„pythagoräisches Tripel“ – Versionsunterschied
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In der [[Zahlentheorie]] besteht ein '''Pythagoreisches [[Tupel|Tripel]]''' oder '''Pythagoreisches Zahlentripel''' aus drei verschiedenen [[Natürliche Zahl|natürlichen Zahlen]]<ref name="Null">In diesem Artikel gilt <math>0 \notin \N,</math> 0 ist also ''keine'' natürliche Zahl.</ref>, bei denen die Summe der Quadrate der beiden kleineren Zahlen gleich dem Quadrat der größten Zahl ist. Nach dem [[Satz des Pythagoras]] können die drei Zahlen eines Pythagoreischen Tripels auch als die Seitenlängen eines ebenen rechtwinkligen Dreiecks in der [[Euklidische Geometrie|Euklidischen Geometrie]] aufgefasst werden. Wenn <math>a</math>, <math>b</math> und <math>c</math> außer 1 [[Teilerfremdheit|keinen Teiler gemeinsam]] haben, spricht man von einem ''primitiven'' | In der [[Zahlentheorie]] besteht ein '''Pythagoreisches [[Tupel|Tripel]]''' oder '''Pythagoreisches Zahlentripel''' aus drei verschiedenen [[Natürliche Zahl|natürlichen Zahlen]]<ref name="Null">In diesem Artikel gilt <math>0 \notin \N,</math> 0 ist also ''keine'' natürliche Zahl.</ref>, bei denen die Summe der Quadrate der beiden kleineren Zahlen gleich dem Quadrat der größten Zahl ist. Nach dem [[Satz des Pythagoras]] können die drei Zahlen eines Pythagoreischen Tripels auch als die Seitenlängen eines ebenen rechtwinkligen Dreiecks in der [[Euklidische Geometrie|Euklidischen Geometrie]] aufgefasst werden. Wenn <math>a</math>, <math>b</math> und <math>c</math> außer 1 [[Teilerfremdheit|keinen Teiler gemeinsam]] haben, spricht man von einem ''primitiven'' pythagoräischen Tripel. | ||
== Geschichte == | == Geschichte == | ||
[[Datei:Plimpton 322.jpg|mini|Die Tontafel [[Plimpton 322]]]] | [[Datei:Plimpton 322.jpg|mini|Die Tontafel [[Plimpton 322]]]] | ||
Pythagoreische Tripel finden sich bereits auf [[babylon]]ischen [[Tontafel]]n, die in die Zeit der [[Hammurabi-Dynastie]] datiert werden (1829 bis 1530 v. Chr.). Die [[Keilschrift]]tafel [[Plimpton 322]] enthält 15 verschiedene | Pythagoreische Tripel finden sich bereits auf [[babylon]]ischen [[Tontafel]]n, die in die Zeit der [[Hammurabi-Dynastie]] datiert werden (1829 bis 1530 v. Chr.). Die [[Keilschrift]]tafel [[Plimpton 322]] enthält 15 verschiedene pythagoräische Tripel,<ref>{{Literatur |Autor=Georges Ifrah |Titel=The Universal History of Computing. From Prehistory to the Invention of the Computer |Datum= |Seiten=151}}</ref> u. a. <math>(56, 90, 106)</math>, <math>(119, 120, 169)</math> und <math>(12709, 13500, 18541)</math>, was darauf schließen lässt, dass bereits vor mehr als 3500 Jahren ein Verfahren zur Berechnung solcher Tripel bekannt war. Für Ägypten ist die explizite Erwähnung von pythagoräischen Tripeln nur aus einem demotischen Papyrus des 3. Jahrhunderts v. Chr. bekannt,<ref>Corinna Rossi: ''Mathematics and Architecture in Ancient Egypt.'' Cambridge UP 2003, S. 217. Sie zitiert Richard Parker: ''Demotic Mathematical Papyri.'' Brown University Press 1972, S. 3–4, 35–40.</ref> doch wurde auch die Verwendung insbesondere der Tripel <math>(3,\ 4,\ 5)</math> und <math>(20,\ 21,\ 29)</math> für [[Böschungswinkel]] bei einigen Pyramiden aus einer Zeit rund zweitausend Jahre vor dem erwähnten Papyrus diskutiert.<ref>Rossi, loc. cit., S. 219. Die [[Chephren-Pyramide]] mit einem Böschungswinkel von rund 53° käme demnach für die Verwendung von <math>(3,\ 4,\ 5)</math> in Betracht, die [[Rote Pyramide]] mit einem Böschungswinkel von rund 43° für <math>(20,\ 21,\ 29)</math>.</ref> | ||
Das indische [[Sulbasutra|Baudhayana-Sulbasutra]] aus dem 6. Jahrhundert vor Christus enthält fünf | Das indische [[Sulbasutra|Baudhayana-Sulbasutra]] aus dem 6. Jahrhundert vor Christus enthält fünf pythagoräische Tripel.<ref>{{Literatur |Autor=[[Helmuth Gericke]] |Titel=Mathematik in Antike, Orient und Abendland |Verlag=Matrix-Verlag |Ort=Wiesbaden |Datum=2005 |ISBN=3-937715-71-1 |Seiten=68}}</ref> | ||
Pythagoreische Tripel wurden bei den Griechen von [[Euklid]], nach dem Kommentar von [[Proklos]] zu Euklids Elementen von [[Pythagoras von Samos|Pythagoras]] und [[Platon]] behandelt und später von [[Diophant von Alexandrien|Diophant]]. | Pythagoreische Tripel wurden bei den Griechen von [[Euklid]], nach dem Kommentar von [[Proklos]] zu Euklids Elementen von [[Pythagoras von Samos|Pythagoras]] und [[Platon]] behandelt und später von [[Diophant von Alexandrien|Diophant]]. | ||
== Beispiele == | == Beispiele == | ||
* <math>(3,\ 4,\ 5)</math> ist das kleinste und bekannteste | * <math>(3,\ 4,\ 5)</math> ist das kleinste und bekannteste pythagoräische Tripel. Es ist primitiv, denn die drei natürlichen Zahlen haben nur 1 als Teiler gemeinsam. | ||
* <math>(5,\ 12,\ 13)</math> und <math>(8,\ 15,\ 17)</math> sind Beispiele für weitere kleine primitive | * <math>(5,\ 12,\ 13)</math> und <math>(8,\ 15,\ 17)</math> sind Beispiele für weitere kleine primitive pythagoräische Tripel. | ||
* Beispiele für nicht primitive | * Beispiele für nicht primitive pythagoräische Tripel sind <math>(15,\ 20,\ 25)</math> mit <math>5</math> als einem gemeinsamen Teiler oder <math>(15,\ 36,\ 39)</math> mit dem gemeinsamen Teiler <math>3</math>. | ||
== Familien | == Familien pythagoräischer Tripel == | ||
{| class="wikitable" | {| class="wikitable" | ||
! Familie | ! Familie | ||
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Die Mitglieder dieser Familien können durch die Anwendung der Euklidischen Formel <math>\frac{n}{d}\ \rightarrow\ [a,\ b,\ c]=[n^2\!-d^2,\ 2\!\cdot\! n \!\cdot\! d,\ n^2\!+d^2]</math> auf den Zähler <math>n</math> und den Nenner <math>d</math> in Folgen von Brüchen identifiziert werden, insbesondere in Folgen von Brüchen, die aus den [[Kettenbrüche quadratischer Irrationalitäten|periodischen Kettenbrüchen quadratischer Irrationalitäten]] stammen.<ref>{{Literatur|Sprache=de|Autor=Frédéric BEATRIX|Titel=Unlocking a new realm of Pythagorean triples|Sammelwerk=parabola|Band=59|Nummer=2|Datum=2023|Online=https://www.researchgate.net/publication/388046763_Unlocking_a_new_realm_of_Pythagorean_triples|Format=pdf}}</ref> | Die Mitglieder dieser Familien können durch die Anwendung der Euklidischen Formel <math>\frac{n}{d}\ \rightarrow\ [a,\ b,\ c]=[n^2\!-d^2,\ 2\!\cdot\! n \!\cdot\! d,\ n^2\!+d^2]</math> auf den Zähler <math>n</math> und den Nenner <math>d</math> in Folgen von Brüchen identifiziert werden, insbesondere in Folgen von Brüchen, die aus den [[Kettenbrüche quadratischer Irrationalitäten|periodischen Kettenbrüchen quadratischer Irrationalitäten]] stammen.<ref>{{Literatur|Sprache=de|Autor=Frédéric BEATRIX|Titel=Unlocking a new realm of Pythagorean triples|Sammelwerk=parabola|Band=59|Nummer=2|Datum=2023|Online=https://www.researchgate.net/publication/388046763_Unlocking_a_new_realm_of_Pythagorean_triples|Format=pdf}}</ref> | ||
== Erzeugung der | == Erzeugung der pythagoräischen Tripel == | ||
