„Ethnologie“ – Versionsunterschied
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* ‘vergleichende [[Völkerkunde]]’, auch überhaupt ‘Völkerkunde’ (Mitte 19. Jh.), | * ‘vergleichende [[Völkerkunde]]’, auch überhaupt ‘Völkerkunde’ (Mitte 19. Jh.), | ||
** nach frz. ''ethnologie'', engl. ''ethnology'', | ** nach frz. ''ethnologie'', engl. ''ethnology'', | ||
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*** und dem für ‘Lehre, Wissenschaft’ üblichen Grundwort [[-logie]] (s. d.); dazu ''[[ethnologisch]]'' | *** und dem für ‘Lehre, Wissenschaft’ üblichen Grundwort [[-logie]] (s. d.); dazu ''[[ethnologisch]]'' | ||
''Die '''Ethnologie''' (abgeleitet von''[https://de.wikipedia.org/wiki/Altgriechische_Sprache altgriechisch]''<span class="Grek" lang="grc-Grek">ἔθνος</span> <span class="Latn" lang="grc-Latn">éthnos</span>, deutsch ‚[https://de.wikipedia.org/wiki/Volk#Ethnie Volk, Volksstamm]‘, und[https://de.wikipedia.org/wiki/-logie -logie],Lehre‘; früher '''Völkerkunde''', heute auch[https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialanthropologie Sozial-]und[https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturanthropologie Kulturanthropologie]) ist eine empirische und vergleichende[https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialwissenschaften Sozial-]und[https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturwissenschaft Kulturwissenschaft], die die Vielfalt menschlicher Lebensweisen aus einer sowohl gegenwartsbezogenen als auch historisch verankerten Perspektive erforscht.'' | |||
== <span id="Fachwissenschaft_und_Selbstverständnis">Fachwissenschaft und Selbstverständnis</span> == | |||
=== <span id="Was_ist_Ethnologie?">Was ist Ethnologie?</span> === | |||
<p>Definitionen von ''Ethnologie'' überschneiden sich häufig mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropologie Anthropologie]:</p> | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hylland_Eriksen Thomas Hylland Eriksen]: „Anthropologie ist das vergleichende Studium des kulturellen und sozialen Lebens. Ihre wichtigste Methode ist die [https://de.wikipedia.org/wiki/Teilnehmende_Beobachtung teilnehmende Beobachtung], welche aus lange andauernder Feldforschung in einem besonderen sozialen Umfeld besteht.“ | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Claude_L%C3%A9vi-Strauss Claude Lévi-Strauss]: „Die Anthropologie hat die Menschheit zum Subjekt ihrer Forschung, aber anders als andere Wissenschaften vom Menschen, versucht sie ihr Objekt mittels unterschiedlichster Manifestationen zu erfassen.“ | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Clifford_Geertz Clifford Geertz]: „Wenn wir entdecken wollen, was den Menschen ausmacht, können wir das nur finden in dem, was die Menschen sind: Und was die Menschen sind, ist höchst unterschiedlich. Indem wir die Verschiedenheiten verstehen – ihr Ausmaß, ihre Natur, ihre Basis und ihre Implikationen – können wir ein Konzept der menschlichen Natur erstellen, mehr ein statistischer Schatten als ein primitivistischer Traum, das beides beinhaltet: Substanz und Wahrheit.“ | |||
*Panoff und Perrin: Die Ethnologie im engeren Sinne bemüht sich um „synthetische Studien und theoretische Schlußfolgerungen“<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologie#cite_note-4 [4]]</sup> aus ethnographischen Dokumenten, die ihr durch die Arbeit der Sozial- und Kulturanthropologen in deren Feldforschung und allgemeinen Problemstudien zur Verfügung gestellt werden.<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologie#cite_note-5 [5]]</sup> | |||
=== <span id="Perspektiven">Perspektiven</span> === | |||
<p>Das Fach pflegt bestimmte Perspektiven, mit denen es sich von anderen sozial- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen unterscheidet und gleichzeitig fundamentale Impulse für diese gesetzt hat.</p><p>Klassischerweise spielte vor allem der Blickwinkel ''von innen'' (auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Emisch_und_etisch emische] Perspektive) eine wichtige Rolle, d. h. der Versuch, die innere Wirklichkeit eines kulturellen Zusammenhangs und seiner Mitglieder nachzuvollziehen und zu erklären.</p><p>Lange Zeit richtete die Ethnologie ihren Fokus zudem auf vorwiegend machtlose und unterprivilegierte Gruppen (etwa von Minderheitengruppen, Kolonisierten oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Marginalisierung Marginalisierten]). Heute werden dagegen zunehmend auch sozial besser gestellte Gruppen (z. B. gesellschaftliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Elite Eliten]) untersucht.</p><p>Drittens wurde klassischerweise v. a. ''das [https://de.wikipedia.org/wiki/Fremde Fremde]'' untersucht, während ''das Eigene'' erst langsam ins Blickfeld der Ethnologie rückt. Dabei wurde häufig angenommen, dass das Fremde wie das Eigene und die Grenze dazwischen als gegeben und als selbstverständlich vorliegen. Heute wird, in Anlehnung an [https://de.wikipedia.org/wiki/Fredrik_Barth Fredrik Barths] Ethnizitätstheorie, zunehmend auch auf den Grenzziehungsprozess zwischen der Wahrnehmung des kulturell Eigenen und der des kulturell Fremden hingewiesen (z. B. im Kontext von ethnisch-kulturellen oder nationalen Identitätspolitiken). Des Weiteren wird gezeigt, dass solche Grenzziehungen im Kontext von Globalisierung und Migration oft fließend und zudem untrennbar mit anderen Differenzkategorien (wie sozialer Status oder Geschlecht) verwoben sind.</p><p>Zentral ist für das Fach schließlich sein selbstreflexiver Blick, der sowohl die eigenen methodischen Verfahren als auch die Positionalität der Forschenden in Bezug auf die ethnologische Wissensproduktion konsequent überprüft.</p> | |||
=== <span id="Wissenschaftsgeschichte">Wissenschaftsgeschichte</span> === | |||
<p>Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Ethnologie als ein Nischenfach. Sie hatte vor allem jene Völker und Kulturen zum Gegenstand, die von bereits länger etablierten Wissenschaften (Geschichte, Philologie, Indologie usw.) nicht erforscht wurden, mit denen aber vor allem europäische Kolonisatoren, Missionare und Reisende sehr oft zu tun hatten.</p><p>Seitdem das Fach gegen Ende des 19. Jahrhunderts Einzug in die Universitäten hielt, erwies sich die Definition seines Gegenstandes als schwierig. Sie geschah meist defensiv in Abgrenzung zu anderen Wissenschaften. Die erforschten Gesellschaften wurden oft nur durch das bestimmt, was ihnen im Gegensatz zu staatlich verfassten fehlte. Deshalb wurden vor allem folgende Negativ- bzw. Mangeldefinitionen des Gegenstandes gewählt:</p> | |||
*nichtentwickelte (= primitive) Kulturen, | |||
*schriftlose Kulturen | |||
*nichtindustrielle Kulturen | |||
*nichtstaatliche Kulturen | |||
*„savages“, „sauvages“, „Wilde“, also nach europäischen Maßstäben nicht zivilisierte, im „Naturzustand“ befindliche Kulturen | |||
*geschichtslose und damit der Tradition verhaftete unmoderne Kulturen | |||
*nichtentfremdete oder von der eigenen westlichen Zivilisation unberührte Kulturen | |||
*nichteuropäische Kulturen | |||
<p>Oft wurden besonders auch diejenigen Gesellschaften untersucht, bei denen man davon ausging, dass sie vom Aussterben bedroht seien. Zusammenfassend und positiv gewendet lässt sich sagen, dass sich mit der Ethnologie eine Wissenschaft herausbildete, die zum allergrößten Teil stabile, überschaubare Kleingruppen im Zentrum hat, die sich durch hohe Kommunikationsdichte aller abhängigen Gesellschaftsmitglieder auszeichnen (Face-to-Face-Beziehungen) und sehr oft verwandtschaftlich oder quasi-verwandtschaftlich organisiert sind. Auch wenn sich Kleingruppen innerhalb von größeren gesellschaftlichen Verbänden organisieren, sind sie öfter ein Gegenstand ethnologischer Erforschung (Urbanethnologie, Unternehmensethnologie).</p><p>Vor allem in Kleingruppen kann man mit der Methode der teilnehmende Beobachtung zu sinnvollen und modellhaften Aussagen gelangen, ohne dabei statistische und quantitative Verfahren anwenden zu müssen. Durch die weitgehende und oft lange währende Unabhängigkeit der untersuchten Gruppen wurde einerseits eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Holismus holistische] Perspektive möglich, in der ähnlich der Soziologie das Ganze einer Gesellschaft in den Blick genommen werden kann, während sie andererseits breiteste Vergleichsmöglichkeiten bieten, da in den Ethnographien ein riesiger Erfahrungsschatz unterschiedlichster menschlicher Lebensformen ausführlich verschriftlicht wurde. Die Ethnologie eignet sich damit besonders gut für den Test von Generalisierungen.</p> | |||
=== <span id="Ethnologie_und_Europäische_Ethnologie">Ethnologie und Europäische Ethnologie</span> === | |||
<p>Eine deutsche Besonderheit war die [https://de.wikipedia.org/wiki/Volkskunde Volkskunde], die an deutschsprachigen Hochschulen als eigenständiges Fach auch unter den Namen [https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Ethnologie Europäische Ethnologie] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturanthropologie Kulturanthropologie] geführt wird. Die Volkskunde untersucht das Andere in der eigenen (deutschen bzw. europäischen) Kultur und betont in ihrer Herangehensweise Phänomene des Alltags. Der Schwerpunkt liegt dabei im europäischen Raum, wobei Prozesse wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Globalisierung Globalisierung] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Transnationalismus Transnationalisierung] den Blick über die Grenzen Europas hinweg notwendig gemacht und zu einer größeren Schnittmenge mit der Ethnologie geführt haben. Diese bis heute anhaltenden inhaltlichen wie methodischen Annäherungen haben in den letzten Jahren zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Debatte Debatten] um die Trennlinien der beiden Fächer geführt.<sup id="cite_ref-Knorr_2006_6-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologie#cite_note-Knorr_2006-6 [6]]</sup></p> | |||
== <span id="Forschungsfelder_der_Ethnologie">Forschungsfelder der Ethnologie</span> == | |||
<p>Die Ethnologie bezieht fast alle gesellschaftswissenschaftlichen Themen als Unterdisziplin ein, daneben auch naturwissenschaftliche Aspekte wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnopharmazie Ethnopharmazie] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnomathematik Ethnomathematik]. Die Ethnologie erhebt damit den Anspruch einer interdisziplinären Grund- oder Leitwissenschaft,<sup id="cite_ref-Müller_1987_7-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologie#cite_note-M%C3%BCller_1987-7 [7]]</sup> weil die erforschten Gesellschaften aufgrund ihrer großen historischen oder räumlichen Trennung sehr weitreichende [https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturvergleichende_Sozialforschung kulturelle Vergleiche] erlauben. So ergibt sich ein besonders guter Überblick über die gegenseitigen Abhängigkeiten und Beeinflussungen gesellschaftlicher Subsysteme, die sonst meist nur einzeln untersucht werden.</p><p>Als wichtigste, heute an den Universitäten gelehrte Fachbereiche der Ethnologie gelten:</p> | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftsethnologie Wirtschaftsethnologie] (wirtschaftliche Organisation) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnosoziologie Ethnosoziologie] (soziale Organisation, britisch: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialanthropologie#Social_anthropology_(Gro%C3%9Fbritannien) social anthropology]'') | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Politikethnologie Politikethnologie] (politische Organisation) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Religionsethnologie Religionsethnologie] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsethnologie Rechtsethnologie] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Medizinethnologie Medizinethnologie] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Musikethnologie Musikethnologie] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Verwandtschaftsethnologie Verwandtschaftsethnologie] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Studies Gender Studies] (Geschlechterforschung) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Visuelle_Anthropologie Visuelle Anthropologie] (Medieneinsatz) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Aktionsethnologie Aktionsethnologie] (eingreifend) | |||
