„Homomorphismus“ – Versionsunterschied
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Als '''Homomorphismus''' (von | Als '''Homomorphismus''' (von {{grcS|ὁμός|homós}} „gleich“ und {{lang|grc|μορφή|morphé}} „Form, Gestalt“; nicht zu verwechseln mit [[Homöomorphismus]]) werden in der [[Mathematik]] [[Abbildung (Mathematik)|Abbildungen]] bezeichnet, die eine (oft algebraische) [[mathematische Struktur]] erhalten bzw. damit [[Verträglichkeit (Mathematik)|verträglich]] (strukturtreu) sind. Ein Homomorphismus bildet die Elemente aus der einen [[Menge (Mathematik)|Menge]] so in die andere Menge ab, dass sich ihre Bilder dort hinsichtlich der Struktur ebenso wie deren [[Urbild (Mathematik)|Urbilder]] in der Struktur der Ausgangsmenge verhalten. | ||
== | |||
</ | == Homomorphismen algebraischer Strukturen == | ||
=== Definition === | |||
Es seien <math>\boldsymbol A = (A,(f_i)_{i \in I})</math> und <math>\boldsymbol B = (B,(g_i)_{i \in I})</math> zwei [[algebraische Struktur]]en vom gleichen Typ <math>\sigma = (m_i)_{i \in I},</math> so dass für jedes <math>i</math> die Zahl <math>m_i \in \N_0</math> die (übereinstimmende) [[Stelligkeit]] der fundamentalen [[Verknüpfung (Mathematik)|Operationen]] <math>f_i</math> und <math>g_i</math> bezeichnet.<ref>Jede <math>m</math>-stellige Operation ist eine spezielle <math>m+1</math>-stellige homogene [[Relation (Mathematik)#Eigenschaften zweistelliger Relationen|Relation]] (Funktion).</ref> Eine Abbildung <math>\varphi\colon A \to B</math> heißt ''Homomorphismus'' von <math>\boldsymbol A</math> nach <math>\boldsymbol B,</math> wenn für jedes <math>i</math> und für alle <math>a_1,\ldots,a_{m_i} \in A</math> gilt:<ref>Diese Definition ist mit der unten gegebenen verträglich, wenn man von einer Funktion <math>f_i</math> zur Relation <math>R_i</math>, die durch den [[Funktionsgraph]] gegeben ist, übergeht, denn dann gilt | |||
: <math>f_i(a_1,\ldots,a_{m_i}) = a \Leftrightarrow (a_1,\ldots,a_{m_i},a) \in R_i</math>, | |||
und genauso für <math>(B,(g_i))</math>.</ref> | |||
***[ | : <math>\varphi(f_i(a_1,\ldots,a_{m_i})) = g_i(\varphi(a_1),\ldots,\varphi(a_{m_i}))</math>. | ||
=== Beispiele === | |||
Klassisches Beispiel von Homomorphismen sind Homomorphismen zwischen [[Gruppe (Mathematik)|Gruppen]]. Gegeben seien zwei Gruppen <math>(G, *)</math> und <math>(H, \star).</math> Eine Funktion | |||
:<math>\phi\colon G \to H</math> | |||
heißt Gruppenhomomorphismus, wenn für alle Elemente <math>g_1, g_2 \in G</math> gilt: | |||
: <math>\phi(g_1 * g_2) = \phi(g_1) \star \phi(g_2).</math> | |||
Aus dieser Bedingung folgt unmittelbar, dass | |||
:<math>\phi(e_G)=e_H</math> | |||
*[ | für die [[Neutrales Element|neutralen Elemente]] <math>e_G\in G, e_H\in H</math> und dann | ||
*[ | :<math>\phi(g^{-1})=\phi(g)^{-1}</math> | ||
für alle <math>g\in G</math> gelten muss sowie, mittels [[Vollständige Induktion|vollständiger Induktion]], dass | |||
:<math>\phi(g_1*\ldots *g_n)=\phi(g_1)\star\ldots \star\phi(g_n)</math> | |||
für eine beliebige endliche Anzahl von Faktoren gilt. | |||
An diesem Beispiel orientieren sich die Definitionen der Homomorphismen verschiedener algebraischer Strukturen: | |||
