„Gegensatz“ – Versionsunterschied
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[[gegen]]{{–}}[[Satz]] m. {{Wrtdtng}} ‘einem Satz entgegengesetzter gleicher bis anderer Satz’; ‘ | |||
* das [[Entgegengesetzte]], [[Widerspruch]], [[Kontrast]], [[Feindschaft]]’, | |||
* zuerst (15. Jh.) in der Rechtssprache ‘[[Gegenbehauptung]], [[Gegenargumentation]]’. | |||
{{Anm. KF}} Satz über ein Dasein, der einen bestimmten Satz über dasselbe Dasein als anders, mangelhaft oder falsch setzt; bringt zu einem Satz den Mangel an Übereinstimmung mit ihm oder einem Dasein zum Ausdruck; Spiegelung undoder gespiegelte Wandlung eines Satz; | |||
* beruht auf zweiwertige Logik und ist daher der Stringenz unterlegen, da es die Begrenzung von Satz zu Gegensatz im Dasein nicht gibt; Der Gegensatz ist die Wandlung des Satz wie auch ein entgegengesetztes Dasein die Wandlung desjenigen Dasein ist, so ist Gut die Wandlung von Böse und umgekehrt, solange man in Gegnerschaft denkt und handelt; | |||
* In den Wissenschaften wird der Begriff mehrdeutung verwendet und daher muss man die jeweilige Wissenschaft, wie zum Beispiel eine bestimmte Philosophie gut kennen, um die Verwendung des Begriff Gegensatz richtig zu deuten; | |||
Der Ausdruck '''Gegensatz''' ist umgangs- wie fachsprachlich mehrdeutig. | |||
< | == Gegensatz == | ||
<div class="mw-heading mw-heading2"> | |||
=== Bedeutungen in der Umgangssprache === | |||
</div><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Umgangssprache Umgangssprachlich]<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-1 [1]]</sup> wird der Ausdruck allgemein</p> | |||
*für den Sachverhalt, dass etwas (eine Aussage, eine Kraft etc.) etwas anderem entgegengesetzt ist, | |||
*oder für die Herbeiführung eines solchen Sachverhalts durch eine Handlung, die etwas anderem entgegensetzt oder -stellt (''die Entgegensetzung'', z. B. das Gegenvorbringen, die Antithese, der Widerstreit), | |||
*für das, was einem anderen entgegensteht (''das Entgegengesetzte''; z. B. die Wärme ist ein Gegensatz zur Kälte; das Wahre ein Gegensatz zum Falschen); oder | |||
*für das Verhältnis des Entgegenstehenden (das ''Gegensatzverhältnis'', z. B. der Widerspruch, der Kontrast, das Gegenteil, die (In)Kompatibilität) | |||
<p>verwendet.</p><p>Dies bezogen auf die Wirklichkeit (im engeren Sinn) (z. B. Klassengegensatz; übertragen: Feindschaft, Feindseligkeit) oder/und auf Aussagen (Behauptungen, Rechtspositionen, Meinungen) und davon abgeleitet auf Begriffe.</p><div class="mw-heading mw-heading2"> | |||
=== Rechtswissenschaft === | |||
</div><p>Der Ausdruck „Gegensatz“ ist wohl eine Lehnübersetzung des spätlateinischen Ausdrucks ''[[oppositio]]''<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-2 [2]]</sup> und bezeichnet ursprünglich nur das ''Gegenvorbringen im Rechtsstreit'' (der Gegensatz, der gegen den ersten Satz gesagt wird, vgl. [https://de.wikipedia.org/wiki/Replik_(Recht) Replik], [https://de.wikipedia.org/wiki/Duplik Duplik]).</p><div class="mw-heading mw-heading2"> | |||
=== Historie und Politik === | |||
</div><p>Der Ausdruck 'Gegensatz' beschreibt in der Geschichtswissenschaft das aufeinandertreffen verschiedener geopolitischer Interessen zwischen zwei oder mehr Staaten. Als Beispiel sei genannt der [https://de.wikipedia.org/wiki/Habsburgisch-franz%C3%B6sischer_Gegensatz Habsburgisch-französische Gegensatz].</p><div class="mw-heading mw-heading2"> | |||
=== Philosophie === | |||
</div><p>Als philosophischer Fachbegriff hat der Ausdruck „Gegensatz“ auf Grund der (Hegelschen) Dialektik eine zentrale Bedeutung. Begriff und Einteilung hängen dabei stark von der Position zur Dialektik ab.</p><p>Eine Definition des Gegensatzes wird häufig vermieden und man geht stattdessen unvermittelt in Bedeutungsunterscheidungen über. Schwierigkeiten macht dabei die Zuordnung des Gegensatzes im Sinne der Dialektik des deutschen Idealismus (insbesondere im Sinne von [[Georg Wilhelm Friedrich Hegel|Hegel]]) und des [[dialektischer Materialismus|Dialektischen Materialismus]].</p><p>So unterscheidet [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Eisler_(Philosoph) R. Eisler] beim Gegensatz</p> | |||
*den Gegensatz im logischen Sinn (logischer Gegensatz) und | |||
*den Gegensatz im realen Sinn (realer Gegensatz, Realgegensatz).<sup id="cite_ref-Eisler_3-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Eisler-3 [3]]</sup> | |||
<p>Der Gegensatz im Sinne von [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottlieb_Fichte Fichte] und Hegel wird dabei als primär Realgegensatz angeführt.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-4 [4]]</sup></p><p>Da zumindest dem Selbstverständnis von Hegel nach der dialektische Gegensatz ein übergreifender logisch-realer ist, wird hier eine Dreiteilung vorgenommen.</p><div class="mw-heading mw-heading3"> | |||
==== Der (rein) logische Gegensatz ==== | |||
</div><p>Ein Gegensatz im Sinne der (klassischen) Logik ''(logischer Gegensatz)'' liegt vor, wenn sich Aussagen (Urteile, Sätze) – abgeleitet auch Begriffe –, einander ausschließen ''(ausschließlicher Gegensatz).'' Dabei wird hauptsächlich zwischen ''[[kontradiktorisch|kontradiktorischem]]'' und ''[[konträr|konträrem]] Gegensatz'' unterschieden.</p><p>''Nichtausschließliche Gegensätze'' sind Gegensätze, die weder kontradiktorisch noch konträr sind. Es sind Verknüpfungen, „die in gewisser Weise entgegengesetzt, tatsächlich aber vereinbar sind“. In der Umgangssprache werden sie durch Konjunktionen wie „(zwar …) aber“, „jedoch“, „obwohl“ gebildet. Bsp.: „Er ist klein, aber dick.“ Sie sind Gegensätze nicht im logischen, sondern nur im subjektiven, psychologischen oder scheinbaren Sinn.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-5 [5]]</sup></p><p>Die Lehre von den logischen Gegensätzen ist in der klassischen Logik beheimatet. Sie kann auch in der modernen Logik reformuliert werden.</p><div class="mw-heading mw-heading4"> | |||
===== Der Gegensatz von Aussagen und Begriffen ===== | |||
