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„Volkssprache“ – Versionsunterschied

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'''Volkssprache''' nennt man die Sprache einer Bevölkerung überall dort, wo eine ältere [[Sprachform]] oder eine fremde Sprache in [https://de.wikipedia.org/wiki/Religion Religion], [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft Wissenschaft] oder auf der [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BChne_(Theater) Bühne] verwendet wird. Dies war und ist in vielen Kulturkreisen zeitweise der Fall.
== <span id="Zur_Terminologie">Zur Terminologie</span> ==
<p>Volkssprache wird teilweise sinnverwandt mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsprache Landessprache], [[Muttersprache]] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernakularsprache Vernakularsprache] verwendet. Der Begriff Volkssprache taucht vor allem dann auf, wenn die einheimische Sprache im Gegensatz zu einer [[Fremdsprache]] (vor allem als Sprache der Religion oder Wissenschaft) oder aber im Sinne von „niedere Sprachebene“ in Abgrenzung zu höheren Sprachebenen gesehen wird. So heißt es im Deutschen Wörterbuch:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Sprache eines Volkes im Gegensatz zu den Sprachen anderer Völker; Sprache, Sprechweise, welche dem Volke fasslich ist … Nationalsprache und doch zugleich der Sprache der Bildung entgegengestellt. … Sprache des ungebildeten Volkes, auch geradezu für Mundart“<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssprache#cite_note-1 [1]]</sup></p></blockquote></div></div>
== <span id="Zur_Rolle_der_Volkssprachen">Zur Rolle der Volkssprachen</span> ==
<p>Im mittleren und westlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Europa Europa] stand den einzelnen Volkssprachen jahrhundertelang [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein Latein] als [https://de.wikipedia.org/wiki/Liturgie Liturgie]- und [https://de.wikipedia.org/wiki/Literatur Literatur]-Sprache gegenüber. Zur Zeit [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Gro%C3%9Fe Karls des Großen] gewann das Deutsche als Volkssprache an Bedeutung für die Vermittlung des Glaubens. Diesem Ziel diente auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther Martin Luthers] deutsche [https://de.wikipedia.org/wiki/Bibel%C3%BCbersetzung Bibelübersetzung], die nicht auf einer einfachen Übernahme einer der [https://de.wikipedia.org/wiki/Umgangssprache Umgangssprachen] beruhte.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssprache#cite_note-2 [2]]</sup> Es handelt sich bei dieser „Hinwendung zu den Volkssprachen“ um einen Trend, der in der frühen Neuzeit in ganz Europa zu beobachten ist.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssprache#cite_note-3 [3]]</sup> Die Volkssprache wird in diesem Zusammenhang auch als [https://de.wikipedia.org/wiki/Vulg%C3%A4rsprache Vulgärsprache]bezeichnet.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssprache#cite_note-4 [4]]</sup></p><p>Volkssprache wird jedoch nicht nur im Gegensatz zur Sprache der Wissenschaft, dem Latein, gesehen. Betont wird auch, dass Volkssprache einen sozialen Aspekt ansprechen kann, wenn etwa für die Zeit um 1450 erklärt wird, dass in Halle das Niederdeutsche als Volkssprache und das Mitteldeutsche als Sprache der Gebildeten dient.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssprache#cite_note-5 [5]]</sup></p><p>In Norddeutschland verlor die [https://de.wikipedia.org/wiki/Niederdeutsche_Sprache niederdeutsche] Volkssprache über Generationen vor der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Sprache hochdeutschen] Gottesdienst-, [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschriebene_Sprache Schrift-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Verkehrssprache Verkehrssprache] an Boden. Ihre Bedeutung als Schriftsprache hat sie weitgehend verloren;<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssprache#cite_note-6 [6]]</sup> sie existiert jedoch als Umgangssprache und Sprache der schönen Literatur weiter und wird auch in den regionalen Medien gepflegt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Stellmacher Stellmacher] bezeichnete die Situation des Niederdeutschen 1990 mit „Zweitsprache“, die oft erst nach dem Hochdeutschen gelernt, aber noch vielfältig verwendet wird.<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssprache#cite_note-7 [7]]</sup></p>
== <span id="Weitere_Aspekte_von_Volkssprache">Weitere Aspekte von Volkssprache</span> ==
 
