„Gesetzesrecht“ – Versionsunterschied
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</div | </div>Je nach Zusammenhang betont man mit dem Ausdruck Gesetzesrecht unterschiedliche Aspekte: In Bezug auf seine Schriftlichkeit ist Gesetzesrecht („[[lex scripta]]“) ein Gegensatz zum ungeschriebenen [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewohnheitsrecht Gewohnheitsrecht]. Überschneidungen mit dem Gewohnheitsrecht weisen aber solche Bestimmungen des geschriebenen Rechts auf, die [[Rechtswirkungen]] ebenfalls an eine langjährige Praxis oder Nichtpraxis knüpfen, beispielsweise die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ersitzung Ersitzung] (§§ 900, 937 ff. BGB), die [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwirkung_(Deutschland) Verwirkung] sowie die [https://de.wikipedia.org/wiki/Verj%C3%A4hrung_(Deutschland) Verjährung]. Auch <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__346.html § 346]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Handelsgesetzbuch HGB] knüpft „unter Kaufleuten in Ansehung der Bedeutung und Wirkung von Handlungen und Unterlassungen auf die im Handelsverkehr geltenden Gewohnheiten und Gebräuche“ an, d. h. an die tatsächliche Übung und verleiht ihnen dadurch normative Dignität.<sup class="reference" id="cite_ref-1">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-1 [1]]</sup> | ||
In Bezug auf die Rechtsfindung ist Gesetzesrecht ein Gegensatz zum [[Fallrecht]] („case law“): Hier wird vom [[Einzelfall]][[Induktion (Philosophie)|induktiv]] auf ähnliche Fälle geschlossen, beim Gesetzesrecht wird der Einzelfall [[Deduktion|deduktiv]] von einer [[Rechtsnorm]]<nowiki/>abgeleitet. In Bezug auf die [[Rechtsquelle]] ist Gesetzesrecht ein Gegensatz zum [[Richterrecht]]. Nicht der parlamentarische [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzgeber Gesetzgeber] ist dann Rechtsquelle, sondern die Justiz. Diese ist nicht rechtsanwendend oder rechtsfortbildend tätig, sondern rechtsetzend.<sup class="reference" id="cite_ref-2">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-2 [2]]</sup><sup class="reference" id="cite_ref-3">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-3 [3]]</sup> In Bezug auf sein Zustandekommen ist Gesetzesrecht ein Gegensatz zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag Vertrag]: Ein Vertrag entsteht durch Einigung einander gleichgeordneter [https://de.wikipedia.org/wiki/Nat%C3%BCrliche_Person natürlicher Personen] (siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Vertragstheorie Vertragstheorie]), das Gesetzesrecht einseitig-[https://de.wikipedia.org/wiki/Hoheitliche_Aufgabe hoheitlich] durch den Staat (siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtspositivismus Rechtspositivismus]). In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Normenhierarchie Normenhierarchie] müssen Verträge mit dem höherrangigen Gesetzesrecht vereinbar sein, sofern es nicht [https://de.wikipedia.org/wiki/Abdingbares_Recht abdingbar] ist<sup class="reference" id="cite_ref-4">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-4 [4]]</sup> und dieses wiederum mit dem höherrangigen [https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassungsrecht Verfassungsrecht].<sup class="reference" id="cite_ref-5">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-5 [5]]</sup> | |||
Nach kontinental-europäischer Auffassung hat das rechtswissenschaftlich durchdrungene Gesetzesrecht einen höheren Stellenwert als das historische Fallrecht, das von der Beurteilung jedes Einzelfalls ausging, stark von den einzelnen Richterpersönlichkeiten beeinflusst und wegen des Verzichts auf Kodifikation wenig vorhersehbar war.<sup class="reference" id="cite_ref-6">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-6 [6]]</sup><div class="mw-heading mw-heading2"> | |||
