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„Rechtsinstitut“ – Versionsunterschied

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'''Rechtsinstitut''' (auch '''Rechtseinrichtung''' und '''Rechtsfigur''') bezeichnet die Summe der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsgrundsatz Rechtsgrundsätze], die durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzgebung Gesetzgebung], [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsprechung Rechtsprechung] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswissenschaft Rechtswissenschaft] zur rechtlichen Beurteilung eines bestimmten [https://de.wikipedia.org/wiki/Sachverhalt Lebenssachverhalts]entwickelt worden sind.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfigur#cite_note-1 <span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Beispiele sind das [https://de.wikipedia.org/wiki/Eigentum Eigentum], das „[https://de.wikipedia.org/wiki/Hergebrachte_Grunds%C3%A4tze_des_Berufsbeamtentums Berufsbeamtentum]“, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Sicherungs%C3%BCbereignung Sicherungsübereignung], die „[https://de.wikipedia.org/wiki/Betriebsrisikolehre Betriebsrisikolehre]“ oder die „[https://de.wikipedia.org/wiki/Actio_libera_in_causa Actio libera in causa]“.<div class="mw-heading mw-heading2">
[[Recht]]{{-s-}}[[Institut]] [[Sprachstufe::lat.-deu.]]
{{Dieser Artikel|behandelt das Rechtsinstitut im [[Rechtstheorie|rechtstheoretischen]] Sinn. Für Lehr- und Forschungseinrichtungen siehe [[Institut (Organisation)]], für Regelungs- und Ordnungssysteme [[Institution]].}}
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}}'''Rechtsinstitut''' (auch [[Rechtseinrichtung]] und [[Rechtsfigur]]) bezeichnet die Summe der [[Rechtsgrundsatz|Rechtsgrundsätze]], die durch [[Gesetzgebung]], [[Rechtsprechung]] und [[Rechtswissenschaft]] zur rechtlichen Beurteilung eines bestimmten [[Sachverhalt|Lebenssachverhalts]] entwickelt worden sind.<ref>[[Creifelds (Rechtswörterbuch)|Carl Creifelds: ''Rechtswörterbuch'']]. 21. Aufl. 2014, ISBN 978-3-406-63871-8, S.&nbsp;1072.</ref> Beispiele sind das [[Eigentum]], das „[[Hergebrachte Grundsätze des Berufsbeamtentums|Berufsbeamtentum]]“, die [[Sicherungsübereignung]], die „[[Betriebsrisikolehre]]“ oder die „[[Actio libera in causa]]“.
 
== Rechtsgeschichte und Bedeutung ==
== Rechtsgeschichte und Bedeutung ==
</div><p>Ausgehend von den im ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Corpus_iuris_civilis Corpus iuris civilis]'' unter Kaiser [https://de.wikipedia.org/wiki/Justinian_I. Justinian I.] u.&nbsp;a. zusammengefassten ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Institutiones_Iustiniani Institutionen]'' und [https://de.wikipedia.org/wiki/Pandekten ''Digesten''] des [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Recht römischen Rechts] entwickelte sich unter dem Einfluss der [https://de.wikipedia.org/wiki/Glossatoren Glossatoren] und auf sie folgend den [https://de.wikipedia.org/wiki/Kommentatoren Postglossatoren] bis in das 14. Jahrhundert eine Sammlung von Rechts- und Gesetzestexten, die in dieser Form im [https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeines_Recht gemeinen Recht] [https://de.wikipedia.org/wiki/Rezeption_des_r%C3%B6mischen_Rechts rezipiert] wurde.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Okko_Behrends Okko Behrends] macht in seiner kulturanthropologischen Abhandlung zur geistigen Mitte des [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6misches_Recht römischen Rechts] auf die Synonymität der Begriffe ''institutum'' und ''res incorporalis'' aufmerksam, denn sie betonen als „gedankliche Einrichtungen“ ihre menschliche ([https://de.wikipedia.org/wiki/Platonische_Akademie#J%C3%BCngere_(%E2%80%9Eskeptische%E2%80%9C)_Akademie skeptische]) Herkunft.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfigur#cite_note-2 <span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><p>Das Bestehen bestimmter Rechtsinstitute wird heute durch das [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland Grundgesetz] garantiert. Diese sogenannten [https://de.wikipedia.org/wiki/Einrichtungsgarantie Einrichtungsgarantien] gewährleisten ihrem Wesen nach in erster Linie den Bestand eines bestimmten Rechtsinstituts an sich. Sie können jedoch – wie die [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundrecht Grundrechte] – auch für den Einzelnen [https://de.wikipedia.org/wiki/Subjektives_Recht subjektive Rechte] begründen.</p><p>Bezieht sich eine solche Garantie auf einen [https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96ffentliches_Recht öffentlich-rechtlichen Sachverhalt], so wird das als ''institutionelle Garantie''bezeichnet. Bezieht sie sich auf einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Privatrecht privatrechtlichen Sachverhalt], so wird sie ''Institutsgarantie'' genannt. Diese Unterscheidung geht zurück auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Schmitt Carl Schmitt].</p><p>Schmitt rezipiert dabei die maßgeblich von [https://de.wikipedia.org/wiki/Maurice_Hauriou Maurice Hauriou] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Santi_Romano Santi Romano] entwickelte Institutionenlehre.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
Ausgehend von den im ''[[Corpus iuris civilis]]'' unter Kaiser [[Justinian I.]] u.&nbsp;a. zusammengefassten ''[[Institutiones Iustiniani|Institutionen]]'' und [[Pandekten|''Digesten'']] des [[Römisches Recht|römischen Rechts]] entwickelte sich unter dem Einfluss der [[Glossatoren]] und auf sie folgend den [[Kommentatoren|Postglossatoren]] bis in das 14. Jahrhundert eine Sammlung von Rechts- und Gesetzestexten, die in dieser Form im [[Gemeines Recht|gemeinen Recht]] [[Rezeption des römischen Rechts|rezipiert]] wurde.  
 