[[Datei:PythTrip.gif|mini|250px|Pythagoreische Tripel im kartesischen Koordinatensystem mit x und y von 1 bis 2500. Die deutlich dunklen Linien markieren Tripel der Form <math>(3n,\ 4n,\ 5n).</math> Weitere Regelmäßigkeiten werden in der [[:Datei:PythTrip.gif|Vergröße­rung]] sichtbar. Die Symmetrie zur 45°-Achse ist eine Folge des [[Kommutativgesetz]]es.]] | [[Datei:PythTrip.gif|mini|250px|Pythagoreische Tripel im kartesischen Koordinatensystem mit x und y von 1 bis 2500. Die deutlich dunklen Linien markieren Tripel der Form <math>(3n,\ 4n,\ 5n).</math> Weitere Regelmäßigkeiten werden in der [[:Datei:PythTrip.gif|Vergröße­rung]] sichtbar. Die Symmetrie zur 45°-Achse ist eine Folge des [[Kommutativgesetz]]es.]] | ||
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: <math>b = 2\;\!mn</math> | : <math>b = 2\;\!mn</math> | ||
: <math>c = m^2 + n^2</math> | : <math>c = m^2 + n^2</math> | ||
liefern für beliebige <math>m, n \in \N, m > n > 0</math><ref name="Null" /> ein | liefern für beliebige <math>m, n \in \N, m > n > 0</math><ref name="Null" /> ein pythagoräisches Tripel <math>(a,\ b,\ c)</math>. Es ist genau dann primitiv, wenn <math>m</math> und <math>n</math> [[teilerfremd]] und nicht beide ungerade sind. | ||
Diese Formeln wurden von [[Euklid]] angegeben (Elemente, Buch 10, Proposition 29, Lemma 1).<ref>David Joyce: ''[http://aleph0.clarku.edu/~djoyce/elements/bookX/propX29.html Euclids Elements.]''</ref> Sie werden manchmal ''indische Formeln'' genannt, da sie explizit auch vom indischen Mathematiker [[Brahmagupta]] (598–668) knapp 900 Jahre später angegeben wurden.<ref>Dickson: ''History of the Theory of Numbers.'' Band 2, Carnegie Institution 1920, S. 166.</ref><ref>{{Literatur |Autor=Harald Scheid |Titel=Zahlentheorie |Auflage=3. |Verlag=Spektrum Akademischer Verlag |Ort=Heidelberg u. a. |Datum=2003 |ISBN=3-8274-1365-6 |Seiten=225}}</ref> Möglicherweise waren sie auch den Babyloniern bekannt bei ihrer Erstellung | Diese Formeln wurden von [[Euklid]] angegeben (Elemente, Buch 10, Proposition 29, Lemma 1).<ref>David Joyce: ''[http://aleph0.clarku.edu/~djoyce/elements/bookX/propX29.html Euclids Elements.]''</ref> Sie werden manchmal ''indische Formeln'' genannt, da sie explizit auch vom indischen Mathematiker [[Brahmagupta]] (598–668) knapp 900 Jahre später angegeben wurden.<ref>Dickson: ''History of the Theory of Numbers.'' Band 2, Carnegie Institution 1920, S. 166.</ref><ref>{{Literatur |Autor=Harald Scheid |Titel=Zahlentheorie |Auflage=3. |Verlag=Spektrum Akademischer Verlag |Ort=Heidelberg u. a. |Datum=2003 |ISBN=3-8274-1365-6 |Seiten=225}}</ref> Möglicherweise waren sie auch den Babyloniern bekannt bei ihrer Erstellung pythagoräischer Tripel,<ref>André Weil: ''Number theory. An approach through history from Hammurapi to Legendre.'' Birkhäuser 1984, S. 8. Als Alternative gibt er die Formel <math>a^2 = (b-c)(b+c)</math> an, wobei die Babylonier entsprechend ihrem Zahlensystem auf Basis 60 für <math>a</math> nur Produkte von 2, 3, 5 genommen hätten und <math>b</math> und <math>c</math> sich durch systematisches Ausprobieren ergäben.</ref> denn die Formeln ergeben sich unmittelbar aus der [[Babylonische Mathematik|babylonischen Multiplikationsformel]] | ||
:<math>k \cdot l = {\left( \frac {k+l}{2}\right)\!}^2 - {\left( \frac {k-l}{2}\right)\!}^2,</math> | :<math>k \cdot l = {\left( \frac {k+l}{2}\right)\!}^2 - {\left( \frac {k-l}{2}\right)\!}^2,</math> | ||
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wenn man <math>k = m^2</math> und <math>l = n^2</math> setzt und mit <math>2^2</math> multipliziert: <math>\quad (2\;\!mn)^2 = \left(m^2+n^2\right)^2 - \left(m^2-n^2\right)^2</math>. | wenn man <math>k = m^2</math> und <math>l = n^2</math> setzt und mit <math>2^2</math> multipliziert: <math>\quad (2\;\!mn)^2 = \left(m^2+n^2\right)^2 - \left(m^2-n^2\right)^2</math>. | ||
Umgekehrt lässt sich jedes primitive | Umgekehrt lässt sich jedes primitive pythagoräische Tripel <math>(a,\ b,\ c)</math> mit Hilfe dieser Formeln aus teilerfremden <math>m, n \in \N</math> erzeugen. | ||
Jedes nicht-primitive | Jedes nicht-primitive pythagoräische Tripel <math>(A, B, C)</math> kann aus einem primitiven pythagoräischen Tripel <math>(a, b, c)</math> durch <math>(A, B, C) = (Na, Nb, Nc)</math> berechnet werden. Die natürliche Zahl <math>N</math> ist der [[Größter gemeinsamer Teiler|größte gemeinsame Teiler]] von <math>A,\ B,\ C</math> und damit eindeutig bestimmt. | ||
''Beispiele:'' | ''Beispiele:'' | ||
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** Multiplikation mit <math>N = 2</math> liefert <math>(6,\ 8,\ 10)</math>. Es ergibt sich auch nach der babylonischen Multiplikationsformel aus <math>k = 3,\ l = 1.</math> Weil <math>3</math> und <math>1</math> beide ungerade sind, ist es nicht primitiv. | ** Multiplikation mit <math>N = 2</math> liefert <math>(6,\ 8,\ 10)</math>. Es ergibt sich auch nach der babylonischen Multiplikationsformel aus <math>k = 3,\ l = 1.</math> Weil <math>3</math> und <math>1</math> beide ungerade sind, ist es nicht primitiv. | ||
* <math>m = 3,\ n = 2</math> liefert das primitive Tripel <math>(5,\ 12,\ 13)</math>. | * <math>m = 3,\ n = 2</math> liefert das primitive Tripel <math>(5,\ 12,\ 13)</math>. | ||
** Multiplikation mit <math>N = 7</math> liefert <math>(35,\ 84,\ 91)</math>; dies ist ein | ** Multiplikation mit <math>N = 7</math> liefert <math>(35,\ 84,\ 91)</math>; dies ist ein pythagoräisches Tripel, das sich nicht mit den Formeln nach Euklid erzeugen lässt. Diese erzeugen zwar alle primitiven, aber nur einen Teil der nicht-primitiven Tripel. | ||
Die Verbindung der von B. Berggren (1934)<ref>B. Berggren: ''Pytagoreiska trianglar.'' Tidskrift för Elementär Matematik, Fysik och Kemi (in Swedish) 17 (1934), S. 129–139.</ref> und von A. Hall (1970)<ref>A. Hall: ''Genealogy of Pythagorean triads.'' Math. Gazette 54 (1970), S. 377–379.</ref> bekannten [[Baum primitiver | Die Verbindung der von B. Berggren (1934)<ref>B. Berggren: ''Pytagoreiska trianglar.'' Tidskrift för Elementär Matematik, Fysik och Kemi (in Swedish) 17 (1934), S. 129–139.</ref> und von A. Hall (1970)<ref>A. Hall: ''Genealogy of Pythagorean triads.'' Math. Gazette 54 (1970), S. 377–379.</ref> bekannten [[Baum primitiver pythagoräischer Tripel|Baumstruktur der primitiven pythagoräischen Tripel]] mit der [[Modulare Gruppe (M-Gruppe)|modularen Gruppe]] untersuchte R. C. Alperin (2005)<ref>{{Internetquelle |autor=R. C. Alperin |url=http://www.math.sjsu.edu/~alperin/pt.pdf |titel=The Modular Tree of Pythagoras |werk=math.sjsu.edu |datum=2005 |format=PDF |abruf=2020-06-04}}</ref>. Sämtliche primitiven pythagoräischen Tripel lassen sich über sieben verschiedene [[Lineare Abbildung|Lineartransformationen]], jeweils ausgehend von <math>(3, 4, 5)</math>, in (bis auf die Anordnung) genau drei verschiedenen ternären [[Wurzelbaum|Wurzelbäumen]] erzeugen, wie Firstov allgemein bewies.<ref>{{Internetquelle |autor=V. E. Firstov |url=http://mi.mathnet.ru/eng/mz4074 |titel=A Special Matrix Transformation Semigroup of Primitive Pairs and the Genealogy of Pythagorean Triples |werk=mathnet.ru |datum=2008 |format=PDF; 669 kB |abruf=2020-05-04}}</ref> Genau ein Wurzelbaum hat mit einem anderen jeweils eine Lineartransformation gemeinsam, eine davon erzeugt bspw. alle (primitiven) pythagoräischen Tripel <math>(x,\ y,\ y+1)</math>, auch alle mit einer beliebigen ungeraden Primzahl <math>x</math>, und der von Price<ref>{{Internetquelle |autor=H. Lee Price |url=https://arxiv.org/pdf/0809.4324.pdf |titel=The Pythagorean Tree: A New Species |werk=arxiv.org |datum=2008-09 |format=PDF; 298 kB |abruf=2020-02-29}}</ref> entdeckte andere Wurzelbaum die beiden (gemischten) Darstellungen <math>(p'q',\ 2pq,\ pq'+qp')</math> und <math>(p'q',\ 2pq,\ pq'-qp')</math> der primitiven Tripel mit ungeradem <math>q </math>, einem dazu teilerfremden <math>q'</math> und <math>p=q'+q,\ p'=q+p</math>.<ref>{{Internetquelle |autor=Frank Bernhart, H. Lee Price |url=https://arxiv.org/pdf/math/0701624.pdf |titel=Heron’s Formula, Descartes Circles, and Pythagorean Triangles |werk=arxiv.org |datum=2007-01-01 |format=PDF; 285 kB |abruf=2020-02-29}}</ref> | ||
