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[[ar]] + [[-g]] | ‘schlimm, böse, bösartig’, als Verstärkung ‘sehr, groß, stark’, ahd. ''arg'' ‘(moralisch) verderbt, schlecht, böse’, auch ‘feige, unzüchtig, geizig’ (8. Jh.), mhd. ''arc'' ‘nichtswürdig, böse’, mnd. mnl. ''arch'' ‘böse, schlimm’, aengl. ''earg'' ‘feige, träge, böse’, anord. ''argr'', daneben mit Metathese ''ragr'' ‘feige, unmännlich, unsittlich’, sowie langobard. ''arg''.<p>Ausgangspunkt ist die Bedeutung ‘feige’, in der ger. ''*arga-'' als ''arka'' bzw. ''arg'' ins Finn. und Estn. entlehnt wird. Für die Ausgangsbedeutung ‘feige’ spricht auch die etymologische Herleitung.</p><p>Im Sinne von ‘angstbebend, zitternd’ gehört das Egsw. zu uig. ''*ergh-'' ‘schütteln, erregen, beben’, Erweiterung der Ww. uig. ''*er-'' ‘sich in Bewegung setzen, erregen’ (s. ''reiten'', ''Ernst'');</p><p>vgl. grie. ''orché͞isthai'' (''ὀρχεῖσθαι'') ‘beben, hüpfen, tanzen’, aind. ''ṛghāyáti'' ‘bebt, tobt, rast’.</p> | |||
Heute begegnet ''arg'' vornehmlich als Ausdruck der Verstärkung (''eine arge Enttäuschung'', ''es hat mich arg gefreut''). | |||
< | arge,agren,arger,arges | ||
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< | == Arg == | ||
<p>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-01-0424 [424]] '''Arg''', ärger, ärgste, ''adj. et adv.'' welches in seinen meisten Bedeutungen den Gegensatz von dem was gut ist, ausdrucket. Es bedeutet aber,</p><p class="zenoPLm4n0">1. * Im physischen Verstande, was seiner Bestimmung nicht gemäß ist, schlecht. Diese Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet; indessen kommt sie doch in den ältern und mittlern Zeiten nicht selten vor. ''Ist daz vih erger uuorden,'' ist das Vieh ärger oder schlechter worden, heißt es z. B im Schwabenspiegel Kap. 312, 22. Ein fauler Baum bringet arge Früchte; ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, Matth. 7, 17, 18. Dahin gehöret auch die ärgere Hand, die schlechtere Beschaffenheit einer Person oder Sache, eigentlich wohl die linke Hand, welche von je her für schlechter gehalten wurde, als die rechte. So sagte man ehedem in den Rechten von einem Kinde, dessen Mutter dem Vater an die linke Hand getrauet worden, daß es die ärgere Hand habe. In Westphalen wird arg noch jetzt für schlecht gebraucht. In figürlicher Bedeutung bezeichnete ''Arga'' bey den Longobarden so wohl feige, zaghaft, als auch einen gutwilligen Hahurey, und vornehmlich einen solchen, der es aus Zagheit ist, S. du Fresne ''v. Arga,'' so wie man noch jetzt einen verzagten und niederträchtigen Menschen einen schlechten Menschen zu nennen pfleget. Für zaghaft kommt arg und erg auch bey den Schwäbischen Dichtern vor.</p><br><p class="zenoLY">''Si begunden rehte greinen''</p><p class="zenoLY">''Geleich den argen hunden,''</p><p>d.i. Sie fingen an zu heulen gleich den feigen Hunden, heißt es bey dem Stryker, Kap. 6. Abschn. 19.</p><p class="zenoPLm4n0">2. Sittlich böse, uns und andern Nachtheil bringend. Arge Gedanken von einem hegen. Etwas zum ärgsten deuten. Arges von einem denken. Ich habe nichts Arges, keine böse Absicht, darunter. Machen sie sich keine arge Gedanken. Ich meine es so arg nicht. Die Zeiten werden je länger je ärger. Übel ärger machen, im gemeinen Leben, es noch schlimmer machen. Was das ärgste bey der ganzen Sache ist, so u.s.f. Er macht es mir zu arg. Die Menschen selber sind der Menschen ärgste Feinde, Haged.</p><p class="zenoPLm4n0">3. Den göttlichen Gesetzen zuwider, lasterhaft. Diese arge Welt. Wer arges thut, der hasset das Licht. Die Welt liegt im Argen. So denn ihr, die ihr doch arg seyd u.s.f. Matth. 7, 11. Durch arges Thun und Denken, Opitz. Ingleichen boßhaft, nicht nur selbst böse, sondern auch andern zu schaden bedacht. In diesem Verstande wird der Teufel in der biblischen Schreibart zuweilen der Arge genannt.