Zum Inhalt springen

„Realdefinition“ – Versionsunterschied

aus AufEinWort, der freien Forschung
[ungesichtete Version][ungesichtete Version]
Keine Bearbeitungszusammenfassung
 
(Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt)
Zeile 2: Zeile 2:


== Realdefinition ==
== Realdefinition ==
Eine '''Realdefinition''' ist in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik Logik] eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Definition Definition], die die wesentlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Merkmal Merkmale] eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Gegenstand Gegenstandes] angeben soll. Gegenstück ist die [https://de.wikipedia.org/wiki/Nominaldefinition Nominaldefinition].<div class="mw-heading mw-heading2">
Eine '''Realdefinition''' ist in der [[Logik]] eine [[Definition]], die die wesentlichen [[Merkmal]]e eines [[Gegenstand]]es angeben soll. Gegenstück ist die [[Nominaldefinition]].
 
== Allgemeines ==
== Allgemeines ==
</div>Realdefinitionen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] definitiones reales) sind ''Sachdefinitionen'',<sup class="reference" id="cite_ref-1">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-1 [1]]</sup> die das [https://de.wikipedia.org/wiki/Wesen_(Philosophie) Wesen] einer in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t Realität]vorhandenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Sache Sache] erfassen. Eine Realdefinition ist der Versuch, alles das, was jemand von einem [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikator Prädikator] stets als dessen Bedeutung unausgesprochen geläufig ist, ausdrücklich zu beschreiben.<sup class="reference" id="cite_ref-2">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-2 [2]]</sup> Realdefinitionen beschreiben so, welche Merkmale tatsächlich mit einem bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Begriff_(Philosophie) Begriff] verbunden sind.<sup class="reference" id="cite_ref-3">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-3 [3]]</sup>
Realdefinitionen ({{laS|definitiones reales}}) sind ''Sachdefinitionen'',<ref>[[Joseph Maria Bocheński]], ''Die zeitgenössischen Denkmethoden'', 1980, S. 90 ff.; ISBN 978-3-7720-0001-0</ref> die das [[Wesen (Philosophie)|Wesen]] einer in der [[Realität]] vorhandenen [[Sache]] erfassen. Eine Realdefinition ist der Versuch, alles das, was jemand von einem [[Prädikator]] stets als dessen Bedeutung unausgesprochen geläufig ist, ausdrücklich zu beschreiben.<ref>[https://www.google.de/books/edition/Einf%C3%BChrung_in_die_Wissenschaftstheorie/X-QqFQeU9WMC?hl=de&gbpv=1&dq=Realdefinitionen&pg=PA62&printsec=frontcover Helmut Seiffert, ''Einführung in die Wissenschaftstheorie'', Band 1, 2003, S. 64]</ref> Realdefinitionen beschreiben so, welche Merkmale tatsächlich mit einem bestimmten [[Begriff (Philosophie)|Begriff]] verbunden sind.<ref>[https://www.google.de/books/edition/Fans/P3e5oPytzD0C?hl=de&gbpv=1&dq=Was+sind+Fans%3F+Eine+Nominal-+und+eine+Realdefinition&pg=PA11&printsec=frontcover Jochen Roose/Mike S. Schäfer/Thomas Schmidt-Lux, ''Fans: Soziologische Perspektiven'', 2010, S. 11]</ref>
 
In [[Mathematik]] und [[Logik]] haben Realdefinitionen eine große Bedeutung<ref>Horst Otto Mayer, ''Interview und schriftliche Befragung – Grundlagen und Methoden empirischer Sozialforschung'', 2013, S. 10 f.; ISBN 978-3-486-70691-8</ref>, in den [[Sozialwissenschaft|Sozial-]], [[Wirtschaftswissenschaft|Wirtschafts-]] und [[Geisteswissenschaft]]en werden sie dagegen nicht verwendet. Da sie alle ''wesentlichen Merkmale'' erfassen müssen, können sie richtig oder falsch sein,<ref>[https://www.google.de/books/edition/Empirische_Sozialforschung/QyBvWyDCNLkC?hl=de&gbpv=1&dq=realdefinitionen&pg=PA38&printsec=frontcover Michael Häder, ''Empirische Sozialforschung'', 2010, S. 38]</ref><ref>Helmut Kromrey, ''Empirische Sozialforschung'', 10. Auflage, 2002, S. 164; ISBN 978-3-322-93463-5</ref> sofern sie [[Tatsachenbehauptung]]en enthalten.


