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„Präsupposition“ – Versionsunterschied

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<p>Der Ausdruck '''Präsupposition''' (von [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] praesupponere ‚voraussetzen‘) bezeichnet in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachphilosophie Sprachphilosophie] und in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Linguistik Linguistik] eine implizite [https://de.wikipedia.org/wiki/Voraussetzung Voraussetzung]. Eine Präsupposition ist eine Bedingung, die erfüllt sein muss, damit ein Satz überhaupt als wahr oder falsch beurteilt werden kann. Das Phänomen der Präsuppositionen wird teils der [https://de.wikipedia.org/wiki/Semantik Semantik], teils auch der [https://de.wikipedia.org/wiki/Pragmatik_(Linguistik) Pragmatik] zugeordnet. Zuweilen werden auch Plausibilitätsbedingungen als Präsuppositionen behandelt.</p><p>Ein Sonderfall ist die Frage, ob die Verwendung von [https://de.wikipedia.org/wiki/Eigenname Eigennamen] eine ''Existenzpräsupposition'' bedeutet, d.&nbsp;h. ob damit vorausgesetzt wird, dass das bezeichnete Objekt existiert und ob leere Eigennamen (ohne reales Objekt) als [https://de.wikipedia.org/wiki/Kennzeichnung_(Logik) Kennzeichnungen] verstanden werden müssen, unsinnig sind, oder in ein anderes [https://de.wikipedia.org/wiki/Bezugssystem Bezugssystem] (im Sinne von ''frame of reference'') gesetzt werden müssen.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
[[prä-]][[Supposition]] [[Sprachstufe::lat.-deu.]] {{wrtl.}} 'Vorausunterstellung, [[Vorunterstellung]]'; "[[Vorannahmen]]"
 
Der Ausdruck '''Präsupposition''' (von lateinisch [[praesupponere]] ‚voraussetzen‘) bezeichnet in der [[Sprachphilosophie]] und in der [[Linguistik]] eine implizite [[Voraussetzung]]. Eine Präsupposition ist eine Bedingung, die erfüllt sein muss, damit ein Satz überhaupt als wahr oder falsch beurteilt werden kann. Das Phänomen der Präsuppositionen wird teils der [[Semantik]], teils auch der [[Pragmatik (Linguistik)|Pragmatik]] zugeordnet. Zuweilen werden auch Plausibilitätsbedingungen als Präsuppositionen behandelt.
 
Ein Sonderfall ist die Frage, ob die Verwendung von [[Eigennamen]] eine ''Existenzpräsupposition'' bedeutet, d.&nbsp;h. ob damit vorausgesetzt wird, dass das bezeichnete Objekt existiert und ob leere Eigennamen (ohne reales Objekt) als [https://de.wikipedia.org/wiki/Kennzeichnung_(Logik) Kennzeichnungen] verstanden werden müssen, unsinnig sind, oder in ein anderes [[Bezugssystem]] (im Sinne von ''frame of reference'') gesetzt werden müssen.
 
== Klassische Beispiele ==
== Klassische Beispiele ==
</div><p>Von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottlob_Frege Gottlob Frege] wurde der Begriff (nicht schon der Terminus) im Sinne der selbstverständlichen Voraussetzung, dass Eigennamen eine Bedeutung haben, entwickelt<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-1 <span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> und in der analytischen Sprachphilosophie (Russell, Strawson) vertieft. Seit den 1970er-Jahren wird er auch in der Linguistik gebraucht.</p><p>Von Frege stammt das Beispiel:</p>
Von [[Gottlob Frege]] wurde der Begriff (nicht schon der Terminus) im Sinne der selbstverständlichen Voraussetzung, dass Eigennamen eine Bedeutung haben, entwickelt<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-1 <span class="cite-bracket">[</span>1]]</sup> und in der analytischen Sprachphilosophie (Russell, Strawson) vertieft. Seit den 1970er-Jahren wird er auch in der Linguistik gebraucht.<p>Von Frege stammt das Beispiel:</p>
:„Kepler starb im Elend“.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-2 <span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span>]</sup>
:„Kepler starb im Elend“.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-2 <span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span>]</sup>
<p>Dieser Satz setzt voraus, dass es einen Menschen namens Kepler gab.</p><p>Von [https://de.wikipedia.org/wiki/Bertrand_Russell Bertrand Russell] stammt das Beispiel:</p>
<p>Dieser Satz setzt voraus, dass es einen Menschen namens Kepler gab.</p><p>Von [https://de.wikipedia.org/wiki/Bertrand_Russell Bertrand Russell] stammt das Beispiel:</p>
:„Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahlköpfig“ („The present king of France is bald“)<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-3 <span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span>]</sup>
:„Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahlköpfig“ („The present king of France is bald“)<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-3 <span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span>]</sup>
<p>Dieser Satz setzt voraus, dass Frankreich gegenwärtig einen König hat.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
Dieser Satz setzt voraus, dass Frankreich gegenwärtig einen König hat.
 
