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„Mentalmodell“ – Versionsunterschied

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Ein '''mentales Modell''' ist die Repräsentation eines Gegenstandes oder eines Prozesses im Bewusstsein eines Lebewesens.
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== <span id="Begriffsentwicklung">Begriffsentwicklung</span> ==
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<p>Mentale Modelle sind „subjektive Funktionsmodelle für technische, physikalische und auch soziale [https://de.wikipedia.org/wiki/Prozess Prozesse] sowie komplexe Gegebenheiten (z. B. [https://de.wikipedia.org/wiki/Syllogismus syllogistische] Schlussfolgerungen)“. Da wir die [https://de.wikipedia.org/wiki/Entit%C3%A4t Entitäten] der Welt ''seriell'' kennenlernen, also in kleinen Einzelschritten und diese nacheinander, müssen die wahrgenommenen Details vom Gehirn erst zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Ganzheit Ganzheiten] zusammengefügt werden. Die so entstehenden mentalen Modelle weisen eine gegenüber der Wirklichkeit reduzierte [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplexit%C3%A4t Komplexität] auf, wodurch die Bestandteile der Welt für das [https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsged%C3%A4chtnis Arbeitsgedächtnis] – mit seiner sehr begrenzten Kapazität – verarbeitbar werden. Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplexit%C3%A4tsreduktion Komplexitätsreduktion] geschieht, laut [https://de.wikipedia.org/wiki/Philip_Johnson-Laird Philip Johnson-Laird] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Dedre_Gentner Dedre Gentner], auf drei Weisen:</p>
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== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> ==


Da die in der Welt vorhandenen Informationen bereits von den Sinnesorganen und auch vom Gehirn massiv gefiltert und verändert werden, ist ein mentales Modell immer nur ein Ausschnitt, ein „reduziertes“ Abbild eines Teils der Wirklichkeit. Dennoch bleiben bei „guten“ mentalen Modellen die relevanten Aspekte der Wirklichkeit erhalten, insbesondere ihre Struktur, dann handelt es sich um Homomorphismen.
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Situationsbewusstsein Situationsbewusstsein]
 
== <span id="Literatur">Literatur</span> ==
 
*Stephan Dutke: ''Mentale Modelle: Konstrukte des Wissens und Verstehens. Kognitionspsychologische Grundlagen für die Software-Ergonomie'', Verlag Angewandte Psychologie 1993, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3878441118 ISBN 3-87844-111-8]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Jakob Karlheinz Jakob]: ''Maschine, Mentales Modell, Metapher. Studien zur Semantik und Geschichte der Techniksprache'', Niemeyer, Tübingen 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3484311231 ISBN 3-484-31123-1]
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Philip_Johnson-Laird Philip Johnson-Laird]: ''Mental Models'', Harvard University Press, Reprint 1983, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/0674568826 ISBN 0-674-56882-6] (englisch)
*Thorsten Rasch: ''Verstehen abstrakter Sachverhalte: Semantische Gestalten in der Konstruktion mentaler Modelle'', Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3865732178 ISBN 3-86573-217-8]
*Norbert M. Seel: ''Weltwissen und mentale Modelle'', Hogrefe-Verlag 1991, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3801704890 ISBN 3-8017-0489-0]
 
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> ==
 
*[http://www.teachsam.de/psy/psy_kog/lernth/wiss/wiss_2_1_3_2.htm teachSam]
 
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
 
#<span class="reference-text">Friedrich Dorsch: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Dorsch_Psychologisches_W%C3%B6rterbuch Dorsch Psychologisches Wörterbuch]'', Verlag Hans Huber, 1994.</span>
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Version vom 23. April 2024, 16:45 Uhr

mental–Modell Vorlage:lat.-frz.-dt. 'mentales Modell'

Ein mentales Modell ist die Repräsentation eines Gegenstandes oder eines Prozesses im Bewusstsein eines Lebewesens.

Da die in der Welt vorhandenen Informationen bereits von den Sinnesorganen und auch vom Gehirn massiv gefiltert und verändert werden, ist ein mentales Modell immer nur ein Ausschnitt, ein „reduziertes“ Abbild eines Teils der Wirklichkeit. Dennoch bleiben bei „guten“ mentalen Modellen die relevanten Aspekte der Wirklichkeit erhalten, insbesondere ihre Struktur, dann handelt es sich um Homomorphismen.

