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„Empirie“ – Versionsunterschied

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empir + ie | f. ‘Erfahrung, auf Beobachtung der Tatsachen beruhende Erkenntnismethode’, entlehnt (Mitte 18. Jh.) aus spätlat. ''empīria'', griech. ''empeiría'' (''ἐμπειρία'') ‘Erfahrung, durch Erfahrung gewonnene Einsicht, Kenntnis’, im Griech. besonders von der Praxis der empirischen Ärzteschule.
[[empir-]][[-ie]] [[Sprachstufe::agr.-lat.-deu.]] f. [[wtl.-sgm.]] '[[Erfahrung|Erfahrung']], -pir- ist eng [[vwdt.]], nahezu gleichbedeutend zu ''[[per-]]'' u. ''[[fahr]]''
 
‘Erfahrung, auf Beobachtung der Tatsachen beruhende Erkenntnismethode’, entlehnt (Mitte 18. Jh.) aus spätlat. ''[[empīria]]'', griech. ''[[empeiríā]]'' (''ἐμπειρία'') ‘Erfahrung, durch Erfahrung gewonnene Einsicht, Kenntnis’, im Griech. besonders von der Praxis der empirischen Ärzteschule.
 
= <span class="mw-page-title-main">Empirie</span> =[[Datei:Induktion-Deduktion.svg|mini|Empirie als ein Pol der wissenschaftlichen Erkenntnis]]
Die '''Empirie''' [<span class="navigation-not-searchable"><span class="IPA">[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IPA-Zeichen <span title="Aussprache im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA)">ɛmpiˈʀiː</span>]</span></span>] (vom agr. ἐμπειρία [[empeiríā]] [<span class="navigation-not-searchable"><span class="IPA">[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IPA-Zeichen <span title="Aussprache im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA)">embiría</span>]</span></span>], deutsch ‚sinnlich verinnerlichte [https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrung Erfahrung], ästhetisch erschlossenes [https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrungswissen Erfahrungswissen]‘) ist Erfahrungswissen.
 
Im Gegensatz oder Unterschied zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie Theorie] kann auch Erfahrung als Grundlage des Wissens<ref><span class="reference-text">Lexikon der Philosophie, Reclam, 2009 -2011, S. 73.</span></ref> dienen. Der Bereich wissenschaftlicher Forschung, der mit Beobachtung, Messung oder Experiment – also mit der Gewinnung von Daten – befasst ist,<ref><span class="reference-text">Empirie - Lexikon der Biologie (spektrum.de)30.11.2022.</span></ref> bildet die wissenschaftliche Verwertbarkeit des Erfahrungswissens als empirische Methode. Sie beruht auf der systematischen und zielorientierten Gewinnung von Daten. Durch das systematische Vorgehen wird sichergestellt, dass diese Daten ‚objektiv‘ sind; unter den gleichen Bedingungen können sie immer wieder gleich gewonnen werden. Der planmäßigen, instrumentell unterstützten Beobachtung, dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Experiment Experiment], kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.
 
Empirisch sind Erkenntnisse dann, wenn sie auf Sinneserfahrungen beruhen oder ihre Quellen in der Erfahrung haben.<ref><span class="reference-text">Grundbegriffe der Philosophie, Vandenhoeck & Ruprecht Verlage, 2003, S. 319.</span></ref>
 
In der Wissenschaft wird das auf dem Wege der Empirie gewonnene und beruhende Erfahrungswissen als empirische Wissenschaft (Erfahrungswissenschaft) bezeichnet. Sie gewinnt also ihre Sätze nicht durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Deduktion Deduktion] aus Hypothesen, sondern durch auf Beobachtungen gegründete Erfahrung. Theorien bedürfen generell einer Überprüfung durch Erfahrungen. Dazu werden aus der Theorie Vorhersagen abgeleitet (Deduktion und Induktion). Ob sich auf die Erfahrung gründende Erkenntnis durch eine Logik der [https://de.wikipedia.org/wiki/Induktion_(Philosophie) Induktion] verifizieren lässt oder ob sie bloß [https://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikation falsifizierbar] ist, wird in der Wissenschaftstheorie untersucht.<ref><span class="reference-text">Brockhaus Enzyklopädie, Empirismus; Band 6, 19 Auflage; S. 356.</span></ref>
 
 
 
