„petitio principii“ – Versionsunterschied
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<div class="zenoCOMain"><p>[http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/K/kimi-wbphil-001-0429 [429]] '''<span class="zenoTXHighlight0">petitio</span> <span class="zenoTXHighlight1">principii</span>''' (lat.), [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Erschleichung Erschleichung] des [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Grund Grundes], heißt ein Fehler im [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Beweis Beweisen], der darin besteht, daß man einen [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Satz Satz], der selbst erst bewiesen werden müßte, als Beweisgrund anführt. So begeht Kant eine <span class="zenoTXHighlight0">petitio</span> <span class="zenoTXHighlight1">principii</span>, wenn er die Apriorität der Raum- und Zeitanschauung von der [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Notwendigkeit Notwendigkeit] und Allgemeinheit mathematischer [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Lehrsatz Lehrsätze] ableitet, die keineswegs feststeht, vielmehr selber erst aus der Apriorität von [http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/A/Raum+und+Zeit Raum und Zeit] folgen würde.</p></div><div class="zenoCOFooter"><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Quelle:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig <sup>5</sup>1907, S. 429.</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Permalink:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/nid/20003587894 http://www.zeno.org/nid/20003587894]</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Lizenz:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei Gemeinfrei]</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Faksimiles:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/Kirchner-Michaelis-1907/K/kimi-wbphil-001-0429 429]</div></div><div class="zenoCOFooterLine"><div class="zenoCOFooterLineLeft">Kategorien:</div><div class="zenoCOFooterLineRight">[http://www.zeno.org/Kategorien/T/Lexikalischer+Artikel Lexikalischer Artikel]</div></div></div> | |||
Eine '''''Petitio Principii''''' (aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_Sprache lat.]<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Petitio_principii#cite_note-1 [1]]</sup> ''petitio principii'', für „Inanspruchnahme des Beweisgrundes“), auch '''''[[Zirkelbeweis]]''''' (''circulus in demonstrando'' oder ''circulus in probando''), ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Englische_Sprache englisch] begging the question'', ist eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Argument argumentative] Figur, bei der eine Behauptung durch Aussagen begründet wird, welche die zu beweisende Behauptung schon als wahr voraussetzen. Dies kann zum einen explizit geschehen, wenn die Behauptung als [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlussfolgerung Schlusssatz] oder Konklusion eines Arguments vorliegt, in dem sie selbst als [[Prämisse]] vorkommt, zum anderen implizit, indem die Konklusion kein expliziter Bestandteil des Arguments ist, sondern stillschweigend angenommen wird.<p>Eine petitio principii kann ein logisch [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCltigkeit#Logische_G%C3%BCltigkeit_eines_Schlusses gültiger Schluss] sein: Aus jeder beliebigen Aussage folgt fraglos diese selbst. Bei diesem Spezialfall eines unmittelbaren [https://de.wikipedia.org/wiki/Zirkelschluss Zirkelschlusses] liegt formal betrachtet kein [https://de.wikipedia.org/wiki/Fehlschluss Fehlschluss] vor, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ableitung_(Logik) Ableitung] ist korrekt, aber es handelt sich nicht um einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Beweis_(Logik) Beweis] in klassisch-aristotelischem Sinn: Wenn die Prämissen des Beweises von der Konklusion nicht verschieden sind, ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_zureichenden_Grund Satz vom zureichenden Grund] verletzt. In der modernen [https://de.wikipedia.org/wiki/Informelle_Logik nicht-formalen Logik] wird Petitio principii hingegen häufig als alltägliche Argumentationsfigur anerkannt. Die Figur ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Idem_per_idem idem per idem]'' ist ebenfalls ein Spezialfall der ''petitio'' bzw. eine logische Figur, die für eine ''petitio'' verwendet werden kann.