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„Saturnalien“ – Versionsunterschied

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Saturnalien[[Datei:Saturnalia by Antoine Callet.jpg|mini|Saturnalien (1783) von [[wikipedia:Antoine-François_Callet|Antoine-François Callet]], die seine Interpretation zeigen, wie die Saturnalien ausgesehen haben könnten]]
<p>Die '''Saturnalien''' waren im [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Reich Römischen Reich] zunächst nur ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Feste_und_Feiertage_im_R%C3%B6mischen_Reich Festtag] zu Ehren von [https://de.wikipedia.org/wiki/Saturn_(Mythologie) Saturn]. Er galt als Herrscher des [https://de.wikipedia.org/wiki/Goldenes_Zeitalter Goldenen Zeitalters]. Ursprünglich handelte es sich um ein Fest, das mit dem Abschluss der Winteraussaat in Verbindung stand. Damit waren die Saturnalia das größte römische Bauernfest. Die Saturnalien fanden erst nach 45&nbsp;v.&nbsp;Chr. als mehrtägiges Fest zwischen dem 17. und [https://de.wikipedia.org/wiki/23._Dezember 23. Dezember] statt, das später allerdings bis zum 30. Dezember ausgedehnt wurde.</p>
<p>Die '''Saturnalien''' waren im [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Reich Römischen Reich] zunächst nur ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Feste_und_Feiertage_im_R%C3%B6mischen_Reich Festtag] zu Ehren von [https://de.wikipedia.org/wiki/Saturn_(Mythologie) Saturn]. Er galt als Herrscher des [https://de.wikipedia.org/wiki/Goldenes_Zeitalter Goldenen Zeitalters]. Ursprünglich handelte es sich um ein Fest, das mit dem Abschluss der Winteraussaat in Verbindung stand. Damit waren die Saturnalia das größte römische Bauernfest. Die Saturnalien fanden erst nach 45&nbsp;v.&nbsp;Chr. als mehrtägiges Fest zwischen dem 17. und [https://de.wikipedia.org/wiki/23._Dezember 23. Dezember] statt, das später allerdings bis zum 30. Dezember ausgedehnt wurde.</p>
<p>Im Jahre 217 v. Chr. im Verlauf des [https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Punischer_Krieg Zweiten Punischen Krieges] wurde es als [https://de.wikipedia.org/wiki/Ritus Ritus] nach griechischem Vorbild, ''graeco ritu'', umgestaltet. Seit jenem Jahr ist ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Opfer_(Religion)#R%C3%B6mische_G%C3%B6tter_und_Kultus Opfer] und ein großes [https://de.wikipedia.org/wiki/Gelage Gelage] (''lectisternium'') am [https://de.wikipedia.org/wiki/Saturntempel Saturntempel] bis tief in die Nacht hinein mit karnevalesken Zügen an den Saturnalien belegt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Titus_Livius Titus Livius] nannte als Anlass für die Saturnalia die [https://de.wikipedia.org/wiki/Widmung Dedikation] des Saturntempels im Jahr 497 v. Chr.; so stand das Gründungsdatum im Zusammenhang mit dem Saturntempel auf dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Forum_Romanum Forum Romanum]. Die festliche Zeit war in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Fasti_Antiates_maiores Fasti Antiates maiores]aufgeführt.</p>