<p>Weitere Forschungsfelder sind beispielsweise die [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnolinguistik Ethnolinguistik], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnomedizin Ethnomedizin] (mit [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnobotanik Ethnopharmakologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnopharmazie Ethnopharmazie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnopsychiatrie Ethnopsychiatrie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnopsychoanalyse Ethnopsychoanalyse]), [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethno%C3%B6kologie Ethnoökologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethno-Zahnmedizin Ethno-Zahnmedizin], Kognitionsethnologie, Kunstethnologie, Ethnopädagogik und [https://de.wikipedia.org/wiki/Interkulturelle_Kommunikation interkulturelle Kommunikation] (siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Ethnologie/Fachgebiete Themenliste: Fachgebiete der Ethnologie]).</p><p>Teilweise werden ethnologische Fachgebiete heute auch mit dem Zusatz [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropologie Anthropologie] (Menschenkunde) bezeichnet, so wird beispielsweise die Wirtschaftsethnologie auch unter der Bezeichnung ''ökonomische Anthropologie'' geführt und es gibt die [https://de.wikipedia.org/wiki/Religionsanthropologie Religionsanthropologie], die [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsanthropologie Rechtsanthropologie] oder die [https://de.wikipedia.org/wiki/Musikanthropologie Musikanthropologie].</p> | |||
== <span id="Methoden">Methoden</span> == | |||
<p>Die ersten Berichte über fremde Kulturen enthielten in den meisten Fällen erhebliche Verfälschungen der realen Verhältnisse, da die Berichterstatter ihre subjektiven Eindrücke eurozentrisch im Vergleich mit der christlich-europäischen Tradition bewerteten – die sie für die einzig zivilisierte Sichtweise hielten. Häufig wurden daher besonders fremdartige Phänomene (ritueller [https://de.wikipedia.org/wiki/Kannibalismus Kannibalismus], Menschenopfer, außergewöhnliche Physiognomie der Menschen usw.) über alle Maßen hervorgehoben.<sup id="cite_ref-8" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologie#cite_note-8 [8]]</sup> Die Forschungsreisenden, Abenteurer, Kolonialbeamten, Kaufleute und Missionare, die die Kolonien bereisten, hatten noch keinerlei Vorstellung von modernem [https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaftliche_Arbeit#Wissenschaftliches_Arbeiten wissenschaftlichen Arbeiten] und verbreiteten daher verzerrte [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnographie ethnographische Aufzeichnungen].<sup id="cite_ref-9" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologie#cite_note-9 [9]]</sup> Dessen ungeachtet griffen Ethnologen bis in das frühe 20. Jahrhundert auf solche Daten zurück. Seit den 1920er Jahren erheben sie diese Daten zumeist selbst. Die Ethnologie gewann früher vor allem materielle Daten, es wurden ethnographische Objekte und weniger die orale Kultur (Erzählungen, Mythen) ausgewertet. Der materielle Schwerpunkt ergab sich aus der Tatsache, dass die meisten Ethnologen nicht wie heute an Universitäten tätig waren, sondern an Museen.</p><p>Heute ist das bedeutendste Verfahren zur Datenerhebung die ethnologische [https://de.wikipedia.org/wiki/Feldforschung Feldforschung]. Die charakteristischste Methode während des Feldaufenthaltes ist die ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Teilnehmende_Beobachtung teilnehmende Beobachtung]'', worunter die Integration des Forschers in das Leben einer Gruppe gefasst wird, um ihren Alltag wirklich zu verstehen. Die langanhaltende Augenzeugenschaft vor Ort ist für alle Ethnologen – sofern sie sich nicht kulturhistorischen Fragestellungen (einer der Feldforschungsethnologie gleichwertigen Ausrichtung) verschrieben haben – eine unabdingbare Grundlage der Forschung. Dies unterscheidet die Ethnologie auch von anderen Disziplinen wie den Cultural Studies, die sich zumeist der Analyse von Medienerzeugnissen zuwenden, und von der qualitativ arbeitenden Soziologie, die allenfalls Interviews durchführt.</p><p>In der Zeit der Feldforschung leben Ethnologen und Ethnologinnen eng mit der örtlichen Bevölkerung zusammen und lernen deren Alltag kennen. Die Besonderheit dieser Methode ist das kommunikationsgeleitete Vorgehen, um sich bei der Arbeit von den Begegnungen vor Ort leiten zu lassen. Dies führt im Übrigen dazu, dass das Fach weniger theoriegeleitet arbeiten kann als etwa die Nachbardisziplinen: aus dem Felde selbst ergeben sich und häufig erst die letztendlich relevanten theoretischen Fragestellungen – und die Forschungsergebnisse.</p><p>Jegliche Feldforschung führt unvermeidbar zu einer Beeinflussung der beobachteten Menschen. Um dies möglichst gering zu halten, hat etwa der Soziologe [https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Girtler Roland Girtler] 2001 „zehn Gebote der Feldforschung“ formuliert:<sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologie#cite_note-10 [10]]</sup></p> | |||
#Anerkennung von Sitten und Regeln; | |||
#Großzügigkeit und Unvoreingenommenheit, Erkennung fremder Werte und Grundsätze, die nicht die eigenen sind; | |||
#nicht lästern und abfällig über Gastgeber reden; | |||
#Wissen über Geschichte und soziale Verhältnisse; | |||
#Wissen über geographische Gegebenheiten; | |||
#Bericht über Erlebtes möglichst ohne Vorurteile, Anlegen eines Forschungstagebuchs über Gedanken, Probleme, Freuden, Leiden, Ärgernisse etc.; | |||
#Menschen nicht als bloße Datenlieferanten sehen und behandeln; | |||
#Bemühung Gesprächspartner einigermaßen einzuschätzen, um nicht reingelegt oder bewusst belogen zu werden; | |||
#nicht als Missionar oder Sozialarbeiter aufspielen, nicht erzieherisch einwirken; | |||
#gute Konstitution, Fähigkeit jederzeit zu essen, zu trinken und zu schlafen. | |||
<p>Neben dieser sehr zeitaufwändigen Forschung kommen verschiedene weitere qualitative Techniken der Datengewinnung zum Einsatz: [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnographisches_Interview ethnographische Interviews], die strukturiert, halbstrukturiert und offen sein können, Experten- und Fokusgruppengespräche, systematische Beobachtungen, biographische Methoden (siehe auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnographie#Ethnographische_Methoden Ethnographische Methoden]). Das Erlernen der im Forschungsgebiet gesprochenen Sprache(n) wird als unabdingbar angesehen. Entsprechend der Ausrichtung aktueller Fragestellungen auf die Verbindungen und Verflechtungen zwischen unterschiedlichen Orten hat sich auch die Forschung an mehreren Orten ''(multi-sited ethnography)'' als eine mögliche Vorgehensweise etabliert.</p> | |||
== <span id="Geschichte">Geschichte</span> == | |||
=== <span id="Fachgeschichte">Fachgeschichte</span> === | |||
==== <span id="Antike_bis_frühe_Neuzeit">Antike bis frühe Neuzeit</span> ==== | |||
<p>Ethnologie – in einem weiteren Sinn [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnographie Ethnographie] (d. h. die Beschreibung fremder Völker) – wurde schon in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Antike griechischen] und [https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6mische_Antike römischen Antike] betrieben. Im 5. Jahrhundert v. Chr. gab [https://de.wikipedia.org/wiki/Herodot Herodot] von Halikarnassos bereits eine ausführliche und [https://de.wikipedia.org/wiki/Empirisch empirisch] gestützte Darstellung der Völker der damals bekannten Welt und ihrer [https://de.wikipedia.org/wiki/Sitte Sitten]. Beschreibungen anderer Kulturen finden sich auch bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Platon Platon], [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] und anderen.</p> | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Herodot Herodot] (490–425 v. Chr.) war ein Geschichtsschreiber, der Reisen in den anatolischen, syrisch-irakischen und arabischen Raum unternahm. Seine Schriften gelten als wichtige Quelle für die Geschichte der [https://de.wikipedia.org/wiki/Antike Antike]. Herodot schrieb im fünften Jahrhundert vor Christus in den [https://de.wikipedia.org/wiki/Historien_des_Herodot Historiai] über die „barbarischen“ Stämme im Norden und Osten der griechischen Halbinsel, im Vergleich zu den Gewohnheiten und Vorstellungen der Athener. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Tacitus Tacitus] (ca. 56 bis ca. 120): ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Germania_(Tacitus) De origine et situ Germanorum]'' | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Marco_Polo Marco Polo] (1254–1324): ''Le divisament dou monde / [https://de.wikipedia.org/wiki/Il_Milione Il Milione]'' | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ibn_Chaldun Ibn Chaldun] (1332–1406): ''Muqaddima'' | |||
<p>Zwei theologische Schulen prägten Universalideen:</p> | |||
#Die augustinische Schule: [https://de.wikipedia.org/wiki/Augustinus Augustinus] (354–430) setzt alle Probleme des Lebens in Rückverbundenheit zu Gott in Beziehung. Die unmittelbare Macht der Kirche – ''deus et anima'' – schafft einen Weg zur [https://de.wikipedia.org/wiki/Theokratie theokratischen] Gesellschaftsordnung. Aegidius Humanus denkt, jeder Ungläubige lebe in Feindschaft mit Gott. Dieses „Heidenproblem“ spricht Ungläubigen jeden Besitz ab, weil alles „von Gott“ sei. Papst [https://de.wikipedia.org/wiki/Innozenz_IV. Innozenz IV.] legitimiert Gewalt gegen „[https://de.wikipedia.org/wiki/Heidentum Heiden]“, erkennt den Nicht-Christen die Staatenbildung ab, meint aber, dass der [https://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille freie Wille] ein Naturgesetz sei. Durch die Unterordnung unter die Gewalt des Papstes sei den Menschen Wille und Menschsein zuerkannt. So verlasen die Entdecker entsprechende Texte, die für indigene Kulturen als Handlungsvorlage dienen sollten. Wenn die Entdeckten nicht nach christlichen Vorgaben handelten, war Gewalt [https://de.wikipedia.org/wiki/Legitim legitimiert]. | |||
#Die thomistische Schule: [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_von_Aquin Thomas von Aquin] (1225–1274) sah Gott als Ursache der Welt, die Macht der Kirche als mittelbar. Gott existiere im aristotelischen Denken, das auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Erfahrung Erfahrung] beruht, aufgrund der Existenz der Welt. Die Bewegung der Welt und die Rechtsordnung fußten auf Erfahrung. Persönliche [https://de.wikipedia.org/wiki/Freiheit Freiheit], Eigentumsrecht und Eigenstaatlichkeit galten ihm als [https://de.wikipedia.org/wiki/Naturrecht Naturrechte]. | |||
*1537: Die [https://de.wikipedia.org/wiki/P%C3%A4pstliche_Bulle Bulle] ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Sublimus_Dei Sublimus Dei]'' des Papstes [https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_III. Paul III.] bezeichnet die Entdeckten als ''veri homines'', als ''wahre Menschen'' also, die für die Christenheit gewonnen und [https://de.wikipedia.org/wiki/Mission_(Christentum) missioniert] werden können. Die absolute Stellung der Kirche, die alle Entdeckungen sowie herrschaftliche Entscheidungen für sich beansprucht, führt nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Investiturstreit Investiturstreit] zu einer Konfrontation der kirchlichen und weltlichen Macht. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Jos%C3%A9_de_Acosta José de Acosta] (1540–1600): Auf der Grundlage einer umfassenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Humanismus humanistischen] Bildung schuf der Jesuit José de Acosta mit seiner ''Historia natural y moral de las Indias'' ein herausragendes Werk, das unvoreingenommen über die „[https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Welt neue Welt]“ und ihre Bewohner informiert und die amerikanischen Kulturen mit den europäischen vergleicht und in Beziehung setzt. | |||
<p>Neben den oben genannten abendländischen Schulen müssen auch Traditionen bedacht werden, die in anderen Kulturkreisen wurzeln. Dazu gehört die Wahrnehmung des Fremden durch jene Kulturen, denen sich die Ethnologie traditionellerweise zuwendet. [https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_W._Kramer Fritz W. Kramers] Arbeit ''Der rote Fes'' über die Wahrnehmung europäischer Invasoren durch afrikanische Stämme ist ein Werk, das sich solchen Spiegelungen exemplarisch zuwendet.</p> | |||
==== <span id="Frühe_Neuzeit_bis_heute">Frühe Neuzeit bis heute</span> ==== | |||
===== <span id="15._bis_17._Jahrhundert">15. bis 17. Jahrhundert</span> ===== | |||
