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„Gattung“ – Versionsunterschied

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* Gattung f. ‘Gesamtheit von Einzeldingen, Einzelwesen, die in wesentlichen Eigenschaften übereinstimmen, Sorte, Art’,
* Gattung f. ‘Gesamtheit von Einzeldingen, Einzelwesen, die in wesentlichen Eigenschaften übereinstimmen, Sorte, Art’,
* in der Biologie für ''[[Genus]]'' im System der Lebewesen (zwischen Familie und Art stehend),  
* in der Biologie für ''[[Genus]]'' im System der Lebewesen (zwischen Familie und Art stehend),
* spätmhd. gatunge; die in der Kaufmannssprache erhaltene Ausgangsbedeutung ‘Zusammenstellung des Zusammengehörigen’ wird durch Sorte, Sortiment verdrängt.
* spätmhd. gatunge; die in der Kaufmannssprache erhaltene Ausgangsbedeutung ‘Zusammenstellung des Zusammengehörigen’ wird durch Sorte, Sortiment verdrängt.
= <span class="mw-page-title-main">Gattung (Philosophie)</span> =
<div id="bodyContent" class="vector-body"><div id="mw-content-text" class="mw-body-content"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" dir="ltr" lang="de"><p>'''Gattung''' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Synonymie syn.]: '''Gattungsbegriff'''; [https://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Sprache griechisch] γένος ''génos''; [https://de.wikipedia.org/wiki/Latein lateinisch] ''genus'') nennt man in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Logik Logik] einen Begriff, unter den mehrere [https://de.wikipedia.org/wiki/Art_(Philosophie) Arten] fallen. Beispielsweise fallen unter den Gattungsbegriff „Lebewesen“ die Artbegriffe „Mensch“ und „Tier“.</p><p>Das Wort „Gattung“ hat in dieser Hinsicht dieselbe Bedeutung wie das Wort „[https://de.wikipedia.org/wiki/Oberbegriff#Oberbegriff_in_der_Begriffshierarchie Oberbegriff]“.</p>
== <span id="Etymologie">Etymologie</span> ==
<p>Als philosophischer Terminus wurde das altgriechische Wort ''génos'' erstmals bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon] verwendet. Platon hält sich allerdings nicht an eine konsequente Terminologie. Eine solche führt erst [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] ein, der ''génos'' durchgehend für „Gattung“ und ''eîdos'' durchgehend für „Art“ verwendet. Die deutsche Übersetzung dieses philosophischen Begriffs mit „Gattung“ stammt aus dem 18. Jahrhundert von [https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_Wolff_(Aufkl%C3%A4rer) Christian Wolff].<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Philosophie)#cite_note-1 [1]]</sup></p>
== <span id="Veranschaulichung">Veranschaulichung</span> ==
<p>Markiert man das Subordinationsverhältnis der Begriffe (des Gattungsbegriffs und des Artbegriffs) durch Verbindungslinien, so ergibt sich ein pyramidenähnliches Schema. Ein philosophiegeschichtliches Beispiel ist die Begriffshierarchie in Form des [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbor_porphyriana#Baum_des_Wissens Baum des Porphyrios]. Hier folgt eine Veranschaulichung des Zusammenhangs von Gattung, Art und Unterschied (links), sowie ein konkretes Beispiel (rechts).</p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Art_(Philosophie) Art]
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== <span id="Philosophiegeschichte">Philosophiegeschichte</span> ==
=== <span id="Platon">Platon</span> ===
<p>Bei Platon spielt der Begriff der Gattung eine wichtige Rolle in der Methode der Einteilung ([https://de.wikipedia.org/wiki/Dihairesis Dihairesis]). Mit der Dihairesis wird eine übergeordnete Gattungsidee schrittweise differenziert, bis man zu einer Artidee gelangt, die nicht weiter unterteilbar ist. Allerdings trennt Platon terminologisch nicht scharf zwischen Gattung (''genos'') und Art (''eidos''); er verwendet die Bezeichnung ''genos'' nicht nur für „Gattung“, sondern mitunter auch für „Art“.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Philosophie)#cite_note-2 [2]]</sup></p><p>Im [https://de.wikipedia.org/wiki/Platonischer_Dialog Dialog] ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Sophistes Sophistes]'' führt Platon fünf „größte Gattungen“ (''mégista géne'') ein: Sein, Identität oder Selbigkeit, Verschiedenheit, Bewegung oder Veränderung und Ruhe oder Beharrung.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Philosophie)#cite_note-3 [3]]</sup></p>
=== <span id="Aristoteles">Aristoteles</span> ===
;Gattungen in der Logik
