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„das Absolute“ – Versionsunterschied

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<p>'''Das Absolute''' (von lat. absolutum, „das Losgelöste“) ist ein Begriff, der in vielen Bereichen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologie Theologie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] Verwendung findet und das völlige Enthobensein von allen (einschränkenden) Bedingungen oder Beziehungen bezeichnet. In der philosophischen Tradition ist der Begriff eng verwandt mit dem des Unbedingten.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-1 [1]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading2">
<p>'''Das Absolute''' (von lat. [[absolūtum|absolutum]], „das Losgelöste“) ist ein Begriff, der in vielen Bereichen der Theologie und Philosophie Verwendung findet und das völlige Enthobensein von allen (einschränkenden) Bedingungen oder Beziehungen bezeichnet. In der philosophischen Tradition ist der Begriff eng verwandt mit dem [[das Unbedingte|des Unbedingten]].<ref><span class="reference-text">So bestimmt z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Hoffmeister_(Philosoph) Johannes Hoffmeister] in seinem ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe'', Hamburg 2. Aufl. 1955 das Absolute als „das in sich Bestehende, das Unbedingte, Uneingeschränkte“</span> </ref></p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Das Absolute in der abendländischen Tradition ==
== Das Absolute in der abendländischen Tradition ==
</div><div class="mw-heading mw-heading3">
</div><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Antike und Mittelalter ===
=== Antike und Mittelalter ===
</div><p>Auch wenn in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Philosophie griechischen Philosophie] ein genaues [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%84quivalent Äquivalent] für den Ausdruck des Absoluten fehlte, schloss man dort aufgrund der durchgängigen Bedingtheit alles [https://de.wikipedia.org/wiki/Sein Seienden] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kontingenz_(Philosophie) Kontingenz]) auf eine oberste, selbst nicht wieder bedingte Bedingung. So fragten bereits die [https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsokratiker Vorsokratiker] nach der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Arch%C4%93 Archē]'', einem nicht mehr auf anderes zurückführbaren Ursprung der Dinge. Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon] ist dieses als höchstes Gutsein zu bestimmen, weil erst in ihm ein letztes Umseinerselbstwillen gedacht werden kann, welches das wahrhafte Unbedingte, das ''Anhypotheton'' ist (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Politeia Politeia]'' 511b). [https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Gute Das Gute] ist der letzte Grund bzw. die [https://de.wikipedia.org/wiki/Erste_Ursache erste Ursache] aller Dinge und aller Erkenntnis und das höchste Ziel des Strebens.</p><p>Gelegentlich wird bereits bei den [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenv%C3%A4ter Kirchenvätern] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Tertullian Tertullian], [https://de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_(Kirchenvater) Hieronymus]) [https://de.wikipedia.org/wiki/Gott Gott] als das „[https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6chstes_Gut höchste Gut]“ mit dem Prädikat „absolut“ (lat. ''absolutum'') bestimmt. Ab [https://de.wikipedia.org/wiki/Anselm_von_Canterbury Anselm von Canterbury] (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Monologion Monologion]'') wurde es direkt mit Gott gleichgesetzt. Er sagt vom göttlich substantiellen [https://de.wikipedia.org/wiki/Geist Geist], dass nur er absolut sei (''qui solus absolutus est'', ''Monologion'' 28). Erst bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Nicolaus_von_Cues Nicolaus von Cues] wird das Absolute bewusst thematisiert und als [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysisch metaphysische] Grundkategorie eingeführt.</p><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Scholastik Scholastik] wird die Lehre vom Absoluten im Rahmen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nat%C3%BCrliche_Theologie Natürlichen Theologie] stark ausgebaut, insbesondere von [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin].</p><div class="mw-heading mw-heading3">
