„Brakteat“ – Versionsunterschied
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'''Brakteaten''' (von {{laS|bractea|de=dünnes Blatt von Metall oder Holz, dünnes Metallblech, Goldblättchen}})<ref>{{Georges-1913-Latein |Lemma=brattea |Band=1 |Spalte=860 |SpalteBis=861 |Kommentar=die bei den Römern gebräuchlichere Schreibweise war ''brattea'' |zenoID=20002250527}}</ref> sind [[Münze]]n oder [[Medaille]]n, die aus einem dünnen Metallblech (meist [[Silber]] oder [[Billon]]) einseitig und auf einer weichen Unterlage geprägt wurden, im Gegensatz z. B. zu den doppelseitig geprägten [[Denarius|Denaren]] oder den [[Dünnpfennig]]en (Halbbrakteaten).<ref>{{Literatur |Autor=Helmut Kahnt |Titel=Das Grosse Münzlexikon von A bis Z |Verlag=H. Gietl Verlag & Publikationsservice |Ort=Regenstauf |Datum=2005 |ISBN=3-89441-550-9 |Seiten=57}}</ref> Der Begriff ''Brakteat'' ist keine zeitgenössische Bezeichnung und wurde erstmals im 17. Jahrhundert für diesen Münztypus verwendet. Im [[Deutsche Sprache|Deutschen]] war früher auch die Bezeichnung ''Hohlmünze'' üblich.<ref>{{ANNO|ckb|||1931|133|Christliches Kunstlexikon|AUTOR=[[Martin Riesenhuber]]|NAME=[[Christliche Kunstblätter]]|anno-plus=ja}}</ref> | |||
Von den [[Mittelalter|mittelalterlichen]]liche Brakteaten sind die [[Germanen|germanischen]] Goldbrakteaten der [[Völkerwanderungszeit]] des 5. und 6. Jahrhunderts unterschieden. Die kreisrunden, einseitig per [[Matrize (Druck)|Matrizen]] geprägten Schmuckscheiben aus Edelmetall, wurden vor allem in Skandinavien gefunden. | |||
== Allgemeines == | |||
[[Datei:HMF Brakteat 12Jhd.jpg|mini|links|Silberne Brakteaten mit Darstellungen [[Friedrich I. (HRR)|Friedrichs I.]], 12. Jahrhundert, Frankfurt am Main]] | |||
[[Datei:Ravensburg Brakteat um 1250.JPG|mini|hochkant|Einseitig um 1250 geprägter Brakteat aus Ravensburg]] | |||
[[Datei:1254 Blaffert Hamburg.jpg|mini|hochkant=0.7|Hohlblaffert, 15. Jahrhundert, Hamburg]] | |||
[[Datei:1371 Hohlpfennig.jpg|mini|hochkant=0.7|Hohlpfennig, 14. Jahrhundert, Hamburg]] | |||
[[Datei:1417 Hohlscherf.jpg|mini|hochkant=0.7|Hohlscherf, 14. Jahrhundert, Hamburg]] | |||
Brakteaten (Hohlpfennige) sind einseitig aus dünnem Silberblech geprägte [[Pfennig#Mittelalter|Pfennige]] mit einem Durchmesser von 22 bis 45 mm. Das Münzbild erscheint in einem hohen Relief, während die Rückseite hohl bleibt. Die große Fläche ließ viel Platz für künstlerische Darstellungen.<ref name="Paul Arnold 1978">[[Paul Arnold (Numismatiker)|Paul Arnold]]: ''Führer durch die ständige Ausstellung des Münzkabinetts.'' Dresden 1978, S. 12.</ref> | |||
Brakteaten waren von Mitte des 12. Jahrhunderts bis ins 14. Jahrhundert fast im gesamten deutschsprachigen Raum (mit Ausnahme des [[Rheinland]]s, Westfalens und des Mittelrheingebiets) die vorherrschende regionale Münzsorte.<ref name="ReferenceA">[[Arnold Luschin von Ebengreuth]]: ''Allgemeine Münzkunde''. S. 273.</ref> Währungsgeschichtlich gesehen sind Brakteaten typisch für die regionalen Pfennigwährungen der Zeit.<ref name="Paul Arnold 1978" /> | |||