</p> | Eine '''''Petitio Principii''''' (aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Lateinische_Sprache lat.]<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Petitio_principii#cite_note-1 [1]]</sup> ''petitio principii'', für „Inanspruchnahme des Beweisgrundes“), auch '''''[[Zirkelbeweis]]''''' (''circulus in demonstrando'' oder ''circulus in probando''), ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Englische_Sprache englisch] begging the question'', ist eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Argument argumentative] Figur, bei der eine Behauptung durch Aussagen begründet wird, welche die zu beweisende Behauptung schon als wahr voraussetzen. Dies kann zum einen explizit geschehen, wenn die Behauptung als [https://de.wikipedia.org/wiki/Schlussfolgerung Schlusssatz] oder Konklusion eines Arguments vorliegt, in dem sie selbst als [[Prämisse]] vorkommt, zum anderen implizit, indem die Konklusion kein expliziter Bestandteil des Arguments ist, sondern stillschweigend angenommen wird.<p>Eine petitio principii kann ein logisch [https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCltigkeit#Logische_G%C3%BCltigkeit_eines_Schlusses gültiger Schluss] sein: Aus jeder beliebigen Aussage folgt fraglos diese selbst. Bei diesem Spezialfall eines unmittelbaren [https://de.wikipedia.org/wiki/Zirkelschluss Zirkelschlusses] liegt formal betrachtet kein [https://de.wikipedia.org/wiki/Fehlschluss Fehlschluss] vor, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ableitung_(Logik) Ableitung] ist korrekt, aber es handelt sich nicht um einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Beweis_(Logik) Beweis] in klassisch-aristotelischem Sinn: Wenn die Prämissen des Beweises von der Konklusion nicht verschieden sind, ist der [https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_vom_zureichenden_Grund Satz vom zureichenden Grund] verletzt. In der modernen [https://de.wikipedia.org/wiki/Informelle_Logik nicht-formalen Logik] wird Petitio principii hingegen häufig als alltägliche Argumentationsfigur anerkannt. Die Figur ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Idem_per_idem idem per idem]'' ist ebenfalls ein Spezialfall der ''petitio'' bzw. eine logische Figur, die für eine ''petitio'' verwendet werden kann.</p> | ||
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Version vom 17. März 2024, 17:16 Uhr
petitio principii Vorlage:lat.
[429] petitio principii (lat.), Erschleichung des Grundes, heißt ein Fehler im Beweisen, der darin besteht, daß man einen Satz, der selbst erst bewiesen werden müßte, als Beweisgrund anführt. So begeht Kant eine petitio principii, wenn er die Apriorität der Raum- und Zeitanschauung von der Notwendigkeit und Allgemeinheit mathematischer Lehrsätze ableitet, die keineswegs feststeht, vielmehr selber erst aus der Apriorität von Raum und Zeit folgen würde.
Eine Petitio Principii (aus lat.[1] petitio principii, für „Inanspruchnahme des Beweisgrundes“), auch Zirkelbeweis (circulus in demonstrando oder circulus in probando), englisch begging the question, ist eine argumentative Figur, bei der eine Behauptung durch Aussagen begründet wird, welche die zu beweisende Behauptung schon als wahr voraussetzen. Dies kann zum einen explizit geschehen, wenn die Behauptung als Schlusssatz oder Konklusion eines Arguments vorliegt, in dem sie selbst als Prämisse vorkommt, zum anderen implizit, indem die Konklusion kein expliziter Bestandteil des Arguments ist, sondern stillschweigend angenommen wird.
Eine petitio principii kann ein logisch gültiger Schluss sein: Aus jeder beliebigen Aussage folgt fraglos diese selbst. Bei diesem Spezialfall eines unmittelbaren Zirkelschlusses liegt formal betrachtet kein Fehlschluss vor, die Ableitung ist korrekt, aber es handelt sich nicht um einen Beweis in klassisch-aristotelischem Sinn: Wenn die Prämissen des Beweises von der Konklusion nicht verschieden sind, ist der Satz vom zureichenden Grund verletzt. In der modernen nicht-formalen Logik wird Petitio principii hingegen häufig als alltägliche Argumentationsfigur anerkannt. Die Figur idem per idem ist ebenfalls ein Spezialfall der petitio bzw. eine logische Figur, die für eine petitio verwendet werden kann.