=== Herleitung der Formel zur Bildung der | === Herleitung der Formel zur Bildung der pythagoräischen Tripel === | ||
Ist <math>(a,b,c)</math> ein | Ist <math>(a,b,c)</math> ein pythagoräisches Tripel, so ergibt die Division der zugehörigen Gleichung <math>a^2 + b^2 = c^2</math> durch <math>c^2</math> | ||
{{NumBlk |1=: |2=<math>\left(\frac{a}{c}\right)^2 + \left(\frac{b}{c}\right)^2 = 1</math>. {{Anker|Nrm1}} |3=Nrm1}} | {{NumBlk |1=: |2=<math>\left(\frac{a}{c}\right)^2 + \left(\frac{b}{c}\right)^2 = 1</math>. {{Anker|Nrm1}} |3=Nrm1}} | ||
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: <math>\left(\frac{a}{c},\frac{b}{c}\right) = \left(\frac{1-\frac{v^2}{u^2}}{1+\frac{v^2}{u^2}},\frac{\frac{2v}u}{1+\frac{v^2}{u^2}}\right) = \left(\frac{u^2-v^2}{u^2+v^2},\frac{2uv}{u^2+v^2}\right)</math> | : <math>\left(\frac{a}{c},\frac{b}{c}\right) = \left(\frac{1-\frac{v^2}{u^2}}{1+\frac{v^2}{u^2}},\frac{\frac{2v}u}{1+\frac{v^2}{u^2}}\right) = \left(\frac{u^2-v^2}{u^2+v^2},\frac{2uv}{u^2+v^2}\right)</math> | ||
Dies ergibt das | Dies ergibt das pythagoräische Tripel | ||
: <math>(a,b,c) = (u^2-v^2,2uv,u^2+v^2).</math> | : <math>(a,b,c) = (u^2-v^2,2uv,u^2+v^2).</math> | ||
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Die ungerade Primzahl <math>p</math> teilt also <math>u</math> und wegen <math>v^2 \equiv u^2 \pmod p</math> auch <math>v</math>. Das steht jedoch in Widerspruch zur Teilerfremdheit von <math>u</math> und <math>v</math>, sodass <math>p</math> nicht ungerade sein kann. Also bleibt nur <math>N = 2</math>, was mit <math>u \equiv v \equiv 1 \pmod 2</math> offenbar auch tatsächlich möglich und immer der Fall ist. | Die ungerade Primzahl <math>p</math> teilt also <math>u</math> und wegen <math>v^2 \equiv u^2 \pmod p</math> auch <math>v</math>. Das steht jedoch in Widerspruch zur Teilerfremdheit von <math>u</math> und <math>v</math>, sodass <math>p</math> nicht ungerade sein kann. Also bleibt nur <math>N = 2</math>, was mit <math>u \equiv v \equiv 1 \pmod 2</math> offenbar auch tatsächlich möglich und immer der Fall ist. | ||
Man kann solche <math>u, v</math>, die teilerfremd und beide ungerade sind, jedoch aussortieren, ohne primitive | Man kann solche <math>u, v</math>, die teilerfremd und beide ungerade sind, jedoch aussortieren, ohne primitive pythagoräische Tripel zu verlieren. Denn, wenn <math>u</math> und <math>v</math> das Tripel <math>(2a,2b,2c)</math> ergeben, so ergeben <math>u' = (u+v)/2</math> und <math>v' = (u-v)/2</math> das Tripel <math>(b,a,c)</math>. Dabei sind <math>u', v'</math> teilerfremd und nicht beide ungerade. | ||
=== Erzeugung primitiver | === Erzeugung primitiver pythagoräischer Tripel mit der babylonischen Multiplikationsformel === | ||
Die [[Babylonische_Mathematik|babylonische Multiplikationsformel]] | Die [[Babylonische_Mathematik|babylonische Multiplikationsformel]] | ||
: <math>a = k l</math> | : <math>a = k l</math> | ||
: <math>b = \frac{k^2 - l^2}{2}</math> | : <math>b = \frac{k^2 - l^2}{2}</math> | ||
: <math>c = \frac{k^2 + l^2}{2}</math> | : <math>c = \frac{k^2 + l^2}{2}</math> | ||
<!-- Siehe Erzeugung der | <!-- Siehe Erzeugung der pythagoräischen Tripel, da steht das schon mal --> | ||
liefern für teilerfremde ungerade <math>k, l \in \N</math><ref name="Null" /> mit <math>k > l</math> ein primitives | liefern für teilerfremde ungerade <math>k, l \in \N</math><ref name="Null" /> mit <math>k > l</math> ein primitives pythagoräisches Tripel.<ref>{{Internetquelle |autor=Franz Lemmermeyer |url=https://www.researchgate.net/profile/Franz_Lemmermeyer/publication/240907491_Kreise_und_Quadrate_modulo_p/links/568f8dc508aef987e569ee2b/Kreise-und-Quadrate-modulo-p.pdf |titel=Kreise und Quadrate modulo p |werk=researchgate.net |format=PDF; 331 kB; S. 2. |abruf=2020-10-11}}</ref> | ||
=== Herleitung aus Hilbert 90 === | === Herleitung aus Hilbert 90 === | ||
Dass diese Parametrisierung | Dass diese Parametrisierung pythagoräischer Tripel mit [[Hilberts Satz 90]] für den Fall <math>\Q[\mathrm{i}]/\Q</math> geradeswegs äquivalent ist, hat [[Noam D. Elkies]] erkannt, vor ihm womöglich schon [[Olga Taussky]] und [[Takashi Ono]].<ref name="LemmermeyerTausskyOno">[[Noam D. Elkies]]: ''Pythagroean triples and Hilbert's Theorem 90'', siehe [[#Literatur|Literatur]]. Beachte allerdings, dass Noam Elkies [https://people.math.harvard.edu/~elkies/Misc/ auf seiner Homepage] (unter „One-page Papers“) einen Dank an [[Franz Lemmermeyer]] richtet, der seinerseits auf Arbeiten [[Olga Taussky]] und [[Takashi Ono (Mathematiker)|Takashi Ono]] hingewiesen hat: ''“Thanks to F.Lemmermeyer for recognizing the Pythagorean case of this proof from the beginning of Olga Taussky's ‘Sums of Squares’, American Mathematical Monthly, Vol.77 (1970), 805-830. Lemmermeyer notes that Ono gives the same proof in his book ‘Variations on a Theme of Euler: Quadratic Forms, Elliptic Curves and Hopf Maps’ [Plenum Press 1994]. There's no reference to O.Taussky there either, so presumably Ono also discovered this independently.”''</ref> | ||