In [https://de.wikipedia.org/wiki/Mathematik Mathematik] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik Logik] haben Realdefinitionen eine große Bedeutung<sup class="reference" id="cite_ref-4">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-4 [4]]</sup>, in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialwissenschaft Sozial-], [https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftswissenschaft Wirtschafts-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Geisteswissenschaft Geisteswissenschaften] werden sie dagegen nicht verwendet. Da sie alle ''wesentlichen Merkmale'' erfassen müssen, können sie richtig oder falsch sein,<sup class="reference" id="cite_ref-5">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-5 [5]]</sup><sup class="reference" id="cite_ref-6">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-6 [6]]</sup> sofern sie [https://de.wikipedia.org/wiki/Tatsachenbehauptung Tatsachenbehauptungen]enthalten.<div class="mw-heading mw-heading2">
== Definitionstechnik ==
== Definitionstechnik ==
</div>Bereits [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] beschrieb Nominal- und Realdefinitionen im 4. Jahrhundert [https://de.wikipedia.org/wiki/Vor_Christus vor Christus].<sup class="reference" id="cite_ref-7">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-7 [7]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/William_von_Ockham William von Ockham]griff im [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] (1324) diese Unterscheidung zwischen Nominal- und Realdefinitionen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] definitio quid nominis bzw. [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] definitio quid rei) auf,<sup class="reference" id="cite_ref-8">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-8 [8]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Wolff_(Aufkl%C3%A4rer) Christian Wolff] folgte 1712.<sup class="reference" id="cite_ref-9">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-9 [9]]</sup>
Bereits [[Aristoteles]] beschrieb Nominal- und Realdefinitionen im 4. Jahrhundert [[vor Christus]].<ref>Aristoteles, ''[[Analytica posteriora]] (Zweite Analytik)'', Buch II, 8–10</ref> [[William von Ockham]] griff im [[Mittelalter]] (1324) diese Unterscheidung zwischen Nominal- und Realdefinitionen (lat. ''[[definitio quid nominis]]'' bzw. lat. ''[[definitio quid rei]]'') auf,<ref>William von Ockham, ''Summa Logicae'', Teil I, 1324, Kapitel 26</ref> [[Christian Wolff (Aufklärer)|Christian Wolff]] folgte 1712.<ref>Christian Wolff, ''Vernünftige Gedanken (Deutsche Logik)'', 1712, Kapitel 1 § 41</ref>
 
Der zu definierende Begriff einer Definition ist das [[Definiendum]], die Menge der definierenden Merkmale wird [[Definiens]] genannt. Realdefinitionen sollten in sich bereits Angaben über die Vorgehensweise bei der Definition des Definiendums durch das Definiens enthalten.<ref>[https://www.google.de/books/edition/Kommunikation/ykmGBwAAQBAJ?hl=de&gbpv=1&dq=realdefinitionen&pg=PA31&printsec=frontcover Klaus Merten, ''Kommunikation: Eine Begriffs- und Prozessanalyse'', 1977, S. 31]</ref> Mit dem Definiendum wird für das auf [[Erfahrungswissen]] beruhende Definiens ein neues Wort eingeführt. Sind im Definiens nicht sämtliche wesentlichen Merkmale erwähnt, ist ein Begriff „unterdefiniert“, sind zu viele aufgeführt, ist er „überdefiniert“.


