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„Paradoxon“ – Versionsunterschied

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Paradoxon n. {{agrie.-lat.-dt.}}  
Paradoxon n. [[Sprachstufe::agr.-lat.-deu.]];  {{Wrtdtng}} wrtl.-sgm. 'Nebenannahme; Gegenannahme, infolge Gegenmeinung, …; 


* ‘wirklich oder scheinbar widersinnige bzw. auffallende, sonderbare Behauptung, widersinniges oder unvermutetes, überraschendes Ereignis’,  
* ‘wirklich oder scheinbar widersinnige bzw. auffallende, sonderbare Behauptung, widersinniges oder unvermutetes, überraschendes Ereignis’,
* Übernahme (16. Jh.) von spätlat. ''[[paradoxon]]'',  
* Übernahme (16. Jh.) von spätlat. ''[[paradoxon]]'',
** griech. [[parádoxon]] (παράδοξον) ‘der allgemeinen Meinung entgegenstehender, sonderbarer (Lehr)satz’.  
** griech. [[parádoxon]] (παράδοξον) ‘der allgemeinen Meinung entgegenstehender, sonderbarer (Lehr)satz’.
* Neben die bis heute bewahrte griech.-lat. Form (mit ihrem Plural ''[[Paradoxa]]'') tritt gelegentlich latinisiertes Paradoxum und in neuerer Zeit auch die endungslose Form Paradox (mit dem schon im 16. Jh. bezeugten Plural Paradoxe).  
* Neben die bis heute bewahrte griech.-lat. Form (mit ihrem Plural ''[[Paradoxa]]'') tritt gelegentlich latinisiertes Paradoxum und in neuerer Zeit auch die endungslose Form Paradox (mit dem schon im 16. Jh. bezeugten Plural Paradoxe).
* Der Ausdruck ist das substantivierte Neutrum von griech. ''parádoxos'' (παράδοξος), agrie. ''[[parádoxos]]'' [[πᾰρᾰ́δοξος]] ‘der gewöhnlichen Meinung zuwiderlaufend, wider Erwarten, unvermutet, auffallend, sonderbar, seltsam’, einer Präfixbildung (s. para-) zu griech. dóxa (δόξα) ‘Ansicht, Meinung’. Daraus entlehntes paradox
* Der Ausdruck ist das substantivierte Neutrum von griech. ''parádoxos'' (παράδοξος), agr. ''[[parádoxos]]'' [[πᾰρᾰ́δοξος]] ‘der gewöhnlichen Meinung zuwiderlaufend, wider Erwarten, unvermutet, auffallend, sonderbar, seltsam’, einer Präfixbildung (s. para-) zu griech. dóxa (δόξα) ‘Ansicht, Meinung’. Daraus entlehntes paradox
 
