„Modell“ – Versionsunterschied
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'''Modell''' (von {{itS|modello|de=Muster}} entlehnt, das auf {{laS|*modellus|de=Maß}}, Suffixvariante zu {{laS|modulus|de=Maß}}, zurückgeht)<ref>{{Literatur |Autor=Friedrich Kluge |Titel=Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache |Auflage=24., durchges. und erw. Aufl |Verlag=de Gruyter |Ort=Berlin |Datum=2002 |ISBN=978-3-11-017473-1 |Kapitel=Modell |Abruf=}}</ref><ref>{{Literatur |Autor=Ursula Kraif |Titel=Duden - das große Fremdwörterbuch: Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter |Auflage=4., aktualisierte Aufl |Verlag=Dudenverl |Ort=Mannheim |Datum=2007 |ISBN=978-3-411-04164-0 |Seiten=892 |Abruf=}}</ref><ref>C. T. Onions & al., ''The Oxford Dictionary of English Etymology'', Oxford 1966, S. 583.</ref> ist ein Begriff, der sowohl im [[Fachsprache|wissenschaftlichen Sprachgebrauch]] (siehe [[Modell (Wissenschaft)|Modell]]) als auch in der [[Umgangssprache]] unterschiedliche Bedeutungen besitzt; die häufigste ist dabei das Modell als [[Analogie (Philosophie)|analoger]] Realitätsausschnitt.<ref name=":0">{{Literatur |Autor=Peter F. Schlottke |Titel=Modell |Sammelwerk=Dorsch Lexikon der Psychologie |Verlag=Hogrefe |Datum=2021 |Online=https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/modell |Abruf=2024-07-13}}</ref> | |||
In der [[Wissenschaft]] definiert man ein Modell als eine vereinfachte Darstellung eines Originals, die spezifische Eigenschaften hervorhebt und für einen bestimmten Zweck verwendet wird. Modelle dienen dazu, komplexe Sachverhalte zu erklären, zu analysieren oder vorherzusagen. | |||
Nach [[Herbert Stachowiak|Stachowiak]] lassen sich Modelle durch drei grundlegende Merkmale beschreiben, die im Folgenden näher erläutert werden.<ref name=":1">Herbert Stachowiak: ''Allgemeine Modelltheorie''. Springer Verlag, Wien/New York 1973, ISBN 978-3-211-81106-1, S. 128–133.</ref> | |||
Modelle können sowohl statische [[Artefakt|Artefakte]] als auch [[Dynamisches System|dynamische Werkzeuge]] sein, wie [[Ivor Nissen|Nissen]] und [[Bernhard Thalheim|Thalheim]] betonen. Sie werden in Wissenschaft, Technik und Praxis vielfältig eingesetzt.<ref>Ivor Nissen, Bernhard Thalheim (2015): „Modelle, Modellieren, Modellierung – eine Kieler Begriffsbestimmung“. In: Ivor Nissen, Bernhard Thalheim (Hrsg.): „Wissenschaft und Kunst der Modellierung. Kieler Zugang zur Definition, Nutzung und Zukunft“. De Gruyter, Berlin, Boston, S. 29–36.</ref> | |||
Hierbei muss weder die Nachbildung noch der abgebildete [[Gegenstand]] selbst materiell sein, so werden beispielsweise in den [[Geisteswissenschaft]]en manche [[Theorie]]n als Modelle betrachtet.<ref name=":0" /> | |||
Zudem werden gelegentlich weitere Merkmale diskutiert, wie Extension und Distortion<sup>[[:de:Modell#cite_note-2|[2]]<nowiki>]</nowiki></sup> sowie [[:de:Validität|Validität]].<sup>[[:de:Modell#cite_note-3|[3]]<nowiki>]</nowiki></sup> Der amerikanische Wissenschaftsphilosoph [[Michael Weisberg]] unterscheidet auf der obersten Ebene zwischen gegenständlichen (concrete) und mathematischen Modellen und stellt daneben die Computersimulationen (computational models) als eigene Klasse von Modellen auf.<sup>[[:de:Modell#cite_note-4|[4]]<nowiki>]</nowiki></sup> | |||