* [[Gruppenhomomorphismus]] | |||
* [[Ringhomomorphismus]] | |||
* [[Körperhomomorphismus]] | |||
* Vektorraumhomomorphismus ([[Lineare Abbildung]]) | |||
* Auswertungshomomorphismus der [[Termalgebra]] | |||
* [[Modulhomomorphismus]] | |||
* [[Algebra (Struktur)#Algebrenhomomorphismen|Algebrenhomomorphismus]] | |||
* [[Lie-Algebren-Homomorphismus]] | |||
=== Eigenschaften === | |||
Wir formulieren im Folgenden einige grundlegende Eigenschaften von Homomorphismen von Gruppen, die analog auch für die Homomorphismen der anderen algebraischen Strukturen gelten. | |||
==== Komposition von Homomorphismen ==== | |||
Wenn <math>\phi\colon G\to H</math> und <math>\psi\colon H\to J</math> Homomorphismen sind, dann ist auch die durch | |||
:<math>(\psi\circ\phi)(g):=\psi(\phi(g))</math> für alle <math>g\in G</math> | |||
definierte Abbildung <math>\psi\circ\phi\colon G\to J</math> ein Homomorphismus. | |||
==== Untergruppen, Bild, Urbild, Kern ==== | |||
Wenn <math>\phi\colon G\to H</math> ein Homomorphismus ist, dann ist für jede [[Untergruppe]] <math>U\subseteq G</math> auch | |||
:<math>\phi(U):=\left\{\phi(g) \mid g\in U\right\},</math> | |||
genannt das [[Bild (Mathematik)|''Bild'']] von <math>U</math> unter <math>\phi</math>, eine Untergruppe von <math>H</math>. Speziell wird die Untergruppe | |||
:<math>\operatorname{Bild}(\phi):=\phi(G)\subseteq H</math> | |||
als ''Bild'' von <math>\phi</math> bezeichnet. Weiterhin ist für jede Untergruppe <math>V\subseteq H</math> auch | |||
:<math>\phi^{-1}[V]:=\phi^{-1}(V):=\left\{g\in G \mid \phi(g)\in V\right\},</math> | |||
genannt das [[Urbild (Mathematik)|''Urbild'']] von <math>V</math> unter <math>\phi</math>, eine Untergruppe von <math>G</math>. Das Urbild der trivialen Gruppe, d. i. die Untergruppe | |||
:<math>\operatorname{Kern}(\phi):=\phi^{-1}(e_H) := \phi^{-1}[\{e_H\}]\subseteq G,</math> | |||
wird als ''[[Kern (Algebra)|Kern]]'' von <math>\phi</math> bezeichnet. Sie ist sogar ein [[Normalteiler]]. | |||
==== Isomorphismen ==== | |||
Falls <math>\phi\colon G\to H</math> ein [[bijektiv]]er Homomorphismus ist, dann ist auch <math>\phi^{-1}\colon H\to G</math> ein Homomorphismus. Man sagt in diesem Fall, dass <math>\phi</math> und <math>\phi^{-1}</math> Isomorphismen sind.<ref>Die Urbildfunktion <math>\phi^{-1}</math>, die auf Mengen operiert, und die inverse Abbildung <math>\phi^{-1}</math>, die auf Elementen operiert, sind streng genommen 2 verschiedene Funktionen. Sind Missverständnisse zu befürchten, dann setzt man im ersteren Fall die Mengen in eckige Klammern <math>[\;]</math>.</ref> | |||
==== [[Homomorphiesatz]] ==== | |||
Wenn <math>\phi\colon G\to H</math> ein Homomorphismus ist, dann induziert <math>\phi</math> einen Isomorphismus | |||
:<math>G/\operatorname{Kern}(\phi)\cong \operatorname{Bild}(\phi)</math> | |||
der [[Quotientengruppe]] <math>G / \operatorname{Kern}(\phi)</math> | |||
auf <math>\operatorname{Bild}(\phi)</math>. | |||
== Homomorphismen relationaler Strukturen == | |||
