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„Alkibiades“ – Versionsunterschied

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'''Alkibiades II''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] Ἀλκιβιάδης δεύτερος ''Alkibiádēs deúteros'', deutsch „Zweiter Alkibiades“ oder „Kleiner Alkibiades“, [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] ''Alcibiades minor'') ist ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Antike antiker] literarischer [https://de.wikipedia.org/wiki/Dialog Dialog] in altgriechischer Sprache, der angeblich von [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon] stammt, aber heute in der Forschung als unecht gilt. Die schon in der Antike verwendete Bezeichnung „Zweiter Alkibiades“ dient der Unterscheidung vom ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Alkibiades_I Alkibiades I]'', dem „Ersten“ oder „Großen“ ''Alkibiades'', einem ebenfalls Platon zugeschriebenen, möglicherweise authentischen Dialog.
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----</noinclude>{{Dieser Artikel|beschreibt den athenischen Staatsmann und Feldherrn.
* Zu antiken philosophischen Werken siehe [[Alkibiades I]] und [[Alkibiades II]].
* Zum fränkischen Markgrafen siehe [[Albrecht II. Alcibiades]].}}
 
'''Alkibiades''' ({{grcS|prefix=nein|Ἀλκιβιάδης|Alkibiádēs}}; * um 450 v.&nbsp;Chr. in [[Athen]]; † [[404 v.&nbsp;Chr.]] in [[Phrygien]]) war ein bedeutender athenischer [[Staatsmann]], [[Rhetor|Redner]] und [[Feldherr]]. Er stammte aus den berühmten aristokratischen Familien der [[Alkmaioniden]] und [[Eupatridai (Adelsgeschlecht)|Eupatriden]]. Während der zweiten Hälfte des [[Peloponnesischer Krieg|Peloponnesischen Kriegs]] fungierte er als strategischer Berater, militärischer Befehlshaber und Politiker. Er wechselte bei verschiedenen Gelegenheiten die Seiten und war stets bemüht, Athen und Sparta gegeneinander auszuspielen.
 
Alkibiades besaß offenbar eine außergewöhnlich gewinnende Persönlichkeit und war ein ausgezeichneter Redner. In seiner Geburtsstadt Athen sprach er sich um 420 v.&nbsp;Chr. für eine aggressive Außenpolitik aus und war ein bedeutender Befürworter der [[Sizilienexpedition]]. Nachdem seine politischen Feinde ihn des [[Hermenfrevel]]s beschuldigt hatten, floh er jedoch nach [[Sparta]]. Dort diente er als strategischer Berater, der einige größere Feldzüge gegen Athen vorschlug oder leitete. Seine Ratschläge trugen wesentlich dazu bei, dass sich das Kriegsglück gegen seine Vaterstadt wendete. Jedoch machte er sich in Sparta bald ebenfalls mächtige Feinde und war gezwungen, zum Feind nach [[Perserreich|Persien]] überzulaufen. Dort fungierte er als Berater des [[Satrap]]en [[Tissaphernes]], bis seine politischen Verbündeten unter den Athenern seine Rückkehr ermöglichten. Er diente danach für einige Jahre als athenischer General (''[[strategos]]''), bis seine Feinde ihn schließlich zum zweiten Mal verbannen konnten. Im Exil wurde er schließlich ermordet.
 