<p>Aristoteles definiert die Gattung folgendermaßen: „Gattung ist, was von mehreren und der Art nach verschiedenen Dingen bei der Angabe ihres Was oder Wesens [''en to ti estin''] prädiziert wird“.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Philosophie)#cite_note-4 [4]]</sup></p>
;Gattungen in der Biologie
<p>Bereits Aristoteles (in seiner Schrift ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Historia_animalium Historia animalium]'') und sein Schüler [https://de.wikipedia.org/wiki/Theophrastos_von_Eresos Theophrast] verwendeten den Begriff der Gattung im Sinn der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Biologie) biologischen Gattung] zur systematischen Einteilung der Tiere und Pflanzen.</p>
=== <span id="Porphyrios">Porphyrios</span> ===
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Porphyrios Porphyrios] behandelt im zweiten Kapitel seiner Schrift [https://de.wikipedia.org/wiki/Isagoge Isagoge] den platonisch-aristotelischen Begriff der Gattung eingehend.</p>
=== <span id="Kant">Kant</span> ===
<p>Für [https://de.wikipedia.org/wiki/Kant Kant] ist die Gattung einerseits ganz einfach im Sinne der traditionellen Logik „der höhere Begriff in Rücksicht seines niederen“.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Philosophie)#cite_note-5 [5]]</sup> Hinter diesem logischen Prinzip der Gattung steht aber ein transzendentales:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Wäre unter den Erscheinungen, die sich uns darbieten, eine so große Verschiedenheit, ich will nicht sagen der Form (denn darin mögen sie einander ähnlich sein), sondern dem Inhalte, d.&nbsp;i. der Mannigfaltigkeit existierender Wesen nach, daß auch der allerschärfste menschliche Verstand durch Vergleichung der einen mit der anderen nicht die mindeste Ähnlichkeit ausfündig machen könnte (ein Fall, der sich wohl denken läßt), so würde das logische Gesetz der Gattungen ganz und gar nicht stattfinden, und es würde selbst kein Begriff von Gattung, oder irgend ein allgemeiner Begriff, ja sogar kein Verstand stattfinden, als der es lediglich mit solchen zu tun hat. Das logische Prinzip der Gattungen setzt also ein transzendentales voraus, wenn es auf Natur (darunter ich hier nur Gegenstände, die uns gegeben werden, verstehe) angewandt werden soll. Nach demselben wird in dem Mannigfaltigen einer möglichen Erfahrung notwendig Gleichartigkeit vorausgesetzt (ob wir gleich ihren Grad a priori nicht bestimmen können), weil ohne dieselbe keine empirische Begriffe, mithin keine Erfahrung möglich wäre.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <span class="Person">Immanuel Kant</span>: <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_der_reinen_Vernunft Kritik der reinen Vernunft] B681–682</cite></div></div>
=== <span id="Klassenlogik">Klassenlogik</span> ===
<p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Klassenlogik Klassenlogik] dient die Gattung nicht mehr wie in der Antike zur Wesensbestimmung (z.&nbsp;B. „Sokrates ist ein Mensch“). Diese wird durch eine mathematische Relation ersetzt: Jede Klasse (z.&nbsp;B. „Lebewesen“), die Teilklassen (z.&nbsp;B. „Mensch“ und „Tier“) besitzt, ist eine Gattung. Und: Jedes Element (z.&nbsp;B. „Sokrates“) einer der Teilklassen (z.&nbsp;B. „Mensch“) ist auch Element der Gattung (z.&nbsp;B. „Lebewesen“) und es gibt mindestens ein Element (z.&nbsp;B. den Hund „Rex“), das nicht Element der Teilklasse (z.&nbsp;B. „Mensch“) ist.<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Philosophie)#cite_note-6 [6]]</sup></p>
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Michael_Baumgartner Hans Michael Baumgartner], F. Krafft, H. M. Nobis: ''Gattung, Genus''. In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Ritter Joachim Ritter] u.&nbsp;a. (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Historisches_W%C3%B6rterbuch_der_Philosophie Historisches Wörterbuch der Philosophie]''. Band 3, Schwabe, Basel 1972, Sp. 24–30
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Klassifikation Klassifikation]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Baum_des_Wissens Baum des Wissens] (Arbor porphyriana, Begriffspyramide)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Genus_proximum_et_differentia_specifica Genus proximum et differentia specifica] (traditionelle Definitionsregel)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie_(Philosophie) Kategorie (Philosophie)]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Universalienproblem Universalienproblem]