*Die alte norwegische Volkssprache wurde im 14. Jahrhundert nach der Vereinigung mit Dänemark, nur noch als Schrift- oder Gelehrtensprache verwendet und so fast gänzlich durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A4nische_Sprache Dänische Sprache]verdrängt. Sie blieb nur als Umgangssprache der Landbevölkerung, gespalten in zahlreiche [https://de.wikipedia.org/wiki/Dialekt Dialekte], erhalten. Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit wurde versucht die Volkssprache neu zu beleben.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssprache#cite_note-8 [8]]</sup>
*Im Zeitalter des [https://de.wikipedia.org/wiki/Hellenismus Hellenismus] existierten neben der [https://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Sprache griechischen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Koine Koine] viele Volkssprachen weiter.<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssprache#cite_note-9 [9]]</sup>
*In Indien haben sich die Volkssprachen vom heiligen [https://de.wikipedia.org/wiki/Sanskrit Sanskrit] weit entfernt. Als eine Art Vorstufe des Sanskrit, die den Charakter einer Volkssprache hat, wurde die in der indischen Literatur verwendete [https://de.wikipedia.org/wiki/Vedische_Sprache vedische Sprache] angesehen, die sich durch größeren Formenreichtum und mehr Beweglichkeit im Satzbau auszeichnet.<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssprache#cite_note-10 [10]]</sup> Weitere indische Volkssprachen sind unter anderem das ostindische [https://de.wikipedia.org/wiki/Bengalische_Sprache Bengali], das mittelindische [https://de.wikipedia.org/wiki/Marathi Marathi] oder das in Südindien vorkommende [https://de.wikipedia.org/wiki/Dravidische_Sprachen dravidische] [https://de.wikipedia.org/wiki/Tulu_(Sprache) Tulu].
*Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Sprache arabische] [https://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Schrift Schriftsprache] wird nur in den Moscheen, für den Schriftverkehr und international verwendet. Sie unterscheidet sich deutlich von den verschiedenen Varianten der arabischen Volkssprachen.
*Einige [https://de.wikipedia.org/wiki/Orientalisch-orthodoxe_Kirchen altorientalischen Christen] verwenden noch heute die (von [https://de.wikipedia.org/wiki/Jesus_von_Nazaret Jesus von Nazaret] gesprochene) [https://de.wikipedia.org/wiki/Aram%C3%A4ische_Sprachen aramäische Sprache] für die Gottesdienste, während ihre Volkssprache heute Arabisch ist.
*Im nachkolonialen [https://de.wikipedia.org/wiki/Afrika Afrika] gelten weitgehend europäische Kultur- und Verkehrssprachen als [https://de.wikipedia.org/wiki/Amtssprache Amtssprachen] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Englische_Sprache Englisch], [https://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Sprache Französisch], [https://de.wikipedia.org/wiki/Portugiesische_Sprache Portugiesisch]) neben und über den einheimischen Volkssprachen.
 
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==
 
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Diglossie Diglossie]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Standardsprache Standardsprache]
 