Der zu definierende Begriff einer Definition ist das [https://de.wikipedia.org/wiki/Definiendum Definiendum], die Menge der definierenden Merkmale wird [https://de.wikipedia.org/wiki/Definiens Definiens] genannt. Realdefinitionen sollten in sich bereits Angaben über die Vorgehensweise bei der Definition des Definiendums durch das Definiens enthalten.<sup class="reference" id="cite_ref-10">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-10 [10]]</sup> Mit dem Definiendum wird für das auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrungswissen Erfahrungswissen] beruhende Definiens ein neues Wort eingeführt. Sind im Definiens nicht sämtliche wesentlichen Merkmale erwähnt, ist ein Begriff „unterdefiniert“, sind zu viele aufgeführt, ist er „überdefiniert“.<div class="mw-heading mw-heading2">
== Beispiele ==
== Beispiele ==
</div>Realdefinitionen definieren ausschließlich Dinge, die in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wirklichkeit Wirklichkeit] existieren. Ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Messer Messer] „ist ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Schneidewerkzeug Schneidewerkzeug], bei dem eine geschärfte, längliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Klinge Klinge] an einem Ende einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Heft_(Griffst%C3%BCck) Griff] besitzt, der normalerweise in seiner Länge der Breite der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hand Hand] entspricht“. Ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Kreis Kreis] ist „eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Kurve_(Mathematik) Linie], deren [https://de.wikipedia.org/wiki/Punkt_(Geometrie) Punkte] zu einem gegebenen Punkt sämtlich den gleichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Abstand Abstand] haben“.
Realdefinitionen definieren ausschließlich Dinge, die in der [[Wirklichkeit]] existieren. Ein [[Messer]] „ist ein [[Schneidewerkzeug]], bei dem eine geschärfte, längliche [[Klinge]] an einem Ende einen [[Heft (Griffstück)|Griff]] besitzt, der normalerweise in seiner Länge der Breite der [[Hand]] entspricht“. Ein [[Kreis]] ist „eine [[Kurve (Mathematik)|Linie]], deren [[Punkt (Geometrie)|Punkte]] zu einem gegebenen Punkt sämtlich den gleichen [[Abstand]] haben“.
 
[[Gottfried Achenwall]] ging 1756 von einer Nominaldefinition des [[Geld]]es aus als „einer [[Sache]], deren [[Gebrauchsgegenstand|Gebrauch]] nur dadurch möglich ist, indem man sie veräußert“.<ref>Gottfried Achenwall, ''Ius naturae I'', 1756, § 662</ref> [[Immanuel Kant]] griff diese Definition 1797 auf.<ref>Immanuel Kant, ''[[Die Metaphysik der Sitten]]'', 1797, S. 98 ff.</ref> Geld hat damit keinen [[Gebrauchswert]] wie andere [[Gebrauchsgegenstand|Gebrauchsgegenstände]], sondern einen [[Tauschwert]]. Kants Realdefinition des Geldes macht den [[Tausch]] möglich, indem Geld die auszutauschenden Waren auf den „Fleiß“ bei ihrer Herstellung bezieht: „Geld ist das allgemeine Mittel, den [[Fleiß]] der Menschen gegeneinander zu verkehren“.<ref>Immanuel Kant, ''Die Metaphysik der Sitten'', 1797, S. 287</ref> [[Joseph Schumpeter]] stellte 1917 fest, „dass der ökonomische Geldbegriff (im Gegensatz zum juristischen) wie alle sozialwissenschaftlichen Begriffe seine Realdefinition und seinen Umfang nur aus der [[Geldfunktion]] empfangen kann…“.<ref>Joseph Schumpeter, ''Das Sozialprodukt und die Rechenpfennige'', in: [[Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik]] (44), 1917, S. 654</ref>