== Leben ==
Alkibiades wurde wohl 451 v.&nbsp;Chr.<ref>Zur Datierung siehe [[Debra Nails]]: ''The People of Plato. A prosopography of Plato and other Socratics.'' Indianapolis 2002, S. 11–13.</ref> als Sohn von Kleinias und Deinomache in Athen geboren. Letztere gehörte zu der mächtigen und umstrittenen Familie der [[Alkmaioniden]]; [[Perikles]] und sein Bruder Ariphon waren Deinomaches Cousins. Es wurde behauptet, dass man Alkibiades’ Familie bis [[Eurysakes]] zurückverfolgen könne. Sein Großvater väterlicherseits, der ebenfalls Alkibiades hieß, war ein Freund des berühmten Verfassungsreformers [[Kleisthenes von Athen|Kleisthenes]], der ebenfalls ein Alkmaionide war. Nach dem Tod seines Vaters in der [[Schlacht von Koroneia (447 v.&nbsp;Chr.)|Schlacht von Koroneia]] im Jahre 447 v.&nbsp;Chr. wuchs Alkibiades im Hause seines Onkels Perikles auf, wo er von einer Vielzahl berühmter Lehrer, darunter [[Sokrates]], unterrichtet und in der Redekunst ausgebildet wurde. Eine berühmte Schilderung von Alkibiades’ Verhältnis zu Sokrates gibt Platon im ''[[Symposion (Platon)|Symposion]]''. Der offenbar ungewöhnlich charismatische Alkibiades war für sein widersprüchliches und eigenwilliges Verhalten bekannt, das antike griechische Schriftsteller verschiedentlich erwähnen. In den Quellen werden sowohl seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten herausgestellt als auch seine Liebeseskapaden geschildert.
 
Alkibiades nahm 432 v.&nbsp;Chr. an der [[Schlacht von Potidaia]] und 424 v.&nbsp;Chr. an der [[Schlacht von Delion]] teil. Nach Platons Darstellung rettete Sokrates bei Potidaia Alkibiades nicht nur das Leben, sondern verzichtete anschließend zu dessen Gunsten auch auf eine ihm zuerkannte Auszeichnung. Die Glaubwürdigkeit dieser Schilderung ist aber zweifelhaft. Es trifft jedenfalls zu, dass Alkibiades für seine Tapferkeit ausgezeichnet wurde, denn dies berichtet auch [[Isokrates]]. Alkibiades hatte ein intimes, aber (idealisierten antiken Berichten zufolge) angeblich keusches Verhältnis zu Sokrates, den er bewunderte und respektierte. Dieser wiederum wurde von Alkibiades’ Schönheit angezogen, beschloss jedoch angeblich, den jugendlichen Reizen nicht zu erliegen.
 
Nach dem Tod des [[Kleon (Athen)|Kleon]] setzte Alkibiades sich zunächst an die Spitze der „radikalen [[Demokratie|Demokraten]]“ (die jede Einschränkung ablehnten, auch was die Alimentierung der Bevölkerung betraf, siehe [[Attische Demokratie]]) und betrieb eine Politik, die die Isolierung Spartas zum Ziel hatte. Er stieg rasch zu einem führenden Demagogen auf. Sein politischer Gegenspieler war [[Nikias]], der zu den gemäßigten Demokraten gehörte. Nikias bemühte sich im Peloponnesischen Krieg um einen Friedensschluss zwischen Athen und Sparta, den er in dem nach ihm benannten [[Nikiasfrieden]] auch durchsetzen konnte.
 
Alkibiades gelang es jedoch, als Stratege diese Bemühungen zu hintertreiben und Athen zur Abkehr von dem Vertrag zu bewegen. 415 v.&nbsp;Chr. befürwortete er, auf ein Hilfegesuch der Stadt [[Segesta]] hin, den [[Sizilische Expedition|unglücklichen Feldzug]] Athens gegen [[Syrakus]] und [[Sizilien]], den er als einer seiner militärischen Führer zunächst mit anführte. Kurz vor dem Auslaufen der Schiffe wurden in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 415 v.&nbsp;Chr. die Statuen des Gottes [[Hermes]] in Athen von unbekannter Hand verstümmelt (der so genannte [[Hermenfrevel]]). Die Schuld dafür schob man (wahrscheinlich fälschlich) auf Alkibiades. Zwar wurde die Angelegenheit zunächst wegen seiner großen Popularität verschleppt, doch nach der Ausfahrt der Flotte rief man ihn zurück und klagte ihn wegen des Hermenfrevels und der Parodie der [[Mysterien von Eleusis]] an. Alkibiades kehrte nicht zurück, sondern blieb bei der Flotte. Als er erfuhr, dass er, in seiner Abwesenheit, zum Tode verurteilt und verflucht worden war, floh er nach Sparta, wo er die Pläne des Feldzuges verriet und einem Bündnis aus Spartanern und Syrakusern half, die Athener zu besiegen. Weiterhin erteilte er den [[Lakedaimonier]]n zwei kriegsentscheidende Ratschläge, nämlich Syrakus zu Hilfe zu kommen, um Athen abzugrenzen, und das Dorf [[Dekeleia]] in [[Attika (griechische Region)|Attika]] dauerhaft zu besetzen. Daraufhin konnten die Athener auf Sizilien vernichtend geschlagen werden.
 