</p><p class="zenoPLm4n0">4. In einer gelindern Bedeutung, aus Muthwillen andern zu schaden geneigt, muthwillig, leichtfertig. Er ist arg genug dazu. Sie sind auch gar zu arg. Sprichw. Je ärger Schelm je besser Glück.</p><p class="zenoPLm4n0">5. '''†''' Scharf, im moralischen Verstande, strenge. Er verfähret zu arg mit uns, zu strenge. Er verdiente wohl noch ärgere Verweise. Eine arge Frau, bedeutet in Niedersachsen eine Frau, die mit ihren Untergebenen streng und gebietherisch verfähret.</p><div class="zenoCOAdRight"><br></div><p class="zenoPLm4n0">6. Groß, wichtig, gefährlich, nicht allein von nachtheiligen, sondern oft auch von gleichgültigen Dingen. Er beschreibt es sehr arg, sehr wichtig. Er macht alles ärger, als es ist, größer. Sie fordern dafür zehn Thaler? das ist zu arg. Denn der Lappe reißet doch wieder von dem Kleide und der Riß wird ärger, größer, Matth. 9,16.</p><p class="zenoPLm4n0">Anm. Die erste Bedeutung dieses Wortes ist im Hochdeutschen völlig veraltet; die zweyte ist im gemeinen Leben häufig; die dritte ist mehr biblisch und Oberdeutsch, und die drey folgenden[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-01-0424 [424]] kommen im täglichen Umgange nicht selten vor. Das hohe Alter dieses Wortes macht dessen Abstammung zweifelhaft. Wachters Ableitung von dem ''a''intensivo und ''Rug,'' Rücken, gleichsam verkehrt, wozu ihn das ''arug, perversus,'' in Lipsii Glossen, und das Goth. ''arugo,'' welches bey dem Ulphilas Joh. 15, 25. für ''gratis,''umsonst, vorkommt, verleitet haben mag, ist äußerst unwahrscheinlich. So fern arg, träge, faul bedeutet, kommt es mit dem Griech. αργος, welches man gemeiniglich von dem α privat. und εργος, ein Werk ableitet, sehr deutlich überein. In den Monseeischen Glossen wird arg auch durch zähe, geitzig erkläret. Das Hauptwort Arge und Erge findet sich bey dem Notker, in den Monseeischen Glossen, und bey dem Jeroschin für Verbrechen, Ärgerniß, Geitz, und Böses überhaupt. In den spätern Zeiten ist dafür Argheit üblich geworden, welches in einigen Oberdeutschen Gegenden noch bekannt ist. Übrigens wird das g in diesem Worte in Schlesien und andern Gegenden irrig wie ein k ausgesprochen, und auf stark gereimt.</p></div><div class="zenoCOFooter"><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Quelle:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 424-425.</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Permalink:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/nid/20000029491 http://www.zeno.org/nid/20000029491]</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Lizenz:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Faksimiles:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-01-0424 424] | [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-01-0425 425]</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Kategorien:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]</div></div></div> | |||
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Aktuelle Version vom 8. Januar 2024, 06:40 Uhr
ar + -g | ‘schlimm, böse, bösartig’, als Verstärkung ‘sehr, groß, stark’, ahd. arg ‘(moralisch) verderbt, schlecht, böse’, auch ‘feige, unzüchtig, geizig’ (8. Jh.), mhd. arc ‘nichtswürdig, böse’, mnd. mnl. arch ‘böse, schlimm’, aengl. earg ‘feige, träge, böse’, anord. argr, daneben mit Metathese ragr ‘feige, unmännlich, unsittlich’, sowie langobard. arg.
Ausgangspunkt ist die Bedeutung ‘feige’, in der ger. *arga- als arka bzw. arg ins Finn. und Estn. entlehnt wird. Für die Ausgangsbedeutung ‘feige’ spricht auch die etymologische Herleitung.
Im Sinne von ‘angstbebend, zitternd’ gehört das Egsw. zu uig. *ergh- ‘schütteln, erregen, beben’, Erweiterung der Ww. uig. *er- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’ (s. reiten, Ernst);
vgl. grie. orché͞isthai (ὀρχεῖσθαι) ‘beben, hüpfen, tanzen’, aind. ṛghāyáti ‘bebt, tobt, rast’.
