„versprechen“ – Versionsunterschied
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[[versprech-]][[–en]], [[ver-]][[-sprechen]] {{dt.}}, {{mhdt.}} Vb. ‘zusichern’, ([[—rflxv]]) ‘versehentlich falsch sprechen’, | [[versprech-]][[–en]], [[ver-]][[-sprechen]] {{dt.}}, {{mhdt.}} Vb. ‘zusichern’, ([[—rflxv]]) ‘versehentlich falsch sprechen’, | ||
* ahdt. ''[[firsprehhan]]'' ‘in Abrede stellen, zurückweisen, vertreten, verteidigen, rechtfertigen’ (9. Jh.), | * ahdt. ''[[firsprehhan]]'' ‘in Abrede stellen, zurückweisen, vertreten, verteidigen, rechtfertigen’ (9. Jh.), | ||
* mhd. ''versprechen'' ‘bürgen, verteidigen, entschuldigen, in Anspruch nehmen, zusichern, widersprechen, leugnen, zurückweisen, unrichtig sprechen, zaubern, beschwören’; | * mhd. ''versprechen'' ‘bürgen, verteidigen, entschuldigen, in Anspruch nehmen, zusichern, widersprechen, leugnen, zurückweisen, unrichtig sprechen, zaubern, beschwören’; | ||
versprech,verspreche,versprecht,verspricht,versprochen,versprach, | versprech,verspreche,versprecht,verspricht,versprochen,versprach, | ||
verheißen | verheißen | ||
== | == <span id="versprechen_(Deutsch)">versprechen ([https://de.wiktionary.org/wiki/Wiktionary:Deutsch Deutsch]<span id="Deutsch"></span><span id="versprechen_.28Deutsch.29"></span>)</span> == | ||
<div class="zenoCOMain"><p>'''<span class="zenoTXHighlight0">Versprêchen</span>''', ''verb. irregul. act.'' S. Sprechen, welches nach Maßgebung der verschiedenen Bedeutungen beyder Theile der Zusammensetzung, besonders aber der Partikel, in verschiedenem Verstande vorkommt.</p><p class="zenoPLm4n0">1. So daß ver eigentlich eine Entfernung bedeutet.</p><p class="zenoPLm4n0">(1) Mit Sprechen zubringen. Und ich habe mit euch so manche Stunde versprochen, Zach. Welcher Gebrauch doch seltener ist. In der vertraulichen Sprechart sagt man dafür verschwatzen, verplaudern.</p><p class="zenoPLm4n0">(2) * Leugnen, eine veraltete Bedeutung, welche noch bey den Schwäbischen Dichtern vorkommt. Eben so veraltet sind die Bedeutungen des Widersprechens, in dem Schwabenspiegel, des Verbiethens, bey dem Ottfried, der Verwerfung mit Worten, bey dem Strycker, und andere ähnliche mehr, welche insgesammt Figuren des Begriffes der Entfernung sind.</p><p class="zenoPLm4n0">3) Mit Worten zusagen, sagen, daß man etwas zum Nutzen des andern thun oder lassen wolle. (a) Eigentlich, mit der dritten Endung der Person. Einem etwas <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>. Ich habe es dir ja schon versprochen. Jemanden seine Hülfe, eine Belohnung <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>. Versprich mir, daß du kommen willst. Daher das <span class="zenoTXHighlight0">Versprechen</span>. Sein <span class="zenoTXHighlight0">Versprechen</span> halten, brechen. Ehedem gebrauchte man dafür verheißen, welches aber außer der höhern Schreibart veraltet ist, seitdem <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span> in dieser Bedeutung üblicher geworden. Ungewöhnlich ist hier die reciproke Form. Judas versprach sich den Hohenpriestern, Jesum zu verrathen, Luc. 22, 6. Wachter hielt diese Bedeutung mit Unrecht für dunkel; sie ist vielmehr eben so deutlich, als in versagen, vergeben, verschenken, verkaufen u.s.f. und eine Figur der Übertragung. (b) In engerer Bedeutung, den Besitz einer Sache zusagen, wo es oft auch mit Auslassung der dritten Endung der Person gebraucht wird. Die Waare ist schon versprochen, ist schon jemanden zugesagt. Jemanden seine Tochter <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>, nämlich zur Ehe. Sich mit einer Person <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>, ihr <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>, sie zu heurathen. Wo es oft in engerer Bedeutung von dem feyerlichen Verlöbnisse für verloben gebraucht wird, in welchem Verstande auch die Versprechung, die Eheversprechung, das Eheversprechen üblich sind. Ein versprochenes Brautpaar. Ich sahe es gern, wenn ich euch, meine Töchter, auf einen Tag <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span> könnte, Gell. d.i. verloben. Ingleichen von einem Besitze auf kurze Zeit. So sagt man, man sey schon versprochen, wenn man einem andern sein Wort gegeben hat, ihn zu besuchen. (c) Figürlich. Hoffnung geben oder machen, wenn solches gleich nicht durch Worte geschiehet. Theils mit dem Accusativ der Sache allein. Der Anschein verspricht nicht viel. Ein viel versprechender junger Mensch. Diese Witterung verspricht eine reiche Ernte. Seine Fähigkeiten <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span> einen großen Mann.</p><p class="zenoLY">Ein andrer hat zwar viel Geschicke,</p><p class="zenoLY">Doch weil die Miene nichts verspricht, u.s.f.</p><p class="zenoPR">Gell.</p><p>Theils auch als ein Reciprocum. Sich viel von Jemanden <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>, viel von ihm hoffen. Wie kannst du dir Treue von einer Buhlerinn <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>. Versprich dir nicht zu viel Glück. Ich verspreche mir von dieser Unternehmung viel Nutzen.</p><p class="zenoPLm4n0">2. Aus Mangel der Aufmerksamkeit falsch sprechen oder reden, als ein Reciprocum; im gemeinen Leben auch sich verreden. Sich <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>. Ich habe mich nur versprochen. Wie leicht verspricht man sich nicht! Daher das <span class="zenoTXHighlight0">Versprechen</span>.</p><p class="zenoPLm4n0">3. Durch Sprechen oder Worte den Zustand eines Dinges verschlimmern, doch nur in einigen Fällen.</p><p class="zenoPLm4n0">(1) Im gemeinen Leben gebraucht man es oft für besprechen im abergläubigen Verstande. Eine Büchse <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>, durch abergläubige Worte machen, daß sie versage.</p><p class="zenoPLm4n0">(2) * Tadeln, mißbilligen, ingleichen übels nachreden, verläumden. Da sie (die Pharisäer) sahen etliche seiner Jünger mit ungewaschenen Händen das Brot essen, versprachen sie es, Marc. 7, 2; sie beredeten es, hielten sich darüber auf.</p><p class="zenoLY">Es mocht mich jemand hie <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span></p><p class="zenoLY">Und mir solches für ein Frevel rechen, Grobian,<br></p><p>bey dem Frisch. Ein versprochener Mann war daher ehedem so viel als ein berüchtigter, anrüchtiger Mann. Doch diese ganze Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet. Im Nieders. ist verspreken, schmähen, lästern.</p><p class="zenoPLm4n0">So auch das <span class="zenoTXHighlight0">Versprechen</span> und die Versprechung, welches letztere doch nur in einigen Fällen der ersten Bedeutung gebraucht wird. S. auch Verspruch.</p><p class="zenoPLm4n0">Anm. In der Deutschen Bibel kommt dieses Wort einmahl in einer noch andern, gleichfalls veralteten Bedeutung vor. Denn die Männer zu Sichem versprachen Abimelech, u.s.f. Richt. 9, 22; d.i. sie sagten ihm Treue und Gehorsam auf, wo es gleichfalls eine Figur der ersten Hauptbedeutung ist, wo ver die Bedeutung der Entfernung hat. Übrigens kommt die Bedeutung des Zusagens bey den ältern und mittlern Schriftstellern wenig vor, indem <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span> bey ihnen in manchen andern Bedeutungen gangbar war. So wie diese veralteten, so hob sich jene Bedeutung, dagegen fing verheißen, welches man bis dahin anstatt desselben gebraucht hatte an zu veralten. So herrschen die Ebbe und Fluth der Zeit über Wörter, so wie über Personen und Sachen!</p></div><div class="zenoCOFooter"></div> | === <span id="Verb,_unregelmäßig">[https://de.wiktionary.org/wiki/Hilfe:Wortart#Verb Verb], ''unregelmäßig''</span> === | ||