</div><p>Auch wenn in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Philosophie griechischen Philosophie] ein genaues [[Äquivalent]] für den Ausdruck des Absoluten fehlte, schloss man dort aufgrund der durchgängigen Bedingtheit alles [[Seiende|Seienden]] ([[Kontingenz (Philosophie)|Kontingenz]]) auf eine oberste, selbst nicht wieder bedingte Bedingung. So fragten bereits die [[Vorsokratiker]] nach der ''[[Archē]]'', einem nicht mehr auf anderes zurückführbaren Ursprung der Dinge. Nach [[Platon]] ist dieses als höchstes Gutsein zu bestimmen, weil erst in ihm ein letztes Umseinerselbstwillen gedacht werden kann, welches das wahrhafte Unbedingte, das ''Anhypotheton'' ist (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Politeia Politeia]'' 511b). [[Das Gute]] ist der letzte Grund bzw. die [[erste Ursache]] aller Dinge und aller Erkenntnis und das höchste Ziel des Strebens.</p><p>Gelegentlich wird bereits bei den [https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenv%C3%A4ter Kirchenvätern] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Tertullian Tertullian], [https://de.wikipedia.org/wiki/Hieronymus_(Kirchenvater) Hieronymus]) [https://de.wikipedia.org/wiki/Gott Gott] als das „[https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6chstes_Gut höchste Gut]“ mit dem Prädikat „absolut“ (lat. ''[[absolutum]]'') bestimmt. Ab [https://de.wikipedia.org/wiki/Anselm_von_Canterbury Anselm von Canterbury] (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Monologion Monologion]'') wurde es direkt mit Gott gleichgesetzt. Er sagt vom göttlich substantiellen [https://de.wikipedia.org/wiki/Geist Geist], dass nur er absolut sei (''qui solus absolutus est'', ''Monologion'' 28). Erst bei [[Nicolaus von Cues]] wird ''das Absolute'' bewusst thematisiert und als metaphysische Grundkategorie eingeführt.</p><p>In der [[Scholastik]] wird die Lehre vom Absoluten im Rahmen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nat%C3%BCrliche_Theologie Natürlichen Theologie] stark ausgebaut, insbesondere von [[Thomas von Aquin]].</p><div class="mw-heading mw-heading3">
=== Neuzeit ===
=== Neuzeit ===
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</div><div class="mw-heading mw-heading4">
==== Spinoza ====
==== Spinoza ====
</div><p>Grundlegend für die Geschichte des Begriffs des Absoluten ist die Philosophie [https://de.wikipedia.org/wiki/Baruch_de_Spinoza Baruch de Spinozas], an dessen Gottesbegriff zahlreiche Philosophen der Neuzeit in zustimmender oder ablehnender Haltung anknüpfen (z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Heinrich_Jacobi Friedrich Heinrich Jacobi], [https://de.wikipedia.org/wiki/Moses_Mendelssohn Moses Mendelssohn], [https://de.wikipedia.org/wiki/Gotthold_Ephraim_Lessing Gotthold Ephraim Lessing], [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant], [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottlieb_Fichte Johann Gottlieb Fichte], [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schelling Friedrich Wilhelm Joseph Schelling], [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel Georg Wilhelm Friedrich Hegel], [https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Baader Franz von Baader], [https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%B8ren_Kierkegaard Søren Kierkegaard]).</p><p>Im ersten Teil von Spinozas ''Ethik'' (''De Deo'') bestimmt Spinoza Gott als die absolute, unbegrenzte Substanz (''ens absolute infinitum, hoc est, substantiam''), die durch unbedingte Macht (''absolute potentiam'') und „unbedingte Existenz“ (''absolute existit'') charakterisiert ist. Das Absolute ist darüber hinaus „[https://de.wikipedia.org/wiki/Unendlich unendlich]“' und „unteilbar“ (''absolute infinita est indivisibilis'') und die unbedingt erste Ursache (''absolute causam primam'').<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-2 [2]]</sup> Aus Gott fließt alles (''omnia necessario effluxisse'') als unbedingt bestimmt und abhängig (''omnia ex necessitate divinae naturae determinata sunt''), und nichts (''res nulla'') in der Natur konnte anders werden, als es ist.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-3 [3]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading4">
</div><p>Grundlegend für die Geschichte des Begriffs des Absoluten ist die Philosophie [https://de.wikipedia.org/wiki/Baruch_de_Spinoza Baruch de Spinozas], an dessen Gottesbegriff zahlreiche Philosophen der Neuzeit in zustimmender oder ablehnender Haltung anknüpfen (z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Heinrich_Jacobi Friedrich Heinrich Jacobi], [https://de.wikipedia.org/wiki/Moses_Mendelssohn Moses Mendelssohn], [https://de.wikipedia.org/wiki/Gotthold_Ephraim_Lessing Gotthold Ephraim Lessing], [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant], [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottlieb_Fichte Johann Gottlieb Fichte], [https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schelling Friedrich Wilhelm Joseph Schelling], [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel Georg Wilhelm Friedrich Hegel], [https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Baader Franz von Baader], [https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%B8ren_Kierkegaard Søren Kierkegaard]).