt sei nur möglich, wenn man sie selbst auf ein noch grundlegenderes metaphysisches Prinzip zurückführe, das geistiger Natur sein müsse. In immer wieder neuen Anläufen versucht er, eine Metaphysik zu entwickeln, die diesen Ansprüchen genügt.<ref>Antognazza: ''Very Short Introduction'', S. 74–85</ref><p>Den bekanntesten Ansatz dazu stellt der zentrale Begriff der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Monade_(Philosophie) Monade]'' dar, den Leibniz ab Mitte der 1690er Jahre verwendet.<ref>Zur Entwicklung vgl. Garber: ''Body, Substance, Monad.''</ref> Er übernimmt diesen Begriff&nbsp;– der wörtlich „Einheit“ bedeutet&nbsp;– aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuplatonismus neuplatonischen] Tradition. Bei Leibniz sind Monaden einfache, nicht ausgedehnte und daher unteilbare und ewige Substanzen, die äußeren mechanischen Einwirkungen unzugänglich sind. Er bezeichnet sie als „die eigentlichen Atome der Natur“,<ref>„les veritables atomes de la Nature “ – Monadologie (1714) 3, G VI, 607.</ref> die jede für sich einen „lebendigen Spiegel“ des gesamten Universums darstellten. Als solche vereinen sie die Vielheit aller möglichen „Wahrnehmungen“ der Welt ''(perceptiones)'' in einer Einheit. Da aber nichts auf sie einwirken kann, bringen sie diese Perzeptionen, einem inneren Ordnungsgesetz folgend, durch eine ihnen inhärente, metaphysische Kraft aus sich selbst hervor. Leibniz nennt diese Kraft wörtlich das „Begehren“ ''(appetition)'' der Monaden. Da sich in jedem Stück Materie solche Monaden fänden, die „etwas der [menschlichen] Seele Analoges an sich“<ref>„anima[e] aliquid analogum habet“ – ''Brief an Rabener,'' 31. Januar 1698, Akademie-Ausgabe I.15, S. 260; zu ähnlichen Textstellen vgl. auch Garber, ''Body, Substance, Monad,'' 338; zur systematischen Einordnung auch Poser: ''Zur Einführung'',S. 128 f</ref> hätten, gebe es demnach nichts im eigentlichen Sinne Unbelebtes im Universum.<ref>Vgl. Poser: ''Zur Einführung,'' S. 127–132.</ref> Leibniz vertritt damit eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Panpsychismus panpsychistische] Weltanschauung.</p><p>Eine jede Monade bildet stets das gesamte Universum ab&nbsp;– allerdings in unterschiedlichen Deutlichkeitsgraden, die ihre individuelle Perspektive ausmachen. Insofern sie alle dasselbe Universum wahrnehmen, sind ihre inneren Aktivitäten vollkommen miteinander koordiniert, obwohl die Monaden ja in sich abgeschlossen sind und keinerlei direkten Kontakt zur Außenwelt haben. Diese Koordination ist aus Leibniz’ Sicht möglich, weil Gott mit der Schöpfung eine jede Monade so gestaltet habe, dass die Wahrnehmungen des Universums, die sie aus sich selbst hervorbringe, denen der anderen Monaden stets entsprechen. Leibniz nennt dieses System eine „[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4stabilierte_Harmonie prästabilierte Harmonie]“. Sie ist zugleich sein Lösungsvorschlag für das Problem der [https://de.wikipedia.org/wiki/Influxus_physicus Wechselwirkung] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Seele Seele] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Materie Materie], wie es sich aus dem System [https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes René Descartes]’ ergibt.</p><p>Die Monaden sind bei Leibniz das ontologische Fundament der Körperwelt und insofern&nbsp;– nach Gott – das zentrale metaphysische Prinzip. Ob und in welchem Sinne Leibniz auch der Körperwelt Realität zugesteht und wie genau ihr Verhältnis zu den Monaden aussieht, konnte in der Leibniz-Forschung nicht abschließend geklärt werden.<ref>Verschiedene Forschungsansätze sind zusammengefasst bei Garber: ''Body, Substance, Monad'', S. 382–388.</ref></p>
==== <span id="Zeit_und_Raum">Zeit und Raum</span> ====
Entgegen [https://de.wikipedia.org/wiki/Isaac_Newton Newtons] absoluter Zeit- und Raumauffassung, die diese Existenzformen der Materie mit einem leeren Gefäß vergleichen, vertritt Leibniz eine Konzeption, in der Raum und Zeit Ordnungsbeziehungen in der materiellen Welt sind. Der Raum ist die Ordnung der zur gleichen Zeit existierenden Dinge, die Zeit die Ordnung ihrer kontinuierlichen Veränderungen.<ref>Vgl. Poser: ''Zur Einführung,'' S. 83–89.</ref>


