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„grammatischer Wechsel“ – Versionsunterschied

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Als '''grammatischer Wechsel''' (zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgr.] γράμμα ''grámma'' ‚Schriftzeichen, Buchstabe‘; wörtlich „Buchstabenwechsel“)<sup id="cite_ref-lechner_1-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Grammatischer_Wechsel#cite_note-lechner-1 [1]]</sup> wird ein durch das [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernersches_Gesetz Vernersche Gesetz] beschriebener Konsonantenwechsel bezeichnet, der bei etymologisch verwandten Wörtern sowie innerhalb bestimmter Flexionsparadigmen auftritt.<div id="mw-content-text" class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de">
[[grammatisch]][[-er]] [[Wechsel]]
== <span id="Auftreten_und_Vorkommen">Auftreten und Vorkommen</span> ==
 
Als '''grammatischer Wechsel''' (zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgr.] γράμμα ''grámma'' ‚Schriftzeichen, Buchstabe‘; wörtlich „Buchstabenwechsel“)<ref><span class="reference-text">[http://users.uoa.gr/~wlechner/HIST2008b%2004.pdf Winfried Lechner: ''Protogermanisch'', Universität Athen (DGC 46 Sprachgeschichte Handout #4 WiSe 2008/09), p. 6.](PDF; 248&nbsp;kB; abgerufen am 3. Februar 2015)</span></ref> wird ein durch das [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernersches_Gesetz Vernersche Gesetz] beschriebener Konsonantenwechsel bezeichnet, der bei etymologisch verwandten Wörtern sowie innerhalb bestimmter Flexionsparadigmen auftritt.<div class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de">
=== <span id="Auftreten_und_Vorkommen">Auftreten und Vorkommen</span> ===
<p>Der grammatische Wechsel tritt grundsätzlich in allen [https://de.wikipedia.org/wiki/Germanische_Sprachen germanischen Sprachen] auf, doch ist er in den Einzelsprachen durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Analogie_(Sprachwissenschaft) Analogie] unterschiedlich stark ausgeglichen worden. Lag im Indogermanischen der Hauptton eines Wortes nach dem Stammauslautkonsonanten, dann wurden diese von /p/ /t/ /k/ /s/ zu /b/ /d/ /g/ /z/.</p><p>Schon in den uns überlieferten altgermanischen Sprachstufen ist das Gesetz nur noch lexikalisiert anzutreffen, und es wird schon früh – je nach Sprache und Dialekt in unterschiedlichem Ausmaß – zugunsten intraparadigmatisch regulärer Konsonanz abgebaut.</p><p>Beispiele aus dem Neuhochdeutschen:</p>
<p>Der grammatische Wechsel tritt grundsätzlich in allen [https://de.wikipedia.org/wiki/Germanische_Sprachen germanischen Sprachen] auf, doch ist er in den Einzelsprachen durch [https://de.wikipedia.org/wiki/Analogie_(Sprachwissenschaft) Analogie] unterschiedlich stark ausgeglichen worden. Lag im Indogermanischen der Hauptton eines Wortes nach dem Stammauslautkonsonanten, dann wurden diese von /p/ /t/ /k/ /s/ zu /b/ /d/ /g/ /z/.</p><p>Schon in den uns überlieferten altgermanischen Sprachstufen ist das Gesetz nur noch lexikalisiert anzutreffen, und es wird schon früh – je nach Sprache und Dialekt in unterschiedlichem Ausmaß – zugunsten intraparadigmatisch regulärer Konsonanz abgebaut.</p><p>Beispiele aus dem Neuhochdeutschen:</p>
:''Hefe – heben''
:''Hefe – heben''
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:''sîn'' ‚sein‘: ''bin – was – wâren – gewesen (gesîn)''
:''sîn'' ‚sein‘: ''bin – was – wâren – gewesen (gesîn)''
<p>Ähnliche Phänomene gibt es auch in anderen Sprachen, etwa dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Finnische_Sprache Finnischen] („Stufenwechsel“).</p>
<p>Ähnliche Phänomene gibt es auch in anderen Sprachen, etwa dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Finnische_Sprache Finnischen] („Stufenwechsel“).</p>
== <span id="Übersicht_über_die_Konsonantenwechsel_in_den_altgermanischen_Sprachen">Übersicht über die Konsonantenwechsel in den altgermanischen Sprachen</span> ==
 
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<p>Nach: Schaffner (2001: 65).</p>
<p>Nach: Schaffner (2001: 65).</p>
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
#<span class="reference-text">[http://users.uoa.gr/~wlechner/HIST2008b%2004.pdf Winfried Lechner: ''Protogermanisch'', Universität Athen (DGC 46 Sprachgeschichte Handout #4 WiSe 2008/09), p. 6.] (PDF; 248&nbsp;kB; abgerufen am 3. Februar 2015)</span>
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==