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</div | </div>Die europäischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Kodifikation Kodifikationen] gehen historisch mit der Gründung der neuzeitlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Territorialstaat Territorialstaaten] einher und dem Bedürfnis nach innerstaatlicher Rechtsvereinheitlichung sowie einem rationalen Gesetzesvollzug, gewährleistet durch einen hierarchisch aufgebauten Justizapparat. Hinzu kam die Forderung des wirtschaftlich aufstrebenden Bürgertums nach Kalkulierbarkeit des Rechts sowie nach gesellschaftlichen Bereichen, befreit von obrigkeitlicher Bevormundung. [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturrecht Naturrechtliche] Vorstellung ermöglichten eine Ordnung und Systematisierung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeines_Recht gemeinen Rechts].<sup class="reference" id="cite_ref-7">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-7 [7]]</sup><sup class="reference" id="cite_ref-8">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-8 [8]]</sup> | ||
Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden größere Rechtsgebiete – wie etwa das Zivil- und Strafrecht – zunehmend mithilfe von Kodifikationen geregelt.<sup class="reference" id="cite_ref-9">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-9 [9]]</sup><sup class="reference" id="cite_ref-10">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-10 [10]]</sup> In Europa gab es drei wichtige Kodifikationswellen, die des Naturrechts (um 1800), die der [https://de.wikipedia.org/wiki/Pandektistik Pandektistik] (um 1900) und schließlich die im sogenannten „Sozialistischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtskreis Rechtskreis].“<sup class="reference" id="cite_ref-11">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-11 [11]]</sup> | |||
Im 21. Jahrhundert führt die [https://de.wikipedia.org/wiki/Globalisierung Globalisierung] zu einer Rechtsvereinheitlichung im grenzüberschreitenden Handel, beispielsweise in völkerrechtlichen Übereinkommen wie dem [https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Kaufrecht UN-Kaufrecht],<sup class="reference" id="cite_ref-12">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-12 [12]]</sup> aber auch durch autonomes Welthandelsrecht wie die von den Kaufleuten selbst kreierten Normen, Handelsbräuche und Standardverträge, die im grenzüberschreitenden Handel universelle Anwendung finden.<sup class="reference" id="cite_ref-13">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-13 [13]]</sup><sup class="reference" id="cite_ref-14">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-14 [14]]</sup> | |||
Einen anderen Weg ging das Recht im anglo-amerikanischen Rechtskreis ([https://de.wikipedia.org/wiki/Common_Law Common Law]). Unter Verzicht auf umfassende Kodifikationen wird das [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4zedenzfall Präjudizienrecht] im Gegensatz zum Gesetzesrecht betont. Danach sind Untergerichte an die Entscheidungen höherer Gerichte gebunden (doctrine of [https://de.wikipedia.org/wiki/Stare_decisis stare decisis]).<sup class="reference" id="cite_ref-15">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-15 [15]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Radbruch Gustav Radbruch] weist darauf hin, dass es für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Juristenausbildung_in_England_und_Wales Juristenausbildung in England und Wales] schon vor der Rezeption des [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Recht Römischen Rechts] mit den [https://de.wikipedia.org/wiki/Inns_of_Court Inns of Court] einen innungsmäßig organisierten Juristenstand gab, der sich „die Ausbildung des juristischen Nachwuchses auf dem Boden des einheimischen Rechts“ vorbehielt.<sup class="reference" id="cite_ref-16">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-16 [16]]</sup> Ein weiterer Grund wird in unterschiedlichen rechtsphilosophischen Traditionen gesehen zwischen abstrakter Normierung durch Gesetzgebung und Wissenschaft einerseits und entscheidungsbasiertem, d. h. in einer langen richterlichen Tradition entwickelten konkreten Falldenken andererseits.<sup class="reference" id="cite_ref-17">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-17 [17]]</sup> Das abweichende Gesetzesverständnis gründe auf einer anderen Vorstellung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsstaat Rechtsstaat]. Nach der kontinentaleuropäischen Idee des Rechtsstaats wird das Recht hoheitlich gesetzt, während es sich nach dem anglo-amerikanischen Konzept der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rule_of_law Rule of law] im prozessualen Verfahren entwickelt. Wo hier das Gesetz die Zentralkategorie bildet, steht dort der Richter im Mittelpunkt.<sup class="reference" id="cite_ref-18">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-18 [18]]</sup> | |||