<sup class="reference">Manuskriptseite der Monadologie</sup><p>Dabei ist zu bemerken, dass das Werk keine umfassende Darstellung von Leibniz’ philosophischem System als solchem bietet und als solches auch von ihm nicht zur Veröffentlichung vorgesehen worden war.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Monadologie#cite_note-2 [2]]</sup> Vielmehr verfasste Leibniz den Text mit dem Ziel, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik metaphysische Komponente] seines philosophischen Systems dem Gelehrtenkreis um den französischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Platoniker Platoniker] [https://de.wikipedia.org/wiki/Nicolas_Fran%C3%A7ois_R%C3%A9mond Nicolas François Rémond] darzulegen. Den Text ließ Leibniz Rémond im Juli 1714 unter dem Titel ''Eclaircissement sur les Monades'' zukommen. Der deutsche Titel ''Monadologie'' wurde von [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_K%C3%B6hler_(Philosoph) Heinrich Köhler] in seiner ersten Übersetzung ins Deutsche aus dem Jahre 1720 gewählt.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Monadologie#cite_note-3 [3]]</sup></p>
== <span id="Inhalt">Inhalt</span> ==
== <span id="Inhalt">Inhalt</span> ==
<span></span>[[file:220px-Détail_Metsys_miroir_convexe.jpg|link=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:D%C3%A9tail_Metsys_miroir_convexe.jpg|220x233px]][https://de.wikipedia.org/wiki/Quentin_Massys Quentin Massys](1466–1530): Le prêteur et sa femme (Ausschnitt)<p>Die Urmonade ist Gott; alle anderen Monaden sind ihre Erzeugnisse; sie können nur von Gott vernichtet oder erschaffen werden und nicht von selbst entstehen oder vergehen. Die Welt besteht aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Aggregat_(Philosophie) Aggregaten] von vielen Monaden, die alle voneinander verschieden und jedoch insofern gleichsam als [https://de.wikipedia.org/wiki/Entelechie Entelechien] autonom tätig sind, als sie Appetit (von frz. ''appétitions'', oft auch mit ''Begehrungen'' übersetzt)<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Monadologie#cite_note-4 [4]]</sup> auf und die Fähigkeit zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption Perzeption] aufweisen (Prinzip der Vielheit in der Einheit). Als „Perzeption“ versteht Leibniz den bloßen Vorgang der fortwährenden Wahrnehmung selbst. Perzeptionen seien prinzipiell nicht durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Mechanizismus bloß mechanische Gründe] erklärbar: Selbst wenn man eine Maschine bauen könnte, die zu Perzeptionen befähigt wäre und die man betreten könnte, würde man im Inneren nur sich stoßende Teile vorfinden, niemals aber eine Erklärung für eine Perzeption. Eine solche Maschine gleiche einer Mühle: „Dies vorausgesetzt, wird man bei Besichtigung des Innern nichts anderes finden, als etliche Triebwerke, deren eins das andere bewegt, aber gar nichts, was hinreichen würde, den Grund irgend einer Vorstellung zu ergeben.“<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Monadologie#cite_note-5 [5]]</sup></p><p>Jede Pflanze, jedes Mineral, ja jeglicher Materiepartikel (bis ins unendlich Kleinste, die Monade selbst) ist ein Körper mit (kontingent) dazugehöriger Monade mit je unterschiedlichen Graden unbewusster Vorstellungen (der Maßstab, nach dem alle Monaden voneinander verschieden sind); Monaden als Tierseelen haben Empfindung und Gedächtnis. Die menschliche Seele (Geist) ist ebenfalls eine Monade und unterscheidet sich nur insofern von den Tieren, als sie (qua [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_zureichenden_Grund Satz vom zureichenden Grund] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_Widerspruch Satz vom Widerspruch]) vernunftbegabt ist. Außerdem kommt zu den Perzeptionen und Appetitionen in der menschlichen Seele noch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Apperzeption Apperzeption] hinzu – Selbstwahrnehmung bzw. [https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstbewusstsein Selbstbewusstsein] – und Einsicht in die notwendigen und ewigen Wahrheiten, womit eine mögliche Vorstellung von Gott selbst verbunden ist (Leibniz verbindet hiermit auch eine Disposition der Menschen (bzw. Geister) zum sozialen Zusammenschluss in der moralischen Welt des Gottesstaates).</p><p>Jede Monade kreist in sich – nichts kommt aus ihr heraus und nichts in sie hinein: Sie „[…] haben keine Fenster, durch die irgend etwas ein- oder austreten könne“, weshalb sie auch keine Wirkung aufeinander ausüben können, wiewohl sie aber jede für sich „[…] ein immerwährender lebendiger Spiegel des Universums“ sind. Jede Monade drückt wie ein lebendiger Spiegel aus ihrer Perspektive die ganze Welt aus, je nach Seinsstufe. Allerdings perzipiert sie, bis auf Gott, der für vollständige Proportionalität gesorgt hat, das Universum nie vollständig in aller Deutlichkeit, da sie den ihr zugehörigen Körper stets deutlicher vorstellt als den Rest.</p><p>Der Zusammenhang der Monaden wird durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4stabilierte_Harmonie Prästabilierte Harmonie] gewährleistet, die dafür sorgt, dass Gott die Vollkommenheit der Monaden (gleichsam vom Anbeginn der Dinge an und für alle Zeiten) aufeinander abstimmt, und aus der sich ihre Wirkung aufeinander und deren Stärke ableitet: Je vollkommener ein Geschöpf ist, desto mehr Gründe gibt es aufgrund seiner Natur [https://de.wikipedia.org/wiki/A_priori a priori], dass es Wirkung auf ein anderes Geschöpf ausübt. Nach diesem Prinzip sind die Prozesse aller Monaden miteinander synchronisiert: Sie sind tätig, insofern sie deutliche Perzeptionen haben, und sie leiden, insofern sie verworrene Perzeptionen haben.</p><p>Nur Gott hat adäquate und vollsachliche monadologische Vorstellungen, da er, als höchste und absolut vollkommene Substanz („Ursprüngliche Einheit“ bzw. „Ursubstanz“), auch das Höchstmaß an [https://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t Realität] in sich hat, die durch nichts begrenzt wird. Gott ist auch die einzige Macht, die über das Sein der Monaden bestimmt: Da Monaden aufgrund ihrer Einfachheit nicht dem natürlichen Entstehen und Vergehen der aus Teilen zusammengesetzten Körper unterworfen sind, können sie nur durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6pfung Schöpfung] entstehen und nur durch Vernichtung vergehen.</p>