== Paradoxon ==
[[Datei:220px-Penrose-dreieck.svg.png|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Penrose-dreieck.svg|mini|220x220px|Das [https://de.wikipedia.org/wiki/Penrose-Dreieck Penrose-Dreieck] erweckt den Anschein, es handele sich um eine geschlossene dreidimensionale Struktur aus drei rechten Winkeln, was in der euklidischen Geometrie jedoch unmöglich ist.]]
Ein '''Paradoxon''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A4chlich sächlich]; [https://de.wikipedia.org/wiki/Plural Plural] ''Paradoxa''; auch das '''Paradox''' oder die '''Paradoxie''', Plural ''Paradoxe'' bzw. ''Paradoxien''; vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechischen] Adjektiv <span lang="grc-Grek" class="Grek">παράδοξος</span><span lang="grc-Latn" class="Latn">parádoxos</span> „wider Erwarten, wider die gewöhnliche Meinung, unerwartet, unglaublich“<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Paradoxon#cite_note-1 [1]]</sup>) ist ein Befund, eine Aussage oder Erscheinung, die dem allgemein Erwarteten, der herrschenden Meinung oder Ähnlichem auf unerwartete Weise zuwiderläuft oder beim üblichen Verständnis der betroffenen Gegenstände bzw. Begriffe zu einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Kontradiktion Widerspruch] führt.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Paradoxon#cite_note-2 [2]]</sup> Die Analyse von Paradoxien kann zu einem tieferen Verständnis der betreffenden Gegenstände bzw. Begriffe oder Situationen führen, was den Widerspruch im besten Fall auflöst. Einzelne Paradoxa sind in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Paradoxa Liste von Paradoxa] zu finden.
== <span id="Philosophische_Tradition">Philosophische Tradition</span> ==
[[Datei:170px-Pinocchio-Paradoxon.svg.png|verweis=https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Pinocchio-Paradoxon.svg|mini|275x275px|[https://de.wikipedia.org/wiki/Pinocchio Pinocchios] Nase wächst bekanntlich genau dann, wenn er lügt. Was passiert aber, wenn er sagt „Meine Nase wächst gerade“?]]
In der Philosophie wurden Paradoxa, ebenso wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Sophismus Sophismen] seit der Antike diskutiert. Teilweise wurden sie eingesetzt, um bestimmte Positionen in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmologie Kosmologie] oder der [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologie Theologie] zu stützen oder zu widerlegen und waren bereits früh Gegenstand [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik logischer Untersuchungen]. Bekannt sind die Paradoxien des [https://de.wikipedia.org/wiki/Zenon_von_Elea Zenon von Elea], oder etwa das [https://de.wikipedia.org/wiki/Allmachtsparadoxon Allmachtsparadoxon]. Bis in die Moderne waren Paradoxien der [https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstreferenz Selbstreferenz] von besonderem Interesse: Dazu zählen das [https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCgner-Paradoxon Lügner-Paradoxon], das [https://de.wikipedia.org/wiki/Paradoxon_des_Epimenides Paradoxon des Epimenides]und das bekannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Barbier-Paradoxon Barbier-Paradoxon] –, schließlich das durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Russellsche_Antinomie Russellsche Antinomie] hervorgerufene Mengenparadoxon und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Grelling-Nelson-Antinomie Grelling-Nelson-Antinomie]. Auch in der modernen Wissenschaftstheorie stellen Paradoxien, einmal formuliert, eine wichtige Herausforderung dar, da sie Anforderungen an Theorien und Paradigma deutlich machen, die bisher nicht erfüllt wurden, so etwa [https://de.wikipedia.org/wiki/Hempels_Paradox Hempels Paradox] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Goodmans_neues_R%C3%A4tsel_der_Induktion Goodmans neues Rätsel der Induktion].
== <span id="Als_ästhetisches_Motiv_in_der_Wissenschaft">Als ästhetisches Motiv in der Wissenschaft</span> ==
<p>Eine Betrachtung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Paradoxa Paradoxien] in den verschiedenen Wissenschaften belegt, dass das Erkennen und Lösen von Paradoxien ein bedeutendes Motiv wissenschaftlicher Arbeit sein kann. Der Mathematiker [https://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Penrose Roger Penrose] drückte es so aus: „Paradoxien empfinde ich als ausgesprochen reizvoll. Sie sehen so etwas und versuchen zu verstehen, wie um Himmels Willen könnte das einen Sinn ergeben?! Selbst das ist paradox: Ich habe viel für Paradoxien übrig, und gleichzeitig will ich sie aus der Welt schaffen!