„-isch“ – Versionsunterschied
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<div class="zenoCOAdRight"><ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-02-1399 [1399]]</ref>i'''sch''', eine alte Ableitungssylbe, Bey- und Nebenwörter aus Haupt- und Zeitwörtern zu bilden, welche die Bedeutungen der Ableitungssylben ig und <span class="zenoTXHighlight0">icht</span> oder lich in sich vereiniget. Diejenigen<ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-02-1399 [1399]]</ref> Wörter, welche auf solche Art zu Bey- und Nebenwörtern werden können, sind,</div> | <div class="zenoCOAdRight"><ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-02-1399 [1399]]</ref>i'''sch''', eine alte Ableitungssylbe, Bey- und Nebenwörter aus Haupt- und Zeitwörtern zu bilden, welche die Bedeutungen der Ableitungssylben ig und <span class="zenoTXHighlight0">icht</span> oder lich in sich vereiniget. Diejenigen<ref>[http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-02-1399 [1399]]</ref> Wörter, welche auf solche Art zu Bey- und Nebenwörtern werden können, sind,</div> | ||
Aktuelle Version vom 28. Dezember 2023, 17:10 Uhr
-i + -sch | Nf. zu -ig. -icht, -isk
isch
I. Allgemeine Nennwörter, oder Appellativa, wo diese Sylbe eine doppelte Bedeutung hat.
II. Eigenthümliche Wörter, eigene Nahmen, Beywörter aus denselben zu bilden,
welche die beyden vorhin angeführten Hauptbedeutungen in sich vereinigen, und so wohl einen Besitz, einen Ursprung, ein Herkommen, ein Angehören, als auch eine Ähnlichkeit und Übereinstimmung bedeuten. Diese eigenen Nahmen sind,
1. Nahmen der Völker, mit Wegwerfung des e euphonici am Ende. Französisch, Schweizerisch, Englisch, Russisch, Corsisch, Irisch, Schottisch, Dänisch, Schwedisch, Portugiesisch, Fränkisch, Griechisch, Jüdisch, Türkisch, Sächsisch u.s.f. von den Hauptwörtern Franzose, Schweizer, Angel oder Engel, Russe, Corse, Ire, Schotte u.s.f. Deutsch und Wälsch stammen auf ähnliche Art von Deut und Wale oder Walle her. Lateinisch und Hebräisch von Lateiner und Hebräer werfen auch das -er weg.
2. Nahmen der Länder, mit Wegwerfung der Endsylben n, en, ien, ey. Preußisch, Spanisch, Russisch, Ungarisch, Österreichisch, Niederländisch, Märkisch, Schwäbisch, Mailändisch, Pfälzisch, Baierisch, Böhmisch, Tartarisch, Lombardisch, Bulgarisch, Wallachisch u.s.f. Pohlnisch behält sein n, ob man gleich im gemeinen Leben auch Pohlsch sagt. Von manchen sind doppelte Beywörter vorhanden, deren eines von dem Nahmen des Volkes und der andere von dem Nahmen des Landes gemacht ist. Englisch und Engländisch, Irisch und Irländisch, Schottisch und Schottländisch, Curisch und Curländisch, Esthnisch und Esthländisch. Von vielen, besonders ausländisch Ländernahmen, behält man die fremden schon vorhandenen Beywörter bey und verwandelt nur die Lateinische Endung icus und us in isch. Sicilianisch, Italiänisch, Gallicanisch, Venetianisch, Mantuanisch, Indianisch, Amerikanisch, Afrikanisch, Europäisch, Asiatisch u.s.f. Wofür man nicht nöthig hat, Sicilisch, Italisch, Venedisch, Indisch u.s.f. zu sagen, indem solches, wie schon oben gedacht worden, nicht Beywörter mit doppelten Ableitungssylben, sondern nur mit einer einzigen sind, obgleich Sicilisch, Indisch, Venedisch in einer andern Betrachtung auch richtig sind. Asisch, Amerikisch, Afrikisch, würde wohl niemand sagen wollen, und Gallisch und Gallicanisch sind wesentlich verschieden. Chinesisch, Malthesisch, Genuesisch u.s.f. sind aus Italiänischen Beywörtern auf -ese gebildet.
3. Nahmen der Örter, besonders der Städte, Flecken und Dörfer. Leipzigisch, Hamburgisch, Berlinisch, Meißnisch, Frankfurtisch, Petersburgisch, Römisch u.a.m. Wo besonders[4] von ausländischen Städten, auch die fremden Beywörter auf die oben gedachte Art üblich sind. Hallensisch, besser Hallisch, Atheniensisch, Neapolitanisch, Sirakusanisch, Constantinopolitanisch u.s.f. Wenn dergleichen Beywörter auf -isch nicht üblich sind, oder übel klingen, so macht man sie lieber auf -er; Leipziger Lerchen, Pariser Hüte, Amsterdammer Waaren, Berliner Blau, Petersburger Wachs u.s.f. S. -Er. Wo beydes nicht füglich angehen will, gebraucht man eine Umschreibung. Im Oberdeutschen pflegt man dergleichen Beywörter gern von den Nahmen der Einwohner zu bilden; Berlinerisch, Leipzigerisch, Hamburgerisch u.s.f. von Berliner, Leipziger, Hamburger, für Berlinisch, Leipzigisch, Hamburgisch. Im Hochdeutschen kennt man diese Form nicht, außer daß man sie in Wienerisch für Wienisch angenommen hat. Zwischen beyden einen Unterschied in der Bedeutung zu machen, wie Aichinger gethan und Hempel ihm nachgebethet hat, ist eine Grillenfängerey.