== Abgrenzung gegenüber anderen Begriffen ==
== Abgrenzung gegenüber anderen Begriffen ==
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#Die Präsupposition unterscheidet sich von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Proposition_(Linguistik) Proposition]<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-4 <span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> und ist somit nicht Teil der eigentlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Logische_Aussage Aussage].
# Die Präsupposition unterscheidet sich von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Proposition_(Linguistik) Proposition]<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-4 <span class="cite-bracket">[</span>4]]</sup> und ist somit nicht Teil der eigentlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Logische_Aussage Aussage].<sup id="cite_ref-4" class="reference"></span></sup># Im Unterschied zur logischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Implikation Implikation] ist die Präsupposition unter interner Negation konstant, das heißt, eine Aussage hat dieselben Präsuppositionen wie ihre interne Verneinung (ausführlich siehe unten).
#Im Unterschied zur logischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Implikation Implikation] ist die Präsupposition unter interner Negation konstant, das heißt, eine Aussage hat dieselben Präsuppositionen wie ihre interne Verneinung (ausführlich siehe unten).
# Der Unterschied zwischen Existenzpräsupposition und [https://de.wikipedia.org/wiki/Semantische_Implikation semantischer Implikation] besteht darin, dass sich diese Präsupposition mit der Existenz vorkommender Objekte, die durch Eigennamen o.&nbsp;Ä. bezeichnet sind, befasst. Die semantische Implikation prüft nur die Aussagekongruenz zweier Aussagen zueinander.
#Der Unterschied zwischen Existenzpräsupposition und [https://de.wikipedia.org/wiki/Semantische_Implikation semantischer Implikation] besteht darin, dass sich diese Präsupposition mit der Existenz vorkommender Objekte, die durch Eigennamen o.&nbsp;Ä. bezeichnet sind, befasst. Die semantische Implikation prüft nur die Aussagekongruenz zweier Aussagen zueinander.
# Die Präsupposition als „allgemeine Sinnvoraussetzung“<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-5 <span class="cite-bracket">[</span>5]]</sup> wird unterschieden von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Implikatur Implikatur]. Die meisten Präsuppositionen sollen allerdings „konventionelle Implikaturen“<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-6 <span class="cite-bracket">[</span>6]]</sup>sein.<sup id="cite_ref-5" class="reference"></span></sup><sup id="cite_ref-6" class="reference"></span></sup># „Die Präsuppositionen eines Fragesatzes sind mit denen ihrer möglichen Antworten identisch“<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-7 <span class="cite-bracket">[</span>7]]</sup> (das heißt zugleich, dass nicht nur Aussagesätze Präsuppositionen haben).
#Die Präsupposition als „allgemeine Sinnvoraussetzung“<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-5 <span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> wird unterschieden von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Implikatur Implikatur]. Die meisten Präsuppositionen sollen allerdings „konventionelle Implikaturen“<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-6 <span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span>]</sup>sein.
 