</div><p>Ein Gegensatz wird in der Logik primär von Aussagen ausgesagt (in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Scholastik Scholastik]: ''oppositio enunciatorum''<sup id="cite_ref-Eisler_3-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Eisler-3 [3]]</sup>). Bei Begriffen (Prädikaten, [https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikator Prädikatoren]) gilt Entsprechendes<sup id="cite_ref-Lorenz_6-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Lorenz-6 [6]]</sup> (Scholastik: ''oppositio terminorum''). In der modernen Logik wird die [https://de.wikipedia.org/wiki/Kontradiktion Kontradiktion] auch von Aussagenmengen ausgesagt.</p><p>Gegensätzliche Begriffe sind Begriffe, deren Anwendung auf ein und denselben Gegenstand zu einem Gegensatz der jeweiligen Aussagen führt.<sup id="cite_ref-Begriffe_7-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Begriffe-7 [7]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading4"> | |||
===== Die Einteilungen des logischen Gegensatzes ===== | |||
</div><p>Der logische Gegensatz wird zumeist grundeingeteilt</p> | |||
*in kontradiktorischer Gegensatz und | |||
*konträrer Gegensatz.<sup id="cite_ref-Begriffe_7-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Begriffe-7 [7]]</sup> | |||
<p>Daneben wird auch eine Dreiteilung genannt in:</p> | |||
*kontradiktorischer Gegensatz, | |||
*konträrer Gegensatz und | |||
*subkonträrer Gegensatz.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-8 [8]]</sup> | |||
<p>Auch werden als „Gegensatz-Grundformen“ angeführt</p> | |||
*kontradiktorisch (kalt – nicht kalt) | |||
*konträr (kalt – warm) | |||
*privativ (sehend – blind) | |||
*relativ (Vater – Sohn) | |||
*polar (Mann – Frau)<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-9 [9]]</sup> | |||
<div class="mw-heading mw-heading4"> | |||
===== Der kontradiktorische, konträre, subkonträre und subalterne Gegensatz (logisches Quadrat) ===== | |||
</div><p>Der '''kontradiktorische Gegensatz''' (auch: [https://de.wikipedia.org/wiki/Kontradiktion Kontradiktion], ''Widerspruch''<sup id="cite_ref-Lorenz_6-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Lorenz-6 [6]]</sup>) ist der logische Gegensatz, der besteht, wenn eine Aussage die [https://de.wikipedia.org/wiki/Negation Negation]der anderen ist (bzw. ein Begriff die Negation des anderen ist).</p><p>Der kontradiktorische Gegensatz der klassischen Logik entspricht der [https://de.wikipedia.org/wiki/Kontravalenz Kontravalenz] (fwwf) der modernen [https://de.wikipedia.org/wiki/Aussagenlogik Aussagenlogik].<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-10 [10]]</sup></p> | |||
*Beispiel für ''kontradiktorische Aussagen'': | |||
**„Jeder Baum hat Wurzeln.“ – „Nicht jeder Baum hat Wurzeln.“ | |||
*Beispiele für ''kontradiktorische Begriffe'': | |||
**„Sein“ – „Nichtsein“ bzw. „Nichts“ | |||
**„weiß“ – „nicht-weiß“ | |||
**„Möglichkeit“ – „Unmöglichkeit“ | |||
<p>Ein '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kontr%C3%A4r konträrer] Gegensatz''' liegt vor, wenn – unter Umständen nur innerhalb eines bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Bezugssystem Bezugssystems] – nicht beides zugleich der Fall (wahr) sein kann, jedoch beides nicht der Fall (falsch) sein kann.</p> | |||
*Beispiele für ''konträre Aussagen'': | |||
**„Alle Schwäne sind weiß“ – „Kein Schwan ist weiß“.<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-11 [11]]</sup> | |||
**„Jeder Baum hat Wurzeln.“ – „Kein Baum hat Wurzeln.“ | |||
*Beispiele für ''konträre Begriffe'': | |||
**„Sein“ – „Anders-Sein“ | |||
**„weiß“ – „schwarz“ | |||
**„Kreis“ – „Quadrat“ | |||
**„Maximum“ – „Minimum“ | |||
<p>Die traditionelle Lehre des logischen Gegensatzes beruht auf der klassischen Logik, die durch das [https://de.wikipedia.org/wiki/Zweiwertigkeitsprinzip Zweiwertigkeitsprinzip] und durch die Geltung des [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_Widerspruch Satzes vom ausgeschlossenen Widerspruch] gekennzeichnet ist. Demzufolge, wenn zwei derartige Begriffe Eigenschaften widerspiegeln, die einem Objekt unmöglich zugleich und in derselben [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hinsicht&action=edit&redlink=1 Hinsicht] zukommen bzw. zwei derartige Aussagen nicht zugleich wahr sein können, liegen hier kontradiktorische Gegensätze vor.</p><p>Während jedoch von zwei kontradiktorischen Sätzen immer der eine ''wahr'' und der andere ''falsch'' sein muss, wobei der eine aus dem anderen durch logische Negation formal ableitbar ist, können zwei konträre Sätze auch zusammen ''falsch'' sein: der eine ist aus dem anderen nicht logisch ableitbar.<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-12 [12]]</sup></p><p>Als '''subkonträren Gegensatz''' bezeichnet man in der klassischen Logik den logischen Gegensatz zwischen Aussagen, die nicht beide falsch, wohl aber zugleich wahr sein können,<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-13 [13]]</sup> die Falschheit der einen daher die Wahrheit der anderen impliziert.<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-14 [14]]</sup></p><p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Disjunktion Disjunktion] der modernen Logik entspricht dem subkonträren Gegensatz der klassischen Logik.<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-15 [15]]</sup></p><p>Der '''subalterne Gegensatz''' (Subalternation) „besagt, dass die Wahrheit einer allgemeinen Aussage eine partikuläre auch wahr macht. Ist eine partikuläre falsch, dann ist eine allgemeine falsch. Aus der Falschheit der allgemeinen folgt nicht die Falschheit der partikulären, aus der Wahrheit der partikulären nicht die Wahrheit der allgemeinen Aussage.“<sup id="cite_ref-16" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-16 [16]]</sup></p><p>Die Beziehungen des kontradiktorischen, konträren, subkonträren und subalternen Gegensatzes lassen sich im [https://de.wikipedia.org/wiki/Logisches_Quadrat logischen Quadrat] veranschaulichen.</p><div class="mw-heading mw-heading4"> | |||
===== Der privative, relative oder polare Gegensatz ===== | |||
</div><p>Der privative, relative oder polare Gegensatz ist je eine Variante des konträren Gegensatzes (siehe auch: [https://de.wikipedia.org/wiki/Antonym Antonym]).</p><p>Ein '''privativer Gegensatz''' ist ein konträrer Gegensatz, der auf der Beseitigung von etwas beruht.</p> | |||
*Beispiel: sehend – blind | |||
<p>Ein '''relativer Gegensatz''' ist ein konträrer Gegensatz auf Grund einer Beziehung.</p> | |||
*Beispiel: Vater – Sohn | |||
<p>Ein '''polarer Gegensatz''' (auch: ''polar-konträrer Gegensatz''<sup id="cite_ref-Lorenz_6-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Lorenz-6 [6]]</sup>) liegt vor, „wenn die Begriffe als die beiden (relativen) Enden einer Skala aufgefasst werden können, die also auf eine Vergleichung, eine zweistellige Beziehung also, zurückgeht“.<sup id="cite_ref-Lorenz_6-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Lorenz-6 [6]]</sup></p> | |||