== Hauptmerkmale == | |||
Ein '''Modell''' ist ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit. Das Abbild kann die Form konkreter Gegenstände haben (Modell-Eisenbahn, Computersimulation u. ä.) oder rein abstrakt dargestellt sein (Theorien; Gleichungen). Nach [[Herbert Stachowiak]] kennzeichnen ein Modell mindestens drei Merkmale:<sup>[[:de:Modell#cite_note-1|[1]]<nowiki>]</nowiki></sup> | |||
# Abbildungsmerkmal: Modelle sind Abbildungen natürlicher oder künstlicher Originale. Sie stellen ein bestimmtes Objekt oder System dar. ''Was und wie wird abgebildet?'' | |||
## Abbildung Ein Modell steht immer ''für etwas'' anderes – nämlich für ein natürliches oder ein künstliches Original, welches es somit abbildet oder repräsentiert. Von Modellen lassen sich ihrerseits Modelle anfertigen, in denen somit das Original z. B. um noch einen Schritt weiter vereinfacht repräsentiert ist. Beispiel für einen partiellen Komplexizitätszuwachs ist die [[:de:Ausschnittvergrößerung|Ausschnittsvergrößerung]] einer [[:de:Technische_Zeichnung|Technischen Zeichnung]]. | |||
# Verkürzungsmerkmal: Modelle sind immer vereinfachte Darstellungen und erfassen nur die für einen bestimmten Zweck relevanten Eigenschaften oder Aspekte eines Originals. ''Wie verkürzt wird das Was abgebildet?'' | |||
## [[Verkürzung]] Ein Modell erfasst nicht alle Attribute des Originals, sondern nur diejenigen, die dem Modellschaffer bzw. Modellnutzer relevant erscheinen. | |||
# Pragmatismusmerkmal: Modelle erfüllen eine spezifische Funktion. Sie sind für bestimmte Zwecke, Benutzergruppen und Zeiträume entwickelt und auf diese begrenzt. ''Für wen, für welchen Zeitraum und für welchen Zweck wird das Was abgebildet?''<ref name=":1" /><ref name=":2" /> | |||
## [[Pragmatismus]] Modelle sind ihren Originalen nicht eindeutig zugeordnet. Sie erfüllen ihre Ersetzungsfunktiona) für bestimmte Subjekte ''(für wen?)''b) innerhalb bestimmter Zeitintervalle ''(wann?)''c) unter Einschränkung auf bestimmte gedankliche oder tatsächliche Operationen ''(wozu?)''. | |||
== Anwendung == | |||
Modelle werden in nahezu allen Bereichen menschlichen Handelns eingesetzt, um komplexe Sachverhalte begreifbar zu machen. Die Einsatzgebiete sind vielfältig: | |||
* Freizeit und Bildung: Puppen, [[Modellbau|Modellfahrzeuge]] sowie [[Lehrmittel|Lehrmodelle]] in der Ausbildung oder dem Gesundheitswesen (z. B. [[Anatomie]]-Modelle). | |||
* Technik und Wirtschaft: | |||
[[Prototyp (Technik)|Prototypen]], Gussmodelle in der [[Industrie]] oder Organisationsmodelle in Verwaltung und Politik. | |||
* [[Wissenschaft]]: | |||
[[Wissenschaftliches Modell|Theoriemodelle]] zur Analyse und Vorhersage von Phänomenen. | |||
== Kritische Begriffsverwendung == | |||
Die Begriffe Modell und Modellierung werden nicht einheitlich und oft auch nicht sinnhaft benutzt, was in folgender Kritik zum Ausdruck kommt:{{Zitat |Text=Im wissenschaftlichen wie außerwissenschaftlichen Sprachgebrauch hat gegenwärtig der Modellbegriff zunehmend Relevanz erlangt [ist Mode geworden]. Bei zahlreichen passenden – leider auch unpassenden – Gelegenheiten ist von „Modellen“ die Rede. Das Wort Modell wird ebenso gedankenlos fehlverwendet, wie man es als bewußt gewählten […] Terminus in Zusammenhängen findet, die das Bestreben erkennen lassen, es mit einer streng expliziten oder wenigstens explizierbaren Bedeutung zu verbinden.|ref=<ref>{{Literatur |Autor=[[Herbert Stachowiak]] |Titel=Allgemeine Modelltheorie |Verlag=Springer |Datum=1973 |Seiten=1 |Kapitel=Einleitung}}</ref>}} | |||