</p><p>Im ersten Teil von Spinozas ''Ethik'' (''De Deo'') bestimmt Spinoza Gott als die absolute, unbegrenzte Substanz (''ens absolute infinitum, hoc est, substantiam''), die durch unbedingte Macht (''absolute potentiam'') und „unbedingte Existenz“ (''absolute existit'') charakterisiert ist. Das Absolute ist darüber hinaus „[https://de.wikipedia.org/wiki/Unendlich unendlich]“' und „unteilbar“ (''absolute infinita est indivisibilis'') und die unbedingt erste Ursache (''absolute causam primam'').<ref><span class="reference-text">Vgl. Spinoza: ''Ethica'' I: Def. 6; Propos. XI, Schol; Propos. XIII; Propos. XVI, Coroll. III; Coroll. II</span></ref> Aus Gott fließt alles (''omnia necessario effluxisse'') als unbedingt bestimmt und abhängig (''omnia ex necessitate divinae naturae determinata sunt''), und nichts (''res nulla'') in der Natur konnte anders werden, als es ist.<ref><span class="reference-text">Vgl. Spinoza: ''Ethica'' I: Propos. XXIX; Propos. XXXIII</span></ref></p><div class="mw-heading mw-heading4">
==== Kant ====
==== Kant ====
</div><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] bestimmt in der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft Kritik der reinen Vernunft]'' das Absolute als das Unbedingte in der Erkenntnis. In der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentale_Analytik Transzendentalen Analytik]'' versucht er nachzuweisen, dass durch die Verstandesbegriffe ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorien Kategorien]) kein Unbedingtes der Erkenntnis erreicht werden kann. Kant erklärt, dass die [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft Vernunft]bestrebt ist, alle Verstandeshandlungen „in ein absolutes Ganzes zusammen zu fassen“ (KrV B 383). Dies nennt Kant die Vernunftbegriffe bzw. die transzendentalen Ideen. Sie sollen „die absolute (unbedingte) Einheit des denkenden Subjekts“, „die absolute Einheit der Reihe der Bedingungen der Erscheinung“ und „die absolute Einheit der Bedingungen aller Gegenstände des Denkens überhaupt“ ermöglichen (KrV B 391). Der „objektive“ Gebrauch (vgl. KrV B 383) dieser drei transzendentalen Ideen führt zu unauflösbaren Widersprüchen. Das Absolute ist so für die theoretische Vernunft ein „regulatives Prinzip“ zum Zweck „der systematischen Einheit der Sinnenwelt“ (KrV B 707). In der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_praktischen_Vernunft Kritik der praktischen Vernunft]'' bestimmt Kant das Unbedingte als den Bestimmungsgrund des Willens, der im moralischen Gesetz gegeben ist. Es ist dort eine regulative Idee, um [https://de.wikipedia.org/wiki/Moral Moralität] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BCckseligkeit Glückseligkeit] zusammenzubringen, was für Kant das „[https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6chstes_Gut höchste Gut]“ (KpV, 5, 108) darstellt.</p><div class="mw-heading mw-heading4">
</div><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] bestimmt in der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft Kritik der reinen Vernunft]'' das Absolute als das Unbedingte in der Erkenntnis. In der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentale_Analytik Transzendentalen Analytik]'' versucht er nachzuweisen, dass durch die Verstandesbegriffe ([https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorien Kategorien]) kein Unbedingtes der Erkenntnis erreicht werden kann. Kant erklärt, dass die [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft Vernunft]bestrebt ist, alle Verstandeshandlungen „in ein absolutes Ganzes zusammen zu fassen“ (KrV B 383). Dies nennt Kant die Vernunftbegriffe bzw. die transzendentalen Ideen. Sie sollen „die absolute (unbedingte) Einheit des denkenden Subjekts“, „die absolute Einheit der Reihe der Bedingungen der Erscheinung“ und „die absolute Einheit der Bedingungen aller Gegenstände des Denkens überhaupt“ ermöglichen (KrV B 391). Der „objektive“ Gebrauch (vgl. KrV B 383) dieser drei transzendentalen Ideen führt zu unauflösbaren Widersprüchen. Das Absolute ist so für die theoretische Vernunft ein „regulatives Prinzip“ zum Zweck „der systematischen Einheit der Sinnenwelt“ (KrV B 707). In der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_praktischen_Vernunft Kritik der praktischen Vernunft]'' bestimmt Kant das Unbedingte als den Bestimmungsgrund des Willens, der im moralischen Gesetz gegeben ist. Es ist dort eine regulative Idee, um [https://de.wikipedia.org/wiki/Moral Moralität] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%BCckseligkeit Glückseligkeit] zusammenzubringen, was für Kant das „[https://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6chstes_Gut höchste Gut]“ (KpV, 5, 108) darstellt.</p><div class="mw-heading mw-heading4">
==== Schelling ====
==== Schelling ====
