„Hermeneutik“ – Versionsunterschied
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Werdeutung „Kunst der Interpretation“ Entlehnt aus agrie. hermēneutikḗ tékhnē ἑρμηνευτική τέχνη, , von ἑρμηνεύειν (hermēneúein, „erklären, interpretieren“).<p>Die '''Hermeneutik''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἑρμηνεύειν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hermēneúein</span>, deutsch ‚erklären‘, ‚auslegen‘, ‚übersetzen‘) ist die Theorie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Interpretation Interpretation] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Text Texten] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Verstehen Verstehens]. Beim Verstehen verwendet der Mensch [https://de.wikipedia.org/wiki/Symbol Symbole]. Er ist in eine Welt von [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeichen Zeichen] und in eine Gemeinschaft eingebunden, die eine gemeinsame Sprache verwendet. Nicht nur in Texten, sondern in allen menschlichen Schöpfungen ist [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinn_(Semantik) Sinn]. Diesen zu erschließen, ist eine hermeneutische Aufgabe.</p><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Antike Antike] und im [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] diente die Hermeneutik als [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft Wissenschaft] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kunst Kunst] der Auslegung ([https://de.wikipedia.org/wiki/Exegese Exegese]) grundlegender Texte, besonders der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bibel Bibel] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz Gesetze]. In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuzeit Neuzeit] weitete sich ihr Anwendungsbereich aus. Sie entwickelte sich zu einer allgemeinen Lehre von den Voraussetzungen und Methoden sachgerechter Interpretation und zu einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] des Verstehens.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hermeneutik#cite_note-1 [1]]</sup> Mit der von [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] entscheidend beförderten Einsicht in die Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit stellte sich für die Hermeneutik seit dem 19. Jahrhundert unter anderem das Problem der geschichtlichen Gebundenheit menschlichen Denkens und Verstehens. Als einflussreichster Vertreter der philosophischen Hermeneutik im 20. Jahrhundert wendete [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Georg_Gadamer Hans-Georg Gadamer] diese Beschränkung ins Positive und stellte das Verstehen in den Zusammenhang eines prinzipiell nicht zu beendenden Gesprächs über die Deutung wichtiger Zeugnisse der geschichtlichen und kulturellen Überlieferung.</p><p>Der Begriff ''Hermeneutik'' ist als solcher erst in der Neuzeit entstanden und wurde als Buchtitel im 17. Jahrhundert erstmals vom Straßburger Philosophen und Theologen [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Conrad_Dannhauer Johann Conrad Dannhauer] verwendet. Die allgemeine Hermeneutik beschäftigt sich mit der Auslegung von Texten oder von Zeichen im Allgemeinen. Die besondere Hermeneutik behandelt die mit der Auslegung von Texten verbundenen Probleme, wie sie sich aus den einzelnen Fächern der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswissenschaft Rechtswissenschaft], [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologie Theologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Literaturwissenschaft Literaturwissenschaft], [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtswissenschaft Geschichtswissenschaft] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstgeschichte Kunstgeschichte] ergeben. Sie hat traditionsgemäß einen stärkeren Bezug zu den [https://de.wikipedia.org/wiki/Geisteswissenschaften Geisteswissenschaften] und diente bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Dilthey Wilhelm Dilthey] zu deren methodologischer Begründung. Auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Reflexion_(Philosophie) Reflexion] der Bedingungen des Auslegens, Deutens und Verstehens nicht-textgebundener Werke der Musik und ihrer [https://de.wikipedia.org/wiki/Interpretation_(Musik) Interpretation] oder der Werke der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bildende_Kunst Bildenden Kunst] wird Hermeneutik genannt. Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Idealismus idealistischer] Auffassung ist Verstehen ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Sein_(Philosophie) Sein], in dem die Welt sich selbst auslegt. Ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Intuition intuitiver] Ansatz begreift Verstehen als etwas Unmittelbares, das aller Reflexion vorausgeht und aller Erkenntnis und dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Diskurs diskursiven] Denken zugrunde liegt.</p> | Werdeutung „Kunst der Interpretation“ Entlehnt aus agrie. hermēneutikḗ tékhnē ἑρμηνευτική τέχνη, , von ἑρμηνεύειν (hermēneúein, „erklären, interpretieren“). | ||