<p>Europa war eine religiöse, aber keine politische Einheit. Die Wertegemeinschaft des [https://de.wikipedia.org/wiki/Christentum Christentums] wirkte der politischen Uneinigkeit Europas entgegen. Daher hat Glaube auch heute noch politische Bedeutung. Die spanische [https://de.wikipedia.org/wiki/Inquisition Inquisition] stellte das Christentum als den ''rechten Glauben'' dar und hoffte auf diese Weise das ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Mauren Maurenproblem]'' zu lösen. 1492 wurde das letzte maurische Königreich zerstört, Amerika von [https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Kolumbus Christoph Kolumbus] wiederentdeckt, und 1610 erfolgten die letzten Vertreibungen von Mauren aus Spanien. Spanier und Portugiesen reisten nach Afrika, Indien, Mittel- und Südamerika, um Rohstoffe, Gold und Reichtümer zu rauben. Das Christentum sollte verbreitet werden. Nach den Entdeckungen überwog eine eurozentristische Sichtweise, die bis ins 20. Jahrhundert von Forschern und Kolonialisten nur wenig hinterfragt wurde.</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Bernardino_de_Sahag%C3%BAn Bernardino de Sahagún] (1499–1590) thematisiert in der ''Historia general de las cosas de Nueva Espana'' Bräuche, Praktiken, [https://de.wikipedia.org/wiki/Promiskuit%C3%A4t Promiskuität] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Kannibalismus Kannibalismus].</p><p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Staden Hans Staden] (ca. 1525 – ca. 1576) schrieb 1557 die ''Wahrhaftige Historia'' und unterstützte das feindliche Verhalten gegenüber ''Wilden'', die mit brutaler Härte als Nicht-Menschen angesehen wurden. Staden stand auf Seiten der Kirche.</p><p>Verzerrte Darstellungen aus dieser Zeit schilderten Nacktheit, Kannibalismus und Promiskuität. Aus Vermutungen und Phantasien entstanden nachteilige Darstellungen, zum Beispiel auch auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Stich_und_Schnitt Stichen]. Kannibalen in Naturvölkern seien nicht missionierbar, ''Wilde'' nicht für das Christentum gewinnbar. Die weltanschauliche Botschaft verhinderte eine gegenseitige Achtung und überwand die Tötungshemmung.</p><p>Weitere Beispiele sind [https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hobbes Thomas Hobbes] (1588–1679) ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Leviathan_(Thomas_Hobbes) Leviathan]'' (1649/1651), Antonio de Oliveira de Cadornega (1610–1690), Joseph-Francois Lafiteau (1681–1746), [https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Jacques_Rousseau Jean-Jacques Rousseau] über den ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Contrat_Social Contrat Social]'' (1762). Der Afrikaforscher [https://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Braun Samuel Braun] (1590–1668) war in seiner Reisebeschreibung von 1624 unvoreingenommener.</p> | |||
===== <span id="18._Jahrhundert">18. Jahrhundert</span> ===== | |||
<p>Die Ethnologie als eigenständige Wissenschaft entstand in der deutschen und russischen Aufklärung. Sie wurde im 18. Jahrhundert von Historikern, Geographen und Linguisten als eine „Wissenschaft der Völker“ (gr. ''ethnos'' ‚Volk‘) entwickelt. Als Begründer der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnographie Ethnographie] kann der Historiker [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Friedrich_M%C3%BCller Gerhard Friedrich Müller] (1705–1783) betrachtet werden. Müller führte im Auftrag der Russischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Zarin Zarin] [https://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_II. Katharina II.] (1729–1796) als Teilnehmer an der [https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite_Kamtschatkaexpedition Zweiten Kamtschatkaexpedition] (1733–1743) historische, geographische, ethnographische, linguistische und archäologische Forschungen in Sibirien durch. Er berief sich auf [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Joseph_Fran%C3%A7ois_Lafitau&action=edit&redlink=1 Joseph François Lafitaus] (1681–1746) komparative Zielsetzung und entwickelte ein Programm zur „Beschreibung der sibirischen Völker“, mit dem Ziel, sie untereinander und mit Völkern anderer Weltteile zu vergleichen. Dieses Programm bezeichnete er 1740 als „Völker-Beschreibung“. Müller setzte es während der Expedition mit anderen Wissenschaftlern in die Praxis um und entwickelte Methoden für die Feldforschung und den Umgang mit Informanten. Die von den Expeditionsteilnehmern gesammelten Naturalien und Artefakte wurden in der (1714 gegründeten) [https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstkammer_(Sankt_Petersburg) Kunstkammer] archiviert. Müller steht damit am Anfang einer neuen Tradition, der Ethnographie, und sah diese Wissenschaft als eine eigene Disziplin neben seinen beiden Hauptfächern Geschichte und Geographie.</p><p>Der Historiker [https://de.wikipedia.org/wiki/August_Ludwig_Schl%C3%B6zer August Ludwig Schlözer] (1735–1809) formulierte 1771–1772 in Göttingen eine allgemeine „Völkerkunde“ und entwarf eine „ethnographische Methode“ der Geschichte. Göttingen hatte Verbindungen sowohl mit Russland und Osteuropa als auch mit England und wurde zum Ausstrahlungszentrum der neuen Wissenschaft. Um 1780 prägte der Historiker [https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Franz_Koll%C3%A1r Adam Franz Kollár] (1718–1783) in Wien den Begriff „Ethnologie“ und gab 1783 die erste Definition: “''ethnologia […] est notitia gentium populorumque''” (deutsch: „Ethnologie ist das Studium der Völker und Nationen“). Schlözer betrachtete die Völkerkunde als Teil einer globalen Weltgeschichte, in der alle Völker miteinander verbunden waren.</p><p>Während die Ethnographie in der deutsch-russischen Frühaufklärung entstand, trat die Ethnologie aus der deutsch-österreichischen Spätaufklärung hervor. Für Müller in Russland, Schlözer in Deutschland und Kollár in Österreich hatten die Fragen zur Zusammengehörigkeit der Völker große Bedeutung. Fast alle Forscher in Russland folgten den Anregungen von [https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Gottfried Wilhelm Leibniz] (1646–1716), dass nur ein Vergleich der Sprachen, nicht der Sitten, Aufschlüsse über die Herkunft und Verwandtschaft der Völker bringen könne.<sup id="cite_ref-Vermeulen_2015_11-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologie#cite_note-Vermeulen_2015-11 [11]]</sup></p> | |||
===== <span id="19._bis_21._Jahrhundert">19. bis 21. Jahrhundert</span> ===== | |||
<p>Für die [https://de.wikipedia.org/wiki/Neuzeit Neuzeit] hat zunächst die [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitalter Epoche] der großen Entdeckungsreisen zu neuen Kontakten mit fremden Völkern geführt, die sich vielfältig in [https://de.wikipedia.org/wiki/Reisebericht Reiseberichten] und anderen Texten widerspiegeln, etwa bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_de_Montaigne Montaignes] ''Über Kannibalen'' oder bei [https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_de_Secondat,_Baron_de_Montesquieu Montesquieu] (1689–1755).</p><p>Im 19. Jahrhundert war die Völkerkunde vom [https://de.wikipedia.org/wiki/Evolutionismus Evolutionismus] bestimmt, dessen Anliegen der Entwurf einer kulturellen Abfolge war. Oftmals stützten sich die Theorien nicht auf eigene Forschungen, sondern auf Berichte von [https://de.wikipedia.org/wiki/Missionar Missionaren] ''(Lehnstuhlethnologie)''.</p><p>In Deutschland arbeiteten die meisten Ethnologen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts kulturhistorisch und versuchten, die Geschichte der schriftlosen Völker zu rekonstruieren. Dieses Interesse wurde in anderen akademischen Nationen nicht geteilt – so fragten etwa die britischen Social Anthropologists, die das Interesse an Geschichtlichem unwissenschaftlich empfanden, eher nach der Funktionsweise von Gesellschaften.</p><p>Neben den Kulturhistorikern (insbesondere die Wiener Schule um Pater [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Schmidt_(Ethnologe) Wilhelm Schmidt], aber auch weniger dogmatische, an Geschichte ausgerichtete Forscher) arbeiteten in Deutschland bis in die 1950er Jahre hinein vor allem [https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturmorphologie kulturmorphologisch] ausgerichtete Ethnologen (in der Tradition von [https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Frobenius Leo Frobenius]). Die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Ethnolsoziologie&action=edit&redlink=1 ethnosoziologische] Ausrichtung [https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Thurnwald Richard Thurnwalds], die seit den 1960er-Jahren durch seinen Schüler [https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Emil_M%C3%BChlmann Wilhelm Emil Mühlmann] einflussreich geworden ist, spielte bis dahin in Deutschland eher eine geringe Rolle.</p><p>In der [https://de.wikipedia.org/wiki/Zeit_des_Nationalsozialismus Zeit des Nationalsozialismus] war die deutschsprachige Ethnologie rassistisch und teilweise [https://de.wikipedia.org/wiki/Esoterik esoterisch] ausgerichtet.<sup id="cite_ref-Jensen_2008_12-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologie#cite_note-Jensen_2008-12 [12]]</sup></p><p>Obwohl schon frühere Ethnologen [https://de.wikipedia.org/wiki/Feldforschung feldforschend] tätig waren, begründete erst [https://de.wikipedia.org/wiki/Bronis%C5%82aw_Malinowski Bronisław Malinowski] (1884–1942) die Forschungsmethode der [https://de.wikipedia.org/wiki/Teilnehmende_Beobachtung teilnehmenden Beobachtung], die auch heute noch für das Fach wesentlich ist, als zentrale Zugangsweise des Faches.</p><p>Die Ethnologie war lange eine europäisch geprägte Wissenschaft und hat ihre wichtigsten Exponenten in einigen jener Staaten gefunden, die rund um die Welt Macht beansprucht haben, vor allem [https://de.wikipedia.org/wiki/Russland Russland], [https://de.wikipedia.org/wiki/England England] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Frankreich Frankreich]. Somit trägt sie beispielhaft den Vorwurf des [https://de.wikipedia.org/wiki/Eurozentrismus Eurozentrismus] aus. Heute wird das Fach maßgeblich von der amerikanischen Kulturanthropologie beeinflusst, so dass eher von einem „Amerozentrismus“ als von einem Eurozentrismus gesprochen werden kann. Mittlerweile haben sich in den Ländern außerhalb Europas bedeutende eigene Ethnologien entwickelt (etwa in Indien, Brasilien und Japan). Völkerkundler aus dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Globaler_S%C3%BCden Globalen Süden] werden in der weltweiten fachlichen Auseinandersetzung immer gegenwärtiger. Als Gegenkonzept zum [https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnozentrismus Ethnozentrismus] wurde die [https://de.wikipedia.org/wiki/Interkulturalit%C3%A4t Interkulturalität] entwickelt.</p><p>Heute wird die Bezeichnung „Völkerkunde“ meist vermieden, weil der Fokus der Forschung weniger auf Völkern liegt (die lange als naturgegebene Gemeinschaften verstanden wurden) denn auf Ethnien als „imaginierten Gemeinschaften“.<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologie#cite_note-13 [13]]</sup></p> | |||
=== <span id="Theoriegeschichte">Theoriegeschichte</span> === | |||
<p>Die Ethnologie arbeitet heute eher theorieerforschend und -schaffend als theorieprüfend: während die meisten anderen Disziplinen Theorien entwickeln und diese dann auf die empirische Realität anwenden, geht die Ethnologie den entgegengesetzten Weg und entwickelt ihre Theorien aus dem empirischen Material heraus. Bedeutende Theorien in der Fachgeschichte: [https://de.wikipedia.org/wiki/Analytische_Ethnologie Analytische Ethnologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Evolutionismus Evolutionismus], [https://de.wikipedia.org/wiki/Diffusionismus Diffusionismus], [https://de.wikipedia.org/wiki/Funktionalismus_(Sozialwissenschaften) Funktionalismus], [https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturfunktionalismus Strukturfunktionalismus], [https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturalismus Strukturalismus], [https://de.wikipedia.org/wiki/Neoevolutionismus Neoevolutionismus], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturrelativismus Kulturrelativismus], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturmaterialismus Kulturmaterialismus], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Ethnologie Kognitive Ethnologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur%C3%B6kologie Kulturökologie], [https://de.wikipedia.org/wiki/Interpretative_Ethnologie Interpretative Ethnologie].</p> | |||