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Eisler_(Philosoph) Rudolf Eisler]: ''[https://www.textlog.de/4126.html Gattung]''. In: ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe''. Berlin, 1904
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Michael_Baumgartner Hans Michael Baumgartner]: ''Gattung, Genus''. In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Ritter Joachim Ritter] u. a. (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Historisches_W%C3%B6rterbuch_der_Philosophie Historisches Wörterbuch der Philosophie]''. Band 3, Schwabe, Basel 1972, Sp. 24–30, hier: Sp. 24</span>
#<span class="reference-text">Michael Schramm: ''Dihärese''. In: Christian Schäfer (Hrsg.): ''Platon-Lexikon'', Darmstadt 2007, S. 92–95, hier: 93.</span>
#<span class="reference-text">Platon, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Sophistes Sophistes]'' 254b–259b. Siehe dazu [https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Erler_(Altphilologe) Michael Erler]: ''Platon'' (= [https://de.wikipedia.org/wiki/Hellmut_Flashar Hellmut Flashar] (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Grundriss_der_Geschichte_der_Philosophie Grundriss der Geschichte der Philosophie]. Die Philosophie der Antike'', Band 2/2), Basel 2007, S. 242.</span>
#<span class="reference-text">Aristoteles, ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Topik_(Aristoteles) Topik]'' 102a31f.</span>
#<span class="reference-text">Immanuel Kant, ''Logik'' §10</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Michael_Baumgartner Hans Michael Baumgartner]: ''Gattung, Genus''. In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Ritter Joachim Ritter] u.&nbsp;a. (Hrsg.): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Historisches_W%C3%B6rterbuch_der_Philosophie Historisches Wörterbuch der Philosophie]''. Band 3, Schwabe, Basel 1972, Sp. 24–30, hier: Sp. 25</span>
= <span class="mw-page-title-main">Gattung (Biologie)</span> =
<p>Die '''Gattung''' (auch das '''Genus''') bezeichnet in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Biologie Biologie] (einschließlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Virologie Virologie] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Palichnologie Palichnologie]) eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Rangstufe_(Biologie) Rangstufe] innerhalb der [https://de.wikipedia.org/wiki/Hierarchie Hierarchie] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Systematik_(Biologie) biologischen Systematik]. Sie steht oberhalb der [https://de.wikipedia.org/wiki/Art_(Biologie) Art] und unterhalb der [https://de.wikipedia.org/wiki/Familie_(Biologie) Familie] (beziehungsweise der [https://de.wikipedia.org/wiki/Tribus_(Biologie) Tribus] – falls vorhanden). Eine Gattung kann eine einzige Art enthalten oder eine beliebige Anzahl von Arten. Enthält sie nur eine Art, spricht man von einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Monotypisch monotypischen] Gattung.</p>[[file:107px-Biological_classification_de.svg.png|alt=Biological classification de|107x583px]]<p>In jedem Fall ist eine Gattung, die aus mehreren Arten besteht, laut [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Mayr Ernst Mayr] (1950) eine Gruppe von Arten gemeinsamer Abstammung, die von einer anderen Art oder von einer Gruppe von Arten durch einen deutlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Morphologie_(Biologie) morphologischen] Abstand getrennt ist.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Biologie)#cite_note-1 [1]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Willi_Hennig Willi Hennig] präzisierte diese Definition 1966 in seinem Werk ''Phylogenetic Systematics'' dahingehend, dass die Arten einer Gattung enger ''miteinander'' verwandt sein müssten als mit irgendeiner anderen Art einer anderen Gattung.