[[Datei:220px-Détail_Metsys_miroir_convexe.jpg|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:D%C3%A9tail_Metsys_miroir_convexe.jpg|mini|233x233px|[https://de.wikipedia.org/wiki/Quentin_Massys Quentin Massys](1466–1530): Le prêteur et sa femme (Ausschnitt)]]
Die Urmonade ist Gott; alle anderen Monaden sind ihre Erzeugnisse; sie können nur von Gott vernichtet oder erschaffen werden und nicht von selbst entstehen oder vergehen. Die Welt besteht aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Aggregat_(Philosophie) Aggregaten] von vielen Monaden, die alle voneinander verschieden und jedoch insofern gleichsam als [https://de.wikipedia.org/wiki/Entelechie Entelechien] autonom tätig sind, als sie Appetit (von frz. ''appétitions'', oft auch mit ''Begehrungen'' übersetzt)<ref><span class="reference-text">Franz-Peter Burkard, Franz Wiedmann: <cite>dtv-Atlas zur Philosophie: Tafeln und Texte</cite>. Dt. Taschenbuch-Verlag, 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783423032292 ISBN 978-3-423-03229-2], S.&nbsp;113.</span></ref> auf und die Fähigkeit zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Perzeption Perzeption] aufweisen (Prinzip der Vielheit in der Einheit). Als „Perzeption“ versteht Leibniz den bloßen Vorgang der fortwährenden Wahrnehmung selbst. Perzeptionen seien prinzipiell nicht durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Mechanizismus bloß mechanische Gründe] erklärbar: Selbst wenn man eine Maschine bauen könnte, die zu Perzeptionen befähigt wäre und die man betreten könnte, würde man im Inneren nur sich stoßende Teile vorfinden, niemals aber eine Erklärung für eine Perzeption. Eine solche Maschine gleiche einer Mühle: „Dies vorausgesetzt, wird man bei Besichtigung des Innern nichts anderes finden, als etliche Triebwerke, deren eins das andere bewegt, aber gar nichts, was hinreichen würde, den Grund irgend einer Vorstellung zu ergeben.“<ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_von_Zimmermann Robert von Zimmermann] (Kommentar und Übersetzung): ''Monadologie. Deutsch mit einer Abhandlung über Leibnitz' und Herbart's Theorien des wirklichen Geschehens.'' Braumüller & Seidel, Wien 1847, IX, § 17, S. 15; französisch: „Et cela posé, on ne trouvera, en le visitant au dedans que des pieces qui se poussent les unes les autres, et jamais de quoy expliquer une perception.“ In: [https://fr.wikisource.org/wiki/Monadologie_(%C3%89dition_Gerhardt,_1885) ''Monadologie (Édition Gerhardt, 1885)'', IX, § 17]</span></ref><p>Jede Pflanze, jedes Mineral, ja jeglicher Materiepartikel (bis ins unendlich Kleinste, die Monade selbst) ist ein Körper mit (kontingent) dazugehöriger Monade mit je unterschiedlichen Graden unbewusster Vorstellungen (der Maßstab, nach dem alle Monaden voneinander verschieden sind); Monaden als Tierseelen haben Empfindung und Gedächtnis. Die menschliche Seele (Geist) ist ebenfalls eine Monade und unterscheidet sich nur insofern von den Tieren, als sie (qua [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_zureichenden_Grund Satz vom zureichenden Grund] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_Widerspruch Satz vom Widerspruch]) vernunftbegabt ist. Außerdem kommt zu den Perzeptionen und Appetitionen in der menschlichen Seele noch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Apperzeption Apperzeption] hinzu – Selbstwahrnehmung bzw. [https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstbewusstsein Selbstbewusstsein] – und Einsicht in die notwendigen und ewigen Wahrheiten, womit eine mögliche Vorstellung von Gott selbst verbunden ist (Leibniz verbindet hiermit auch eine Disposition der Menschen (bzw. Geister) zum sozialen Zusammenschluss in der moralischen Welt des Gottesstaates).</p>
<p>Jede Monade kreist in sich – nichts kommt aus ihr heraus und nichts in sie hinein: Sie „[…] haben keine Fenster, durch die irgend etwas ein- oder austreten könne“, weshalb sie auch keine Wirkung aufeinander ausüben können, wiewohl sie aber jede für sich „[…] ein immerwährender lebendiger Spiegel des Universums“ sind. Jede Monade drückt wie ein lebendiger Spiegel aus ihrer Perspektive die ganze Welt aus, je nach Seinsstufe. Allerdings perzipiert sie, bis auf Gott, der für vollständige Proportionalität gesorgt hat, das Universum nie vollständig in aller Deutlichkeit, da sie den ihr zugehörigen Körper stets deutlicher vorstellt als den Rest.</p>
<p>Der Zusammenhang der Monaden wird durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4stabilierte_Harmonie Prästabilierte Harmonie] gewährleistet, die dafür sorgt, dass Gott die Vollkommenheit der Monaden (gleichsam vom Anbeginn der Dinge an und für alle Zeiten) aufeinander abstimmt, und aus der sich ihre Wirkung aufeinander und deren Stärke ableitet: Je vollkommener ein Geschöpf ist, desto mehr Gründe gibt es aufgrund seiner Natur [https://de.wikipedia.org/wiki/A_priori a priori], dass es Wirkung auf ein anderes Geschöpf ausübt. Nach diesem Prinzip sind die Prozesse aller Monaden miteinander synchronisiert: Sie sind tätig, insofern sie deutliche Perzeptionen haben, und sie leiden, insofern sie verworrene Perzeptionen haben.</p>
<p>Nur Gott hat adäquate und vollsachliche monadologische Vorstellungen, da er, als höchste und absolut vollkommene Substanz („Ursprüngliche Einheit“ bzw. „Ursubstanz“), auch das Höchstmaß an [https://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t Realität] in sich hat, die durch nichts begrenzt wird. Gott ist auch die einzige Macht, die über das Sein der Monaden bestimmt: Da Monaden aufgrund ihrer Einfachheit nicht dem natürlichen Entstehen und Vergehen der aus Teilen zusammengesetzten Körper unterworfen sind, können sie nur durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6pfung Schöpfung] entstehen und nur durch Vernichtung vergehen.</p>
 