Heute begegnet arg vornehmlich als Ausdruck der Verstärkung (eine arge Enttäuschung, es hat mich arg gefreut).
arge,agren,arger,arges
Arg
[424] Arg, ärger, ärgste, adj. et adv. welches in seinen meisten Bedeutungen den Gegensatz von dem was gut ist, ausdrucket. Es bedeutet aber,
1. * Im physischen Verstande, was seiner Bestimmung nicht gemäß ist, schlecht. Diese Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet; indessen kommt sie doch in den ältern und mittlern Zeiten nicht selten vor. Ist daz vih erger uuorden, ist das Vieh ärger oder schlechter worden, heißt es z. B im Schwabenspiegel Kap. 312, 22. Ein fauler Baum bringet arge Früchte; ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen, Matth. 7, 17, 18. Dahin gehöret auch die ärgere Hand, die schlechtere Beschaffenheit einer Person oder Sache, eigentlich wohl die linke Hand, welche von je her für schlechter gehalten wurde, als die rechte. So sagte man ehedem in den Rechten von einem Kinde, dessen Mutter dem Vater an die linke Hand getrauet worden, daß es die ärgere Hand habe. In Westphalen wird arg noch jetzt für schlecht gebraucht. In figürlicher Bedeutung bezeichnete Arga bey den Longobarden so wohl feige, zaghaft, als auch einen gutwilligen Hahurey, und vornehmlich einen solchen, der es aus Zagheit ist, S. du Fresne v. Arga, so wie man noch jetzt einen verzagten und niederträchtigen Menschen einen schlechten Menschen zu nennen pfleget. Für zaghaft kommt arg und erg auch bey den Schwäbischen Dichtern vor.
Si begunden rehte greinen
Geleich den argen hunden,
d.i. Sie fingen an zu heulen gleich den feigen Hunden, heißt es bey dem Stryker, Kap. 6. Abschn. 19.
2. Sittlich böse, uns und andern Nachtheil bringend. Arge Gedanken von einem hegen. Etwas zum ärgsten deuten. Arges von einem denken. Ich habe nichts Arges, keine böse Absicht, darunter. Machen sie sich keine arge Gedanken. Ich meine es so arg nicht. Die Zeiten werden je länger je ärger. Übel ärger machen, im gemeinen Leben, es noch schlimmer machen. Was das ärgste bey der ganzen Sache ist, so u.s.f. Er macht es mir zu arg. Die Menschen selber sind der Menschen ärgste Feinde, Haged.
3. Den göttlichen Gesetzen zuwider, lasterhaft. Diese arge Welt. Wer arges thut, der hasset das Licht. Die Welt liegt im Argen. So denn ihr, die ihr doch arg seyd u.s.f. Matth. 7, 11. Durch arges Thun und Denken, Opitz. Ingleichen boßhaft, nicht nur selbst böse, sondern auch andern zu schaden bedacht. In diesem Verstande wird der Teufel in der biblischen Schreibart zuweilen der Arge genannt.
4. In einer gelindern Bedeutung, aus Muthwillen andern zu schaden geneigt, muthwillig, leichtfertig. Er ist arg genug dazu. Sie sind auch gar zu arg. Sprichw. Je ärger Schelm je besser Glück.
5. † Scharf, im moralischen Verstande, strenge. Er verfähret zu arg mit uns, zu strenge. Er verdiente wohl noch ärgere Verweise. Eine arge Frau, bedeutet in Niedersachsen eine Frau, die mit ihren Untergebenen streng und gebietherisch verfähret.
6. Groß, wichtig, gefährlich, nicht allein von nachtheiligen, sondern oft auch von gleichgültigen Dingen. Er beschreibt es sehr arg, sehr wichtig. Er macht alles ärger, als es ist, größer. Sie fordern dafür zehn Thaler? das ist zu arg. Denn der Lappe reißet doch wieder von dem Kleide und der Riß wird ärger, größer, Matth. 9,16.
Anm. Die erste Bedeutung dieses Wortes ist im Hochdeutschen völlig veraltet; die zweyte ist im gemeinen Leben häufig; die dritte ist mehr biblisch und Oberdeutsch, und die drey folgenden[424] kommen im täglichen Umgange nicht selten vor. Das hohe Alter dieses Wortes macht dessen Abstammung zweifelhaft. Wachters Ableitung von dem aintensivo und Rug, Rücken, gleichsam verkehrt, wozu ihn das arug, perversus, in Lipsii Glossen, und das Goth. arugo, welches bey dem Ulphilas Joh. 15, 25. für gratis,umsonst, vorkommt, verleitet haben mag, ist äußerst unwahrscheinlich. So fern arg, träge, faul bedeutet, kommt es mit dem Griech. αργος, welches man gemeiniglich von dem α privat. und εργος, ein Werk ableitet, sehr deutlich überein. In den Monseeischen Glossen wird arg auch durch zähe, geitzig erkläret. Das Hauptwort Arge und Erge findet sich bey dem Notker, in den Monseeischen Glossen, und bey dem Jeroschin für Verbrechen, Ärgerniß, Geitz, und Böses überhaupt. In den spätern Zeiten ist dafür Argheit üblich geworden, welches in einigen Oberdeutschen Gegenden noch bekannt ist. Übrigens wird das g in diesem Worte in Schlesien und andern Gegenden irrig wie ein k ausgesprochen, und auf stark gereimt.