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Gattung_(Biologie)#cite_note-2 [2]]</sup></p><p>Alle Arten innerhalb einer Gattung haben stets einen zweiteiligen (binären) Namen (das [https://de.wikipedia.org/wiki/Binomen Binomen]), der aus dem Gattungsnamen und dem Art-[https://de.wikipedia.org/wiki/Epitheton Epitheton] besteht. Der Gattungsname steht stets in der Singularform und das Art-Epitheton wiederholt das Geschlecht des Gattungsnamens, falls es ein Adjektiv ist. ''Abies alba'' (die [https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Ftanne Weißtanne]) etwa ist eine von ca. 51 Arten innerhalb der Gattung ''Abies'' ([https://de.wikipedia.org/wiki/Tannen Tannen]). Die binäre [https://de.wikipedia.org/wiki/Nomenklatur_(Biologie) Nomenklatur] der Artnamen geht auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Linn%C3%A9 Carl von Linné] zurück, der sie 1753 in ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Species_Plantarum Species Plantarum]'' für die Pflanzen einführte. In der 1758 erschienenen 10. Auflage von ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Systema_Naturae Systema Naturae]'' wurden neben den Pflanzen auch für die Tiere binäre Namen vergeben.</p>
== <span id="Untergliederung_einer_Gattung">Untergliederung einer Gattung</span> ==
<p>Wenn eine Gattung viele [https://de.wikipedia.org/wiki/Art_(Biologie) Arten] enthält, die nach unterschiedlichen Kriterien geordnet werden können, stehen die folgenden hierarchischen Ränge oberhalb des Artranges zur Verfügung:</p>
*Untergattung, kurz subg.
*Sektion, kurz sect.
*Untersektion, kurz subsect.
*Serie, kurz ser.
*Unterserie, kurz subser.
<p>Dabei liegt es im Ermessen des beschreibenden Biologen, welcher der Ränge angemessen erscheint. Bedeutende Unterschiede werden in der Regel durch Untergattungen ausgedrückt (Beispiel: Untergattung [https://de.wikipedia.org/wiki/Solanum_subg._Leptostemonum ''Solanum''subg. ''Leptostemonum'']); bei unscheinbaren Variationen wird eher die Sektion benutzt, z.&nbsp;B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Brombeeren Brombeeren] ''Rubus'' sect. ''Rubus''. Es gibt also keine Vorschrift, dass bestimmte Ränge bevorzugt zu benutzen sind. Allerdings wird die Untersektion (bzw. Unterserie) nur gebraucht, wenn auch die Sektion (bzw. Serie) benutzt wird. Der Name der Untergattung kann in runden Klammern zwischen Gattungsname und [https://de.wikipedia.org/wiki/Artepitheton Artepitheton] eingefügt werden (Beispiel: [https://de.wikipedia.org/wiki/Gei%C3%9Fklee-Bl%C3%A4uling Geißklee-Bläuling] ''Plebejus (Plebejus) argus'' und [https://de.wikipedia.org/wiki/Hochmoor-Bl%C3%A4uling Hochmoor-Bläuling] ''Plebejus (Vacciniina) optilete''). In der Regel werden dabei Namen verwendet, denen in der Vergangenheit oder auch heute noch von anderen Autoren Gattungsniveau eingeräumt wird. Bei der Unterteilung in Untergattungen muss eine Untergattung den Namen der Gattung tragen. Sie soll in diesem Fall die Art oder Artgruppe umfassen, die [https://de.wikipedia.org/wiki/Typus_(Nomenklatur) Typus] der Gattung ist oder diesen mit umfasst, im Falle der Gattung ''[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Helix_(Gattung)&action=edit&redlink=1 Helix]'' die [https://de.wikipedia.org/wiki/Weinbergschnecke Weinbergschnecke] ''Helix (Helix) pomatia''.</p><p>Die Ränge unterhalb der Einheit Untergattung, also Sektion und Serie, sind nach den heutigen Regeln der [https://de.wikipedia.org/wiki/Nomenklatur_(Biologie) Nomenklatur] im Bereich der Zoologie, anders als in der Botanik, nicht mehr zulässig.</p><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Virologie Virologie] ist von diesen Unterteilungen Stand Juli 2022 nur die Untergattung zulässig.</p>
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
*Rüdiger Wehner, Walter Gehring: ''Zoologie.'' Thieme, Stuttgart 1990, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3133674226 ISBN 3-13-367422-6], S. 541 ff.
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
#<span class="reference-text">„a genus consists of one species, or a group of species of common ancestry, which differ in a pronounced manner from other groups of species and are separated from them by a decided morphological gap.“ [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Mayr Ernst Mayr]: ''Taxonomic categories in fossil hominids.'' In: ''Cold Spring Harbor Symposia on Quantitative Biology 1950'', Band 15, 1950, S. 109–118, (hier: S. 110), [https://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Object_Identifier doi]:<span class="uri-handle">[https://doi.org/10.1101/SQB.1950.015.01.013 10.1101/SQB.1950.015.01.013]</span>.</span>
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Willi_Hennig Willi Hennig]: ''Phylogenetic Systematics.'' University of Illinois Press, Urbana 1966.</span>
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Version vom 11. April 2024, 13:14 Uhr

