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* Entlehnung aus frz. ''aperçu'' ‚[[Übersicht]], [[Einblick]]‘ (18.Jh.). | |||
** Substantiviertes Partizip Perfekt v. frz, ''apercevoir'' ‚wahrnehmen‘, das also für ‚das Wahrgenommene‘ steht. | |||
*** Das besagte Verb ist entstanden aus dem früh-romanischen ''*appercipere'' ‚wahrnehmen‘, | |||
**** aus lat. ''[[ad-]]'' ‚hinzu-‘ + ''[[percipere]]'' ‚einnehmen, bemächtigen‘ zugrunde liegen. | |||
***** Das lateinische ''percipere'' besteht seinerseits aus ''[[per-]]'' ‚ganz, völlig‘ und dem Verb ''[[capere]]'' ‚fangen, fassen, ergreifen‘, | |||
***** welches in Zusammensetzungen als ''-cipere'' erscheint. | |||
** Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Bedeutung geistvolle Eingebung, zum Beispiel bei [[Arthur Schopenhauer|Schopenhauer]]; im 20. Jahrhundert dann ‚geistvolle, brillante Bemerkung‘ | |||
'''Aperçu''' (''[https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Phonetisches_Alphabet IPA]:'' [<span class="navigation-not-searchable"><span class="IPA">[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IPA-Zeichen <span lang="zxx" title="Aussprache im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA)">apɛʁˈsyː</span>]</span></span>]<sup id="cite_ref-Duden1_1-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Aper%C3%A7u#cite_note-Duden1-1 [1]]</sup><sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Aper%C3%A7u#cite_note-2 [2]]</sup>; französ.: ‚flüchtiger Blick‘, auch ‚Übersicht‘, ‚kurzgefasste Darstellung‘; Artikel: das; Mehrzahl -s; von frz. ''apercevoir'', ‚flüchtig wahrnehmen‘, ‚bemerken‘, ‚erkennen‘), auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Bonmot Bonmot] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Sentenz Sentenz] genannt, bezeichnet eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4gnanz prägnante] [https://de.wikipedia.org/wiki/Bemerkung Bemerkung], die auf einen geistreichen oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Scharfsinn scharfsinnigen] Einfall zurückgeht. Wird es schriftlich festgehalten, kann das Aperçu mit seiner sprachlichen Prägnanz als literarischer [https://de.wikipedia.org/wiki/Aphorismus Aphorismus] fungieren.<div class="mw-heading mw-heading2"> | |||
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Aktuelle Version vom 2. April 2026, 07:46 Uhr
Aperçu lat.-frz.-deu. wrtl.-sgm. das 'Vernommene', glhrt. das 'Wahrgenommene‘; ‚geistvolle, brillante Bemerkung‘
- Entlehnung aus frz. aperçu ‚Übersicht, Einblick‘ (18.Jh.).
- Substantiviertes Partizip Perfekt v. frz, apercevoir ‚wahrnehmen‘, das also für ‚das Wahrgenommene‘ steht.
- Das besagte Verb ist entstanden aus dem früh-romanischen *appercipere ‚wahrnehmen‘,
- Seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Bedeutung geistvolle Eingebung, zum Beispiel bei Schopenhauer; im 20. Jahrhundert dann ‚geistvolle, brillante Bemerkung‘
- Substantiviertes Partizip Perfekt v. frz, apercevoir ‚wahrnehmen‘, das also für ‚das Wahrgenommene‘ steht.
Aperçu (IPA: [][1][2]; französ.: ‚flüchtiger Blick‘, auch ‚Übersicht‘, ‚kurzgefasste Darstellung‘; Artikel: das; Mehrzahl -s; von frz. apercevoir, ‚flüchtig wahrnehmen‘, ‚bemerken‘, ‚erkennen‘), auch Bonmot oder Sentenz genannt, bezeichnet eine prägnante Bemerkung, die auf einen geistreichen oder scharfsinnigen Einfall zurückgeht. Wird es schriftlich festgehalten, kann das Aperçu mit seiner sprachlichen Prägnanz als literarischer Aphorismus fungieren.
Bedeutung
Der französische Terminus wurde 1797 von Schiller ins Deutsche eingeführt. Bei Johann Wolfgang Goethe bedeutet Aperçu dann eine „Synthese von Welt und Geist“, wie sie sich in der Anschauung realisiert.[3] Im Zusammenhang von Goethes eigenwilliger Erkenntnistheorie handelt es sich um einen Zentralbegriff: „Alles kommt auf ein Aperçu an. Es ist das Höchste, wozu es der Mensch bringt, und weiter bringt er es nicht.“[4] Ein solches Aperçu leistet die intuitiv-induktive Erkenntnis eines ‚Schemas‘, das für das Verständnis einer Vielzahl von Einzelphänomenen aufschlussreich ist. Einschlägige Goethe’sche Aperçus sind seine Konzeptionen der „Urpflanze“ oder des „Zwischenkieferknochens“.[5] Seither hat der Begriff jedoch eine merkliche Bedeutungsverschlechterung erfahren, sodass man heute pejorativ auch von einem „bloßen“ Aperçu sprechen kann – im Sinne einer zwar glänzend, beispielsweise paradox formulierten Behauptung, die aber unsolide ist, insofern es ihr an Beweisen und Belegen mangelt.