Auch die empirische Wissenschaft nutzt die systematische, methodenorientierte Erhebung und Interpretation von Daten über Gegebenheiten, Phänomene und Vorgänge in den jeweiligen Forschungsgebieten.<div class="mw-heading mw-heading2">
== Empirische Forschung und alltägliche Erfahrung ==
</div><p>Empirische Forschung findet simuliert im [https://de.wikipedia.org/wiki/Labor Labor] oder direkt im Feld statt. Die direkte [https://de.wikipedia.org/wiki/Feldforschung Feldforschung] unterscheidet sich von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Lebenswelt lebensweltlichen]Alltagserfahrung durch die Systematik des Vorgehens&nbsp;– man spricht auch von der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erhebung_(Empirie) Erhebung] von Daten. Dazu kommen die Forderungen nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Objektivit%C3%A4t Objektivität] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Reproduzierbarkeit Wiederholbarkeit] der Beobachtungen, die an Alltagserfahrungen in dieser Form nicht gestellt wird.</p><p>In den [https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrungswissenschaft Erfahrungswissenschaften] dienen empirische Beobachtungen dazu, theoretische Annahmen über die Welt zu überprüfen. Ob darüber hinaus [https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie Theorien]anhand empirischer Daten entwickelt werden können, ist teilweise strittig.<ref><span class="reference-text">Udo Kelle: ''Empirisch begründete Theoriebildung.'' Deutscher Studienverlag, Weinheim <sup>2</sup>1997.</span></ref> Das genaue Verhältnis von Empirie und Theorie wird in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftstheorie Wissenschafts]- und allgemeiner in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie Erkenntnistheorie] behandelt und ist hier Gegenstand zahlreicher philosophischer Kontroversen.<ref><span class="reference-text">Kurt Eberhard: ''Einführung in die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie.'' Kohlhammer, Stuttgart 1999, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3170154869 ISBN 3-17-015486-9].</span></ref> Es gibt in der Wissenschaft keine einheitliche Meinung, ob sich theoretische Aussagen empirisch sicher [https://de.wikipedia.org/wiki/Verifizierung bestätigen] oder nur prinzipiell [https://de.wikipedia.org/wiki/Falsifizierung widerlegen] lassen.<ref><span class="reference-text">Winfried Stier: ''Empirische Forschungsmethoden.'' Springer, Berlin 1999. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3540652957 ISBN 3-540-65295-7], S.&nbsp;5&nbsp;ff.</span></ref></p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Geschichte ==
</div><div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" role="presentation" aria-hidden="true">→ </span>''<span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: [https://de.wikipedia.org/wiki/Empirismus Empirismus]''</div><p>Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Sp%C3%A4tmittelalter Spätmittelalter] und in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChneuzeit Frühneuzeit] erhoben Naturforscher den Anspruch, dass sie aufgrund ihres empirischen Forschens zu neuen Einsichten gelangt seien. Der Empirismus ist eine im 17.&nbsp;Jahrhundert entstandene, ursprünglich auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Bacon Francis Bacon] und [https://de.wikipedia.org/wiki/David_Hume David Hume] zurückgehende philosophische Strömung, die die generelle Abhängigkeit allen Wissens von der Erfahrung betont.<ref><span class="reference-text">Günter Gawlik (Hrsg.): ''Geschichte der Philosophie in Text und Darstellung.'' Bd.&nbsp;4: ''Empirismus.'' Reclam, Stuttgart 1980.</span></ref></p><p>Der Anspruch war oft mit Polemik gegen andere Forscher verbunden, denen unterstellt wurde, dass sie sich auf überlieferte und kirchlich sanktionierte Autoritäten wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] verließen, also auf die [https://de.wikipedia.org/wiki/Tradition Tradition]. Diese Vorstellung wurde von Wissenschaftshistorikern übernommen, indem diese die Fortschritte auf die empirische Ausrichtung innovativer Forscher zurückführten und die Gegnerschaft zu ihren Ansichten auf ein Verhaftetsein in der Tradition. Diese vereinfachende Vorstellung wird beispielsweise von [https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Graf-Stuhlhofer Franz Graf-Stuhlhofer] kritisiert, unter Hinweis darauf, dass naturwissenschaftliche Fortschritte oft mit einem komplexeren Zusammenspiel von Empirie und Tradition verbunden waren.<ref><span class="reference-text">Franz Graf-Stuhlhofer: ''Tradition(en) und Empirie in der frühneuzeitlichen Naturforschung.'' In: Helmuth Grössing, Kurt Mühlberger (Hrsg.): ''Wissenschaft und Kultur an der Zeitenwende.'' (Schriften des Archivs der Universität Wien; 15). V&R unipress, Göttingen 2012, S. 63–80.</span></ref></p><p>Radikale Spielarten des Empirismus (etwa die von [https://de.wikipedia.org/wiki/John_Locke John Locke] vertretene Position) begreifen den menschlichen Verstand als ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Tabula_rasa tabula rasa]'', in dem Wissen erst durch Sinneserfahrungen entstehen könne („Nichts ist im Intellekt, was nicht vorher in den Sinnen gewesen ist.