Denn das Bestehen der Gleichung [[#Nrm1|(Nrm1)]] ist äquivalent damit, dass <math>N_{\Q[\mathrm{i}]/\Q} \left( \frac{a + \mathrm{i}b}{c} \right) = 1</math>. Hilberts Satz 90 liefert ein Element <math>x\in \Q[\mathrm{i}]</math> mit <math>\frac{a + \mathrm{i}b}{c} = \frac{x}{\overline{x}}</math>, welches sogar ohne Einschränkung aus dem [[Ganzheitsring]] <math>\Z[\mathrm{i}] </math> der [[Gaußsche Zahl|Gaußschen Zahlen]] gewählt werden kann, so dass mit <math>x = m + n\mathrm{i}</math> insgesamt <math> \frac{a + \mathrm{i}b}{c} = \frac{x^2}{|x|^2} = \frac{m^2 - n^2 + 2mn\,\mathrm{i}}{m^2 + n^2}</math> gilt, woraus die Behauptung folgt, denn diese trifft eine Aussage über die [[Homogene Koordinaten|''homogenen Koordinaten'']] <math>(a:b:c)</math> und ihre homogene Parametrisierung durch die in den Variablen <math>m, n</math> [[Homogene Funktion|''homogenen'' Polynomfunktionen]] vom Grad <math>2</math>. Dass sich alle ''primitiven'' | Denn das Bestehen der Gleichung [[#Nrm1|(Nrm1)]] ist äquivalent damit, dass <math>N_{\Q[\mathrm{i}]/\Q} \left( \frac{a + \mathrm{i}b}{c} \right) = 1</math>. Hilberts Satz 90 liefert ein Element <math>x\in \Q[\mathrm{i}]</math> mit <math>\frac{a + \mathrm{i}b}{c} = \frac{x}{\overline{x}}</math>, welches sogar ohne Einschränkung aus dem [[Ganzheitsring]] <math>\Z[\mathrm{i}] </math> der [[Gaußsche Zahl|Gaußschen Zahlen]] gewählt werden kann, so dass mit <math>x = m + n\mathrm{i}</math> insgesamt <math> \frac{a + \mathrm{i}b}{c} = \frac{x^2}{|x|^2} = \frac{m^2 - n^2 + 2mn\,\mathrm{i}}{m^2 + n^2}</math> gilt, woraus die Behauptung folgt, denn diese trifft eine Aussage über die [[Homogene Koordinaten|''homogenen Koordinaten'']] <math>(a:b:c)</math> und ihre homogene Parametrisierung durch die in den Variablen <math>m, n</math> [[Homogene Funktion|''homogenen'' Polynomfunktionen]] vom Grad <math>2</math>. Dass sich alle ''primitiven'' pythagoräischen Tripel durch <math>(m^2 - n^2, 2mn, m^2 + n^2)</math> darstellen lassen, folgt mit derselben elementaren Überlegung wie oben (nämlich: <math>\operatorname{ggT}(a,b,c)=1 \Leftrightarrow 2|mn \land \operatorname{ggT}(m,n)=1</math>). | ||
=== Weitere Formeln für | === Weitere Formeln für pythagoräische Tripel === | ||
Aus der Antike stammen nach Proklos die Formeln von Pythagoras und Plato. | Aus der Antike stammen nach Proklos die Formeln von Pythagoras und Plato. | ||
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: <math>(2n,\ n^2-1,\ n^2+1)</math>. | : <math>(2n,\ n^2-1,\ n^2+1)</math>. | ||
Viele weitere Formeln findet man unter [[Formeln zur Erzeugung | Viele weitere Formeln findet man unter [[Formeln zur Erzeugung pythagoräischer Tripel]]. | ||
== Primitive | == Primitive pythagoräische Tripel == | ||
Primitive | Primitive pythagoräischen Tripel <math>(a,\ b,\ c)</math> sind solche, für die <math>a, b</math> und <math>c</math> keinen gemeinsamen Teiler außer 1 haben (diese drei Zahlen sind dann auch paarweise [[teilerfremd]]). | ||
* Von den Zahlen <math>a</math> und <math>b</math> ist jeweils eine ungerade und die andere durch 4 teilbar, die größere Zahl <math>c</math> ist jeweils ungerade. | * Von den Zahlen <math>a</math> und <math>b</math> ist jeweils eine ungerade und die andere durch 4 teilbar, die größere Zahl <math>c</math> ist jeweils ungerade. | ||
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* Das Produkt <math>a \!\cdot\! b \!\cdot\! c</math> aller drei Zahlen ist immer durch 60 teilbar (gilt natürlich auch für nicht primitive Tripel). | * Das Produkt <math>a \!\cdot\! b \!\cdot\! c</math> aller drei Zahlen ist immer durch 60 teilbar (gilt natürlich auch für nicht primitive Tripel). | ||
=== Beispiele primitiver | === Beispiele primitiver pythagoräischer Tripel === | ||
Nach den Euklidischen Regeln erhält man als ''primitive'' | Nach den Euklidischen Regeln erhält man als ''primitive'' pythagoräische Tripel zum Beispiel (aufsteigend geordnet nach <math>m+n</math> und bei Gleichheit dann nach der kleineren Zahl <math>n</math>): | ||
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Die primitiven | Die primitiven pythagoräischen Tripel mit <math>c < 300</math> (aufsteigend geordnet nach der größten der drei Zahlen und bei Gleichheit dann nach der kleinsten) sind: | ||
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=== Bemerkenswertes === | === Bemerkenswertes === | ||
Zwei Folgen von | Zwei Folgen von pythagoräischen Tripeln sind noch bemerkenswert: | ||
* <math>m = k+1</math> und <math>n = k \quad (1 \le k \in \N)</math><ref name="Null" /> ergibt mit <math>(m^2-n^2,\ 2\;\!mn,\ m^2+n^2)</math> | * <math>m = k+1</math> und <math>n = k \quad (1 \le k \in \N)</math><ref name="Null" /> ergibt mit <math>(m^2-n^2,\ 2\;\!mn,\ m^2+n^2)</math> | ||
:: <math>(3, 4, 5),\; (5, 12, 13),\; (7, 24, 25),\; (9, 40, 41),\; (11, 60, 61),\; (13, 84, 85),\; \dotsc,\; (2k+1,\ 2k^2+2k,\ 2k^2+2k+1),\ \dotsc</math><ref>Die letztgenannte Formel nennt schon [[Pythagoras von Samos|Pythagoras]] (etwa 570–510 v. Chr.); vgl. {{Literatur |Autor=Harald Scheid |Titel=Zahlentheorie |Auflage=3. |Verlag=Spektrum Akademischer Verlag |Ort=Heidelberg u. a. |Datum=2003 |ISBN=3-8274-1365-6 |Seiten=225}}</ref> | :: <math>(3, 4, 5),\; (5, 12, 13),\; (7, 24, 25),\; (9, 40, 41),\; (11, 60, 61),\; (13, 84, 85),\; \dotsc,\; (2k+1,\ 2k^2+2k,\ 2k^2+2k+1),\ \dotsc</math><ref>Die letztgenannte Formel nennt schon [[Pythagoras von Samos|Pythagoras]] (etwa 570–510 v. Chr.); vgl. {{Literatur |Autor=Harald Scheid |Titel=Zahlentheorie |Auflage=3. |Verlag=Spektrum Akademischer Verlag |Ort=Heidelberg u. a. |Datum=2003 |ISBN=3-8274-1365-6 |Seiten=225}}</ref> | ||
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:Der Halbumfang eines rechtwinkeligen Dreiecks mit diesen Seitenlängen beträgt <math>s = 4n^2+2n</math>. | :Der Halbumfang eines rechtwinkeligen Dreiecks mit diesen Seitenlängen beträgt <math>s = 4n^2+2n</math>. | ||
<!-- unverständlich, was fehlt? Klingt nach Menschsprech -->Auch in dem noch fehlenden Fall <math>2 \cdot (2n+1)</math> des Doppelten einer ungeraden Zahl findet man leicht immer ein (natürlich nicht primitives) | <!-- unverständlich, was fehlt? Klingt nach Menschsprech -->Auch in dem noch fehlenden Fall <math>2 \cdot (2n+1)</math> des Doppelten einer ungeraden Zahl findet man leicht immer ein (natürlich nicht primitives) pythagoräisches Tripel, indem man die Lösungen der ersten Folge einfach zu <math>(4n+2, 4n^2+4n, 4n^2+4n+2)</math> verdoppelt. Somit kann man zu ''jeder'' natürlichen Zahl <math>x > 2</math> ein Zahlenpaar <math>(b,c)</math> finden, mit dem sich <math>x</math> zu einem pythagoräischen Tripel <math>(x,\ y,\ z)</math> ergänzen lässt – bei ungeradem <math>a</math> mit der Differenz 1, bei geradem <math>a</math> mit Differenz 2: | ||
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Mit '''*''' sind nichtprimitive Tripel markiert. Diese Fälle für <math>a = 4n+2</math> sind redundant, da sie auch durch Verdoppelung von <math>a = 2n+1</math> entstehen. | Mit '''*''' sind nichtprimitive Tripel markiert. Diese Fälle für <math>a = 4n+2</math> sind redundant, da sie auch durch Verdoppelung von <math>a = 2n+1</math> entstehen. | ||
=== Höhe primitiver | === Höhe primitiver pythagoräischer Tripel === | ||
Primitive | Primitive pythagoräische Tripel <math>\left( (1 + 2 i) (1 + 2 j), 2 (i - j) (1 + i + j), (i - j)^2 + (1 + i + j)^2 \right)</math> mit <math>i, j \in \N_0, i > j, \operatorname{ggT}(i - j, 1 + i + j)=1</math> haben (zur Hypotenuse) stets eine unkürzbare Höhe | ||
: <math>h = \frac {2 (1 + 2 i) (1 + 2 j)}{\frac {i - j}{1 + i + j} + \frac {1 + i + j}{i - j}}</math>. | : <math>h = \frac {2 (1 + 2 i) (1 + 2 j)}{\frac {i - j}{1 + i + j} + \frac {1 + i + j}{i - j}}</math>. | ||
== Verallgemeinerung auf | == Verallgemeinerung auf pythagoräische (''N'' + 1)-Tupel == | ||
