„Goëtie“ – Versionsunterschied
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'''Goëtie''' ist eine Bezeichnung für magische Praktiken, die als unnatürlich, verboten oder teuflisch angesehen und der Theurgie gegenübergestellt werden.<p>Der Begriff ist insbesondere im Zusammenhang mit der Schrift ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ars_Goetia Ars Goetia]'' (17. Jh.) bekannt. grie. ''[https://en.wiktionary.org/wiki/%CE%B3%CE%BF%CE%B7%CF%84%CE%B5%CE%AF%CE%B1#Ancient_Greek goïteía]'' "Anziehung, Anziehungskraft, Zauberei", | '''Goëtie''' ist eine Bezeichnung für magische Praktiken, die als unnatürlich, verboten oder teuflisch angesehen und der Theurgie gegenübergestellt werden.<p>Der Begriff ist insbesondere im Zusammenhang mit der Schrift ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ars_Goetia Ars Goetia]'' (17. Jh.) bekannt. grie. ''[https://en.wiktionary.org/wiki/%CE%B3%CE%BF%CE%B7%CF%84%CE%B5%CE%AF%CE%B1#Ancient_Greek goïteía]'' "Anziehung, Anziehungskraft, Zauberei", agr. [https://en.wiktionary.org/wiki/%CE%B3%CF%8C%CE%B7%CF%82#Ancient_Greek ''góēs''] "Zauberer", grie. ''[https://en.wiktionary.org/wiki/%CE%B3%CE%BF%CE%AC%CF%89#Ancient_Greek goáō]<span class="mention-gloss-double-quote">“</span><span class="mention-gloss">stöhnen, jammern</span><span class="mention-gloss-double-quote">”</span><span class="mention-gloss-paren annotation-paren">) möglicherweise von uig. </span>''<span class="mention-gloss-paren annotation-paren"><em class="Latinx mention" lang="ine-pro">[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/gewH- *gewH-]</em> "rufen, anrufen, berufen"; verwandt mit uger. [https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Germanic/kawjan%C4%85 *kawjaną] "rufen, nennen", ahd. ''gikewen ''zu Wortwurzel uig.''[https://en.wiktionary.org/wiki/Reconstruction:Proto-Indo-European/gewH- *gewH-] ''"rufen, anrufen, beschwören"</span></p><p>Der Begriff wird für Dämonenbeschwörung und als besonders verwerflich angesehene Magie angewandt,<sup id="cite_ref-biedermann-s203_1-1" class="reference"></sup><sup id="cite_ref-2" class="reference"></sup> wird jedoch unterschiedlich definiert: Hans Biedermann zufolge bezeichnet er „vorwiegend die Nekromantie oder Totenbeschwörung, daneben auch im allgemeineren Sinne die Beschwörung dämonischer Wesen mit Hilfe ‚blasphemischer‘ Riten“,<sup id="cite_ref-biedermann-s203_1-2" class="reference"></sup> während [https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Cornelius_Agrippa_von_Nettesheim Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim] die Zeremonialmagie in ''Goëtie'' und Nekromantie untergliedert<sup id="cite_ref-3" class="reference"></sup> und A. Debay ''Goëtie'' und schwarze Magie gleichsetzt.<sup id="cite_ref-4" class="reference"></sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Pictorius Georg Pictorius] ordnet der Goëtie wiederum unter anderem die Totenbeschwörung, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropomantie Anthropomantie], bei der die Zukunft aus den Eingeweiden [https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenopfer geopferter Menschen] gelesen wird, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Leconomantie Leconomantie] (Bezwingen eines Dämons mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Exorzismus exorziertem] Wasser) und „Weissagung aus dem Beben, Senken oder Klaffen der Erde“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Geomantie Geomantie]), dem Feuer ([https://de.wikipedia.org/wiki/Pyromantie Pyromantie]), der Luft ([https://de.wikipedia.org/wiki/Aeromantie Aeromantie]), den Linien der Hand ([https://de.wikipedia.org/wiki/Handlesen Chiromantie]) oder dem Flug der Vögel ([https://de.wikipedia.org/wiki/Auspizien Auspizien]) zu.