[[Okko Behrends]] macht in seiner kulturanthropologischen Abhandlung zur geistigen Mitte des [[Römisches Recht|römischen Rechts]] auf die Synonymität der Begriffe ''institutum'' und ''res incorporalis'' aufmerksam, denn sie betonen als „gedankliche Einrichtungen“ ihre menschliche ([[Platonische Akademie#Jüngere („skeptische“) Akademie|skeptische]]) Herkunft.<ref>Okko Behrends: ''Die geistige Mitte des römischen Rechts: Die Kulturanthropologie der skeptischen Akademie'', in: ''[[Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte]]'' (Romanistische Abteilung), Band 125, Heft 1, 2008. S.&nbsp;67 f.</ref>
 
Das Bestehen bestimmter Rechtsinstitute wird heute durch das [[Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland|Grundgesetz]] garantiert. Diese sogenannten [[Einrichtungsgarantie]]n gewährleisten ihrem Wesen nach in erster Linie den Bestand eines bestimmten Rechtsinstituts an sich. Sie können jedoch – wie die [[Grundrecht]]e – auch für den Einzelnen [[Subjektives Recht|subjektive Rechte]] begründen.
 
Bezieht sich eine solche Garantie auf einen [[öffentliches Recht|öffentlich-rechtlichen Sachverhalt]], so wird das als ''institutionelle Garantie'' bezeichnet. Bezieht sie sich auf einen [[Privatrecht|privatrechtlichen Sachverhalt]], so wird sie ''Institutsgarantie'' genannt. Diese Unterscheidung geht zurück auf [[Carl Schmitt]]. {{Belege fehlen|Eine Hinzufügung sollte idealerweise mit einem Einzelnachweis belegt werden}} Schmitt rezipiert dabei die maßgeblich von [[Maurice Hauriou]] und [[Santi Romano]] entwickelte Institutionenlehre.
 
== Literatur ==
== Literatur ==
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* [[Albert Bleckmann]]: ''Zum Rechtsinstitut der Bundestreue – Zur Theorie der subjektiven Rechte im Bundesstaat''. [[Juristenzeitung]] 1991, S. 900–907.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Albert_Bleckmann Albert Bleckmann]: ''Zum Rechtsinstitut der Bundestreue – Zur Theorie der subjektiven Rechte im Bundesstaat''. [https://de.wikipedia.org/wiki/Juristenzeitung Juristenzeitung] 1991, S. 900–907.
 