412 v.&nbsp;Chr. zog Alkibiades mit den Spartanern gegen die Insel [[Chios]], wo er die [[Ionier]] zu einem Aufstand gegen die Athener aufstachelte. In [[Milet]] half er beim Abschluss eines Bündnisses zwischen Sparta und dem Perserreich und kämpfte in der [[Schlacht von Milet]] gegen ein athenisches Expeditionsheer.
 
Probleme mit den spartanischen Führern – diese waren besorgt, er möge sie bei Gelegenheit ebenfalls verraten, wie er bereits seine eigene Vaterstadt verriet – führten dazu, dass Alkibiades deren Gunst verlor und offenbar ermordet werden sollte. Alkibiades erfuhr jedoch rechtzeitig davon und floh zu dem [[Achämenidenreich|persischen]] Provinzstatthalter [[Tissaphernes]]. Bei diesem versuchte er, anfangs recht erfolgreich, Athen und Sparta gegeneinander auszuspielen und ihn auf die Seite der Athener zu ziehen, was letztlich jedoch misslang. Daraufhin bot Alkibiades den Kommandeuren der athenischen Flotte auf [[Samos]], die mit der Politik ihrer Heimatstadt unzufrieden waren und einen Umsturz der radikaldemokratischen Ordnung anstrebten (siehe dazu auch: [[Peloponnesischer Krieg#Oligarchischer Umsturz in Athen|Oligarchischer Umsturz in Athen]] unter der Herrschaft des [[Rat der Vierhundert|Rates der Vierhundert]]), seine Hilfe und die Persiens an. Zumindest machte Alkibiades die Kommandeure glauben, er könne die persische Unterstützung garantieren. Im Gegenzug wollte er nach Athen zurückkehren, um dort erneut eine führende Rolle zu spielen. Die Kommandeure der athenischen Flotte gingen auf Alkibiades’ Vorschlag zunächst ein.  Während der Umsturz in Athen gelang, stieß er in der Flotte auf Samos (diese war als Bürgerflotte unterhalb der Kommandeursebene bis hin zu den Ruderern demokratisch gesinnt) auf erfolgreichen Widerstand. Alkibiades, ganz Opportunist, bot nun den Demokraten seine Hilfe an, die ihn schließlich zum Strategen wählten. Die Oligarchie in Athen wurde bereits Ende 411 v.&nbsp;Chr. beseitigt und im folgenden Jahr die Demokratie wieder eingeführt. Seine Ankunft am [[Hellespont]] stabilisierte die prekäre Lage der athenischen Streitkräfte und ermöglichte ihren Sieg in der [[Schlacht von Abydos|Seeschlacht bei Abydos]] (411 v.&nbsp;Chr.). In der [[Schlacht von Kyzikos]] (heute [[Balıkesir]] in der Türkei) vernichtete Alkibiades 410 v.&nbsp;Chr. mit einem brillant ausgeführten Plan die spartanische Flotte unter [[Mindaros]]. Anschließend ging er in die Offensive, um die verlorenen Positionen am [[Bosporus]] zurückzugewinnen. 409 v.&nbsp;Chr. siegte er erneut vor Abydos über die Perser und 408 v.&nbsp;Chr. gelang ihm nach der [[Schlacht von Chalkedon]] die Einnahme von [[Selymbria]] und [[Byzantion|Byzanz]].
 