*Beispiel: weiß – schwarz | |||
<div class="mw-heading mw-heading3"> | |||
==== Der logisch-reale Gegensatz in der Dialektik ==== | |||
</div><div class="mw-heading mw-heading4"> | |||
===== Allgemeines ===== | |||
</div><p>Reale Gegensätze sind nichts Starres, Unbewegliches, sondern unterliegen wie alle Erscheinungen der objektiven [https://de.wikipedia.org/wiki/Realit%C3%A4t Realität] dem Werden und Vergehen (dynamische Gegensätze). Sie entwickeln sich aus Unterschieden, sind der Unterschied auf der höchsten Stufe seiner Entwicklung.</p><p>Andererseits können reale Gegensätze sich auch über wesentliche Unterschiede in unwesentliche Unterschiede verwandeln und unter Umständen ganz zu existieren aufhören. Die Dynamik realer Gegensätze findet ihren Ausdruck auch darin, dass beide Gegensätze (Pole) aufeinander einwirken, miteinander in Wechselwirkung stehen. In dieser aktiven Wechselwirkung können sich die Gegensätze gegenseitig durchdringen, können ineinander übergehen und in bestimmter Hinsicht identisch werden (z. B. als extensionale Wirkung extremer Strömungen).</p><p>Das Prinzip von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4t Identität] und der gegensätzlichen Durchdringung der Gegensätze bildet eines der wichtigsten Prinzipien in der idealistischen und materialistischen Dialektik. Der dialektische reale Gegensatz unterscheidet sich sowohl vom kontradiktorischen als auch vom konträren.</p><p>Während diese in der Realität nicht existieren, sondern nur als Widerspiegelungen der objektiven Gegebenheiten erscheinen, bestehen dialektische Gegensätze objektiv real. Sätze, die einen kontradiktorischen oder konträren Gegensatz zum Ausdruck bringen, können nicht zusammen ''wahr'' sein, während zwei Sätze, die einen dialektischen realen Gegensatz widerspiegeln beide ''wahr sein müssen''. Beispiel:</p> | |||
*„Ein Elementarteilchen besitzt Wellencharakter.“ – „Ein Elementarteilchen besitzt Korpuskelcharakter.“<sup id="cite_ref-17" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-17 [17]]</sup> | |||
<div class="mw-heading mw-heading4"> | |||
===== Der dialektische Gegensatz bei Hegel ===== | |||
</div><p>Gegensätze schließen sich nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_Friedrich_Hegel Hegel] nicht aus, im Gegenteil.<sup id="cite_ref-18" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-18 [18]]</sup> „Die Eigentümlichkeit der Hegelschen Philosophie ist es nun gerade, dass sie die [https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik Dialektik] nicht nur logisch, als eine Form des Denkens, sondern ontologisch oder metaphysisch, als die eigentümliche Form der Selbstbewegung der Wirklichkeit, nimmt und dass sie darüber hinaus zu zeigen unternimmt, dass beides: die Selbstbewegung unseres Denkens und die Selbstbewegung der Wirklichkeit, im Grunde der ''gleiche'' (oder gar derselbe) Prozess sind.“<sup id="cite_ref-19" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-19 [19]]</sup> Der [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_der_Identit%C3%A4t Satz der Identität], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_ausgeschlossenen_Widerspruch Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch]und der [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_ausgeschlossenen_Dritten Satz vom ausgeschlossenen Dritten] haben bei Hegel in der [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Dialektische_Logik&action=edit&redlink=1 dialektischen Logik] eine von der formalen oder klassischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik Logik] abweichende Funktion. Bei ihm ist die negative Formulierung des Satzes der Identität (A≠-A) an den des Widerspruchs gekoppelt. Die beiden Glieder sind zwar unterschieden, aber sowohl A als auch -A beziehen sich auf dasselbe A, das einerseits das Ganze der Beziehung dieser beiden Glieder ausmacht und andererseits als ein Moment, das dem -A entgegengesetzt ist, erhalten bleibt. So hat die Identität den Unterschied an ihr selbst.<sup id="cite_ref-20" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-20 [20]]</sup></p><p>Nach Hegel ist der Gegensatz (Entgegensetzung) von der Bestimmtheit des Gegenstandes abhängig. Er wird als ein Moment der Identität Verschiedener gedacht. So setzt der Verstand das Unendliche und das Endliche als unverbunden entgegen. Dadurch wird, nach Hegel, ihre lebendige Beziehung zueinander getrennt.<sup id="cite_ref-21" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-21 [21]]</sup> Die Vernunft erkennt, dass die wahre Unendlichkeit die Endlichkeit mit in sich fasst und hebt sie dadurch auf. Das Endliche bleibt verschieden von der Unendlichkeit und ist trotzdem, als ein Teil, mit ihr identisch. Auf diese Weise sind die Gegensätze im Absoluten, dem wahren Unendlichen, aufgehoben. Die Gegensätze werden nicht vernichtet, sondern bleiben als verständige oder auch endliche Momente der Vernunft erhalten.</p><div class="mw-heading mw-heading3"> | |||
==== Der reale Gegensatz ==== | |||
</div><div class="mw-heading mw-heading4"> | |||
===== Begriff ===== | |||
</div><p>Der ''reale Gegensatz'' ist der Gegensatz zwischen Gegenständen (im weitesten Sinn).<sup id="cite_ref-Lorenz_6-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Lorenz-6 [6]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Eisler_(Philosoph) Rudolf Eisler] nennt ihn auch ''ontologischer Gegensatz'' und beschreibt ihn als „ein Widerstreit zweier Dinge, zweier Qualitäten, zweier Tätigkeiten, dynamische Entgegensetzung, Willens-Gegensatz, Gegensatz der Gefühle (physischer-psychischer Gegensatz, ethischer, sozialer Gegensatz)“.<sup id="cite_ref-Eisler_3-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Eisler-3 [3]]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading4"> | |||
===== Gegensatzlehren ===== | |||
</div> | |||
====== '''Pythagoräer''' ====== | |||
<p>Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] (Met. I 5, 986a 22 squ.) stellten die [https://de.wikipedia.org/wiki/Pythagoräer Pythagoräer] eine Tafel von zehn Gegensatz-Paaren als Prinzipien der Dinge auf: Grenze und Unbegrenztes (peras kai apeiron), Ungerades und Gerades (peritton kai artion), Eines und Vieles (hen kai plêthos), Rechtes und Linkes (dexion kai aristeron), Männliches und Weibliches (arrhen kai thêly), Bewegtes und Unbewegtes (êremoun kai kinoumenon), Gerades und Krummes (euthy kai kampylon), Licht und Finsternis (phôs kai skotos), Gutes und Böses (agathon kai kakon), sowie gleichseitiges und ungleichseitiges Viereck (tetragônon kai eteromêkes).<sup id="cite_ref-Eisler_3-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Eisler-3 [3]]</sup></p> | |||