== <span id="Ausgaben">Ausgaben</span> ==
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== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
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*Gottfried Wilhelm Leibniz: [http://www.gutenberg.org/ebooks/39441 ''Monadologie, übersetzt und eingeleitet von Robert Zimmermann, Wien 1847''] im [https://de.wikipedia.org/wiki/Project_Gutenberg Project Gutenberg]
*Gottfried Wilhelm Leibniz: [http://www.gutenberg.org/ebooks/39441 ''Monadologie, übersetzt und eingeleitet von Robert Zimmermann, Wien 1847''] im [https://de.wikipedia.org/wiki/Project_Gutenberg Project Gutenberg]
*Gottfried Wilhelm Leibniz: [https://www.projekt-gutenberg.org/leibniz/monaden/monaden.html ''Monadologie.''] Übersetzt von Heinrich Köhler. Frankfurt am Main, 1996.
*Gottfried Wilhelm Leibniz: [https://www.projekt-gutenberg.org/leibniz/monaden/monaden.html ''Monadologie.''] Übersetzt von Heinrich Köhler. Frankfurt am Main, 1996.
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== <span id="Einzelbelege">Einzelbelege</span> ==
== <span id="Einzelbelege">Einzelbelege</span> ==
 
[[Kategorie:Werk von Gottfried Wilhelm Leibniz]]
#<span class="reference-text">Vgl. P. Prechtl (Hrsg.): ''Philosophie''. Metzler kompakt, Stuttgart 2005, S. 121.</span>
#<span class="reference-text">Hubertus Busche: ''Einführung''. In: Hubertus Busche (Hrsg.): ''Gottfried Wilhelm Leibniz. Monadologie''. Akademie-Verlag, Berlin 2009, S. 1–35, hier: S. 3.</span>
#<span class="reference-text">Hubertus Busche: ''Einführung''. In: Hubertus Busche (Hrsg.): ''Gottfried Wilhelm Leibniz. Monadologie''. Akademie-Verlag, Berlin 2009, S. 1–35, hier: S. 3f.</span>
#<span class="reference-text">Franz-Peter Burkard, Franz Wiedmann: <cite>dtv-Atlas zur Philosophie: Tafeln und Texte</cite>. Dt. Taschenbuch-Verlag, 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783423032292 ISBN 978-3-423-03229-2], S.&nbsp;113.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_von_Zimmermann Robert von Zimmermann] (Kommentar und Übersetzung): ''Monadologie. Deutsch mit einer Abhandlung über Leibnitz' und Herbart's Theorien des wirklichen Geschehens.'' Braumüller & Seidel, Wien 1847, IX, § 17, S. 15; französisch: „Et cela posé, on ne trouvera, en le visitant au dedans que des pieces qui se poussent les unes les autres, et jamais de quoy expliquer une perception.“ In: [https://fr.wikisource.org/wiki/Monadologie_(%C3%89dition_Gerhardt,_1885) ''Monadologie (Édition Gerhardt, 1885)'', IX, § 17]</span>