Als er nach Athen heimkehrte, wurde er mit allgemeiner Begeisterung aufgenommen, von allen Beschuldigungen freigesprochen und zum ''strategos autokrator'' („bevollmächtigter Stratege“) gewählt. Als jedoch 407 v.&nbsp;Chr. während seiner Abwesenheit ein athenisches Flottenkontingent bei [[Notion]] in der Nähe von [[Ephesos]] eine Niederlage gegen den mit den Persern verbündeten spartanischen Flottenführer [[Lysander]] erlitt, und weil man befürchtete, er könne durch seine Macht und seinen Einfluss zum [[Tyrannis|Tyrannen]] werden, entzog man ihm sein Amt wieder.
 
Alkibiades begab sich zunächst auf seine Besitzungen nach [[Thrakien (Landschaft)|Thrakien]]. Trotz der bereits mehrfachen Verbannung aus seinem Vaterland blieb er Athen stets verbunden. So auch, als der athenische Feldherr [[Philokles (Strategos)]] mit einer neuen Flotte in See stach und sie zum [[Hellespont]] führte. Alkibiades, auch von seinen Gegnern als fähiger Feldherr anerkannt, versuchte, Philokles bei seiner strategischen Kriegsführung zu beraten, doch dieser und seine Mitstrategen lehnten seinen Rat verachtungsvoll ab. Dies wurde zum Verhängnis der athenischen Flotte: Alkibiades Befürchtungen wurden bald bestätigt. Die spartanisch-peloponnesische Flotte unter Lysander besiegte die Athener in der [[Schlacht bei Aigospotamoi]] (September 405 v.&nbsp;Chr.). Nach der Niederlage floh Alkibiades an den Hof des persischen Satrapen [[Pharnabazos II.|Pharnabazos]] nach [[Daskyleion]]. Auf Betreiben des spartanischen Befehlshabers Lysander und im Einvernehmen mit den in Athen eingesetzten [[Herrschaft der Dreißig|Dreißig Tyrannen]] wurde Alkibiades 404 v.&nbsp;Chr. auf der Flucht in der phrygischen Ortschaft Melissa ermordet.<ref>{{KlP|1|261|264|Fundstelle=insbesondere 264|Alkibiades 2|[[Franz Kiechle]]}}</ref> Seine Geliebte, die [[Hetäre]] [[Timandra (Geliebte des Alkibiades)|Timandra]], soll ihn bestattet haben.
 
Die wichtigsten erzählenden Quellen zu seinem Leben sind die Berichte des [[Thukydides]] und [[Xenophon]]. Hinzu kommen sekundäre Quellen, unter anderen [[Diodor]] (der sich auf [[Ephoros]] stützte), [[Plutarch]] und [[Cornelius Nepos]].
 
== Olympiasieger ==
Bei den 91. Olympischen Spielen 416 v.&nbsp;Chr. entsandte Alkibiades gleich sieben Mannschaften ins [[Wagenrennen]], das sind mehr, als je ein Privatmann zu den [[Olympische Spiele der Antike|Olympischen Spielen der Antike]] entsandt hat. Das Ergebnis war ein Sieg, ein zweiter und ein vierter Platz. So wurde auch er zum Olympiasieger gekränzt, da beim Wagenrennen der Rennstallbesitzer geehrt wurde, nicht der Fahrer.<ref>Plutarch, ''Alkibiades'' [http://www.perseus.tufts.edu/cgi-bin/ptext?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0182;query=chapter%3D%2312;layout=;loc=Alc.%2011.1 12].</ref>
 
== Rezeption ==
[[Albrecht II. Alcibiades|Albrecht II. Markgraf von Brandenburg-Kulmbach]] (1522–1557) erhielt in Anspielung auf Alkibiades den Beinamen Alcibiades.
 