====== '''Heraklit''' ====== | |||
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Heraklit Heraklit], auf den sich später [https://de.wikipedia.org/wiki/Hegel Hegel] bezog, erklärt den „Gegensatz zum Prinzip der Entwicklung. Im ‚Gegenlauf‘ (enantiodromia, Stob. Ecl. I, 60) des Geschehens ist in allem das Entgegengesetzte vereinigt, schlägt eines in das Gegenteil um (taut’ einai zôn kai tethnêkos, kai to egrêgoros kai to katheudon, kai neon kai gêraion (Fragm. 78)). Alles erfolgt kat’ enantiotêta nach der enantia rhoê, palintropia (Plat., Cratyl. 413 E, 420 A; panta te ginesthai kath’ eimarmenên kai dia tês enantiotropês hêrmosthai ta onta, Diog. L. IX 1, 7; ginesthai te panta kat’ enantiotêta, l.c. 8; panta … metaballei eis enantion oion ek thermou eis phychron Arist. Phys. III 5, 205a 6; vgl. Sext. Empir. Pyrrh. hypot. III, 230). Die Gegensätze gehen in einer Einheit zusammen wie Bogen und Leier (palintropos harmoniê kosmou hokôster lyrês kai toxou, Plut., Is. et Osir. 5).“<sup id="cite_ref-Eisler_3-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Eisler-3 [3]]</sup></p> | |||
====== '''Plotin''' ====== | |||
<p>Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Plotin Plotin] sind Gegensätze Dinge, die nichts Identisches an sich haben ([https://de.wikipedia.org/wiki/Enneaden Enneaden] VI, 3, 20).<sup id="cite_ref-Eisler_3-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Eisler-3 [3]]</sup></p> | |||
====== '''Nikolaus von Kues''' ====== | |||
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Kues Nikolaus von Kues] vertrat eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Coincidentia_oppositorum coincidentia oppositorum] (die Vereinigung aller Gegensätze in Gott bzw. in dem Unendlichen).<sup id="cite_ref-Lorenz_6-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Lorenz-6 [6]]</sup></p><p>Diese Idee beeinflusste die [https://de.wikipedia.org/wiki/Identit%C3%A4tsphilosophie Identitätsphilosophie] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Wilhelm_Joseph_Schelling Schelling]) und findet sich auch in der marxistischen Philosophie, etwa in der Lehre der Dialektik bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Lenin Lenin], als Lehre, wie die Gegensätze identisch sein können.<sup id="cite_ref-Lorenz_6-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-Lorenz-6 [6]]</sup></p> | |||
====== '''Marxismus''' ====== | |||
<p>Siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik Dialektik]</p> | |||
====== '''Guardini (Dialogik)''' ====== | |||
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Romano_Guardini Romano Guardini] hat in seiner Gegensatzlehre (1925) polare Gegensätze grundsätzlich von Widersprüchen unterschieden und als sich ständig neu konkretisierende, also lebendig-konkrete [https://de.wikipedia.org/wiki/Spannungseinheit Spannungseinheit] beschrieben, ohne dass dabei die jeweiligen Pole zu existieren aufhören. Dies führt zu einer dialogischen statt dialektischen Struktur der Gegensätze im Sinne von [https://de.wikipedia.org/wiki/Polarit%C3%A4t_(Philosophie) Polarität].</p> | |||
====== '''Knauer''' ====== | |||
<p>In der relationalen Ontologie von [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Knauer Peter Knauer] wird davon ausgegangen, dass alle Wirklichkeit in der Welt die Struktur einer unauflöslichen Einheit von Gegensätzen aufweist (Identität und Nichtidentität: Veränderung; Sein und Nichtsein: Endlichkeit; Notwendigkeit und Nichtnotwendigkeit: Kontingenz usw.). Darin besteht die grundlegende ontologische Erklärungsbedürftigkeit der Welt, weil angegeben werden muss, wie man die Gegensatzeinheit ohne logischen Widerspruch aussagen kann. Nach Knauer benötigt man dazu zwei verschiedene Hinsichten (wegen der Gegensätze), die sich aber nicht wiederum ausschließen (wegen der Einheit der Gegensätze). Solche Hinsichten sind letztlich nur im recht verstandenen Geschöpflichkeitsbegriff der christlichen Botschaft zu finden: „restloses Bezogensein auf … / in restloser Verschiedenheit von …“. Die Welt geht als Einheit von Gegensätzen darin auf, nichts als Bezogensein auf eine nicht mehr unter Begriffe fallende Wirklichkeit zu sein, von der sie völlig verschieden bleibt. Diese Wirklichkeit, ohne die nichts ist und nichts sein kann, nennt man traditionell „Gott“.</p><div class="mw-heading mw-heading2"> | |||
=== Kunst, Dichtkunst, Musik === | |||
</div><p>In der Kunst, Dichtkunst und insbesondere Musik spricht man vom ''Gegensatz'' in verschiedenen Zusammenhängen,<sup id="cite_ref-22" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegensatz#cite_note-22 [22]]</sup> z. B. nennt man ''Gegensatz''den ersten [https://de.wikipedia.org/wiki/Kontrapunkt Kontrapunkt] zum Thema einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Fuge_(Musik) Fuge].</p><div class="mw-heading mw-heading2"> | |||
=== Siehe auch === | |||
</div> | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dichotomie Dichotomie] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gegenteil Gegenteil] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Antonym Antonym] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Opposition Opposition] (Begriffsklärung) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Bipolar bipolar] (Begriffsklärung) | |||
<div class="mw-heading mw-heading2"> | |||
=== Literatur === | |||
</div> | |||
*Rudolf Eisler: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe.'' Band 1: ''A–N.'' Mittler, Berlin 1904 ([https://www.textlog.de/4138.html textlog.de]). | |||
<div class="mw-heading mw-heading2"> | |||
=== Weblinks == | |||
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]= | |||
</div><div class="sisterproject">'''[https://de.wikiquote.org/wiki/Gegensatz Wikiquote: Gegensatz]''' – Zitate</div><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Gegensatz Wiktionary: Gegensatz]''' – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div> | |||
*[https://plato.stanford.edu/entries/square/ ''The Traditional Square of Opposition.''] In: Edward N. Zalta (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Stanford_Encyclopedia_of_Philosophy Stanford Encyclopedia of Philosophy]''. (Das logische Quadrat). | |||
*[https://was-ist-das-gegenteil-von.de/ Was-ist-das-Gegenteil-von.de] – eine Antonyme / Gegenteile Suchmaschine | |||