#„Die Präsuppositionen eines Fragesatzes sind mit denen ihrer möglichen Antworten identisch“<sup id="cite_ref-7" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-7 <span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> (das heißt zugleich, dass nicht nur Aussagesätze Präsuppositionen haben).
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== Semantischer und pragmatischer Präsuppositionsbegriff ==
== Semantischer und pragmatischer Präsuppositionsbegriff ==
</div><p>Die theoretische Erfassung der Präsupposition ist umstritten. Akademisch herkömmlich wird eine semantische und eine pragmatische Präsuppositionstheorie bzw. ein semantischer und ein pragmatischer Präsuppositionsbegriff unterschieden.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-8 <span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> Neuere Theorien versuchen eine Synthese der Ansätze<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-9 <span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span>]</sup>.</p>
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*Die semantische, modern [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Strawson Peter Strawson] zugeordnete Präsuppositionstheorie sieht in Präsuppositionen die Bedingungen, die vorliegen müssen, damit ein Satz wahr oder falsch sein kann, einem Satz ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheitswert Wahrheitswert] (im Sinne der klassischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik Logik]) zugeordnet werden kann. Eine ''Präsuppositionsverletzung'' (engl. ''presupposition failure'') führt zu einer Wahrheitswertlücke.
*Die semantische, modern [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Strawson Peter Strawson] zugeordnete Präsuppositionstheorie sieht in Präsuppositionen die Bedingungen, die vorliegen müssen, damit ein Satz wahr oder falsch sein kann, einem Satz ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheitswert Wahrheitswert] (im Sinne der klassischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik Logik]) zugeordnet werden kann. Eine ''Präsuppositionsverletzung'' (engl. ''presupposition failure'') führt zu einer Wahrheitswertlücke.
*Die pragmatische Präsuppositionstheorie versucht die Präsupposition vom Sprachgebrauch her zu erfassen. Es geht nach ihr nicht um die Frage des Wahrheitsgehaltes einer Aussage, sondern darum, ob eine Äußerung dem den Gesprächspartnern bekannten Weltwissen angemessen ist<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-10 <span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span>]</sup>.
*Die pragmatische Präsuppositionstheorie versucht die Präsupposition vom Sprachgebrauch her zu erfassen. Es geht nach ihr nicht um die Frage des Wahrheitsgehaltes einer Aussage, sondern darum, ob eine Äußerung dem den Gesprächspartnern bekannten Weltwissen angemessen ist<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-10 <span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span>]</sup>.
<p>Im Hinblick darauf wird auch zwischen ''zeichengebundenen Präsuppositionen'' (als Teil der Semantik) und gebrauchsgebundenen (pragmatischen) Präsuppositionen (als Teil der Pragmatik) unterschieden. Letztere sollen nicht textgebunden sein und den Adressaten zwingen, „Informationen aus dem eigenen Weltwissen zu ergänzen“<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-11 <span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span>]</sup>.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
<p>Im Hinblick darauf wird auch zwischen ''zeichengebundenen Präsuppositionen'' (als Teil der Semantik) und gebrauchsgebundenen (pragmatischen) Präsuppositionen (als Teil der Pragmatik) unterschieden. Letztere sollen nicht textgebunden sein und den Adressaten zwingen, „Informationen aus dem eigenen Weltwissen zu ergänzen“<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-11 <span class="cite-bracket">[</span>11]]</sup>.</p>
 
== Differenzierung nach Rescher ==
== Differenzierung nach Rescher ==
</div><p>Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Nicholas_Rescher Nicholas Rescher]<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-12 <span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span>]</sup> trägt ein Satz drei Präsuppositionen: dass er sinnvoll ist, dass er möglich ist und dass er wahr ist. So setzt der Satz „Schmidt hat dieses Verbrechen begangen“ z.&nbsp;B. voraus, dass Schmidt überhaupt ein handlungsfähiges Subjekt ist und dass die Handlung, mit der auf ‚dieses‘ verwiesen wird, tatsächlich ein Verbrechen ist (Sinn), dass Schmidt überhaupt in der Lage war, die Handlung zu begehen (Möglichkeit), und dass er es tatsächlich getan hat (Wahrheit).<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-13 <span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p><div class="mw-heading mw-heading2">
<p>Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Nicholas_Rescher Nicholas Rescher]<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-12 <span class="cite-bracket">[</span>12]]</sup> trägt ein Satz drei Präsuppositionen: dass er sinnvoll ist, dass er möglich ist und dass er wahr ist. So setzt der Satz „Schmidt hat dieses Verbrechen begangen“ z.&nbsp;B. voraus, dass Schmidt überhaupt ein handlungsfähiges Subjekt ist und dass die Handlung, mit der auf ‚dieses‘ verwiesen wird, tatsächlich ein Verbrechen ist (Sinn), dass Schmidt überhaupt in der Lage war, die Handlung zu begehen (Möglichkeit), und dass er es tatsächlich getan hat (Wahrheit).<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-13 <span class="cite-bracket">[</span>13]]</sup></p>
 