Auch außerhalb der Algebra werden strukturerhaltende Abbildungen oft als Homomorphismen bezeichnet. Die meisten dieser Verwendungen des Begriffs Homomorphismus, einschließlich der oben aufgeführten algebraischen Strukturen, lassen sich unter der folgenden Definition subsumieren.<ref>Eine allgemeine Definition wurde im klassischen Lehrbuch [[Moderne Algebra]] angegeben: {{"|Wenn in zwei Mengen <math>\mathfrak M</math> und <math>\mathfrak N</math> gewisse Relationen (wie <math>a < b</math> oder <math>ab = c</math>) definiert sind und wenn jedem Element <math>a</math> von <math>\mathfrak M</math> ein Bildelement <math>\bar a = \varphi a</math> so zugeordnet ist, daß alle Relationen zwischen Elementen von <math>\mathfrak M</math> auch für die Bildelemente gelten (so daß z. B. aus <math>a < b</math> folgt <math>\bar a < \bar b,</math> wenn es sich um die Relation <math><</math> handelt), so heißt <math>\varphi</math> eine ''homomorphe Abbildung'' oder ein ''Homomorphismus'' von <math>\mathfrak M</math> in <math>\mathfrak N.</math> |Quelle=B. L. van der Waerden: ''Algebra.'' (= ''Heidelberger Taschenbücher.'' Band 12). Teil I, Siebte Auflage. Springer-Verlag, Berlin / New York 1966 (Einleitung zu Paragraph 10}})</ref> | |||
=== Definition === | |||
Es seien <math>\boldsymbol A = (A,(R_i))</math> und <math>\boldsymbol B = (B,(S_i))</math> zwei [[relationale Struktur]]en vom gleichen Typ <math>(n_i),</math> sodass <math>n_i \in \N</math> für jedes <math>i</math> die [[Relation (Mathematik)|Stelligkeit der Relationen]] <math>R_i</math> und <math>S_i</math> bezeichnet. Eine [[Funktion (Mathematik)|Abbildung]] <math>\varphi\colon A \to B</math> heißt dann eine ''homomorphe Abbildung'', eine ''Homomorphie'' oder ein ''Homomorphismus'' von <math>\boldsymbol A</math> nach <math>\boldsymbol B,</math> wenn sie für jedes <math>i</math> und für alle <math>a_1,\ldots,a_{n_i} \in A</math> die folgende ''Verträglichkeitseigenschaft'' besitzt:<ref>Manche Autoren ([[Wilhelm Klingenberg (Mathematiker)|Wilhelm Klingenberg]]: ''Lineare Algebra und Geometrie.'' Springer, Berlin / Heidelberg 1984, ISBN 3-540-13427-1, S. 7.; Garrett Birkhoff: ''Lattice Theory.'' 1973, S. 134.) nennen einen Homomorphismus auch nur kurz „Morphismus“, während andere (Fritz Reinhardt, Heinrich Sonder: ''dtv-Atlas Mathematik.'' Band 1: ''Grundlagen, Algebra und Geometrie.'' 9. Auflage. Deutscher Taschenbuchverlag, München 1991, ISBN 3-423-03007-0, S. 36–37.) jede strukturverträgliche Abbildung „Morphismus“ nennen und nur einen Homomorphismus von algebraischen Strukturen als „Homomorphismus“ bezeichnen.</ref> | |||
: <math>(a_1,\ldots,a_{n_i}) \in R_i \Rightarrow (\varphi(a_1),\ldots,\varphi(a_{n_i})) \in S_i.</math> | |||
Schreibweise: | |||
:<math>\varphi\colon \boldsymbol A \to \boldsymbol B.</math> | |||
Da jede Funktion <math>f\colon A^n\to A</math> als Relation <math>f\subset A^{n+1}</math> beschrieben werden kann, lässt sich jede algebraische Struktur als relationale Struktur auffassen und die spezielle algebraische Definition ist somit in dieser Definition enthalten. | |||
Hat man in obiger Definition bei einem injektiven Homomorphismus sogar die Äquivalenz | |||
: <math>(a_1,\ldots,a_{n_i}) \in R_i \Leftrightarrow (\varphi(a_1),\ldots,\varphi(a_{n_i})) \in S_i</math>, | |||