Aktuelle Version vom 17. August 2025, 10:42 Uhr

Monad‎-o--logie agr.-frz.-deu. Wrtdtng: 'Einungslehre, Einungslogik'

Die Monadologie (von griechisch μονάς monás „Eins“, „Einheit“) ist die von Gottfried Wilhelm Leibniz begründete Monadenlehre und Titel des Werkes von 1714, in dem er diese in 90 Paragraphen darlegt. Die dort erläuterte Monadologie ist die Lehre von den Monaden oder einfachen Substanzen bzw. letzten Elementen der Wirklichkeit und ist das zur Lösung metaphysischer Probleme dienende Kernstück der Philosophie Leibniz’.[1]

Manuskriptseite der Monadologie

Dabei ist zu bemerken, dass das Werk keine umfassende Darstellung von Leibniz’ philosophischem System als solchem bietet und als solches auch von ihm nicht zur Veröffentlichung vorgesehen worden war.[2] Vielmehr verfasste Leibniz den Text mit dem Ziel, die metaphysische Komponente seines philosophischen Systems dem Gelehrtenkreis um den französischen Platoniker Nicolas François Rémond darzulegen. Den Text ließ Leibniz Rémond im Juli 1714 unter dem Titel Eclaircissement sur les Monades zukommen. Der deutsche Titel Monadologie wurde von Heinrich Köhler in seiner ersten Übersetzung ins Deutsche aus dem Jahre 1720 gewählt.[3]

Monadologie

Quelle: Monadologie

s.a. Monade (Philosophie)

Leibniz entwickelt seine Metaphysik in kritischer Auseinandersetzung mit sehr unterschiedlichen philosophischen Schulen seiner Zeit – etwa der platonischen und aristotelisch-scholastischen Tradition und der dualistischen Substanzmetaphysik Descartes’. Wichtig ist zudem das mechanistische Weltbild vieler Philosophen seiner Zeit: Diesem zufolge lassen sich alle sinnlichen Eigenschaften der Dinge (Farben, Töne etc.) und alle Naturerscheinungen auf geometrische Modifikationen (unterschiedliche Größe, Gestalt, Bewegung) einer in sich homogenen Materie zurückführen. Leibniz tritt zwar einerseits zeitlebens für eine mechanistische Erklärung der Naturerscheinungen ein. Andererseits macht er dem mechanistischen Standpunkt den Vorwurf, nicht die Bereitschaft aufzubringen, über die bloß mechanistische Erklärung bis zu den höchsten Gründen der Natur vorzudringen. Deswegen nennt er sie eine „faule“ und „oberflächliche Philosophie“.[4] Eine Letztbegründung der mechanischen Körperwelt sei nur möglich, wenn man sie selbst auf ein noch grundlegenderes metaphysisches Prinzip zurückführe, das geistiger Natur sein müsse. In immer wieder neuen Anläufen versucht er, eine Metaphysik zu entwickeln, die diesen Ansprüchen genügt.[5]