Einige unpassende Begriffsanwendungen existieren seit langem: | |||
* Malerei und Fotografie: Das [[Modell (Kunst)|Modell]] des Malers oder Photographen ist kein Abbild der Wirklichkeit, sondern es ist die Wirklichkeit, die abgebildet wird. | |||
* Gießerei: Das Guss-Modell ist keine Nachbildung, sondern das nachzubildende Objekt. Von ihm werden mithilfe der mit ihm erzeugten negativen [[Gussform|Guss-Form]] i. d. R. beliebig viele Objekte ([[Gießen (Metall)|Guss-Stücke]]) hergestellt. Letztere sind kein reduziertes Abbild, sondern unterscheiden sich vom Guss-Modell i. d. R. nur im Werkstoff, aus dem sie bestehen. | |||
* Konsumgüter: Verschiedene Varianten von Gebrauchs-Produkten werden als verschiedene [[Variante (Produkt)|Modelle]] bezeichnet, obwohl sie gleichbedeutend, nicht einerseits Objekt und andererseits ein davon reduziertes Abbild sind. | |||
== Heuristische Modelle == | |||
In der Wissenschaft werden Modelle (sogenannte [[Heuristik|heuristische]] Modelle) auch angefertigt, bevor die davor stehende Wirklichkeit bekannt oder ausreichend sicher bekannt ist.<ref name=":2">{{Literatur |Autor=[[Herbert Stachowiak]] |Titel=Allgemeine Modelltheorie |Verlag=Springer |Datum=1973 |Seiten=4 |Kapitel=Einleitung}}</ref> Nachträglich als brauchbar erwiesen haben sich z. B. der [[Benzolring]], die [[Doppelhelix]] der [[Desoxyribonukleinsäure|DNS]] und die [[Relativitätstheorie]]. | |||
== Bilder von vorwiegend gegenständlichen Modellen == | |||
… für spielerischen bis wissenschaftlichen Gebrauch | |||
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DD-VM-Modellbahn-2.jpg|Modell-Eisenbahnanlage:<br />enthält auch Modelle von Bauwerken | |||
Den Gamle By - Legetøjsmuseet 08.jpg|Modell-Autos:<br />div. [[Oldtimer]], versch. verkleinert | |||
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Model of the Barbegal mill, Musée de l'Arles antique (15022060149).jpg|Rekonstruktions-Modell einer antiken Anlage aus 16 Wassermühlen ([[Mühlen von Barbegal]]) | |||
Zeughaus Teufen Brueckenmodell Schaffhausen KB-036769.jpg|Nachbau-Modell einer mittelalterlichen Holzbrücke ([[Rheinbrücke Schaffhausen–Feuerthalen|Schaffhausen]], 1799 zerstört) | |||
Koenigliche Saline in Arc-et-Senans Bild4 800px.jpg|Modell einer Industrieanlage (Saline in [[Arc-et-Senans]], nur teilweise gebaut, 18. Jahrh.) | |||
Modell Olympiastadion München (1972) 2.jpg|Prinzip-Modell für die Dächer einer Sportanlage ([[Olympiapark (München)]], in größerem Umfang gebaut, 20. Jahrh.) | |||
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<gallery mode="packed" widths="220" heights="200" style="text-align:center" caption="Modelle in der Bildung"> | |||
File:CVT.Photo.Wide.jpg|Modell eines [[Zugmitteltrieb#Formschlüssige Zugmitteltriebe|Riemengetriebes]],<br />variable [[Übersetzung (Technik)#Das Übersetzungsverhältnis|Übersetzung]] | |||