so spricht man von einem ''starken Homomorphismus''.<ref>Philipp Rothmaler: ''Einführung in die Modelltheorie.'' Spektrum Akademischer Verlag 1995, ISBN 3-86025-461-8, Abschnitt 1.3 ''Homomorphismen.'' S. 20.</ref> | |||
=== Beispiele === | |||
* Homomorphismen algebraischer Strukturen (diese sind auch stets starke Homomorphismen) | |||
* [[Ordnungshomomorphismus]] | |||
* [[Graph (Graphentheorie)#Abbildungen zwischen Graphen|Graphenhomomorphismus]] | |||
* Homomorphismen in der [[Inzidenzgeometrie]], zum Beispiel Homomorphismus projektiver Räume | |||
* Homomorphismus zwischen [[Modelltheorie#Grundbegriffe der Modelltheorie|Modellen]]<ref>Heinz-Dieter Ebbinghaus, Jörg Flum, Wolfgang Thomas: ''Einführung in die mathematische Logik.'' 3., vollst. überarb. u. erw. Auflage. Bibliographisches Institut, Mannheim 1992, ISBN 3-411-15603-1, S. 225.</ref> | |||
== Verallgemeinerungen == | |||
Auch Abbildungen, die verträglich sind mit Strukturen, die unendlichstellige Operationen besitzen, werden Homomorphismus genannt: | |||
* ein [[Verband (Mathematik)#Homomorphismen|vollständiger Verbandshomomorphismus]] ist verträglich mit beliebigen (auch unendlichen) Vereinigungen und Durchschnitten | |||
In einigen Teilgebieten der Mathematik beinhaltet der Begriff des Homomorphismus, dass die Verträglichkeit noch weitere Zusatzstrukturen umfasst: | |||
* ein [[Topologische Gruppe#Eigenschaften|Homomorphismus topologischer Gruppen]] ist ein [[Stetige Funktion|stetiger]] [[Gruppenhomomorphismus]] | |||
* ein [[Lie-Gruppen-Homomorphismus]] ist ein [[Glatte Funktion|glatter]] Gruppenhomomorphismus zwischen [[Lie-Gruppe]]n<ref>Jeder stetige Gruppenhomomorphismus zwischen Lie-Gruppen ist glatt.</ref> | |||
Der Begriff erfährt auch eine Verallgemeinerung für heterogene Algebren, siehe [[Heterogene Algebra#Homomorphismen|Heterogene Algebra: Homomorphismen]]. | |||
== Siehe auch == | |||
* [[Morphismus (Kategorientheorie)|Morphismus]] ([[Kategorientheorie]]) | |||
* [[Verträglichkeit (Mathematik)]] | |||
* [[Epimorphismus]] | |||
* [[Monomorphismus]] | |||
* [[Isomorphismus]] | |||
* [[Einbettung (Mathematik)|Einbettung]] | |||
* [[Endomorphismus]] | |||
* [[Automorphismus]] | |||
* [[Subquotient]] | |||
== Literatur == | |||
* Serge Lang: ''Algebra.'' (= ''Graduate Texts in Mathematics.'' 211). 3., überarb. Auflage. Springer-Verlag, New York 2002, ISBN 0-387-95385-X. | |||
* Nathan Jacobson: ''Basic algebra. I.'' 2. Auflage. W. H. Freeman and Company, New York 1985, ISBN 0-7167-1480-9. | |||
* Thomas W. Hungerford: ''Algebra.'' (= ''Graduate Texts in Mathematics.'' 73). Springer-Verlag, New York / Berlin 1980, ISBN 0-387-90518-9. (Nachdruck der Ausgabe 1974) | |||
* {{Literatur | |||
|Autor=[[Garrett Birkhoff]] | |||
|Titel=Lattice Theory | |||
|Auflage=3. | |||
|Verlag=AMS | |||
|Ort=Providence (RI) | |||
|Datum=1973 | |||
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|Seiten=134–136}} | |||
* {{Literatur | |||
|Autor=Marcel Erné | |||
|Titel=Einführung in die Ordnungstheorie | |||
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* {{Literatur | |||
|Autor=[[Helmuth Gericke]] | |||
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* {{Literatur | |||
|Autor=George Grätzer | |||