<div class="mw-heading mw-heading2"> | |||
== Einzelnachweise == | |||
</div> | |||
#<span class="reference-text">Zur philosophischen Bedeutung der Umgangssprache vergleiche [https://de.wikipedia.org/wiki/Ordinary_Language_Philosophie Ordinary Language Philosophie]</span> | |||
#<span class="reference-text">''Gegensatz.'' In: Duden, ''Deutsches Universalwörterbuch.'' 5. Auflage. 2003, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3411055057 ISBN 3-411-05505-7].</span> | |||
#<span class="reference-text">Rudolf Eisler: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe.'' 1904 ([https://www.textlog.de/4138.html textlog.de]).</span> | |||
#<span class="reference-text">Ebenso Kuno Lorenz: ''Gegensatz.'' In: Mittelstraß (Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie.'' 2. Auflage. Band 3, 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783476021021 ISBN 978-3-476-02102-1], wonach der dialektische Gegensatz der dazu gehörigen Begriffe ein abgeleiteter sei.</span> | |||
#<span class="reference-text">So Seiffert: ''Logik.'' 1973, S. 155.</span> | |||
#<span class="reference-text">Kuno Lorenz: ''Gegensatz.'' In: Mittelstraß (Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie.'' 2. Auflage. Band 3, 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783476021021 ISBN 978-3-476-02102-1],</span> | |||
#<span class="reference-text">Arnim Regenbogen, Uwe Meyer, Friedrich Kirchner: <cite>Gegensatz</cite>. In: <cite>Wörterbuch der philosophischen Begriffe</cite>. Felix Meiner Verlag, Hamburg 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3787331506 ISBN 3-7873-3150-6].</span> | |||
#<span class="reference-text">Brandt: ''Philosophie.'' 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3150181372 ISBN 3-15-018137-2], S. 44 (bezogen auf Sätze).</span> | |||
#<span class="reference-text">''Gegensatz.'' In: Schischkoff: ''Philosophisches Wörterbuch.'' 22. Auflage. 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3520013223 ISBN 3-520-01322-3].</span> | |||
#<span class="reference-text">Seiffert: ''Logik.'' 1973, S. 153 f.</span> | |||
#<span class="reference-text">''konträr.'' In: Hügli, Lübcke: ''Philosophielexikon.'' 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3634224053 ISBN 3-634-22405-3].</span> | |||
#<span class="reference-text">Anders wohl Kuno Lorenz: ''Gegensatz.'' In: Mittelstraß (Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie.'' 2. Auflage. Band 3, 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783476021021 ISBN 978-3-476-02102-1]. „T10: Kontradiktorische Gegensätze sind auch konträre Gegensätze, aber nicht alle konträren Gegensätze sind kontradiktorische“.</span> | |||
#<span class="reference-text">Strobach: ''Einführung in die Logik.'' 2005, S. 62.</span> | |||
#<span class="reference-text">Tatievskaya: ''Aussagenlogik.'' 2003, S. 72.</span> | |||
#<span class="reference-text">Menne: ''Logik.'' 6. Auflage. 2001, S. 36.</span> | |||
#<span class="reference-text">Tatievskaya: ''Aussagenlogik.'' 2003, S. 71.</span> | |||
#<span class="reference-text">''Gegensatz''. In: Georg Klaus, Manfred Buhr (Hrsg.): ''Philosophisches Wörterbuch''. 11. Auflage. Leipzig 1975.</span> | |||
#<span class="reference-text">Hans-Joachim Störig: ''Kleine Weltgeschichte der Philosophie.'' Erw. Neuausgabe. 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3596135206 ISBN 3-596-13520-6], S. 463.</span> | |||
#<span class="reference-text">Hans-Joachim Störig: ''Kleine Weltgeschichte der Philosophie.'' Erw. Neuausgabe. 1996, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3596135206 ISBN 3-596-13520-6], S. 461.</span> | |||
#<span class="reference-text">Ock-Kyoung Kim: ''Identität.'' In: Paul Cobben u. a. (Hrsg.): ''Hegel-Lexikon.'' WBG, Darmstadt 2006, S. 270 f.</span> | |||
#<span class="reference-text">Peter Jonkers: ''Entgegensetzung.'' In: Paul Cobben u. a. (Hrsg.): ''Hegel-Lexikon.'' S. 196.</span> | |||
#<span class="reference-text">Zum Sprachgebrauch in der Musik vgl. [https://de.wiktionary.org/wiki/Gegensatz Wiktionary];<br>Allgemein in der Kunst <cite>Gegensatz 2. – Abschnitt: b).</cite> In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Grimm Jacob Grimm], [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Grimm Wilhelm Grimm] (Hrsg.): <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_W%C3%B6rterbuch Deutsches Wörterbuch]</cite>. Band 5: ''Gefoppe–Getreibs'' – (IV, 1. Abteilung, Teil 2). S. Hirzel, Leipzig 1897, Sp. 2253 ([https://www.woerterbuchnetz.de/DWB?lemid=GG04423 woerterbuchnetz.de]).</span> | |||
Aktuelle Version vom 2. April 2026, 08:54 Uhr
gegen–Satz m. Wrtdtng: ‘einem Satz entgegengesetzter gleicher bis anderer Satz’; ‘
- das Entgegengesetzte, Widerspruch, Kontrast, Feindschaft’,
- zuerst (15. Jh.) in der Rechtssprache ‘Gegenbehauptung, Gegenargumentation’.
Anm. KF: Satz über ein Dasein, der einen bestimmten Satz über dasselbe Dasein als anders, mangelhaft oder falsch setzt; bringt zu einem Satz den Mangel an Übereinstimmung mit ihm oder einem Dasein zum Ausdruck; Spiegelung undoder gespiegelte Wandlung eines Satz;
- beruht auf zweiwertige Logik und ist daher der Stringenz unterlegen, da es die Begrenzung von Satz zu Gegensatz im Dasein nicht gibt; Der Gegensatz ist die Wandlung des Satz wie auch ein entgegengesetztes Dasein die Wandlung desjenigen Dasein ist, so ist Gut die Wandlung von Böse und umgekehrt, solange man in Gegnerschaft denkt und handelt;
- In den Wissenschaften wird der Begriff mehrdeutung verwendet und daher muss man die jeweilige Wissenschaft, wie zum Beispiel eine bestimmte Philosophie gut kennen, um die Verwendung des Begriff Gegensatz richtig zu deuten;
Der Ausdruck Gegensatz ist umgangs- wie fachsprachlich mehrdeutig.
Gegensatz
Bedeutungen in der Umgangssprache
Umgangssprachlich[1] wird der Ausdruck allgemein
- für den Sachverhalt, dass etwas (eine Aussage, eine Kraft etc.) etwas anderem entgegengesetzt ist,
- oder für die Herbeiführung eines solchen Sachverhalts durch eine Handlung, die etwas anderem entgegensetzt oder -stellt (die Entgegensetzung, z. B. das Gegenvorbringen, die Antithese, der Widerstreit),
- für das, was einem anderen entgegensteht (das Entgegengesetzte; z. B. die Wärme ist ein Gegensatz zur Kälte; das Wahre ein Gegensatz zum Falschen); oder
- für das Verhältnis des Entgegenstehenden (das Gegensatzverhältnis, z. B. der Widerspruch, der Kontrast, das Gegenteil, die (In)Kompatibilität)
verwendet.