''Saturnalia'' (1783) by[https://en.wikipedia.org/wiki/Antoine-Fran%C3%A7ois_Callet Antoine-François Callet]
== <span id="Verlauf_der_festlichen_Aktivitäten">Verlauf der festlichen Aktivitäten</span> ==
<p>Die Feiern begannen mit einem Opfer vor dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Tempel_des_Saturn Tempel des Saturn] und einem öffentlichen Mahl. Öffentliche Einrichtungen waren während der Saturnalien geschlossen. Die Tempel veranstalteten öffentliche Speisungen. Es war üblich, sich zu den Saturnalien zu beschenken. In privaten Gastmählern mit zum Teil exzessiven Trink- und Essgelagen wurden Spottgedichte und Rätsel vorgetragen. [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_B%C3%BCrgerrecht Römische Bürger] legten die [https://de.wikipedia.org/wiki/Toga Toga] ab und trugen bequeme [https://de.wikipedia.org/wiki/Tunika Tuniken]. Die Teilnehmer der Saturnalien setzten sich [https://de.wikipedia.org/wiki/Pileus_(Kleidung) Pillei] auf, Filzkappen, die sonst nur von [https://de.wikipedia.org/wiki/Freigelassener freigelassenen Sklaven] getragen wurden.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Saturnalien#cite_note-1 [1]]</sup> Es wurde ein Saturnalienfürst (''Saturnalicus princeps'') gewählt, teilweise wurde dieser auch ''rex bibendi'' („König des Trinkens“) genannt. Dieser Name deutet auch auf den stark gesteigerten [https://de.wikipedia.org/wiki/Wein Weinkonsum] während der Festtage hin. Nicht nur der Wein wurde während der Festtage in großem Maße getrunken, es war auch offiziell das [https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%BCrfelspiel Würfelspiel] um Geld erlaubt und es konnten Festgeschenke, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Apophoreta apophoreta]'', verlost werden. Auch sonst lockerte sich die Moral während der Feiertage erheblich. Die „Aufhebung“ der Standesunterschiede war ein wichtiger Aspekt der Saturnalien; so wurden auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_im_R%C3%B6mischen_Reich Sklaven] an diesem Tag von ihren Herren wie „Gleichgestellte“ behandelt, ja teilweise wurden die Rollen sogar (scherzhaft) umgekehrt, so dass die Herren ihre Sklaven bedienten. Während der Saturnalien beschenkte man einander mit kleinen, zum Teil aber sehr wertvollen Geschenken.</p>
<p>Er wurde ursprünglich als [https://de.wikipedia.org/wiki/Endoitio_Exitio_Nefas Endoitio Exitio Nefas] am [https://de.wikipedia.org/wiki/17._Dezember 17. Dezember] gefeiert und wechselte nach der [https://de.wikipedia.org/wiki/Julianischer_Kalender julianischen Kalenderreform] den [https://de.wikipedia.org/wiki/Tagescharaktere_im_r%C3%B6mischen_Kalender Tagescharakter] auf einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Nefas_Piaculum Nefas Piaculum]. Die Saturnalien fanden erst nach 45&nbsp;v.&nbsp;Chr. als mehrtägiges Fest zwischen dem 17. und [https://de.wikipedia.org/wiki/23._Dezember 23. Dezember] statt, das später allerdings bis zum 30. Dezember ausgedehnt wurde.</p>


, showing his interpretation of what the Saturnalia might have looked like
== Rezeption ==
<p>Die ältere Volkskunde sah im [https://de.wikipedia.org/wiki/Bohnenk%C3%B6nig Bohnenkönig] einen Erben der römischen Saturnalien, doch bestreiten neuere Ansätze eine solche Kontinuität. Von [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Persson_Nilsson Martin Persson Nilsson]<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Saturnalien#cite_note-2 [2]]</sup> und [https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Hislop Alexander Hislop] wird eine Beziehung zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Christentum christlichen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachten Weihnachtsfest] hergestellt.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Saturnalien#cite_note-3 [3]]</sup><sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Saturnalien#cite_note-4 [4]]</sup> Dies wird jedoch von dem Althistoriker [https://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Kissel Theodor Kissel] als Spekulation angesehen.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Saturnalien#cite_note-5 [5]]</sup></p><p>An einigen deutschen Hochschulen (zum Beispiel [https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_zu_K%C3%B6ln Köln] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Christian-Albrechts-Universit%C3%A4t_zu_Kiel Kiel]) werden heute traditionell „Saturnalien“ als studentisches Fest veranstaltet, bei dem man in der Vorweihnachtszeit mit den Dozenten „abrechnet“.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Saturnalien#cite_note-6 [6]]</sup></p>
== <span id="Nachleben">Nachleben</span> ==
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalterliche] Feste, wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Karneval,_Fastnacht_und_Fasching Karneval, Fastnacht und Fasching], der Narrentag, der Eselstag, das [https://de.wikipedia.org/wiki/Osterlachen Osterlachen] oder das Weihnachtslachen zelebrierten ebenfalls die zeitweise Umkehrung der herrschenden Verhältnisse. Sie wurden bevorzugt vom niederen [[Klerus]] begangen, der aus seinen Reihen dann oft einen Narrenabt oder Narrenbischof erwählte. Auch Narrenkönige waren bekannt.</p>
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==