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
 
*Hans Arens: ''Sprachwissenschaft: Der Gang ihrer Entwicklung von der Antike bis zur Gegenwart.'' Band 1. Athenäum-Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1969, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3807220771 ISBN 3-8072-2077-1]. Arens thematisiert ''Volkssprache'' unter mehreren Gesichtspunkten.
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Christa_Bertelsmeier-Kirst&action=edit&redlink=1 Christa Bertelsmeier-Kirst], Christopher Young, Bettina Bildhauer (Hrsg.): ''Eine Epoche im Umbruch. Volkssprachliche Literalität 1200–1300.'' Cambridger Symposium 2001, Tübingen 2003.
*Andreas Gardt: ''Geschichte der Sprachwissenschaft in Deutschland.'' De Gruyter, 1999, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3110157888 ISBN 3-11-015788-8]. Kapitel: ''Aufwertung der Volkssprache und frühe Grammatikschreibung des Deutschen.'' S. 45–71.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Gl%C3%BCck Helmut Glück] (Hrsg.), unter Mitarbeit von [https://de.wikipedia.org/wiki/Friederike_Schm%C3%B6e Friederike Schmöe]: ''Metzler Lexikon Sprache.'' 3., neu bearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart / Weimar 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3476020568 ISBN 3-476-02056-8].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Objartel Georg Objartel]: ''Deutsche Literatursprache der frühen Neuzeit.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Peter_Althaus Hans Peter Althaus], Helmut Henne, [https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Ernst_Wiegand Herbert Ernst Wiegand] (Hrsg.): ''Lexikon der germanistischen Linguistik.'' 2., vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Niemeyer, Tübingen 1980; Kapitel ''Latinität und Volkssprache.'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3484103922 ISBN 3-484-10392-2], S. 712–719.
 
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
<div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Volkssprache Wiktionary: Volkssprache]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
 
#<span class="reference-text"><cite>Volkssprache, f</cite>. In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Grimm Jacob Grimm], [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Grimm Wilhelm Grimm] (Hrsg.): <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_W%C3%B6rterbuch Deutsches Wörterbuch]</cite>. Band&nbsp;26: ''Vesche–Vulkanisch'' – (XII, 2. Abteilung). S. Hirzel, Leipzig 1951, Sp.&nbsp;497–498 ([https://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemma=Volkssprache woerterbuchnetz.de]).</span>
#<span class="reference-text">C.J. Wells: ''Deutsch: eine Sprachgeschichte bis 1954.'' Niemeyer, Tübingen 1990, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3484106387 ISBN 3-484-10638-7].</span>
#<span class="reference-text">Gardt 1999, S. 45.</span>
#<span class="reference-text">Hans Joachim Störig: ''Abenteuer Sprache. Ein Streifzug durch die Sprachen der Erde.'' 2., überarbeitete Auflage. Langenscheidt, Berlin/München 1997, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3581669366 ISBN 3-581-66936-6], S. 154.</span>
#<span class="reference-text">Adolf Bach: ''Geschichte der deutschen Sprache.'' 9., durchgesehene Auflage, VMA-Verlag, Wiesbaden o.&nbsp;J.; S. 237. Abkürzungen aufgelöst.</span>
#<span class="reference-text">Timothy Sodmann: ''Untergang des Mittelniederdeutschen als Schriftsprache.'' In: Jan Goossens (Hrsg.): ''Niederdeutsch. Sprache und Literatur. Eine Einführung.'' Band 1: ''Sprache.'' Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1973, S. 116–129.</span>
#<span class="reference-text">Dieter Stellmacher: ''Niederdeutsche Sprache. Eine Einführung.'' Peter Lang, Bern/ Frankfurt am Main/New York/Paris 1990, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3261041455 ISBN 3-261-04145-5], S. 102&nbsp;f.</span>
#<span class="reference-text"><cite>Norwegische Volkssprache</cite>. In: <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Meyers_Konversations-Lexikon Meyers Großes Konversations-Lexikon]</cite>. 6. Auflage. Band&nbsp;14: ''Mittewald–Ohmgeld''. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1908, S.&nbsp;807–808 ([http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Norwegische+Volkssprache zeno.org]).</span>
#<span class="reference-text">Hendrik Clemens Muller: <cite>Historische Übersicht der Grammatik</cite>. In: <cite>Historische Grammatik der hellenischen Sprache …</cite> Band&nbsp;1: ''Grammatik''. E. J. Brill, 1891, S.&nbsp;63&nbsp;ff. ([https://archive.org/details/historischegram00mullgoog/page/n75/mode/1up Textarchiv – Internet Archive]).</span>
#<span class="reference-text"><cite>Sanskrit</cite>. In: <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Meyers_Konversations-Lexikon Meyers Großes Konversations-Lexikon]</cite>. 6. Auflage. Band&nbsp;17: ''Rio–Schönebeck''. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1909, S.&nbsp;578–582 ([http://www.zeno.org/Meyers-1905/A/Sanskrit zeno.org] – hier S. 579).</span>

Aktuelle Version vom 8. Juni 2025, 05:58 Uhr

Volk‎-s-Sprache deu. 'Sprache des oder eines Volk'

Volkssprache nennt man die Sprache einer Bevölkerung überall dort, wo eine ältere Sprachform oder eine fremde Sprache in Religion, Wissenschaft oder auf der Bühne verwendet wird. Dies war und ist in vielen Kulturkreisen zeitweise der Fall.