[https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Achenwall Gottfried Achenwall] ging 1756 von einer Nominaldefinition des [https://de.wikipedia.org/wiki/Geld Geldes] aus als „einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Sache Sache], deren [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebrauchsgegenstand Gebrauch] nur dadurch möglich ist, indem man sie veräußert“.<sup class="reference" id="cite_ref-11">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-11 [11]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] griff diese Definition 1797 auf.<sup class="reference" id="cite_ref-12">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-12 [12]]</sup> Geld hat damit keinen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebrauchswert Gebrauchswert] wie andere [https://de.wikipedia.org/wiki/Gebrauchsgegenstand Gebrauchsgegenstände], sondern einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Tauschwert Tauschwert]. Kants Realdefinition des Geldes macht den [https://de.wikipedia.org/wiki/Tausch Tausch] möglich, indem Geld die auszutauschenden Waren auf den „Fleiß“ bei ihrer Herstellung bezieht: „Geld ist das allgemeine Mittel, den [https://de.wikipedia.org/wiki/Flei%C3%9F Fleiß] der Menschen gegeneinander zu verkehren“.<sup class="reference" id="cite_ref-13">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-13 [13]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Schumpeter Joseph Schumpeter] stellte 1917 fest, „dass der ökonomische Geldbegriff (im Gegensatz zum juristischen) wie alle sozialwissenschaftlichen Begriffe seine Realdefinition und seinen Umfang nur aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Geldfunktion Geldfunktion] empfangen kann…“.<sup class="reference" id="cite_ref-14">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-14 [14]]</sup><div class="mw-heading mw-heading2">
== Sonstiges ==
== Sonstiges ==
</div>Die Realdefinition ist mit der ''Essentialdefinition'' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] [https://de.wikipedia.org/wiki/Definitio_essentialis definitio essentialis]) verwandt.<sup class="reference" id="cite_ref-15">[https://de.wikipedia.org/wiki/Realdefinition#cite_note-15 [15]]</sup><div class="mw-heading mw-heading2">
Die Realdefinition ist mit der ''Essentialdefinition'' ({{laS|[[definitio essentialis]]}}) verwandt.<ref>[https://www.google.de/books/edition/System_der_Logik_und_Geschichte_der_logi/c80AAAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=realdefinition+Definitio+essentialis&pg=PA124&printsec=frontcover  Friedrich Ueberweg, ''System der Logik und Geschichte der logischen Lehren'', 1865, S. 124]</ref>
 
== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
</div>
<references />


# <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Maria_Boche%C5%84ski Joseph Maria Bocheński], ''Die zeitgenössischen Denkmethoden'', 1980, S. 90 ff.; [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783772000010 ISBN 978-3-7720-0001-0]</span>
[[Kategorie:Abstraktum]]
# <span class="reference-text">[https://www.google.de/books/edition/Einf%C3%BChrung_in_die_Wissenschaftstheorie/X-QqFQeU9WMC?hl=de&gbpv=1&dq=Realdefinitionen&pg=PA62&printsec=frontcover Helmut Seiffert, ''Einführung in die Wissenschaftstheorie'', Band 1, 2003, S. 64]</span>
[[Kategorie:Definition]]
# <span class="reference-text">[https://www.google.de/books/edition/Fans/P3e5oPytzD0C?hl=de&gbpv=1&dq=Was+sind+Fans%3F+Eine+Nominal-+und+eine+Realdefinition&pg=PA11&printsec=frontcover Jochen Roose/Mike S. Schäfer/Thomas Schmidt-Lux, ''Fans: Soziologische Perspektiven'', 2010, S. 11]</span>
[[Kategorie:Logik]]
# <span class="reference-text">Horst Otto Mayer, ''Interview und schriftliche Befragung – Grundlagen und Methoden empirischer Sozialforschung'', 2013, S. 10 f.; [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783486706918 ISBN 978-3-486-70691-8]</span>
[[Kategorie:Wissenschaftstheorie]]
# <span class="reference-text">[https://www.google.de/books/edition/Empirische_Sozialforschung/QyBvWyDCNLkC?hl=de&gbpv=1&dq=realdefinitionen&pg=PA38&printsec=frontcover Michael Häder, ''Empirische Sozialforschung'', 2010, S. 38]</span>
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]
# <span class="reference-text">Helmut Kromrey, ''Empirische Sozialforschung'', 10. Auflage, 2002, S. 164; [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783322934635 ISBN 978-3-322-93463-5]</span>
# <span class="reference-text">Aristoteles, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Analytica_posteriora Analytica posteriora] (Zweite Analytik)'', Buch II, 8–10</span>
# <span class="reference-text">William von Ockham, ''Summa Logicae'', Teil I, 1324, Kapitel 26</span>
# <span class="reference-text">Christian Wolff, ''Vernünftige Gedanken (Deutsche Logik)'', 1712, Kapitel 1 § 41</span>
# <span class="reference-text">[https://www.google.de/books/edition/Kommunikation/ykmGBwAAQBAJ?hl=de&gbpv=1&dq=realdefinitionen&pg=PA31&printsec=frontcover Klaus Merten, ''Kommunikation: Eine Begriffs- und Prozessanalyse'', 1977, S. 31]</span>
# <span class="reference-text">Gottfried Achenwall, ''Ius naturae I'', 1756, § 662</span>
# <span class="reference-text">Immanuel Kant, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Metaphysik_der_Sitten Die Metaphysik der Sitten]'', 1797, S. 98 ff.</span>
# <span class="reference-text">Immanuel Kant, ''Die Metaphysik der Sitten'', 1797, S. 287</span>
# <span class="reference-text">Joseph Schumpeter, ''Das Sozialprodukt und die Rechenpfennige'', in: [https://de.wikipedia.org/wiki/Archiv_f%C3%BCr_Sozialwissenschaft_und_Sozialpolitik Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik] (44), 1917, S. 654</span>
# <span class="reference-text">[https://www.google.de/books/edition/System_der_Logik_und_Geschichte_der_logi/c80AAAAAcAAJ?hl=de&gbpv=1&dq=realdefinition+Definitio+essentialis&pg=PA124&printsec=frontcover Friedrich Ueberweg, ''System der Logik und Geschichte der logischen Lehren'', 1865, S. 124]</span>

