„ihr“ – Versionsunterschied
| [ungesichtete Version] | [ungesichtete Version] |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
<p> | <p>[[ir]] | [[ih]] + [[-r]] | anderbezügliches Mehrzahlfürwort der Anderen als Sich und die Seinen; ursprüngliche Schreibweise ''ir'' ohne ''h'', durch ''w'' vorweg zu ''wir'' wird der Sinn in dessen Gegensatz von ''ir'' zu ''wir'' gewandelt, während der Wandel von ''ir'' zu ''er'' einen bestimmten einzelnen Anderen bezeichnet; 1. ihr, ihre, ''ihren'', ''ihrem'', ''ihrer'', ''ihres'', (''sie''); 2. ihr (euer, euch)</p> | ||
ihre,ihren,ihres,ihrem,ihrer,ihrzen,<p>Eigentlich redet man mit ''ihr'' anfänglich eine Person oder Persönlichkeit an, vglw. dt. ''ihr'' entsprich engl. ''you'', dann spricht man mehrere Personen außer sich an, vglw. dt. ihrer, ihres, ihren engl. your, yours; Pers.pron. der pluralischen Anrede, ahd. mhd. ''ir'';</p><p>Es ist an sich richtiger zu sagen "werdet ihr kommen?" anstellen von der vermeintlichen Höflichkeitsanrede "werden sie kommen?", wie es in anderen Sprachen der Fall ist, vglw. im Englisch you für die Einzahl und Mehrzahl verwendet wird; mit 'ihr' anzureden war bis in den höchsten Kreisen üblich und mit 'sie' anzureden kam erst als überhöhte Höflichkeitsform auf, so daß ihr, euer, euch die eigentliche höchste Höflichkeit bis ins 17. Jh. war und dann durch ''sie'' Herrschaften erhebend erweitert wurde, während das ''ihr'' für niedere als untergeordnet betrachtete Menschen zur Anrede verblieb und ''ihr'' sich dann zur Anrede einem vertrauter, bekannter Menschen wandelte.</p> | ihre,ihren,ihres,ihrem,ihrer,ihrzen,<p>Eigentlich redet man mit ''ihr'' anfänglich eine Person oder Persönlichkeit an, vglw. dt. ''ihr'' entsprich engl. ''you'', dann spricht man mehrere Personen außer sich an, vglw. dt. ihrer, ihres, ihren engl. your, yours; Pers.pron. der pluralischen Anrede, ahd. mhd. ''ir'';</p><p>Es ist an sich richtiger zu sagen "werdet ihr kommen?" anstellen von der vermeintlichen Höflichkeitsanrede "werden sie kommen?", wie es in anderen Sprachen der Fall ist, vglw. im Englisch you für die Einzahl und Mehrzahl verwendet wird; mit 'ihr' anzureden war bis in den höchsten Kreisen üblich und mit 'sie' anzureden kam erst als überhöhte Höflichkeitsform auf, so daß ihr, euer, euch die eigentliche höchste Höflichkeit bis ins 17. Jh. war und dann durch ''sie'' Herrschaften erhebend erweitert wurde, während das ''ihr'' für niedere als untergeordnet betrachtete Menschen zur Anrede verblieb und ''ihr'' sich dann zur Anrede einem vertrauter, bekannter Menschen wandelte.</p> | ||
Aktuelle Version vom 14. Dezember 2023, 08:13 Uhr
ir | ih + -r | anderbezügliches Mehrzahlfürwort der Anderen als Sich und die Seinen; ursprüngliche Schreibweise ir ohne h, durch w vorweg zu wir wird der Sinn in dessen Gegensatz von ir zu wir gewandelt, während der Wandel von ir zu er einen bestimmten einzelnen Anderen bezeichnet; 1. ihr, ihre, ihren, ihrem, ihrer, ihres, (sie); 2. ihr (euer, euch)
ihre,ihren,ihres,ihrem,ihrer,ihrzen,
Eigentlich redet man mit ihr anfänglich eine Person oder Persönlichkeit an, vglw. dt. ihr entsprich engl. you, dann spricht man mehrere Personen außer sich an, vglw. dt. ihrer, ihres, ihren engl. your, yours; Pers.pron. der pluralischen Anrede, ahd. mhd. ir;
Es ist an sich richtiger zu sagen "werdet ihr kommen?" anstellen von der vermeintlichen Höflichkeitsanrede "werden sie kommen?", wie es in anderen Sprachen der Fall ist, vglw. im Englisch you für die Einzahl und Mehrzahl verwendet wird; mit 'ihr' anzureden war bis in den höchsten Kreisen üblich und mit 'sie' anzureden kam erst als überhöhte Höflichkeitsform auf, so daß ihr, euer, euch die eigentliche höchste Höflichkeit bis ins 17. Jh. war und dann durch sie Herrschaften erhebend erweitert wurde, während das ihr für niedere als untergeordnet betrachtete Menschen zur Anrede verblieb und ihr sich dann zur Anrede einem vertrauter, bekannter Menschen wandelte.
asächs. gī̌, mnd. gī, je, ī, mnl. ghi, nl. gij, aengl. gē̌, anord. ēr, schwed. i, got. jū̌s verbinden sich mit aind. yūyám, lit. jū̃s ‘ihr’ und führen auf uig. *i̯ūs ‘ihr’ (vom Pronominalstamm uig. *i̯ū- mit der Nominativendung -s, wozu vielleicht auch euch und seine ger. Entsprechungen).