Pythagoreische Tripel können als Punkte mit ganzzahligen Koordinaten auf einem Kreis mit ganzzahligem Radius aufgefasst werden. Diese Idee lässt sich auf beliebig viele Dimensionen verallgemeinern derart, dass ein | Pythagoreische Tripel können als Punkte mit ganzzahligen Koordinaten auf einem Kreis mit ganzzahligem Radius aufgefasst werden. Diese Idee lässt sich auf beliebig viele Dimensionen verallgemeinern derart, dass ein pythagoräisches <math>(N+1)</math>-Tupel einen Punkt mit ganzzahligen Koordinaten auf einer <math>N</math>-dimensionalen [[Sphäre (Mathematik)|Hypersphäre]] mit ganzzahligem Radius darstellt. | ||
Alle diese <math>(N+1)</math>-Tupel sind Lösungen der [[Diophantische Gleichung|diophantischen Gleichung]] <math>\textstyle \sum_{k=1}^N x_k^2 = r^2</math>, wobei <math>r</math> den Radius bezeichnet. Für jedes <math>N > 1</math> sind für alle <math>N</math>-Tupel ganzer Zahlen unendlich viele Lösungen dieser Gleichung durch die folgende Identität gegeben: | Alle diese <math>(N+1)</math>-Tupel sind Lösungen der [[Diophantische Gleichung|diophantischen Gleichung]] <math>\textstyle \sum_{k=1}^N x_k^2 = r^2</math>, wobei <math>r</math> den Radius bezeichnet. Für jedes <math>N > 1</math> sind für alle <math>N</math>-Tupel ganzer Zahlen unendlich viele Lösungen dieser Gleichung durch die folgende Identität gegeben: | ||
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== Zusammenhang mit den heronischen Dreiecken == | == Zusammenhang mit den heronischen Dreiecken == | ||
Jedes zu einem | Jedes zu einem pythagoräischen Tripel gehörige Dreieck ist ein [[heronisches Dreieck]], das heißt, sowohl die Seitenlängen als auch der Flächeninhalt sind rationale Zahlen. Jedes heronische Dreieck lässt sich in zwei rechtwinklige Dreiecke zerlegen, die durch pythagoräische Tripel aus rationalen Zahlen gegeben sind. | ||
== Zusammenhang mit Faltungen eines Quadrates == | == Zusammenhang mit Faltungen eines Quadrates == | ||
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Faltet man ein Quadrat gemäß der Abbildung, so entstehen drei paarweise zueinander ähnliche rechtwinklige Dreiecke, für deren Seitenlängen jeweils gilt: | Faltet man ein Quadrat gemäß der Abbildung, so entstehen drei paarweise zueinander ähnliche rechtwinklige Dreiecke, für deren Seitenlängen jeweils gilt: | ||
:kleinere Kathetenlänge : größere Kathetenlänge : Hypotenusenlänge = 3 : 4 : 5. | :kleinere Kathetenlänge : größere Kathetenlänge : Hypotenusenlänge = 3 : 4 : 5. | ||
Durch diese Art des Faltens nach dem sogenannten [[Satz von Haga]] wird das kleinste | Durch diese Art des Faltens nach dem sogenannten [[Satz von Haga]] wird das kleinste pythagoräische Tripel geometrisch erzeugt. | ||
== Die Fermatsche Gleichung == | == Die Fermatsche Gleichung == | ||
Eine Verallgemeinerung der | Eine Verallgemeinerung der pythagoräischen Tripel erhält man, wenn man den Exponenten 2 durch eine natürliche Zahl <math>n</math> ersetzt. Man untersucht also die [[diophantische Gleichung]] | ||
: <math>a^n + b^n = c^n \qquad (2 < n \in \mathbb{N})</math> | : <math>a^n + b^n = c^n \qquad (2 < n \in \mathbb{N})</math> | ||
und sucht nach Lösungen durch ganze Zahlen <math>a,\ b,\ c</math> unter Ausschluss der ''trivialen'' Lösungen, bei denen eine der drei Zahlen gleich Null ist, oder durch natürliche<ref name="Null" /> Zahlen. | und sucht nach Lösungen durch ganze Zahlen <math>a,\ b,\ c</math> unter Ausschluss der ''trivialen'' Lösungen, bei denen eine der drei Zahlen gleich Null ist, oder durch natürliche<ref name="Null" /> Zahlen. | ||
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In [[Python (Programmiersprache)|Python]] ist List Comprehension ein elegantes Mittel, um | In [[Python (Programmiersprache)|Python]] ist List Comprehension ein elegantes Mittel, um pythagoräische Tripel zu bestimmen (Beispiel für alle Tripel mit c<100): | ||
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[(a, b, c) for a in range(1, 100) for b in range(a, 100) for c in range(b, 100) if a ** 2 + b ** 2 == c ** 2] | [(a, b, c) for a in range(1, 100) for b in range(a, 100) for c in range(b, 100) if a ** 2 + b ** 2 == c ** 2] | ||
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== In der Literatur == | == In der Literatur == | ||
In der [[Science-Fiction|Science-Fiction-Geschichte]] ''[[Ein Experiment]],'' 1913 anonym von [[Hans Dominik]] in ''[[Das Neue Universum]]'' erschienen, werden Folgen von Funkimpulsen, deren Anzahlen die | In der [[Science-Fiction|Science-Fiction-Geschichte]] ''[[Ein Experiment]],'' 1913 anonym von [[Hans Dominik]] in ''[[Das Neue Universum]]'' erschienen, werden Folgen von Funkimpulsen, deren Anzahlen die pythagoräischen Tripel <math>(3, 4, 5)</math> und <math>(5, 12, 13)</math> bilden, zu einem Planeten gesendet in der Hoffnung, dort intelligente Außerirdische ansprechen zu können. | ||
== Siehe auch == | == Siehe auch == | ||
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== Weblinks == | == Weblinks == | ||
{{Wikiversity|Mathematik/Einführender Text/Pythagoreische Tripel und der Einheitskreis/Vortrag|Ein einführender Vortrag zu | {{Wikiversity|Mathematik/Einführender Text/Pythagoreische Tripel und der Einheitskreis/Vortrag|Ein einführender Vortrag zu pythagoräischen Tripeln}} | ||
* [http://www.mathe.tu-freiberg.de/~hebisch/cafe/pythtripel.html Vertiefendes zu den Pythagoreischen Zahlentripeln und Beweise] | * [http://www.mathe.tu-freiberg.de/~hebisch/cafe/pythtripel.html Vertiefendes zu den Pythagoreischen Zahlentripeln und Beweise] | ||
* {{MathWorld |id=PythagoreanTriple |title=Pythagorean Triple}} | * {{MathWorld |id=PythagoreanTriple |title=Pythagorean Triple}} | ||
Version vom 27. März 2026, 16:39 Uhr

In der Zahlentheorie besteht ein Pythagoreisches Tripel oder Pythagoreisches Zahlentripel aus drei verschiedenen natürlichen Zahlen[1], bei denen die Summe der Quadrate der beiden kleineren Zahlen gleich dem Quadrat der größten Zahl ist. Nach dem Satz des Pythagoras können die drei Zahlen eines Pythagoreischen Tripels auch als die Seitenlängen eines ebenen rechtwinkligen Dreiecks in der Euklidischen Geometrie aufgefasst werden. Wenn , und außer 1 keinen Teiler gemeinsam haben, spricht man von einem primitiven pythagoräischen Tripel.
Geschichte

Pythagoreische Tripel finden sich bereits auf babylonischen Tontafeln, die in die Zeit der Hammurabi-Dynastie datiert werden (1829 bis 1530 v. Chr.). Die Keilschrifttafel Plimpton 322 enthält 15 verschiedene pythagoräische Tripel,[2] u. a. , und , was darauf schließen lässt, dass bereits vor mehr als 3500 Jahren ein Verfahren zur Berechnung solcher Tripel bekannt war. Für Ägypten ist die explizite Erwähnung von pythagoräischen Tripeln nur aus einem demotischen Papyrus des 3. Jahrhunderts v. Chr. bekannt,[3] doch wurde auch die Verwendung insbesondere der Tripel und für Böschungswinkel bei einigen Pyramiden aus einer Zeit rund zweitausend Jahre vor dem erwähnten Papyrus diskutiert.[4]
Das indische Baudhayana-Sulbasutra aus dem 6. Jahrhundert vor Christus enthält fünf pythagoräische Tripel.[5]
Pythagoreische Tripel wurden bei den Griechen von Euklid, nach dem Kommentar von Proklos zu Euklids Elementen von Pythagoras und Platon behandelt und später von Diophant.