Dies bezogen auf die Wirklichkeit (im engeren Sinn) (z. B. Klassengegensatz; übertragen: Feindschaft, Feindseligkeit) oder/und auf Aussagen (Behauptungen, Rechtspositionen, Meinungen) und davon abgeleitet auf Begriffe.
Rechtswissenschaft
Der Ausdruck „Gegensatz“ ist wohl eine Lehnübersetzung des spätlateinischen Ausdrucks oppositio[2] und bezeichnet ursprünglich nur das Gegenvorbringen im Rechtsstreit (der Gegensatz, der gegen den ersten Satz gesagt wird, vgl. Replik, Duplik).
Historie und Politik
Der Ausdruck 'Gegensatz' beschreibt in der Geschichtswissenschaft das aufeinandertreffen verschiedener geopolitischer Interessen zwischen zwei oder mehr Staaten. Als Beispiel sei genannt der Habsburgisch-französische Gegensatz.
Philosophie
Als philosophischer Fachbegriff hat der Ausdruck „Gegensatz“ auf Grund der (Hegelschen) Dialektik eine zentrale Bedeutung. Begriff und Einteilung hängen dabei stark von der Position zur Dialektik ab.
Eine Definition des Gegensatzes wird häufig vermieden und man geht stattdessen unvermittelt in Bedeutungsunterscheidungen über. Schwierigkeiten macht dabei die Zuordnung des Gegensatzes im Sinne der Dialektik des deutschen Idealismus (insbesondere im Sinne von Hegel) und des Dialektischen Materialismus.
So unterscheidet R. Eisler beim Gegensatz
- den Gegensatz im logischen Sinn (logischer Gegensatz) und
- den Gegensatz im realen Sinn (realer Gegensatz, Realgegensatz).[3]
Der Gegensatz im Sinne von Fichte und Hegel wird dabei als primär Realgegensatz angeführt.[4]
Da zumindest dem Selbstverständnis von Hegel nach der dialektische Gegensatz ein übergreifender logisch-realer ist, wird hier eine Dreiteilung vorgenommen.
Der (rein) logische Gegensatz
Ein Gegensatz im Sinne der (klassischen) Logik (logischer Gegensatz) liegt vor, wenn sich Aussagen (Urteile, Sätze) – abgeleitet auch Begriffe –, einander ausschließen (ausschließlicher Gegensatz). Dabei wird hauptsächlich zwischen kontradiktorischem und konträrem Gegensatz unterschieden.
Nichtausschließliche Gegensätze sind Gegensätze, die weder kontradiktorisch noch konträr sind. Es sind Verknüpfungen, „die in gewisser Weise entgegengesetzt, tatsächlich aber vereinbar sind“. In der Umgangssprache werden sie durch Konjunktionen wie „(zwar …) aber“, „jedoch“, „obwohl“ gebildet. Bsp.: „Er ist klein, aber dick.“ Sie sind Gegensätze nicht im logischen, sondern nur im subjektiven, psychologischen oder scheinbaren Sinn.[5]
Die Lehre von den logischen Gegensätzen ist in der klassischen Logik beheimatet. Sie kann auch in der modernen Logik reformuliert werden.
Der Gegensatz von Aussagen und Begriffen
Ein Gegensatz wird in der Logik primär von Aussagen ausgesagt (in der Scholastik: oppositio enunciatorum[3]). Bei Begriffen (Prädikaten, Prädikatoren) gilt Entsprechendes[6] (Scholastik: oppositio terminorum). In der modernen Logik wird die Kontradiktion auch von Aussagenmengen ausgesagt.
Gegensätzliche Begriffe sind Begriffe, deren Anwendung auf ein und denselben Gegenstand zu einem Gegensatz der jeweiligen Aussagen führt.[7]
Die Einteilungen des logischen Gegensatzes
Der logische Gegensatz wird zumeist grundeingeteilt
- in kontradiktorischer Gegensatz und
- konträrer Gegensatz.[7]
Daneben wird auch eine Dreiteilung genannt in:
- kontradiktorischer Gegensatz,
- konträrer Gegensatz und
- subkonträrer Gegensatz.[8]
Auch werden als „Gegensatz-Grundformen“ angeführt
- kontradiktorisch (kalt – nicht kalt)
- konträr (kalt – warm)
- privativ (sehend – blind)
- relativ (Vater – Sohn)
- polar (Mann – Frau)[9]
Der kontradiktorische, konträre, subkonträre und subalterne Gegensatz (logisches Quadrat)
Der kontradiktorische Gegensatz (auch: Kontradiktion, Widerspruch[6]) ist der logische Gegensatz, der besteht, wenn eine Aussage die Negationder anderen ist (bzw. ein Begriff die Negation des anderen ist).
Der kontradiktorische Gegensatz der klassischen Logik entspricht der Kontravalenz (fwwf) der modernen Aussagenlogik.[10]
- Beispiel für kontradiktorische Aussagen:
- „Jeder Baum hat Wurzeln.“ – „Nicht jeder Baum hat Wurzeln.“
- Beispiele für kontradiktorische Begriffe:
- „Sein“ – „Nichtsein“ bzw. „Nichts“
- „weiß“ – „nicht-weiß“
- „Möglichkeit“ – „Unmöglichkeit“
Ein konträrer Gegensatz liegt vor, wenn – unter Umständen nur innerhalb eines bestimmten Bezugssystems – nicht beides zugleich der Fall (wahr) sein kann, jedoch beides nicht der Fall (falsch) sein kann.
- Beispiele für konträre Aussagen:
- „Alle Schwäne sind weiß“ – „Kein Schwan ist weiß“.[11]
- „Jeder Baum hat Wurzeln.“ – „Kein Baum hat Wurzeln.“
- Beispiele für konträre Begriffe:
- „Sein“ – „Anders-Sein“
- „weiß“ – „schwarz“
- „Kreis“ – „Quadrat“
- „Maximum“ – „Minimum“
Die traditionelle Lehre des logischen Gegensatzes beruht auf der klassischen Logik, die durch das Zweiwertigkeitsprinzip und durch die Geltung des Satzes vom ausgeschlossenen Widerspruch gekennzeichnet ist. Demzufolge, wenn zwei derartige Begriffe Eigenschaften widerspiegeln, die einem Objekt unmöglich zugleich und in derselben Hinsicht zukommen bzw. zwei derartige Aussagen nicht zugleich wahr sein können, liegen hier kontradiktorische Gegensätze vor.
