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„Linearität“ – Versionsunterschied

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'''Linearität''' ({{laS|linea}} „Linie“, {{lang|la|''linearis''}} „aus Linien bestehend“) beschreibt zumeist eine geradlinige Beschaffenheit. In verschiedenen Bereichen hat der Begriff eine unterschiedliche, domänenspezifische Bedeutung.
== In Naturwissenschaft und Technik ==
=== Allgemeine Definition ===
'''Linearität''' ist die [[Eigenschaft]] eines [[System]]s, auf die ''Veränderung'' eines [[Parameter (Mathematik)|Parameters]] stets mit einer dazu [[proportional]]en Änderung eines anderen Parameters zu reagieren.<ref name="Azima 2009">Eintrag: {{Webarchiv|url=http://www.dliengineering.com/vibman/definitionoflinearity.htm |wayback=20090603224537 |text=''Definition of Linearity.'' }} In: ''Azima DLI.'' USA 2009, abgerufen am 22. Dezember 2013 (englisch; Definition von Linearität bei Systemen).</ref> Diese allgemeine Definition trifft gleichermaßen für Mathematik, Naturwissenschaft und Technik zu. Ist sie nicht erfüllt, so spricht man von [[Nichtlinearität]].
Bei genauerem Hinsehen wird ''Linearität'' jedoch in verschiedenen Bedeutungen verwendet. In den folgenden Kapiteln zu Physik, Chemie und Technik wird Linearität gemäß dieser Definition wie im Artikel [[lineare Funktion]] verwendet. Im Kapitel zur Systemtheorie wird Linearität –&nbsp;enger als in vorstehender Definition&nbsp;– auf die Proportionalität wie im Artikel [[lineare Abbildung]] eingeschränkt.<ref>Hans Humenberger, Berthold Schuppar: ''Mit Funktionen Zusammenhänge und Veränderungen beschreiben.'' Springer, 2019, S. 29.</ref>
=== In der Mathematik ===
{{Hauptartikel|Linearität (Mathematik)}}
=== In Physik, Chemie und Technik ===
{{Hauptartikel|Linearität (Physik)}}
=== In der Systemtheorie ===
{{Hauptartikel|Linearität (Systemtheorie)}}
== In der Ethnosoziologie ==
{{Hauptartikel|Lineare und kollaterale Verwandtschaft}}
Die [[Ethnosoziologie]] verwendet die Bezeichnung „Linearität“, um bzgl. der [[Abstammungsregeln]] zwischen [[Lineare und kollaterale Verwandtschaft|'''linearer''' Verwandtschaft und '''kollateraler''' Seitenverwandtschaft]] zu unterscheiden: Linearität bezeichnet dabei die ''direkte'' [[Abstammung]] von [[Verwandtschaftsbeziehung #Eltern|Eltern]], deren Eltern und so weiter, sowie die gesamte eigene [[Nachkommenschaft]] ([[Verwandtschaftsbeziehung #Gerade Linie – Seitenlinie|gerade Linie]]), während Kollateralität die ''indirekte'' [[Verwandtschaft]] zwischen [[Verwandtschaftsbeziehung #Geschwister|Geschwistern]] aller [[Generation]]en und deren Nachkommen bezeichnet (Seitenlinie).
== In der Geschichtsphilosophie ==