=== <span id="Personengeschichte">Personengeschichte</span> === | |||
==== <span id="Wegbereiter">Wegbereiter</span> ==== | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_de_Montaigne Michel de Montaigne] (1533–1592) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz Gottfried Wilhelm Leibniz] (1646–1716) | |||
==== <span id="18._Jahrhundert_2">18. Jahrhundert</span> ==== | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Friedrich_M%C3%BCller Gerhard Friedrich Müller] (1705–1783) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/August_Ludwig_von_Schl%C3%B6zer August Ludwig von Schlözer] (1735–1809) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Franti%C5%A1ek_Koll%C3%A1r Adam František Kollár] (1718–1783) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Forster Georg Forster] (1754–1794) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Gottfried_Herder Johann Gottfried Herder] (1744–1803), Hauptwerk: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ideen_zur_Philosophie_der_Geschichte_der_Menschheit Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit]'' (1784–1791) | |||
==== <span id="19._Jahrhundert">19. Jahrhundert</span> ==== | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Jakob_Bachofen Johann Jakob Bachofen] (1815–1887) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Lewis_Henry_Morgan Lewis Henry Morgan] (1818–1881), Hauptwerk: ''Ancient Society'' (1877), deutsch ''Die Urgesellschaft'' | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Bastian Adolf Bastian] (1826–1905) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/John_Ferguson_McLennan John Ferguson McLennan] (1827–1881), schottischer Ethnologe | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Andrew_Lang Andrew Lang] (1844–1912) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_B._Tylor Edward Burnett Tylor] (1832–1917), Hauptwerk: ''Primitive Culture'' (1871) und ''Anthropology'' (1881) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph-Ant%C3%A9nor_Firmin Joseph-Anténor Firmin] (1850–1911), Hauptwerk: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/De_l%E2%80%99%C3%89galit%C3%A9_des_Races_Humaines De l’Égalité des Races Humaines]'' (1885) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/James_George_Frazer James George Frazer] (1854–1941), Hauptwerk: ''The Golden Bough'' (1890), deutsch ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Der_goldene_Zweig Der goldene Zweig]'' | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Hamilton_Cushing Frank Hamilton Cushing] (1857–1900) | |||
==== 20. Jahrhundert ==== | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Lucien_L%C3%A9vy-Bruhl Lucien Lévy-Bruhl](1857–1939) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Boas Franz Boas](1858–1942) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/William_Halse_Rivers_Rivers William Halse Rivers Rivers](1864–1922) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Frances_Densmore Frances Densmore](1867–1957) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Schmidt_(Ethnologe) Wilhelm Schmidt](1868–1954), Begründer der „Wiener Schule“ der Kulturkreislehre; Begründer der Zeitschrift und des Instituts[https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropos_(Zeitschrift) Anthropos] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Thurnwald Richard Thurnwald](1869–1954) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Marcel_Mauss Marcel Mauss](1872–1950), Hauptwerk: ''Essai sur le don. Forme et raison de l’échange dans les sociétés archaïques'' (1923–1924), deutsch ''Die Gabe'' | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Frobenius Leo Frobenius](1873–1938) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_van_Gennep Arnold van Gennep](1873–1957), Hauptwerk: ''Les rites de passage'' (1909) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_L._Kroeber Alfred L. Kroeber](1876–1960) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Graebner Fritz Graebner](1877–1934), Hauptwerk: ''Methode der Ethnologie'' (1911) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Hestermann Ferdinand Hestermann](1878–1959), Begründer und Herausgeber der Zeitschrift „Folia ethno-glossica“ | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Radcliffe-Brown Alfred Radcliffe-Brown](1881–1955), Hauptwerk: ''The Andaman Islanders'' (1922) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_H._Lowie Robert H. Lowie](1883–1957) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_Sapir Edward Sapir](1884–1939) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Bronis%C5%82aw_Malinowski Bronisław Malinowski](1884–1942), Hauptwerk: ''Argonauts of the Western Pacific'' (1922), deutsch ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Argonauten_des_westlichen_Pazifiks Argonauten des westlichen Pazifiks]'' | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_Benedict Ruth Benedict](1887–1948) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Ellegard_Jensen Adolf Ellegard Jensen](1899–1965), wesentliches Werk: ''Die getötete Gottheit. Weltbild einer frühen Kultur'' (1966) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Leslie_White Leslie White](1900–1975) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Margaret_Mead Margaret Mead](1901–1978) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Raymond_Firth Raymond Firth](1901–2002) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Steward Julian Steward](1902–1972) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Edward_E._Evans-Pritchard Edward E. Evans-Pritchard](1902–1973) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gregory_Bateson Gregory Bateson](1904–1980), Hauptwerk: ''Steps to an Ecology of Mind'' (1972) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Clyde_Kluckhohn Clyde Kluckhohn](1905–1960) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Meyer_Fortes Meyer Fortes](1906–1983) | |||
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kunz_Dittmer&action=edit&redlink=1 Kunz Dittmer](1907–1969), wesentliches Werk: ''Allgemeine Völkerkunde: Formen und Entwicklung der Kultur'' (1954) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Claude_L%C3%A9vi-Strauss Claude Lévi-Strauss](1908–2009), bekanntestes Werk: ''Tristes Tropique'' (1955), deutsch ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Traurige_Tropen Traurige Tropen]'' | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Edmund_Leach Edmund Leach](1910–1989) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Fei_Xiaotong Fei Xiaotong](1910–2005), Hauptwerk: ''Xiangtu Zhongguo 鄉土中國'', englisch ''From the Soil: The Foundations of Chinese Society'' | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Gluckman Max Gluckman](1911–1975) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Dumont Louis Dumont](1911–1998) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Turner Victor Turner](1920–1983), Hauptwerk: ''The Ritual Process'' (1969) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Mary_Douglas Mary Douglas](1921–2007), Hauptwerk: ''Purity and Danger'' (1966) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Wolf Eric Wolf](1923–1999), Hauptwerk: ''Europe and the People Without History'' (1982) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ernest_Gellner Ernest Gellner](1925–1995), Hauptwerk: ''Nations and Nationalism'' (1983) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Clifford_Geertz Clifford Geertz](1926–2006), Hauptwerk: ''The Interpretation of Cultures'' (1973) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Marvin_Harris Marvin Harris](1927–2001) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Clastres Pierre Clastres](1934–1977), Hauptwerk: ''La Société contre l’État'' (1974), deutsch ''Staatsfeinde: Studien zur politischen Anthropologie'' | |||
==== <span id="Zeitgenössische_Anthropologie_(+)">Zeitgenössische Anthropologie ''(+)''</span> ==== | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Jack_Goody Jack Goody] (1919–2015) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Georges_Balandier Georges Balandier] (1920–2016) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ren%C3%A9_Girard René Girard] (1923–2015) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Fredrik_Barth Fredrik Barth] (1928–2016) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Marshall_Sahlins Marshall Sahlins] (1930–2021), Hauptwerk: ''Stone Age Economics'' (1974) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Maurice_Godelier Maurice Godelier] (* 1934) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Marc_Aug%C3%A9 Marc Augé] (1935–2023) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Maurice_Bloch Maurice Bloch] (* 1939) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Taussig Michael Taussig] (* 1940) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Rabinow Paul Rabinow] (1944–2021), Hauptwerk: ''Essays in the Anthropology of Reason'' (1997), deutsch ''[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anthropologie_der_Vernunft&action=edit&redlink=1 Anthropologie der Vernunft]'' | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/George_Marcus George Marcus] (* 1946) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Arjun_Appadurai Arjun Appadurai] (* 1949), Hauptwerk: ''Modernity at Large'' (1996) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Philippe_Descola Philippe Descola] (* 1949) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/David_Graeber David Graeber] (1961–2020) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hylland_Eriksen Thomas Hylland Eriksen] (* 1962) | |||
<p>''(+)'' Auch wenn viele Institute im deutschsprachigen Raum 'Ethnologie' als Fachbezeichnung gewählt haben, soll die Bezeichnung 'Anthropologie' den gegenwärtig starken Einfluss der englischsprachigen ''anthropology'' beziehungsweise der französischsprachigen ''anthropologie'' reflektieren. Allerdings zeichnet sich auch im deutschen Sprachraum ein Bedeutungswandel ab, der einer bisher eher physisch-biologisch oder philosophisch verstandenen Anthropologie eine Sozial- und Kulturanthropologie gegenüberstellt.</p> | |||
==== <span id="Gegenwärtige_deutschsprachige_Ethnologen">Gegenwärtige deutschsprachige Ethnologen</span> ==== | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Spittler Gerd Spittler] (* 1939), [https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_Bayreuth Universität Bayreuth] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_W._Kramer Fritz W. Kramer] (1941–2022), [https://de.wikipedia.org/wiki/Hochschule_f%C3%BCr_bildende_K%C3%BCnste_Hamburg Hochschule für bildende Künste Hamburg] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Oppitz Michael Oppitz] (* 1942), [https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_Z%C3%BCrich Universität Zürich] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Pfeffer_(Ethnologe) Georg Pfeffer] (1943–2020), [https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Universit%C3%A4t_Berlin Freie Universität Berlin] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Mark_M%C3%BCnzel Mark Münzel] (* 1943), [https://de.wikipedia.org/wiki/Philipps-Universit%C3%A4t_Marburg Philipps-Universität Marburg] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Peter_Duerr Hans Peter Duerr] (* 1943), [https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_Bremen Universität Bremen] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ute_Luig Ute Luig] (* 1944), Freie Universität Berlin | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Streck Bernhard Streck] (* 1945), [https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_Leipzig Universität Leipzig] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Kohl Karl-Heinz Kohl] (* 1948), [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wolfgang_Goethe-Universit%C3%A4t_Frankfurt_am_Main Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Markus_Schindlbeck Markus Schindlbeck] (* 1949), Staatliche Museen Berlin | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Bierschenk Thomas Bierschenk] (* 1951), [https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gutenberg-Universit%C3%A4t_Mainz Johannes Gutenberg-Universität Mainz] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Schlee Günther Schlee] (* 1951), [https://de.wikipedia.org/wiki/Max-Planck-Institut_f%C3%BCr_ethnologische_Forschung Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Andre_Gingrich Andre Gingrich] (* 1952), [https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_Wien Universität Wien] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Carola_Lentz Carola Lentz] (* 1954), Johannes Gutenberg-Universität Mainz | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hauschild Thomas Hauschild] (* 1955), [https://de.wikipedia.org/wiki/Martin-Luther-Universit%C3%A4t_Halle-Wittenberg Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Antweiler Christoph Antweiler] (* 1956), [https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinische_Friedrich-Wilhelms-Universit%C3%A4t_Bonn Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn] | |||