</div><p>Für Friedrich Schelling stellt das Absolute den Kernbegriff seiner Philosophie dar. In seiner frühen, von Kant und Fichte geprägten Schrift ''Vom Ich als Princip der Philosophie oder über das Unbedingte im menschlichen Wissen'' (1795) versteht er darunter den „letzten Realgrund unseres Wissens“, den er wie Fichte im „absoluten Ich“ verortet (SW V, S. 160) und identisch mit Gott setzt. Die Erkenntnis des Absoluten ist dabei nicht in der theoretischen Philosophie möglich, sondern nur in „praktischer Annäherung zum Absoluten“.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-4 [4]]</sup></p><p>Mit den ''Philosophischen Briefen über Dogmatismus und Kriticismus'' und der Ausbildung der Identitätsphilosophie, in denen Schelling die Philosophie Kants und Spinozas zu vereinen sucht, bestimmt er das Absolute als die „absolute Identität“ von Erkennen und Sein.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-5 [5]]</sup> Die Welt ist ursprünglich entzweit mit Gott, was aber durch Spekulation wieder aufgehoben und auf eine höhere Stufe gebracht werden kann.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-6 [6]]</sup> Die „Endabsicht der Geschichte“ ist die „vollendete Versöhnung und Wiederauflösung in die Absolutheit“.<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-7 [7]]</sup></p><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4tsphilosophie Identitätsphilosophie] wird das Absolute in der „[https://de.wikipedia.org/wiki/Intellektuelle_Anschauung intellektuellen Anschauung]“ erkannt.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-8 [8]]</sup> Sie stellt die gemeinsame Quelle für die beiden Grundwissenschaften der Philosophie, die Natur- und Transzendentalphilosophie dar.<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-9 [9]]</sup> Die Transzendentalphilosophie hat „das Reelle dem Ideellen unterzuordnen“; die Naturphilosophie, „das Ideelle aus dem Reellen zu erklären“.<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-10 [10]]</sup> Die Kunst ist für Schelling die Darstellung „der Formen der Dinge […] wie sie im Absoluten sind“.<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-11 [11]]</sup> Sie hebt die „unendliche Entzweiung“ in der „ästhetischen Produktion“ auf.<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-12 [12]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading4">
</div><p>Für Friedrich Schelling stellt das Absolute den Kernbegriff seiner Philosophie dar. In seiner frühen, von Kant und Fichte geprägten Schrift ''Vom Ich als Princip der Philosophie oder über das Unbedingte im menschlichen Wissen'' (1795) versteht er darunter den „letzten Realgrund unseres Wissens“, den er wie Fichte im „absoluten Ich“ verortet (SW V, S. 160) und identisch mit Gott setzt. Die Erkenntnis des Absoluten ist dabei nicht in der theoretischen Philosophie möglich, sondern nur in „praktischer Annäherung zum Absoluten“.<ref><span class="reference-text">Johannes Hoffmeister (Hrsg.): ''Briefe von und an Hegel'', 1952. Bd. 1, S. 22</span></ref></p><p>Mit den ''Philosophischen Briefen über Dogmatismus und Kriticismus'' und der Ausbildung der Identitätsphilosophie, in denen Schelling die Philosophie Kants und Spinozas zu vereinen sucht, bestimmt er das Absolute als die „absolute Identität“ von Erkennen und Sein.<ref><span class="reference-text">Schelling: ''Darstellung meines Systems der Philosophie'' (1801) in SW IV, S. 115, 114, 127, 125.</span></ref> Die Welt ist ursprünglich entzweit mit Gott, was aber durch Spekulation wieder aufgehoben und auf eine höhere Stufe gebracht werden kann.<ref><span class="reference-text">Schelling: ''Über das Verhältnis der Naturphilosophie zur Philosophie überhaupt'' (1803) in SW V, S. 121, 115, 117, 121.</span></ref> Die „Endabsicht der Geschichte“ ist die „vollendete Versöhnung und Wiederauflösung in die Absolutheit“.<ref><span class="reference-text">Schelling: ''Philosophie und Religion'' (1804), in SW VI, S. 6, 43, 57</span></ref></p><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4tsphilosophie Identitätsphilosophie] wird das Absolute in der „[https://de.wikipedia.org/wiki/Intellektuelle_Anschauung intellektuellen Anschauung]“ erkannt.<ref><span class="reference-text">Schelling: ''System der gesammten Philosophie'' (1804) in SW VI, S. 153.</span></ref> Sie stellt die gemeinsame Quelle für die beiden Grundwissenschaften der Philosophie, die Natur- und Transzendentalphilosophie dar.<ref><span class="reference-text">Schelling: ''System des transcendentalen Idealismus'' (1800), in SW III, S. 603</span></ref> Die Transzendentalphilosophie hat „das Reelle dem Ideellen unterzuordnen“; die Naturphilosophie, „das Ideelle aus dem Reellen zu erklären“.<ref><span class="reference-text">Schelling: ''Einleitung zu dem Entwurf eines Systems der Naturphilosophie'' (1799), in SW III, S. 272, 273</span> </ref> Die Kunst ist für Schelling die Darstellung „der Formen der Dinge […] wie sie im Absoluten sind“.<ref><span class="reference-text">Schelling: ''Philosophie der Kunst'' (1802/03), in SW V, S. 386</span></ref> Sie hebt die „unendliche Entzweiung“ in der „ästhetischen Produktion“ auf.<ref><span class="reference-text">Schelling: ''System des transcendentalen Idealismus'' (1800), in SW III, S. 626</span></ref></p><div class="mw-heading mw-heading4">