Beispiele
- ist das kleinste und bekannteste pythagoräische Tripel. Es ist primitiv, denn die drei natürlichen Zahlen haben nur 1 als Teiler gemeinsam.
- und sind Beispiele für weitere kleine primitive pythagoräische Tripel.
- Beispiele für nicht primitive pythagoräische Tripel sind mit als einem gemeinsamen Teiler oder mit dem gemeinsamen Teiler .
Familien pythagoräischer Tripel
| Familie | Eigenschaft | Beispiele |
|---|---|---|
| Pythagoras | ||
| Platon | ||
| Fermat | ||
Die Mitglieder dieser Familien können durch die Anwendung der Euklidischen Formel auf den Zähler und den Nenner in Folgen von Brüchen identifiziert werden, insbesondere in Folgen von Brüchen, die aus den periodischen Kettenbrüchen quadratischer Irrationalitäten stammen.[6]
Erzeugung der pythagoräischen Tripel
Die drei Formeln
liefern für beliebige [1] ein pythagoräisches Tripel . Es ist genau dann primitiv, wenn und teilerfremd und nicht beide ungerade sind.
Diese Formeln wurden von Euklid angegeben (Elemente, Buch 10, Proposition 29, Lemma 1).[7] Sie werden manchmal indische Formeln genannt, da sie explizit auch vom indischen Mathematiker Brahmagupta (598–668) knapp 900 Jahre später angegeben wurden.[8][9] Möglicherweise waren sie auch den Babyloniern bekannt bei ihrer Erstellung pythagoräischer Tripel,[10] denn die Formeln ergeben sich unmittelbar aus der babylonischen Multiplikationsformel
wenn man und setzt und mit multipliziert: .
Umgekehrt lässt sich jedes primitive pythagoräische Tripel mit Hilfe dieser Formeln aus teilerfremden erzeugen.
Jedes nicht-primitive pythagoräische Tripel kann aus einem primitiven pythagoräischen Tripel durch berechnet werden. Die natürliche Zahl ist der größte gemeinsame Teiler von und damit eindeutig bestimmt.
Beispiele:
- liefert das Tripel .
- Multiplikation mit liefert . Es ergibt sich auch nach der babylonischen Multiplikationsformel aus Weil und beide ungerade sind, ist es nicht primitiv.
- liefert das primitive Tripel .
- Multiplikation mit liefert ; dies ist ein pythagoräisches Tripel, das sich nicht mit den Formeln nach Euklid erzeugen lässt. Diese erzeugen zwar alle primitiven, aber nur einen Teil der nicht-primitiven Tripel.
Die Verbindung der von B. Berggren (1934)[11] und von A. Hall (1970)[12] bekannten Baumstruktur der primitiven pythagoräischen Tripel mit der modularen Gruppe untersuchte R. C. Alperin (2005)[13]. Sämtliche primitiven pythagoräischen Tripel lassen sich über sieben verschiedene Lineartransformationen, jeweils ausgehend von , in (bis auf die Anordnung) genau drei verschiedenen ternären Wurzelbäumen erzeugen, wie Firstov allgemein bewies.[14] Genau ein Wurzelbaum hat mit einem anderen jeweils eine Lineartransformation gemeinsam, eine davon erzeugt bspw. alle (primitiven) pythagoräischen Tripel , auch alle mit einer beliebigen ungeraden Primzahl , und der von Price[15] entdeckte andere Wurzelbaum die beiden (gemischten) Darstellungen und der primitiven Tripel mit ungeradem , einem dazu teilerfremden und .[16]
Herleitung der Formel zur Bildung der pythagoräischen Tripel
Ist ein pythagoräisches Tripel, so ergibt die Division der zugehörigen Gleichung durch
.
|
(Nrm1)
| |
Die Zahlen und sind rational und positiv und erfüllen die Koordinatengleichung des Einheitskreises
- .
Also ist ein Punkt mit rationalen Koordinaten auf dem Einheitskreis. Die Gerade durch die Punkte und schneidet die -Achse in einem Punkt , wobei die Steigung dieser Geraden ist, für die gilt:
Daher ist eine rationale Zahl.
Eliminiert man aus dieser Gleichung und der des Einheitskreises, erhält man mit
eine Bestimmungsgleichung für .
Wegen gilt , sodass man beide Seiten durch dividieren darf:
Damit haben wir also
oder, weil man mit teilerfremden natürlichen Zahlen setzen kann:
Dies ergibt das pythagoräische Tripel
Es kann vorkommen, dass , und einen gemeinsamen Teiler haben. Aus würde beispielsweise folgen.
Als einzige Möglichkeit hierfür kommt jedoch in Betracht. Denn angenommen, eine ungerade Primzahl teilte sowohl als auch , so wäre
- und
woraus man, weil prim und teilerfremd zu ist, so weiter schließen kann:
Die ungerade Primzahl teilt also und wegen auch . Das steht jedoch in Widerspruch zur Teilerfremdheit von und , sodass nicht ungerade sein kann. Also bleibt nur , was mit offenbar auch tatsächlich möglich und immer der Fall ist.
Man kann solche , die teilerfremd und beide ungerade sind, jedoch aussortieren, ohne primitive pythagoräische Tripel zu verlieren. Denn, wenn und das Tripel ergeben, so ergeben und das Tripel . Dabei sind teilerfremd und nicht beide ungerade.
Erzeugung primitiver pythagoräischer Tripel mit der babylonischen Multiplikationsformel
Die babylonische Multiplikationsformel
liefern für teilerfremde ungerade [1] mit ein primitives pythagoräisches Tripel.[17]
Herleitung aus Hilbert 90
Dass diese Parametrisierung pythagoräischer Tripel mit Hilberts Satz 90 für den Fall geradeswegs äquivalent ist, hat Noam D. Elkies erkannt, vor ihm womöglich schon Olga Taussky und Takashi Ono.[18]
Denn das Bestehen der Gleichung (Nrm1) ist äquivalent damit, dass . Hilberts Satz 90 liefert ein Element mit , welches sogar ohne Einschränkung aus dem Ganzheitsring der Gaußschen Zahlen gewählt werden kann, so dass mit insgesamt gilt, woraus die Behauptung folgt, denn diese trifft eine Aussage über die homogenen Koordinaten und ihre homogene Parametrisierung durch die in den Variablen homogenen Polynomfunktionen vom Grad . Dass sich alle primitiven pythagoräischen Tripel durch darstellen lassen, folgt mit derselben elementaren Überlegung wie oben (nämlich: ).
Weitere Formeln für pythagoräische Tripel
Aus der Antike stammen nach Proklos die Formeln von Pythagoras und Plato.
Pythagoras gibt die Seitenlängen
für ungerades an. Plato gibt die Seitenlängen
für gerade an.
Setzt man mit , ergibt die Formel von Pythagoras
- .
Die Formel für Plato ergibt für mit
- .
Viele weitere Formeln findet man unter Formeln zur Erzeugung pythagoräischer Tripel.
Primitive pythagoräische Tripel
Primitive pythagoräischen Tripel sind solche, für die und keinen gemeinsamen Teiler außer 1 haben (diese drei Zahlen sind dann auch paarweise teilerfremd).
- Von den Zahlen und ist jeweils eine ungerade und die andere durch 4 teilbar, die größere Zahl ist jeweils ungerade.
- Für jeden Primfaktor von gilt: .[19]
- Für jeden Primfaktor des Quadrats der Kathetenhalbierenden gilt: .[20]
- Das Produkt aller drei Zahlen ist immer durch 60 teilbar (gilt natürlich auch für nicht primitive Tripel).
Beispiele primitiver pythagoräischer Tripel
Nach den Euklidischen Regeln erhält man als primitive pythagoräische Tripel zum Beispiel (aufsteigend geordnet nach und bei Gleichheit dann nach der kleineren Zahl ):
| m | n | a | b | c | m | n | a | b | c | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 2 | 1 | 3 | 4 | 5 | 7 | 2 | 45 | 28 | 53 | |||
| 4 | 1 | 15 | 8 | 17 | 5 | 4 | 9 | 40 | 41 | |||
| 3 | 2 | 5 | 12 | 13 | 10 | 1 | 99 | 20 | 101 | |||
| 6 | 1 | 35 | 12 | 37 | 9 | 2 | 77 | 36 | 85 | |||
| 5 | 2 | 21 | 20 | 29 | 8 | 3 | 55 | 48 | 73 | |||
| 4 | 3 | 7 | 24 | 25 | 7 | 4 | 33 | 56 | 65 | |||
| 8 | 1 | 63 | 16 | 65 | 6 | 5 | 11 | 60 | 61 |
Die primitiven pythagoräischen Tripel mit (aufsteigend geordnet nach der größten der drei Zahlen und bei Gleichheit dann nach der kleinsten) sind:
(3, 4, 5) (5, 12, 13) (8, 15, 17) (7, 24, 25) (20, 21, 29) (12, 35, 37) (9, 40, 41) (28, 45, 53) (11, 60, 61) (16, 63, 65) (33, 56, 65) (48, 55, 73) (13, 84, 85) (36, 77, 85) (39, 80, 89) (65, 72, 97) (20, 99, 101) (60, 91, 109) (15, 112, 113) (44, 117, 125) (88, 105, 137) (17, 144, 145) (24, 143, 145) (51, 140, 149) (85, 132, 157) (119, 120, 169) (52, 165, 173) (19, 180, 181) (57, 176, 185) (104, 153, 185) (95, 168, 193) (28, 195, 197) (84, 187, 205) (133, 156, 205) (21, 220, 221) (140, 171, 221) (60, 221, 229) (105, 208, 233) (120, 209, 241) (32, 255, 257) (23, 264, 265) (96, 247, 265) (69, 260, 269) (115, 252, 277) (160, 231, 281) (161, 240, 289) (68, 285, 293)
Bemerkenswertes
Zwei Folgen von pythagoräischen Tripeln sind noch bemerkenswert:
- und [1] ergibt mit
- für jede Zahl ein Tripel, das die ungerade Zahl (als kleinste Zahl) enthält und bei dem sich die beiden anderen Zahlen um genau unterscheiden.