Den bekanntesten Ansatz dazu stellt der zentrale Begriff der Monade dar, den Leibniz ab Mitte der 1690er Jahre verwendet.[6] Er übernimmt diesen Begriff – der wörtlich „Einheit“ bedeutet – aus der neuplatonischen Tradition. Bei Leibniz sind Monaden einfache, nicht ausgedehnte und daher unteilbare und ewige Substanzen, die äußeren mechanischen Einwirkungen unzugänglich sind. Er bezeichnet sie als „die eigentlichen Atome der Natur“,[7] die jede für sich einen „lebendigen Spiegel“ des gesamten Universums darstellten. Als solche vereinen sie die Vielheit aller möglichen „Wahrnehmungen“ der Welt (perceptiones) in einer Einheit. Da aber nichts auf sie einwirken kann, bringen sie diese Perzeptionen, einem inneren Ordnungsgesetz folgend, durch eine ihnen inhärente, metaphysische Kraft aus sich selbst hervor. Leibniz nennt diese Kraft wörtlich das „Begehren“ (appetition) der Monaden. Da sich in jedem Stück Materie solche Monaden fänden, die „etwas der [menschlichen] Seele Analoges an sich“[8] hätten, gebe es demnach nichts im eigentlichen Sinne Unbelebtes im Universum.[9] Leibniz vertritt damit eine panpsychistische Weltanschauung.

Eine jede Monade bildet stets das gesamte Universum ab – allerdings in unterschiedlichen Deutlichkeitsgraden, die ihre individuelle Perspektive ausmachen. Insofern sie alle dasselbe Universum wahrnehmen, sind ihre inneren Aktivitäten vollkommen miteinander koordiniert, obwohl die Monaden ja in sich abgeschlossen sind und keinerlei direkten Kontakt zur Außenwelt haben. Diese Koordination ist aus Leibniz’ Sicht möglich, weil Gott mit der Schöpfung eine jede Monade so gestaltet habe, dass die Wahrnehmungen des Universums, die sie aus sich selbst hervorbringe, denen der anderen Monaden stets entsprechen. Leibniz nennt dieses System eine „prästabilierte Harmonie“. Sie ist zugleich sein Lösungsvorschlag für das Problem der Wechselwirkung von Seele und Materie, wie es sich aus dem System René Descartes’ ergibt.

Die Monaden sind bei Leibniz das ontologische Fundament der Körperwelt und insofern – nach Gott – das zentrale metaphysische Prinzip. Ob und in welchem Sinne Leibniz auch der Körperwelt Realität zugesteht und wie genau ihr Verhältnis zu den Monaden aussieht, konnte in der Leibniz-Forschung nicht abschließend geklärt werden.[10]

Zeit und Raum

Entgegen Newtons absoluter Zeit- und Raumauffassung, die diese Existenzformen der Materie mit einem leeren Gefäß vergleichen, vertritt Leibniz eine Konzeption, in der Raum und Zeit Ordnungsbeziehungen in der materiellen Welt sind. Der Raum ist die Ordnung der zur gleichen Zeit existierenden Dinge, die Zeit die Ordnung ihrer kontinuierlichen Veränderungen.[11]

Inhalt

Quentin Massys(1466–1530): Le prêteur et sa femme (Ausschnitt)