==== Schopenhauer ====
==== Schopenhauer ====
</div><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welt_als_Wille_und_Vorstellung Welt als Wille und Vorstellung] (im Anhang zur "Kritik der Kantischen Philosophie" des ersten Bandes) kritisiert [https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Schopenhauer Arthur Schopenhauer] den Begriff des Absoluten. Ihm zufolge ist Notwendigkeit immer relativ, nämlich zu einem zureichenden Grund; folglich kann nichts absolut notwendig, ohne Grund notwendig sein. Der sinnlose Begriff des Absoluten entstehe durch die Wegnahme des zureichenden Grundes aus der Kausalitätsbeziehung, sodass nur die notwendig aus dem zureichenden Grund resultierende Folge verbleibe. Dies widerspreche jedoch dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_zureichenden_Grund Satz vom zureichenden Grunde], dass nämlich jedes Ding, das ist, kraft eines zureichenden Grundes ist, das es sei.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
</div><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Welt_als_Wille_und_Vorstellung Welt als Wille und Vorstellung] (im Anhang zur "Kritik der Kantischen Philosophie" des ersten Bandes) kritisiert [https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Schopenhauer Arthur Schopenhauer] den Begriff des Absoluten. Ihm zufolge ist Notwendigkeit immer relativ, nämlich zu einem zureichenden Grund; folglich kann nichts absolut notwendig, ohne Grund notwendig sein. Der sinnlose Begriff des Absoluten entstehe durch die Wegnahme des zureichenden Grundes aus der Kausalitätsbeziehung, sodass nur die notwendig aus dem zureichenden Grund resultierende Folge verbleibe. Dies widerspreche jedoch dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_zureichenden_Grund Satz vom zureichenden Grunde], dass nämlich jedes Ding, das ist, kraft eines zureichenden Grundes ist, das es sei.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Das absolute Nichts der Kyōto-Schule ==
== Das absolute Nichts der Kyōto-Schule ==
</div><p>Im Gegensatz zur abendländischen Tradition des Absoluten in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie Ontologie] als Absolutes [https://de.wikipedia.org/wiki/Sein Sein] wurde das Absolute in der Philosophie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ky%C5%8Dto-Schule Kyōto-Schule]als [https://de.wikipedia.org/wiki/Absolutes_Nichts Absolutes Nichts] (<span class="Hani" lang="ja-Hani">絶対無</span>, ''zettai-[https://de.wikipedia.org/wiki/Mu_(Philosophie) mu]'') gefasst. Die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Nishida_Kitar%C5%8D Nishida Kitarō], [https://de.wikipedia.org/wiki/Tanabe_Hajime Tanabe Hajime], [https://de.wikipedia.org/wiki/Nishitani_Keiji Nishitani Keiji] und anderen Vertretern der Kyōto-Schule formulierten Gedanken gaben in der Folge Anstoß zu einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Religionsphilosophie religionsphilosophischen] Ansatz des [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich-buddhistischer_Dialog christlich-buddhistischen Dialogs], der auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhistisch buddhistischen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Topos_(Geisteswissenschaft) Topoi] der Leere bzw. Nicht-[https://de.wikipedia.org/wiki/Substanz Substantialität] allen Seins ([https://de.wikipedia.org/wiki/Shunyata Shunyata]) und des Nicht-[https://de.wikipedia.org/wiki/Selbst Selbst] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Anatta Anatta]) einerseits und andererseits auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Christliche_Mystik christliche Mystik] (wie bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Meister_Eckhart Meister Eckhart]) und die Tradition der [https://de.wikipedia.org/wiki/Negative_Theologie negativen Theologie] zurückgriff.<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-13 [13]]</sup><sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Absolute#cite_note-14 [14]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading2">
</div><p>Im Gegensatz zur abendländischen Tradition des Absoluten in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ontologie Ontologie] als Absolutes [https://de.wikipedia.org/wiki/Sein Sein] wurde das Absolute in der Philosophie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ky%C5%8Dto-Schule Kyōto-Schule]als [https://de.wikipedia.org/wiki/Absolutes_Nichts Absolutes Nichts] (<span class="Hani" lang="ja-Hani">絶対無</span>, ''zettai-[https://de.wikipedia.org/wiki/Mu_(Philosophie) mu]'') gefasst. Die von [https://de.wikipedia.org/wiki/Nishida_Kitar%C5%8D Nishida Kitarō], [https://de.wikipedia.org/wiki/Tanabe_Hajime Tanabe Hajime], [https://de.wikipedia.org/wiki/Nishitani_Keiji Nishitani Keiji] und anderen Vertretern der Kyōto-Schule formulierten Gedanken gaben in der Folge Anstoß zu einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Religionsphilosophie