„Rhotazismus“ – Versionsunterschied
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Als '''Rhotazismus''' (zu: [[Griechische Sprache|griechisch]] {{lang|el|ῥῶ}} ''[[rho]]''<ref>„grch. ''rhotakismos,'' nach dem grch. Buchstaben rho ‚r‘“ (https://www.dwds.de/wb/wdw/Rhotazismus) / „griechisch ''rhōtakismós,'' Gebrauch oder Missbrauch des Rho“ (https://www.duden.de/rechtschreibung/Rhotazismus).</ref>) bezeichnet man den [[Lautwandel]] eines beliebigen Konsonanten zu ''r.'' Betroffen sind meist [[Frikativ]]e wie das ''s'' oder der [[Stimmhafter lateraler alveolarer Approximant|laterale Approximant]] ''l''. | |||
== Beispiele == | |||
Beispiele lassen sich in vielen Sprachen finden: | |||
Im [[Deutsche Sprache|Deutschen]] gibt es Rhotazismen auf dialektaler Ebene, beispielsweise im Hessischen, im [[Hunsrückisch]]en, in der [[Westpfalz]] und im [[Odenwald]]: | |||
* Das mittelhessische ''We'''rr'''er'' für ''We'''tt'''er'' oder ''Bre'''rr'''er'' für ''Bre'''tt'''er''. | |||
Auch in manchen [[Niederdeutsche Sprache|niederdeutschen]] Dialekten finden sich auch Rhotazismen: | |||
* So heißt es in einigen Mundarten '''''orrer''''' ‘oder’ und '''''Werrer''''' ‘Wetter’, wofür in anderen Dialekten ''oder'' und ''Wedder'' steht. | |||
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* ''Amstel'' (Flussname) – ''Amsterdam'' (Stadtname) | |||
In allen germanischen Sprachen außer im (schon sehr früh bezeugten) Gotischen wurde das stimmhafte ''s'' /z/ zu einem /r/, was ebenfalls als Rhotazismus zu beurteilen ist. | |||
* So entspricht im [[Isländische Sprache|Isländischen]] dem [[urgermanisch]]en Frikativ ''z'' in der heutigen Sprache ein ''r'' beispielsweise in (siehe dazu [[Nordischer Rhotazismus]]): | |||
* ''dagu'''r''''' ‘Tag’ aus dem urgermanischen ''*daγa'''z''''' | |||
* ''rauðu'''r''''' ‘rot’ aus dem urgermanischen ''*rauða'''z'''''. | |||
Ein Relikt eines einst regelhaften Rhotazimus liegt im Deutschen und in weiteren neugermanischen Sprachen im sogenannten [[grammatischer Wechsel|grammatische Wechsel]] vor, etwa ''war – gewesen; erkiesen – erkoren,'' sowie (damit verwandt) in Nominalableitungen von Verben, etwa ''frieren – Frost; verlieren – Verlust''. Deutlicher ist der grammatische Wechsel noch im Niederländischen sichtbar, etwa ''ik was – wij waren'' ‘war, waren’ und ''vriezen – vroor – gevroren'' ‘frieren, fror, gefroren’; vergleiche auch englisch ''I was – we were'' ‘war, waren’ und ''freese'' ‘frieren’ – ''frore'' ‘gefroren, kalt’. | |||
Beispiele aus dem [[Latein]]ischen: | |||
* Der Genitiv von ''genus'' ist ''generis'' | |||
* die Vergangenheit von ''e'''ss'''e'' ist ''e'''r'''am'' | |||
In [[Italienische Sprache|italienischen]] Dialekten, die statt des ''l'' oder ''d'' in der Standardsprache ein ''r'' haben. | |||
Beispiele aus dem [[Neapolitanisch|neapolitanischen]] Dialekt: | |||
* Standarditalienisch ''me'''d'''esimo'' ist dort ''me'''r'''esimo'' | |||
* ''u'''l'''timo'' erscheint als ''u'''r'''demo'' | |||
Beispiele aus dem [[Portugiesische Sprache|Portugiesisch]]en: | |||
* ''emp'''r'''egar'' ‘benutzen, verwenden’, aus lateinisch ''imp'''l'''icāre'' | |||
* ''ob'''r'''igar'' ‘nötigen, verpflichten, zwingen’, aus lateinisch ''ob'''l'''igāre'' | |||
* ''b'''r'''anco'' ‘weiß’, aus germanisch ''*b'''l'''ankaz,'' vergleiche französisch ''blanc,'' italienisch ''bianco,'' deutsch ''blank'' | |||
Beispiele aus dem [[Rumänische Sprache|Rumänisch]]en: | |||
* ''moa'''r'''ă'' ‘Mühle’, aus lateinisch ''mo'''l'''a(m)'' | |||
* ''sa'''r'''e'' ‘Salz’, aus lateinisch ''sa'''l'''e(m)'' | |||
== Literatur == | |||
* Helmut Glück (Hrsg.): ''Metzler Lexikon Sprache.'' Metzler, Stuttgart/Weinmar 1993, S. 513. | |||
== Weblinks == | |||
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== Siehe auch == | |||
* [[Rhotizität]] | |||
== Einzelnachweise == | |||
<references /> | |||
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[[Kategorie:Phonetik]] | |||
[[Kategorie:Historische Linguistik]] | |||
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]] | |||
[[Kategorie:Rhotazismus]] | |||
Aktuelle Version vom 30. Juli 2026, 09:52 Uhr
Als Rhotazismus (zu: griechisch ῥῶ rho[1]) bezeichnet man den Lautwandel eines beliebigen Konsonanten zu r. Betroffen sind meist Frikative wie das s oder der laterale Approximant l.