== Präsuppositionsauslöser (Präsuppositionstrigger) ==
== Präsuppositionsauslöser (Präsuppositionstrigger) ==
</div><p>''Präsuppositionsauslöser'' (auch: ''Präsuppositionstrigger'', ''Trigger'') sind Ausdrücke, die Präsuppositionen auslösen.</p><p>Im Deutschen gehören unter anderem dazu:<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-14 <span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p>
<p>''Präsuppositionsauslöser'' (auch: ''Präsuppositionstrigger'', ''Trigger'') sind Ausdrücke, die Präsuppositionen auslösen.</p><p>Im Deutschen gehören unter anderem dazu:<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4supposition#cite_note-14 <span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span>]</sup></p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Faktives_Verb faktive Verben]: ''Beispiel'': Der Satz „A hat nicht vergessen, dass B geschieht“ präsupponiert, dass B geschieht.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Faktives_Verb faktive Verben]: ''Beispiel'': Der Satz „A hat nicht vergessen, dass B geschieht“ präsupponiert, dass B geschieht.
*implikative Verben: ''Beispiel'': Der Satz „Der Politiker hat die Wahl nicht gewonnen“ setzt voraus, dass der Politiker kandidiert hat.
*implikative Verben: ''Beispiel'': Der Satz „Der Politiker hat die Wahl nicht gewonnen“ setzt voraus, dass der Politiker kandidiert hat.

Aktuelle Version vom 8. Juni 2025, 06:33 Uhr

prä-Supposition lat.-deu. wrtl. 'Vorausunterstellung, Vorunterstellung'; "Vorannahmen"

Der Ausdruck Präsupposition (von lateinisch praesupponere ‚voraussetzen‘) bezeichnet in der Sprachphilosophie und in der Linguistik eine implizite Voraussetzung. Eine Präsupposition ist eine Bedingung, die erfüllt sein muss, damit ein Satz überhaupt als wahr oder falsch beurteilt werden kann. Das Phänomen der Präsuppositionen wird teils der Semantik, teils auch der Pragmatik zugeordnet. Zuweilen werden auch Plausibilitätsbedingungen als Präsuppositionen behandelt.

Ein Sonderfall ist die Frage, ob die Verwendung von Eigennamen eine Existenzpräsupposition bedeutet, d. h. ob damit vorausgesetzt wird, dass das bezeichnete Objekt existiert und ob leere Eigennamen (ohne reales Objekt) als Kennzeichnungen verstanden werden müssen, unsinnig sind, oder in ein anderes Bezugssystem (im Sinne von frame of reference) gesetzt werden müssen.

Klassische Beispiele

Von Gottlob Frege wurde der Begriff (nicht schon der Terminus) im Sinne der selbstverständlichen Voraussetzung, dass Eigennamen eine Bedeutung haben, entwickelt[1] und in der analytischen Sprachphilosophie (Russell, Strawson) vertieft. Seit den 1970er-Jahren wird er auch in der Linguistik gebraucht.

Von Frege stammt das Beispiel:

„Kepler starb im Elend“.[2]

Dieser Satz setzt voraus, dass es einen Menschen namens Kepler gab.

Von Bertrand Russell stammt das Beispiel:

„Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahlköpfig“ („The present king of France is bald“)[3]

Dieser Satz setzt voraus, dass Frankreich gegenwärtig einen König hat.