Aktuelle Version vom 19. Juni 2026, 12:17 Uhr

real + Definition | oder "Sacherklärung" ist eine Bestimmung, die Aussagen über Eigenschaften eines Gegenstandes oder Sachverhalts enthält, die im Hinblick auf diesen Gegenstand oder Sachverhalt für wesentlich gehalten werden.

Das unterscheidet die Realdefinition von der Nominaldefinition, bei der ein Begriff unter Verwendung anderer Begriffe definiert und so durch diese ersetzbar gemacht wird.

Eine Realdefinition ist also im Gegensatz zur Nominaldefinition, die der Festsetzung der Bedeutung eines Begriffs dient, informativ bezüglich des Bezeichneten. Deshalb sind Realdefinitionen Behauptungen über die Beschaffenheit einer Erscheinung und haben den gleichen Status wie empirische Hypothesen. Sie müssen sich an der Dinglichkeit des Daseins der bezeichneten Erscheinung bewähren und können wahr oder falsch sein. Der Begriff geht auf Aristoteles zurück.

Realdefinition

Eine Realdefinition ist in der Logik eine Definition, die die wesentlichen Merkmale eines Gegenstandes angeben soll. Gegenstück ist die Nominaldefinition.

Allgemeines

Realdefinitionen (lat. definitiones reales) sind Sachdefinitionen,[1] die das Wesen einer in der Realität vorhandenen Sache erfassen. Eine Realdefinition ist der Versuch, alles das, was jemand von einem Prädikator stets als dessen Bedeutung unausgesprochen geläufig ist, ausdrücklich zu beschreiben.[2] Realdefinitionen beschreiben so, welche Merkmale tatsächlich mit einem bestimmten Begriff verbunden sind.[3]

In Mathematik und Logik haben Realdefinitionen eine große Bedeutung[4], in den Sozial-, Wirtschafts- und Geisteswissenschaften werden sie dagegen nicht verwendet. Da sie alle wesentlichen Merkmale erfassen müssen, können sie richtig oder falsch sein,[5][6] sofern sie Tatsachenbehauptungen enthalten.