Zur Terminologie

Volkssprache wird teilweise sinnverwandt mit Landessprache, Muttersprache und Vernakularsprache verwendet. Der Begriff Volkssprache taucht vor allem dann auf, wenn die einheimische Sprache im Gegensatz zu einer Fremdsprache (vor allem als Sprache der Religion oder Wissenschaft) oder aber im Sinne von „niedere Sprachebene“ in Abgrenzung zu höheren Sprachebenen gesehen wird. So heißt es im Deutschen Wörterbuch:

„Sprache eines Volkes im Gegensatz zu den Sprachen anderer Völker; Sprache, Sprechweise, welche dem Volke fasslich ist … Nationalsprache und doch zugleich der Sprache der Bildung entgegengestellt. … Sprache des ungebildeten Volkes, auch geradezu für Mundart“[1]

Zur Rolle der Volkssprachen

Im mittleren und westlichen Europa stand den einzelnen Volkssprachen jahrhundertelang Latein als Liturgie- und Literatur-Sprache gegenüber. Zur Zeit Karls des Großen gewann das Deutsche als Volkssprache an Bedeutung für die Vermittlung des Glaubens. Diesem Ziel diente auch Martin Luthers deutsche Bibelübersetzung, die nicht auf einer einfachen Übernahme einer der Umgangssprachen beruhte.[2] Es handelt sich bei dieser „Hinwendung zu den Volkssprachen“ um einen Trend, der in der frühen Neuzeit in ganz Europa zu beobachten ist.[3] Die Volkssprache wird in diesem Zusammenhang auch als Vulgärsprachebezeichnet.[4]

Volkssprache wird jedoch nicht nur im Gegensatz zur Sprache der Wissenschaft, dem Latein, gesehen. Betont wird auch, dass Volkssprache einen sozialen Aspekt ansprechen kann, wenn etwa für die Zeit um 1450 erklärt wird, dass in Halle das Niederdeutsche als Volkssprache und das Mitteldeutsche als Sprache der Gebildeten dient.[5]

In Norddeutschland verlor die niederdeutsche Volkssprache über Generationen vor der hochdeutschen Gottesdienst-, Schrift- und Verkehrssprache an Boden. Ihre Bedeutung als Schriftsprache hat sie weitgehend verloren;[6] sie existiert jedoch als Umgangssprache und Sprache der schönen Literatur weiter und wird auch in den regionalen Medien gepflegt. Stellmacher bezeichnete die Situation des Niederdeutschen 1990 mit „Zweitsprache“, die oft erst nach dem Hochdeutschen gelernt, aber noch vielfältig verwendet wird.[7]

Weitere Aspekte von Volkssprache

  • Die alte norwegische Volkssprache wurde im 14. Jahrhundert nach der Vereinigung mit Dänemark, nur noch als Schrift- oder Gelehrtensprache verwendet und so fast gänzlich durch die Dänische Spracheverdrängt. Sie blieb nur als Umgangssprache der Landbevölkerung, gespalten in zahlreiche Dialekte, erhalten. Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit wurde versucht die Volkssprache neu zu beleben.[8]
  • Im Zeitalter des Hellenismus existierten neben der griechischen Koine viele Volkssprachen weiter.[9]
  • In Indien haben sich die Volkssprachen vom heiligen Sanskrit weit entfernt. Als eine Art Vorstufe des Sanskrit, die den Charakter einer Volkssprache hat, wurde die in der indischen Literatur verwendete vedische Sprache angesehen, die sich durch größeren Formenreichtum und mehr Beweglichkeit im Satzbau auszeichnet.[10] Weitere indische Volkssprachen sind unter anderem das ostindische Bengali, das mittelindische Marathi oder das in Südindien vorkommende dravidische Tulu.
  • Die arabische Schriftsprache wird nur in den Moscheen, für den Schriftverkehr und international verwendet. Sie unterscheidet sich deutlich von den verschiedenen Varianten der arabischen Volkssprachen.
  • Einige altorientalischen Christen verwenden noch heute die (von Jesus von Nazaret gesprochene) aramäische Sprache für die Gottesdienste, während ihre Volkssprache heute Arabisch ist.
  • Im nachkolonialen Afrika gelten weitgehend europäische Kultur- und Verkehrssprachen als Amtssprachen (Englisch, Französisch, Portugiesisch) neben und über den einheimischen Volkssprachen.