Beispiele
Beispiele lassen sich in vielen Sprachen finden:
Im Deutschen gibt es Rhotazismen auf dialektaler Ebene, beispielsweise im Hessischen, im Hunsrückischen, in der Westpfalz und im Odenwald:
- Das mittelhessische Werrer für Wetter oder Brerrer für Bretter.
Auch in manchen niederdeutschen Dialekten finden sich auch Rhotazismen:
- So heißt es in einigen Mundarten orrer ‘oder’ und Werrer ‘Wetter’, wofür in anderen Dialekten oder und Wedder steht.
Ein Beispiel aus dem Niederländischen ist:
- Amstel (Flussname) – Amsterdam (Stadtname)
In allen germanischen Sprachen außer im (schon sehr früh bezeugten) Gotischen wurde das stimmhafte s /z/ zu einem /r/, was ebenfalls als Rhotazismus zu beurteilen ist.
- So entspricht im Isländischen dem urgermanischen Frikativ z in der heutigen Sprache ein r beispielsweise in (siehe dazu Nordischer Rhotazismus):
- dagur ‘Tag’ aus dem urgermanischen *daγaz
- rauður ‘rot’ aus dem urgermanischen *rauðaz.
Ein Relikt eines einst regelhaften Rhotazimus liegt im Deutschen und in weiteren neugermanischen Sprachen im sogenannten grammatische Wechsel vor, etwa war – gewesen; erkiesen – erkoren, sowie (damit verwandt) in Nominalableitungen von Verben, etwa frieren – Frost; verlieren – Verlust. Deutlicher ist der grammatische Wechsel noch im Niederländischen sichtbar, etwa ik was – wij waren ‘war, waren’ und vriezen – vroor – gevroren ‘frieren, fror, gefroren’; vergleiche auch englisch I was – we were ‘war, waren’ und freese ‘frieren’ – frore ‘gefroren, kalt’.
Beispiele aus dem Lateinischen:
- Der Genitiv von genus ist generis
- die Vergangenheit von esse ist eram
In italienischen Dialekten, die statt des l oder d in der Standardsprache ein r haben. Beispiele aus dem neapolitanischen Dialekt:
- Standarditalienisch medesimo ist dort meresimo
- ultimo erscheint als urdemo
Beispiele aus dem Portugiesischen:
- empregar ‘benutzen, verwenden’, aus lateinisch implicāre
- obrigar ‘nötigen, verpflichten, zwingen’, aus lateinisch obligāre
- branco ‘weiß’, aus germanisch *blankaz, vergleiche französisch blanc, italienisch bianco, deutsch blank
Beispiele aus dem Rumänischen:
- moară ‘Mühle’, aus lateinisch mola(m)
- sare ‘Salz’, aus lateinisch sale(m)
Literatur
- Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. Metzler, Stuttgart/Weinmar 1993, S. 513.
Weblinks
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ „grch. rhotakismos, nach dem grch. Buchstaben rho ‚r‘“ (https://www.dwds.de/wb/wdw/Rhotazismus) / „griechisch rhōtakismós, Gebrauch oder Missbrauch des Rho“ (https://www.duden.de/rechtschreibung/Rhotazismus).