Die Urmonade ist Gott; alle anderen Monaden sind ihre Erzeugnisse; sie können nur von Gott vernichtet oder erschaffen werden und nicht von selbst entstehen oder vergehen. Die Welt besteht aus Aggregaten von vielen Monaden, die alle voneinander verschieden und jedoch insofern gleichsam als Entelechien autonom tätig sind, als sie Appetit (von frz. appétitions, oft auch mit Begehrungen übersetzt)[12] auf und die Fähigkeit zur Perzeption aufweisen (Prinzip der Vielheit in der Einheit). Als „Perzeption“ versteht Leibniz den bloßen Vorgang der fortwährenden Wahrnehmung selbst. Perzeptionen seien prinzipiell nicht durch bloß mechanische Gründe erklärbar: Selbst wenn man eine Maschine bauen könnte, die zu Perzeptionen befähigt wäre und die man betreten könnte, würde man im Inneren nur sich stoßende Teile vorfinden, niemals aber eine Erklärung für eine Perzeption. Eine solche Maschine gleiche einer Mühle: „Dies vorausgesetzt, wird man bei Besichtigung des Innern nichts anderes finden, als etliche Triebwerke, deren eins das andere bewegt, aber gar nichts, was hinreichen würde, den Grund irgend einer Vorstellung zu ergeben.“[13]

Jede Pflanze, jedes Mineral, ja jeglicher Materiepartikel (bis ins unendlich Kleinste, die Monade selbst) ist ein Körper mit (kontingent) dazugehöriger Monade mit je unterschiedlichen Graden unbewusster Vorstellungen (der Maßstab, nach dem alle Monaden voneinander verschieden sind); Monaden als Tierseelen haben Empfindung und Gedächtnis. Die menschliche Seele (Geist) ist ebenfalls eine Monade und unterscheidet sich nur insofern von den Tieren, als sie (qua Satz vom zureichenden Grund und Satz vom Widerspruch) vernunftbegabt ist. Außerdem kommt zu den Perzeptionen und Appetitionen in der menschlichen Seele noch die Apperzeption hinzu – Selbstwahrnehmung bzw. Selbstbewusstsein – und Einsicht in die notwendigen und ewigen Wahrheiten, womit eine mögliche Vorstellung von Gott selbst verbunden ist (Leibniz verbindet hiermit auch eine Disposition der Menschen (bzw. Geister) zum sozialen Zusammenschluss in der moralischen Welt des Gottesstaates).

Jede Monade kreist in sich – nichts kommt aus ihr heraus und nichts in sie hinein: Sie „[…] haben keine Fenster, durch die irgend etwas ein- oder austreten könne“, weshalb sie auch keine Wirkung aufeinander ausüben können, wiewohl sie aber jede für sich „[…] ein immerwährender lebendiger Spiegel des Universums“ sind. Jede Monade drückt wie ein lebendiger Spiegel aus ihrer Perspektive die ganze Welt aus, je nach Seinsstufe. Allerdings perzipiert sie, bis auf Gott, der für vollständige Proportionalität gesorgt hat, das Universum nie vollständig in aller Deutlichkeit, da sie den ihr zugehörigen Körper stets deutlicher vorstellt als den Rest.

Der Zusammenhang der Monaden wird durch die Prästabilierte Harmonie gewährleistet, die dafür sorgt, dass Gott die Vollkommenheit der Monaden (gleichsam vom Anbeginn der Dinge an und für alle Zeiten) aufeinander abstimmt, und aus der sich ihre Wirkung aufeinander und deren Stärke ableitet: Je vollkommener ein Geschöpf ist, desto mehr Gründe gibt es aufgrund seiner Natur a priori, dass es Wirkung auf ein anderes Geschöpf ausübt. Nach diesem Prinzip sind die Prozesse aller Monaden miteinander synchronisiert: Sie sind tätig, insofern sie deutliche Perzeptionen haben, und sie leiden, insofern sie verworrene Perzeptionen haben.

Nur Gott hat adäquate und vollsachliche monadologische Vorstellungen, da er, als höchste und absolut vollkommene Substanz („Ursprüngliche Einheit“ bzw. „Ursubstanz“), auch das Höchstmaß an Realität in sich hat, die durch nichts begrenzt wird. Gott ist auch die einzige Macht, die über das Sein der Monaden bestimmt: Da Monaden aufgrund ihrer Einfachheit nicht dem natürlichen Entstehen und Vergehen der aus Teilen zusammengesetzten Körper unterworfen sind, können sie nur durch Schöpfung entstehen und nur durch Vernichtung vergehen.

Ausgaben

  • Gottfried Wilhelm Leibniz: Lehr-Sätze über die Monadologie, ingleichen von Gott und seiner Existentz, seinen Eigenschafften und von der Seele des Menschen etc. wie auch Dessen letzte Vertheidigung seines Systematis Harmoniae praestabilitae wider die Einwürffe des Herrn Bayle. Aus dem Französischen übersetzt von Heinrich Köhler. Meyers sel. Witwe Buchhandlung in Jena, Frankfurt und Leipzig 1720.
  • G. W. Leibniz: Monadologie (Französisch/Deutsch). Übersetzt und herausgegeben von Hartmut Hecht, Reclam, Stuttgart 1998, ISBN 3-15-007853-9.
  • Nicholas Rescher: G. W. Leibniz's Monadology. An Edition for Students. Pittsburgh 1991, ISBN 0-8229-5449-4 (Französischer Text, englische Übersetzung, Parallelstellen in anderen Werken und Kommentar).

