„Nous“ – Versionsunterschied
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'''Nous''' oder '''Nus''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] <span | '''Nous''' oder '''Nus''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch] <span class="Grek" lang="grc-Grek">[[νοῦς]]</span> [<span class="navigation-not-searchable"><span class="IPA">[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_IPA-Zeichen <span title="Aussprache im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA)">nûːs</span>]</span></span>]) ist ein Begriff der [https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_Antike antiken griechischen Philosophie]. In der philosophischen Fachsprache bezeichnet der Ausdruck die menschliche Fähigkeit, etwas geistig zu erfassen, und die Instanz im Menschen, die für das Erkennen und Denken zuständig ist. Außerdem hat das Wort im allgemeinen Sprachgebrauch auch andere Bedeutungen. Im Deutschen wird „Nous“ meist mit „[https://de.wikipedia.org/wiki/Geist Geist]“, „[https://de.wikipedia.org/wiki/Intellekt Intellekt]“, „[https://de.wikipedia.org/wiki/Verstand Verstand]“ oder „[https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunft Vernunft]“ wiedergegeben. Die gängigste [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinische] Entsprechung ist ''intellectus'', doch werden auch ''mens'', ''ratio'' und ''ingenium'' als Äquivalente verwendet. In [https://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik metaphysischen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kosmologie kosmologischen] Lehren, die von einer göttlichen Lenkung der Welt ausgehen, wird als Nous auch ein im Kosmos wirkendes Prinzip bezeichnet, die göttliche Weltvernunft. | ||
== <span id="Etymologie_und_verwandte_Begriffe">Etymologie und verwandte Begriffe</span> == | |||
<p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Etymologie Etymologie] des Wortes ''nous'' ist in der Forschung umstritten. Einer älteren Hypothese zufolge ist es von einer erschlossenen Form <span class="Grek" lang="grc-Grek">σνόϝος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">(snówos)</span> abzuleiten, die mit „schnüffeln“ im Sinne von „eine Gefahr wittern“ zusammenhängt (vergleiche auch englisch ''to sniff''). Demnach handelt es sich um das Erfassen eines Sachverhalts aufgrund von Sinneswahrnehmung. Nach einer neueren Forschungsmeinung besteht ein Zusammenhang mit <span class="Grek" lang="grc-Grek">νεῖσΘαι</span> (neísthai, „zurückkehren“) und <span class="Grek" lang="grc-Grek">νόστος</span> (nóstos, „Rückkehr“).<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nous#cite_note-1 [1]]</sup></p><p>Das zugehörige Verb ist <span class="Grek" lang="grc-Grek">νοεῖν</span> (noeín, „wahrnehmen, denken“). Zur selben Wortfamilie gehören weitere philosophische Begriffe: „[https://de.wikipedia.org/wiki/Noesis Noesis]“ (Denktätigkeit, Denkakt) mit dem zugehörigen [https://de.wikipedia.org/wiki/Adjektiv Adjektiv] „noetisch“ (griechisch <span class="Grek" lang="grc-Grek">νοητός</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">noētós</span>), „[https://de.wikipedia.org/wiki/Noetik Noetik]“ (ein Teilgebiet der Logik oder eine nichtpsychologische Erkenntnislehre, bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Husserl Edmund Husserl] die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ph%C3%A4nomenologie Phänomenologie] der Vernunft), „[https://de.wikipedia.org/wiki/Noema_(Ph%C3%A4nomenologie) Noema]“ (Gedanke, einzelner Denkinhalt), „[https://de.wikipedia.org/wiki/Noumenon Noumenon]“ (das Gedachte, bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant Kant] das [https://de.wikipedia.org/wiki/Ding_an_sich Ding an sich]) und „[https://de.wikipedia.org/wiki/Dianoiologie Dianoia]“ (diskursives Denken). Während im Griechischen ''diánoia'' (<span class="Grek" lang="grc-Grek">διάνοια</span>) oft eine „dianoetische“ Denkweise (schlussfolgerndes Voranschreiten) bezeichnet, ist mit ''nous'' häufig speziell ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Intuition intuitives] „noetisches“ Denken gemeint (unmittelbares Erfassen eines evidenten Sachverhalts). Somit entspricht ''dianoia'' eher dem deutschen Begriff „Verstand“, ''nous'' eher dem deutschen Vernunft-Begriff. Der Sprachgebrauch in den antiken Quellen ist allerdings nicht einheitlich und nicht immer klar.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Nous#cite_note-2 [2]]</sup></p> | |||
Version vom 1. März 2024, 08:12 Uhr
Nous vwdt. mit dt. nähen, den Faden nähen, spinnen auf Gedanke und Denken übertragen
Nous oder Nus (altgriechisch νοῦς []) ist ein Begriff der antiken griechischen Philosophie. In der philosophischen Fachsprache bezeichnet der Ausdruck die menschliche Fähigkeit, etwas geistig zu erfassen, und die Instanz im Menschen, die für das Erkennen und Denken zuständig ist. Außerdem hat das Wort im allgemeinen Sprachgebrauch auch andere Bedeutungen. Im Deutschen wird „Nous“ meist mit „Geist“, „Intellekt“, „Verstand“ oder „Vernunft“ wiedergegeben. Die gängigste lateinische Entsprechung ist intellectus, doch werden auch mens, ratio und ingenium als Äquivalente verwendet. In metaphysischen und kosmologischen Lehren, die von einer göttlichen Lenkung der Welt ausgehen, wird als Nous auch ein im Kosmos wirkendes Prinzip bezeichnet, die göttliche Weltvernunft.
Etymologie und verwandte Begriffe
Die Etymologie des Wortes nous ist in der Forschung umstritten. Einer älteren Hypothese zufolge ist es von einer erschlossenen Form σνόϝος (snówos) abzuleiten, die mit „schnüffeln“ im Sinne von „eine Gefahr wittern“ zusammenhängt (vergleiche auch englisch to sniff). Demnach handelt es sich um das Erfassen eines Sachverhalts aufgrund von Sinneswahrnehmung. Nach einer neueren Forschungsmeinung besteht ein Zusammenhang mit νεῖσΘαι (neísthai, „zurückkehren“) und νόστος (nóstos, „Rückkehr“).[1]
Das zugehörige Verb ist νοεῖν (noeín, „wahrnehmen, denken“). Zur selben Wortfamilie gehören weitere philosophische Begriffe: „Noesis“ (Denktätigkeit, Denkakt) mit dem zugehörigen Adjektiv „noetisch“ (griechisch νοητός noētós), „Noetik“ (ein Teilgebiet der Logik oder eine nichtpsychologische Erkenntnislehre, bei Edmund Husserl die Phänomenologie der Vernunft), „Noema“ (Gedanke, einzelner Denkinhalt), „Noumenon“ (das Gedachte, bei Kant das Ding an sich) und „Dianoia“ (diskursives Denken). Während im Griechischen diánoia (διάνοια) oft eine „dianoetische“ Denkweise (schlussfolgerndes Voranschreiten) bezeichnet, ist mit nous häufig speziell ein intuitives „noetisches“ Denken gemeint (unmittelbares Erfassen eines evidenten Sachverhalts). Somit entspricht dianoia eher dem deutschen Begriff „Verstand“, nous eher dem deutschen Vernunft-Begriff. Der Sprachgebrauch in den antiken Quellen ist allerdings nicht einheitlich und nicht immer klar.[2]