gatt--ung smhdt.-dt. ‘Zusammenstellung des Zusammengehörigen’; Genus

  • Gattung f. ‘Gesamtheit von Einzeldingen, Einzelwesen, die in wesentlichen Eigenschaften übereinstimmen, Sorte, Art’,
  • in der Biologie für Genus im System der Lebewesen (zwischen Familie und Art stehend),
  • spätmhd. gatunge; die in der Kaufmannssprache erhaltene Ausgangsbedeutung ‘Zusammenstellung des Zusammengehörigen’ wird durch Sorte, Sortiment verdrängt.

Gattung (Philosophie)

Gattung (syn.: Gattungsbegriff; griechisch γένος génos; lateinisch genus) nennt man in der Logik einen Begriff, unter den mehrere Arten fallen. Beispielsweise fallen unter den Gattungsbegriff „Lebewesen“ die Artbegriffe „Mensch“ und „Tier“.

Das Wort „Gattung“ hat in dieser Hinsicht dieselbe Bedeutung wie das Wort „Oberbegriff“.

Etymologie

Als philosophischer Terminus wurde das altgriechische Wort génos erstmals bei Platon verwendet. Platon hält sich allerdings nicht an eine konsequente Terminologie. Eine solche führt erst Aristoteles ein, der génos durchgehend für „Gattung“ und eîdos durchgehend für „Art“ verwendet. Die deutsche Übersetzung dieses philosophischen Begriffs mit „Gattung“ stammt aus dem 18. Jahrhundert von Christian Wolff.[1]

Veranschaulichung

Markiert man das Subordinationsverhältnis der Begriffe (des Gattungsbegriffs und des Artbegriffs) durch Verbindungslinien, so ergibt sich ein pyramidenähnliches Schema. Ein philosophiegeschichtliches Beispiel ist die Begriffshierarchie in Form des Baum des Porphyrios. Hier folgt eine Veranschaulichung des Zusammenhangs von Gattung, Art und Unterschied (links), sowie ein konkretes Beispiel (rechts).

Art

(1)

artbildenderUnterschied


Art (2)


Philosophiegeschichte

Platon

Bei Platon spielt der Begriff der Gattung eine wichtige Rolle in der Methode der Einteilung (Dihairesis). Mit der Dihairesis wird eine übergeordnete Gattungsidee schrittweise differenziert, bis man zu einer Artidee gelangt, die nicht weiter unterteilbar ist. Allerdings trennt Platon terminologisch nicht scharf zwischen Gattung (genos) und Art (eidos); er verwendet die Bezeichnung genos nicht nur für „Gattung“, sondern mitunter auch für „Art“.[2]

Im Dialog Sophistes führt Platon fünf „größte Gattungen“ (mégista géne) ein: Sein, Identität oder Selbigkeit, Verschiedenheit, Bewegung oder Veränderung und Ruhe oder Beharrung.[3]

Aristoteles

Gattungen in der Logik

Aristoteles definiert die Gattung folgendermaßen: „Gattung ist, was von mehreren und der Art nach verschiedenen Dingen bei der Angabe ihres Was oder Wesens [en to ti estin] prädiziert wird“.[4]

Gattungen in der Biologie

Bereits Aristoteles (in seiner Schrift Historia animalium) und sein Schüler Theophrast verwendeten den Begriff der Gattung im Sinn der biologischen Gattung zur systematischen Einteilung der Tiere und Pflanzen.