In den Vereinigten Staaten gewährleisten allerdings die [https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung_der_Vereinigten_Staaten Verfassung] und ihre Zusätze (Amendments) verschiedene Grundrechte, so das 1. Amendment die Religions-, Rede- und Pressefreiheit. Für den Bund ergeben sich bestimmte Gesetzgebungszuständigkeiten aus Article I, Section 8 der Verfassung, beispielsweise für das Steuerrecht, das Recht der Einbürgerung oder das Recht, Armeen und eine Flotte aufzustellen.<sup class="reference" id="cite_ref-19">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzesrecht#cite_note-19 [19]]</sup> In England gibt es bestimmte [https://de.wikipedia.org/wiki/Statute_Law Statutes], z. B. den Property Act 1925, den Companies Act 1985 oder den Insolvency Act 1986. Mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Human_Rights_Act_1998 Human Rights Act 1998] wurden die Grundrechtsgarantien der [https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Menschenrechtskonvention Europäischen Menschenrechtskonvention] innerstaatlich anwendbar.<div class="mw-heading mw-heading2"> | |||
== Literatur == | == Literatur == | ||
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*Peter Geyer: ''Das Verhältnis von Gesetzes- und Gewohnheitsrecht in den privatrechtlichen Kodifikationen.'' Göttingen, Univ.-Diss., 1999. | |||
*Reinhard Mußgnug: ''Das allgemeine Verwaltungsrecht zwischen Richterrecht und Gesetzesrecht.'' Studia Universitatis Babes-Bolyai 2009, S. 3–24. | * Peter Geyer: ''Das Verhältnis von Gesetzes- und Gewohnheitsrecht in den privatrechtlichen Kodifikationen.''Göttingen, Univ.-Diss., 1999. | ||
*Stephan Pötters, [https://de.wikipedia.org/wiki/Ralph_Christensen Ralph Christensen]: ''Das Unionsrecht als Hybridform zwischen case law und Gesetzesrecht.'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Juristenzeitung JZ] 2012, S. 289–297. | * Reinhard Mußgnug: ''Das allgemeine Verwaltungsrecht zwischen Richterrecht und Gesetzesrecht.'' Studia Universitatis Babes-Bolyai 2009, S. 3–24. | ||
* Stephan Pötters, [https://de.wikipedia.org/wiki/Ralph_Christensen Ralph Christensen]: ''Das Unionsrecht als Hybridform zwischen case law und Gesetzesrecht.'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Juristenzeitung JZ]2012, S. 289–297. | |||
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== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||
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#<span class="reference-text">Fabian Wittreck: [https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Gewohnheitsrecht ''Gewohnheitsrecht''] Staatslexikon online, abgerufen am 21. Oktober 2020.</span> | |||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Joachim_Hirsch Hans Joachim Hirsch]: ''Richterrecht und Gesetzesrecht''. [https://de.wikipedia.org/wiki/Juristische_Rundschau JR] 1966, S. 334–342.</span> | # <span class="reference-text">Fabian Wittreck: [https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Gewohnheitsrecht ''Gewohnheitsrecht''] Staatslexikon online, abgerufen am 21. Oktober 2020.</span> | ||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Bumke Christian Bumke] (Hrsg.): ''Richterrecht zwischen Gesetzesrecht und Rechtsgestaltung''. Mohr Siebeck, 2012. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783161517020 ISBN 978-3-16-151702-0].</span> | # <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Joachim_Hirsch Hans Joachim Hirsch]: ''Richterrecht und Gesetzesrecht''. [https://de.wikipedia.org/wiki/Juristische_Rundschau JR] 1966, S. 334–342.</span> | ||
#<span class="reference-text">Stephan Seiwerth: ''Gestaltungsfreiheit in Tarifverträgen und tarifdispositives Gesetzesrecht. Die Begrenzung individueller und kollektiver Vertragsfreiheit durch dispositives und zwingendes Gesetzesrecht.'' Nomos-Verlag, 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783848742769 ISBN 978-3-8487-4276-9].</span> | # <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Bumke Christian Bumke] (Hrsg.): ''Richterrecht zwischen Gesetzesrecht und Rechtsgestaltung''. Mohr Siebeck, 2012. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783161517020 ISBN 978-3-16-151702-0].</span> | ||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Schneider_(Rechtswissenschaftler) Hans-Peter Schneider]: ''Richterrecht, Gesetzesrecht und Verfassungsrecht - Bemerkungen zum Beruf der Rechtsprechung im demokratischen Gemeinwesen.'