4-Stroke-Engine.gif|[[Viertaktmotor]]<br />graph. Animation | |||
Dentalni hygiena - pomucky.jpg|Gebiss-Modell<br />für Zahnputz-Unterweisung | |||
Kulturama_-_vertebral_column.jpg|Modell<br />[[Wirbelsäule|Wirbel-<br />säule]] | |||
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Cast02.jpg|[[Metallguss]] rechts: Guss-Modell;<br />links: Guss-Stück (Einguss-Überfluss noch nicht entfernt) | |||
Modell Sülfeld.jpg| Modell einer [[Schiffsschleuse]]<br />Typ [[Sparschleuse]] | |||
2009-12-17-schiffshebewerk-niederfinow-nord-by-RalfR-10.jpg|[[Schiffshebewerk|Schiffs­hebe­werk]]<br />Modell | |||
Trix Twin Railway, Compound,(AC).jpg|Modell einer [[Dampflokomotive]]<br />mit [[Schlepptender]] | |||
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<gallery mode="packed" widths="200" heights="150" style="text-align:center" caption="Modelle in der Wissenschaft"> | |||
Orrery - Nov. 2010.jpg|Modell des [[Sonnensystem]]<br />bis [[Planet]] [[Saturn (Planet)|Saturn]] | |||
Benzol 8167.JPG|Modell des [[Benzol]]-Moleküls<br />(„Benzolring“) | |||
AtomLabeledLarge.png|Räumliche Zeichnung des Atom-Modells von [[Bohrsches Atommodell|Niels Bohr]]<br />(nur historisch bedeutend) | |||
Museu Catavento-Espaço Cultural da Ciência 11.jpg|[[Doppelhelix]]: Modell der<br />[[Desoxyribonukleinsäure]] (DNS) | |||
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== Weblinks == | |||
{{Commonscat|Scientific modeling|Modell}} | |||
* {{DNB-Portal|4039798-1}} | |||
== Einzelnachweise == | |||
<references /> | |||
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[[Kategorie:Modellierung und Simulation| ]] | |||
[[Kategorie:Wikipedia.de Artikel]] | |||
Aktuelle Version vom 2. April 2026, 10:18 Uhr
Modell lat.-frz.-deu.
Das Wort Modell entstand im Italien der Renaissance als itali. modello, hervorgegangen aus lat. modulus, einem Maßstab in der Architektur, und wurde bis ins 18. Jahrhundert in der bildenden Kunst als Fachbegriff verwendet.
Um 1800 verdrängte Modell im Deutschen das ältere, direkt vom lat. modulus (Maß(stab)) entlehnte Wort Model (Muster, Form, z. B. Kuchenform), das noch im Verb modeln, ummodeln und einigen Fachsprachen und Dialekten fortlebt.
- Modell n.
- ‘Vorbild, Muster, Entwurf’
- (besonders in der bildenden Kunst, in der Architektur, in der Kleidermode),
- entlehnt (um 1600) aus ital. modello ‘Muster’,
- Das Substantiv tritt zuerst in der Künstlersprache auf (z. B. bei oberdeutschen Goldschmieden, die vielfach nach italienischen Mustern arbeiten).
- Es verdrängt altes Model m. n. ‘Muster, Vorlage, Form’,
- ‘Vorbild, Muster, Entwurf’
Modell
Modell (von italienisch modello ‚Muster‘ entlehnt, das auf lat. *modellus ‚Maß‘, Suffixvariante zu lat. modulus ‚Maß‘, zurückgeht)[1][2][3] ist ein Begriff, der sowohl im wissenschaftlichen Sprachgebrauch (siehe Modell) als auch in der Umgangssprache unterschiedliche Bedeutungen besitzt; die häufigste ist dabei das Modell als analoger Realitätsausschnitt.[4]
In der Wissenschaft definiert man ein Modell als eine vereinfachte Darstellung eines Originals, die spezifische Eigenschaften hervorhebt und für einen bestimmten Zweck verwendet wird. Modelle dienen dazu, komplexe Sachverhalte zu erklären, zu analysieren oder vorherzusagen.