Porphyrios

Porphyrios behandelt im zweiten Kapitel seiner Schrift Isagoge den platonisch-aristotelischen Begriff der Gattung eingehend.

Kant

Für Kant ist die Gattung einerseits ganz einfach im Sinne der traditionellen Logik „der höhere Begriff in Rücksicht seines niederen“.[5] Hinter diesem logischen Prinzip der Gattung steht aber ein transzendentales:

„Wäre unter den Erscheinungen, die sich uns darbieten, eine so große Verschiedenheit, ich will nicht sagen der Form (denn darin mögen sie einander ähnlich sein), sondern dem Inhalte, d. i. der Mannigfaltigkeit existierender Wesen nach, daß auch der allerschärfste menschliche Verstand durch Vergleichung der einen mit der anderen nicht die mindeste Ähnlichkeit ausfündig machen könnte (ein Fall, der sich wohl denken läßt), so würde das logische Gesetz der Gattungen ganz und gar nicht stattfinden, und es würde selbst kein Begriff von Gattung, oder irgend ein allgemeiner Begriff, ja sogar kein Verstand stattfinden, als der es lediglich mit solchen zu tun hat. Das logische Prinzip der Gattungen setzt also ein transzendentales voraus, wenn es auf Natur (darunter ich hier nur Gegenstände, die uns gegeben werden, verstehe) angewandt werden soll. Nach demselben wird in dem Mannigfaltigen einer möglichen Erfahrung notwendig Gleichartigkeit vorausgesetzt (ob wir gleich ihren Grad a priori nicht bestimmen können), weil ohne dieselbe keine empirische Begriffe, mithin keine Erfahrung möglich wäre.“

– Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft B681–682

Klassenlogik

In der Klassenlogik dient die Gattung nicht mehr wie in der Antike zur Wesensbestimmung (z. B. „Sokrates ist ein Mensch“). Diese wird durch eine mathematische Relation ersetzt: Jede Klasse (z. B. „Lebewesen“), die Teilklassen (z. B. „Mensch“ und „Tier“) besitzt, ist eine Gattung. Und: Jedes Element (z. B. „Sokrates“) einer der Teilklassen (z. B. „Mensch“) ist auch Element der Gattung (z. B. „Lebewesen“) und es gibt mindestens ein Element (z. B. den Hund „Rex“), das nicht Element der Teilklasse (z. B. „Mensch“) ist.[6]

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Hans Michael Baumgartner: Gattung, Genus. In: Joachim Ritter u. a. (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 3, Schwabe, Basel 1972, Sp. 24–30, hier: Sp. 24
  2. Michael Schramm: Dihärese. In: Christian Schäfer (Hrsg.): Platon-Lexikon, Darmstadt 2007, S. 92–95, hier: 93.
  3. Platon, Sophistes 254b–259b. Siehe dazu Michael Erler: Platon (= Hellmut Flashar (Hrsg.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/2), Basel 2007, S. 242.
  4. Aristoteles, Topik 102a31f.
  5. Immanuel Kant, Logik §10
  6. Hans Michael Baumgartner: Gattung, Genus. In: Joachim Ritter u. a. (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 3, Schwabe, Basel 1972, Sp. 24–30, hier: Sp. 25

Gattung (Biologie)

Die Gattung (auch das Genus) bezeichnet in der Biologie (einschließlich Virologie und Palichnologie) eine Rangstufe innerhalb der Hierarchie der biologischen Systematik. Sie steht oberhalb der Art und unterhalb der Familie (beziehungsweise der Tribus – falls vorhanden). Eine Gattung kann eine einzige Art enthalten oder eine beliebige Anzahl von Arten. Enthält sie nur eine Art, spricht man von einer monotypischen Gattung.