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Go%C3%ABtie#cite_note-5 [5]]</sup></p><p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuplatonismus Neuplatoniker] legten großen Wert auf die Trennung zwischen Theurgie und ''Goëtie'';<sup id="cite_ref-6" class="reference"></sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Iamblichos_von_Chalkis Iamblichos von Chalkis] betonte, man solle „keineswegs die durch die goetischen Techniken hervorgebrachten Trugbilder mit der überaus klaren Schau der Götter“ verwechseln.<sup id="cite_ref-7" class="reference"></sup> Während die Theurgie mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Gute guten] Geistwesen arbeitet,<sup id="cite_ref-biedermann-s203_1-3" class="reference"></sup> werden bei der ''Goëtie'' böse Geister (das Böse) beschworen;<sup id="cite_ref-biedermann-s203_1-4" class="reference"></sup><sup id="cite_ref-8" class="reference"></sup> die Theurgie wird dabei als höhere und die ''Goëtie'' als niedere Form der Magie bewertet.<sup id="cite_ref-9" class="reference"></sup></p><p>Gegner der Magie, wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Augustinus_von_Hippo Augustinus von Hippo], neigen jedoch dazu, beide gleichermaßen zu verteufeln, da sie „beide in die betrügerischen Gebräuche der fälschlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Engel Engel] genannten Dämonen verstrickt“<sup id="cite_ref-10" class="reference"></sup> seien; für sie unterscheiden sich Theurgie und ''Goetie'' nur durch ihre Benennung.</p> | ||
Aktuelle Version vom 6. Juni 2025, 12:08 Uhr
Goëtie ist eine Bezeichnung für magische Praktiken, die als unnatürlich, verboten oder teuflisch angesehen und der Theurgie gegenübergestellt werden.
Der Begriff ist insbesondere im Zusammenhang mit der Schrift Ars Goetia (17. Jh.) bekannt. grie. goïteía "Anziehung, Anziehungskraft, Zauberei", agr. góēs "Zauberer", grie. goáō“stöhnen, jammern”) möglicherweise von uig. *gewH- "rufen, anrufen, berufen"; verwandt mit uger. *kawjaną "rufen, nennen", ahd. gikewen zu Wortwurzel uig.*gewH- "rufen, anrufen, beschwören"
Der Begriff wird für Dämonenbeschwörung und als besonders verwerflich angesehene Magie angewandt, wird jedoch unterschiedlich definiert: Hans Biedermann zufolge bezeichnet er „vorwiegend die Nekromantie oder Totenbeschwörung, daneben auch im allgemeineren Sinne die Beschwörung dämonischer Wesen mit Hilfe ‚blasphemischer‘ Riten“, während Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim die Zeremonialmagie in Goëtie und Nekromantie untergliedert und A. Debay Goëtie und schwarze Magie gleichsetzt. Georg Pictorius ordnet der Goëtie wiederum unter anderem die Totenbeschwörung, die Anthropomantie, bei der die Zukunft aus den Eingeweiden geopferter Menschen gelesen wird, die Leconomantie (Bezwingen eines Dämons mit exorziertem Wasser) und „Weissagung aus dem Beben, Senken oder Klaffen der Erde“ (Geomantie), dem Feuer (Pyromantie), der Luft (Aeromantie), den Linien der Hand (Chiromantie) oder dem Flug der Vögel (Auspizien) zu.[5]
Die Neuplatoniker legten großen Wert auf die Trennung zwischen Theurgie und Goëtie; Iamblichos von Chalkis betonte, man solle „keineswegs die durch die goetischen Techniken hervorgebrachten Trugbilder mit der überaus klaren Schau der Götter“ verwechseln. Während die Theurgie mit guten Geistwesen arbeitet, werden bei der Goëtie böse Geister (das Böse) beschworen; die Theurgie wird dabei als höhere und die Goëtie als niedere Form der Magie bewertet.
Gegner der Magie, wie Augustinus von Hippo, neigen jedoch dazu, beide gleichermaßen zu verteufeln, da sie „beide in die betrügerischen Gebräuche der fälschlich Engel genannten Dämonen verstrickt“ seien; für sie unterscheiden sich Theurgie und Goetie nur durch ihre Benennung.