“ (<span class="Person">Zitat nach [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%A1bor_Pa%C3%A1l Gábor Paál]</span>)<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Paradoxon#cite_note-3 [3]]</sup></p><p>Der wissenschafts-ästhetische Reiz von Paradoxien zeigt sich auch daran, dass sich Künstler wie [https://de.wikipedia.org/wiki/M._C._Escher M. C. Escher] von den Paradoxien in der Mathematik und Physik inspirieren ließen. So gab es zeitweise einen engen Austausch zwischen ihm und Penrose, der sich als Mathematiker mit geometrisch „unmöglichen“ Formen befasste. Von ihm stammt unter anderem das berühmte [https://de.wikipedia.org/wiki/Penrose-Dreieck Penrose-Dreieck]. Escher wiederum hat diese in seinen Grafiken umgesetzt. Auch für andere Wissenschaftler und Denker wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Bertrand_Russell Bertrand Russell], [https://de.wikipedia.org/wiki/Gregory_Bateson Gregory Bateson] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Koestler Arthur Koestler] waren Paradoxien in ihren unterschiedlichen Facetten ein zentrales Thema.</p>
== <span id="Formen">Formen</span> ==
<blockquote>Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Belege Belegen] (beispielsweise [https://de.wikipedia.org/wiki/Hilfe:Einzelnachweise Einzelnachweisen]) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.</blockquote><p>Es werden verschiedene Formen von Paradoxa unterschieden:</p>
#''Logische Paradoxa'': Widersprüchlichkeit als Folge der Negation von [https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstreferenzialit%C3%A4t Selbstbezüglichkeit], d.&nbsp;h. wenn eine auf sich selbst anwendbare Aussage [https://de.wikipedia.org/wiki/Negation negiert] wird. Sie sind mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Russellsche_Antinomie Russellschen Antinomie]verwandt. Ein Beispiel ist das sogenannte [https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCgner-Paradox Lügner-Paradox] des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eubulides Eubulides]:
#:''Dieser Satz ist falsch.'' (Eine solche Aussage ist wahr, wenn sie falsch ist, und falsch, wenn sie wahr ist.) Eine besondere Form des selbstbezüglichen Widerspruchs ist der sogenannte ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Retorsion performative Widerspruch]'' zwischen propositionalem Gehalt und performativem Gehalt.
#''Metaphysische Paradoxa'': Phänomene, die mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht begreifbar sind oder sich der Begreifbarkeit prinzipiell entziehen. Hierzu gehört
#:die Frage nach der Endlichkeit beziehungsweise der [https://de.wikipedia.org/wiki/Unendlichkeit Unendlichkeit] von Raum und [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeit Zeit]. Ein unendliches Universum scheint dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesunder_Menschenverstand gesunden Menschenverstand] ebenso zu widersprechen wie beispielsweise ein endliches: „Alles muss doch zu irgendeinem Zeitpunkt angefangen haben.“ – „Aber was war dann davor?“
#''Semantische Paradoxa''
#''Rhetorische Paradoxa'': ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Rhetorisches_Stilmittel Rhetorisches Stilmittel], bei dem eine tiefergehende Wahrheit durch einen Widerspruch deutlich und drastisch dargestellt werden soll (z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Oxymoron Oxymoron]). Beispiel: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Weniger_ist_mehr Weniger ist mehr]!''
<p>Gemeinsam ist allen Paradoxa der Widerspruch zwischen dem Behaupteten einerseits und den Erwartungen und Beurteilungen andererseits, die sich aus vertrauten [https://de.wikipedia.org/wiki/Heuristik Denkheuristiken], Vorurteilen, [https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinplatz Gemeinplätzen], Mehrdeutigkeiten oder begrenzten Perspektiven als alltägliche Meinung (''doxa'') ergeben. Auch scheinbare Widersprüche, die sich durch genauere Analyse vollständig auflösen lassen, wirken daher im ersten Moment paradox oder galten im Laufe der Geistesgeschichte als unlösbare Paradoxa oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Aporie Aporien]. Auflösbare Paradoxien sind wahre Aussagen, deren Untersuchung – beispielsweise im Rahmen eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Gedankenexperiment Gedankenexperiments] – zu wichtigen Erkenntnisfortschritten in [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft Wissenschaft], [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Mathematik Mathematik] führen kann, die für das Alltagsverständnis aber unerwartet oder überraschend sind. Der Widerspruch besteht hier oft nur zwischen der erwarteten und der tatsächlichen Lösung. Ein Beispiel aus der Mathematik ist das [https://de.wikipedia.org/wiki/Ziegenproblem Ziegenproblem], das logisch und mathematisch exakt lösbar ist, aber der Erwartung vieler Menschen widerspricht.