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Judith_Schlehe&action=edit&redlink=1 Judith Schlehe] (* 1956), [https://de.wikipedia.org/wiki/Albert-Ludwigs-Universit%C3%A4t_Freiburg Albert-Ludwigs-Universität Freiburg] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_R%C3%A4tsch Christian Rätsch] (1957–2022), freiberuflicher Autor und Referent | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Susanne_Schr%C3%B6ter Susanne Schröter] (* 1957), [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wolfgang_Goethe-Universit%C3%A4t_Frankfurt_am_Main Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Mareile_Flitsch Mareile Flitsch] (* 1960), Universität Zürich | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Bollig Michael Bollig] (* 1961), [https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_zu_K%C3%B6ln Universität zu Köln] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Haller Dieter Haller] (* 1962), [https://de.wikipedia.org/wiki/Ruhr-Universit%C3%A4t_Bochum Ruhr-Universität Bochum] | |||
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anka_Kr%C3%A4mer_de_Huerta&action=edit&redlink=1 Anka Krämer de Huerta] (* 1962), [https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig-Maximilians-Universit%C3%A4t_M%C3%BCnchen Ludwig-Maximilians-Universität München] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Bettina_Beer Bettina Beer] (* 1966), [https://de.wikipedia.org/wiki/Universit%C3%A4t_Luzern Universität Luzern] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Hardenberg Roland Hardenberg] (* 1967), [https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wolfgang_Goethe-Universit%C3%A4t_Frankfurt_am_Main Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main] | |||
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Matthias_Krings_(Ethnologe)&action=edit&redlink=1 Matthias Krings] (* 1967), Johannes Gutenberg-Universität Mainz | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hansj%C3%B6rg_Dilger Hansjörg Dilger] (* 1968), [https://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Universit%C3%A4t_Berlin Freie Universität Berlin] | |||
== <span id="Siehe_auch">Siehe auch</span> == | |||
''''<div class="noprint"><div class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true">''[https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Portal.svg ]''</div>'''''[https://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Ethnologie Portal: Ethnologie]''' – Wikipedia-Inhalte zur Völkerkunde''</div> | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Ethnologen Liste von Ethnologen] (A–Z) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnologe#Ausbildung Deutschsprachige Ethnologie-Studiengänge] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Moving_Anthropology_Student_Network Moving Anthropology Student Network] (transnationales Netzwerk für Studierende) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ethnizit%C3%A4t Ethnizität] (Einordnung kultureller Identitäten) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Museen_f%C3%BCr_V%C3%B6lkerkunde Liste von Museen für Völkerkunde] (mit Ethnographischen Museen) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Interkulturelle_Kommunikation Interkulturelle Kommunikation] (zwischen unterschiedlichen Kulturen) | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Folklore-_und_Volkskundegesellschaften Liste von Folklore- und Volkskundegesellschaften] | |||
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Spezial:Suche&profile=advanced&search=intitle%3A%22Ethnologie%22&ns0=1 Liste aller Wikipedia-Artikel, deren Titel ''Ethnologie'' enthält] | |||
== <span id="Literatur">Literatur</span> == | |||
;Grundlagen und Einführungen | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Antweiler Christoph Antweiler]: ''Ethnologie lesen. Ein Führer durch den Bücher-Dschungel'' (= ''Arbeitsbücher, Kulturwissenschaft.'' Band 1). 3., überarbeitete und ergänzte Auflage. Lit, Münster 2004, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825856089 ISBN 3-8258-5608-9](mit CD-ROM). | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Bernatzik Hugo Bernatzik] (Hrsg.): ''Die große Völkerkunde. Sitten, Gebräuche und Wesen fremder Völker.'' 3 Bände. Leipzig 1939. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Kaj_Birket-Smith Kaj Birket-Smith]: ''Geschichte der Kultur. Eine allgemeine Ethnologie.'' 3. Auflage. Zürich 1956. | |||
*Kunz Dittmer: ''Allgemeine Völkerkunde. Formen und Entwicklung der Kultur.'' Vieweg & Sohn, Braunschweig 1954. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Fischer_(Ethnologe) Hans Fischer], [https://de.wikipedia.org/wiki/Bettina_Beer Bettina Beer]: ''Ethnologie. Einführung und Überblick.'' Reimer, Berlin 2012, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783496028444 ISBN 978-3-496-02844-4]. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Peter_Hahn Hans Peter Hahn]: ''Ethnologie. Eine Einführung.'' Suhrkamp, Berlin 2013, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783518296851 ISBN 978-3-518-29685-1] (ergänzende Informationen: [http://www.ethnologie-einfuehrung.de/ ''ethnologie-einfuehrung.de'']). | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Haller Dieter Haller]: ''Dtv-Atlas Ethnologie.'' 2., vollständig durchgesehene und korrigierte Auflage. dtv, München 2010, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783423032599 ISBN 978-3-423-03259-9]. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Frank_Heidemann Frank Heidemann]: ''Ethnologie. Eine Einführung.'' Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783825234676 ISBN 978-3-8252-3467-6] ([https://books.google.de/books?id=CxeBsOeEDGsC&q=Ethnologie Leseprobe] in der Google-Buchsuche). | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Kohl Karl-Heinz Kohl]: ''Ethnologie, die Wissenschaft vom kulturell Fremden. Eine Einführung.'' 3., neubearbeitete Auflage. Beck, München 2012, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783406468353 ISBN 978-3-406-46835-3] ([https://books.google.de/books?id=Zr768Pl1iHoC&q=Ethnologie Leseprobe] in der Google-Buchsuche). | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Ratzel Friedrich Ratzel]: ''Völkerkunde.'' 3 Bände, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1901 ([https://archive.org/details/vlkerkunde01ratz/mode/1up Band 1] – [https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive], [https://archive.org/details/vlkerkunde00ratzgoog/mode/1up Band 2] – [https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive] und [https://archive.org/details/vlkerkunde03ratz/mode/1up Band 3] – [https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_Archive Internet Archive]). | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Tischner Herbert Tischner] (Hrsg.): ''Völkerkunde.'' Frankfurt am Main 1960. | |||
;Nachschlagewerke | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Hirschberg Walter Hirschberg] (Hrsg.): ''Neues Wörterbuch der Völkerkunde'', Dietrich Reimer, Berlin 1988, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/349600875X ISBN 3-496-00875-X]. | |||
;Geschichte und theoretische Strömungen | |||
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sibylle_Alsayad&action=edit&redlink=1 Sibylle Alsayad], [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Adelheid_Seyler&action=edit&redlink=1 Adelheid Seyler] (Hrsg.): ''Ethnologen-Lexikon. Biographien, Werke, Theorien.'' Weissensee, Berlin 2006, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3899980700 ISBN 3-89998-070-0]. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Bargatzky Thomas Bargatzky]: ''Ethnologie. Eine Einführung in die Wissenschaft von den urproduktiven Gesellschaften.'' Buske, Hamburg 1997, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3875480392 ISBN 3-87548-039-2] ([https://books.google.de/books?id=BO9L4J7ydfcC&q=Ethnologie Leseprobe] in der Google-Buchsuche). | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Christian_F._Feest Christian F. Feest], [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heinz_Kohl Karl-Heinz Kohl] (Hrsg.): ''Hauptwerke der Ethnologie'' (= ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Kr%C3%B6ners_Taschenausgabe Kröners Taschenausgabe].'' Band 380). Kröner, Stuttgart 2001, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3520380013 ISBN 3-520-38001-3]. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Andre_Gingrich Andre Gingrich]: ''Erkundungen. Themen der ethnologischen Forschungen.'' Boehlau, Wien 1999, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3205989929 ISBN 3-205-98992-9]. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Petermann Werner Petermann]: ''Die Geschichte der Ethnologie.'' Hammer, Wuppertal 2004, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3872949306 ISBN 3-87294-930-6]. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Han_F._Vermeulen Han F. Vermeulen]: <cite>Before Boas: the genesis of ethnography and ethnology in the German Enlightenment</cite> (= <cite>[https://de.wikipedia.org/wiki/Critical_Studies_in_the_History_of_Anthropology Critical Studies in the History of Anthropology]</cite>). University of Nebraska Press, Lincoln 2015, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9780803255425 ISBN 978-0-8032-5542-5]. | |||
*[https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Heinzpeter_Znoj&action=edit&redlink=1 Heinzpeter Znoj]: ''Geschichte der Ethnologie.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Bettina_Beer Bettina Beer], [https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Fischer_(Ethnologe) Hans Fischer] (Hrsg.): ''Ethnologie – Einführung und Überblick.'' 7., überarbeitete und erweiterte Auflage. Reimer, Berlin 2012, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783496028444 ISBN 978-3-496-02844-4], S. 35–53. | |||
== <span id="Weblinks">Weblinks</span> == | |||
''''<div class="sisterproject"><div class="noresize noviewer" role="presentation" aria-hidden="true">''<span class="mw-default-size"><span title="Commons">[[file:12px-Commons-logo.svg.png|12x16px]]</span></span>''</div>'''''<span class="plainlinks">[https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Ethnology?uselang=de <span lang="en">Commons</span>: Ethnology]</span>''' – Bilder und Mediendateien''</div><div class="sisterproject">''<span class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true"><span class="mw-default-size"><span title="Wiktionary">[[file:16px-Wiktfavicon_en.svg.png|16x16px]]</span></span></span>'''[https://de.wiktionary.org/wiki/Ethnologie Wiktionary: Ethnologie]''' – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen''</div><div class="sisterproject"><div class="noviewer" role="presentation" aria-hidden="true">''<span class="mw-default-size"><span title="Wikisource">[[file:15px-Wikisource-logo.svg.png|15x16px]]</span></span>''</div>'''''[https://de.wikisource.org/wiki/Ethnologie Wikisource: Ethnologie]''' – Quellen und Volltexte''</div> | |||
*[https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=4078931-7 Literatur von und über Ethnologie] im Katalog der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Nationalbibliothek Deutschen Nationalbibliothek] | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Gesellschaft_f%C3%BCr_Sozial-_und_Kulturanthropologie Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie] (DGSKA): [https://www.dgska.de/ ''Offizielle Website.''] Institut für Ethnologie und Afrikastudien, Universität Mainz. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaft_f%C3%BCr_Ethnographie Gesellschaft für Ethnographie] (GfE): [http://www.gfe-online.org/cms2/ ''Offizielle Website.''] Institut für Europäische Ethnologie, Universität Berlin. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/EVIFA Virtuelle Fachbibliothek Ethnologie] (EVIFA): [http://www.evifa.de/ ''Offizielle Website.''] Universitätsbibliothek der Universität Berlin. | |||