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* {{Literatur | |||
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|Titel=Relationen und Graphen | |||
|Verlag=Springer | |||
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|Datum=1989 | |||
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|Seiten=144–153}} | |||
* {{Literatur | |||
|Autor=[[Bartel Leendert van der Waerden]] | |||
|Titel=Algebra I | |||
|Reihe=Heidelberger Taschenbücher | |||
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|Band=Band 1: ''[[Moderne Algebra]]'' | |||
|Auflage=8 | |||
|Verlag=Springer | |||
|Ort=Berlin / Göttingen / Heidelberg / New York | |||
|Datum=1971 | |||
|ISBN=3-540-03561-3 | |||
|Seiten=27–30}} | |||
* {{Literatur | |||
|Autor=Heinrich Werner | |||
|Titel=Einführung in die allgemeine Algebra | |||
|Verlag=Bibliographisches Institut | |||
|Ort=Mannheim | |||
|Datum=1978 | |||
|ISBN=3-411-00120-8 | |||
|Seiten=48, 19}} | |||
== Weblinks == | |||
{{Wiktionary}} | |||
== Einzelnachweise und Anmerkungen == | |||
<references /> | |||
{{Normdaten|TYP=s|GND=4160602-4}} | |||
[[Kategorie:Algebra]] | |||
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]] | |||
[[Kategorie:Homomorphismus]] | |||
Aktuelle Version vom 29. Juli 2026, 16:23 Uhr
homo-Morphismus agr.-lat.-deu.
Als Homomorphismus (von altgriechisch ὁμός homós „gleich“ und μορφή morphé „Form, Gestalt“; nicht zu verwechseln mit Homöomorphismus) werden in der Mathematik Abbildungen bezeichnet, die eine (oft algebraische) mathematische Struktur erhalten bzw. damit verträglich (strukturtreu) sind. Ein Homomorphismus bildet die Elemente aus der einen Menge so in die andere Menge ab, dass sich ihre Bilder dort hinsichtlich der Struktur ebenso wie deren Urbilder in der Struktur der Ausgangsmenge verhalten.
Homomorphismen algebraischer Strukturen
Definition
Es seien und zwei algebraische Strukturen vom gleichen Typ so dass für jedes die Zahl die (übereinstimmende) Stelligkeit der fundamentalen Operationen und bezeichnet.[1] Eine Abbildung heißt Homomorphismus von nach wenn für jedes und für alle gilt:[2]
- .
Beispiele
Klassisches Beispiel von Homomorphismen sind Homomorphismen zwischen Gruppen. Gegeben seien zwei Gruppen und Eine Funktion
heißt Gruppenhomomorphismus, wenn für alle Elemente gilt:
Aus dieser Bedingung folgt unmittelbar, dass
für die neutralen Elemente und dann
für alle gelten muss sowie, mittels vollständiger Induktion, dass
für eine beliebige endliche Anzahl von Faktoren gilt.
An diesem Beispiel orientieren sich die Definitionen der Homomorphismen verschiedener algebraischer Strukturen:
- Gruppenhomomorphismus
- Ringhomomorphismus
- Körperhomomorphismus
- Vektorraumhomomorphismus (Lineare Abbildung)
- Auswertungshomomorphismus der Termalgebra
- Modulhomomorphismus
- Algebrenhomomorphismus
- Lie-Algebren-Homomorphismus
Eigenschaften
Wir formulieren im Folgenden einige grundlegende Eigenschaften von Homomorphismen von Gruppen, die analog auch für die Homomorphismen der anderen algebraischen Strukturen gelten.
Komposition von Homomorphismen
Wenn und Homomorphismen sind, dann ist auch die durch
- für alle
definierte Abbildung ein Homomorphismus.