Nach Stachowiak lassen sich Modelle durch drei grundlegende Merkmale beschreiben, die im Folgenden näher erläutert werden.[5]
Modelle können sowohl statische Artefakte als auch dynamische Werkzeuge sein, wie Nissen und Thalheim betonen. Sie werden in Wissenschaft, Technik und Praxis vielfältig eingesetzt.[6]
Hierbei muss weder die Nachbildung noch der abgebildete Gegenstand selbst materiell sein, so werden beispielsweise in den Geisteswissenschaften manche Theorien als Modelle betrachtet.[4]
Zudem werden gelegentlich weitere Merkmale diskutiert, wie Extension und Distortion[2] sowie Validität.[3] Der amerikanische Wissenschaftsphilosoph Michael Weisberg unterscheidet auf der obersten Ebene zwischen gegenständlichen (concrete) und mathematischen Modellen und stellt daneben die Computersimulationen (computational models) als eigene Klasse von Modellen auf.[4]
Hauptmerkmale
Ein Modell ist ein vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit. Das Abbild kann die Form konkreter Gegenstände haben (Modell-Eisenbahn, Computersimulation u. ä.) oder rein abstrakt dargestellt sein (Theorien; Gleichungen). Nach Herbert Stachowiak kennzeichnen ein Modell mindestens drei Merkmale:[1]
- Abbildungsmerkmal: Modelle sind Abbildungen natürlicher oder künstlicher Originale. Sie stellen ein bestimmtes Objekt oder System dar. Was und wie wird abgebildet?
- Abbildung Ein Modell steht immer für etwas anderes – nämlich für ein natürliches oder ein künstliches Original, welches es somit abbildet oder repräsentiert. Von Modellen lassen sich ihrerseits Modelle anfertigen, in denen somit das Original z. B. um noch einen Schritt weiter vereinfacht repräsentiert ist. Beispiel für einen partiellen Komplexizitätszuwachs ist die Ausschnittsvergrößerung einer Technischen Zeichnung.
- Verkürzungsmerkmal: Modelle sind immer vereinfachte Darstellungen und erfassen nur die für einen bestimmten Zweck relevanten Eigenschaften oder Aspekte eines Originals. Wie verkürzt wird das Was abgebildet?
- Verkürzung Ein Modell erfasst nicht alle Attribute des Originals, sondern nur diejenigen, die dem Modellschaffer bzw. Modellnutzer relevant erscheinen.
- Pragmatismusmerkmal: Modelle erfüllen eine spezifische Funktion. Sie sind für bestimmte Zwecke, Benutzergruppen und Zeiträume entwickelt und auf diese begrenzt. Für wen, für welchen Zeitraum und für welchen Zweck wird das Was abgebildet?[5][7]
- Pragmatismus Modelle sind ihren Originalen nicht eindeutig zugeordnet. Sie erfüllen ihre Ersetzungsfunktiona) für bestimmte Subjekte (für wen?)b) innerhalb bestimmter Zeitintervalle (wann?)c) unter Einschränkung auf bestimmte gedankliche oder tatsächliche Operationen (wozu?).
Anwendung
Modelle werden in nahezu allen Bereichen menschlichen Handelns eingesetzt, um komplexe Sachverhalte begreifbar zu machen. Die Einsatzgebiete sind vielfältig:
- Freizeit und Bildung: Puppen, Modellfahrzeuge sowie Lehrmodelle in der Ausbildung oder dem Gesundheitswesen (z. B. Anatomie-Modelle).
- Technik und Wirtschaft:
Prototypen, Gussmodelle in der Industrie oder Organisationsmodelle in Verwaltung und Politik.
Theoriemodelle zur Analyse und Vorhersage von Phänomenen.
Kritische Begriffsverwendung
Die Begriffe Modell und Modellierung werden nicht einheitlich und oft auch nicht sinnhaft benutzt, was in folgender Kritik zum Ausdruck kommt:
„Im wissenschaftlichen wie außerwissenschaftlichen Sprachgebrauch hat gegenwärtig der Modellbegriff zunehmend Relevanz erlangt [ist Mode geworden]. Bei zahlreichen passenden – leider auch unpassenden – Gelegenheiten ist von „Modellen“ die Rede. Das Wort Modell wird ebenso gedankenlos fehlverwendet, wie man es als bewußt gewählten […] Terminus in Zusammenhängen findet, die das Bestreben erkennen lassen, es mit einer streng expliziten oder wenigstens explizierbaren Bedeutung zu verbinden.“[8]
Einige unpassende Begriffsanwendungen existieren seit langem:
- Malerei und Fotografie: Das Modell des Malers oder Photographen ist kein Abbild der Wirklichkeit, sondern es ist die Wirklichkeit, die abgebildet wird.