In einigen Regionen wurden die Brakteaten in regelmäßigen Abständen [[Münzverruf|verrufen]] und mussten gegen neues Geld eingetauscht werden. In Magdeburg geschah dies im 12. Jahrhundert zweimal jährlich. Dabei waren z. B. drei neue gegen vier alte Münzen zu wechseln. Die einbehaltene 4. Münze wurde als Schlaggeld bezeichnet und war oft die einzige Steuereinnahme des Münzherrn (''Renovatio Monetae''). Die Verrufung störte die Geschäftsinteressen alljener, die an der damaligen [[Geldwirtschaft]] beteiligt waren, namentlich die Händler, die in den deutschen Städtebünden dominierten. Gleichzeitig führte die stete Geldentwertung zu einem enormen Investitionsdrang, sodass Handwerker und Händler ihre Unternehmungen stark ausbauten, die Deutsche [[Hanse]] gegründet wurde und schlussendlich viele der heutigen Städte durch die Hanse gegründet werden konnten. Der Grund des Investitionsdruckes sehen einige darin begründet, dass niemand der letzte sein wollte, der bei den teils zweimal jährlich auftretenden Verrufungen der Brakteaten das Schlaggeld bezahlen musste und somit ja 25 % des Geldwertes verloren hätte. Das Ausbauen und Investieren in den eigenen Betrieb galt als praktischer Schutz vor der Geldentwertung und führte zu großem Wohlstand.<ref>{{Literatur |Autor=Karl Marten Barfuß |Titel=Geld in der Außenwirtschaft |Sammelwerk=Geld und Währung |Verlag=Gabler Verlag |Ort=Wiesbaden |Datum=1993 |Seiten=89–138 |DOI=10.1007/978-3-663-14780-0_5}}</ref> Die Städtebünde führten dann ab 1413<ref name="ReferenceA" /> einen sogenannten [[Ewiger Pfennig|„Ewigen Pfennig“]] ein. Mit dem Ende der Verrufungen begann das Ende der Brakteatenzeit und es wurden wieder die auch vorher üblichen dickeren und doppelseitigen Pfennige geprägt. Die letzten Brakteaten waren Wanderbrakteaten, also Präsenzzeichen von Pilgern, und waren bis zum 17. Jahrhundert in Verwendung.<ref>Arnold Luschin von Ebengreuth: ''Allgemeine Münzkunde.'' S. 92 sowie S. 90.</ref> | |||
Für die ''Brakteaten'' gibt es nach einem alten ''Handelslexicon'' von 1848 auch die deutsche Bezeichnung ''Strubben'', da sie sich beim Verpacken „sträubten“. In einigen Schweizer [[Kanton (Schweiz)|Kantonen]] wurden noch bis ins 18. Jahrhundert brakteatenartige [[Rappen]], [[Heller (Münze)|Haller]] und [[Angster (Münze)|Angster]] hergestellt. Brakteaten wurden im Gegensatz zu den normalen Münzen nicht in Geldbeuteln, sondern in „Brakteatenbüchsen“ transportiert, wo bis zu 40 Stück übereinandergelegt Platz fanden. | |||
== Beschneidung == | |||