=== <span id="Literatur">Literatur</span> ===
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Braune Wilhelm Braune]: ''Althochdeutsche Grammatik. I.&nbsp;Laut- und Formenlehre'' (=&nbsp;''Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte.'' A.&nbsp;Hauptreihe. Bd.&nbsp;5.1). 16., Auflage, neu bearbeitet von [https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Heidermanns Frank Heidermanns]. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2018, S.&nbsp;142&nbsp;f.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Braune Wilhelm Braune]: ''Althochdeutsche Grammatik. I.&nbsp;Laut- und Formenlehre'' (=&nbsp;''Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte.'' A.&nbsp;Hauptreihe. Bd.&nbsp;5.1). 16., Auflage, neu bearbeitet von [https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Heidermanns Frank Heidermanns]. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2018, S.&nbsp;142&nbsp;f.
*Stefan Schaffner: ''Das Vernersche Gesetz und der innerparadigmatische grammatische Wechsel des Urgermanischen im Nominalbereich'' (=&nbsp;''Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft.'' Band 103). Innsbruck 2001.
*Stefan Schaffner: ''Das Vernersche Gesetz und der innerparadigmatische grammatische Wechsel des Urgermanischen im Nominalbereich'' (=&nbsp;''Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft.'' Band 103). Innsbruck 2001.
*Harald Wiese: ''Eine Zeitreise zu den Ursprüngen unserer Sprache. Wie die Indogermanistik unsere Wörter erklärt.'' Logos, Berlin 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783832516017 ISBN 978-3-8325-1601-7].
*Harald Wiese: ''Eine Zeitreise zu den Ursprüngen unserer Sprache. Wie die Indogermanistik unsere Wörter erklärt.'' Logos, Berlin 2007, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783832516017 ISBN 978-3-8325-1601-7].
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=== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ===
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Aktuelle Version vom 7. April 2024, 14:05 Uhr

grammatisch-er Wechsel

Als grammatischer Wechsel (zu altgr. γράμμα grámma ‚Schriftzeichen, Buchstabe‘; wörtlich „Buchstabenwechsel“)[1] wird ein durch das Vernersche Gesetz beschriebener Konsonantenwechsel bezeichnet, der bei etymologisch verwandten Wörtern sowie innerhalb bestimmter Flexionsparadigmen auftritt.

Auftreten und Vorkommen

Der grammatische Wechsel tritt grundsätzlich in allen germanischen Sprachen auf, doch ist er in den Einzelsprachen durch Analogie unterschiedlich stark ausgeglichen worden. Lag im Indogermanischen der Hauptton eines Wortes nach dem Stammauslautkonsonanten, dann wurden diese von /p/ /t/ /k/ /s/ zu /b/ /d/ /g/ /z/.

Schon in den uns überlieferten altgermanischen Sprachstufen ist das Gesetz nur noch lexikalisiert anzutreffen, und es wird schon früh – je nach Sprache und Dialekt in unterschiedlichem Ausmaß – zugunsten intraparadigmatisch regulärer Konsonanz abgebaut.

Beispiele aus dem Neuhochdeutschen:

Hefe – heben
leiden – gelitten
schneiden – geschnitten
sieden – gesotten
ziehen – gezogen
Reihe – Riege
(sie) waren – gewesen
verlieren – Verlies, Verlust
frieren – Frost

Beispiele aus dem Mittelhochdeutschen:

heven/heben ‚heben‘: heve/hebe – huop [statt *huof] – huoben – erhaben
lîden ‚leiden‘: lîde – leit – liten – geliten
zîhen ‚zeihen‘: zîhe – zêch – zigen – gezigen
ziehen ‚ziehen‘: ziuhe – zôch – zugen – gezogen
slahen ‚schlagen‘: slahe – sluoc [statt *sluoh] – sluogen – geslagen
friesen ‚frieren‘: friuse – frôs – fruren – gefroren
lësen ‚lesen‘: lise – las – lâren/lâsen – gelëren/gelësen
sîn ‚sein‘: bin – was – wâren – gewesen (gesîn)

Ähnliche Phänomene gibt es auch in anderen Sprachen, etwa dem Finnischen („Stufenwechsel“).

Übersicht über die Konsonantenwechsel in den altgermanischen Sprachen

Urgerm. Got. Ahd. Ae. As. Aisl.
*f – *ƀ f – b f,v – b,p (zusammengefallen) (zusammengefallen) (zusammengefallen)
*þ – *đ þ – d d,th – t þ,ð – d (unklar) (zusammengefallen)
*χ – *ǥ h – g h – g,k ø, h – g h – g ø – g
*χʷ – *ǥʷ ƕ – g,w h – g,w ø, h – g,w h – g,w ø – g,w
*s – *z s – z s – r s – r s – r s – r

Nach: Schaffner (2001: 65).

Literatur

  • Wilhelm Braune: Althochdeutsche Grammatik. I. Laut- und Formenlehre (= Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte. A. Hauptreihe. Bd. 5.1). 16., Auflage, neu bearbeitet von Frank Heidermanns. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2018, S. 142 f.
  • Stefan Schaffner: Das Vernersche Gesetz und der innerparadigmatische grammatische Wechsel des Urgermanischen im Nominalbereich (= Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft. Band 103). Innsbruck 2001.
  • Harald Wiese: Eine Zeitreise zu den Ursprüngen unserer Sprache. Wie die Indogermanistik unsere Wörter erklärt. Logos, Berlin 2007, ISBN 978-3-8325-1601-7.

Einzelnachweise