Während jedoch von zwei kontradiktorischen Sätzen immer der eine wahr und der andere falsch sein muss, wobei der eine aus dem anderen durch logische Negation formal ableitbar ist, können zwei konträre Sätze auch zusammen falsch sein: der eine ist aus dem anderen nicht logisch ableitbar.[12]
Als subkonträren Gegensatz bezeichnet man in der klassischen Logik den logischen Gegensatz zwischen Aussagen, die nicht beide falsch, wohl aber zugleich wahr sein können,[13] die Falschheit der einen daher die Wahrheit der anderen impliziert.[14]
Die Disjunktion der modernen Logik entspricht dem subkonträren Gegensatz der klassischen Logik.[15]
Der subalterne Gegensatz (Subalternation) „besagt, dass die Wahrheit einer allgemeinen Aussage eine partikuläre auch wahr macht. Ist eine partikuläre falsch, dann ist eine allgemeine falsch. Aus der Falschheit der allgemeinen folgt nicht die Falschheit der partikulären, aus der Wahrheit der partikulären nicht die Wahrheit der allgemeinen Aussage.“[16]
Die Beziehungen des kontradiktorischen, konträren, subkonträren und subalternen Gegensatzes lassen sich im logischen Quadrat veranschaulichen.
Der privative, relative oder polare Gegensatz
Der privative, relative oder polare Gegensatz ist je eine Variante des konträren Gegensatzes (siehe auch: Antonym).
Ein privativer Gegensatz ist ein konträrer Gegensatz, der auf der Beseitigung von etwas beruht.
- Beispiel: sehend – blind
Ein relativer Gegensatz ist ein konträrer Gegensatz auf Grund einer Beziehung.
- Beispiel: Vater – Sohn
Ein polarer Gegensatz (auch: polar-konträrer Gegensatz[6]) liegt vor, „wenn die Begriffe als die beiden (relativen) Enden einer Skala aufgefasst werden können, die also auf eine Vergleichung, eine zweistellige Beziehung also, zurückgeht“.[6]
- Beispiel: weiß – schwarz
Der logisch-reale Gegensatz in der Dialektik
Allgemeines
Reale Gegensätze sind nichts Starres, Unbewegliches, sondern unterliegen wie alle Erscheinungen der objektiven Realität dem Werden und Vergehen (dynamische Gegensätze). Sie entwickeln sich aus Unterschieden, sind der Unterschied auf der höchsten Stufe seiner Entwicklung.
Andererseits können reale Gegensätze sich auch über wesentliche Unterschiede in unwesentliche Unterschiede verwandeln und unter Umständen ganz zu existieren aufhören. Die Dynamik realer Gegensätze findet ihren Ausdruck auch darin, dass beide Gegensätze (Pole) aufeinander einwirken, miteinander in Wechselwirkung stehen. In dieser aktiven Wechselwirkung können sich die Gegensätze gegenseitig durchdringen, können ineinander übergehen und in bestimmter Hinsicht identisch werden (z. B. als extensionale Wirkung extremer Strömungen).
Das Prinzip von der Identität und der gegensätzlichen Durchdringung der Gegensätze bildet eines der wichtigsten Prinzipien in der idealistischen und materialistischen Dialektik. Der dialektische reale Gegensatz unterscheidet sich sowohl vom kontradiktorischen als auch vom konträren.
Während diese in der Realität nicht existieren, sondern nur als Widerspiegelungen der objektiven Gegebenheiten erscheinen, bestehen dialektische Gegensätze objektiv real. Sätze, die einen kontradiktorischen oder konträren Gegensatz zum Ausdruck bringen, können nicht zusammen wahr sein, während zwei Sätze, die einen dialektischen realen Gegensatz widerspiegeln beide wahr sein müssen. Beispiel:
- „Ein Elementarteilchen besitzt Wellencharakter.“ – „Ein Elementarteilchen besitzt Korpuskelcharakter.“[17]
Der dialektische Gegensatz bei Hegel
Gegensätze schließen sich nach Hegel nicht aus, im Gegenteil.[18] „Die Eigentümlichkeit der Hegelschen Philosophie ist es nun gerade, dass sie die Dialektik nicht nur logisch, als eine Form des Denkens, sondern ontologisch oder metaphysisch, als die eigentümliche Form der Selbstbewegung der Wirklichkeit, nimmt und dass sie darüber hinaus zu zeigen unternimmt, dass beides: die Selbstbewegung unseres Denkens und die Selbstbewegung der Wirklichkeit, im Grunde der gleiche (oder gar derselbe) Prozess sind.“[19] Der Satz der Identität, der Satz vom ausgeschlossenen Widerspruchund der Satz vom ausgeschlossenen Dritten haben bei Hegel in der dialektischen Logik eine von der formalen oder klassischen Logik abweichende Funktion. Bei ihm ist die negative Formulierung des Satzes der Identität (A≠-A) an den des Widerspruchs gekoppelt. Die beiden Glieder sind zwar unterschieden, aber sowohl A als auch -A beziehen sich auf dasselbe A, das einerseits das Ganze der Beziehung dieser beiden Glieder ausmacht und andererseits als ein Moment, das dem -A entgegengesetzt ist, erhalten bleibt. So hat die Identität den Unterschied an ihr selbst.[20]
Nach Hegel ist der Gegensatz (Entgegensetzung) von der Bestimmtheit des Gegenstandes abhängig. Er wird als ein Moment der Identität Verschiedener gedacht. So setzt der Verstand das Unendliche und das Endliche als unverbunden entgegen. Dadurch wird, nach Hegel, ihre lebendige Beziehung zueinander getrennt.[21] Die Vernunft erkennt, dass die wahre Unendlichkeit die Endlichkeit mit in sich fasst und hebt sie dadurch auf. Das Endliche bleibt verschieden von der Unendlichkeit und ist trotzdem, als ein Teil, mit ihr identisch. Auf diese Weise sind die Gegensätze im Absoluten, dem wahren Unendlichen, aufgehoben. Die Gegensätze werden nicht vernichtet, sondern bleiben als verständige oder auch endliche Momente der Vernunft erhalten.