Die Prüfung des Gewichts erfolgte [[Gewichtsjustierung „al pezzo“ und „al marco“|''al marco'']]. In der mittelalterlichen Münztechnik war das die Prüfung des Gesamtgewichts einer bestimmten Anzahl von Münzen an Stelle der Gewichtskontrolle des Einzelstücks. Eine bestimmte Anzahl der Pfennige mussten eine [[Mark (Gewicht)|Gewichtsmark]] ergeben. In der [[Markgrafschaft Meißen]] war das die Prager Mark Silber. Bei dem ungleichmäßigen Gewicht der einzelnen Pfennige war es naheliegend, übergewichtige einfach mit der Schere durch [[Beschneidung (Numismatik)|Abschneiden]] am Rand auf das Durchschnittsgewicht zu bringen. Die Beschneidung war ein Kapitalverbrechen, das mit dem Abschlagen der rechten Hand geahndet wurde.<ref>Walther Haupt: ''Sächsische Münzkunde''. 1974, S. 24/27.</ref> | |||
== Spezielle Formen == | |||
Eine über das gesamte Mittelalter gebräuchliche Form ist der Hohlpfennig (oder aufgrund des dünnen Bleches auch Dünnpfennig). In Norddeutschland ist er wahrscheinlich schon im 10. Jahrhundert von den Dänen oder Slawen übernommen worden, mindestens aber ist er seit dem 12. bis ins 16. Jahrhundert in Gebrauch gewesen. Er darf nicht mit [[Schüsselpfennig]]en verwechselt werden. | |||
Üblich waren drei Werte, ein Zweipfennigstück ([[Blaffert]]) mit aufwendigem Bild, ein Einpfennigstück (auch Hohlpfennig genannt) mit grobem Bild und Hohlmünzen im Wert von einem halben Pfennig ([[Scherf]]). Allen dreien ist gemeinsam, dass sie mit gebogenem Rand geschlagen wurden, welcher häufig mit Strahlen verziert ist. Sie tragen weder Wertzahl noch Text, auf einigen sind Buchstaben zu finden. Eine Besonderheit bei den Brakteaten ist das Vorkommen geteilter Stücke. Da derartige Stücke auch in Hortfunden angetroffen werden, wird angenommen, dass derartige Teilungen üblich waren und nicht nur versehentlich auftraten: Um den vereinbarten Preis zu zahlen, wurden die Münzen einfach geteilt. | |||
== Münzstätten == | |||
[[Datei:Brakteat Dohna aus Hermann Grote, Tafel II., Bild 11.JPG|mini|Burggrafschaft Dohna, wahrscheinlich [[Liste der Burggrafen von Dohna|Heinrich II.]] (1180–1225), [[Brakteaten (Dohna)|Doninscher Brakteat]] (Dynastenbrakteat)]] | |||
Die sehr seltenen Brakteaten mit Buchstaben und Umschriften sind oft die frühesten Belege für den Nachweis einer Münzstätte. Zum Beispiel ist der erste Nachweis der [[Münzstätte Leipzig]] mit Brakteaten der Umschrift MARCHIO OTTO DE LIPPI oder OTTO MARCHIO DE LIPPZINA des Markgrafen [[Otto (Meißen)|Otto des Reichen]] erbracht worden. Die ersten Nachweise einer [[Münzstätte Langensalza]] (Salza) lieferten Brakteaten der [[Salza (Adelsgeschlecht)|Herren von Salza]] mit der Umschrift SALZA. Brakteaten mit der Hohlrandinschrift G-O-T-A im Vergleich mit anderen Brakteaten mit stilistisch identischen Münzbildern erbrachte den ersten Nachweis der [[Münzstätte Gotha]] und der früheste Nachweis der [[Münzstätte Wittenberg]] ist mit dem Brakteat der Umschrift + [[Bernhard III. (Sachsen)|BERNARDUS]] DUX VI nachgewiesen. Die Buchstaben VI sind die Anfangsbuchstaben der Münzstätte Wittenberg (Vitebergae). Bereits in der Zeit der Brakteatenprägungen wurden [[Münzmeisterzeichen]] verwendet, die jedoch nur selten erklärbar sind. | |||
