„Sache“ – Versionsunterschied
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das was gesucht, untersucht, von dem eine Wirkung ausging ausgeht oder ausgehen soll (21 Jh. ndt.); | das was gesucht, untersucht, von dem eine Wirkung ausging ausgeht oder ausgehen soll (21 Jh. ndt.);<p>Bedeutungsentwicklung von ‘witternd suchen, nachspüren’ über ‘eine Spur, einen Täter verfolgen’ zu ‘vor Gericht klagen, prozessieren’; verwandt in der Abfolge sagen, Sache, suchen {ndt.)</p><p>''¦''⊗''¦'' ‘Gegenstand, Ding, Angelegenheit, Aufgabe; in dem ursprünglichen Sinne von ‘Rechtsangelegenheit, Rechtsstreit vor Gericht’ ist Sache mit seinen Verwandten ein altes Wort der Rechtssprache, dessen Bedeutung sich (wie bei ''Ding'') mehr und mehr verallgemeinert; verwandt mit ''suchen.''</p><p>''¦''√''¦'' ''uig. [https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/seh%E2%82%82g- *seg-]'' "suchen, heraussuchen";</p><p>''¦''↵''¦'' ''uig. [https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Germanic/sakan%C4%85 *sakaną]'' (“streiten"); uig. *''sāg''-,*''səg''- ‘(witternd) nachspüren’; uger. ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Germanic/sak%C5%8D *sakō], ''ger. *sakjōn-, uwger. ''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-West_Germanic/saku *saku]'', ger. *sakō, Bindungen zu einem ahd. ''sahhan'' ‘streiten, prozessieren, schelten’ (8. Jh.); ahd. ''sahha ''"Sache" (8. Jh.), mhd. ''sache'' ‘Rechtssache, Rechtsstreit, Angelegenheit, Ursache, Ding’,</p><p>asächs. ''saka'', auch ‘Gericht, Feindschaft, Schuld’, mnd. mnl. ''sāke'', mnd. mnl. ''sāke'', nl. ''zaak'' ‘Sache, Angelegenheit, Handlung, Geschäft’, afries. ''seke'', ''sake'', aengl. ''sacu'' ‘Verfolgung, Streit, Krieg, Prozeß’, engl. ''sake'' ‘Ursache, Grund’, anord. ''sǫk'' ‘Rechtshandel, Klage, Grund, Veranlassung’, schwed. ''sak'' ‘Ding, Rechtsangelegenheit’ (ger. *sakō)</p><p>sowie (mit anderer Stammform) got. ''sakjō'' ‘Streit’ (ger. *''sakjōn''-), ahd. ''seckea'', ''secka'' (8. Jh.), aengl. sæcc ‘Streit’ (ger. *''sakjō'')</p><p>sind Bildungen zu einem in ahd. ''sahhan'' ‘streiten, prozessieren, schelten’ (8. Jh.), asächs. ''sakan'', aengl. ''sacan'' ‘streiten, klagen, leugnen’, got. ''sakan'' ‘streiten, schelten, Vorwürfe machen’ bezeugten starken Tw., das in den ger. Sprachen bald (bis auf wenige Reste) untergegangen ist.</p><p>Es steht schwundstufig neben grie. ''hēgé͞isthai'' ‘vorangehen, führen’, dann auch ‘meinen, glauben’, lat. ''sāgīre'' ‘spüren, wittern’, ''sāgus'' ‘wahrsagend, prophetisch’, air. ''saigim'' ‘suche, gehe einer Sache nach’ und gehört mit diesen zu der auch für ''suchen'' geltenden Wurzel ie. *sāg-,*səg- ‘(witternd) nachspüren’, so daß für das starke Tw. ahd. ''sahhan'' eine Bedeutungsentwicklung von ‘witternd suchen, nachspüren’ über ‘eine Spur, einen Täter verfolgen’ zu ‘vor Gericht klagen, prozessieren’ anzunehmen ist.