religionsphilosophischen] Ansatz des [https://de.wikipedia.org/wiki/Christlich-buddhistischer_Dialog christlich-buddhistischen Dialogs], der auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhistisch buddhistischen] [https://de.wikipedia.org/wiki/Topos_(Geisteswissenschaft) Topoi] der Leere bzw. Nicht-[https://de.wikipedia.org/wiki/Substanz Substantialität] allen Seins ([https://de.wikipedia.org/wiki/Shunyata Shunyata]) und des Nicht-[https://de.wikipedia.org/wiki/Selbst Selbst] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Anatta Anatta]) einerseits und andererseits auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Christliche_Mystik christliche Mystik] (wie bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Meister_Eckhart Meister Eckhart]) und die Tradition der [https://de.wikipedia.org/wiki/Negative_Theologie negativen Theologie] zurückgriff.<ref><span class="reference-text">Bret W. Davis:&nbsp;[http://plato.stanford.edu/entries/kyoto-school/ ''The Kyoto School.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]''.</span></ref><ref><span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Waldenfels Hans Waldenfels]: „[http://links.jstor.org/sici?sici=0027-0741%281966%2921%3A3%2F4%3C354%3AANPCOA%3E2.0.CO%3B2-3 Absolute Nothingness. Preliminary Considerations on a Central Notion on the Philosophy of Nishida Kitarō and the Kyoto School]“, in: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Monumenta_Nipponica Monumenta Nipponica]'', Vol. 21, No. 3/4. (1966), pp. 354–391.</span></ref></p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Literatur ==
== Literatur ==
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== Weblinks ==
== Weblinks ==
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]
</div><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Absolutes Wiktionary: Absolutes]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
</div><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Absolutes Wiktionary: Absolutes]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Eisler_(Philosoph) Rudolf Eisler]: [http://www.textlog.de/1452.html Eintrag] im ''Wörterbuch der Philosophischen Begriffe'' (1904)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Eisler_(Philosoph) Rudolf Eisler]: [http://www.textlog.de/1452.html Eintrag] im ''Wörterbuch der Philosophischen Begriffe'' (1904)
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== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
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#<span class="reference-text">So bestimmt z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Hoffmeister_(Philosoph) Johannes Hoffmeister] in seinem ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe'', Hamburg 2. Aufl. 1955 das Absolute als „das in sich Bestehende, das Unbedingte, Uneingeschränkte“ </span>
#<span class="reference-text">Vgl. Spinoza: ''Ethica'' I: Def. 6; Propos. XI, Schol; Propos. XIII; Propos. XVI, Coroll. III; Coroll. II</span>
#<span class="reference-text">Vgl. Spinoza: ''Ethica'' I: Propos. XXIX; Propos. XXXIII</span>
#<span class="reference-text">Johannes Hoffmeister (Hrsg.): ''Briefe von und an Hegel'', 1952. Bd. 1, S. 22</span>
#<span class="reference-text">Schelling: ''Darstellung meines Systems der Philosophie'' (1801) in SW IV, S. 115, 114, 127, 125.</span>
#<span class="reference-text">Schelling: ''Über das Verhältnis der Naturphilosophie zur Philosophie überhaupt'' (1803) in SW V, S. 121, 115, 117, 121.</span>
#<span class="reference-text">Schelling: ''Philosophie und Religion'' (1804), in SW VI, S. 6, 43, 57</span>
#<span class="reference-text">Schelling: ''System der gesammten Philosophie'' (1804) in SW VI, S. 153.</span>
#<span class="reference-text">Schelling: ''System des transcendentalen Idealismus'' (1800), in SW III, S. 603</span>
#<span class="reference-text">Schelling: ''Einleitung zu dem Entwurf eines Systems der Naturphilosophie'' (1799), in SW III, S. 272, 273 </span>
#<span class="reference-text">Schelling: ''Philosophie der Kunst'' (1802/03), in SW V, S. 386</span>
#<span class="reference-text">Schelling: ''System des transcendentalen Idealismus'' (1800), in SW III, S. 626</span>
#<span class="reference-text">Bret W. Davis:&nbsp;[http://plato.stanford.edu/entries/kyoto-school/ ''The Kyoto School.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]''.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Waldenfels Hans Waldenfels]: „[http://links.jstor.org/sici?sici=0027-0741%281966%2921%3A3%2F4%3C354%3AANPCOA%3E2.0.CO%3B2-3 Absolute Nothingness. Preliminary Considerations on a Central Notion on the Philosophy of Nishida Kitarō and the Kyoto School]“, in: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Monumenta_Nipponica Monumenta Nipponica]'', Vol. 21, No. 3/4. (1966), pp. 354–391.</span>
<p>'''Siglen'''</p>
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Aktuelle Version vom 2. April 2026, 10:33 Uhr