Literatur

  • William E. Abraham: Monads and the Empirical World. In: Studia Leibnitiana Supplementa, Nr. 21, 1980, S. 183–99.
  • Johannes Bronisch: Der Mäzen der Aufklärung. Ernst Christoph von Manteuffel und das Netzwerk des Wolffianismus. De Gruyter, Berlin, New York 2010 (Frühe Neuzeit 147) (darin besonders S. 232–305: Der Wolffianismus und Manteuffel im Monadenstreit 1746–1748).
  • John Earman: Perceptions and Relations in the Monadology. In: Studia Leibnitiana. Nr. 9, 1977, S. 212–30.
  • Montgomery Furth: Monadology. In: Philosophical Review. Nr. 76, 1967, S. 169–200; Wiederabdruck in H. G. Frankfurt (Hrsg.): Leibniz. A Collection of Critical Essays. University of Notre Dame Press, Notre Dame 1976.
  • Jürgen Mittelstraß: Monade und Begriff. In: Studia Leibnitiana. Nr. 2, 1970, S. 171–200.
  • Fabrizio Monadori: Solipsistic Perception in a World of Monads. In: M. Hooker (Hrsg.): Leibniz. Critical and Interpretive Essays, Minneapolis 1982, S. 21–44.
  • Gottfried Wilhelm Leibniz. Monadologie. In: Hubertus Busche (Hrsg.): Klassiker auslegen. Band 34. Akademie Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-05-004336-4 (Enthält Arbeiten in deutscher und englischer Sprache).
Wikisource: Monadologie – Quellen und Volltexte (französisch)
Wikisource: Monadology (Leibniz, tr. Latta) – Quellen und Volltexte (englisch)
Commons: Monadologie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Monadologie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelbelege

  1. ↑ Vgl. P. Prechtl (Hrsg.): Philosophie. Metzler kompakt, Stuttgart 2005, S. 121.
  2. ↑ Hubertus Busche: Einführung. In: Hubertus Busche (Hrsg.): Gottfried Wilhelm Leibniz. Monadologie. Akademie-Verlag, Berlin 2009, S. 1–35, hier: S. 3.
  3. ↑ Hubertus Busche: Einführung. In: Hubertus Busche (Hrsg.): Gottfried Wilhelm Leibniz. Monadologie. Akademie-Verlag, Berlin 2009, S. 1–35, hier: S. 3f.
  4. ↑ „philosophie paresseuse“ / „philosophie superficielle“ – Gottfried Wilhelm Leibniz: Brief an Samuel Clarke vom 8.8.1716, §§ 24, 26. Zitiert nach Gerhardt VII, S. 394 f.
  5. ↑ Antognazza: Very Short Introduction, S. 74–85
  6. ↑ Zur Entwicklung vgl. Garber: Body, Substance, Monad.
  7. ↑ „les veritables atomes de la Nature “ – Monadologie (1714) 3, G VI, 607.
  8. ↑ „anima[e] aliquid analogum habet“ – Brief an Rabener, 31. Januar 1698, Akademie-Ausgabe I.15, S. 260; zu ähnlichen Textstellen vgl. auch Garber, Body, Substance, Monad, 338; zur systematischen Einordnung auch Poser: Zur Einführung,S. 128 f
  9. ↑ Vgl. Poser: Zur Einführung, S. 127–132.
  10. ↑ Verschiedene Forschungsansätze sind zusammengefasst bei Garber: Body, Substance, Monad, S. 382–388.
  11. ↑ Vgl. Poser: Zur Einführung, S. 83–89.
  12. ↑ Franz-Peter Burkard, Franz Wiedmann: dtv-Atlas zur Philosophie: Tafeln und Texte. Dt. Taschenbuch-Verlag, 1991, ISBN 978-3-423-03229-2, S. 113.
  13. ↑ Robert von Zimmermann (Kommentar und Übersetzung): Monadologie. Deutsch mit einer Abhandlung über Leibnitz' und Herbart's Theorien des wirklichen Geschehens. Braumüller & Seidel, Wien 1847, IX, § 17, S. 15; französisch: „Et cela posé, on ne trouvera, en le visitant au dedans que des pieces qui se poussent les unes les autres, et jamais de quoy expliquer une perception.“ In: Monadologie (Édition Gerhardt, 1885), IX, § 17