== Literatur ==
* Walter M. Ellis: ''Alcibiades.'' Routledge, London u.&nbsp;a. 1989, ISBN 0-415-00993-6.
* David Gribble: ''Alcibiades and Athens. A Study in Literary Presentation.'' Clarendon Press, Oxford 1999, ISBN 0-19-815267-1 ([http://ccat.sas.upenn.edu/bmcr/1999/1999-11-12.html Rezension] im [[Bryn Mawr Classical Review]]).
* Jean Hatzfeld: ''Alcibiade. Étude sur l’histoire d’Athènes à la fin du V<sup>e</sup> siècle.'' 2. Auflage. Presses Universitaires de France, Paris 1951.
* [[Herbert Heftner]]: ''Alkibiades. Staatsmann und Feldherr.'' Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-89678-732-3 ([http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=17218&count=10259&recno=8&type=rezbuecher&sort=datum&order=down Rezension] bei [[H-Soz-Kult]]; [http://www.sehepunkte.de/2011/11/20483.html Rezension] in [[sehepunkte]]).
* [[Donald Kagan]]: ''The Peloponnesian War.'' Viking, New York u.&nbsp;a. 2003, ISBN 0-670-03211-5.
* {{DNP|1|500|502|Alkibiades [3]|[[Gustav Adolf Lehmann]]}}
* {{DNP|Suppl. 8|59|68|Alkibiades|[[Karen Piepenbrink]]}}
* [[Peter John Rhodes]]: ''Alcibiades.'' Pen & Sword Military, Barnsley 2011.
* [[Wolfgang Schuller]]: ''Alkibiades.'' In: [[Kai Brodersen]] (Hrsg.): ''Große Gestalten der griechischen Antike. 58 historische Portraits von Homer bis Kleopatra.'' Beck, München 1999, ISBN 3-406-44893-3, S. 337–346, 481 f.
 
== Weblinks ==
{{Commonscat|Alcibiades}}
* {{DNB-Portal|118501739}}
* [http://www.gottwein.de/Lat/nepos/alc01.php Lebensbeschreibung des Cornelius Nepos (lateinisch und deutsch)]
 
== Anmerkungen ==
<references />
 
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[[Kategorie:Militärperson (Athen)]]
[[Kategorie:Olympiasieger (Antike)]]
[[Kategorie:Grieche (Antike)]]
[[Kategorie:Zum Tode verurteilte Person]]
[[Kategorie:Mordopfer]]
[[Kategorie:Geboren im 5. Jahrhundert v. Chr.]]
[[Kategorie:Gestorben 404 v. Chr.]]
[[Kategorie:Mann]]
[[Kategorie:Besitzer (Pferd)]]
 
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Aktuelle Version vom 21. September 2026, 05:43 Uhr

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Alkibiades (griechisch Ἀλκιβιάδης Alkibiádēs; * um 450 v. Chr. in Athen; † 404 v. Chr. in Phrygien) war ein bedeutender athenischer Staatsmann, Redner und Feldherr. Er stammte aus den berühmten aristokratischen Familien der Alkmaioniden und Eupatriden. Während der zweiten Hälfte des Peloponnesischen Kriegs fungierte er als strategischer Berater, militärischer Befehlshaber und Politiker. Er wechselte bei verschiedenen Gelegenheiten die Seiten und war stets bemüht, Athen und Sparta gegeneinander auszuspielen.

Alkibiades besaß offenbar eine außergewöhnlich gewinnende Persönlichkeit und war ein ausgezeichneter Redner. In seiner Geburtsstadt Athen sprach er sich um 420 v. Chr. für eine aggressive Außenpolitik aus und war ein bedeutender Befürworter der Sizilienexpedition. Nachdem seine politischen Feinde ihn des Hermenfrevels beschuldigt hatten, floh er jedoch nach Sparta. Dort diente er als strategischer Berater, der einige größere Feldzüge gegen Athen vorschlug oder leitete. Seine Ratschläge trugen wesentlich dazu bei, dass sich das Kriegsglück gegen seine Vaterstadt wendete. Jedoch machte er sich in Sparta bald ebenfalls mächtige Feinde und war gezwungen, zum Feind nach Persien überzulaufen. Dort fungierte er als Berater des Satrapen Tissaphernes, bis seine politischen Verbündeten unter den Athenern seine Rückkehr ermöglichten. Er diente danach für einige Jahre als athenischer General (strategos), bis seine Feinde ihn schließlich zum zweiten Mal verbannen konnten. Im Exil wurde er schließlich ermordet.