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Dieter_Haller Dieter Haller]: [http://www.germananthropology.com/ ''Interviews with German Anthropologists.''] In: ''Video Portal for the History of German Anthropology post 1945.'' Universität Bochum (englisch; 260 Kurzportraits, plus 15 Ethnologen und Ethnologinnen in deutschsprachigen Videos, englisch untertitelt). | |||
*Lorenz Khazaleh: [https://www.antropologi.info/blog/ethnologie/ ''Ethnologie / Sozialanthropologie Blog.''] Oslo (deutsch/englisch). | |||
*Forum Ethnologie im Nationalsozialismus (FEiNS): [http://www.ethno-im-ns.uni-hamburg.de/ ''Offizielle Website.''] Cristian Alvarado, Lateinamerika-Zentrum, Universität Hamburg. | |||
== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> == | |||
#<span class="reference-text">Ende 2012 waren im [https://serc.carleton.edu/sp/carl_ltc/quantitative_writing/examples/38070.html ''Ethnographic Atlas''] weltweit genau [https://web.archive.org/web/20180610021918/http://intersci.ss.uci.edu/wiki/index.php/Ethnographic_Atlas 1300 Ethnien] erfasst, von denen oft nur Stichproben ausgewertet wurden, beispielsweise im internationalen [https://de.wikipedia.org/wiki/HRAF HRAF]-Projekt.</span> | |||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_Antweiler Christoph Antweiler]: ''Urbanität und Ethnologie. Aktuelle Theorietrends und die Methodik ethnologischer Stadtforschung.'' In: ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitschrift_f%C3%BCr_Ethnologie Zeitschrift für Ethnologie].'' Band 129, Heft 2, 2004, S. 285–307.</span> | |||
#<span class="reference-text"><span class="cite">[http://www.kuwi.europa-uni.de/de/lehrstuhl/vs/anthro/index.html ''Professur für Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie.''] [https://de.wikipedia.org/wiki/Europa-Universit%C3%A4t_Viadrina Europa-Universität Viadrina] (EUV), Fakultät für Kulturwissenschaften, Frankfurt (Oder), 2014,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 11. Juni 2014</span>: „Das Lehrgebiet »Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie« wird an anderen deutschen Universitäten in der Regel unter dem Namen »Ethnologie« bzw. »Völkerkunde« vertreten. Mit der Änderung des Namens von Ethnologie zu Anthropologie wird an der Europa-Universität Viadrina zum einen betont, dass das Fach sich nicht auf die Untersuchung fremder Kulturen beschränkt, sondern sich in besonderem Maße auch der eigenen Kultur und Gesellschaft zuwendet.“</span></span> | |||
#<span class="reference-text">Michel Panoff, Michel Perrin: ''Taschenwörterbuch der Ethnologie.'' Berlin 1982, S. 93–95.</span> | |||
#<span class="reference-text">Nikolaus Münzel: ''Kurze Einführung in die Ethnomedizin.'' In: ''Würzburger medizinhistorische Mitteilungen.'' Band 3, 1985, S. 5–9, hier: S. 5 f. (zitiert)</span> | |||
#<span class="reference-text">Vergleiche <span class="cite">[https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Knorr_(Ethnologe) Alexander Knorr] a.k.a. Zephyrin Xirdal: [http://xirdalium.net/2006/02/16/volkskunde-vs-volkerkunde/ ''Volkskunde vs. Völkerkunde? „Kulturwissenschaftliche Technikforschung“ and „Cyberanthropology“.''] In: ''xirdalium.net.'' Eigener Blog, 16. Februar 2006,<span class="Abrufdatum">abgerufen am 11. Juni 2014</span> (englisch).</span></span> | |||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_E._M%C3%BCller Klaus E. Müller]: ''Das magische Universum der Identität. Elementarformen sozialen Verhaltens. Ein ethnologischer Grundriss.'' Campus, Frankfurt u. a. 1987, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3593338556 ISBN 3-593-33855-6], S. 386–387.</span> | |||
#<span class="reference-text">Hans-Jürgen Greschat: ''Naturreligionen,'' erschienen in: Horst Balz et al. (Hrsg.): ''Theologische Realenzyklopädie, Band 24: „Napoleonische Epoche – Obrigkeit“.'' Walter de Gruyter, Berlin / New York 1994, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783110190984 ISBN 978-3-11-019098-4], S. 185–188.</span> | |||
#<span class="reference-text">David Gibbons: ''Atlas des Glaubens. Die Religionen der Welt.'' Übersetzung aus dem Englischen, Frederking & Thaler, München 2008, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783894057190 ISBN 978-3-89405-719-0], S. 92.</span> | |||
#<span class="reference-text">Philip Franz Fridolin Gondecki: ''Wir verteidigen unseren Wald.'' Philosophische Doktorarbeit Universität Bonn 2015, S. 144.</span> | |||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/Han_F._Vermeulen Han F. Vermeulen]: ''Before Boas: The Genesis of Ethnography and Ethnology in the German Enlightenment.'' University of Nebraska Press, Lincoln/ London 2015, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9780803255425 ISBN 978-0-8032-5542-5].</span> | |||
#<span class="reference-text">[https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Jensen_(Ethnologe) Jürgen Jensen]: ''Die Geschichte der Ethnologie – eine Serie von Lehrmeinungen einiger weniger Fachvertreter?'' Hamburg 2008; Literaturbericht zu Rössler ''Die deutschsprachige Ethnologie bis ca. 1960. Ein historischer Abriss'' 2007; [http://www.ethno-im-ns.uni-hamburg.de/download/jensen_rezension_geschichtederethnologie.pdf ethno-im-ns.uni-hamburg.de] (PDF; 57 kB; 7 Seiten).</span> | |||
#<span class="reference-text">Heike Drotbohm: ''Ethnologie.'' In: [https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Reinalter Helmut Reinalter], [https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_J._Brenner Peter J. Brenner] (Hrsg.): ''Lexikon der Geisteswissenschaften: Sachbegriffe – Disziplinen – Personen.'' Böhlau, Wien u. a. 2011, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783205785408 ISBN 978-3-205-78540-8], S. 919–929, hier S. 921.</span> | |||
Version vom 26. April 2024, 15:04 Uhr
- ‘vergleichende Völkerkunde’, auch überhaupt ‘Völkerkunde’ (Mitte 19. Jh.),
- nach frz. ethnologie, engl. ethnology,
- zusammengesetzt aus griech. éthnos ἔθνος ‘Menge, Volk’ (s. ethnisch)
- und dem für ‘Lehre, Wissenschaft’ üblichen Grundwort -logie (s. d.); dazu ethnologisch
- nach frz. ethnologie, engl. ethnology,
Die Ethnologie (abgeleitet vonaltgriechischἔθνος éthnos, deutsch ‚Volk, Volksstamm‘, und-logie,Lehre‘; früher Völkerkunde, heute auchSozial-undKulturanthropologie) ist eine empirische und vergleichendeSozial-undKulturwissenschaft, die die Vielfalt menschlicher Lebensweisen aus einer sowohl gegenwartsbezogenen als auch historisch verankerten Perspektive erforscht.
Fachwissenschaft und Selbstverständnis
Was ist Ethnologie?
Definitionen von Ethnologie überschneiden sich häufig mit Anthropologie:
- Thomas Hylland Eriksen: „Anthropologie ist das vergleichende Studium des kulturellen und sozialen Lebens. Ihre wichtigste Methode ist die teilnehmende Beobachtung, welche aus lange andauernder Feldforschung in einem besonderen sozialen Umfeld besteht.“
- Claude Lévi-Strauss: „Die Anthropologie hat die Menschheit zum Subjekt ihrer Forschung, aber anders als andere Wissenschaften vom Menschen, versucht sie ihr Objekt mittels unterschiedlichster Manifestationen zu erfassen.“
- Clifford Geertz: „Wenn wir entdecken wollen, was den Menschen ausmacht, können wir das nur finden in dem, was die Menschen sind: Und was die Menschen sind, ist höchst unterschiedlich. Indem wir die Verschiedenheiten verstehen – ihr Ausmaß, ihre Natur, ihre Basis und ihre Implikationen – können wir ein Konzept der menschlichen Natur erstellen, mehr ein statistischer Schatten als ein primitivistischer Traum, das beides beinhaltet: Substanz und Wahrheit.“
- Panoff und Perrin: Die Ethnologie im engeren Sinne bemüht sich um „synthetische Studien und theoretische Schlußfolgerungen“[4] aus ethnographischen Dokumenten, die ihr durch die Arbeit der Sozial- und Kulturanthropologen in deren Feldforschung und allgemeinen Problemstudien zur Verfügung gestellt werden.[5]
Perspektiven
Das Fach pflegt bestimmte Perspektiven, mit denen es sich von anderen sozial- und kulturwissenschaftlichen Disziplinen unterscheidet und gleichzeitig fundamentale Impulse für diese gesetzt hat.
Klassischerweise spielte vor allem der Blickwinkel von innen (auch emische Perspektive) eine wichtige Rolle, d. h. der Versuch, die innere Wirklichkeit eines kulturellen Zusammenhangs und seiner Mitglieder nachzuvollziehen und zu erklären.
Lange Zeit richtete die Ethnologie ihren Fokus zudem auf vorwiegend machtlose und unterprivilegierte Gruppen (etwa von Minderheitengruppen, Kolonisierten oder Marginalisierten). Heute werden dagegen zunehmend auch sozial besser gestellte Gruppen (z. B. gesellschaftliche Eliten) untersucht.
Drittens wurde klassischerweise v. a. das Fremde untersucht, während das Eigene erst langsam ins Blickfeld der Ethnologie rückt. Dabei wurde häufig angenommen, dass das Fremde wie das Eigene und die Grenze dazwischen als gegeben und als selbstverständlich vorliegen. Heute wird, in Anlehnung an Fredrik Barths Ethnizitätstheorie, zunehmend auch auf den Grenzziehungsprozess zwischen der Wahrnehmung des kulturell Eigenen und der des kulturell Fremden hingewiesen (z. B. im Kontext von ethnisch-kulturellen oder nationalen Identitätspolitiken). Des Weiteren wird gezeigt, dass solche Grenzziehungen im Kontext von Globalisierung und Migration oft fließend und zudem untrennbar mit anderen Differenzkategorien (wie sozialer Status oder Geschlecht) verwoben sind.
Zentral ist für das Fach schließlich sein selbstreflexiver Blick, der sowohl die eigenen methodischen Verfahren als auch die Positionalität der Forschenden in Bezug auf die ethnologische Wissensproduktion konsequent überprüft.
Wissenschaftsgeschichte
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Ethnologie als ein Nischenfach. Sie hatte vor allem jene Völker und Kulturen zum Gegenstand, die von bereits länger etablierten Wissenschaften (Geschichte, Philologie, Indologie usw.) nicht erforscht wurden, mit denen aber vor allem europäische Kolonisatoren, Missionare und Reisende sehr oft zu tun hatten.
Seitdem das Fach gegen Ende des 19. Jahrhunderts Einzug in die Universitäten hielt, erwies sich die Definition seines Gegenstandes als schwierig. Sie geschah meist defensiv in Abgrenzung zu anderen Wissenschaften. Die erforschten Gesellschaften wurden oft nur durch das bestimmt, was ihnen im Gegensatz zu staatlich verfassten fehlte. Deshalb wurden vor allem folgende Negativ- bzw. Mangeldefinitionen des Gegenstandes gewählt:
- nichtentwickelte (= primitive) Kulturen,
- schriftlose Kulturen
- nichtindustrielle Kulturen
- nichtstaatliche Kulturen
- „savages“, „sauvages“, „Wilde“, also nach europäischen Maßstäben nicht zivilisierte, im „Naturzustand“ befindliche Kulturen
- geschichtslose und damit der Tradition verhaftete unmoderne Kulturen
- nichtentfremdete oder von der eigenen westlichen Zivilisation unberührte Kulturen
- nichteuropäische Kulturen
Oft wurden besonders auch diejenigen Gesellschaften untersucht, bei denen man davon ausging, dass sie vom Aussterben bedroht seien. Zusammenfassend und positiv gewendet lässt sich sagen, dass sich mit der Ethnologie eine Wissenschaft herausbildete, die zum allergrößten Teil stabile, überschaubare Kleingruppen im Zentrum hat, die sich durch hohe Kommunikationsdichte aller abhängigen Gesellschaftsmitglieder auszeichnen (Face-to-Face-Beziehungen) und sehr oft verwandtschaftlich oder quasi-verwandtschaftlich organisiert sind. Auch wenn sich Kleingruppen innerhalb von größeren gesellschaftlichen Verbänden organisieren, sind sie öfter ein Gegenstand ethnologischer Erforschung (Urbanethnologie, Unternehmensethnologie).
Vor allem in Kleingruppen kann man mit der Methode der teilnehmende Beobachtung zu sinnvollen und modellhaften Aussagen gelangen, ohne dabei statistische und quantitative Verfahren anwenden zu müssen. Durch die weitgehende und oft lange währende Unabhängigkeit der untersuchten Gruppen wurde einerseits eine holistische Perspektive möglich, in der ähnlich der Soziologie das Ganze einer Gesellschaft in den Blick genommen werden kann, während sie andererseits breiteste Vergleichsmöglichkeiten bieten, da in den Ethnographien ein riesiger Erfahrungsschatz unterschiedlichster menschlicher Lebensformen ausführlich verschriftlicht wurde. Die Ethnologie eignet sich damit besonders gut für den Test von Generalisierungen.
