„Strafsache“ – Versionsunterschied
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Unter einer '''Strafsache''' versteht man den Gegenstand eines [[Rechtsstreit|Rechtsstreits]], der vor die [[ordentliche Gerichtsbarkeit (Deutschland)|ordentlichen Gerichte]] gehört und für den nicht entweder die Zuständigkeit von [[Verwaltungsbehörden]] oder [[Verwaltungsgerichte|Verwaltungsgerichten]] begründet ist oder auf Grund von Vorschriften des Bundesrechts besondere Gerichte bestellt oder zugelassen sind (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gvg/__13.html § 13]</span> GVG).<p>Keine Strafsachen sind die [[Ordnungswidrigkeiten]], für deren Verfolgung die Verwaltungsbehörden zuständig sind (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/owig_1968/__1.html § 1]</span>, §§ 35 ff. [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_%C3%BCber_Ordnungswidrigkeiten OWiG]). Beamtenrechtliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Disziplinarrecht Disziplinarklagen] werden von den [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwaltungsgericht_(Deutschland) Verwaltungsgerichten] bearbeitet (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bdg/__34.html § 34]</span>, <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bdg/__45.html § 45]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesdisziplinargesetz Bundesdisziplinargesetz] (BDG)). Für die Streitkräfte kann der Bund [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrstrafgericht Wehrstrafgerichte] als Bundesgerichte errichten (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_96.html Art. 96]</span> Abs. 2 GG), hat von dieser Möglichkeit bislang aber keinen Gebrauch gemacht.</p><p>Die sachliche Zuständigkeit der [[Strafgerichte]] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Amtsgericht Amts-], [https://de.wikipedia.org/wiki/Landgericht Land-], [https://de.wikipedia.org/wiki/Oberlandesgericht Oberlandesgerichte] sowie [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesgerichtshof Bundesgerichtshof]) ergibt sich aus dem [[Gerichtsverfassungsgesetz]] (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__1.html § 1]</span> StPO, §§ 24–26, 74 ff., 120 ff., 135 GVG). [[Straftatbestände]] ergeben sich aus dem [[Strafgesetzbuch (Deutschland)|Strafgesetzbuch]] (StGB) und dem [[Nebenstrafrecht]].</p><p>Das Strafverfahren ist in Deutschland in der [[Strafprozessordnung (Deutschland)|Strafprozessordnung]] (StPO) gesetzlich geregelt. Das Verfahren im ersten [[Rechtszug]] beginnt grundsätzlich mit der Erhebung einer [[Anklage|Klage]] durch die [[Staatsanwaltschaft]] (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__151.html § 151]</span>, <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__152.html § 152]</span> StPO). Daneben gibt es noch die seltene Form der Erhebung einer [[Privatklage]] durch den [[Verletzter (Strafprozessrecht)|Verletzten]] selbst (§§ 374 ff., <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__381.html § 381]</span> StPO).</p><p>Das einer öffentlichen Klage vorangehende [[Ermittlungsverfahren]] stellt streng genommen noch keine Strafsache dar. Es wird allein durch die Staatsanwaltschaft betrieben. Das Gericht ist nur in Ausnahmefällen beteiligt (Ermittlungsrichter).</p><p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Anordnung_%C3%BCber_Mitteilungen_in_Strafsachen Anordnung über Mitteilungen in Strafsachen] (''MiStra'') bestimmt, in welchen Fällen und in welchem Ausmaß [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgericht Gerichte] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsanwaltschaft Staatsanwaltschaften] in Strafsachen zur Mitteilung [https://de.wikipedia.org/wiki/Personenbezogene_Daten personenbezogener Daten] von Amts wegen an öffentliche Stellen für andere Zwecke als die des Strafverfahrens verpflichtet sind.</p><div class="mw-heading mw-heading2"> | Unter einer '''Strafsache''' versteht man den Gegenstand eines [[Rechtsstreit|Rechtsstreits]], der vor die [[ordentliche Gerichtsbarkeit (Deutschland)|ordentlichen Gerichte]] gehört und für den nicht entweder die Zuständigkeit von [[Verwaltungsbehörden]] oder [[Verwaltungsgerichte|Verwaltungsgerichten]] begründet ist oder auf Grund von Vorschriften des Bundesrechts besondere Gerichte bestellt oder zugelassen sind (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gvg/__13.html § 13]</span> GVG).<p>Keine Strafsachen sind die [[Ordnungswidrigkeiten]], für deren Verfolgung die Verwaltungsbehörden zuständig sind (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/owig_1968/__1.html § 1]</span>, §§ 35 ff. [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_%C3%BCber_Ordnungswidrigkeiten OWiG]). Beamtenrechtliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Disziplinarrecht Disziplinarklagen] werden von den [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwaltungsgericht_(Deutschland) Verwaltungsgerichten] bearbeitet (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bdg/__34.html § 34]</span>, <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/bdg/__45.html § 45]</span> [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesdisziplinargesetz Bundesdisziplinargesetz] (BDG)). Für die Streitkräfte kann der Bund [https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrstrafgericht Wehrstrafgerichte] als Bundesgerichte errichten (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_96.html Art. 96]</span> Abs. 2 GG), hat von dieser Möglichkeit bislang aber keinen Gebrauch gemacht.