Der größte Teil der meißnischen Brakteaten ist zwischen 1170 und 1300 von der ersten meißnischen Münzstätte, der [[Freiberger Münze]] bereitgestellt worden. Sie war seit dem 13. Jahrhundert die Landeshauptmünzstätte der [[Wettiner]]. Neben Pfennigen wurden auch [[Hälbling]]e und Viertelchen ausgegeben. Großzahlungen erfolgten in [[Barren (Metall)|Barrensilber]].<ref>Paul Arnold: ''Die Genealogie …'' In: Numismatischer Verein zu Dresden e. V. (Hrsg.): ''Dresdner numismatische Hefte'', Nr. 1/1996, S. 10: Hälblinge und Viertelchen.</ref> | |||
== Material und Prägetechnik == | |||
Das Material ist fast ausschließlich Silber, nur sehr selten wurden Hohlpfennige aus Gold oder Kupfer gefunden, deren Echtheit allerdings fraglich ist. Das Exemplar eines mutmaßlich hochmittelalterlichen Gold-Brakteaten, das auf einer Auktion angeboten wurde, löste entsprechend Kontroversen um die Authentizität aus. Der Numismatiker Häberle hielt das Exemplar etwa für ein Fabrikat des Prager Münzfälschers Kilian aus dem 19. Jahrhundert.<ref>{{Literatur |Autor= |Hrsg=Gerhard Hirsch Nachf. |Titel=Münzen und Medaillen Auktion 192 |Auflage= |Verlag= |Ort=München |Datum=1996 |ISBN= |Seiten=73}}</ref> | |||
Die Prägetechnik variierte je nach Region und Epoche. Die meisten Typen waren rund und unterschiedlich groß. In einigen Regionen wurden auch quadratische [[Schrötling]]e verwendet, so dass durch den Prägevorgang eine vierzipflige Form entstand. Beim Prägen dünnerer Münzen wurden mitunter mehrere Münzen „übereinanderliegend“ gleichzeitig hergestellt, woraus das bei vielen Hohlpfennigen unscharfe Münzbild resultiert. Beim Schlagen einzelner Münzen wurde der Schrötling auf die vertiefte Form aufgelegt und mit einem lederbezogenen Stempel in die Form geschlagen. | |||
== Besonderheit == | |||
[[Datei:Freipfennig aus der Universitätsbibliothek Leipzig.PNG|mini|175px|[[Freipfennig]]]] | |||
Ein besonderer Pfennig ist der [[Freipfennig]], ein [[Erfurt]]er Brakteat, der zur Entrichtung einer Abgabe an den Erzbischof von Mainz diente. Der wegen der Verschlechterung der üblichen Pfennig hauptsächlich im 14. Jahrhundert geprägte spezielle Pfennig aus feinem Silber wurde als Hohlpfennig (Brakteat) ausgebracht.<ref>Helmut Kahnt: ''Das große Münzlexikon von A bis Z.'' (2005), S. 143</ref> | |||
Erzbischof [[Adalbert I. von Saarbrücken|Adalbert I.]] war seit 1109 bzw. 1111 bis 1137 Erzbischof von Mainz. Er löste die [[Dienstbarkeit]] der Inhaber erzbischöflichen Eigentums wie Gebäude und Äcker durch einen [[Erbzins]] (Erbpacht) ab, der in gängiger [[Münze]] zu bezahlen war. Die erhebliche [[Münzverschlechterung|Verschlechterung]] der [[Pfennig]]münze war der Grund dafür, eigens zur Entrichtung einer Abgabe einen Freipfennig aus feinem Silber wertstabil auszubringen.<ref>Helmut Kahnt: ''Das große Münzlexikon von A bis Z.'' (2005)</ref> | |||
== Siehe auch == | |||
* [[Sächsische Münzgeschichte#Brakteatenzeit|Sächsische Münzgeschichte/Brakteatenzeit]] | |||
* [[Dünnpfennig]] (Halbbrakteat) | |||
* [[Sachsenpfennig#Verfall der Pfennigprägung|Sachsenpfennig/Verfall der Pfennigprägung–Dünnpfennig]] | |||