Leben

Alkibiades wurde wohl 451 v. Chr.[1] als Sohn von Kleinias und Deinomache in Athen geboren. Letztere gehörte zu der mächtigen und umstrittenen Familie der Alkmaioniden; Perikles und sein Bruder Ariphon waren Deinomaches Cousins. Es wurde behauptet, dass man Alkibiades’ Familie bis Eurysakes zurückverfolgen könne. Sein Großvater väterlicherseits, der ebenfalls Alkibiades hieß, war ein Freund des berühmten Verfassungsreformers Kleisthenes, der ebenfalls ein Alkmaionide war. Nach dem Tod seines Vaters in der Schlacht von Koroneia im Jahre 447 v. Chr. wuchs Alkibiades im Hause seines Onkels Perikles auf, wo er von einer Vielzahl berühmter Lehrer, darunter Sokrates, unterrichtet und in der Redekunst ausgebildet wurde. Eine berühmte Schilderung von Alkibiades’ Verhältnis zu Sokrates gibt Platon im Symposion. Der offenbar ungewöhnlich charismatische Alkibiades war für sein widersprüchliches und eigenwilliges Verhalten bekannt, das antike griechische Schriftsteller verschiedentlich erwähnen. In den Quellen werden sowohl seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten herausgestellt als auch seine Liebeseskapaden geschildert.

Alkibiades nahm 432 v. Chr. an der Schlacht von Potidaia und 424 v. Chr. an der Schlacht von Delion teil. Nach Platons Darstellung rettete Sokrates bei Potidaia Alkibiades nicht nur das Leben, sondern verzichtete anschließend zu dessen Gunsten auch auf eine ihm zuerkannte Auszeichnung. Die Glaubwürdigkeit dieser Schilderung ist aber zweifelhaft. Es trifft jedenfalls zu, dass Alkibiades für seine Tapferkeit ausgezeichnet wurde, denn dies berichtet auch Isokrates. Alkibiades hatte ein intimes, aber (idealisierten antiken Berichten zufolge) angeblich keusches Verhältnis zu Sokrates, den er bewunderte und respektierte. Dieser wiederum wurde von Alkibiades’ Schönheit angezogen, beschloss jedoch angeblich, den jugendlichen Reizen nicht zu erliegen.

Nach dem Tod des Kleon setzte Alkibiades sich zunächst an die Spitze der „radikalen Demokraten“ (die jede Einschränkung ablehnten, auch was die Alimentierung der Bevölkerung betraf, siehe Attische Demokratie) und betrieb eine Politik, die die Isolierung Spartas zum Ziel hatte. Er stieg rasch zu einem führenden Demagogen auf. Sein politischer Gegenspieler war Nikias, der zu den gemäßigten Demokraten gehörte. Nikias bemühte sich im Peloponnesischen Krieg um einen Friedensschluss zwischen Athen und Sparta, den er in dem nach ihm benannten Nikiasfrieden auch durchsetzen konnte.

Alkibiades gelang es jedoch, als Stratege diese Bemühungen zu hintertreiben und Athen zur Abkehr von dem Vertrag zu bewegen. 415 v. Chr. befürwortete er, auf ein Hilfegesuch der Stadt Segesta hin, den unglücklichen Feldzug Athens gegen Syrakus und Sizilien, den er als einer seiner militärischen Führer zunächst mit anführte. Kurz vor dem Auslaufen der Schiffe wurden in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 415 v. Chr. die Statuen des Gottes Hermes in Athen von unbekannter Hand verstümmelt (der so genannte Hermenfrevel). Die Schuld dafür schob man (wahrscheinlich fälschlich) auf Alkibiades. Zwar wurde die Angelegenheit zunächst wegen seiner großen Popularität verschleppt, doch nach der Ausfahrt der Flotte rief man ihn zurück und klagte ihn wegen des Hermenfrevels und der Parodie der Mysterien von Eleusis an. Alkibiades kehrte nicht zurück, sondern blieb bei der Flotte. Als er erfuhr, dass er, in seiner Abwesenheit, zum Tode verurteilt und verflucht worden war, floh er nach Sparta, wo er die Pläne des Feldzuges verriet und einem Bündnis aus Spartanern und Syrakusern half, die Athener zu besiegen. Weiterhin erteilte er den Lakedaimoniern zwei kriegsentscheidende Ratschläge, nämlich Syrakus zu Hilfe zu kommen, um Athen abzugrenzen, und das Dorf Dekeleia in Attika dauerhaft zu besetzen. Daraufhin konnten die Athener auf Sizilien vernichtend geschlagen werden.