Arten der petitio principii
Eine petitio principii kann auf verschiedene Weisen konstruiert werden.[2] Eine Prämisse taugt nicht zur Unterstützung der Konklusion, wenn sie lediglich
- eine andere Formulierung der Konklusion ist:
- „Schwarzfahren ist unsozial, weil es auf Kosten der zahlenden Fahrgäste geschieht.“
- eine Generalisierung der Konklusion ist:
- „Kopfschmerztabletten haben unerwünschte Nebenwirkungen, denn alle Medikamente haben unerwünschte Nebenwirkungen.“
- aus der Luft gegriffen ist, bloß um die Konklusion zu beweisen:
- „Ich nehme immer am Karneval teil, weil ich Traditionen bewahre.“
Historisches
Die petitio wurde bereits von Aristoteles im Organon als Fehlschluss beschrieben. In dem von Gottlob Benjamin Jäsche erstellten Handbuch zur Logik-Vorlesung von Immanuel Kant wird sie in § 92 gemeinsam mit dem Zirkelschluss (circulus in probando) behandelt. (Immanuel Kant: AA IX, 135[3][4])
Beispiele
- „Mein Bruder mag keinen Spinat, und das ist ein Glück für meinen Bruder, denn falls er welchen mögen würde, äße er davon, und er kann ihn nicht ausstehen.“[5] – Hier ist die Behauptung, dass es ein Glück für den Bruder ist, keinen Spinat zu mögen, durch eine petitio begründet.
- Ich sage immer die Wahrheit, denn
- Wahrheit ist Übereinstimmung der Rede mit der Wirklichkeit.
- Wer die Unwahrheit sagt, redet nicht über die Wirklichkeit, also über nichts.
- Wer von Etwas redet, redet nicht über Nichts, sagt also die Wahrheit.
- „Wieso stimmen Vorstellungen in unserem Geiste mit Gegenständen der Erfahrung überein, obwohl sie nicht von den Erfahrungen selbst geschaffen werden? – Dies mit den Grundsätzen einer Erkenntnistheorie zu begründen, hieße intellektuelle Vorstellungen durch intellektuelle Vorstellungen zu beweisen“[6]
Literatur
- John Woods, Douglas Walton: Petitio principii. In: Synthese, Band 31, Nr. 1, Juni 1975, S. 107–127.
- L. Cummings: Petitio principii: the case for non-fallaciousness. In: Informal Logic, Band 20, Nr. 1, S. 1–18.
Weblinks
Einzelnachweise und Anmerkungen
- Petitio Principii – Duden, Bibliographisches Institut, 2016
- Douglas J. Soccio, Vincent E. Barry: Practical Logic. 4. Auflage. Harcourt Brace Jovanovich College Publishers, 1992, ISBN 0-03-073907-1
- Immanuel Kant, Gesammelte Schriften. Hrsg.: Bd. 1–22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., AA IX, 135.
- Genau genommen wird dort unter dieser Bezeichnung die logisch unzulässige Verwendung eines Satzes als ein selbst-evidentes Axiom besprochen: „Unter einer petitio principii versteht man die Annehmung eines Satzes zum Beweisgrunde als eines unmittelbar gewissen Satzes, obgleich er noch eines Beweises bedarf. Und einen Cirkel im Beweisen begeht man, wenn man denjenigen Satz, den man hat beweisen wollen, seinem eigenen Beweise zum Grunde legt.“
- Nino Ferrer in dem Lied „Madame Robert“ aus dem Musikalbum Je veux être noir (1966) laut Pétition de principe in der französischsprachigen Wikipedia: «Mon frère n’aime pas les épinards, / et c’est heureux pour mon frère car, / s’il les aimait, il en mangerait / et il ne peut pas les supporter.» Für das Erscheinungsdatum: Discographie: les années 60. Je veux être noir. In: Offizielle Web-Site über Nino Ferrer. 2010, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 7. März 2016; abgerufen am 21. November 2010: „Année: 1966“
- Wolfgang Röd: Die Philosophie der Neuzeit 3. Teil 1: Kritische Philosophie von Kant bis Schopenhauer. München 2006, S. 31