* [[Landsberger Hohlpfennig]] | |||
* [[Münzstätte Bautzen#Brakteatenzeit|Münzstätte Bautzen, Brakteatenzeit]] | |||
* [[Münzstätte Colditz#Brakteatenzeit|Münzstätte Colditz, Brakteatenzeit]] | |||
* [[Münzstätte Freiberg#Brakteatenzeit|Münzstätte Freiberg, Brakteatenzeit]] | |||
* [[Münzstätte Gotha#Brakteatenzeit|Münzstätte Gotha, Brakteatenzeit]] | |||
* [[Münzstätte Langensalza#Brakteatenzeit|Münzstätte Langensalza, Brakteatenzeit]] | |||
* [[Münzstätte Leipzig#Erste Belege|Münzstätte Leipzig, Erste Belege (mit Brakteaten)]] | |||
* [[Münzstätte Weimar#Brakteatenzeit|Münzstätte Weimar, Brakteatenzeit]] | |||
* [[Münzstätte Wittenberg#Brakteatenzeit|Münzstätte Wittenberg, Brakteatenzeit]] | |||
== Literatur == | |||
* Walter Hannemann: ''Das Geheimnis der Stierkopf-Brakteaten. Ein Beitrag zur Münzgeschichte Mecklenburgs''. In: ''Nordost-Archiv'', 1968, Jg. 1, Heft 1. Nordostdeutsches Kulturwerk e. V., Lüneburg 1968 | |||
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* [[Alexandra Pesch]]: ''Die Goldbrakteaten der Völkerwanderungszeit – Thema und Variation'' (= ''Reallexikon der Germanischen Altertumskunde – Ergänzungsbände.'' 36). de Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-020110-9, | |||
* [[Dieter Suhr]]: ''Alterndes Geld.'' Novalis-Verlag, Schaffhausen 1988, S. 81–82. | |||
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* Angelo Cesana: ''Basler Brakteaten''. In: ''Basler Jahrbuch'', 1941, S. 44–50. [https://www.baslerstadtbuch.ch/stadtbuch/1941/1941_0756.html baslerstadtbuch.ch] | |||
== Weblinks == | |||
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* [https://www.britishmuseum.org/collection/object/H_1984-1101-1 Ein Brakteat.] [[Britisches Museum]]; gibt deutlich sein historisches Vorbild wieder (englisch). | |||
* [http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/16930/ ''Versuch über die Brakteaten, insbesondere über die Böhmischen''.] SLUB Dresden. | |||
== Einzelnachweise == | |||
<references /> | |||
[[Kategorie:Silbermünze]] | |||
[[Kategorie:Münze (Mittelalter)]] | |||
Aktuelle Version vom 19. Oktober 2026, 05:52 Uhr
WP Brakteaten (von lat. bractea ‚dünnes Blatt von Metall oder Holz, dünnes Metallblech, Goldblättchen‘)[1] sind Münzen oder Medaillen, die aus einem dünnen Metallblech (meist Silber oder Billon) einseitig und auf einer weichen Unterlage geprägt wurden, im Gegensatz z. B. zu den doppelseitig geprägten Denaren oder den Dünnpfennigen (Halbbrakteaten).[2] Der Begriff Brakteat ist keine zeitgenössische Bezeichnung und wurde erstmals im 17. Jahrhundert für diesen Münztypus verwendet. Im Deutschen war früher auch die Bezeichnung Hohlmünze üblich.[3]
Von den mittelalterlichenliche Brakteaten sind die germanischen Goldbrakteaten der Völkerwanderungszeit des 5. und 6. Jahrhunderts unterschieden. Die kreisrunden, einseitig per Matrizen geprägten Schmuckscheiben aus Edelmetall, wurden vor allem in Skandinavien gefunden.