Definitionstechnik

Bereits Aristoteles beschrieb Nominal- und Realdefinitionen im 4. Jahrhundert v. Chr..[7] William von Ockham griff im Mittelalter (1324) diese Unterscheidung zwischen Nominal- und Realdefinitionen (lat. definitio quid nominis bzw. lat. definitio quid rei) auf,[8] Christian Wolff folgte 1712.[9]

Der zu definierende Begriff einer Definition ist das Definiendum, die Menge der definierenden Merkmale wird Definiens genannt. Realdefinitionen sollten in sich bereits Angaben über die Vorgehensweise bei der Definition des Definiendums durch das Definiens enthalten.[10] Mit dem Definiendum wird für das auf Erfahrungswissen beruhende Definiens ein neues Wort eingeführt. Sind im Definiens nicht sämtliche wesentlichen Merkmale erwähnt, ist ein Begriff „unterdefiniert“, sind zu viele aufgeführt, ist er „überdefiniert“.

Beispiele

Realdefinitionen definieren ausschließlich Dinge, die in der Wirklichkeit existieren. Ein Messer „ist ein Schneidewerkzeug, bei dem eine geschärfte, längliche Klinge an einem Ende einen Griff besitzt, der normalerweise in seiner Länge der Breite der Hand entspricht“. Ein Kreis ist „eine Linie, deren Punkte zu einem gegebenen Punkt sämtlich den gleichen Abstand haben“.

Gottfried Achenwall ging 1756 von einer Nominaldefinition des Geldes aus als „einer Sache, deren Gebrauch nur dadurch möglich ist, indem man sie veräußert“.[11] Immanuel Kant griff diese Definition 1797 auf.[12] Geld hat damit keinen Gebrauchswert wie andere Gebrauchsgegenstände, sondern einen Tauschwert. Kants Realdefinition des Geldes macht den Tausch möglich, indem Geld die auszutauschenden Waren auf den „Fleiß“ bei ihrer Herstellung bezieht: „Geld ist das allgemeine Mittel, den Fleiß der Menschen gegeneinander zu verkehren“.[13] Joseph Schumpeter stellte 1917 fest, „dass der ökonomische Geldbegriff (im Gegensatz zum juristischen) wie alle sozialwissenschaftlichen Begriffe seine Realdefinition und seinen Umfang nur aus der Geldfunktion empfangen kann…“.[14]

Sonstiges

Die Realdefinition ist mit der Essentialdefinition (lat. definitio essentialis) verwandt.[15]

Einzelnachweise

  1. ↑ Joseph Maria Bocheński, Die zeitgenössischen Denkmethoden, 1980, S. 90 ff.; ISBN 978-3-7720-0001-0
  2. ↑ Helmut Seiffert, Einführung in die Wissenschaftstheorie, Band 1, 2003, S. 64
  3. ↑ Jochen Roose/Mike S. Schäfer/Thomas Schmidt-Lux, Fans: Soziologische Perspektiven, 2010, S. 11
  4. ↑ Horst Otto Mayer, Interview und schriftliche Befragung – Grundlagen und Methoden empirischer Sozialforschung, 2013, S. 10 f.; ISBN 978-3-486-70691-8
  5. ↑ Michael Häder, Empirische Sozialforschung, 2010, S. 38
  6. ↑ Helmut Kromrey, Empirische Sozialforschung, 10. Auflage, 2002, S. 164; ISBN 978-3-322-93463-5
  7. ↑ Aristoteles, Analytica posteriora (Zweite Analytik), Buch II, 8–10
  8. ↑ William von Ockham, Summa Logicae, Teil I, 1324, Kapitel 26
  9. ↑ Christian Wolff, Vernünftige Gedanken (Deutsche Logik), 1712, Kapitel 1 § 41
  10. ↑ Klaus Merten, Kommunikation: Eine Begriffs- und Prozessanalyse, 1977, S. 31
  11. ↑ Gottfried Achenwall, Ius naturae I, 1756, § 662
  12. ↑ Immanuel Kant, Die Metaphysik der Sitten, 1797, S. 98 ff.
  13. ↑ Immanuel Kant, Die Metaphysik der Sitten, 1797, S. 287
  14. ↑ Joseph Schumpeter, Das Sozialprodukt und die Rechenpfennige, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik (44), 1917, S. 654
  15. ↑ Friedrich Ueberweg, System der Logik und Geschichte der logischen Lehren, 1865, S. 124