</p><p>Dazu formelhafte Wendungen wie ''in Sachen'' (‘in der Rechtsangelegenheit’) ''X gegen Y'' (16. Jh.), allgemeiner ''in Sachen'' (X) ‘betreffs, bezüglich’ (17. Jh.); ''in eigener Sache'' ‘in einer persönlichen Angelegenheit’, ''Richter in eigener Sache ''(eigentlich ‘Rechtsangelegenheit’) ''sein'' (17. Jh.); ''gemeinsame Sache mit jmdm. machen'' ‘mit jmdm. zusammen etw. (Fragwürdiges) unternehmen’ (18. Jh.); ''das ist Sache'' (‘Angelegenheit, Aufgabe’) ''des X'' (18. Jh.); ''nichts, etw. zur Sache tun'' ‘(keinen) Einfluß haben’ (17. Jh.); ''zur Sache!'' ‘ohne Umschweife zum Wesentlichen!’ (18. Jh.); ''seine sieben Sachen'' ‘alles, was man (nötig) hat’ (19. Jh.; s. auch ''Siebensachen'').</p><p>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/A/Sache,+die?hl=sache Sache] Allein, wenn man die Bedeutungen dieses Wortes aufmerksam erwäget, so wird man nicht in Abrede seyn können, daß es das Intensivum von Sage und sagen ist, und ursprünglich Wortgeräusch, Streit, Zank, und in weiterm Verstande eine jede Rede und deren Gegenstand bedeutet, ob es gleich durch die Länge der Zeit auf mancherley Art bestimmet worden. Im Nieders. ist saken noch jetzt klagen. Die gleichbedeutenden Wörter im Deutschen so wohl als in andern Sprachen bestätigen diese Ableitung. Unser Ding, welches im weitesten Verstande alles bedeutet, was da ist, bezeichnet ursprünglich auch Wortstreit, Wortgeräusch, und Rede überhaupt. Das Lat. ''Caussa,'' Ursache, stammet von ''cusare,'' klagen, in ''accusare,'' ab, welches wie unser kören und kösen ehedem reden überhaupt bedeutet hat. Dessen Töchter, das Italiänische ''Cosa'' und Französische ''Chose,'' bedeuten eine jede Sache, ein jedes Ding. Das gleichfalls Lat. ''Res'' gehöret zu dem Stamme unsers Rede, Recht, rauschen u.s.f. und noch Kero übersetzt ''res'' durch ''Rachono,'' welches jetzt veraltete Wort zu rechen, reden, gehöret, wovon unser rechnen abstammet. Das Schwed. ''Sak'' bedeutet auch Verbrechen und Strafe, und im Tatian kommt ''Sahha'' gleichfalls von einem Verbrechen vor.</p> | ||
Version vom 13. Dezember 2023, 10:23 Uhr
das was gesucht, untersucht, von dem eine Wirkung ausging ausgeht oder ausgehen soll (21 Jh. ndt.);
Bedeutungsentwicklung von ‘witternd suchen, nachspüren’ über ‘eine Spur, einen Täter verfolgen’ zu ‘vor Gericht klagen, prozessieren’; verwandt in der Abfolge sagen, Sache, suchen {ndt.)
¦⊗¦ ‘Gegenstand, Ding, Angelegenheit, Aufgabe; in dem ursprünglichen Sinne von ‘Rechtsangelegenheit, Rechtsstreit vor Gericht’ ist Sache mit seinen Verwandten ein altes Wort der Rechtssprache, dessen Bedeutung sich (wie bei Ding) mehr und mehr verallgemeinert; verwandt mit suchen.