Allgemeines




Brakteaten (Hohlpfennige) sind einseitig aus dünnem Silberblech geprägte Pfennige mit einem Durchmesser von 22 bis 45 mm. Das Münzbild erscheint in einem hohen Relief, während die Rückseite hohl bleibt. Die große Fläche ließ viel Platz für künstlerische Darstellungen.[4]
Brakteaten waren von Mitte des 12. Jahrhunderts bis ins 14. Jahrhundert fast im gesamten deutschsprachigen Raum (mit Ausnahme des Rheinlands, Westfalens und des Mittelrheingebiets) die vorherrschende regionale Münzsorte.[5] Währungsgeschichtlich gesehen sind Brakteaten typisch für die regionalen Pfennigwährungen der Zeit.[4]
In einigen Regionen wurden die Brakteaten in regelmäßigen Abständen verrufen und mussten gegen neues Geld eingetauscht werden. In Magdeburg geschah dies im 12. Jahrhundert zweimal jährlich. Dabei waren z. B. drei neue gegen vier alte Münzen zu wechseln. Die einbehaltene 4. Münze wurde als Schlaggeld bezeichnet und war oft die einzige Steuereinnahme des Münzherrn (Renovatio Monetae). Die Verrufung störte die Geschäftsinteressen alljener, die an der damaligen Geldwirtschaft beteiligt waren, namentlich die Händler, die in den deutschen Städtebünden dominierten. Gleichzeitig führte die stete Geldentwertung zu einem enormen Investitionsdrang, sodass Handwerker und Händler ihre Unternehmungen stark ausbauten, die Deutsche Hanse gegründet wurde und schlussendlich viele der heutigen Städte durch die Hanse gegründet werden konnten. Der Grund des Investitionsdruckes sehen einige darin begründet, dass niemand der letzte sein wollte, der bei den teils zweimal jährlich auftretenden Verrufungen der Brakteaten das Schlaggeld bezahlen musste und somit ja 25 % des Geldwertes verloren hätte. Das Ausbauen und Investieren in den eigenen Betrieb galt als praktischer Schutz vor der Geldentwertung und führte zu großem Wohlstand.[6] Die Städtebünde führten dann ab 1413[5] einen sogenannten „Ewigen Pfennig“ ein. Mit dem Ende der Verrufungen begann das Ende der Brakteatenzeit und es wurden wieder die auch vorher üblichen dickeren und doppelseitigen Pfennige geprägt. Die letzten Brakteaten waren Wanderbrakteaten, also Präsenzzeichen von Pilgern, und waren bis zum 17. Jahrhundert in Verwendung.[7]
Für die Brakteaten gibt es nach einem alten Handelslexicon von 1848 auch die deutsche Bezeichnung Strubben, da sie sich beim Verpacken „sträubten“. In einigen Schweizer Kantonen wurden noch bis ins 18. Jahrhundert brakteatenartige Rappen, Haller und Angster hergestellt. Brakteaten wurden im Gegensatz zu den normalen Münzen nicht in Geldbeuteln, sondern in „Brakteatenbüchsen“ transportiert, wo bis zu 40 Stück übereinandergelegt Platz fanden.
Beschneidung
Die Prüfung des Gewichts erfolgte al marco. In der mittelalterlichen Münztechnik war das die Prüfung des Gesamtgewichts einer bestimmten Anzahl von Münzen an Stelle der Gewichtskontrolle des Einzelstücks. Eine bestimmte Anzahl der Pfennige mussten eine Gewichtsmark ergeben. In der Markgrafschaft Meißen war das die Prager Mark Silber. Bei dem ungleichmäßigen Gewicht der einzelnen Pfennige war es naheliegend, übergewichtige einfach mit der Schere durch Abschneiden am Rand auf das Durchschnittsgewicht zu bringen. Die Beschneidung war ein Kapitalverbrechen, das mit dem Abschlagen der rechten Hand geahndet wurde.[8]
Spezielle Formen
Eine über das gesamte Mittelalter gebräuchliche Form ist der Hohlpfennig (oder aufgrund des dünnen Bleches auch Dünnpfennig). In Norddeutschland ist er wahrscheinlich schon im 10. Jahrhundert von den Dänen oder Slawen übernommen worden, mindestens aber ist er seit dem 12. bis ins 16. Jahrhundert in Gebrauch gewesen. Er darf nicht mit Schüsselpfennigen verwechselt werden.
Üblich waren drei Werte, ein Zweipfennigstück (Blaffert) mit aufwendigem Bild, ein Einpfennigstück (auch Hohlpfennig genannt) mit grobem Bild und Hohlmünzen im Wert von einem halben Pfennig (Scherf). Allen dreien ist gemeinsam, dass sie mit gebogenem Rand geschlagen wurden, welcher häufig mit Strahlen verziert ist. Sie tragen weder Wertzahl noch Text, auf einigen sind Buchstaben zu finden. Eine Besonderheit bei den Brakteaten ist das Vorkommen geteilter Stücke. Da derartige Stücke auch in Hortfunden angetroffen werden, wird angenommen, dass derartige Teilungen üblich waren und nicht nur versehentlich auftraten: Um den vereinbarten Preis zu zahlen, wurden die Münzen einfach geteilt.