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Verlag_Vittorio_Klostermann Verlag Vittorio Klostermann], 1969. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783465005506 ISBN 978-3465005506].</span> | # <span class="reference-text">Stephan Seiwerth: ''Gestaltungsfreiheit in Tarifverträgen und tarifdispositives Gesetzesrecht. Die Begrenzung individueller und kollektiver Vertragsfreiheit durch dispositives und zwingendes Gesetzesrecht.'' Nomos-Verlag, 2017, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783848742769 ISBN 978-3-8487-4276-9].</span> | ||
#<span class="reference-text">Gerhard Dannemann: [https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Anglo-amerikanischer_Rechtskreis ''Anglo-amerikanischer Rechtskreis''] Staatslexikon Online, abgerufen am 24. Oktober 2020.</span> | # <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Schneider_(Rechtswissenschaftler) Hans-Peter Schneider]: ''Richterrecht, Gesetzesrecht und Verfassungsrecht - Bemerkungen zum Beruf der Rechtsprechung im demokratischen Gemeinwesen.'' [https://de.wikipedia.org/wiki/Verlag_Vittorio_Klostermann Verlag Vittorio Klostermann], 1969. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783465005506 ISBN 978-3465005506].</span> | ||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_K%C3%BCbler Friedrich Kübler]: ''Kodifikation und Demokratie.'' JZ 1969, S. 645–651.</span> | # <span class="reference-text">Gerhard Dannemann: [https://www.staatslexikon-online.de/Lexikon/Anglo-amerikanischer_Rechtskreis ''Anglo-amerikanischer Rechtskreis''] Staatslexikon Online, abgerufen am 24. Oktober 2020.</span> | ||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Wieacker Franz Wieacker]: ''Aufstieg, Blüte und Krise der Kodifikationsidee.'' In: Festschrift für [https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Boehmer Gustav Boehmer], 1954, S. 35 ff.</span> | # <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_K%C3%BCbler Friedrich Kübler]: ''Kodifikation und Demokratie.'' JZ 1969, S. 645–651.</span> | ||
#<span class="reference-text">''Kodifikation des Bürgerlichen Rechts in Deutschland.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Schlosser_(Rechtswissenschaftler) Hans Schlosser]: ''Neuere Europäische Rechtsgeschichte. Privat- und Strafrecht vom Mittelalter bis zur Moderne.'' München, 3. Auflage 2018, S. 285–322.</span> | # <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Wieacker Franz Wieacker]: ''Aufstieg, Blüte und Krise der Kodifikationsidee.'' In: Festschrift für [https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Boehmer Gustav Boehmer], 1954, S. 35 ff.</span> | ||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Sieber_(Jurist) Ulrich Sieber], Marc Engelhart: [https://www.rechtswissenschaft.nomos.de/fileadmin/rechtswissenschaft/doc/Aufsatz_ReWiss_12_04.pdf ''Strafrechtskodifikation - Eine Analyse des Kodifikationskonzepts und seiner Umsetzung im deutschen Strafrecht''] Zeitschrift für rechtswissenschaftliche Forschung 2012, S. 364–405.</span> | # <span class="reference-text">''Kodifikation des Bürgerlichen Rechts in Deutschland.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Schlosser_(Rechtswissenschaftler) Hans Schlosser]: ''Neuere Europäische Rechtsgeschichte. Privat- und Strafrecht vom Mittelalter bis zur Moderne.'' München, 3. Auflage 2018, S. 285–322.</span> | ||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Brauneder Wilhelm Brauneder]: [http://ieg-ego.eu/de/threads/crossroads/rechtsraeume-rechtskreise/wilhelm-brauneder-kodifikationsbewegungen ''Kodifikationsbewegungen''] [https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Geschichte_Online Europäische Geschichte Online], 14. Februar 2017.</span> | # <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Sieber_(Jurist) Ulrich Sieber], Marc Engelhart: [https://www.rechtswissenschaft.nomos.de/fileadmin/rechtswissenschaft/doc/Aufsatz_ReWiss_12_04.pdf ''Strafrechtskodifikation - Eine Analyse des Kodifikationskonzepts und seiner Umsetzung im deutschen Strafrecht''] Zeitschrift für rechtswissenschaftliche Forschung 2012, S. 364–405.</span> | ||