Aperçus über Aperçus
- „Ein bedeutendes Factum, ein geniales Aperçu beschäftigt eine sehr große Anzahl Menschen, erst nur um es zu kennen, dann um es zu erkennen, dann es zu bearbeiten und weiterzuführen.“ (Johann Wolfgang Goethe)[6]
- „Was wir in uns aufnehmen, muß jedesmal fleißig verarbeitet sein, was natürlich lästig werden kann. Aperçus gegenüber darf man den Zerstreuten spielen. Gott, es wird ja speziell heutzutage unglaublich viel Geistreiches gesagt. Naturgemäß verwöhnt einen das!“ (Robert Walser)[7]
- „Bemerkungen sind wertlos.“ (Robert Walser)[8]
- „Ein Aperçu kann man nicht diskutieren.“ (Peter Rühmkorf)[9]
Literatur
- Aperçu. In: Goethe Wörterbuch. Hrsg. von der Akademie der Wissenschaften der DDR u. a. Bd. 1. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1978, ISBN 3-17-009557-9, Sp. 766–767 (im Wörterbuchnetz).
- Hartmut Köhler: Aperçu. In: Gert Ueding (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 1. Niemeyer, Tübingen 1992, ISBN 3-484-68101-2, Sp. 760–767.
- Peter Matussek: „Es ist das Höchste, wozu es der Mensch bringt“. Das Aperçu bei Goethe. In: Akio Ogawa, Kazuhiko Tamura, Dieter Trauden (Hrsg.): Wie alles sich zum Ganzen webt. Festschrift für Yoshito Takahashi zum 65. Geburtstag. Stauffenburg, Tübingen 2010, ISBN 978-3-86057-511-6, S. 103–115 (Open Access-Version).
- Horst Nalewski: Aperçu. In: Claus Träger (Hrsg.): Wörterbuch der Literaturwissenschaft. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1986, ISBN 3-323-00015-3, S. 35.
Weblinks
Einzelnachweise
- Aperçu, das. In: duden.de. Abgerufen am 20. Oktober 2021.
- Eva-Maria Krech, Eberhard Stock, Ursula Hirschfeld, Lutz Christian Anders: Deutsches Aussprachewörterbuch. Walter de Gruyter, Berlin / New York 2009, ISBN 978-3-11-018202-6, S. 324.
- Richard M. Meyer: Goethes Art zu arbeiten. In: R. M. Meyer: Gestalten und Probleme. Georg Bondi, Berlin 1905, S. 84–117, das Zitat aus Goethes Sprüchen in Prosa (Nr. 903): S. 89.
- Goethes Gespräche. Eine Sammlung zeitgenössischer Berichte aus seinem Umgang. Auf Grund der Ausgabe und des Nachlasses von Flodoard Freiherrn von Biedermann ergänzt und hrsg. von Wolfgang Herwig. Bd. 3,1: 1817–1825. Artemis, Zürich, Stuttgart 1971, S. 117 (2. Mai 1819).
- Claudia Schweizer: Aperçu. In: Goethe Handbuch. Supplemente. Bd. 2: Naturwissenschaften. Hrsg. von Manfred Wenzel. Metzler, Stuttgart / Weimar 2012, ISBN 978-3-476-01983-7, S. 305.
- Johann Wolfgang Goethe: Maximen und Reflexionen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hrsg. von Max Hecker(= Schriften der Goethe-Gesellschaft. Im Auftrage des Vorstandes hrsg. von Erich Schmidt, Bernhard Suphan. Bd. 21). Verlag der Goethe-Gesellschaft, Weimar 1907, S. 153, Nº 696.
- Robert Walser: Zeitschriftbesprechung [1926]. In: R. Walser: Zarte Zeilen. Prosa aus der Berner Zeit 1926 (= Sämtliche Werke in Einzelausgaben. Hrsg. von Jochen Greven. Bd. 18). Suhrkamp, Zürich / Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-518-37617-9, S. 214–220, Zitat S. 216.
- Robert Walser: Einiges über Maurus Jokai [1925]. In: R. Walser: Wenn Schwache sich für stark halten. Prosa aus der Berner Zeit 1921–1925(= Sämtliche Werke in Einzelausgaben. Hrsg. von Jochen Greven. Bd. 17). Suhrkamp, Zürich / Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-518-37618-7, S. 174–176, Zitat S. 174.
- Peter Rühmkorf: Tabu I. Tagebücher 1989–1991. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek b. H. 1997, ISBN 3-499-22153-5, S. 343.