Das Absolute (von lat. absolutum, „das Losgelöste“) ist ein Begriff, der in vielen Bereichen der Theologie und Philosophie Verwendung findet und das völlige Enthobensein von allen (einschränkenden) Bedingungen oder Beziehungen bezeichnet. In der philosophischen Tradition ist der Begriff eng verwandt mit dem des Unbedingten.[1]

Das Absolute in der abendländischen Tradition

Antike und Mittelalter

Auch wenn in der griechischen Philosophie ein genaues Äquivalent für den Ausdruck des Absoluten fehlte, schloss man dort aufgrund der durchgängigen Bedingtheit alles Seienden (Kontingenz) auf eine oberste, selbst nicht wieder bedingte Bedingung. So fragten bereits die Vorsokratiker nach der Archē, einem nicht mehr auf anderes zurückführbaren Ursprung der Dinge. Nach Platon ist dieses als höchstes Gutsein zu bestimmen, weil erst in ihm ein letztes Umseinerselbstwillen gedacht werden kann, welches das wahrhafte Unbedingte, das Anhypotheton ist (Politeia 511b). Das Gute ist der letzte Grund bzw. die erste Ursache aller Dinge und aller Erkenntnis und das höchste Ziel des Strebens.

Gelegentlich wird bereits bei den Kirchenvätern (Tertullian, Hieronymus) Gott als das „höchste Gut“ mit dem Prädikat „absolut“ (lat. absolutum) bestimmt. Ab Anselm von Canterbury (Monologion) wurde es direkt mit Gott gleichgesetzt. Er sagt vom göttlich substantiellen Geist, dass nur er absolut sei (qui solus absolutus est, Monologion 28). Erst bei Nicolaus von Cues wird das Absolute bewusst thematisiert und als metaphysische Grundkategorie eingeführt.

In der Scholastik wird die Lehre vom Absoluten im Rahmen der Natürlichen Theologie stark ausgebaut, insbesondere von Thomas von Aquin.

Neuzeit

Spinoza

Grundlegend für die Geschichte des Begriffs des Absoluten ist die Philosophie Baruch de Spinozas, an dessen Gottesbegriff zahlreiche Philosophen der Neuzeit in zustimmender oder ablehnender Haltung anknüpfen (z. B. Friedrich Heinrich Jacobi, Moses Mendelssohn, Gotthold Ephraim Lessing, Immanuel Kant, Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Franz von Baader, Søren Kierkegaard).

Im ersten Teil von Spinozas Ethik (De Deo) bestimmt Spinoza Gott als die absolute, unbegrenzte Substanz (ens absolute infinitum, hoc est, substantiam), die durch unbedingte Macht (absolute potentiam) und „unbedingte Existenz“ (absolute existit) charakterisiert ist. Das Absolute ist darüber hinaus „unendlich“' und „unteilbar“ (absolute infinita est indivisibilis) und die unbedingt erste Ursache (absolute causam primam).[2] Aus Gott fließt alles (omnia necessario effluxisse) als unbedingt bestimmt und abhängig (omnia ex necessitate divinae naturae determinata sunt), und nichts (res nulla) in der Natur konnte anders werden, als es ist.[3]

Kant

Immanuel Kant bestimmt in der Kritik der reinen Vernunft das Absolute als das Unbedingte in der Erkenntnis. In der Transzendentalen Analytik versucht er nachzuweisen, dass durch die Verstandesbegriffe (Kategorien) kein Unbedingtes der Erkenntnis erreicht werden kann. Kant erklärt, dass die Vernunftbestrebt ist, alle Verstandeshandlungen „in ein absolutes Ganzes zusammen zu fassen“ (KrV B 383). Dies nennt Kant die Vernunftbegriffe bzw. die transzendentalen Ideen. Sie sollen „die absolute (unbedingte) Einheit des denkenden Subjekts“, „die absolute Einheit der Reihe der Bedingungen der Erscheinung“ und „die absolute Einheit der Bedingungen aller Gegenstände des Denkens überhaupt“ ermöglichen (KrV B 391). Der „objektive“ Gebrauch (vgl. KrV B 383) dieser drei transzendentalen Ideen führt zu unauflösbaren Widersprüchen. Das Absolute ist so für die theoretische Vernunft ein „regulatives Prinzip“ zum Zweck „der systematischen Einheit der Sinnenwelt“ (KrV B 707). In der Kritik der praktischen Vernunft bestimmt Kant das Unbedingte als den Bestimmungsgrund des Willens, der im moralischen Gesetz gegeben ist. Es ist dort eine regulative Idee, um Moralität und Glückseligkeit zusammenzubringen, was für Kant das „höchste Gut“ (KpV, 5, 108) darstellt.

Schelling

Für Friedrich Schelling stellt das Absolute den Kernbegriff seiner Philosophie dar. In seiner frühen, von Kant und Fichte geprägten Schrift Vom Ich als Princip der Philosophie oder über das Unbedingte im menschlichen Wissen (1795) versteht er darunter den „letzten Realgrund unseres Wissens“, den er wie Fichte im „absoluten Ich“ verortet (SW V, S. 160) und identisch mit Gott setzt. Die Erkenntnis des Absoluten ist dabei nicht in der theoretischen Philosophie möglich, sondern nur in „praktischer Annäherung zum Absoluten“.[4]