412 v. Chr. zog Alkibiades mit den Spartanern gegen die Insel Chios, wo er die Ionier zu einem Aufstand gegen die Athener aufstachelte. In Milet half er beim Abschluss eines Bündnisses zwischen Sparta und dem Perserreich und kämpfte in der Schlacht von Milet gegen ein athenisches Expeditionsheer.

Probleme mit den spartanischen Führern – diese waren besorgt, er möge sie bei Gelegenheit ebenfalls verraten, wie er bereits seine eigene Vaterstadt verriet – führten dazu, dass Alkibiades deren Gunst verlor und offenbar ermordet werden sollte. Alkibiades erfuhr jedoch rechtzeitig davon und floh zu dem persischen Provinzstatthalter Tissaphernes. Bei diesem versuchte er, anfangs recht erfolgreich, Athen und Sparta gegeneinander auszuspielen und ihn auf die Seite der Athener zu ziehen, was letztlich jedoch misslang. Daraufhin bot Alkibiades den Kommandeuren der athenischen Flotte auf Samos, die mit der Politik ihrer Heimatstadt unzufrieden waren und einen Umsturz der radikaldemokratischen Ordnung anstrebten (siehe dazu auch: Oligarchischer Umsturz in Athen unter der Herrschaft des Rates der Vierhundert), seine Hilfe und die Persiens an. Zumindest machte Alkibiades die Kommandeure glauben, er könne die persische Unterstützung garantieren. Im Gegenzug wollte er nach Athen zurückkehren, um dort erneut eine führende Rolle zu spielen. Die Kommandeure der athenischen Flotte gingen auf Alkibiades’ Vorschlag zunächst ein. Während der Umsturz in Athen gelang, stieß er in der Flotte auf Samos (diese war als Bürgerflotte unterhalb der Kommandeursebene bis hin zu den Ruderern demokratisch gesinnt) auf erfolgreichen Widerstand. Alkibiades, ganz Opportunist, bot nun den Demokraten seine Hilfe an, die ihn schließlich zum Strategen wählten. Die Oligarchie in Athen wurde bereits Ende 411 v. Chr. beseitigt und im folgenden Jahr die Demokratie wieder eingeführt. Seine Ankunft am Hellespont stabilisierte die prekäre Lage der athenischen Streitkräfte und ermöglichte ihren Sieg in der Seeschlacht bei Abydos (411 v. Chr.). In der Schlacht von Kyzikos (heute Balıkesir in der Türkei) vernichtete Alkibiades 410 v. Chr. mit einem brillant ausgeführten Plan die spartanische Flotte unter Mindaros. Anschließend ging er in die Offensive, um die verlorenen Positionen am Bosporus zurückzugewinnen. 409 v. Chr. siegte er erneut vor Abydos über die Perser und 408 v. Chr. gelang ihm nach der Schlacht von Chalkedon die Einnahme von Selymbria und Byzanz.

Als er nach Athen heimkehrte, wurde er mit allgemeiner Begeisterung aufgenommen, von allen Beschuldigungen freigesprochen und zum strategos autokrator („bevollmächtigter Stratege“) gewählt. Als jedoch 407 v. Chr. während seiner Abwesenheit ein athenisches Flottenkontingent bei Notion in der Nähe von Ephesos eine Niederlage gegen den mit den Persern verbündeten spartanischen Flottenführer Lysander erlitt, und weil man befürchtete, er könne durch seine Macht und seinen Einfluss zum Tyrannen werden, entzog man ihm sein Amt wieder.