Begriffsentwicklung

Ludwig Wittgenstein beschreibt diese Idee im Abschnitt 2.1 seines Tractatus Logico-Philosophicus (1918): „Wir machen uns Bilder der Tatsachen. Das Bild ist ein Modell der Wirklichkeit. Den Gegenständen entsprechen im Bilde die Elemente des Bildes.“

1927 erschien das Buch Le dessin enfantin von Georges-Henri Luquet (1876–1965), in dem er analysiert, wie Kinder die Welt in ihren Bildern darstellen. Diese enthalten sehr häufig „Erklärungen“ der Welt, wie z. B. Ursache-Wirkung-Zusammenhänge. Daraus lässt sich schließen, dass Kinder ihre Wahrnehmungen intern verknüpfen, diese in einem für sie sinnvollen internen Modell anordnen. Jean Piaget bezeichnet Luquets Buch als wichtige Inspiration für seine Theorie der mentalen Logik (1958).

Als Erfinder der Bezeichnung mental model gilt Kenneth Craik (1914–1945), der den Begriff 1943 in seinem Buch The Nature of Explanation ausführlich diskutiert.

Psychologische Sichtweise

Mentale Modelle sind „subjektive Funktionsmodelle für technische, physikalische und auch soziale Prozesse sowie komplexe Gegebenheiten (z. B. syllogistische Schlussfolgerungen)“. Da wir die Entitäten der Welt seriell kennenlernen, also in kleinen Einzelschritten und diese nacheinander, müssen die wahrgenommenen Details vom Gehirn erst zu Ganzheiten zusammengefügt werden. Die so entstehenden mentalen Modelle weisen eine gegenüber der Wirklichkeit reduzierte Komplexität auf, wodurch die Bestandteile der Welt für das Arbeitsgedächtnis – mit seiner sehr begrenzten Kapazität – verarbeitbar werden. Die Komplexitätsreduktion geschieht, laut Philip Johnson-Laird und Dedre Gentner, auf drei Weisen:

  1. quantitative Beziehungen werden auf qualitative reduziert
  2. die betrachteten „Stichproben“ werden verkleinert
  3. durch Analogiebildung wird auf bekannte Sachverhalte zurückgegriffen.[1]

Bei lernfähigen Lebewesen bleibt ein Teil der Wahrnehmungen im Gedächtnis – zumindest die „wichtigen“, dem Überleben dienenden. Bei ausreichender Intelligenz können in diesen Erfahrungen Muster erkannt und aus diesen wiederum Regeln abgeleitet werden. Über die Zeit entstehen so mentale Repräsentationen der individuell relevanten Ausschnitte der Welt.

Die Wahrnehmung variiert dabei durch die individuellen Gedächtnisinhalte, Stimmungen und Denkprozesse des Wahrnehmenden, die zum Aufbau des mentalen Modells benutzt werden – daraus resultiert, dass jedes Wesen eine eigene Wahrnehmung hat. Diese Modelle werden benötigt, um Informationen, die neu aufgenommen werden sollen, überhaupt erst in einen Kontexteinordnen und somit verstehen und bewerten zu können. Mit der Neuaufnahme von Informationen und Eindrücken werden dann die Möglichkeiten zur Abbildung der Realität in ein mentales Modell für zukünftige Wahrnehmungen konstant erweitert, es tritt also ein Lerneffekt ein.

Dabei sind nicht nur die Komponenten des mentalen Modells bei jedem Menschen unterschiedlich, sondern auch ihre Gewichtung. Während einige Menschen eher bildhaft denken, orientieren sich andere eher an anderen Sinneseindrücken und Erfahrungen, wie beispielsweise Schmerz oder Glück.

Siehe auch

Literatur

  • Stephan Dutke: Mentale Modelle: Konstrukte des Wissens und Verstehens. Kognitionspsychologische Grundlagen für die Software-Ergonomie, Verlag Angewandte Psychologie 1993, ISBN 3-87844-111-8
  • Karlheinz Jakob: Maschine, Mentales Modell, Metapher. Studien zur Semantik und Geschichte der Techniksprache, Niemeyer, Tübingen 1991, ISBN 3-484-31123-1
  • Philip Johnson-Laird: Mental Models, Harvard University Press, Reprint 1983, ISBN 0-674-56882-6 (englisch)
  • Thorsten Rasch: Verstehen abstrakter Sachverhalte: Semantische Gestalten in der Konstruktion mentaler Modelle, Wissenschaftlicher Verlag Berlin 2006, ISBN 3-86573-217-8
  • Norbert M. Seel: Weltwissen und mentale Modelle, Hogrefe-Verlag 1991, ISBN 3-8017-0489-0

Einzelnachweise

  1. Friedrich Dorsch: Dorsch Psychologisches Wörterbuch, Verlag Hans Huber, 1994.