Mit den Philosophischen Briefen über Dogmatismus und Kriticismus und der Ausbildung der Identitätsphilosophie, in denen Schelling die Philosophie Kants und Spinozas zu vereinen sucht, bestimmt er das Absolute als die „absolute Identität“ von Erkennen und Sein.[5] Die Welt ist ursprünglich entzweit mit Gott, was aber durch Spekulation wieder aufgehoben und auf eine höhere Stufe gebracht werden kann.[6] Die „Endabsicht der Geschichte“ ist die „vollendete Versöhnung und Wiederauflösung in die Absolutheit“.[7]

In der Identitätsphilosophie wird das Absolute in der „intellektuellen Anschauung“ erkannt.[8] Sie stellt die gemeinsame Quelle für die beiden Grundwissenschaften der Philosophie, die Natur- und Transzendentalphilosophie dar.[9] Die Transzendentalphilosophie hat „das Reelle dem Ideellen unterzuordnen“; die Naturphilosophie, „das Ideelle aus dem Reellen zu erklären“.[10] Die Kunst ist für Schelling die Darstellung „der Formen der Dinge […] wie sie im Absoluten sind“.[11] Sie hebt die „unendliche Entzweiung“ in der „ästhetischen Produktion“ auf.[12]

Schopenhauer

In der Welt als Wille und Vorstellung (im Anhang zur "Kritik der Kantischen Philosophie" des ersten Bandes) kritisiert Arthur Schopenhauer den Begriff des Absoluten. Ihm zufolge ist Notwendigkeit immer relativ, nämlich zu einem zureichenden Grund; folglich kann nichts absolut notwendig, ohne Grund notwendig sein. Der sinnlose Begriff des Absoluten entstehe durch die Wegnahme des zureichenden Grundes aus der Kausalitätsbeziehung, sodass nur die notwendig aus dem zureichenden Grund resultierende Folge verbleibe. Dies widerspreche jedoch dem Satz vom zureichenden Grunde, dass nämlich jedes Ding, das ist, kraft eines zureichenden Grundes ist, das es sei.

Das absolute Nichts der Kyōto-Schule

Im Gegensatz zur abendländischen Tradition des Absoluten in der Ontologie als Absolutes Sein wurde das Absolute in der Philosophie der Kyōto-Schuleals Absolutes Nichts (絶対無, zettai-mu) gefasst. Die von Nishida Kitarō, Tanabe Hajime, Nishitani Keiji und anderen Vertretern der Kyōto-Schule formulierten Gedanken gaben in der Folge Anstoß zu einem religionsphilosophischen Ansatz des christlich-buddhistischen Dialogs, der auf die buddhistischen Topoi der Leere bzw. Nicht-Substantialität allen Seins (Shunyata) und des Nicht-Selbst (Anatta) einerseits und andererseits auf die christliche Mystik (wie bei Meister Eckhart) und die Tradition der negativen Theologie zurückgriff.[13][14]

Literatur

Wiktionary: Absolutes – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ So bestimmt z. B. Johannes Hoffmeister in seinem Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Hamburg 2. Aufl. 1955 das Absolute als „das in sich Bestehende, das Unbedingte, Uneingeschränkte“
  2. ↑ Vgl. Spinoza: Ethica I: Def. 6; Propos. XI, Schol; Propos. XIII; Propos. XVI, Coroll. III; Coroll. II
  3. ↑ Vgl. Spinoza: Ethica I: Propos. XXIX; Propos. XXXIII
  4. ↑ Johannes Hoffmeister (Hrsg.): Briefe von und an Hegel, 1952. Bd. 1, S. 22
  5. ↑ Schelling: Darstellung meines Systems der Philosophie (1801) in SW IV, S. 115, 114, 127, 125.
  6. ↑ Schelling: Über das Verhältnis der Naturphilosophie zur Philosophie überhaupt (1803) in SW V, S. 121, 115, 117, 121.
  7. ↑ Schelling: Philosophie und Religion (1804), in SW VI, S. 6, 43, 57
  8. ↑ Schelling: System der gesammten Philosophie (1804) in SW VI, S. 153.
  9. ↑ Schelling: System des transcendentalen Idealismus (1800), in SW III, S. 603
  10. ↑ Schelling: Einleitung zu dem Entwurf eines Systems der Naturphilosophie (1799), in SW III, S. 272, 273
  11. ↑ Schelling: Philosophie der Kunst (1802/03), in SW V, S. 386
  12. ↑ Schelling: System des transcendentalen Idealismus (1800), in SW III, S. 626
  13. ↑ Bret W. Davis: The Kyoto School. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.
  14. ↑ Hans Waldenfels: „Absolute Nothingness. Preliminary Considerations on a Central Notion on the Philosophy of Nishida Kitarō and the Kyoto School“, in: Monumenta Nipponica, Vol. 21, No. 3/4. (1966), pp. 354–391.

Siglen

SW F.W. J. von Schellings sämtliche Werke. Hrsg. v. K.F.A. Schelling. 1. Abteilung: 10 Bde. (= I-X), Stuttgart/Augsburg 1856–61.