Untergruppen, Bild, Urbild, Kern
Wenn ein Homomorphismus ist, dann ist für jede Untergruppe auch
genannt das Bild von unter , eine Untergruppe von . Speziell wird die Untergruppe
als Bild von bezeichnet. Weiterhin ist für jede Untergruppe auch
genannt das Urbild von unter , eine Untergruppe von . Das Urbild der trivialen Gruppe, d. i. die Untergruppe
wird als Kern von bezeichnet. Sie ist sogar ein Normalteiler.
Isomorphismen
Falls ein bijektiver Homomorphismus ist, dann ist auch ein Homomorphismus. Man sagt in diesem Fall, dass und Isomorphismen sind.[3]
Wenn ein Homomorphismus ist, dann induziert einen Isomorphismus
der Quotientengruppe auf .
Homomorphismen relationaler Strukturen
Auch außerhalb der Algebra werden strukturerhaltende Abbildungen oft als Homomorphismen bezeichnet. Die meisten dieser Verwendungen des Begriffs Homomorphismus, einschließlich der oben aufgeführten algebraischen Strukturen, lassen sich unter der folgenden Definition subsumieren.[4]
Definition
Es seien und zwei relationale Strukturen vom gleichen Typ sodass für jedes die Stelligkeit der Relationen und bezeichnet. Eine Abbildung heißt dann eine homomorphe Abbildung, eine Homomorphie oder ein Homomorphismus von nach wenn sie für jedes und für alle die folgende Verträglichkeitseigenschaft besitzt:[5]
Schreibweise:
Da jede Funktion als Relation beschrieben werden kann, lässt sich jede algebraische Struktur als relationale Struktur auffassen und die spezielle algebraische Definition ist somit in dieser Definition enthalten.
Hat man in obiger Definition bei einem injektiven Homomorphismus sogar die Äquivalenz
- ,
so spricht man von einem starken Homomorphismus.[6]
Beispiele
- Homomorphismen algebraischer Strukturen (diese sind auch stets starke Homomorphismen)
- Ordnungshomomorphismus
- Graphenhomomorphismus
- Homomorphismen in der Inzidenzgeometrie, zum Beispiel Homomorphismus projektiver Räume
- Homomorphismus zwischen Modellen[7]
Verallgemeinerungen
Auch Abbildungen, die verträglich sind mit Strukturen, die unendlichstellige Operationen besitzen, werden Homomorphismus genannt:
- ein vollständiger Verbandshomomorphismus ist verträglich mit beliebigen (auch unendlichen) Vereinigungen und Durchschnitten
In einigen Teilgebieten der Mathematik beinhaltet der Begriff des Homomorphismus, dass die Verträglichkeit noch weitere Zusatzstrukturen umfasst:
- ein Homomorphismus topologischer Gruppen ist ein stetiger Gruppenhomomorphismus
- ein Lie-Gruppen-Homomorphismus ist ein glatter Gruppenhomomorphismus zwischen Lie-Gruppen[8]
Der Begriff erfährt auch eine Verallgemeinerung für heterogene Algebren, siehe Heterogene Algebra: Homomorphismen.
Siehe auch
- Morphismus (Kategorientheorie)
- Verträglichkeit (Mathematik)
- Epimorphismus
- Monomorphismus
- Isomorphismus
- Einbettung
- Endomorphismus
- Automorphismus
- Subquotient
Literatur
- Serge Lang: Algebra. (= Graduate Texts in Mathematics. 211). 3., überarb. Auflage. Springer-Verlag, New York 2002, ISBN 0-387-95385-X.
- Nathan Jacobson: Basic algebra. I. 2. Auflage. W. H. Freeman and Company, New York 1985, ISBN 0-7167-1480-9.
- Thomas W. Hungerford: Algebra. (= Graduate Texts in Mathematics. 73). Springer-Verlag, New York / Berlin 1980, ISBN 0-387-90518-9. (Nachdruck der Ausgabe 1974)
- Garrett Birkhoff: Lattice Theory. 3. Auflage. AMS, Providence (RI) 1973, ISBN 0-8218-1025-1, S. 134–136.