“). Philosophische Gegenargumente zu dieser Position wurden von den Vertretern des [https://de.wikipedia.org/wiki/Rationalismus Rationalismus], etwa von [https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Descartes René Descartes] formuliert, der auf die grundlegende Fehlbarkeit der Sinne hingewiesen hat. Letzten Endes sind sich klassische Positionen des Rationalismus und des Empirismus in ihrer Ablehnung der Tradition als Quelle eines unfehlbaren und abgeschlossenen Kanons des Wissbaren jedoch einig.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] hat sich in der ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft Kritik der reinen Vernunft]'' um eine Überwindung des Gegensatzes zwischen Empirismus und Rationalismus bemüht, indem er [https://de.wikipedia.org/wiki/Raum_(Physik) Raum] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeit Zeit] als Anschauungsformen deutete und diese ebenso wie Kategorien (z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Kausalit%C3%A4t Kausalität]) als vor aller Erfahrung im Verstand gegebene Vorstellungen ([https://de.wikipedia.org/wiki/A_priori a priori]) postuliert hat.</p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Empirische Wissenschaften ==
s. [[Empirische Wissenschaften]]
</div><p></p><div class="mw-heading mw-heading2">
== Empirische Spezialgebiete ==
</div>
*Naturwissenschaften wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Physik Physik], [https://de.wikipedia.org/wiki/Chemie Chemie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Biologie Biologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychologie Psychologie]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Empirische_Literaturwissenschaft Empirische Literaturwissenschaft]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Empirische_Kommunikationsforschung Empirische Kommunikationsforschung]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Volkskunde Empirische Kulturwissenschaft]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Empirische_P%C3%A4dagogik Empirische Pädagogik]
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Empirische_Wirtschaftswissenschaft&action=edit&redlink=1 Empirische Wirtschaftswissenschaft]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Empirische_Sozialforschung Empirische Sozialforschung] (siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Soziologie_und_empirische_Forschung Soziologie und empirische Forschung], [https://de.wikipedia.org/wiki/Beobachtung Beobachtung])
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Siehe auch ==
</div>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Deduktion Deduktion]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Induktion_(Philosophie) Induktion (Philosophie)]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Logischer_Empirismus Logischer Empirismus]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Positivismus Positivismus]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Realwissenschaft Realwissenschaft]
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Literatur ==
</div>
*Kurt Eberhard: ''Einführung in die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie.'' 2. erweiterte Auflage, Kohlhammer, Stuttgart 1997, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3170154869 ISBN 3-17-015486-9].
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Alan_F._Chalmers Alan F. Chalmers]: ''Wege der Wissenschaft: Einführung in die Wissenschaftstheorie.'' 6. Auflage, Springer, Berlin 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783540494904 ISBN 978-3-540-49490-4].
*[https://portal.dnb.de/opac.htm?query=%22empirische+Wissenschaft%22&method=simpleSearch Literatur in der Deutschen Nationalbibliothek]
*[http://kvk.ubka.uni-karlsruhe.de/hylib-bin/kvk/nph-kvk2.cgi?maske=kvk-last&title=UB+Karlsruhe%3A+Karlsruher+Virtueller+Katalog+KVK+%3A+Ergebnisanzeige&header=http%3A%2F%2Fwww.ubka.uni-karlsruhe.de%2Fkvk%2Fkvk%2Fkvk-header_de_2007_11_20.html&spacer=http%3A%2F%2Fwww.ubka.uni-karlsruhe.de%2Fkvk%2Fkvk%2Fkvk-spacer_de_2007_07.html&footer=http%3A%2F%2Fwww.ubka.uni-karlsruhe.de%2Fkvk%2Fkvk%2Fkvk-footer_de_2008_01.html&css=http%3A%2F%2Fwww.ubka.uni-karlsruhe.de%2Fkvk%2Fkvk%2Fkvk-neu2.css&input-charset=utf-8&kvk-session=OMIHDMD4&ALL=%22empirische+Wissenschaft%22&TI=&PY=&AU=&SB=&CI=&SS=&ST=&PU=&VERBUENDE=&kataloge=SWB&kataloge=BVB&kataloge=NRW&kataloge=HEBIS&kataloge=HEBIS_RETRO&kataloge=KOBV&kataloge=GBV&kataloge=DDB&OESTERREICH=&kataloge=BIBOPAC&kataloge=LBOE&kataloge=OENB_1501&kataloge=OENB_1930&kataloge=OENB_1992&kataloge=OENB_MUSIK&SCHWEIZ=&kataloge=HELVETICAT&kataloge=BASEL&kataloge=ZUERICH&kataloge=ETH&kataloge=VKCH_RERO&target=_blank&Timeout=120&inhibit_redirect=1 Literatur zur empirischen Wissenschaft in der Karlsruher Virtuellen Bibliothek]
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Weblinks ==
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]]
</div><div class="sisterproject"><span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Empirie Wiktionary: Empirie]'''&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
*[https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=4152104-3 Literatur über Empirie] im Katalog der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Nationalbibliothek Deutschen Nationalbibliothek]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Eisler_(Philosoph) Rudolf Eisler]: [http://www.textlog.de/3915.html Empirisch], in: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, 1904
<div class="mw-heading mw-heading2">
== Einzelnachweise ==
</div>