Die [[Geschichtsphilosophie]] unterscheidet verschiedene Ansätze zur Interpretation des geschichtlichen Verlaufs, darunter lineare Modelle, die von einem Anfang und einem [[Ende der Geschichte]] ausgehen. [[Geschichtsphilosophie#Spengler, Guénon und Evola – zyklische Konzepte|Zyklische Theorien]] hingegen legen der Geschichte ein Kreis- oder Spiralmodell zugrunde, während [[Biologismus|biologistische]] Ansätze die Entwicklung einzelner Gesellschaften in Analogie zu den verschiedenen Lebensaltern interpretieren. Das offene Modell schließlich interpretiert Geschichte als einen wesentlich un[[Determinismus#Geschichtsdeterminismus|determinierten]] Vorgang, der aufgrund seiner Komplexität nicht oder nur in kurzfristigen und klar umrissenen Kontexten vorherbestimmt werden kann.<ref>Zu einer kritischen Übersicht über diese verschiedenen Strukturmodelle vgl. [[David Engels]], Biologistische und zyklische Geschichtsphilosophie. Ein struktureller Annäherungsversuch, in: ders. (Hg.), Von Platon bis Fukuyama. Biologistische und zyklische Konzepte in der Geschichtsphilosophie der Antike und des Abendlandes, Brüssel 2015, 8–46.</ref>
== {{Anker|Linearität in der Wissensvermittlung|Medien}}Bei Texten und Medien ==
Linearität von [[Text]]en beispielsweise in [[Buch|Büchern]] liegt vor, wenn diese in einer bestimmten, linearen [[Reihenfolge]] geschrieben und gelesen werden. Ausprägungen von Linearität bei Texten können sein:
* von Seite zu Seite, oder von Blatt zu Blatt
* von vorne nach hinten, oder von hinten nach vorne
* von Zeile zu Zeile, oder von Spalte zu Spalte
* von links nach rechts, oder von rechts nach links
* von oben nach unten, oder von unten nach oben
Dieser Linearität des Textes folgt die Bewegungsrichtung der Augen des Autors oder Lesers.
Moderne Medien wie das [[Internet]] erlauben mit Hilfe von [[Hypertext]] diese Linearität in bestimmten Bereichen aufzubrechen, indem Texte untereinander verlinkt werden und diesen so eine nichtlineare Komponente hinzugefügt wird. Die Linearität einzelner Abschnitte bleibt dabei zwar erhalten, der Leser bestimmt jedoch die [[Schreibrichtung|Leserichtung]] durch Auswahl der ihn interessierenden [[Inhalt]]e anhand der von Autoren gesetzten [[Hyperlink]]s und bewegt sich so nichtlinear durch die vorhandenen Medieninhalte.<ref>Stefan Münz: [http://webkompetenz.blogspot.com/2007/03/hypertext-1-text-und-linearitt.html ''Hypertext (1): Text und Linearität.''] In: ''Webkompetenz-Blog.'' 29. März 2007, abgerufen am 22. Dezember 2013.</ref>
Diese Non-Linearität von Hypertext gilt als wesentliches Element der [[Hypertext-Theorie]].<ref>{{Webarchiv|url=http://wiki.histnet.ch/index.php/Non-Linearit%C3%A4t |wayback=20090309180917 |text=''Non-Linearität.'' |archiv-bot=2026-03-31 23:13:24 InternetArchiveBot }} In: ''HistnetWiki.'' 21. März 2006, abgerufen am 22. Dezember 2013 (Non-Linearität in der Hypertext-Theorie).</ref>
{{Siehe auch|Zeichen #Linearität|titel1=Linearität eines Zeichens}}
== In der Musik ==
{{Hauptartikel|Linearität (Musik)}}
== Siehe auch ==
* [[Lineartechnik]] (Antriebstechnik)
* [[Methode der globalen Linearisierung]] (Regelungstheorie)
* [[Lincoln Near Earth Asteroid Research|LINEAR: ''Lincoln Near Earth Asteroid Research'']]
* [[Fortschritt #Linearität der geschichtlichen Veränderung|Linearität der geschichtlichen Veränderung]]
* [[Linear-Antiqua]] (Schriftarten)
== Weblinks ==
{{Wiktionary}}
== Einzelnachweise ==
<references />
{{SORTIERUNG:Linearitat}}
[[Kategorie:Messtechnik]]
[[Kategorie:Ethnosoziologie]]
[[Kategorie:Systemtheorie]]
[[Kategorie:Abstraktum]]