</p><p>Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Willard_Van_Orman_Quine Willard Van Orman Quine] lassen sich drei Fälle unterscheiden: Erstens eine der Intuition, herrschenden Meinung oder Erwartung widersprechende, aber korrekte Beantwortungen eines Problems, zweitens auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Fehlschluss Fehlschlüssen] beruhenden Paradoxa und drittens solche, die tatsächlich ein sich selbst [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_Widerspruch widersprechendes] Resultat des [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlussfolgerung Schlussfolgerns] darstellen, das auf eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Antinomie Antinomie] oder auf eine (verborgenerweise) [https://de.wikipedia.org/wiki/Contradictio_in_adiecto inkonsistente Begriffsbestimmung] oder falsche Regelannahme verweist.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Paradoxon#cite_note-4 [4]]</sup></p>
=== <span id="Abgrenzung_nach_Penrose">Abgrenzung nach Penrose</span> ===
<p>Der britische Mathematiker und Physiker [https://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Penrose Roger Penrose] schlug für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Physik Physik] die Unterscheidung von Paradoxien von ''Puzzles'' vor.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Paradoxon#cite_note-5 [5]]</sup> Bei Puzzles handele es sich um „verblüffende, aber experimentell unmittelbar belegbare Quantenwahrheiten über die Welt, in der wir leben.“ Dazu gehöre unter anderem das sogenannte [https://de.wikipedia.org/wiki/Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon], das keinen echten Widerspruch, sondern lediglich eine zwar unanschauliche, aber doch belegbare physikalische Wahrheit sei. Die Paradoxien oder „X-Rätsel“, wie Penrose sie auch nennt, seien zwar quantenphysikalisch ebenso ein „wahrer Bestandteil dieser Welt, erscheinen aber so [https://de.wikipedia.org/wiki/Plausibilit%C3%A4t unplausibel] und paradox, dass wir uns sträuben, sie als ‚wirklich‘ wahr hinzunehmen“. Das bekannteste X-Rätsel sei das Paradoxon von [https://de.wikipedia.org/wiki/Schr%C3%B6dingers_Katze Schrödingers Katze].</p>
== <span id="Psychologie">Psychologie</span> ==
<p>In der Psychologie werden als Paradoxa starke Widersprüche in den Anforderungen an das individuelle Denken und Verhalten untersucht. Dazu gehört die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Watzlawick Paul Watzlawick] skizzierte „Sei-spontan-Paradoxie“<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Paradoxon#cite_note-6 [6]]</sup>, wie es häufig in Beziehungen zum Ausdruck kommt: Die Erwartung, dass mein Gegenüber seine Entscheidungen gefälligst frei und selbständig treffen soll – und genau damit seine Unselbständigkeit unter Beweis stellen würde. Der Wunsch „Sag mir doch öfter mal spontan, dass du mich liebst!“ ist, sobald ausgesprochen, nicht mehr erfüllbar.</p><div class="sieheauch" role="navigation"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Teufelskreis Teufelskreis]&nbsp;und [https://de.wikipedia.org/wiki/Interpunktion_(Kommunikation) Interpunktion (Kommunikation)]</div><p>In den sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Paradoxe_Intervention paradoxen Interventionen] werden psychische Paradoxien wiederum gezielt eingesetzt, insbesondere dann, wenn das Gegenüber (ein Kind zum Beispiel) ein trotziges Verhalten zeigt und auf Aufforderungen bewusst mit dem Gegenteil reagiert. Entsprechend wird in der paradoxen Intervention eine Erwartung geäußert, deren Gegenteil eigentlich erreicht werden soll.</p><p>Ein weiteres Beispiel für psychische Paradoxien sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Doppelbindungstheorie Double-Bind-Kommunikationsstrukturen].</p>
== <span id="Paradoxa_in_der_Populärkultur">Paradoxa in der Populärkultur</span> ==
<p>In ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Leben_des_Brian Das Leben des Brian]'' von [https://de.wikipedia.org/wiki/Monty_Python Monty Python] wird Brian gegen seinen Willen für den Messias gehalten und fordert in der „Balkonszene“ seine Anhänger auf, Individuen zu sein:</p>
{|
|-
| ''Brian'':
| Hört zu. Ihr versteht das alles falsch. Es ist wirklich nicht nötig, dass ihr mir folgt. Es ist völlig unnötig, einem Menschen zu folgen, den ihr nicht mal kennt. Ihr müsst nur an euch selbst denken. Ihr seid doch alle Individuen.
|-
| ''Menge'':
| Ja! Wir sind alle Individuen!
|-
| ''Brian'':
| Und ihr seid alle völlig verschieden!
|-
| ''Menge'':
| Ja! Wir sind alle völlig verschieden!
|-
| ''Dennis'':
| Ich nicht!
|-
| ''Menge'':
| Pscht!!
|}
 