¦√¦ uig. *seg- "suchen, heraussuchen";
¦↵¦ uig. *sakaną (“streiten"); uig. *sāg-,*səg- ‘(witternd) nachspüren’; uger. *sakō, ger. *sakjōn-, uwger. *saku, ger. *sakō, Bindungen zu einem ahd. sahhan ‘streiten, prozessieren, schelten’ (8. Jh.); ahd. sahha "Sache" (8. Jh.), mhd. sache ‘Rechtssache, Rechtsstreit, Angelegenheit, Ursache, Ding’,
asächs. saka, auch ‘Gericht, Feindschaft, Schuld’, mnd. mnl. sāke, mnd. mnl. sāke, nl. zaak ‘Sache, Angelegenheit, Handlung, Geschäft’, afries. seke, sake, aengl. sacu ‘Verfolgung, Streit, Krieg, Prozeß’, engl. sake ‘Ursache, Grund’, anord. sǫk ‘Rechtshandel, Klage, Grund, Veranlassung’, schwed. sak ‘Ding, Rechtsangelegenheit’ (ger. *sakō)
sowie (mit anderer Stammform) got. sakjō ‘Streit’ (ger. *sakjōn-), ahd. seckea, secka (8. Jh.), aengl. sæcc ‘Streit’ (ger. *sakjō)
sind Bildungen zu einem in ahd. sahhan ‘streiten, prozessieren, schelten’ (8. Jh.), asächs. sakan, aengl. sacan ‘streiten, klagen, leugnen’, got. sakan ‘streiten, schelten, Vorwürfe machen’ bezeugten starken Tw., das in den ger. Sprachen bald (bis auf wenige Reste) untergegangen ist.
Es steht schwundstufig neben grie. hēgé͞isthai ‘vorangehen, führen’, dann auch ‘meinen, glauben’, lat. sāgīre ‘spüren, wittern’, sāgus ‘wahrsagend, prophetisch’, air. saigim ‘suche, gehe einer Sache nach’ und gehört mit diesen zu der auch für suchen geltenden Wurzel ie. *sāg-,*səg- ‘(witternd) nachspüren’, so daß für das starke Tw. ahd. sahhan eine Bedeutungsentwicklung von ‘witternd suchen, nachspüren’ über ‘eine Spur, einen Täter verfolgen’ zu ‘vor Gericht klagen, prozessieren’ anzunehmen ist.
Dazu formelhafte Wendungen wie in Sachen (‘in der Rechtsangelegenheit’) X gegen Y (16. Jh.), allgemeiner in Sachen (X) ‘betreffs, bezüglich’ (17. Jh.); in eigener Sache ‘in einer persönlichen Angelegenheit’, Richter in eigener Sache (eigentlich ‘Rechtsangelegenheit’) sein (17. Jh.); gemeinsame Sache mit jmdm. machen ‘mit jmdm. zusammen etw. (Fragwürdiges) unternehmen’ (18. Jh.); das ist Sache (‘Angelegenheit, Aufgabe’) des X (18. Jh.); nichts, etw. zur Sache tun ‘(keinen) Einfluß haben’ (17. Jh.); zur Sache! ‘ohne Umschweife zum Wesentlichen!’ (18. Jh.); seine sieben Sachen ‘alles, was man (nötig) hat’ (19. Jh.; s. auch Siebensachen).
Sache Allein, wenn man die Bedeutungen dieses Wortes aufmerksam erwäget, so wird man nicht in Abrede seyn können, daß es das Intensivum von Sage und sagen ist, und ursprünglich Wortgeräusch, Streit, Zank, und in weiterm Verstande eine jede Rede und deren Gegenstand bedeutet, ob es gleich durch die Länge der Zeit auf mancherley Art bestimmet worden. Im Nieders. ist saken noch jetzt klagen. Die gleichbedeutenden Wörter im Deutschen so wohl als in andern Sprachen bestätigen diese Ableitung. Unser Ding, welches im weitesten Verstande alles bedeutet, was da ist, bezeichnet ursprünglich auch Wortstreit, Wortgeräusch, und Rede überhaupt. Das Lat. Caussa, Ursache, stammet von cusare, klagen, in accusare, ab, welches wie unser kören und kösen ehedem reden überhaupt bedeutet hat. Dessen Töchter, das Italiänische Cosa und Französische Chose, bedeuten eine jede Sache, ein jedes Ding. Das gleichfalls Lat. Res gehöret zu dem Stamme unsers Rede, Recht, rauschen u.s.f. und noch Kero übersetzt res durch Rachono, welches jetzt veraltete Wort zu rechen, reden, gehöret, wovon unser rechnen abstammet. Das Schwed. Sak bedeutet auch Verbrechen und Strafe, und im Tatian kommt Sahha gleichfalls von einem Verbrechen vor.