<p title="Trennungsmöglichkeiten am Zeilenumbruch">Worttrennung:</p> | |||
:ver·spre·chen, Präteritum: ver·sprach, Partizip II: ver·spro·chen | |||
<p title="Phonetik">Aussprache:</p> | |||
:[https://de.wiktionary.org/wiki/Hilfe:IPA IPA]: [<span class="ipa">fɛɐ̯ˈʃpʁɛçn̩</span>] | |||
:[https://de.wiktionary.org/wiki/Hilfe:H%C3%B6rbeispiele Hörbeispiele:] [[file:15px-Loudspeaker.svg.png|alt=Lautsprecherbild|15x15px]] [https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/fe/De-versprechen.ogg versprechen]<sup> ([https://de.wiktionary.org/wiki/Datei:De-versprechen.ogg Info])</sup>, [[file:15px-Loudspeaker.svg.png|alt=Lautsprecherbild|15x15px]] [https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cd/De-versprechen2.ogg versprechen]<sup> ([https://de.wiktionary.org/wiki/Datei:De-versprechen2.ogg Info])</sup> | |||
:[https://de.wiktionary.org/wiki/Hilfe:Reime Reime:] <span class="ipa">[https://de.wiktionary.org/wiki/Reim:Deutsch:-%C9%9B%C3%A7n%CC%A9 -ɛçn̩]</span> | |||
<p title="Sinn und Bezeichnetes (Semantik)">Bedeutungen:</p> | |||
:[1] ''[https://de.wiktionary.org/wiki/transitiv transitiv]:'' etwas verbindlich [https://de.wiktionary.org/wiki/zusagen zusagen] | |||
:[2] ''[https://de.wiktionary.org/wiki/reflexiv reflexiv]:'' versehentlich etwas falsch [https://de.wiktionary.org/wiki/aussprechen aussprechen] oder Wörter [https://de.wiktionary.org/wiki/verwechseln verwechseln] | |||
:[3] ''[https://de.wiktionary.org/wiki/reflexiv reflexiv]:'' [https://de.wiktionary.org/wiki/erwarten erwarten] | |||
:[4] ''[https://de.wiktionary.org/wiki/intransitiv intransitiv]:'' [https://de.wiktionary.org/wiki/Anlass Anlass] oder [https://de.wiktionary.org/wiki/Grund Grund] geben zu [https://de.wiktionary.org/wiki/hoffen hoffen] | |||
<p title="Etymologie und Morphologie">Herkunft:</p> | |||
:[https://de.wiktionary.org/wiki/Derivation Derivation] ([https://de.wiktionary.org/wiki/Ableitung Ableitung]) des [https://de.wiktionary.org/wiki/Verbs Verbs] ''[https://de.wiktionary.org/wiki/sprechen sprechen]'' mit dem [https://de.wiktionary.org/wiki/Pr%C3%A4fix Präfix] ''[https://de.wiktionary.org/wiki/ver- ver-]'' | |||
<p title="bedeutungsgleich gebrauchte Wörter">Synonyme:</p> | |||
:[1] [https://de.wiktionary.org/wiki/garantieren garantieren] | |||
:[2] ''[https://de.wiktionary.org/wiki/umgangssprachlich umgangssprachlich]:'' [https://de.wiktionary.org/wiki/verhaspeln verhaspeln] | |||
:[3] sich [https://de.wiktionary.org/wiki/erhoffen erhoffen], [https://de.wiktionary.org/wiki/erwarten erwarten] | |||
:[4] [https://de.wiktionary.org/wiki/erwarten erwarten] lassen, [https://de.wiktionary.org/wiki/hoffen hoffen] lassen, [https://de.wiktionary.org/wiki/Hoffnung Hoffnung] geben für | |||
<p title="Verwendungsbeispielsätze">Beispiele:</p> | |||
:[1] ''Versprich'' mir, dass du aufpasst! | |||
:[1, 4] Er ist ein viel ''versprechender'' junger Politiker.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wiktionary.org/wiki/versprechen#cite_note-1 [1]]</sup> | |||
:[2] Sein Deutsch ist nicht sehr gut und er ''verspricht sich'' häufig. | |||
:[3] Man ''verspricht'' sich viel von den Reformen. | |||
:[4] Dies ''verspricht'' ein schöner Tag zu werden. | |||