#<span class="reference-text">Max Hocke: [https://law-journal.de/archiv/jahrgang-2012/heft-1/die-lex-mercatoria-in-der-europaischen-rechtsgeschichte/ ''Die Lex Mercatoria in der europäischen Rechtsgeschichte''] Bucerius Law Journal, abgerufen am 22. Oktober 2020.</span> | # <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Brauneder Wilhelm Brauneder]: [http://ieg-ego.eu/de/threads/crossroads/rechtsraeume-rechtskreise/wilhelm-brauneder-kodifikationsbewegungen ''Kodifikationsbewegungen''] [https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Geschichte_Online Europäische Geschichte Online], 14. Februar 2017.</span> | ||
#<span class="reference-text">Wioletta Konradi: [https://www.econstor.eu/bitstream/10419/24968/1/538475382.PDF ''Lex mercatoria als globales Recht der Wirtschaft? Die Koordination der internationalen Transaktionen am Beispiel der Holzindustrie''] TranState Working Papers Nr. 56. Universität Bremen, 2007.</span> | # <span class="reference-text">Max Hocke: [https://law-journal.de/archiv/jahrgang-2012/heft-1/die-lex-mercatoria-in-der-europaischen-rechtsgeschichte/ ''Die Lex Mercatoria in der europäischen Rechtsgeschichte''] Bucerius Law Journal, abgerufen am 22. Oktober 2020.</span> | ||
#<span class="reference-text">vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Otfried_H%C3%B6ffe Otfried Höffe]: [https://www.fondation-droitcontinental.org/fr/wp-content/uploads/2014/01/hoffe-otfried_ffa.pdf ''Europäisches versus angloamerikanisches Recht? Standortkonkurrenz in Zeiten der Globalisierung''] Paris, 9. Dezember 2008, S. 6.</span> | # <span class="reference-text">Wioletta Konradi: [https://www.econstor.eu/bitstream/10419/24968/1/538475382.PDF ''Lex mercatoria als globales Recht der Wirtschaft? Die Koordination der internationalen Transaktionen am Beispiel der Holzindustrie''] TranState Working Papers Nr. 56. Universität Bremen, 2007.</span> | ||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Trunk Alexander Trunk]: [https://www.eastlaw.uni-kiel.de/de/lehrveranstaltungen/skript-zur-vorlesung-rechtsvergleichung-anglo-amerikanisches-recht ''Anglo-amerikanischer Rechtskreis''] Universität Kiel, 2013.</span> | # <span class="reference-text">vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Otfried_H%C3%B6ffe Otfried Höffe]: [https://www.fondation-droitcontinental.org/fr/wp-content/uploads/2014/01/hoffe-otfried_ffa.pdf ''Europäisches versus angloamerikanisches Recht? Standortkonkurrenz in Zeiten der Globalisierung''] Paris, 9. Dezember 2008, S. 6.</span> | ||
#<span class="reference-text">Gustav Radbruch: ''Der Geist des englischen Rechts.'' Heidelberg, 1946.</span> | # <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Trunk Alexander Trunk]: [https://www.eastlaw.uni-kiel.de/de/lehrveranstaltungen/skript-zur-vorlesung-rechtsvergleichung-anglo-amerikanisches-recht ''Anglo-amerikanischer Rechtskreis''] Universität Kiel, 2013.</span> | ||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_D%C3%B6lemeyer Barbara Dölemeyer]: [http://ieg-ego.eu/de/threads/crossroads/rechtsraeume-rechtskreise#section_8 ''Rechtsräume, Rechtskreise''] Europäische Geschichte Online, 3. Dezember 2010.</span> | # <span class="reference-text">Gustav Radbruch: ''Der Geist des englischen Rechts.'' Heidelberg, 1946.</span> | ||
#<span class="reference-text">Lars Viellechner: [https://www.velbrueck.de/out/media/978-3-942393-67-6.pdf ''Transnationalisierung des Rechts''] [https://de.wikipedia.org/wiki/Velbr%C3%BCck_Wissenschaft Velbrück Wissenschaft], Weilerswist 2013, S. 11.</span> | # <span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_D%C3%B6lemeyer Barbara Dölemeyer]: [http://ieg-ego.eu/de/threads/crossroads/rechtsraeume-rechtskreise#section_8 ''Rechtsräume, Rechtskreise''] Europäische Geschichte Online, 3. Dezember 2010.</span> | ||
#<span class="reference-text">[https://www.servat.unibe.ch/verfg/us/1787_federal_constitution-unterricht.pdf ''The Constitution of the United States (1787)'']</span> | # <span class="reference-text">Lars Viellechner: [https://www.velbrueck.de/out/media/978-3-942393-67-6.pdf ''Transnationalisierung des Rechts''] [https://de.wikipedia.org/wiki/Velbr%C3%BCck_Wissenschaft Velbrück Wissenschaft], Weilerswist 2013, S. 11.</span> | ||
# <span class="reference-text">[https://www.servat.unibe.ch/verfg/us/1787_federal_constitution-unterricht.pdf ''The Constitution of the United States (1787)'']</span> | |||
Aktuelle Version vom 12. September 2024, 12:27 Uhr
Gesetze-s-Recht nhdt.-dt. ist das durch Gesetz geschaffene Recht.