Der reale Gegensatz
Begriff
Der reale Gegensatz ist der Gegensatz zwischen Gegenständen (im weitesten Sinn).[6] Rudolf Eisler nennt ihn auch ontologischer Gegensatz und beschreibt ihn als „ein Widerstreit zweier Dinge, zweier Qualitäten, zweier Tätigkeiten, dynamische Entgegensetzung, Willens-Gegensatz, Gegensatz der Gefühle (physischer-psychischer Gegensatz, ethischer, sozialer Gegensatz)“.[3]
Gegensatzlehren
Pythagoräer
Nach Aristoteles (Met. I 5, 986a 22 squ.) stellten die Pythagoräer eine Tafel von zehn Gegensatz-Paaren als Prinzipien der Dinge auf: Grenze und Unbegrenztes (peras kai apeiron), Ungerades und Gerades (peritton kai artion), Eines und Vieles (hen kai plêthos), Rechtes und Linkes (dexion kai aristeron), Männliches und Weibliches (arrhen kai thêly), Bewegtes und Unbewegtes (êremoun kai kinoumenon), Gerades und Krummes (euthy kai kampylon), Licht und Finsternis (phôs kai skotos), Gutes und Böses (agathon kai kakon), sowie gleichseitiges und ungleichseitiges Viereck (tetragônon kai eteromêkes).[3]
Heraklit
Heraklit, auf den sich später Hegel bezog, erklärt den „Gegensatz zum Prinzip der Entwicklung. Im ‚Gegenlauf‘ (enantiodromia, Stob. Ecl. I, 60) des Geschehens ist in allem das Entgegengesetzte vereinigt, schlägt eines in das Gegenteil um (taut’ einai zôn kai tethnêkos, kai to egrêgoros kai to katheudon, kai neon kai gêraion (Fragm. 78)). Alles erfolgt kat’ enantiotêta nach der enantia rhoê, palintropia (Plat., Cratyl. 413 E, 420 A; panta te ginesthai kath’ eimarmenên kai dia tês enantiotropês hêrmosthai ta onta, Diog. L. IX 1, 7; ginesthai te panta kat’ enantiotêta, l.c. 8; panta … metaballei eis enantion oion ek thermou eis phychron Arist. Phys. III 5, 205a 6; vgl. Sext. Empir. Pyrrh. hypot. III, 230). Die Gegensätze gehen in einer Einheit zusammen wie Bogen und Leier (palintropos harmoniê kosmou hokôster lyrês kai toxou, Plut., Is. et Osir. 5).“[3]
Plotin
Für Plotin sind Gegensätze Dinge, die nichts Identisches an sich haben (Enneaden VI, 3, 20).[3]
Nikolaus von Kues
Nikolaus von Kues vertrat eine coincidentia oppositorum (die Vereinigung aller Gegensätze in Gott bzw. in dem Unendlichen).[6]
Diese Idee beeinflusste die Identitätsphilosophie (Schelling) und findet sich auch in der marxistischen Philosophie, etwa in der Lehre der Dialektik bei Lenin, als Lehre, wie die Gegensätze identisch sein können.[6]
Marxismus
Siehe Dialektik
Guardini (Dialogik)
Romano Guardini hat in seiner Gegensatzlehre (1925) polare Gegensätze grundsätzlich von Widersprüchen unterschieden und als sich ständig neu konkretisierende, also lebendig-konkrete Spannungseinheit beschrieben, ohne dass dabei die jeweiligen Pole zu existieren aufhören. Dies führt zu einer dialogischen statt dialektischen Struktur der Gegensätze im Sinne von Polarität.
Knauer
In der relationalen Ontologie von Peter Knauer wird davon ausgegangen, dass alle Wirklichkeit in der Welt die Struktur einer unauflöslichen Einheit von Gegensätzen aufweist (Identität und Nichtidentität: Veränderung; Sein und Nichtsein: Endlichkeit; Notwendigkeit und Nichtnotwendigkeit: Kontingenz usw.). Darin besteht die grundlegende ontologische Erklärungsbedürftigkeit der Welt, weil angegeben werden muss, wie man die Gegensatzeinheit ohne logischen Widerspruch aussagen kann. Nach Knauer benötigt man dazu zwei verschiedene Hinsichten (wegen der Gegensätze), die sich aber nicht wiederum ausschließen (wegen der Einheit der Gegensätze). Solche Hinsichten sind letztlich nur im recht verstandenen Geschöpflichkeitsbegriff der christlichen Botschaft zu finden: „restloses Bezogensein auf … / in restloser Verschiedenheit von …“. Die Welt geht als Einheit von Gegensätzen darin auf, nichts als Bezogensein auf eine nicht mehr unter Begriffe fallende Wirklichkeit zu sein, von der sie völlig verschieden bleibt. Diese Wirklichkeit, ohne die nichts ist und nichts sein kann, nennt man traditionell „Gott“.
Kunst, Dichtkunst, Musik
In der Kunst, Dichtkunst und insbesondere Musik spricht man vom Gegensatz in verschiedenen Zusammenhängen,[22] z. B. nennt man Gegensatzden ersten Kontrapunkt zum Thema einer Fuge.
Siehe auch
- Dichotomie
- Gegenteil
- Antonym
- Opposition (Begriffsklärung)
- bipolar (Begriffsklärung)
Literatur
- Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Band 1: A–N. Mittler, Berlin 1904 (textlog.de).
= Weblinks
=- The Traditional Square of Opposition. In: Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy. (Das logische Quadrat).
- Was-ist-das-Gegenteil-von.de – eine Antonyme / Gegenteile Suchmaschine
Einzelnachweise
- Zur philosophischen Bedeutung der Umgangssprache vergleiche Ordinary Language Philosophie
- Gegensatz. In: Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 5. Auflage. 2003, ISBN 3-411-05505-7.
- Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. 1904 (textlog.de).
- Ebenso Kuno Lorenz: Gegensatz. In: Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. 2. Auflage. Band 3, 2008, ISBN 978-3-476-02102-1, wonach der dialektische Gegensatz der dazu gehörigen Begriffe ein abgeleiteter sei.
- So Seiffert: Logik. 1973, S. 155.
- Kuno Lorenz: Gegensatz. In: Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. 2. Auflage. Band 3, 2008, ISBN 978-3-476-02102-1,
- Arnim Regenbogen, Uwe Meyer, Friedrich Kirchner: Gegensatz. In: Wörterbuch der philosophischen Begriffe. Felix Meiner Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-7873-3150-6.
- Brandt: Philosophie. 2001, ISBN 3-15-018137-2, S. 44 (bezogen auf Sätze).
- Gegensatz. In: Schischkoff: Philosophisches Wörterbuch. 22. Auflage. 1991, ISBN 3-520-01322-3.
- Seiffert: Logik. 1973, S. 153 f.
- konträr. In: Hügli, Lübcke: Philosophielexikon. 1991, ISBN 3-634-22405-3.
- Anders wohl Kuno Lorenz: Gegensatz. In: Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. 2. Auflage. Band 3, 2008, ISBN 978-3-476-02102-1. „T10: Kontradiktorische Gegensätze sind auch konträre Gegensätze, aber nicht alle konträren Gegensätze sind kontradiktorische“.
- Strobach: Einführung in die Logik. 2005, S. 62.
- Tatievskaya: Aussagenlogik. 2003, S. 72.
- Menne: Logik. 6. Auflage. 2001, S. 36.
- Tatievskaya: Aussagenlogik. 2003, S. 71.
- Gegensatz. In: Georg Klaus, Manfred Buhr (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. 11. Auflage. Leipzig 1975.
- Hans-Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Erw. Neuausgabe. 1996, ISBN 3-596-13520-6, S. 463.
- Hans-Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Philosophie. Erw. Neuausgabe. 1996, ISBN 3-596-13520-6, S. 461.
- Ock-Kyoung Kim: Identität. In: Paul Cobben u. a. (Hrsg.): Hegel-Lexikon. WBG, Darmstadt 2006, S. 270 f.
- Peter Jonkers: Entgegensetzung. In: Paul Cobben u. a. (Hrsg.): Hegel-Lexikon. S. 196.
- Zum Sprachgebrauch in der Musik vgl. Wiktionary;
Allgemein in der Kunst Gegensatz 2. – Abschnitt: b). In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 5: Gefoppe–Getreibs – (IV, 1. Abteilung, Teil 2). S. Hirzel, Leipzig 1897, Sp. 2253 (woerterbuchnetz.de).