- Der Halbumfang eines rechtwinkeligen Dreiecks mit diesen Seitenlängen beträgt .
- [1] und ergibt mit
- für die durch 4 teilbare Zahl ein Tripel, das (als kleinste Zahl, außer für , dort ist es die mittlere Zahl) enthält und bei dem sich die beiden anderen Zahlen um genau unterscheiden.
- Der Halbumfang eines rechtwinkeligen Dreiecks mit diesen Seitenlängen beträgt .
Auch in dem noch fehlenden Fall des Doppelten einer ungeraden Zahl findet man leicht immer ein (natürlich nicht primitives) pythagoräisches Tripel, indem man die Lösungen der ersten Folge einfach zu verdoppelt. Somit kann man zu jeder natürlichen Zahl ein Zahlenpaar finden, mit dem sich zu einem pythagoräischen Tripel ergänzen lässt – bei ungeradem mit der Differenz 1, bei geradem mit Differenz 2:
| a | b | c | a | b | c | a | b | c | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 3 | 4 | 5 | 11 | 60 | 61 | 19 | 180 | 181 | ||
| 4 | 3 | 5 | 12 | 35 | 37 | 20 | 99 | 101 | ||
| 5 | 12 | 13 | 13 | 84 | 85 | 21 | 220 | 221 | ||
| *6 | 8 | 10 | *14 | 48 | 50 | *22 | 120 | 122 | ||
| 7 | 24 | 25 | 15 | 112 | 113 | 23 | 264 | 265 | ||
| 8 | 15 | 17 | 16 | 63 | 65 | 24 | 143 | 145 | ||
| 9 | 40 | 41 | 17 | 144 | 145 | 25 | 312 | 313 | ||
| *10 | 24 | 26 | *18 | 80 | 82 | *26 | 168 | 170 |
Mit * sind nichtprimitive Tripel markiert. Diese Fälle für sind redundant, da sie auch durch Verdoppelung von entstehen.
Höhe primitiver pythagoräischer Tripel
Primitive pythagoräische Tripel mit haben (zur Hypotenuse) stets eine unkürzbare Höhe
- .
Verallgemeinerung auf pythagoräische (N + 1)-Tupel
Pythagoreische Tripel können als Punkte mit ganzzahligen Koordinaten auf einem Kreis mit ganzzahligem Radius aufgefasst werden. Diese Idee lässt sich auf beliebig viele Dimensionen verallgemeinern derart, dass ein pythagoräisches -Tupel einen Punkt mit ganzzahligen Koordinaten auf einer -dimensionalen Hypersphäre mit ganzzahligem Radius darstellt.
Alle diese -Tupel sind Lösungen der diophantischen Gleichung , wobei den Radius bezeichnet. Für jedes sind für alle -Tupel ganzer Zahlen unendlich viele Lösungen dieser Gleichung durch die folgende Identität gegeben:
- mit sowie für alle .
Damit ergibt sich als Summe von Quadraten ganzer Zahlen und somit als natürliche Zahl zu . Der Beweis erfolgt direkt durch Einsetzen und Vereinfachen:
Beweis der Identität
Dies stimmt offensichtlich mit der rechten Seite der Gleichung überein, womit die Gültigkeit der Identität für alle -Tupel ganzer Zahlen gezeigt ist.
Alternativer Beweis
Eine bequemere Notation des Sachverhaltes und eine Formulierung als Satz ergibt sich durch Betrachtung der folgenden Abbildung:
Seien sowie mit , wobei die -te Komponente von , die -Einheitsmatrix und das dyadische Produkt des -ten kanonischen Einheitsvektors mit dem Vektor bezeichnen. Dann gilt:
Anschaulich handelt es sich hierbei um eine Abbildung, die jeden Gitterpunkt eines kartesischen Gitters auf einen weiteren solchen Gitterpunkt – mit der Eigenschaft, ganzzahligen euklidischen Abstand zum Ursprung zu haben – abbildet.
Der Beweis erfolgt auch hier durch einfaches Ausrechnen:
Das entspricht gerade der zuvor bewiesenen Identität.
Anzahl der Lösungen
Die Anzahl der Lösungen der diophantischen Gleichung hängt sowohl von als auch von ab. Für und kann die Anzahl der Lösungen für der folgenden Tabelle entnommen werden. Dabei bezeichnet die Anzahl der Lösungen in Dimensionen für den Abstand und die Gesamtanzahl aller Lösungen mit Abstand , es gilt also:
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | Folge in der OEIS | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 6 | 6 | 30 | 6 | 30 | 30 | 54 | 6 | 102 | 30 | OEIS:A267651 | |
| 8 | 24 | 104 | 24 | 248 | 312 | 456 | 24 | 968 | 744 | OEIS:A267326 | |
| 6 | 12 | 42 | 48 | 78 | 108 | 162 | 168 | 270 | 300 | OEIS:A267309 | |
| 8 | 32 | 136 | 160 | 408 | 720 | 1176 | 1200 | 2168 | 2912 | OEIS:A264390 |
Die Einträge in der Folge sind durch teilbar. Danny Rorabaugh hat dies am Beispiel gezeigt.[22] Der Beweis lässt sich problemlos auf alle verallgemeinern.
Gilt , so besitzt die diophantische Gleichung nur triviale Lösungen der Form . Interessanterweise muss gelten, damit für alle eine nichttriviale Lösung existiert. Dies folgt unmittelbar aus dem Vier-Quadrate-Satz von Lagrange, wonach jede natürliche Zahl (und damit auch jede Quadratzahl) als Summe von höchstens vier Quadratzahlen darstellbar ist, und der Tatsache, dass die einzige Darstellung als Summe von Quadratzahlen durch gegeben ist.
Zwillingstripel
Ein Zwillingstripel ist ein spezielles Pythagoreisches Tripel , bei dem sich die Katheten um 1 unterscheiden. ist das kleinste Zwillingstripel, weitere sind und die mit 696, 4059, 23660, 137903 oder 803760 beginnenden Tripel. Schon Albert Girard waren im 17. Jahrhundert vierzehn solcher Tripel bekannt, das größte mit .
Es gibt unendlich viele solcher Tripel, wie Pierre de Fermat zeigte, denn mit ist auch ein solches Tripel.[23] Eine weitere Formel ergibt sich aus der Standardform über und einsetzen von , als Lösung der Pell-Gleichung .[24][25] Sind die Generatoren eines solchen Tripels in der oben angegebenen Standardform, so sind Generatoren eines weiteren Tripels. Aufeinanderfolgende Werte erhält man über und es gilt .[26] Werden die Kathetenlängen der Lösungen nach Größe geordnet, so ist und . Es gibt auch explizite Formeln für .[27]
Außerdem gibt es unendlich viele Zwillingstripel, bei denen sich eine Seite und die Hypotenuse um 1 unterscheidet, wie z. B. (3,4,5), (5,12,13), (7,24,25), (9,40,41), (11,60,61), (13,84,85) oder (15,112,113). Das Quadrat von a ist die Summe der Zwillinge des Tripels:
Daher haben diese Zwillingstripel die Form .
Zusammenhang mit den heronischen Dreiecken
Jedes zu einem pythagoräischen Tripel gehörige Dreieck ist ein heronisches Dreieck, das heißt, sowohl die Seitenlängen als auch der Flächeninhalt sind rationale Zahlen. Jedes heronische Dreieck lässt sich in zwei rechtwinklige Dreiecke zerlegen, die durch pythagoräische Tripel aus rationalen Zahlen gegeben sind.
Zusammenhang mit Faltungen eines Quadrates

Faltet man ein Quadrat gemäß der Abbildung, so entstehen drei paarweise zueinander ähnliche rechtwinklige Dreiecke, für deren Seitenlängen jeweils gilt:
- kleinere Kathetenlänge : größere Kathetenlänge : Hypotenusenlänge = 3 : 4 : 5.