Saturnalien (1783) von Antoine-François Callet, die seine Interpretation zeigen, wie die Saturnalien ausgesehen haben könnten<p>Im Jahre 217 v. Chr. im Verlauf des [https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Punischer_Krieg Zweiten Punischen Krieges] wurde es als [https://de.wikipedia.org/wiki/Ritus Ritus] nach griechischem Vorbild, ''graeco ritu'', umgestaltet. Seit jenem Jahr ist ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Opfer_(Religion)#R%C3%B6mische_G%C3%B6tter_und_Kultus Opfer] und ein großes [https://de.wikipedia.org/wiki/Gelage Gelage] (''lectisternium'') am [https://de.wikipedia.org/wiki/Saturntempel Saturntempel] bis tief in die Nacht hinein mit karnevalesken Zügen an den Saturnalien belegt. [https://de.wikipedia.org/wiki/Titus_Livius Titus Livius] nannte als Anlass für die Saturnalia die [https://de.wikipedia.org/wiki/Widmung Dedikation] des Saturntempels im Jahr 497 v. Chr.; so stand das Gründungsdatum im Zusammenhang mit dem Saturntempel auf dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Forum_Romanum Forum Romanum]. Die festliche Zeit war in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Fasti_Antiates_maiores Fasti Antiates maiores]aufgeführt.</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Persson_Nilsson Martin Persson Nilsson]: ''Saturnalia.'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Paulys_Realencyclop%C3%A4die_der_classischen_Altertumswissenschaft Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft]'' (RE). Band II A,1, Stuttgart 1921, Sp.&nbsp;201–211.
== <span id="Verlauf_der_festlichen_Aktivitäten">Verlauf der festlichen Aktivitäten</span> ==
*Sara Stöcklin-Kaldewey: ''Saturnalia.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Hornung Christian Hornung] u. a. (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Reallexikon_f%C3%BCr_Antike_und_Christentum Reallexikon für Antike und Christentum].'' Band 29, Anton Hiersemann, Stuttgart 2019, Sp. 654–659.
<p>Die Feiern begannen mit einem Opfer vor dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Tempel_des_Saturn Tempel des Saturn] und einem öffentlichen Mahl. Öffentliche Einrichtungen waren während der Saturnalien geschlossen. Die Tempel veranstalteten öffentliche Speisungen. Es war üblich, sich zu den Saturnalien zu beschenken. In privaten Gastmählern mit zum Teil exzessiven Trink- und Essgelagen wurden Spottgedichte und Rätsel vorgetragen. [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_B%C3%BCrgerrecht Römische Bürger] legten die [https://de.wikipedia.org/wiki/Toga Toga]ab und trugen bequeme [https://de.wikipedia.org/wiki/Tunika Tuniken]. Die Teilnehmer der Saturnalien setzten sich [https://de.wikipedia.org/wiki/Pileus_(Kleidung) Pillei] auf, Filzkappen, die sonst nur von [https://de.wikipedia.org/wiki/Freigelassener freigelassenen Sklaven]getragen wurden.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Saturnalien#cite_note-1 [1]]</sup> Es wurde ein Saturnalienfürst (''Saturnalicus princeps'') gewählt, teilweise wurde dieser auch ''rex bibendi'' („König des Trinkens“) genannt. Dieser Name deutet auch auf den stark gesteigerten [https://de.wikipedia.org/wiki/Wein Weinkonsum] während der Festtage hin. Nicht nur der Wein wurde während der Festtage in großem Maße getrunken, es war auch offiziell das [https://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%BCrfelspiel Würfelspiel] um Geld erlaubt und es konnten Festgeschenke, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Apophoreta apophoreta]'', verlost werden. Auch sonst lockerte sich die Moral während der Feiertage erheblich. Die „Aufhebung“ der Standesunterschiede war ein wichtiger Aspekt der Saturnalien; so wurden auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Sklaverei_im_R%C3%B6mischen_Reich Sklaven] an diesem Tag von ihren Herren wie „Gleichgestellte“ behandelt, ja teilweise wurden die Rollen sogar (scherzhaft) umgekehrt, so dass die Herren ihre Sklaven bedienten. Während der Saturnalien beschenkte man einander mit kleinen, zum Teil aber sehr wertvollen Geschenken.</p><p>Er wurde ursprünglich als [https://de.wikipedia.org/wiki/Endoitio_Exitio_Nefas Endoitio Exitio Nefas] am [https://de.wikipedia.org/wiki/17._Dezember 17. Dezember] gefeiert und wechselte nach der [https://de.wikipedia.org/wiki/Julianischer_Kalender julianischen Kalenderreform] den [https://de.wikipedia.org/wiki/Tagescharaktere_im_r%C3%B6mischen_Kalender Tagescharakter] auf einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Nefas_Piaculum Nefas Piaculum]. Die Saturnalien fanden erst nach 45&nbsp;v.&nbsp;Chr. als mehrtägiges Fest zwischen dem 17. und [https://de.wikipedia.org/wiki/23._Dezember 23. Dezember] statt, das später allerdings bis zum 30. Dezember ausgedehnt wurde.</p>
*Helene Klauser: ''Kölner Karneval zwischen Uniform und Lebensform'' (Dissertationsschrift an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln), Waxmann Verlag, Münster - New York - München - Berlin 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783830917786 ISBN 978-3-8309-1778-6]
== Rezeption ==
 