Münzstätten
Die sehr seltenen Brakteaten mit Buchstaben und Umschriften sind oft die frühesten Belege für den Nachweis einer Münzstätte. Zum Beispiel ist der erste Nachweis der Münzstätte Leipzig mit Brakteaten der Umschrift MARCHIO OTTO DE LIPPI oder OTTO MARCHIO DE LIPPZINA des Markgrafen Otto des Reichen erbracht worden. Die ersten Nachweise einer Münzstätte Langensalza (Salza) lieferten Brakteaten der Herren von Salza mit der Umschrift SALZA. Brakteaten mit der Hohlrandinschrift G-O-T-A im Vergleich mit anderen Brakteaten mit stilistisch identischen Münzbildern erbrachte den ersten Nachweis der Münzstätte Gotha und der früheste Nachweis der Münzstätte Wittenberg ist mit dem Brakteat der Umschrift + BERNARDUS DUX VI nachgewiesen. Die Buchstaben VI sind die Anfangsbuchstaben der Münzstätte Wittenberg (Vitebergae). Bereits in der Zeit der Brakteatenprägungen wurden Münzmeisterzeichen verwendet, die jedoch nur selten erklärbar sind.
Der größte Teil der meißnischen Brakteaten ist zwischen 1170 und 1300 von der ersten meißnischen Münzstätte, der Freiberger Münze bereitgestellt worden. Sie war seit dem 13. Jahrhundert die Landeshauptmünzstätte der Wettiner. Neben Pfennigen wurden auch Hälblinge und Viertelchen ausgegeben. Großzahlungen erfolgten in Barrensilber.[9]
Material und Prägetechnik
Das Material ist fast ausschließlich Silber, nur sehr selten wurden Hohlpfennige aus Gold oder Kupfer gefunden, deren Echtheit allerdings fraglich ist. Das Exemplar eines mutmaßlich hochmittelalterlichen Gold-Brakteaten, das auf einer Auktion angeboten wurde, löste entsprechend Kontroversen um die Authentizität aus. Der Numismatiker Häberle hielt das Exemplar etwa für ein Fabrikat des Prager Münzfälschers Kilian aus dem 19. Jahrhundert.[10]
Die Prägetechnik variierte je nach Region und Epoche. Die meisten Typen waren rund und unterschiedlich groß. In einigen Regionen wurden auch quadratische Schrötlinge verwendet, so dass durch den Prägevorgang eine vierzipflige Form entstand. Beim Prägen dünnerer Münzen wurden mitunter mehrere Münzen „übereinanderliegend“ gleichzeitig hergestellt, woraus das bei vielen Hohlpfennigen unscharfe Münzbild resultiert. Beim Schlagen einzelner Münzen wurde der Schrötling auf die vertiefte Form aufgelegt und mit einem lederbezogenen Stempel in die Form geschlagen.
Besonderheit
Ein besonderer Pfennig ist der Freipfennig, ein Erfurter Brakteat, der zur Entrichtung einer Abgabe an den Erzbischof von Mainz diente. Der wegen der Verschlechterung der üblichen Pfennig hauptsächlich im 14. Jahrhundert geprägte spezielle Pfennig aus feinem Silber wurde als Hohlpfennig (Brakteat) ausgebracht.[11]
Erzbischof Adalbert I. war seit 1109 bzw. 1111 bis 1137 Erzbischof von Mainz. Er löste die Dienstbarkeit der Inhaber erzbischöflichen Eigentums wie Gebäude und Äcker durch einen Erbzins (Erbpacht) ab, der in gängiger Münze zu bezahlen war. Die erhebliche Verschlechterung der Pfennigmünze war der Grund dafür, eigens zur Entrichtung einer Abgabe einen Freipfennig aus feinem Silber wertstabil auszubringen.[12]
Siehe auch
- Sächsische Münzgeschichte/Brakteatenzeit
- Dünnpfennig (Halbbrakteat)
- Sachsenpfennig/Verfall der Pfennigprägung–Dünnpfennig
- Landsberger Hohlpfennig
- Münzstätte Bautzen, Brakteatenzeit
- Münzstätte Colditz, Brakteatenzeit
- Münzstätte Freiberg, Brakteatenzeit
- Münzstätte Gotha, Brakteatenzeit
- Münzstätte Langensalza, Brakteatenzeit
- Münzstätte Leipzig, Erste Belege (mit Brakteaten)
- Münzstätte Weimar, Brakteatenzeit
- Münzstätte Wittenberg, Brakteatenzeit
Literatur
- Walter Hannemann: Das Geheimnis der Stierkopf-Brakteaten. Ein Beitrag zur Münzgeschichte Mecklenburgs. In: Nordost-Archiv, 1968, Jg. 1, Heft 1. Nordostdeutsches Kulturwerk e. V., Lüneburg 1968
- Otto Christian Gaedechens: Hamburgische Münzen und Medaillen. Hrsg.: Verein für Hamburgische Geschichte. Hamburg 1854.