Aktuelle Version vom 2. April 2026, 07:52 Uhr

empir--ie agr.-lat.-deu. f. wtl.-sgm. 'Erfahrung', -pir- ist eng vwdt., nahezu gleichbedeutend zu per- u. fahr

‘Erfahrung, auf Beobachtung der Tatsachen beruhende Erkenntnismethode’, entlehnt (Mitte 18. Jh.) aus spätlat. empīria, griech. empeiríā (ἐμπειρία) ‘Erfahrung, durch Erfahrung gewonnene Einsicht, Kenntnis’, im Griech. besonders von der Praxis der empirischen Ärzteschule.

= Empirie =

Empirie als ein Pol der wissenschaftlichen Erkenntnis

Die Empirie [ɛmpiˈʀiː] (vom agr. ἐμπειρία empeiríā [embiría], deutsch ‚sinnlich verinnerlichte Erfahrung, ästhetisch erschlossenes Erfahrungswissen‘) ist Erfahrungswissen.

Im Gegensatz oder Unterschied zur Theorie kann auch Erfahrung als Grundlage des Wissens[1] dienen. Der Bereich wissenschaftlicher Forschung, der mit Beobachtung, Messung oder Experiment – also mit der Gewinnung von Daten – befasst ist,[2] bildet die wissenschaftliche Verwertbarkeit des Erfahrungswissens als empirische Methode. Sie beruht auf der systematischen und zielorientierten Gewinnung von Daten. Durch das systematische Vorgehen wird sichergestellt, dass diese Daten ‚objektiv‘ sind; unter den gleichen Bedingungen können sie immer wieder gleich gewonnen werden. Der planmäßigen, instrumentell unterstützten Beobachtung, dem Experiment, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.

Empirisch sind Erkenntnisse dann, wenn sie auf Sinneserfahrungen beruhen oder ihre Quellen in der Erfahrung haben.[3]

In der Wissenschaft wird das auf dem Wege der Empirie gewonnene und beruhende Erfahrungswissen als empirische Wissenschaft (Erfahrungswissenschaft) bezeichnet. Sie gewinnt also ihre Sätze nicht durch Deduktion aus Hypothesen, sondern durch auf Beobachtungen gegründete Erfahrung. Theorien bedürfen generell einer Überprüfung durch Erfahrungen. Dazu werden aus der Theorie Vorhersagen abgeleitet (Deduktion und Induktion). Ob sich auf die Erfahrung gründende Erkenntnis durch eine Logik der Induktion verifizieren lässt oder ob sie bloß falsifizierbar ist, wird in der Wissenschaftstheorie untersucht.[4]


Auch die empirische Wissenschaft nutzt die systematische, methodenorientierte Erhebung und Interpretation von Daten über Gegebenheiten, Phänomene und Vorgänge in den jeweiligen Forschungsgebieten.

Empirische Forschung und alltägliche Erfahrung

Empirische Forschung findet simuliert im Labor oder direkt im Feld statt. Die direkte Feldforschung unterscheidet sich von der lebensweltlichenAlltagserfahrung durch die Systematik des Vorgehens – man spricht auch von der Erhebung von Daten. Dazu kommen die Forderungen nach Objektivität und Wiederholbarkeit der Beobachtungen, die an Alltagserfahrungen in dieser Form nicht gestellt wird.