</p><p>Die sachliche Zuständigkeit der [[Strafgerichte]] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Amtsgericht Amts-], [https://de.wikipedia.org/wiki/Landgericht Land-], [https://de.wikipedia.org/wiki/Oberlandesgericht Oberlandesgerichte] sowie [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesgerichtshof Bundesgerichtshof]) ergibt sich aus dem [[Gerichtsverfassungsgesetz]] (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__1.html § 1]</span> StPO, §§ 24–26, 74 ff., 120 ff., 135 GVG). [[Straftatbestände]] ergeben sich aus dem [[Strafgesetzbuch (Deutschland)|Strafgesetzbuch]] (StGB) und dem [[Nebenstrafrecht]].</p><p>Das Strafverfahren ist in Deutschland in der [[Strafprozessordnung (Deutschland)|Strafprozessordnung]] (StPO) gesetzlich geregelt. Das Verfahren im ersten [[Rechtszug]] beginnt grundsätzlich mit der Erhebung einer [[Anklage|Klage]] durch die [[Staatsanwaltschaft]] (<span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__151.html § 151]</span>, <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__152.html § 152]</span> StPO). Daneben gibt es noch die seltene Form der Erhebung einer [[Privatklage]] durch den [[Verletzter (Strafprozessrecht)|Verletzten]] selbst (§§ 374 ff., <span class="plainlinks-print">[https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__381.html § 381]</span> StPO).</p><p>Das einer öffentlichen Klage vorangehende [[Ermittlungsverfahren]] stellt streng genommen noch keine Strafsache dar. Es wird allein durch die Staatsanwaltschaft betrieben. Das Gericht ist nur in Ausnahmefällen beteiligt (Ermittlungsrichter).</p><p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Anordnung_%C3%BCber_Mitteilungen_in_Strafsachen Anordnung über Mitteilungen in Strafsachen] (''MiStra'') bestimmt, in welchen Fällen und in welchem Ausmaß [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgericht Gerichte] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsanwaltschaft Staatsanwaltschaften] in Strafsachen zur Mitteilung [https://de.wikipedia.org/wiki/Personenbezogene_Daten personenbezogener Daten] von Amts wegen an öffentliche Stellen für andere Zwecke als die des Strafverfahrens verpflichtet sind.</p><div class="mw-heading mw-heading2"> | ||
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*Martin Badura, Meik Kranz: [https://www.zjs-online.com/dat/artikel/2009_4_204.pdf ''Die Verfassungsbeschwerde in Strafsachen.''] [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitschrift_f%C3%BCr_das_Juristische_Studium ZJS] 2009, S. 382–388. | *Martin Badura, Meik Kranz: [https://www.zjs-online.com/dat/artikel/2009_4_204.pdf ''Die Verfassungsbeschwerde in Strafsachen.''] [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitschrift_f%C3%BCr_das_Juristische_Studium ZJS] 2009, S. 382–388. | ||
*Jörg-Martin Jehle: [https://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/Service/Fachpublikationen/Strafrechtspflege_Deutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=15 ''Strafrechtspflege in Deutschland''] hrsg. vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesministerium_der_Justiz_und_f%C3%BCr_Verbraucherschutz Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz], 7. Auflage 2019. | *Jörg-Martin Jehle: [https://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/Service/Fachpublikationen/Strafrechtspflege_Deutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=15 ''Strafrechtspflege in Deutschland''] hrsg. vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesministerium_der_Justiz_und_f%C3%BCr_Verbraucherschutz Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz], 7. Auflage 2019. | ||
Aktuelle Version vom 2. April 2026, 12:40 Uhr
Unter einer Strafsache versteht man den Gegenstand eines Rechtsstreits, der vor die ordentlichen Gerichte gehört und für den nicht entweder die Zuständigkeit von Verwaltungsbehörden oder Verwaltungsgerichten begründet ist oder auf Grund von Vorschriften des Bundesrechts besondere Gerichte bestellt oder zugelassen sind (§ 13 GVG).
Keine Strafsachen sind die Ordnungswidrigkeiten, für deren Verfolgung die Verwaltungsbehörden zuständig sind (§ 1, §§ 35 ff. OWiG). Beamtenrechtliche Disziplinarklagen werden von den Verwaltungsgerichten bearbeitet (§ 34, § 45 Bundesdisziplinargesetz (BDG)). Für die Streitkräfte kann der Bund Wehrstrafgerichte als Bundesgerichte errichten (Art. 96 Abs. 2 GG), hat von dieser Möglichkeit bislang aber keinen Gebrauch gemacht.
Die sachliche Zuständigkeit der Strafgerichte (Amts-, Land-, Oberlandesgerichte sowie Bundesgerichtshof) ergibt sich aus dem Gerichtsverfassungsgesetz (§ 1 StPO, §§ 24–26, 74 ff., 120 ff., 135 GVG). Straftatbestände ergeben sich aus dem Strafgesetzbuch (StGB) und dem Nebenstrafrecht.
Das Strafverfahren ist in Deutschland in der Strafprozessordnung (StPO) gesetzlich geregelt. Das Verfahren im ersten Rechtszug beginnt grundsätzlich mit der Erhebung einer Klage durch die Staatsanwaltschaft (§ 151, § 152 StPO). Daneben gibt es noch die seltene Form der Erhebung einer Privatklage durch den Verletzten selbst (§§ 374 ff., § 381 StPO).
Das einer öffentlichen Klage vorangehende Ermittlungsverfahren stellt streng genommen noch keine Strafsache dar. Es wird allein durch die Staatsanwaltschaft betrieben. Das Gericht ist nur in Ausnahmefällen beteiligt (Ermittlungsrichter).
Die Anordnung über Mitteilungen in Strafsachen (MiStra) bestimmt, in welchen Fällen und in welchem Ausmaß Gerichte und Staatsanwaltschaften in Strafsachen zur Mitteilung personenbezogener Daten von Amts wegen an öffentliche Stellen für andere Zwecke als die des Strafverfahrens verpflichtet sind.
Weblinks
- Martin Badura, Meik Kranz: Die Verfassungsbeschwerde in Strafsachen. ZJS 2009, S. 382–388.
- Jörg-Martin Jehle: Strafrechtspflege in Deutschland hrsg. vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, 7. Auflage 2019.