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==
 
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik Dialektik]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dilemma Dilemma]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fvaterparadoxon Großvaterparadoxon]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Tautologie_(Logik) Tautologie (Logik)]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Unm%C3%B6gliche_Figur Unmögliche Figur]
 
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
 
*Alexander Max Bauer, [https://de.wikipedia.org/wiki/Gregor_Damschen Gregor Damschen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Siebel Mark Siebel] (Hrsg.): <cite>Paradoxien. Grenzdenken und Denkgrenzen von A(llwissen) bis Z(eit)</cite>. mentis, Paderborn 2023, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783957432513 ISBN 978-3-95743-251-3].
*Heinrich Hemme: <cite>Das große Buch der Paradoxien</cite>. Anaconda Verlag, Köln 2018, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783730605691 ISBN 978-3-7306-0569-1].
*Karsten Engel (Hrsg.): ''Von Schildkröten und Lügnern – Paradoxien und Antinomien in den Wissenschaften''. mentis, Münster 2018, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783957430885 ISBN 978-3-95743-088-5].
*Jean-Claude Fredouille, Francesco Zanella: ''Paradoxon.'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Reallexikon_f%C3%BCr_Antike_und_Christentum Reallexikon für Antike und Christentum]''. Band 26, Hiersemann, Stuttgart 2015, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783777215099 ISBN 978-3-7772-1509-9], Sp. 968–986
*Michael Clark: ''Paradoxes from A to Z.'' 2. Auflage. Routledge, London u.&nbsp;a. 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9780415420822 ISBN 978-0-415-42082-2].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%A1bor_Pa%C3%A1l Gábor Paál]: ''Was ist schön? Ästhetik und Erkenntnis.'' Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3826024257 ISBN 3-8260-2425-7].
*Paul Geyer, [https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Hagenb%C3%BCchle Roland Hagenbüchle] (Hrsg.): ''Das Paradox. Eine Herausforderung des abendländischen Denkens'' (= ''Stauffenburg-Colloquium.'' Bd. 21). Stauffenburg-Verlag, Tübingen 1992, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3923721781 ISBN 3-923721-78-1], bes.: Heinrich Plett: ''Das Paradoxon als rhetorische Kategorie.'' S. 89–104 (2. Auflage. Königshausen & Neumann, Würzburg 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3826023455 ISBN 3-8260-2345-5]).
*Richard M. Sainsbury: ''Paradoxien'' (= ''Universal-Bibliothek'' 18135). Reclam, Stuttgart 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3150181356 ISBN 3-15-018135-6].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Raymond_M._Smullyan Raymond M. Smullyan]: ''Das Buch ohne Titel. Eine Sammlung von Paradoxa und Lebensrätseln.'' Vieweg, Braunschweig u.&nbsp;a. 1983, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3528084855 ISBN 3-528-08485-5].
*Patrick Hughes, George Brecht: ''Die Scheinwelt des Paradoxons. Eine kommentierte Anthologie in Wort und Bild.'' Vieweg, Braunschweig 1978, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3528083794 ISBN 3-528-08379-4].
*Kannetzky, Frank: ''paradoxes denken.'' mentis, Paderborn 2000, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783897850880 ISBN 978-3-89785-088-0]
*Rescher, Nicholas: ''Paradoxes. Their Roots, Range and Resolution.'' Open Court, Chicago 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9780812694376 ISBN 978-0-8126-9437-6]
 
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
<div class="sisterproject"><div class="noresize noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Commons">[[file:12px-Commons-logo.svg.png|12x16px]]</span></span></div>'''<span class="plainlinks">[https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Paradoxes?uselang=de <span lang="en">Commons</span>: Paradoxes]</span>'''&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Paradoxon Wiktionary: Paradoxon]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
*Barry Hartley Slater:&nbsp;[http://www.iep.utm.edu/p/par-log.htm ''Logical Paradoxes.''] In: J. Fieser, B. Dowden (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Encyclopedia_of_Philosophy Internet Encyclopedia of Philosophy]''.
*Andrea Cantini:&nbsp;[http://plato.stanford.edu/entries/paradoxes-contemporary-logic/ ''Paradoxes and Contemporary Logic.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]''.
*Timm Grams: [http://www.fh-fulda.de/~grams/dnkfln.htm Denkfallen und Paradoxien]
 