<p title="Phraseologismen">Redewendungen:</p> | |||
:[1] [https://de.wiktionary.org/w/index.php?title=versprochen_ist_versprochen&action=edit&redlink=1 ''versprochen'' ist ''versprochen'']! | |||
:[1] [https://de.wiktionary.org/w/index.php?title=etwas_hoch_und_heilig_versprechen&action=edit&redlink=1 etwas hoch und heilig ''versprechen''] | |||
:[1] [https://de.wiktionary.org/w/index.php?title=jemandem_das_Blaue_vom_Himmel_herunter_versprechen&action=edit&redlink=1 jemandem das Blaue vom Himmel herunter ''versprechen''] | |||
:[1] [https://de.wiktionary.org/w/index.php?title=jemandem_etwas_in_die_Hand_versprechen&action=edit&redlink=1 jemandem etwas in die Hand ''versprechen''] | |||
:[1] [https://de.wiktionary.org/w/index.php?title=jemandem_goldene_Berge_versprechen&action=edit&redlink=1 jemandem goldene Berge ''versprechen''] | |||
<p title="Derivate, Komposita und Konversionen">Wortbildungen:</p> | |||
:[https://de.wiktionary.org/wiki/Versprechen Versprechen], [https://de.wiktionary.org/wiki/versprechend versprechend], [https://de.wiktionary.org/wiki/Versprecher Versprecher], [https://de.wiktionary.org/wiki/Versprechung Versprechung], [https://de.wiktionary.org/wiki/versprochen versprochen], [https://de.wiktionary.org/wiki/vielversprechend vielversprechend] | |||
== versprechen <ref>Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1144-1145. Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000050310X; Lizenz: [http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]; Faksimiles: [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-1144 1144] | [http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-04-1145 1145]</ref> == | |||
<div class="zenoCOMain"><p>'''<span class="zenoTXHighlight0">Versprêchen</span>''', ''verb. irregul. act.'' S. Sprechen, welches nach Maßgebung der verschiedenen Bedeutungen beyder Theile der Zusammensetzung, besonders aber der Partikel, in verschiedenem Verstande vorkommt.</p> | |||
<p class="zenoPLm4n0">1. So daß ver eigentlich eine Entfernung bedeutet.</p> | |||
<p class="zenoPLm4n0">(1) Mit Sprechen zubringen. Und ich habe mit euch so manche Stunde versprochen, Zach. Welcher Gebrauch doch seltener ist. In der vertraulichen Sprechart sagt man dafür verschwatzen, verplaudern.</p> | |||
<p class="zenoPLm4n0">(2) * Leugnen, eine veraltete Bedeutung, welche noch bey den Schwäbischen Dichtern vorkommt. Eben so veraltet sind die Bedeutungen des Widersprechens, in dem Schwabenspiegel, des Verbiethens, bey dem Ottfried, der Verwerfung mit Worten, bey dem Strycker, und andere ähnliche mehr, welche insgesammt Figuren des Begriffes der Entfernung sind.</p> | |||
<p class="zenoPLm4n0">3) Mit Worten zusagen, sagen, daß man etwas zum Nutzen des andern thun oder lassen wolle. (a) Eigentlich, mit der dritten Endung der Person. Einem etwas <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>. Ich habe es dir ja schon versprochen. Jemanden seine Hülfe, eine Belohnung <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>. Versprich mir, daß du kommen willst. Daher das <span class="zenoTXHighlight0">Versprechen</span>. Sein <span class="zenoTXHighlight0">Versprechen</span> halten, brechen. Ehedem gebrauchte man dafür verheißen, welches aber außer der höhern Schreibart veraltet ist, seitdem <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span> in dieser Bedeutung üblicher geworden. Ungewöhnlich ist hier die reciproke Form. Judas versprach sich den Hohenpriestern, Jesum zu verrathen, Luc. 22, 6. Wachter hielt diese Bedeutung mit Unrecht für dunkel; sie ist vielmehr eben so deutlich, als in versagen, vergeben, verschenken, verkaufen