In den Erfahrungswissenschaften dienen empirische Beobachtungen dazu, theoretische Annahmen über die Welt zu überprüfen. Ob darüber hinaus Theorienanhand empirischer Daten entwickelt werden können, ist teilweise strittig.[5] Das genaue Verhältnis von Empirie und Theorie wird in der Wissenschafts- und allgemeiner in der Erkenntnistheorie behandelt und ist hier Gegenstand zahlreicher philosophischer Kontroversen.[6] Es gibt in der Wissenschaft keine einheitliche Meinung, ob sich theoretische Aussagen empirisch sicher bestätigen oder nur prinzipiell widerlegen lassen.[7]

Geschichte

Im Spätmittelalter und in der Frühneuzeit erhoben Naturforscher den Anspruch, dass sie aufgrund ihres empirischen Forschens zu neuen Einsichten gelangt seien. Der Empirismus ist eine im 17. Jahrhundert entstandene, ursprünglich auf Francis Bacon und David Hume zurückgehende philosophische Strömung, die die generelle Abhängigkeit allen Wissens von der Erfahrung betont.[8]

Der Anspruch war oft mit Polemik gegen andere Forscher verbunden, denen unterstellt wurde, dass sie sich auf überlieferte und kirchlich sanktionierte Autoritäten wie Aristoteles verließen, also auf die Tradition. Diese Vorstellung wurde von Wissenschaftshistorikern übernommen, indem diese die Fortschritte auf die empirische Ausrichtung innovativer Forscher zurückführten und die Gegnerschaft zu ihren Ansichten auf ein Verhaftetsein in der Tradition. Diese vereinfachende Vorstellung wird beispielsweise von Franz Graf-Stuhlhofer kritisiert, unter Hinweis darauf, dass naturwissenschaftliche Fortschritte oft mit einem komplexeren Zusammenspiel von Empirie und Tradition verbunden waren.[9]

Radikale Spielarten des Empirismus (etwa die von John Locke vertretene Position) begreifen den menschlichen Verstand als tabula rasa, in dem Wissen erst durch Sinneserfahrungen entstehen könne („Nichts ist im Intellekt, was nicht vorher in den Sinnen gewesen ist.“). Philosophische Gegenargumente zu dieser Position wurden von den Vertretern des Rationalismus, etwa von René Descartes formuliert, der auf die grundlegende Fehlbarkeit der Sinne hingewiesen hat. Letzten Endes sind sich klassische Positionen des Rationalismus und des Empirismus in ihrer Ablehnung der Tradition als Quelle eines unfehlbaren und abgeschlossenen Kanons des Wissbaren jedoch einig.

Immanuel Kant hat sich in der Kritik der reinen Vernunft um eine Überwindung des Gegensatzes zwischen Empirismus und Rationalismus bemüht, indem er Raum und Zeit als Anschauungsformen deutete und diese ebenso wie Kategorien (z. B. Kausalität) als vor aller Erfahrung im Verstand gegebene Vorstellungen (a priori) postuliert hat.

Empirische Wissenschaften

s. Empirische Wissenschaften

Empirische Spezialgebiete

Siehe auch

Literatur

Wiktionary: Empirie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Lexikon der Philosophie, Reclam, 2009 -2011, S. 73.
  2. ↑ Empirie - Lexikon der Biologie (spektrum.de)30.11.2022.
  3. ↑ Grundbegriffe der Philosophie, Vandenhoeck & Ruprecht Verlage, 2003, S. 319.
  4. ↑ Brockhaus Enzyklopädie, Empirismus; Band 6, 19 Auflage; S. 356.
  5. ↑ Udo Kelle: Empirisch begründete Theoriebildung. Deutscher Studienverlag, Weinheim 21997.
  6. ↑ Kurt Eberhard: Einführung in die Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie. Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 3-17-015486-9.
  7. ↑ Winfried Stier: Empirische Forschungsmethoden. Springer, Berlin 1999. ISBN 3-540-65295-7, S. 5 ff.
  8. ↑ Günter Gawlik (Hrsg.): Geschichte der Philosophie in Text und Darstellung. Bd. 4: Empirismus. Reclam, Stuttgart 1980.
  9. ↑ Franz Graf-Stuhlhofer: Tradition(en) und Empirie in der frühneuzeitlichen Naturforschung. In: Helmuth Grössing, Kurt Mühlberger (Hrsg.): Wissenschaft und Kultur an der Zeitenwende. (Schriften des Archivs der Universität Wien; 15). V&R unipress, Göttingen 2012, S. 63–80.