Alkibiades begab sich zunächst auf seine Besitzungen nach Thrakien. Trotz der bereits mehrfachen Verbannung aus seinem Vaterland blieb er Athen stets verbunden. So auch, als der athenische Feldherr Philokles (Strategos) mit einer neuen Flotte in See stach und sie zum Hellespont führte. Alkibiades, auch von seinen Gegnern als fähiger Feldherr anerkannt, versuchte, Philokles bei seiner strategischen Kriegsführung zu beraten, doch dieser und seine Mitstrategen lehnten seinen Rat verachtungsvoll ab. Dies wurde zum Verhängnis der athenischen Flotte: Alkibiades Befürchtungen wurden bald bestätigt. Die spartanisch-peloponnesische Flotte unter Lysander besiegte die Athener in der Schlacht bei Aigospotamoi (September 405 v. Chr.). Nach der Niederlage floh Alkibiades an den Hof des persischen Satrapen Pharnabazos nach Daskyleion. Auf Betreiben des spartanischen Befehlshabers Lysander und im Einvernehmen mit den in Athen eingesetzten Dreißig Tyrannen wurde Alkibiades 404 v. Chr. auf der Flucht in der phrygischen Ortschaft Melissa ermordet.[2] Seine Geliebte, die Hetäre Timandra, soll ihn bestattet haben.

Die wichtigsten erzählenden Quellen zu seinem Leben sind die Berichte des Thukydides und Xenophon. Hinzu kommen sekundäre Quellen, unter anderen Diodor (der sich auf Ephoros stützte), Plutarch und Cornelius Nepos.

Olympiasieger

Bei den 91. Olympischen Spielen 416 v. Chr. entsandte Alkibiades gleich sieben Mannschaften ins Wagenrennen, das sind mehr, als je ein Privatmann zu den Olympischen Spielen der Antike entsandt hat. Das Ergebnis war ein Sieg, ein zweiter und ein vierter Platz. So wurde auch er zum Olympiasieger gekränzt, da beim Wagenrennen der Rennstallbesitzer geehrt wurde, nicht der Fahrer.[3]

Rezeption

Albrecht II. Markgraf von Brandenburg-Kulmbach (1522–1557) erhielt in Anspielung auf Alkibiades den Beinamen Alcibiades.

Literatur

  • Walter M. Ellis: Alcibiades. Routledge, London u. a. 1989, ISBN 0-415-00993-6.
  • David Gribble: Alcibiades and Athens. A Study in Literary Presentation. Clarendon Press, Oxford 1999, ISBN 0-19-815267-1 (Rezension im Bryn Mawr Classical Review).
  • Jean Hatzfeld: Alcibiade. Étude sur l’histoire d’Athènes à la fin du Ve siècle. 2. Auflage. Presses Universitaires de France, Paris 1951.
  • Herbert Heftner: Alkibiades. Staatsmann und Feldherr. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-89678-732-3 (Rezension bei H-Soz-Kult; Rezension in sehepunkte).
  • Donald Kagan: The Peloponnesian War. Viking, New York u. a. 2003, ISBN 0-670-03211-5.
  • Gustav Adolf Lehmann: Alkibiades [3]. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 1, Metzler, Stuttgart 1996, ISBN 3-476-01471-1, Sp. 500–502.
  • Karen Piepenbrink: Alkibiades. In: Peter von Möllendorff, Annette Simonis, Linda Simonis (Hrsg.): Historische Gestalten der Antike. Rezeption in Literatur, Kunst und Musik (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 8). Metzler, Stuttgart/Weimar 2013, ISBN 978-3-476-02468-8, Sp. 59–68.
  • Peter John Rhodes: Alcibiades. Pen & Sword Military, Barnsley 2011.
  • Wolfgang Schuller: Alkibiades. In: Kai Brodersen (Hrsg.): Große Gestalten der griechischen Antike. 58 historische Portraits von Homer bis Kleopatra. Beck, München 1999, ISBN 3-406-44893-3, S. 337–346, 481 f.
Commons: Alcibiades – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Zur Datierung siehe Debra Nails: The People of Plato. A prosopography of Plato and other Socratics. Indianapolis 2002, S. 11–13.
  2. ↑ Franz Kiechle: Alkibiades 2. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 1, Stuttgart 1964, Sp. 261–264, insbesondere 264.
  3. ↑ Plutarch, Alkibiades 12.
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