- Martin Herzog: Freiwirtschaft. Brakteaten als Muster für die wundersame Wirkung von Schwundgeld im Mittelalter. 28. Juli 2002 (brainworker.ch (Memento vom 6. Mai 2003 im Internet Archive)).
- Alexandra Pesch: Die Goldbrakteaten der Völkerwanderungszeit – Thema und Variation (= Reallexikon der Germanischen Altertumskunde – Ergänzungsbände. 36). de Gruyter, Berlin / New York 2007, ISBN 978-3-11-020110-9,
- Dieter Suhr: Alterndes Geld. Novalis-Verlag, Schaffhausen 1988, S. 81–82.
- Helmut Kahnt: Das Grosse Münzlexikon von A bis Z. H. Gietl Verlag & Publikationsservice, Regenstauf 2005, ISBN 3-89441-550-9.
- Karl Walker: Das Geld in der Geschichte. Conzett/Oesch, Zürich 1999, ISBN 3-905267-12-8 (userpage.fu-berlin.de [abgerufen am 3. September 2007]).
- Angelo Cesana: Basler Brakteaten. In: Basler Jahrbuch, 1941, S. 44–50. baslerstadtbuch.ch
Weblinks
- Ein Brakteat. Britisches Museum; gibt deutlich sein historisches Vorbild wieder (englisch).
- Versuch über die Brakteaten, insbesondere über die Böhmischen. SLUB Dresden.
Einzelnachweise
- ↑ Karl Ernst Georges: brattea. In: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch. 8., verbesserte und vermehrte Auflage. Band 1: A–H. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1913, Sp. 860–861 (Digitalisat. zeno.org – die bei den Römern gebräuchlichere Schreibweise war brattea).
- ↑ Helmut Kahnt: Das Grosse Münzlexikon von A bis Z. H. Gietl Verlag & Publikationsservice, Regenstauf 2005, ISBN 3-89441-550-9, S. 57.
- ↑ Martin Riesenhuber: Christliches Kunstlexikon.: Christliche Kunstblätter, Jahrgang 1931, S. 133 (online bei ANNO).
- ↑ a b Paul Arnold: Führer durch die ständige Ausstellung des Münzkabinetts. Dresden 1978, S. 12.
- ↑ a b Arnold Luschin von Ebengreuth: Allgemeine Münzkunde. S. 273.
- ↑ Karl Marten Barfuß: Geld in der Außenwirtschaft. In: Geld und Währung. Gabler Verlag, Wiesbaden 1993, S. 89–138, doi:10.1007/978-3-663-14780-0_5.
- ↑ Arnold Luschin von Ebengreuth: Allgemeine Münzkunde. S. 92 sowie S. 90.
- ↑ Walther Haupt: Sächsische Münzkunde. 1974, S. 24/27.
- ↑ Paul Arnold: Die Genealogie … In: Numismatischer Verein zu Dresden e. V. (Hrsg.): Dresdner numismatische Hefte, Nr. 1/1996, S. 10: Hälblinge und Viertelchen.
- ↑ Gerhard Hirsch Nachf. (Hrsg.): Münzen und Medaillen Auktion 192. München 1996, S. 73.
- ↑ Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. (2005), S. 143
- ↑ Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. (2005)