u.s.f. und eine Figur der Übertragung. (b) In engerer Bedeutung, den Besitz einer Sache zusagen, wo es oft auch mit Auslassung der dritten Endung der Person gebraucht wird. Die Waare ist schon versprochen, ist schon jemanden zugesagt. Jemanden seine Tochter <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>, nämlich zur Ehe. Sich mit einer Person <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>, ihr <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>, sie zu heurathen. Wo es oft in engerer Bedeutung von dem feyerlichen Verlöbnisse für verloben gebraucht wird, in welchem Verstande auch die Versprechung, die Eheversprechung, das Eheversprechen üblich sind. Ein versprochenes Brautpaar. Ich sahe es gern, wenn ich euch, meine Töchter, auf einen Tag <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span> könnte, Gell. d.i. verloben. Ingleichen von einem Besitze auf kurze Zeit. So sagt man, man sey schon versprochen, wenn man einem andern sein Wort gegeben hat, ihn zu besuchen. (c) Figürlich. Hoffnung geben oder machen, wenn solches gleich nicht durch Worte geschiehet. Theils mit dem Accusativ der Sache allein. Der Anschein verspricht nicht viel. Ein viel versprechender junger Mensch. Diese Witterung verspricht eine reiche Ernte. Seine Fähigkeiten <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span> einen großen Mann.</p> | |||
<p class="zenoLY">Ein andrer hat zwar viel Geschicke,</p> | |||
<p class="zenoLY">Doch weil die Miene nichts verspricht, u.s.f.</p> | |||
<p class="zenoPR">Gell.</p> | |||
<p>Theils auch als ein Reciprocum. Sich viel von Jemanden <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>, viel von ihm hoffen. Wie kannst du dir Treue von einer Buhlerinn <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>. Versprich dir nicht zu viel Glück. Ich verspreche mir von dieser Unternehmung viel Nutzen.</p> | |||
<p class="zenoPLm4n0">2. Aus Mangel der Aufmerksamkeit falsch sprechen oder reden, als ein Reciprocum; im gemeinen Leben auch sich verreden. Sich <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>. Ich habe mich nur versprochen. Wie leicht verspricht man sich nicht! Daher das <span class="zenoTXHighlight0">Versprechen</span>.</p> | |||
<p class="zenoPLm4n0">3. Durch Sprechen oder Worte den Zustand eines Dinges verschlimmern, doch nur in einigen Fällen.</p> | |||
<p class="zenoPLm4n0">(1) Im gemeinen Leben gebraucht man es oft für besprechen im abergläubigen Verstande. Eine Büchse <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span>, durch abergläubige Worte machen, daß sie versage.</p> | |||
<p class="zenoPLm4n0">(2) * Tadeln, mißbilligen, ingleichen übels nachreden, verläumden. Da sie (die Pharisäer) sahen etliche seiner Jünger mit ungewaschenen Händen das Brot essen, versprachen sie es, Marc. 7, 2; sie beredeten es, hielten sich darüber auf.</p> | |||
<p class="zenoLY">Es mocht mich jemand hie <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span></p> | |||
<p class="zenoLY">Und mir solches für ein Frevel rechen, Grobian,<br></p> | |||
<p>bey dem Frisch. Ein versprochener Mann war daher ehedem so viel als ein berüchtigter, anrüchtiger Mann. Doch diese ganze Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet. Im Nieders. ist verspreken, schmähen, lästern.</p> | |||
<p class="zenoPLm4n0">So auch das <span class="zenoTXHighlight0">Versprechen</span> und die Versprechung, welches letztere doch nur in einigen Fällen der ersten Bedeutung gebraucht wird. S. auch Verspruch.</p> | |||