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== Weblinks ==
== Weblinks ==
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{{Wiktionary}}
*Jörg Benedict: [http://www.polar-zeitschrift.de/polar_05.php?id=228 ''Jenseits von Ehe und Familie. Amorphe Sonderverbindungen: Freundschaft als Rechtsinstitut''], Online-Magazin polar#5, [https://de.wikipedia.org/wiki/Campus-Verlag Campus-Verlag] (o.&nbsp;J.)
* Jörg Benedict: [http://www.polar-zeitschrift.de/polar_05.php?id=228 ''Jenseits von Ehe und Familie. Amorphe Sonderverbindungen: Freundschaft als Rechtsinstitut''], Online-Magazin polar#5, [[Campus-Verlag]] (o.&nbsp;J.)
*Wolfgang Sass: [https://www.vhv.de/vhv/files/firmen_themen-termine/5._Gesamtschuld.pdf ''Die Gesamtschuld ist alles schuld? – Ein Rechtsinstitut unter falschem Verdacht''] [https://de.wikipedia.org/wiki/Baurecht_(Zeitschrift) BauR] 2014, S. 1378–1385
* Wolfgang Sass: [https://www.vhv.de/vhv/files/firmen_themen-termine/5._Gesamtschuld.pdf ''Die Gesamtschuld ist alles schuld? – Ein Rechtsinstitut unter falschem Verdacht''] [[Baurecht (Zeitschrift)|BauR]] 2014, S. 1378–1385
*Manuel Schramm: [http://www.diplom.de/e-book/224446/das-rechtsinstitut-der-liebhaberei ''Das Rechtsinstitut der Liebhaberei. Ein Ergebnis einer einzelfallabhängigen Rechtsprechung des BFH''], Diplomarbeit, [https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut-Schmidt-Universit%C3%A4t/Universit%C3%A4t_der_Bundeswehr_Hamburg Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg], 2005
* Manuel Schramm: [http://www.diplom.de/e-book/224446/das-rechtsinstitut-der-liebhaberei ''Das Rechtsinstitut der Liebhaberei. Ein Ergebnis einer einzelfallabhängigen Rechtsprechung des BFH''], Diplomarbeit, [[Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg]], 2005
*Sina Czapek: [http://www.nhbayer.de/de/deutsch-franzoesischer-rechtsreport/franzoesisches_handelsrecht_der_fonds_de_commerce_in_frankreich_ein_rechtsinstitut_eigener_art_von_sina_czapek_deug_en_droitfranzoesische_juristin ''Französisches Handelsrecht: Der fonds de commerce in Frankreich, ein Rechtsinstitut eigener Art.''] 6. Oktober 2006
* Sina Czapek: [http://www.nhbayer.de/de/deutsch-franzoesischer-rechtsreport/franzoesisches_handelsrecht_der_fonds_de_commerce_in_frankreich_ein_rechtsinstitut_eigener_art_von_sina_czapek_deug_en_droitfranzoesische_juristin ''Französisches Handelsrecht: Der fonds de commerce in Frankreich, ein Rechtsinstitut eigener Art.''] 6. Oktober 2006
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== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
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<references />
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Creifelds_(Rechtsw%C3%B6rterbuch) Carl Creifelds: ''Rechtswörterbuch'']. 21. Aufl. 2014, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783406638718 ISBN 978-3-406-63871-8], S.&nbsp;1072.</span>
 
#<span class="reference-text">Okko Behrends: ''Die geistige Mitte des römischen Rechts: Die Kulturanthropologie der skeptischen Akademie'', in: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitschrift_der_Savigny-Stiftung_f%C3%BCr_Rechtsgeschichte Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte]'' (Romanistische Abteilung), Band 125, Heft 1, 2008. S.&nbsp;67 f.</span>
{{Rechtshinweis}}
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[[Kategorie:Rechtstheorie]]
[[Kategorie:Rechtsgeschichte (Deutschland)]]
[[Kategorie:Juristische Methodenlehre]]
[[Kategorie:Rechtsstaat]]

Aktuelle Version vom 25. September 2026, 18:03 Uhr

Recht‎-s-Institut lat.-deu.

WP Rechtsinstitut (auch Rechtseinrichtung und Rechtsfigur) bezeichnet die Summe der Rechtsgrundsätze, die durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Rechtswissenschaft zur rechtlichen Beurteilung eines bestimmten Lebenssachverhalts entwickelt worden sind.[1] Beispiele sind das Eigentum, das „Berufsbeamtentum“, die Sicherungsübereignung, die „Betriebsrisikolehre“ oder die „Actio libera in causa“.

Rechtsgeschichte und Bedeutung

Ausgehend von den im Corpus iuris civilis unter Kaiser Justinian I. u. a. zusammengefassten Institutionen und Digesten des römischen Rechts entwickelte sich unter dem Einfluss der Glossatoren und auf sie folgend den Postglossatoren bis in das 14. Jahrhundert eine Sammlung von Rechts- und Gesetzestexten, die in dieser Form im gemeinen Recht rezipiert wurde.

Okko Behrends macht in seiner kulturanthropologischen Abhandlung zur geistigen Mitte des römischen Rechts auf die Synonymität der Begriffe institutum und res incorporalis aufmerksam, denn sie betonen als „gedankliche Einrichtungen“ ihre menschliche (skeptische) Herkunft.[2]

Das Bestehen bestimmter Rechtsinstitute wird heute durch das Grundgesetz garantiert. Diese sogenannten Einrichtungsgarantien gewährleisten ihrem Wesen nach in erster Linie den Bestand eines bestimmten Rechtsinstituts an sich. Sie können jedoch – wie die Grundrechte – auch für den Einzelnen subjektive Rechte begründen.

Bezieht sich eine solche Garantie auf einen öffentlich-rechtlichen Sachverhalt, so wird das als institutionelle Garantie bezeichnet. Bezieht sie sich auf einen privatrechtlichen Sachverhalt, so wird sie Institutsgarantie genannt. Diese Unterscheidung geht zurück auf Carl Schmitt.

Schmitt rezipiert dabei die maßgeblich von Maurice Hauriou und Santi Romano entwickelte Institutionenlehre.

Literatur

Wiktionary: Rechtsinstitut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Carl Creifelds: Rechtswörterbuch. 21. Aufl. 2014, ISBN 978-3-406-63871-8, S. 1072.
  2. ↑ Okko Behrends: Die geistige Mitte des römischen Rechts: Die Kulturanthropologie der skeptischen Akademie, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte (Romanistische Abteilung), Band 125, Heft 1, 2008. S. 67 f.