Ethnologie und Europäische Ethnologie
Eine deutsche Besonderheit war die Volkskunde, die an deutschsprachigen Hochschulen als eigenständiges Fach auch unter den Namen Europäische Ethnologie oder Kulturanthropologie geführt wird. Die Volkskunde untersucht das Andere in der eigenen (deutschen bzw. europäischen) Kultur und betont in ihrer Herangehensweise Phänomene des Alltags. Der Schwerpunkt liegt dabei im europäischen Raum, wobei Prozesse wie Globalisierung oder Transnationalisierung den Blick über die Grenzen Europas hinweg notwendig gemacht und zu einer größeren Schnittmenge mit der Ethnologie geführt haben. Diese bis heute anhaltenden inhaltlichen wie methodischen Annäherungen haben in den letzten Jahren zu Debatten um die Trennlinien der beiden Fächer geführt.[6]
Forschungsfelder der Ethnologie
Die Ethnologie bezieht fast alle gesellschaftswissenschaftlichen Themen als Unterdisziplin ein, daneben auch naturwissenschaftliche Aspekte wie Ethnopharmazie oder Ethnomathematik. Die Ethnologie erhebt damit den Anspruch einer interdisziplinären Grund- oder Leitwissenschaft,[7] weil die erforschten Gesellschaften aufgrund ihrer großen historischen oder räumlichen Trennung sehr weitreichende kulturelle Vergleiche erlauben. So ergibt sich ein besonders guter Überblick über die gegenseitigen Abhängigkeiten und Beeinflussungen gesellschaftlicher Subsysteme, die sonst meist nur einzeln untersucht werden.
Als wichtigste, heute an den Universitäten gelehrte Fachbereiche der Ethnologie gelten:
- Wirtschaftsethnologie (wirtschaftliche Organisation)
- Ethnosoziologie (soziale Organisation, britisch: social anthropology)
- Politikethnologie (politische Organisation)
- Religionsethnologie
- Rechtsethnologie
- Medizinethnologie
- Musikethnologie
- Verwandtschaftsethnologie
- Gender Studies (Geschlechterforschung)
- Visuelle Anthropologie (Medieneinsatz)
- Aktionsethnologie (eingreifend)
Weitere Forschungsfelder sind beispielsweise die Ethnolinguistik, Ethnomedizin (mit Ethnopharmakologie, Ethnopharmazie, Ethnopsychiatrie, Ethnopsychoanalyse), Ethnoökologie, Ethno-Zahnmedizin, Kognitionsethnologie, Kunstethnologie, Ethnopädagogik und interkulturelle Kommunikation (siehe auch Themenliste: Fachgebiete der Ethnologie).
Teilweise werden ethnologische Fachgebiete heute auch mit dem Zusatz Anthropologie (Menschenkunde) bezeichnet, so wird beispielsweise die Wirtschaftsethnologie auch unter der Bezeichnung ökonomische Anthropologie geführt und es gibt die Religionsanthropologie, die Rechtsanthropologie oder die Musikanthropologie.
Methoden
Die ersten Berichte über fremde Kulturen enthielten in den meisten Fällen erhebliche Verfälschungen der realen Verhältnisse, da die Berichterstatter ihre subjektiven Eindrücke eurozentrisch im Vergleich mit der christlich-europäischen Tradition bewerteten – die sie für die einzig zivilisierte Sichtweise hielten. Häufig wurden daher besonders fremdartige Phänomene (ritueller Kannibalismus, Menschenopfer, außergewöhnliche Physiognomie der Menschen usw.) über alle Maßen hervorgehoben.[8] Die Forschungsreisenden, Abenteurer, Kolonialbeamten, Kaufleute und Missionare, die die Kolonien bereisten, hatten noch keinerlei Vorstellung von modernem wissenschaftlichen Arbeiten und verbreiteten daher verzerrte ethnographische Aufzeichnungen.[9] Dessen ungeachtet griffen Ethnologen bis in das frühe 20. Jahrhundert auf solche Daten zurück. Seit den 1920er Jahren erheben sie diese Daten zumeist selbst. Die Ethnologie gewann früher vor allem materielle Daten, es wurden ethnographische Objekte und weniger die orale Kultur (Erzählungen, Mythen) ausgewertet. Der materielle Schwerpunkt ergab sich aus der Tatsache, dass die meisten Ethnologen nicht wie heute an Universitäten tätig waren, sondern an Museen.
Heute ist das bedeutendste Verfahren zur Datenerhebung die ethnologische Feldforschung. Die charakteristischste Methode während des Feldaufenthaltes ist die teilnehmende Beobachtung, worunter die Integration des Forschers in das Leben einer Gruppe gefasst wird, um ihren Alltag wirklich zu verstehen. Die langanhaltende Augenzeugenschaft vor Ort ist für alle Ethnologen – sofern sie sich nicht kulturhistorischen Fragestellungen (einer der Feldforschungsethnologie gleichwertigen Ausrichtung) verschrieben haben – eine unabdingbare Grundlage der Forschung. Dies unterscheidet die Ethnologie auch von anderen Disziplinen wie den Cultural Studies, die sich zumeist der Analyse von Medienerzeugnissen zuwenden, und von der qualitativ arbeitenden Soziologie, die allenfalls Interviews durchführt.
In der Zeit der Feldforschung leben Ethnologen und Ethnologinnen eng mit der örtlichen Bevölkerung zusammen und lernen deren Alltag kennen. Die Besonderheit dieser Methode ist das kommunikationsgeleitete Vorgehen, um sich bei der Arbeit von den Begegnungen vor Ort leiten zu lassen. Dies führt im Übrigen dazu, dass das Fach weniger theoriegeleitet arbeiten kann als etwa die Nachbardisziplinen: aus dem Felde selbst ergeben sich und häufig erst die letztendlich relevanten theoretischen Fragestellungen – und die Forschungsergebnisse.
Jegliche Feldforschung führt unvermeidbar zu einer Beeinflussung der beobachteten Menschen. Um dies möglichst gering zu halten, hat etwa der Soziologe Roland Girtler 2001 „zehn Gebote der Feldforschung“ formuliert:[10]
- Anerkennung von Sitten und Regeln;
- Großzügigkeit und Unvoreingenommenheit, Erkennung fremder Werte und Grundsätze, die nicht die eigenen sind;
- nicht lästern und abfällig über Gastgeber reden;
- Wissen über Geschichte und soziale Verhältnisse;
- Wissen über geographische Gegebenheiten;
- Bericht über Erlebtes möglichst ohne Vorurteile, Anlegen eines Forschungstagebuchs über Gedanken, Probleme, Freuden, Leiden, Ärgernisse etc.;
- Menschen nicht als bloße Datenlieferanten sehen und behandeln;
- Bemühung Gesprächspartner einigermaßen einzuschätzen, um nicht reingelegt oder bewusst belogen zu werden;
- nicht als Missionar oder Sozialarbeiter aufspielen, nicht erzieherisch einwirken;
- gute Konstitution, Fähigkeit jederzeit zu essen, zu trinken und zu schlafen.
Neben dieser sehr zeitaufwändigen Forschung kommen verschiedene weitere qualitative Techniken der Datengewinnung zum Einsatz: ethnographische Interviews, die strukturiert, halbstrukturiert und offen sein können, Experten- und Fokusgruppengespräche, systematische Beobachtungen, biographische Methoden (siehe auch Ethnographische Methoden). Das Erlernen der im Forschungsgebiet gesprochenen Sprache(n) wird als unabdingbar angesehen. Entsprechend der Ausrichtung aktueller Fragestellungen auf die Verbindungen und Verflechtungen zwischen unterschiedlichen Orten hat sich auch die Forschung an mehreren Orten (multi-sited ethnography) als eine mögliche Vorgehensweise etabliert.
Geschichte
Fachgeschichte
Antike bis frühe Neuzeit
Ethnologie – in einem weiteren Sinn Ethnographie (d. h. die Beschreibung fremder Völker) – wurde schon in der griechischen und römischen Antike betrieben. Im 5. Jahrhundert v. Chr. gab Herodot von Halikarnassos bereits eine ausführliche und empirisch gestützte Darstellung der Völker der damals bekannten Welt und ihrer Sitten. Beschreibungen anderer Kulturen finden sich auch bei Platon, Aristoteles und anderen.
- Herodot (490–425 v. Chr.) war ein Geschichtsschreiber, der Reisen in den anatolischen, syrisch-irakischen und arabischen Raum unternahm. Seine Schriften gelten als wichtige Quelle für die Geschichte der Antike. Herodot schrieb im fünften Jahrhundert vor Christus in den Historiai über die „barbarischen“ Stämme im Norden und Osten der griechischen Halbinsel, im Vergleich zu den Gewohnheiten und Vorstellungen der Athener.
- Tacitus (ca. 56 bis ca. 120): De origine et situ Germanorum
- Marco Polo (1254–1324): Le divisament dou monde / Il Milione
- Ibn Chaldun (1332–1406): Muqaddima
Zwei theologische Schulen prägten Universalideen:
- Die augustinische Schule: Augustinus (354–430) setzt alle Probleme des Lebens in Rückverbundenheit zu Gott in Beziehung. Die unmittelbare Macht der Kirche – deus et anima – schafft einen Weg zur theokratischen Gesellschaftsordnung. Aegidius Humanus denkt, jeder Ungläubige lebe in Feindschaft mit Gott. Dieses „Heidenproblem“ spricht Ungläubigen jeden Besitz ab, weil alles „von Gott“ sei. Papst Innozenz IV. legitimiert Gewalt gegen „Heiden“, erkennt den Nicht-Christen die Staatenbildung ab, meint aber, dass der freie Wille ein Naturgesetz sei. Durch die Unterordnung unter die Gewalt des Papstes sei den Menschen Wille und Menschsein zuerkannt. So verlasen die Entdecker entsprechende Texte, die für indigene Kulturen als Handlungsvorlage dienen sollten. Wenn die Entdeckten nicht nach christlichen Vorgaben handelten, war Gewalt legitimiert.
- Die thomistische Schule: Thomas von Aquin (1225–1274) sah Gott als Ursache der Welt, die Macht der Kirche als mittelbar. Gott existiere im aristotelischen Denken, das auf Erfahrung beruht, aufgrund der Existenz der Welt. Die Bewegung der Welt und die Rechtsordnung fußten auf Erfahrung. Persönliche Freiheit, Eigentumsrecht und Eigenstaatlichkeit galten ihm als Naturrechte.
- 1537: Die Bulle Sublimus Dei des Papstes Paul III. bezeichnet die Entdeckten als veri homines, als wahre Menschen also, die für die Christenheit gewonnen und missioniert werden können. Die absolute Stellung der Kirche, die alle Entdeckungen sowie herrschaftliche Entscheidungen für sich beansprucht, führt nach dem Investiturstreit zu einer Konfrontation der kirchlichen und weltlichen Macht.
- José de Acosta (1540–1600): Auf der Grundlage einer umfassenden humanistischen Bildung schuf der Jesuit José de Acosta mit seiner Historia natural y moral de las Indias ein herausragendes Werk, das unvoreingenommen über die „neue Welt“ und ihre Bewohner informiert und die amerikanischen Kulturen mit den europäischen vergleicht und in Beziehung setzt.
Neben den oben genannten abendländischen Schulen müssen auch Traditionen bedacht werden, die in anderen Kulturkreisen wurzeln. Dazu gehört die Wahrnehmung des Fremden durch jene Kulturen, denen sich die Ethnologie traditionellerweise zuwendet. Fritz W. Kramers Arbeit Der rote Fes über die Wahrnehmung europäischer Invasoren durch afrikanische Stämme ist ein Werk, das sich solchen Spiegelungen exemplarisch zuwendet.