<p class="zenoPLm4n0">Anm. In der Deutschen Bibel kommt dieses Wort einmahl in einer noch andern, gleichfalls veralteten Bedeutung vor. Denn die Männer zu Sichem versprachen Abimelech, u.s.f. Richt. 9, 22; d.i. sie sagten ihm Treue und Gehorsam auf, wo es gleichfalls eine Figur der ersten Hauptbedeutung ist, wo ver die Bedeutung der Entfernung hat. Übrigens kommt die Bedeutung des Zusagens bey den ältern und mittlern Schriftstellern wenig vor, indem <span class="zenoTXHighlight0">versprechen</span> bey ihnen in manchen andern Bedeutungen gangbar war. So wie diese veralteten, so hob sich jene Bedeutung, dagegen fing verheißen, welches man bis dahin anstatt desselben gebraucht hatte an zu veralten. So herrschen die Ebbe und Fluth der Zeit über Wörter, so wie über Personen und Sachen!</p></div> | |||
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Version vom 31. Januar 2024, 06:53 Uhr
| Person | Wortform | |||
|---|---|---|---|---|
| Präsens | ich | verspreche | ||
| du | versprichst | |||
| er, sie, es | verspricht | |||
| Präteritum | ich | versprach | ||
| Konjunktiv II | ich | verspräche | ||
| Imperativ | Singular | versprich! | ||
| Plural | versprecht! | |||
| Perfekt | Partizip II | Hilfsverb | ||
| versprochen | haben | |||
Alle weiteren Formen:Flexion:versprechen
| ||||
versprech-–en, ver--sprechen Vorlage:dt., mhdt. Vb. ‘zusichern’, (—rflxv) ‘versehentlich falsch sprechen’,
- ahdt. firsprehhan ‘in Abrede stellen, zurückweisen, vertreten, verteidigen, rechtfertigen’ (9. Jh.),
- mhd. versprechen ‘bürgen, verteidigen, entschuldigen, in Anspruch nehmen, zusichern, widersprechen, leugnen, zurückweisen, unrichtig sprechen, zaubern, beschwören’;
versprech,verspreche,versprecht,verspricht,versprochen,versprach,
verheißen
versprechen (Deutsch)
Verb, unregelmäßig
Worttrennung:
- ver·spre·chen, Präteritum: ver·sprach, Partizip II: ver·spro·chen
Aussprache:
- IPA: [fɛɐ̯ˈʃpʁɛçn̩]
- Hörbeispiele:
versprechen (Info),
versprechen (Info) - Reime: -ɛçn̩
Bedeutungen:
- [1] transitiv: etwas verbindlich zusagen
- [2] reflexiv: versehentlich etwas falsch aussprechen oder Wörter verwechseln
- [3] reflexiv: erwarten
- [4] intransitiv: Anlass oder Grund geben zu hoffen
Herkunft:
Synonyme:
- [1] garantieren
- [2] umgangssprachlich: verhaspeln
- [3] sich erhoffen, erwarten
- [4] erwarten lassen, hoffen lassen, Hoffnung geben für
Beispiele:
- [1] Versprich mir, dass du aufpasst!
- [1, 4] Er ist ein viel versprechender junger Politiker.[1]
- [2] Sein Deutsch ist nicht sehr gut und er verspricht sich häufig.
- [3] Man verspricht sich viel von den Reformen.
- [4] Dies verspricht ein schöner Tag zu werden.
Redewendungen:
- [1] versprochen ist versprochen!
- [1] etwas hoch und heilig versprechen
- [1] jemandem das Blaue vom Himmel herunter versprechen
- [1] jemandem etwas in die Hand versprechen
- [1] jemandem goldene Berge versprechen
Wortbildungen:
versprechen [1]
Versprêchen, verb. irregul. act. S. Sprechen, welches nach Maßgebung der verschiedenen Bedeutungen beyder Theile der Zusammensetzung, besonders aber der Partikel, in verschiedenem Verstande vorkommt.
1. So daß ver eigentlich eine Entfernung bedeutet.
(1) Mit Sprechen zubringen. Und ich habe mit euch so manche Stunde versprochen, Zach. Welcher Gebrauch doch seltener ist. In der vertraulichen Sprechart sagt man dafür verschwatzen, verplaudern.
(2) * Leugnen, eine veraltete Bedeutung, welche noch bey den Schwäbischen Dichtern vorkommt. Eben so veraltet sind die Bedeutungen des Widersprechens, in dem Schwabenspiegel, des Verbiethens, bey dem Ottfried, der Verwerfung mit Worten, bey dem Strycker, und andere ähnliche mehr, welche insgesammt Figuren des Begriffes der Entfernung sind.