Biological classification de

In jedem Fall ist eine Gattung, die aus mehreren Arten besteht, laut Ernst Mayr (1950) eine Gruppe von Arten gemeinsamer Abstammung, die von einer anderen Art oder von einer Gruppe von Arten durch einen deutlichen morphologischen Abstand getrennt ist.[1] Willi Hennig präzisierte diese Definition 1966 in seinem Werk Phylogenetic Systematics dahingehend, dass die Arten einer Gattung enger miteinander verwandt sein müssten als mit irgendeiner anderen Art einer anderen Gattung.[2]

Alle Arten innerhalb einer Gattung haben stets einen zweiteiligen (binären) Namen (das Binomen), der aus dem Gattungsnamen und dem Art-Epitheton besteht. Der Gattungsname steht stets in der Singularform und das Art-Epitheton wiederholt das Geschlecht des Gattungsnamens, falls es ein Adjektiv ist. Abies alba (die Weißtanne) etwa ist eine von ca. 51 Arten innerhalb der Gattung Abies (Tannen). Die binäre Nomenklatur der Artnamen geht auf Carl von Linné zurück, der sie 1753 in Species Plantarum für die Pflanzen einführte. In der 1758 erschienenen 10. Auflage von Systema Naturae wurden neben den Pflanzen auch für die Tiere binäre Namen vergeben.

Untergliederung einer Gattung

Wenn eine Gattung viele Arten enthält, die nach unterschiedlichen Kriterien geordnet werden können, stehen die folgenden hierarchischen Ränge oberhalb des Artranges zur Verfügung:

  • Untergattung, kurz subg.
  • Sektion, kurz sect.
  • Untersektion, kurz subsect.
  • Serie, kurz ser.
  • Unterserie, kurz subser.

Dabei liegt es im Ermessen des beschreibenden Biologen, welcher der Ränge angemessen erscheint. Bedeutende Unterschiede werden in der Regel durch Untergattungen ausgedrückt (Beispiel: Untergattung Solanumsubg. Leptostemonum); bei unscheinbaren Variationen wird eher die Sektion benutzt, z. B. Brombeeren Rubus sect. Rubus. Es gibt also keine Vorschrift, dass bestimmte Ränge bevorzugt zu benutzen sind. Allerdings wird die Untersektion (bzw. Unterserie) nur gebraucht, wenn auch die Sektion (bzw. Serie) benutzt wird. Der Name der Untergattung kann in runden Klammern zwischen Gattungsname und Artepitheton eingefügt werden (Beispiel: Geißklee-Bläuling Plebejus (Plebejus) argus und Hochmoor-Bläuling Plebejus (Vacciniina) optilete). In der Regel werden dabei Namen verwendet, denen in der Vergangenheit oder auch heute noch von anderen Autoren Gattungsniveau eingeräumt wird. Bei der Unterteilung in Untergattungen muss eine Untergattung den Namen der Gattung tragen. Sie soll in diesem Fall die Art oder Artgruppe umfassen, die Typus der Gattung ist oder diesen mit umfasst, im Falle der Gattung Helix die Weinbergschnecke Helix (Helix) pomatia.

Die Ränge unterhalb der Einheit Untergattung, also Sektion und Serie, sind nach den heutigen Regeln der Nomenklatur im Bereich der Zoologie, anders als in der Botanik, nicht mehr zulässig.

In der Virologie ist von diesen Unterteilungen Stand Juli 2022 nur die Untergattung zulässig.

Literatur

  • Rüdiger Wehner, Walter Gehring: Zoologie. Thieme, Stuttgart 1990, ISBN 3-13-367422-6, S. 541 ff.

Einzelnachweise

  1. „a genus consists of one species, or a group of species of common ancestry, which differ in a pronounced manner from other groups of species and are separated from them by a decided morphological gap.“ Ernst Mayr: Taxonomic categories in fossil hominids. In: Cold Spring Harbor Symposia on Quantitative Biology 1950, Band 15, 1950, S. 109–118, (hier: S. 110), doi:10.1101/SQB.1950.015.01.013.
  2. Willi Hennig: Phylogenetic Systematics. University of Illinois Press, Urbana 1966.