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
 
#<span class="reference-text">Wilhelm Pape, Max Sengebusch (Bearb.): ''Handwörterbuch der griechischen Sprache.'' 3. Auflage, Braunschweig 1914.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Arnim_Regenbogen Arnim Regenbogen], Uwe Meyer: ''Wörterbuch der Philosophischen Begriffe''. Meiner, Hamburg 1997, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783787313259 ISBN 978-3-7873-1325-9].</span>
#<span class="reference-text">''Was ist schön? Ästhetik und Erkenntnis'' 2003, S. 194–206.</span>
#<span class="reference-text">Willard Van Orman Quine: <cite>The Ways of Paradox, and other essays</cite>. Random House, New York 1966.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Penrose Roger Penrose]: ''Schatten des Geistes. Wege zu einer neuen Physik des Bewußtseins.'' Spektrum, Akademischer Verlag, Heidelberg u.&nbsp;a. 1995, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3860252607 ISBN 3-86025-260-7], S. 297 f.</span>
#<span class="reference-text"><span class="cite">[https://www.paulwatzlawick.de/paradoxien.html ''Paradoxien von Paul Watzlawick.'']<span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 14.&nbsp;April 2023</span>.</span></span>

Aktuelle Version vom 8. Juni 2025, 05:31 Uhr

Paradoxon n. agr.-lat.-deu.; Wrtdtng: wrtl.-sgm. 'Nebenannahme; Gegenannahme, infolge Gegenmeinung, …;

  • ‘wirklich oder scheinbar widersinnige bzw. auffallende, sonderbare Behauptung, widersinniges oder unvermutetes, überraschendes Ereignis’,
  • Übernahme (16. Jh.) von spätlat. paradoxon,
    • griech. parádoxon (παράδοξον) ‘der allgemeinen Meinung entgegenstehender, sonderbarer (Lehr)satz’.
  • Neben die bis heute bewahrte griech.-lat. Form (mit ihrem Plural Paradoxa) tritt gelegentlich latinisiertes Paradoxum und in neuerer Zeit auch die endungslose Form Paradox (mit dem schon im 16. Jh. bezeugten Plural Paradoxe).
  • Der Ausdruck ist das substantivierte Neutrum von griech. parádoxos (παράδοξος), agr. parádoxos πᾰρᾰ́δοξος ‘der gewöhnlichen Meinung zuwiderlaufend, wider Erwarten, unvermutet, auffallend, sonderbar, seltsam’, einer Präfixbildung (s. para-) zu griech. dóxa (δόξα) ‘Ansicht, Meinung’. Daraus entlehntes paradox

Paradoxon

Das Penrose-Dreieck erweckt den Anschein, es handele sich um eine geschlossene dreidimensionale Struktur aus drei rechten Winkeln, was in der euklidischen Geometrie jedoch unmöglich ist.

Ein Paradoxon (sächlich; Plural Paradoxa; auch das Paradox oder die Paradoxie, Plural Paradoxe bzw. Paradoxien; vom altgriechischen Adjektiv παράδοξοςparádoxos „wider Erwarten, wider die gewöhnliche Meinung, unerwartet, unglaublich“[1]) ist ein Befund, eine Aussage oder Erscheinung, die dem allgemein Erwarteten, der herrschenden Meinung oder Ähnlichem auf unerwartete Weise zuwiderläuft oder beim üblichen Verständnis der betroffenen Gegenstände bzw. Begriffe zu einem Widerspruch führt.[2] Die Analyse von Paradoxien kann zu einem tieferen Verständnis der betreffenden Gegenstände bzw. Begriffe oder Situationen führen, was den Widerspruch im besten Fall auflöst. Einzelne Paradoxa sind in der Liste von Paradoxa zu finden.

Philosophische Tradition

Pinocchios Nase wächst bekanntlich genau dann, wenn er lügt. Was passiert aber, wenn er sagt „Meine Nase wächst gerade“?

In der Philosophie wurden Paradoxa, ebenso wie Sophismen seit der Antike diskutiert. Teilweise wurden sie eingesetzt, um bestimmte Positionen in der Kosmologie oder der Theologie zu stützen oder zu widerlegen und waren bereits früh Gegenstand logischer Untersuchungen. Bekannt sind die Paradoxien des Zenon von Elea, oder etwa das Allmachtsparadoxon. Bis in die Moderne waren Paradoxien der Selbstreferenz von besonderem Interesse: Dazu zählen das Lügner-Paradoxon, das Paradoxon des Epimenidesund das bekannte Barbier-Paradoxon –, schließlich das durch die Russellsche Antinomie hervorgerufene Mengenparadoxon und die Grelling-Nelson-Antinomie. Auch in der modernen Wissenschaftstheorie stellen Paradoxien, einmal formuliert, eine wichtige Herausforderung dar, da sie Anforderungen an Theorien und Paradigma deutlich machen, die bisher nicht erfüllt wurden, so etwa Hempels Paradox oder Goodmans neues Rätsel der Induktion.