Der Begriff wurde ca. 360 v. Chr. eingeführt von Aristoteles in seinem Text Perì Hermeneías (Über die Interpretation, lat. [[De interpretatione]]).<p>Die '''Hermeneutik''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] <span class="Grek" lang="grc-Grek">ἑρμηνεύειν</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">hermēneúein</span>, deutsch ‚erklären‘, ‚auslegen‘, ‚übersetzen‘) ist die Theorie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Interpretation Interpretation] von [https://de.wikipedia.org/wiki/Text Texten] und des [https://de.wikipedia.org/wiki/Verstehen Verstehens]. Beim Verstehen verwendet der Mensch [https://de.wikipedia.org/wiki/Symbol Symbole]. Er ist in eine Welt von [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeichen Zeichen] und in eine Gemeinschaft eingebunden, die eine gemeinsame Sprache verwendet. Nicht nur in Texten, sondern in allen menschlichen Schöpfungen ist [https://de.wikipedia.org/wiki/Sinn_(Semantik) Sinn]. Diesen zu erschließen, ist eine hermeneutische Aufgabe.</p><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Antike Antike] und im [https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter Mittelalter] diente die Hermeneutik als [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft Wissenschaft] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kunst Kunst] der Auslegung ([https://de.wikipedia.org/wiki/Exegese Exegese]) grundlegender Texte, besonders der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bibel Bibel] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz Gesetze]. In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuzeit Neuzeit] weitete sich ihr Anwendungsbereich aus. Sie entwickelte sich zu einer allgemeinen Lehre von den Voraussetzungen und Methoden sachgerechter Interpretation und zu einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie Philosophie] des Verstehens.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hermeneutik#cite_note-1 [1]]</sup> Mit der von [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Immanuel Kant] entscheidend beförderten Einsicht in die Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit stellte sich für die Hermeneutik seit dem 19. Jahrhundert unter anderem das Problem der geschichtlichen Gebundenheit menschlichen Denkens und Verstehens. Als einflussreichster Vertreter der philosophischen Hermeneutik im 20. Jahrhundert wendete [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Georg_Gadamer Hans-Georg Gadamer] diese Beschränkung ins Positive und stellte das Verstehen in den Zusammenhang eines prinzipiell nicht zu beendenden Gesprächs über die Deutung wichtiger Zeugnisse der geschichtlichen und kulturellen Überlieferung.</p><p>Der Begriff ''Hermeneutik'' ist als solcher erst in der Neuzeit entstanden und wurde als Buchtitel im 17. Jahrhundert erstmals vom Straßburger Philosophen und Theologen [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Conrad_Dannhauer Johann Conrad Dannhauer] verwendet. Die allgemeine Hermeneutik beschäftigt sich mit der Auslegung von Texten oder von Zeichen im Allgemeinen. Die besondere Hermeneutik behandelt die mit der Auslegung von Texten verbundenen Probleme, wie sie sich aus den einzelnen Fächern der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswissenschaft Rechtswissenschaft], [https://de.wikipedia.org/wiki/Theologie Theologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Literaturwissenschaft Literaturwissenschaft], [https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichtswissenschaft Geschichtswissenschaft] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstgeschichte Kunstgeschichte] ergeben. Sie hat traditionsgemäß einen stärkeren Bezug zu den [https://de.wikipedia.org/wiki/Geisteswissenschaften Geisteswissenschaften] und diente bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Dilthey Wilhelm Dilthey] zu deren methodologischer Begründung. Auch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Reflexion_(Philosophie) Reflexion] der Bedingungen des Auslegens, Deutens und Verstehens nicht-textgebundener Werke der Musik und ihrer [https://de.wikipedia.org/wiki/Interpretation_(Musik) Interpretation] oder der Werke der [https://de.wikipedia.org/wiki/Bildende_Kunst Bildenden Kunst] wird Hermeneutik genannt. Nach [https://de.wikipedia.org/wiki/Idealismus idealistischer] Auffassung ist Verstehen ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Sein_(Philosophie) Sein], in dem die Welt sich selbst auslegt. Ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Intuition intuitiver] Ansatz begreift Verstehen als etwas Unmittelbares, das aller Reflexion vorausgeht und aller Erkenntnis und dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Diskurs diskursiven] Denken zugrunde liegt.</p> | |||
Version vom 3. Dezember 2023, 12:13 Uhr
Werdeutung „Kunst der Interpretation“ Entlehnt aus agrie. hermēneutikḗ tékhnē ἑρμηνευτική τέχνη, , von ἑρμηνεύειν (hermēneúein, „erklären, interpretieren“).