Abgrenzung
Je nach Zusammenhang betont man mit dem Ausdruck Gesetzesrecht unterschiedliche Aspekte: In Bezug auf seine Schriftlichkeit ist Gesetzesrecht („lex scripta“) ein Gegensatz zum ungeschriebenen Gewohnheitsrecht. Überschneidungen mit dem Gewohnheitsrecht weisen aber solche Bestimmungen des geschriebenen Rechts auf, die Rechtswirkungen ebenfalls an eine langjährige Praxis oder Nichtpraxis knüpfen, beispielsweise die Ersitzung (§§ 900, 937 ff. BGB), die Verwirkung sowie die Verjährung. Auch § 346 HGB knüpft „unter Kaufleuten in Ansehung der Bedeutung und Wirkung von Handlungen und Unterlassungen auf die im Handelsverkehr geltenden Gewohnheiten und Gebräuche“ an, d. h. an die tatsächliche Übung und verleiht ihnen dadurch normative Dignität.[1]
In Bezug auf die Rechtsfindung ist Gesetzesrecht ein Gegensatz zum Fallrecht („case law“): Hier wird vom Einzelfallinduktiv auf ähnliche Fälle geschlossen, beim Gesetzesrecht wird der Einzelfall deduktiv von einer Rechtsnormabgeleitet. In Bezug auf die Rechtsquelle ist Gesetzesrecht ein Gegensatz zum Richterrecht. Nicht der parlamentarische Gesetzgeber ist dann Rechtsquelle, sondern die Justiz. Diese ist nicht rechtsanwendend oder rechtsfortbildend tätig, sondern rechtsetzend.[2][3] In Bezug auf sein Zustandekommen ist Gesetzesrecht ein Gegensatz zum Vertrag: Ein Vertrag entsteht durch Einigung einander gleichgeordneter natürlicher Personen (siehe Vertragstheorie), das Gesetzesrecht einseitig-hoheitlich durch den Staat (siehe Rechtspositivismus). In der Normenhierarchie müssen Verträge mit dem höherrangigen Gesetzesrecht vereinbar sein, sofern es nicht abdingbar ist[4] und dieses wiederum mit dem höherrangigen Verfassungsrecht.[5]
Nach kontinental-europäischer Auffassung hat das rechtswissenschaftlich durchdrungene Gesetzesrecht einen höheren Stellenwert als das historische Fallrecht, das von der Beurteilung jedes Einzelfalls ausging, stark von den einzelnen Richterpersönlichkeiten beeinflusst und wegen des Verzichts auf Kodifikation wenig vorhersehbar war.[6]
Geschichte
Die europäischen Kodifikationen gehen historisch mit der Gründung der neuzeitlichen Territorialstaaten einher und dem Bedürfnis nach innerstaatlicher Rechtsvereinheitlichung sowie einem rationalen Gesetzesvollzug, gewährleistet durch einen hierarchisch aufgebauten Justizapparat. Hinzu kam die Forderung des wirtschaftlich aufstrebenden Bürgertums nach Kalkulierbarkeit des Rechts sowie nach gesellschaftlichen Bereichen, befreit von obrigkeitlicher Bevormundung. Naturrechtliche Vorstellung ermöglichten eine Ordnung und Systematisierung des gemeinen Rechts.[7][8]
Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden größere Rechtsgebiete – wie etwa das Zivil- und Strafrecht – zunehmend mithilfe von Kodifikationen geregelt.[9][10] In Europa gab es drei wichtige Kodifikationswellen, die des Naturrechts (um 1800), die der Pandektistik (um 1900) und schließlich die im sogenannten „Sozialistischen Rechtskreis.“[11]
Im 21. Jahrhundert führt die Globalisierung zu einer Rechtsvereinheitlichung im grenzüberschreitenden Handel, beispielsweise in völkerrechtlichen Übereinkommen wie dem UN-Kaufrecht,[12] aber auch durch autonomes Welthandelsrecht wie die von den Kaufleuten selbst kreierten Normen, Handelsbräuche und Standardverträge, die im grenzüberschreitenden Handel universelle Anwendung finden.[13][14]