Als ästhetisches Motiv in der Wissenschaft

Eine Betrachtung von Paradoxien in den verschiedenen Wissenschaften belegt, dass das Erkennen und Lösen von Paradoxien ein bedeutendes Motiv wissenschaftlicher Arbeit sein kann. Der Mathematiker Roger Penrose drückte es so aus: „Paradoxien empfinde ich als ausgesprochen reizvoll. Sie sehen so etwas und versuchen zu verstehen, wie um Himmels Willen könnte das einen Sinn ergeben?! Selbst das ist paradox: Ich habe viel für Paradoxien übrig, und gleichzeitig will ich sie aus der Welt schaffen!“ (Zitat nach Gábor Paál)[3]

Der wissenschafts-ästhetische Reiz von Paradoxien zeigt sich auch daran, dass sich Künstler wie M. C. Escher von den Paradoxien in der Mathematik und Physik inspirieren ließen. So gab es zeitweise einen engen Austausch zwischen ihm und Penrose, der sich als Mathematiker mit geometrisch „unmöglichen“ Formen befasste. Von ihm stammt unter anderem das berühmte Penrose-Dreieck. Escher wiederum hat diese in seinen Grafiken umgesetzt. Auch für andere Wissenschaftler und Denker wie Bertrand Russell, Gregory Bateson oder Arthur Koestler waren Paradoxien in ihren unterschiedlichen Facetten ein zentrales Thema.

Formen

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Es werden verschiedene Formen von Paradoxa unterschieden:

  1. Logische Paradoxa: Widersprüchlichkeit als Folge der Negation von Selbstbezüglichkeit, d. h. wenn eine auf sich selbst anwendbare Aussage negiert wird. Sie sind mit der Russellschen Antinomieverwandt. Ein Beispiel ist das sogenannte Lügner-Paradox des Eubulides:
    Dieser Satz ist falsch. (Eine solche Aussage ist wahr, wenn sie falsch ist, und falsch, wenn sie wahr ist.) Eine besondere Form des selbstbezüglichen Widerspruchs ist der sogenannte performative Widerspruch zwischen propositionalem Gehalt und performativem Gehalt.
  2. Metaphysische Paradoxa: Phänomene, die mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht begreifbar sind oder sich der Begreifbarkeit prinzipiell entziehen. Hierzu gehört
    die Frage nach der Endlichkeit beziehungsweise der Unendlichkeit von Raum und Zeit. Ein unendliches Universum scheint dem gesunden Menschenverstand ebenso zu widersprechen wie beispielsweise ein endliches: „Alles muss doch zu irgendeinem Zeitpunkt angefangen haben.“ – „Aber was war dann davor?“
  3. Semantische Paradoxa
  4. Rhetorische Paradoxa: ein Rhetorisches Stilmittel, bei dem eine tiefergehende Wahrheit durch einen Widerspruch deutlich und drastisch dargestellt werden soll (z. B. Oxymoron). Beispiel: Weniger ist mehr!

Gemeinsam ist allen Paradoxa der Widerspruch zwischen dem Behaupteten einerseits und den Erwartungen und Beurteilungen andererseits, die sich aus vertrauten Denkheuristiken, Vorurteilen, Gemeinplätzen, Mehrdeutigkeiten oder begrenzten Perspektiven als alltägliche Meinung (doxa) ergeben. Auch scheinbare Widersprüche, die sich durch genauere Analyse vollständig auflösen lassen, wirken daher im ersten Moment paradox oder galten im Laufe der Geistesgeschichte als unlösbare Paradoxa oder Aporien. Auflösbare Paradoxien sind wahre Aussagen, deren Untersuchung – beispielsweise im Rahmen eines Gedankenexperiments – zu wichtigen Erkenntnisfortschritten in Wissenschaft, Philosophie und Mathematik führen kann, die für das Alltagsverständnis aber unerwartet oder überraschend sind. Der Widerspruch besteht hier oft nur zwischen der erwarteten und der tatsächlichen Lösung. Ein Beispiel aus der Mathematik ist das Ziegenproblem, das logisch und mathematisch exakt lösbar ist, aber der Erwartung vieler Menschen widerspricht.