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
<div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Saturnalien Wiktionary: Saturnalien]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
 
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Wilhelm_Weeber Karl-Wilhelm Weeber]: ''Alltag im alten Rom. Ein Lexikon.'' Artemis & Winkler, Düsseldorf/Zürich 1998, S. 216.</span>
#<span class="reference-text">Martin Persson Nilsson: ''Saturnalia.'' In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II A,1, Stuttgart 1921, Sp. 201–211.</span>
#<span class="reference-text">Alexander Hislop: ''Von Babylon nach Rom. Der Ursprung der römisch-katholischen Religion.'' CLV, Bielefeld 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783893973774 ISBN 978-3-8939-7377-4]</span>
#<span class="reference-text">Jörg Kraus: ''Metamorphosen des Chaos: Hexen, Masken und verkehrte Welten''. Königshausen & Neumann, Würzburg 1998, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783826014246 ISBN 978-3-82601-424-6], S.&nbsp;162 f.<br>Hans Förster: ''Die Anfänge von Weihnachten und Epiphanias: eine Anfrage an die Entstehungshypothesen.'' Bd. 46 ''Studien und Texte zu Antike und Christentum,'' Mohr Siebeck, Tübingen 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783161493997 ISBN 978-3-16149-39-97], S.&nbsp;57 f.</span>
#<span class="reference-text">Theodor Kissel: <cite>Karneval im alten Rom: Tolle Tage am Tiber</cite>. In: <cite>Spiegel Online</cite>. 9.&nbsp;November 2008 ([https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/karneval-im-alten-rom-tolle-tage-am-tiber-a-587687.html spiegel.de] [abgerufen am 8.&nbsp;November 2019]).</span>
#<span class="reference-text">[https://web.archive.org/web/20161226090329/http://ifa.phil-fak.uni-koeln.de/13234.html?&L=0 Ankündigung der Saturnalien] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Web-Archivierung#Begrifflichkeiten <span class="webarchiv-memento">Memento</span>] vom 26. Dezember 2016 im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive]''), Institut für Altertumskunde der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln</span>
 
== Siehe Auch ==
 
* [[Saturnalia]]
*Τὰ πρὸς Κρόνον, Lukians Saturnalia, Saturnalische Verhandlungen. Drei Texte mit Bezug auf die Saturnalien: 1. Die Saturnalien (Dialog), 2. Cronosolon, 3. Saturnalische Briefe
 
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Aktuelle Version vom 15. Juni 2024, 18:49 Uhr

Saturnalien

Saturnalien (1783) von Antoine-François Callet, die seine Interpretation zeigen, wie die Saturnalien ausgesehen haben könnten

Die Saturnalien waren im Römischen Reich zunächst nur ein Festtag zu Ehren von Saturn. Er galt als Herrscher des Goldenen Zeitalters. Ursprünglich handelte es sich um ein Fest, das mit dem Abschluss der Winteraussaat in Verbindung stand. Damit waren die Saturnalia das größte römische Bauernfest. Die Saturnalien fanden erst nach 45 v. Chr. als mehrtägiges Fest zwischen dem 17. und 23. Dezember statt, das später allerdings bis zum 30. Dezember ausgedehnt wurde.

Im Jahre 217 v. Chr. im Verlauf des Zweiten Punischen Krieges wurde es als Ritus nach griechischem Vorbild, graeco ritu, umgestaltet. Seit jenem Jahr ist ein Opfer und ein großes Gelage (lectisternium) am Saturntempel bis tief in die Nacht hinein mit karnevalesken Zügen an den Saturnalien belegt. Titus Livius nannte als Anlass für die Saturnalia die Dedikation des Saturntempels im Jahr 497 v. Chr.; so stand das Gründungsdatum im Zusammenhang mit dem Saturntempel auf dem Forum Romanum. Die festliche Zeit war in den Fasti Antiates maioresaufgeführt.