- Gießerei: Das Guss-Modell ist keine Nachbildung, sondern das nachzubildende Objekt. Von ihm werden mithilfe der mit ihm erzeugten negativen Guss-Form i. d. R. beliebig viele Objekte (Guss-Stücke) hergestellt. Letztere sind kein reduziertes Abbild, sondern unterscheiden sich vom Guss-Modell i. d. R. nur im Werkstoff, aus dem sie bestehen.
- Konsumgüter: Verschiedene Varianten von Gebrauchs-Produkten werden als verschiedene Modelle bezeichnet, obwohl sie gleichbedeutend, nicht einerseits Objekt und andererseits ein davon reduziertes Abbild sind.
Heuristische Modelle
In der Wissenschaft werden Modelle (sogenannte heuristische Modelle) auch angefertigt, bevor die davor stehende Wirklichkeit bekannt oder ausreichend sicher bekannt ist.[7] Nachträglich als brauchbar erwiesen haben sich z. B. der Benzolring, die Doppelhelix der DNS und die Relativitätstheorie.
Bilder von vorwiegend gegenständlichen Modellen
… für spielerischen bis wissenschaftlichen Gebrauch
- Modelle in der Freizeit
-
Modell-Eisenbahnanlage:
enthält auch Modelle von Bauwerken -
Modell-Autos:
div. Oldtimer, versch. verkleinert
- Modelle in der Wirtschaft
-
Rekonstruktions-Modell einer antiken Anlage aus 16 Wassermühlen (Mühlen von Barbegal)
-
Nachbau-Modell einer mittelalterlichen Holzbrücke (Schaffhausen, 1799 zerstört)
-
Modell einer Industrieanlage (Saline in Arc-et-Senans, nur teilweise gebaut, 18. Jahrh.)
-
Prinzip-Modell für die Dächer einer Sportanlage (Olympiapark (München), in größerem Umfang gebaut, 20. Jahrh.)
- Modelle in der Bildung
-
Viertaktmotor
graph. Animation -
Gebiss-Modell
für Zahnputz-Unterweisung -
Modell
Wirbel-
säule
- Modelle in der Technik
-
Metallguss rechts: Guss-Modell;
links: Guss-Stück (Einguss-Überfluss noch nicht entfernt) -
Schiffshebewerk
Modell
- Modelle in der Wissenschaft
-
Modell des Benzol-Moleküls
(„Benzolring“) -
Räumliche Zeichnung des Atom-Modells von Niels Bohr
(nur historisch bedeutend)
Weblinks
- Literatur von und über Modell im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchges. und erw. Auflage. de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 978-3-11-017473-1, Modell.
- ↑ Ursula Kraif: Duden - das große Fremdwörterbuch: Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4., aktualisierte Auflage. Dudenverl, Mannheim 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, S. 892.
- ↑ C. T. Onions & al., The Oxford Dictionary of English Etymology, Oxford 1966, S. 583.
- ↑ a b Peter F. Schlottke: Modell. In: Dorsch Lexikon der Psychologie. Hogrefe, 2021 (hogrefe.com [abgerufen am 13. Juli 2024]).
- ↑ a b Herbert Stachowiak: Allgemeine Modelltheorie. Springer Verlag, Wien/New York 1973, ISBN 978-3-211-81106-1, S. 128–133.
- ↑ Ivor Nissen, Bernhard Thalheim (2015): „Modelle, Modellieren, Modellierung – eine Kieler Begriffsbestimmung“. In: Ivor Nissen, Bernhard Thalheim (Hrsg.): „Wissenschaft und Kunst der Modellierung. Kieler Zugang zur Definition, Nutzung und Zukunft“. De Gruyter, Berlin, Boston, S. 29–36.
- ↑ a b Herbert Stachowiak: Allgemeine Modelltheorie. Springer, 1973, Einleitung, S. 4.
- ↑ Herbert Stachowiak: Allgemeine Modelltheorie. Springer, 1973, Einleitung, S. 1.