- Marcel Erné: Einführung in die Ordnungstheorie. Bibliographisches Institut, Mannheim/Wien/Zürich 1982, ISBN 3-411-01638-8, S. 112–113.
- Helmuth Gericke: Theorie der Verbände. Bibliographisches Institut, Mannheim 1963, S. 55–62, 147.
- George Grätzer: Universal Algebra. 2., aktualisierte Auflage. Springer, New York 2008, ISBN 978-0-387-77486-2, S. 223–224, doi:10.1007/978-0-387-77487-9 (Erstausgabe: 1979).
- Gunther Schmidt, Thomas Ströhlein: Relationen und Graphen. Springer, Berlin / Heidelberg / New York 1989, ISBN 3-540-50304-8, S. 144–153.
- Bartel Leendert van der Waerden: Algebra I (= Heidelberger Taschenbücher. Band 12). 8. Auflage. Band 1: Moderne Algebra. Springer, Berlin / Göttingen / Heidelberg / New York 1971, ISBN 3-540-03561-3, S. 27–30.
- Heinrich Werner: Einführung in die allgemeine Algebra. Bibliographisches Institut, Mannheim 1978, ISBN 3-411-00120-8, S. 48, 19.
Weblinks
Einzelnachweise und Anmerkungen
- ↑ Jede -stellige Operation ist eine spezielle -stellige homogene Relation (Funktion).
- ↑ Diese Definition ist mit der unten gegebenen verträglich, wenn man von einer Funktion zur Relation , die durch den Funktionsgraph gegeben ist, übergeht, denn dann gilt
- ,
- ↑ Die Urbildfunktion , die auf Mengen operiert, und die inverse Abbildung , die auf Elementen operiert, sind streng genommen 2 verschiedene Funktionen. Sind Missverständnisse zu befürchten, dann setzt man im ersteren Fall die Mengen in eckige Klammern .
- ↑ Eine allgemeine Definition wurde im klassischen Lehrbuch Moderne Algebra angegeben: „Wenn in zwei Mengen und gewisse Relationen (wie oder ) definiert sind und wenn jedem Element von ein Bildelement so zugeordnet ist, daß alle Relationen zwischen Elementen von auch für die Bildelemente gelten (so daß z. B. aus folgt wenn es sich um die Relation handelt), so heißt eine homomorphe Abbildung oder ein Homomorphismus von in “ (B. L. van der Waerden: Algebra. (= Heidelberger Taschenbücher. Band 12). Teil I, Siebte Auflage. Springer-Verlag, Berlin / New York 1966 (Einleitung zu Paragraph 10))
- ↑ Manche Autoren (Wilhelm Klingenberg: Lineare Algebra und Geometrie. Springer, Berlin / Heidelberg 1984, ISBN 3-540-13427-1, S. 7.; Garrett Birkhoff: Lattice Theory. 1973, S. 134.) nennen einen Homomorphismus auch nur kurz „Morphismus“, während andere (Fritz Reinhardt, Heinrich Sonder: dtv-Atlas Mathematik. Band 1: Grundlagen, Algebra und Geometrie. 9. Auflage. Deutscher Taschenbuchverlag, München 1991, ISBN 3-423-03007-0, S. 36–37.) jede strukturverträgliche Abbildung „Morphismus“ nennen und nur einen Homomorphismus von algebraischen Strukturen als „Homomorphismus“ bezeichnen.
- ↑ Philipp Rothmaler: Einführung in die Modelltheorie. Spektrum Akademischer Verlag 1995, ISBN 3-86025-461-8, Abschnitt 1.3 Homomorphismen. S. 20.
- ↑ Heinz-Dieter Ebbinghaus, Jörg Flum, Wolfgang Thomas: Einführung in die mathematische Logik. 3., vollst. überarb. u. erw. Auflage. Bibliographisches Institut, Mannheim 1992, ISBN 3-411-15603-1, S. 225.
- ↑ Jeder stetige Gruppenhomomorphismus zwischen Lie-Gruppen ist glatt.