Nach Willard Van Orman Quine lassen sich drei Fälle unterscheiden: Erstens eine der Intuition, herrschenden Meinung oder Erwartung widersprechende, aber korrekte Beantwortungen eines Problems, zweitens auf Fehlschlüssen beruhenden Paradoxa und drittens solche, die tatsächlich ein sich selbst widersprechendes Resultat des Schlussfolgerns darstellen, das auf eine Antinomie oder auf eine (verborgenerweise) inkonsistente Begriffsbestimmung oder falsche Regelannahme verweist.[4]

Abgrenzung nach Penrose

Der britische Mathematiker und Physiker Roger Penrose schlug für die Physik die Unterscheidung von Paradoxien von Puzzles vor.[5] Bei Puzzles handele es sich um „verblüffende, aber experimentell unmittelbar belegbare Quantenwahrheiten über die Welt, in der wir leben.“ Dazu gehöre unter anderem das sogenannte Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon, das keinen echten Widerspruch, sondern lediglich eine zwar unanschauliche, aber doch belegbare physikalische Wahrheit sei. Die Paradoxien oder „X-Rätsel“, wie Penrose sie auch nennt, seien zwar quantenphysikalisch ebenso ein „wahrer Bestandteil dieser Welt, erscheinen aber so unplausibel und paradox, dass wir uns sträuben, sie als ‚wirklich‘ wahr hinzunehmen“. Das bekannteste X-Rätsel sei das Paradoxon von Schrödingers Katze.

Psychologie

In der Psychologie werden als Paradoxa starke Widersprüche in den Anforderungen an das individuelle Denken und Verhalten untersucht. Dazu gehört die von Paul Watzlawick skizzierte „Sei-spontan-Paradoxie“[6], wie es häufig in Beziehungen zum Ausdruck kommt: Die Erwartung, dass mein Gegenüber seine Entscheidungen gefälligst frei und selbständig treffen soll – und genau damit seine Unselbständigkeit unter Beweis stellen würde. Der Wunsch „Sag mir doch öfter mal spontan, dass du mich liebst!“ ist, sobald ausgesprochen, nicht mehr erfüllbar.

In den sogenannten paradoxen Interventionen werden psychische Paradoxien wiederum gezielt eingesetzt, insbesondere dann, wenn das Gegenüber (ein Kind zum Beispiel) ein trotziges Verhalten zeigt und auf Aufforderungen bewusst mit dem Gegenteil reagiert. Entsprechend wird in der paradoxen Intervention eine Erwartung geäußert, deren Gegenteil eigentlich erreicht werden soll.

Ein weiteres Beispiel für psychische Paradoxien sind Double-Bind-Kommunikationsstrukturen.

Paradoxa in der Populärkultur

In Das Leben des Brian von Monty Python wird Brian gegen seinen Willen für den Messias gehalten und fordert in der „Balkonszene“ seine Anhänger auf, Individuen zu sein:

Brian: Hört zu. Ihr versteht das alles falsch. Es ist wirklich nicht nötig, dass ihr mir folgt. Es ist völlig unnötig, einem Menschen zu folgen, den ihr nicht mal kennt. Ihr müsst nur an euch selbst denken. Ihr seid doch alle Individuen.
Menge: Ja! Wir sind alle Individuen!
Brian: Und ihr seid alle völlig verschieden!
Menge: Ja! Wir sind alle völlig verschieden!
Dennis: Ich nicht!
Menge: Pscht!!

Siehe auch

Literatur

Commons: Paradoxes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Paradoxon – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Wilhelm Pape, Max Sengebusch (Bearb.): Handwörterbuch der griechischen Sprache. 3. Auflage, Braunschweig 1914.
  2. Arnim Regenbogen, Uwe Meyer: Wörterbuch der Philosophischen Begriffe. Meiner, Hamburg 1997, ISBN 978-3-7873-1325-9.
  3. Was ist schön? Ästhetik und Erkenntnis 2003, S. 194–206.
  4. Willard Van Orman Quine: The Ways of Paradox, and other essays. Random House, New York 1966.
  5. Roger Penrose: Schatten des Geistes. Wege zu einer neuen Physik des Bewußtseins. Spektrum, Akademischer Verlag, Heidelberg u. a. 1995, ISBN 3-86025-260-7, S. 297 f.
  6. Paradoxien von Paul Watzlawick. Abgerufen am 14. April 2023.