Zum Inhalt springen

„Dauer im Wechsel“ – Versionsunterschied

aus AufEinWort, der freien Forschung
[ungesichtete Version][ungesichtete Version]
KKeine Bearbeitungszusammenfassung
KKeine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 1: Zeile 1:
[[Kategorie:Werk von Johann Wolfgang von Goethe]]
[[Kategorie:Werk von Johann Wolfgang von Goethe]]
Hielte diesen frühen Segen,
<blockquote>Hielte diesen frühen Segen,


Ach, nur eine Stunde fest!
Ach, nur eine Stunde fest!
Zeile 14: Zeile 14:
Bald wird Sturm auch das zerstreuen,
Bald wird Sturm auch das zerstreuen,


Wenn es falb im Herbst geschwankt.
Wenn es falb im Herbst geschwankt.</blockquote>{{Anker|Heraklit}} <blockquote>Willst du nach den Früchten greifen,
 
{{Anker|Heraklit}}  
 
Willst du nach den Früchten greifen,


Eilig nimm dein Teil davon!
Eilig nimm dein Teil davon!
Zeile 32: Zeile 28:
Ach, und in demselben Flusse
Ach, und in demselben Flusse


Schwimmst du nicht zum Zweitenmal.  
Schwimmst du nicht zum Zweitenmal.</blockquote> <blockquote>Du nun selbst! Was felsenfeste
 
Du nun selbst! Was felsenfeste


Sich vor dir hervorgetan,
Sich vor dir hervorgetan,
Zeile 48: Zeile 42:
Jener Fuß, der an der Klippe
Jener Fuß, der an der Klippe


Sich mit Gemsenfreche maß.  
Sich mit Gemsenfreche maß.</blockquote> <blockquote>Jene Hand, die gern und milde
 
Jene Hand, die gern und milde


Sich bewegte, wohlzutun,
Sich bewegte, wohlzutun,
Zeile 64: Zeile 56:
Kam herbei wie eine Welle,
Kam herbei wie eine Welle,


Und so eilt's zum Element.  
Und so eilt's zum Element.</blockquote> <blockquote>Laß den Anfang mit dem Ende
 
Laß den Anfang mit dem Ende


Sich in eins zusammenzieh'n!
Sich in eins zusammenzieh'n!
Zeile 80: Zeile 70:
Den Gehalt in deinem Busen
Den Gehalt in deinem Busen


Und die Form in deinem Geist.
Und die Form in deinem Geist.</blockquote>

Version vom 5. Juli 2026, 11:52 Uhr

Hielte diesen frühen Segen,

Ach, nur eine Stunde fest!

Aber vollen Blütenregen

Schüttelt schon der laue West.

Soll ich mich des Grünen freuen,

Dem ich Schatten erst verdankt?

Bald wird Sturm auch das zerstreuen,

Wenn es falb im Herbst geschwankt.

Willst du nach den Früchten greifen,

Eilig nimm dein Teil davon!

Diese fangen an zu reifen,

Und die andern keimen schon;

Gleich mit jedem Regengusse

Ändert sich dein holdes Tal,

Ach, und in demselben Flusse

Schwimmst du nicht zum Zweitenmal.

Du nun selbst! Was felsenfeste

Sich vor dir hervorgetan,

Mauern siehst du, siehst Paläste

Stets mit andern Augen an.

Weggeschwunden ist die Lippe,

Die im Kusse sonst genas,

Jener Fuß, der an der Klippe

Sich mit Gemsenfreche maß.

Jene Hand, die gern und milde

Sich bewegte, wohlzutun,

Das gegliederte Gebilde,

Alles ist ein andres nun.

Und was sich an jener Stelle

Nun mit deinem Namen nennt,

Kam herbei wie eine Welle,

Und so eilt's zum Element.

Laß den Anfang mit dem Ende

Sich in eins zusammenzieh'n!

Schneller als die Gegenstände

Selber dich vorüberflieh'n.

Danke, daß die Gunst der Musen

Unvergängliches verheißt:

Den Gehalt in deinem Busen

Und die Form in deinem Geist.