Der Vokal ū in germ. *jūz wird im Nordgerm. und Westgerm. nach der 1. Pers. Plur. (ger. *wīz, dann gekürzt *wiz, s. wir) zu ī̌ umgebildet; anlautendes j schwindet im Ahd. durch Angleichung an die obliquen Kasus (Genitiv iuwēr, Dativ iu, Akkusativ iuwih). Bereits mhd. ir entwickelt sich zur respektvollen Anrede auch einer Einzelperson; dieser Brauch bleibt bis ins 17. Jh. erhalten, wo Ihr durch Sie (s. sie) abgelöst wird.
Das Poss.pron. der 3. Person ihr beruht auf den im Ahd. in dieser Funktion verwendeten Genitiven des Pers.pron. der 3. Person Sing. fem. ira und Plur. iro und gehört daher zum Pronominalstamm von er.
Erst im Mhd. wird aus diesen Genitiven ein Poss.pron. mit adjektivischer Flexion entwickelt.
ihrzen Vb. ‘mit Ihr anreden’, mhd. irzen, irezen.
1. Ihr. 1) Die dritte Endung des einfachen persönlichen Fürwortes weiblichen Geschlechtes, sie. Ich gab es ihr. Es gehöret ihr zu. Im Nieders. eer. S. Sie.
2) Die verkürzte zweyte Endung eben dieses Fürwortes, S. 1. Ihrer.
2. Ihr, die erste Endung des vielfachen persönlichen Fürwortes der zweyten Person, welches in der zweyten Endung euer, in der dritten und vierten euch hat.
Eigentlich redet man mit diesem Fürworte mehrere Personen außer sich an. Habt ihr es nicht gehöret? Werdet ihr kommen? Man spottet euer. Nehmt es zu euch. Allein, seitdem die Höflichkeit der Mode ihre Gewalt auch über die Fürwörter erstrecket hat, so redet man mehrere Personen, denen man nur einiger Maßen Achtung schuldig zu seyn glaubt, mit dem vielfachen persönlichen Fürworte der dritten Person an. Werden sie kommen? Man spottet ihrer. Nehmen sie es zu sich. Und gebraucht das ihr mit seinen Endungen nur da, wo man durch Vertraulichkeit, Unterwerfung, oder Verachtung dazu berechtiget zu seyn glaubt, in welchem Falle man denn nicht nur mehrere, sondern auch eine einzelne Person mit ihr anredet. Der Kaiser nennt in Deutschen Schreiben noch die Generalstaaten, die Schweizer-Cantons, das Reichs-Kammergericht, die Stände von Ungarn, fürstliche Domkapitel, reichsgräfliche Collegia, die Magistrate der Reichsstädte u.s.f. ihr.
Ehedem spielete dieses Fürwort eine glänzende Rolle. Als man anfing es für ungesittet zu halten, einzelne Personen außer sich, denen man mit Achtung zu begegnen schuldig war, mit du anzureden, so wählete man dazu das vielfache ihr; ein Gebrauch welcher in die frühesten Zeiten des Deutschen Reiches fällt, und sich bey unsern meisten Nachbaren noch bis jetzt erhalten hat. Ungeachtet sich nun auch dieser Gebrauch wieder verloren hat, so ist doch noch ein Überrest davon in dem Possessivo Euer oder abgekürzt Ew. übrig geblieben, S. 2. Euer. Das ist ein Pferd, das ihr heißt, ein Kleid das ihr heißt, ein in den niedrigen Sprecharten üblicher Ausdruck, etwas vortreffliches in seiner Art zu bezeichnen, welcher noch auf diesen Gebrauch, vornehme Personen mit ihr anzureden, anspielet. Von einer ansehnlichen Person sagt man in Niedersachsen, den muß man ihr heißen. S. auch Euer und Euch.
Anm. Bey dem Ottfried ir, im Nieders. ji und ju, ihr, jik, jou und juk, euch, im Holländ, ghy, im Engl. you, your, im Angels. juh. eow, in der zweyten Endung eower, im Dän. i, in Baiern in den groben Mundarten es, ös, dös, in der Ober-Pfalz dötz, im Lettischen jus, welche dem Latein. vos nahe kommen. S. Es.