Siehe auch

Literatur

  • Hans Arens: Sprachwissenschaft: Der Gang ihrer Entwicklung von der Antike bis zur Gegenwart. Band 1. Athenäum-Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1969, ISBN 3-8072-2077-1. Arens thematisiert Volkssprache unter mehreren Gesichtspunkten.
  • Christa Bertelsmeier-Kirst, Christopher Young, Bettina Bildhauer (Hrsg.): Eine Epoche im Umbruch. Volkssprachliche Literalität 1200–1300. Cambridger Symposium 2001, Tübingen 2003.
  • Andreas Gardt: Geschichte der Sprachwissenschaft in Deutschland. De Gruyter, 1999, ISBN 3-11-015788-8. Kapitel: Aufwertung der Volkssprache und frühe Grammatikschreibung des Deutschen. S. 45–71.
  • Helmut Glück (Hrsg.), unter Mitarbeit von Friederike Schmöe: Metzler Lexikon Sprache. 3., neu bearbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart / Weimar 2005, ISBN 3-476-02056-8.
  • Georg Objartel: Deutsche Literatursprache der frühen Neuzeit. In: Hans Peter Althaus, Helmut Henne, Herbert Ernst Wiegand (Hrsg.): Lexikon der germanistischen Linguistik. 2., vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Niemeyer, Tübingen 1980; Kapitel Latinität und Volkssprache. ISBN 3-484-10392-2, S. 712–719.
Wiktionary: Volkssprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Volkssprache, f. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 26: Vesche–Vulkanisch – (XII, 2. Abteilung). S. Hirzel, Leipzig 1951, Sp. 497–498 (woerterbuchnetz.de).
  2. C.J. Wells: Deutsch: eine Sprachgeschichte bis 1954. Niemeyer, Tübingen 1990, ISBN 3-484-10638-7.
  3. Gardt 1999, S. 45.
  4. Hans Joachim Störig: Abenteuer Sprache. Ein Streifzug durch die Sprachen der Erde. 2., überarbeitete Auflage. Langenscheidt, Berlin/München 1997, ISBN 3-581-66936-6, S. 154.
  5. Adolf Bach: Geschichte der deutschen Sprache. 9., durchgesehene Auflage, VMA-Verlag, Wiesbaden o. J.; S. 237. Abkürzungen aufgelöst.
  6. Timothy Sodmann: Untergang des Mittelniederdeutschen als Schriftsprache. In: Jan Goossens (Hrsg.): Niederdeutsch. Sprache und Literatur. Eine Einführung. Band 1: Sprache. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1973, S. 116–129.
  7. Dieter Stellmacher: Niederdeutsche Sprache. Eine Einführung. Peter Lang, Bern/ Frankfurt am Main/New York/Paris 1990, ISBN 3-261-04145-5, S. 102 f.
  8. Norwegische Volkssprache. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 14: Mittewald–Ohmgeld. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1908, S. 807–808 (zeno.org).
  9. Hendrik Clemens Muller: Historische Übersicht der Grammatik. In: Historische Grammatik der hellenischen Sprache … Band 1: Grammatik. E. J. Brill, 1891, S. 63 ff. (Textarchiv – Internet Archive).
  10. Sanskrit. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 17: Rio–Schönebeck. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1909, S. 578–582 (zeno.org – hier S. 579).