Verlauf der festlichen Aktivitäten

Die Feiern begannen mit einem Opfer vor dem Tempel des Saturn und einem öffentlichen Mahl. Öffentliche Einrichtungen waren während der Saturnalien geschlossen. Die Tempel veranstalteten öffentliche Speisungen. Es war üblich, sich zu den Saturnalien zu beschenken. In privaten Gastmählern mit zum Teil exzessiven Trink- und Essgelagen wurden Spottgedichte und Rätsel vorgetragen. Römische Bürger legten die Toga ab und trugen bequeme Tuniken. Die Teilnehmer der Saturnalien setzten sich Pillei auf, Filzkappen, die sonst nur von freigelassenen Sklaven getragen wurden.[1] Es wurde ein Saturnalienfürst (Saturnalicus princeps) gewählt, teilweise wurde dieser auch rex bibendi („König des Trinkens“) genannt. Dieser Name deutet auch auf den stark gesteigerten Weinkonsum während der Festtage hin. Nicht nur der Wein wurde während der Festtage in großem Maße getrunken, es war auch offiziell das Würfelspiel um Geld erlaubt und es konnten Festgeschenke, apophoreta, verlost werden. Auch sonst lockerte sich die Moral während der Feiertage erheblich. Die „Aufhebung“ der Standesunterschiede war ein wichtiger Aspekt der Saturnalien; so wurden auch Sklaven an diesem Tag von ihren Herren wie „Gleichgestellte“ behandelt, ja teilweise wurden die Rollen sogar (scherzhaft) umgekehrt, so dass die Herren ihre Sklaven bedienten. Während der Saturnalien beschenkte man einander mit kleinen, zum Teil aber sehr wertvollen Geschenken.

Er wurde ursprünglich als Endoitio Exitio Nefas am 17. Dezember gefeiert und wechselte nach der julianischen Kalenderreform den Tagescharakter auf einen Nefas Piaculum. Die Saturnalien fanden erst nach 45 v. Chr. als mehrtägiges Fest zwischen dem 17. und 23. Dezember statt, das später allerdings bis zum 30. Dezember ausgedehnt wurde.

Rezeption

Die ältere Volkskunde sah im Bohnenkönig einen Erben der römischen Saturnalien, doch bestreiten neuere Ansätze eine solche Kontinuität. Von Martin Persson Nilsson[2] und Alexander Hislop wird eine Beziehung zum christlichen Weihnachtsfest hergestellt.[3][4] Dies wird jedoch von dem Althistoriker Theodor Kissel als Spekulation angesehen.[5]

An einigen deutschen Hochschulen (zum Beispiel Köln und Kiel) werden heute traditionell „Saturnalien“ als studentisches Fest veranstaltet, bei dem man in der Vorweihnachtszeit mit den Dozenten „abrechnet“.[6]

Nachleben

Mittelalterliche Feste, wie Karneval, Fastnacht und Fasching, der Narrentag, der Eselstag, das Osterlachen oder das Weihnachtslachen zelebrierten ebenfalls die zeitweise Umkehrung der herrschenden Verhältnisse. Sie wurden bevorzugt vom niederen Klerus begangen, der aus seinen Reihen dann oft einen Narrenabt oder Narrenbischof erwählte. Auch Narrenkönige waren bekannt.

Literatur

Wiktionary: Saturnalien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Karl-Wilhelm Weeber: Alltag im alten Rom. Ein Lexikon. Artemis & Winkler, Düsseldorf/Zürich 1998, S. 216.
  2. Martin Persson Nilsson: Saturnalia. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II A,1, Stuttgart 1921, Sp. 201–211.
  3. Alexander Hislop: Von Babylon nach Rom. Der Ursprung der römisch-katholischen Religion. CLV, Bielefeld 2002, ISBN 978-3-8939-7377-4
  4. Jörg Kraus: Metamorphosen des Chaos: Hexen, Masken und verkehrte Welten. Königshausen & Neumann, Würzburg 1998, ISBN 978-3-82601-424-6, S. 162 f.
    Hans Förster: Die Anfänge von Weihnachten und Epiphanias: eine Anfrage an die Entstehungshypothesen. Bd. 46 Studien und Texte zu Antike und Christentum, Mohr Siebeck, Tübingen 2007, ISBN 978-3-16149-39-97, S. 57 f.
  5. Theodor Kissel: Karneval im alten Rom: Tolle Tage am Tiber. In: Spiegel Online. 9. November 2008 (spiegel.de [abgerufen am 8. November 2019]).
  6. Ankündigung der Saturnalien (Memento vom 26. Dezember 2016 im Internet Archive), Institut für Altertumskunde der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln

Siehe Auch

  • Saturnalia
  • Τὰ πρὸς Κρόνον, Lukians Saturnalia, Saturnalische Verhandlungen. Drei Texte mit Bezug auf die Saturnalien: 1. Die Saturnalien (Dialog), 2. Cronosolon, 3. Saturnalische Briefe