4. Nahmen der Personen. Die Wolfische Weltweisheit, die Gellertschen Schriften, die Lutherische Kirche, die Weißischen Kinderlieder, das Schützische Gut, die Leibnitzischen Monaden, Homerische Gedichte. Von vielen selbst Deutschen Nahmen nimmt man auch hier die Lateinischen Beywörter auf die oben gedachte Art auf, und von manchen sind nur die letztern allein üblich; Wolfisch und Wolfianisch, Paulinisch, die Ernestinische Linie, Carolinisch, Fridericanisch, Theodosianisch u.s.f.
Anm. 1.
Diese Ableitungssylbe
- lautet
- Ihr Alterthum erhellet
- aus dem Tacitus,
- wo sie schon in den Wörtern Teutiscus, Cheruscus, Nariscus vorkommt.
- Sie war vornehmlich den Germanischen und Slavonischen Völkerschaften eigen,
- durch welche sie sehr frühe auch in das spätere Latein kam:
- Franciscus, Spaniscus, Hunniscus, Frigiscus, Daciscus u.a.m. kommen statt Francicus u.s.f.
- durch welche sie sehr frühe auch in das spätere Latein kam:
- in der Notitia Imperii, bey dem Vegetius, Anastasius und andern sehr häufig vor.
- Es erhellet daraus zugleich,
- daß diese Sylbe nichts anders ist, als die Ableitungssylben -ig und -icht,
- welche in einer zischenden Mundart in isch übergegangen sind.
- Da diese Aussprache manchen gröbern Mundarten vorzüglich eigen ist,
- so erhellet daraus zugleich, warum die damit gebildeten Beywörter,
- die eigenthümlichen Nahmen ausgenommen,
- in so vielen Fällen etwas gemeines und niedriges haben;
- daher man viele Wörter dieser Art in der anständigen Schreibart lieber auf andere Art bildet:
- abergläubig, argwöhnig, angreifig, anhängig, haushältig, auffahrend, tändelhaft,
- für abergläubisch u.s.f.
- Mit allen läßt sich die es freylich nicht thun, daher man sie behalten muß. In den niedrigen Sprecharten gehet das -ig der Hochdeutschen in hundert andern Fällen in -isch über.
- daher man viele Wörter dieser Art in der anständigen Schreibart lieber auf andere Art bildet:
- daß diese Sylbe nichts anders ist, als die Ableitungssylben -ig und -icht,
- Sie war vornehmlich den Germanischen und Slavonischen Völkerschaften eigen,
- wo sie schon in den Wörtern Teutiscus, Cheruscus, Nariscus vorkommt.
- aus dem Tacitus,
Anm. 2.
Die eigenthümlichen Beywörter dieser Art
- sind,
- außer wenn sie eine sittliche Eigenschaft bedeuten,
- keiner Comparation fähig.
- Die andern
- verstatten selbige in manchen Bedeutungen allerdings,
- und im gemeinen Leben gebraucht man sie häufig genug.
- Der viehischste Mensch, die barbarischste That, die hündischste Begierde, der mißtrauischste Geitzhals.
- Allein die vielen s
- thun im Superlativ so wohl den Sprach- und Gehörwerkzeugen Gewalt an,
- daher man die dritte Staffel in der edlen Schreibart lieber vermeidet,
- oder sie wenigstens auf -te bildet,
- viehischte, barbarischte, hündischte. Der Comparativ, barbarischer, thierischer u.s.f.
- hat weniger Mißklang, und wird ohne Anstoß gebraucht.
- Übrigens sind von diesen Beywörtern keine Hauptwörter als Abstracta üblich,
- entweder[5] des Wohlklanges wegen,
- oder auch, weil diese Sylbe vornehmlich dem großen Haufen zugehöret,
- welcher die Abstracta nur selten gebraucht;
- der Sinn verstattet sie allerdings.
- oder sie wenigstens auf -te bildet,
Anm. 3.
Die Beywörter dieser Art
- können,
- die fremden und eigenen Nahmen ausgenommen,
- nicht nach Willkühr gebildet werden,
- sondern man muß es bey denen bewenden lassen,
- welchen der Gebrauch einmahl das Bürgerrecht gegeben hat.
- Der Verlust ist auch nicht groß, weil der dieser Ableitungssylbe eigene Zischlaut eben nicht die glänzendste Seite unserer Sprache ist. Selbst bey eigenthümlichen Nahmen muß das Gehör zu Rathe gezogen werden, ob es dergleichen Beywörter verstattet oder nicht.