Aktuelle Version vom 17. Oktober 2026, 10:49 Uhr

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Linearität (lat. linea „Linie“, linearis „aus Linien bestehend“) beschreibt zumeist eine geradlinige Beschaffenheit. In verschiedenen Bereichen hat der Begriff eine unterschiedliche, domänenspezifische Bedeutung.

In Naturwissenschaft und Technik

Allgemeine Definition

Linearität ist die Eigenschaft eines Systems, auf die Veränderung eines Parameters stets mit einer dazu proportionalen Änderung eines anderen Parameters zu reagieren.[1] Diese allgemeine Definition trifft gleichermaßen für Mathematik, Naturwissenschaft und Technik zu. Ist sie nicht erfüllt, so spricht man von Nichtlinearität.

Bei genauerem Hinsehen wird Linearität jedoch in verschiedenen Bedeutungen verwendet. In den folgenden Kapiteln zu Physik, Chemie und Technik wird Linearität gemäß dieser Definition wie im Artikel lineare Funktion verwendet. Im Kapitel zur Systemtheorie wird Linearität – enger als in vorstehender Definition – auf die Proportionalität wie im Artikel lineare Abbildung eingeschränkt.[2]

In der Mathematik

In Physik, Chemie und Technik

In der Systemtheorie

In der Ethnosoziologie

Die Ethnosoziologie verwendet die Bezeichnung „Linearität“, um bzgl. der Abstammungsregeln zwischen linearer Verwandtschaft und kollateraler Seitenverwandtschaft zu unterscheiden: Linearität bezeichnet dabei die direkte Abstammung von Eltern, deren Eltern und so weiter, sowie die gesamte eigene Nachkommenschaft (gerade Linie), während Kollateralität die indirekte Verwandtschaft zwischen Geschwistern aller Generationen und deren Nachkommen bezeichnet (Seitenlinie).

In der Geschichtsphilosophie

Die Geschichtsphilosophie unterscheidet verschiedene Ansätze zur Interpretation des geschichtlichen Verlaufs, darunter lineare Modelle, die von einem Anfang und einem Ende der Geschichte ausgehen. Zyklische Theorien hingegen legen der Geschichte ein Kreis- oder Spiralmodell zugrunde, während biologistische Ansätze die Entwicklung einzelner Gesellschaften in Analogie zu den verschiedenen Lebensaltern interpretieren. Das offene Modell schließlich interpretiert Geschichte als einen wesentlich undeterminierten Vorgang, der aufgrund seiner Komplexität nicht oder nur in kurzfristigen und klar umrissenen Kontexten vorherbestimmt werden kann.[3]

Bei Texten und Medien

Linearität von Texten beispielsweise in Büchern liegt vor, wenn diese in einer bestimmten, linearen Reihenfolge geschrieben und gelesen werden. Ausprägungen von Linearität bei Texten können sein:

  • von Seite zu Seite, oder von Blatt zu Blatt
  • von vorne nach hinten, oder von hinten nach vorne
  • von Zeile zu Zeile, oder von Spalte zu Spalte
  • von links nach rechts, oder von rechts nach links
  • von oben nach unten, oder von unten nach oben

Dieser Linearität des Textes folgt die Bewegungsrichtung der Augen des Autors oder Lesers.

Moderne Medien wie das Internet erlauben mit Hilfe von Hypertext diese Linearität in bestimmten Bereichen aufzubrechen, indem Texte untereinander verlinkt werden und diesen so eine nichtlineare Komponente hinzugefügt wird. Die Linearität einzelner Abschnitte bleibt dabei zwar erhalten, der Leser bestimmt jedoch die Leserichtung durch Auswahl der ihn interessierenden Inhalte anhand der von Autoren gesetzten Hyperlinks und bewegt sich so nichtlinear durch die vorhandenen Medieninhalte.[4] Diese Non-Linearität von Hypertext gilt als wesentliches Element der Hypertext-Theorie.[5]

In der Musik

Siehe auch

Wiktionary: Linearität – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Eintrag: Definition of Linearity. (Memento vom 3. Juni 2009 im Internet Archive) In: Azima DLI. USA 2009, abgerufen am 22. Dezember 2013 (englisch; Definition von Linearität bei Systemen).
  2. ↑ Hans Humenberger, Berthold Schuppar: Mit Funktionen Zusammenhänge und Veränderungen beschreiben. Springer, 2019, S. 29.
  3. ↑ Zu einer kritischen Übersicht über diese verschiedenen Strukturmodelle vgl. David Engels, Biologistische und zyklische Geschichtsphilosophie. Ein struktureller Annäherungsversuch, in: ders. (Hg.), Von Platon bis Fukuyama. Biologistische und zyklische Konzepte in der Geschichtsphilosophie der Antike und des Abendlandes, Brüssel 2015, 8–46.
  4. ↑ Stefan Münz: Hypertext (1): Text und Linearität. In: Webkompetenz-Blog. 29. März 2007, abgerufen am 22. Dezember 2013.
  5. ↑ Non-Linearität. (Memento des Originals vom 9. März 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/wiki.histnet.ch In: HistnetWiki. 21. März 2006, abgerufen am 22. Dezember 2013 (Non-Linearität in der Hypertext-Theorie).