Einen anderen Weg ging das Recht im anglo-amerikanischen Rechtskreis (Common Law). Unter Verzicht auf umfassende Kodifikationen wird das Präjudizienrecht im Gegensatz zum Gesetzesrecht betont. Danach sind Untergerichte an die Entscheidungen höherer Gerichte gebunden (doctrine of stare decisis).[15] Gustav Radbruch weist darauf hin, dass es für die Juristenausbildung in England und Wales schon vor der Rezeption des Römischen Rechts mit den Inns of Court einen innungsmäßig organisierten Juristenstand gab, der sich „die Ausbildung des juristischen Nachwuchses auf dem Boden des einheimischen Rechts“ vorbehielt.[16] Ein weiterer Grund wird in unterschiedlichen rechtsphilosophischen Traditionen gesehen zwischen abstrakter Normierung durch Gesetzgebung und Wissenschaft einerseits und entscheidungsbasiertem, d. h. in einer langen richterlichen Tradition entwickelten konkreten Falldenken andererseits.[17] Das abweichende Gesetzesverständnis gründe auf einer anderen Vorstellung von Rechtsstaat. Nach der kontinentaleuropäischen Idee des Rechtsstaats wird das Recht hoheitlich gesetzt, während es sich nach dem anglo-amerikanischen Konzept der Rule of law im prozessualen Verfahren entwickelt. Wo hier das Gesetz die Zentralkategorie bildet, steht dort der Richter im Mittelpunkt.[18]
In den Vereinigten Staaten gewährleisten allerdings die Verfassung und ihre Zusätze (Amendments) verschiedene Grundrechte, so das 1. Amendment die Religions-, Rede- und Pressefreiheit. Für den Bund ergeben sich bestimmte Gesetzgebungszuständigkeiten aus Article I, Section 8 der Verfassung, beispielsweise für das Steuerrecht, das Recht der Einbürgerung oder das Recht, Armeen und eine Flotte aufzustellen.[19] In England gibt es bestimmte Statutes, z. B. den Property Act 1925, den Companies Act 1985 oder den Insolvency Act 1986. Mit dem Human Rights Act 1998 wurden die Grundrechtsgarantien der Europäischen Menschenrechtskonvention innerstaatlich anwendbar.
Literatur
- Peter Geyer: Das Verhältnis von Gesetzes- und Gewohnheitsrecht in den privatrechtlichen Kodifikationen.Göttingen, Univ.-Diss., 1999.
- Reinhard Mußgnug: Das allgemeine Verwaltungsrecht zwischen Richterrecht und Gesetzesrecht. Studia Universitatis Babes-Bolyai 2009, S. 3–24.
- Stephan Pötters, Ralph Christensen: Das Unionsrecht als Hybridform zwischen case law und Gesetzesrecht. JZ2012, S. 289–297.
Einzelnachweise
- Fabian Wittreck: Gewohnheitsrecht Staatslexikon online, abgerufen am 21. Oktober 2020.
- Hans Joachim Hirsch: Richterrecht und Gesetzesrecht. JR 1966, S. 334–342.
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- Hans-Peter Schneider: Richterrecht, Gesetzesrecht und Verfassungsrecht - Bemerkungen zum Beruf der Rechtsprechung im demokratischen Gemeinwesen. Verlag Vittorio Klostermann, 1969. ISBN 978-3465005506.
- Gerhard Dannemann: Anglo-amerikanischer Rechtskreis Staatslexikon Online, abgerufen am 24. Oktober 2020.
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- vgl. Otfried Höffe: Europäisches versus angloamerikanisches Recht? Standortkonkurrenz in Zeiten der Globalisierung Paris, 9. Dezember 2008, S. 6.
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