Durch diese Art des Faltens nach dem sogenannten Satz von Haga wird das kleinste pythagoräische Tripel geometrisch erzeugt.
Die Fermatsche Gleichung
Eine Verallgemeinerung der pythagoräischen Tripel erhält man, wenn man den Exponenten 2 durch eine natürliche Zahl ersetzt. Man untersucht also die diophantische Gleichung
und sucht nach Lösungen durch ganze Zahlen unter Ausschluss der trivialen Lösungen, bei denen eine der drei Zahlen gleich Null ist, oder durch natürliche[1] Zahlen.
Pierre de Fermat stellte um das Jahr 1637 die Behauptung auf, dass es keine derartigen Tripel gibt. Obwohl er keinen Beweis angab, wird diese Vermutung als großer Fermatscher Satz bezeichnet. Jahrhundertelang konnte kein Beweis gefunden werden. Die Suche danach führte aber zu vielen interessanten Erkenntnissen, insbesondere in der Zahlentheorie. Erst 1995 konnte der Mathematiker Andrew Wiles den Satz von Fermat schließlich beweisen.
Fermat besaß einen Beweis für den Fall und behandelte den eng verwandten Fall eines heronischen Dreiecks, dessen Flächeninhalt ein Quadrat ist (siehe Unendlicher Abstieg). Dieses Problem geht auch auf Diophant zurück.
Algorithmus
Ein möglicher Algorithmus in der Programmiersprache Haskell könnte folgendermaßen aussehen. Er erstellt für eine natürliche Zahl alle möglichen Tripel, deren Hypotenuse nicht überschreitet:
pythTripels n = [(k*x, k*y, k*z) | (x,y,z) <- primitives, k <- [1..n`div`z]] where
primitives = [(p^2-q^2, 2*p*q, p^2+q^2) | p <- takeWhile (\p -> p^2+1 <= n) [1..], q <- takeWhile (\q -> p^2+q^2 <= n) [1..p], odd (p+q) && gcd p q == 1]
In Python ist List Comprehension ein elegantes Mittel, um pythagoräische Tripel zu bestimmen (Beispiel für alle Tripel mit c<100):
[(a, b, c) for a in range(1, 100) for b in range(a, 100) for c in range(b, 100) if a ** 2 + b ** 2 == c ** 2]
In der Literatur
In der Science-Fiction-Geschichte Ein Experiment, 1913 anonym von Hans Dominik in Das Neue Universum erschienen, werden Folgen von Funkimpulsen, deren Anzahlen die pythagoräischen Tripel und bilden, zu einem Planeten gesendet in der Hoffnung, dort intelligente Außerirdische ansprechen zu können.
Siehe auch
Weblinks
- Vertiefendes zu den Pythagoreischen Zahlentripeln und Beweise
- Eric W. Weisstein: Pythagorean Triple. In: MathWorld (englisch).
Literatur
- Peter Bundschuh: Einführung in die Zahlentheorie. 6., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2008, ISBN 978-3-540-76490-8.
- Helmuth Gericke: Mathematik in Antike, Orient und Abendland. Matrix-Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-937715-71-1.
- Georges Ifrah: The Universal History of Computing. From Prehistory to the Invention of the Computer. Translated from the French by David Bellos, E. F. Harding, Sophie Wood, and Ian Monk. First published in France with the title Histoire universelle des chiffres by Editions Robert Laffont, Paris, in 1994. Harvill Press, London 1998, ISBN 1-86046-324-X.
- Andreas Loos, Hans-Joachim Rein: Dreiecke mit ganzzahligen Seitenlängen und einem Innenwinkel von 60°, 90° oder 120°. In: Der mathematische und naturwissenschaftliche Unterricht (MNU). 37. Jahrg., 1984, Heft 5, S. 275–279.
- Harald Scheid: Zahlentheorie. 3. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg u. a. 2003, ISBN 3-8274-1365-6.
- Noam David Elkies: Pythagorean triples and Hilbert’s Theorem 90. (1 S., harvard.edu [PDF; abgerufen am 20. November 2024]). –
- Siehe die Anmerkung auf seiner Homepage unter “One-page Papers” zur Beteiligung weitere Mathematiker (Franz Lemmermeyer, Olga Taussky und Takashi Ono).[18]
- Vergleiche auch DMV-Blog zu "120 Jahre Zahlbericht"
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f In diesem Artikel gilt 0 ist also keine natürliche Zahl.
- ↑ Georges Ifrah: The Universal History of Computing. From Prehistory to the Invention of the Computer. S. 151.
- ↑ Corinna Rossi: Mathematics and Architecture in Ancient Egypt. Cambridge UP 2003, S. 217. Sie zitiert Richard Parker: Demotic Mathematical Papyri. Brown University Press 1972, S. 3–4, 35–40.
- ↑ Rossi, loc. cit., S. 219. Die Chephren-Pyramide mit einem Böschungswinkel von rund 53° käme demnach für die Verwendung von in Betracht, die Rote Pyramide mit einem Böschungswinkel von rund 43° für .
- ↑ Helmuth Gericke: Mathematik in Antike, Orient und Abendland. Matrix-Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-937715-71-1, S. 68.
- ↑ Frédéric BEATRIX: Unlocking a new realm of Pythagorean triples. In: parabola. Band 59, Nr. 2, 2023 (researchgate.net [PDF]).
- ↑ David Joyce: Euclids Elements.
- ↑ Dickson: History of the Theory of Numbers. Band 2, Carnegie Institution 1920, S. 166.
- ↑ Harald Scheid: Zahlentheorie. 3. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg u. a. 2003, ISBN 3-8274-1365-6, S. 225.
- ↑ André Weil: Number theory. An approach through history from Hammurapi to Legendre. Birkhäuser 1984, S. 8. Als Alternative gibt er die Formel an, wobei die Babylonier entsprechend ihrem Zahlensystem auf Basis 60 für nur Produkte von 2, 3, 5 genommen hätten und und sich durch systematisches Ausprobieren ergäben.
- ↑ B. Berggren: Pytagoreiska trianglar. Tidskrift för Elementär Matematik, Fysik och Kemi (in Swedish) 17 (1934), S. 129–139.
- ↑ A. Hall: Genealogy of Pythagorean triads. Math. Gazette 54 (1970), S. 377–379.
- ↑ R. C. Alperin: The Modular Tree of Pythagoras. (PDF) In: math.sjsu.edu. 2005, abgerufen am 4. Juni 2020.
- ↑ V. E. Firstov: A Special Matrix Transformation Semigroup of Primitive Pairs and the Genealogy of Pythagorean Triples. (PDF; 669 kB) In: mathnet.ru. 2008, abgerufen am 4. Mai 2020.
- ↑ H. Lee Price: The Pythagorean Tree: A New Species. (PDF; 298 kB) In: arxiv.org. September 2008, abgerufen am 29. Februar 2020.
- ↑ Frank Bernhart, H. Lee Price: Heron’s Formula, Descartes Circles, and Pythagorean Triangles. (PDF; 285 kB) In: arxiv.org. 1. Januar 2007, abgerufen am 29. Februar 2020.
- ↑ Franz Lemmermeyer: Kreise und Quadrate modulo p. (PDF; 331 kB; S. 2.) In: researchgate.net. Abgerufen am 11. Oktober 2020.
- ↑ a b Noam D. Elkies: Pythagroean triples and Hilbert's Theorem 90, siehe Literatur. Beachte allerdings, dass Noam Elkies auf seiner Homepage (unter „One-page Papers“) einen Dank an Franz Lemmermeyer richtet, der seinerseits auf Arbeiten Olga Taussky und Takashi Ono hingewiesen hat: “Thanks to F.Lemmermeyer for recognizing the Pythagorean case of this proof from the beginning of Olga Taussky's ‘Sums of Squares’, American Mathematical Monthly, Vol.77 (1970), 805-830. Lemmermeyer notes that Ono gives the same proof in his book ‘Variations on a Theme of Euler: Quadratic Forms, Elliptic Curves and Hopf Maps’ [Plenum Press 1994]. There's no reference to O.Taussky there either, so presumably Ono also discovered this independently.”
- ↑ OEIS:A058529.
- ↑ register.austms.org.au
- ↑ Die letztgenannte Formel nennt schon Pythagoras (etwa 570–510 v. Chr.); vgl. Harald Scheid: Zahlentheorie. 3. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg u. a. 2003, ISBN 3-8274-1365-6, S. 225.
- ↑ Folge A267651 in OEIS
- ↑ Leonard E. Dickson, History of the Theory of Numbers, Band 2, S. 181f
- ↑ Twin Pythagorean Triples, Wolfram
- ↑ Vergleiche die OEIS Sequenzen 001652,046090,001653
- ↑ Albert Beiler, Recreations in the theory of numbers, Dover 1966, S. 123
- ↑ Albert Beiler, S. 125