Abgrenzung gegenüber anderen Begriffen

  1. Die Präsupposition unterscheidet sich von der Proposition[4] und ist somit nicht Teil der eigentlichen Aussage.# Im Unterschied zur logischen Implikation ist die Präsupposition unter interner Negation konstant, das heißt, eine Aussage hat dieselben Präsuppositionen wie ihre interne Verneinung (ausführlich siehe unten).
  2. Der Unterschied zwischen Existenzpräsupposition und semantischer Implikation besteht darin, dass sich diese Präsupposition mit der Existenz vorkommender Objekte, die durch Eigennamen o. Ä. bezeichnet sind, befasst. Die semantische Implikation prüft nur die Aussagekongruenz zweier Aussagen zueinander.
  3. Die Präsupposition als „allgemeine Sinnvoraussetzung“[5] wird unterschieden von der Implikatur. Die meisten Präsuppositionen sollen allerdings „konventionelle Implikaturen“[6]sein.# „Die Präsuppositionen eines Fragesatzes sind mit denen ihrer möglichen Antworten identisch“[7] (das heißt zugleich, dass nicht nur Aussagesätze Präsuppositionen haben).

Semantischer und pragmatischer Präsuppositionsbegriff

Die theoretische Erfassung der Präsupposition ist umstritten. Akademisch herkömmlich wird eine semantische und eine pragmatische Präsuppositionstheorie bzw. ein semantischer und ein pragmatischer Präsuppositionsbegriff unterschieden.[8] Neuere Theorien versuchen eine Synthese der Ansätze[9].

  • Die semantische, modern Peter Strawson zugeordnete Präsuppositionstheorie sieht in Präsuppositionen die Bedingungen, die vorliegen müssen, damit ein Satz wahr oder falsch sein kann, einem Satz ein Wahrheitswert (im Sinne der klassischen Logik) zugeordnet werden kann. Eine Präsuppositionsverletzung (engl. presupposition failure) führt zu einer Wahrheitswertlücke.
  • Die pragmatische Präsuppositionstheorie versucht die Präsupposition vom Sprachgebrauch her zu erfassen. Es geht nach ihr nicht um die Frage des Wahrheitsgehaltes einer Aussage, sondern darum, ob eine Äußerung dem den Gesprächspartnern bekannten Weltwissen angemessen ist[10].

Im Hinblick darauf wird auch zwischen zeichengebundenen Präsuppositionen (als Teil der Semantik) und gebrauchsgebundenen (pragmatischen) Präsuppositionen (als Teil der Pragmatik) unterschieden. Letztere sollen nicht textgebunden sein und den Adressaten zwingen, „Informationen aus dem eigenen Weltwissen zu ergänzen“[11].

Differenzierung nach Rescher

Nach Nicholas Rescher[12] trägt ein Satz drei Präsuppositionen: dass er sinnvoll ist, dass er möglich ist und dass er wahr ist. So setzt der Satz „Schmidt hat dieses Verbrechen begangen“ z. B. voraus, dass Schmidt überhaupt ein handlungsfähiges Subjekt ist und dass die Handlung, mit der auf ‚dieses‘ verwiesen wird, tatsächlich ein Verbrechen ist (Sinn), dass Schmidt überhaupt in der Lage war, die Handlung zu begehen (Möglichkeit), und dass er es tatsächlich getan hat (Wahrheit).[13]

Präsuppositionsauslöser (Präsuppositionstrigger)

Präsuppositionsauslöser (auch: Präsuppositionstrigger, Trigger) sind Ausdrücke, die Präsuppositionen auslösen.

Im Deutschen gehören unter anderem dazu:[14]

  • faktive Verben: Beispiel: Der Satz „A hat nicht vergessen, dass B geschieht“ präsupponiert, dass B geschieht.
  • implikative Verben: Beispiel: Der Satz „Der Politiker hat die Wahl nicht gewonnen“ setzt voraus, dass der Politiker kandidiert hat.
  • Verben der Zustandsveränderung: Beispiel: Der Satz „A hat aufgehört zu rauchen“ präsupponiert, dass A zuvor geraucht hat.
  • Spaltsätze: Der Satz „Es war nicht A, der B ermordet hat“ setzt voraus, dass B ermordet wurde.