3) Mit Worten zusagen, sagen, daß man etwas zum Nutzen des andern thun oder lassen wolle. (a) Eigentlich, mit der dritten Endung der Person. Einem etwas versprechen. Ich habe es dir ja schon versprochen. Jemanden seine Hülfe, eine Belohnung versprechen. Versprich mir, daß du kommen willst. Daher das Versprechen. Sein Versprechen halten, brechen. Ehedem gebrauchte man dafür verheißen, welches aber außer der höhern Schreibart veraltet ist, seitdem versprechen in dieser Bedeutung üblicher geworden. Ungewöhnlich ist hier die reciproke Form. Judas versprach sich den Hohenpriestern, Jesum zu verrathen, Luc. 22, 6. Wachter hielt diese Bedeutung mit Unrecht für dunkel; sie ist vielmehr eben so deutlich, als in versagen, vergeben, verschenken, verkaufen u.s.f. und eine Figur der Übertragung. (b) In engerer Bedeutung, den Besitz einer Sache zusagen, wo es oft auch mit Auslassung der dritten Endung der Person gebraucht wird. Die Waare ist schon versprochen, ist schon jemanden zugesagt. Jemanden seine Tochter versprechen, nämlich zur Ehe. Sich mit einer Person versprechen, ihr versprechen, sie zu heurathen. Wo es oft in engerer Bedeutung von dem feyerlichen Verlöbnisse für verloben gebraucht wird, in welchem Verstande auch die Versprechung, die Eheversprechung, das Eheversprechen üblich sind. Ein versprochenes Brautpaar. Ich sahe es gern, wenn ich euch, meine Töchter, auf einen Tag versprechen könnte, Gell. d.i. verloben. Ingleichen von einem Besitze auf kurze Zeit. So sagt man, man sey schon versprochen, wenn man einem andern sein Wort gegeben hat, ihn zu besuchen. (c) Figürlich. Hoffnung geben oder machen, wenn solches gleich nicht durch Worte geschiehet. Theils mit dem Accusativ der Sache allein. Der Anschein verspricht nicht viel. Ein viel versprechender junger Mensch. Diese Witterung verspricht eine reiche Ernte. Seine Fähigkeiten versprechen einen großen Mann.
Ein andrer hat zwar viel Geschicke,
Doch weil die Miene nichts verspricht, u.s.f.
Gell.
Theils auch als ein Reciprocum. Sich viel von Jemanden versprechen, viel von ihm hoffen. Wie kannst du dir Treue von einer Buhlerinn versprechen. Versprich dir nicht zu viel Glück. Ich verspreche mir von dieser Unternehmung viel Nutzen.
2. Aus Mangel der Aufmerksamkeit falsch sprechen oder reden, als ein Reciprocum; im gemeinen Leben auch sich verreden. Sich versprechen. Ich habe mich nur versprochen. Wie leicht verspricht man sich nicht! Daher das Versprechen.
3. Durch Sprechen oder Worte den Zustand eines Dinges verschlimmern, doch nur in einigen Fällen.
(1) Im gemeinen Leben gebraucht man es oft für besprechen im abergläubigen Verstande. Eine Büchse versprechen, durch abergläubige Worte machen, daß sie versage.
(2) * Tadeln, mißbilligen, ingleichen übels nachreden, verläumden. Da sie (die Pharisäer) sahen etliche seiner Jünger mit ungewaschenen Händen das Brot essen, versprachen sie es, Marc. 7, 2; sie beredeten es, hielten sich darüber auf.
Es mocht mich jemand hie versprechen
Und mir solches für ein Frevel rechen, Grobian,
bey dem Frisch. Ein versprochener Mann war daher ehedem so viel als ein berüchtigter, anrüchtiger Mann. Doch diese ganze Bedeutung ist im Hochdeutschen veraltet. Im Nieders. ist verspreken, schmähen, lästern.
So auch das Versprechen und die Versprechung, welches letztere doch nur in einigen Fällen der ersten Bedeutung gebraucht wird. S. auch Verspruch.
Anm. In der Deutschen Bibel kommt dieses Wort einmahl in einer noch andern, gleichfalls veralteten Bedeutung vor. Denn die Männer zu Sichem versprachen Abimelech, u.s.f. Richt. 9, 22; d.i. sie sagten ihm Treue und Gehorsam auf, wo es gleichfalls eine Figur der ersten Hauptbedeutung ist, wo ver die Bedeutung der Entfernung hat. Übrigens kommt die Bedeutung des Zusagens bey den ältern und mittlern Schriftstellern wenig vor, indem versprechen bey ihnen in manchen andern Bedeutungen gangbar war. So wie diese veralteten, so hob sich jene Bedeutung, dagegen fing verheißen, welches man bis dahin anstatt desselben gebraucht hatte an zu veralten. So herrschen die Ebbe und Fluth der Zeit über Wörter, so wie über Personen und Sachen!
- ↑ Quelle: Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 4. Leipzig 1801, S. 1144-1145. Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000050310X; Lizenz: Gemeinfrei; Faksimiles: 1144 | 1145