Der Begriff wurde ca. 360 v. Chr. eingeführt von Aristoteles in seinem Text Perì Hermeneías (Über die Interpretation, lat. De interpretatione).
Die Hermeneutik (altgriechisch ἑρμηνεύειν hermēneúein, deutsch ‚erklären‘, ‚auslegen‘, ‚übersetzen‘) ist die Theorie der Interpretation von Texten und des Verstehens. Beim Verstehen verwendet der Mensch Symbole. Er ist in eine Welt von Zeichen und in eine Gemeinschaft eingebunden, die eine gemeinsame Sprache verwendet. Nicht nur in Texten, sondern in allen menschlichen Schöpfungen ist Sinn. Diesen zu erschließen, ist eine hermeneutische Aufgabe.
In der Antike und im Mittelalter diente die Hermeneutik als Wissenschaft und Kunst der Auslegung (Exegese) grundlegender Texte, besonders der Bibel und Gesetze. In der Neuzeit weitete sich ihr Anwendungsbereich aus. Sie entwickelte sich zu einer allgemeinen Lehre von den Voraussetzungen und Methoden sachgerechter Interpretation und zu einer Philosophie des Verstehens.[1] Mit der von Immanuel Kant entscheidend beförderten Einsicht in die Grenzen der menschlichen Erkenntnisfähigkeit stellte sich für die Hermeneutik seit dem 19. Jahrhundert unter anderem das Problem der geschichtlichen Gebundenheit menschlichen Denkens und Verstehens. Als einflussreichster Vertreter der philosophischen Hermeneutik im 20. Jahrhundert wendete Hans-Georg Gadamer diese Beschränkung ins Positive und stellte das Verstehen in den Zusammenhang eines prinzipiell nicht zu beendenden Gesprächs über die Deutung wichtiger Zeugnisse der geschichtlichen und kulturellen Überlieferung.
Der Begriff Hermeneutik ist als solcher erst in der Neuzeit entstanden und wurde als Buchtitel im 17. Jahrhundert erstmals vom Straßburger Philosophen und Theologen Johann Conrad Dannhauer verwendet. Die allgemeine Hermeneutik beschäftigt sich mit der Auslegung von Texten oder von Zeichen im Allgemeinen. Die besondere Hermeneutik behandelt die mit der Auslegung von Texten verbundenen Probleme, wie sie sich aus den einzelnen Fächern der Rechtswissenschaft, Theologie, Literaturwissenschaft, Geschichtswissenschaft oder Kunstgeschichte ergeben. Sie hat traditionsgemäß einen stärkeren Bezug zu den Geisteswissenschaften und diente bei Wilhelm Dilthey zu deren methodologischer Begründung. Auch die Reflexion der Bedingungen des Auslegens, Deutens und Verstehens nicht-textgebundener Werke der Musik und ihrer Interpretation oder der Werke der Bildenden Kunst wird Hermeneutik genannt. Nach idealistischer Auffassung ist Verstehen ein Sein, in dem die Welt sich selbst auslegt. Ein intuitiver Ansatz begreift Verstehen als etwas Unmittelbares, das aller Reflexion vorausgeht und aller Erkenntnis und dem diskursiven Denken zugrunde liegt.