Frühe Neuzeit bis heute
15. bis 17. Jahrhundert
Europa war eine religiöse, aber keine politische Einheit. Die Wertegemeinschaft des Christentums wirkte der politischen Uneinigkeit Europas entgegen. Daher hat Glaube auch heute noch politische Bedeutung. Die spanische Inquisition stellte das Christentum als den rechten Glauben dar und hoffte auf diese Weise das Maurenproblem zu lösen. 1492 wurde das letzte maurische Königreich zerstört, Amerika von Christoph Kolumbus wiederentdeckt, und 1610 erfolgten die letzten Vertreibungen von Mauren aus Spanien. Spanier und Portugiesen reisten nach Afrika, Indien, Mittel- und Südamerika, um Rohstoffe, Gold und Reichtümer zu rauben. Das Christentum sollte verbreitet werden. Nach den Entdeckungen überwog eine eurozentristische Sichtweise, die bis ins 20. Jahrhundert von Forschern und Kolonialisten nur wenig hinterfragt wurde.
Bernardino de Sahagún (1499–1590) thematisiert in der Historia general de las cosas de Nueva Espana Bräuche, Praktiken, Promiskuität und Kannibalismus.
Hans Staden (ca. 1525 – ca. 1576) schrieb 1557 die Wahrhaftige Historia und unterstützte das feindliche Verhalten gegenüber Wilden, die mit brutaler Härte als Nicht-Menschen angesehen wurden. Staden stand auf Seiten der Kirche.
Verzerrte Darstellungen aus dieser Zeit schilderten Nacktheit, Kannibalismus und Promiskuität. Aus Vermutungen und Phantasien entstanden nachteilige Darstellungen, zum Beispiel auch auf Stichen. Kannibalen in Naturvölkern seien nicht missionierbar, Wilde nicht für das Christentum gewinnbar. Die weltanschauliche Botschaft verhinderte eine gegenseitige Achtung und überwand die Tötungshemmung.
Weitere Beispiele sind Thomas Hobbes (1588–1679) Leviathan (1649/1651), Antonio de Oliveira de Cadornega (1610–1690), Joseph-Francois Lafiteau (1681–1746), Jean-Jacques Rousseau über den Contrat Social (1762). Der Afrikaforscher Samuel Braun (1590–1668) war in seiner Reisebeschreibung von 1624 unvoreingenommener.
18. Jahrhundert
Die Ethnologie als eigenständige Wissenschaft entstand in der deutschen und russischen Aufklärung. Sie wurde im 18. Jahrhundert von Historikern, Geographen und Linguisten als eine „Wissenschaft der Völker“ (gr. ethnos ‚Volk‘) entwickelt. Als Begründer der Ethnographie kann der Historiker Gerhard Friedrich Müller (1705–1783) betrachtet werden. Müller führte im Auftrag der Russischen Zarin Katharina II. (1729–1796) als Teilnehmer an der Zweiten Kamtschatkaexpedition (1733–1743) historische, geographische, ethnographische, linguistische und archäologische Forschungen in Sibirien durch. Er berief sich auf Joseph François Lafitaus (1681–1746) komparative Zielsetzung und entwickelte ein Programm zur „Beschreibung der sibirischen Völker“, mit dem Ziel, sie untereinander und mit Völkern anderer Weltteile zu vergleichen. Dieses Programm bezeichnete er 1740 als „Völker-Beschreibung“. Müller setzte es während der Expedition mit anderen Wissenschaftlern in die Praxis um und entwickelte Methoden für die Feldforschung und den Umgang mit Informanten. Die von den Expeditionsteilnehmern gesammelten Naturalien und Artefakte wurden in der (1714 gegründeten) Kunstkammer archiviert. Müller steht damit am Anfang einer neuen Tradition, der Ethnographie, und sah diese Wissenschaft als eine eigene Disziplin neben seinen beiden Hauptfächern Geschichte und Geographie.
Der Historiker August Ludwig Schlözer (1735–1809) formulierte 1771–1772 in Göttingen eine allgemeine „Völkerkunde“ und entwarf eine „ethnographische Methode“ der Geschichte. Göttingen hatte Verbindungen sowohl mit Russland und Osteuropa als auch mit England und wurde zum Ausstrahlungszentrum der neuen Wissenschaft. Um 1780 prägte der Historiker Adam Franz Kollár (1718–1783) in Wien den Begriff „Ethnologie“ und gab 1783 die erste Definition: “ethnologia […] est notitia gentium populorumque” (deutsch: „Ethnologie ist das Studium der Völker und Nationen“). Schlözer betrachtete die Völkerkunde als Teil einer globalen Weltgeschichte, in der alle Völker miteinander verbunden waren.
Während die Ethnographie in der deutsch-russischen Frühaufklärung entstand, trat die Ethnologie aus der deutsch-österreichischen Spätaufklärung hervor. Für Müller in Russland, Schlözer in Deutschland und Kollár in Österreich hatten die Fragen zur Zusammengehörigkeit der Völker große Bedeutung. Fast alle Forscher in Russland folgten den Anregungen von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716), dass nur ein Vergleich der Sprachen, nicht der Sitten, Aufschlüsse über die Herkunft und Verwandtschaft der Völker bringen könne.[11]
19. bis 21. Jahrhundert
Für die Neuzeit hat zunächst die Epoche der großen Entdeckungsreisen zu neuen Kontakten mit fremden Völkern geführt, die sich vielfältig in Reiseberichten und anderen Texten widerspiegeln, etwa bei Montaignes Über Kannibalen oder bei Montesquieu (1689–1755).
Im 19. Jahrhundert war die Völkerkunde vom Evolutionismus bestimmt, dessen Anliegen der Entwurf einer kulturellen Abfolge war. Oftmals stützten sich die Theorien nicht auf eigene Forschungen, sondern auf Berichte von Missionaren (Lehnstuhlethnologie).
In Deutschland arbeiteten die meisten Ethnologen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts kulturhistorisch und versuchten, die Geschichte der schriftlosen Völker zu rekonstruieren. Dieses Interesse wurde in anderen akademischen Nationen nicht geteilt – so fragten etwa die britischen Social Anthropologists, die das Interesse an Geschichtlichem unwissenschaftlich empfanden, eher nach der Funktionsweise von Gesellschaften.
Neben den Kulturhistorikern (insbesondere die Wiener Schule um Pater Wilhelm Schmidt, aber auch weniger dogmatische, an Geschichte ausgerichtete Forscher) arbeiteten in Deutschland bis in die 1950er Jahre hinein vor allem kulturmorphologisch ausgerichtete Ethnologen (in der Tradition von Leo Frobenius). Die ethnosoziologische Ausrichtung Richard Thurnwalds, die seit den 1960er-Jahren durch seinen Schüler Wilhelm Emil Mühlmann einflussreich geworden ist, spielte bis dahin in Deutschland eher eine geringe Rolle.
In der Zeit des Nationalsozialismus war die deutschsprachige Ethnologie rassistisch und teilweise esoterisch ausgerichtet.[12]
Obwohl schon frühere Ethnologen feldforschend tätig waren, begründete erst Bronisław Malinowski (1884–1942) die Forschungsmethode der teilnehmenden Beobachtung, die auch heute noch für das Fach wesentlich ist, als zentrale Zugangsweise des Faches.
Die Ethnologie war lange eine europäisch geprägte Wissenschaft und hat ihre wichtigsten Exponenten in einigen jener Staaten gefunden, die rund um die Welt Macht beansprucht haben, vor allem Russland, England und Frankreich. Somit trägt sie beispielhaft den Vorwurf des Eurozentrismus aus. Heute wird das Fach maßgeblich von der amerikanischen Kulturanthropologie beeinflusst, so dass eher von einem „Amerozentrismus“ als von einem Eurozentrismus gesprochen werden kann. Mittlerweile haben sich in den Ländern außerhalb Europas bedeutende eigene Ethnologien entwickelt (etwa in Indien, Brasilien und Japan). Völkerkundler aus dem Globalen Süden werden in der weltweiten fachlichen Auseinandersetzung immer gegenwärtiger. Als Gegenkonzept zum Ethnozentrismus wurde die Interkulturalität entwickelt.
Heute wird die Bezeichnung „Völkerkunde“ meist vermieden, weil der Fokus der Forschung weniger auf Völkern liegt (die lange als naturgegebene Gemeinschaften verstanden wurden) denn auf Ethnien als „imaginierten Gemeinschaften“.[13]
Theoriegeschichte
Die Ethnologie arbeitet heute eher theorieerforschend und -schaffend als theorieprüfend: während die meisten anderen Disziplinen Theorien entwickeln und diese dann auf die empirische Realität anwenden, geht die Ethnologie den entgegengesetzten Weg und entwickelt ihre Theorien aus dem empirischen Material heraus. Bedeutende Theorien in der Fachgeschichte: Analytische Ethnologie, Evolutionismus, Diffusionismus, Funktionalismus, Strukturfunktionalismus, Strukturalismus, Neoevolutionismus, Kulturrelativismus, Kulturmaterialismus, Kognitive Ethnologie, Kulturökologie, Interpretative Ethnologie.
Personengeschichte
Wegbereiter
- Michel de Montaigne (1533–1592)
- Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716)
18. Jahrhundert
- Gerhard Friedrich Müller (1705–1783)
- August Ludwig von Schlözer (1735–1809)
- Adam František Kollár (1718–1783)
- Georg Forster (1754–1794)
- Johann Gottfried Herder (1744–1803), Hauptwerk: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit (1784–1791)
19. Jahrhundert
- Johann Jakob Bachofen (1815–1887)
- Lewis Henry Morgan (1818–1881), Hauptwerk: Ancient Society (1877), deutsch Die Urgesellschaft
- Adolf Bastian (1826–1905)
- John Ferguson McLennan (1827–1881), schottischer Ethnologe
- Andrew Lang (1844–1912)
- Edward Burnett Tylor (1832–1917), Hauptwerk: Primitive Culture (1871) und Anthropology (1881)
- Joseph-Anténor Firmin (1850–1911), Hauptwerk: De l’Égalité des Races Humaines (1885)
- James George Frazer (1854–1941), Hauptwerk: The Golden Bough (1890), deutsch Der goldene Zweig
- Frank Hamilton Cushing (1857–1900)
20. Jahrhundert
- Lucien Lévy-Bruhl(1857–1939)
- Franz Boas(1858–1942)
- William Halse Rivers Rivers(1864–1922)
- Frances Densmore(1867–1957)
- Wilhelm Schmidt(1868–1954), Begründer der „Wiener Schule“ der Kulturkreislehre; Begründer der Zeitschrift und des InstitutsAnthropos
- Richard Thurnwald(1869–1954)
- Marcel Mauss(1872–1950), Hauptwerk: Essai sur le don. Forme et raison de l’échange dans les sociétés archaïques (1923–1924), deutsch Die Gabe
- Leo Frobenius(1873–1938)
- Arnold van Gennep(1873–1957), Hauptwerk: Les rites de passage (1909)
- Alfred L. Kroeber(1876–1960)
- Fritz Graebner(1877–1934), Hauptwerk: Methode der Ethnologie (1911)
- Ferdinand Hestermann(1878–1959), Begründer und Herausgeber der Zeitschrift „Folia ethno-glossica“
- Alfred Radcliffe-Brown(1881–1955), Hauptwerk: The Andaman Islanders (1922)
- Robert H. Lowie(1883–1957)
- Edward Sapir(1884–1939)
- Bronisław Malinowski(1884–1942), Hauptwerk: Argonauts of the Western Pacific (1922), deutsch Argonauten des westlichen Pazifiks
- Ruth Benedict(1887–1948)
- Adolf Ellegard Jensen(1899–1965), wesentliches Werk: Die getötete Gottheit. Weltbild einer frühen Kultur (1966)
- Leslie White(1900–1975)
- Margaret Mead(1901–1978)
- Raymond Firth(1901–2002)
- Julian Steward(1902–1972)
- Edward E. Evans-Pritchard(1902–1973)
- Gregory Bateson(1904–1980), Hauptwerk: Steps to an Ecology of Mind (1972)
- Clyde Kluckhohn(1905–1960)
- Meyer Fortes(1906–1983)
- Kunz Dittmer(1907–1969), wesentliches Werk: Allgemeine Völkerkunde: Formen und Entwicklung der Kultur (1954)
- Claude Lévi-Strauss(1908–2009), bekanntestes Werk: Tristes Tropique (1955), deutsch Traurige Tropen
- Edmund Leach(1910–1989)
- Fei Xiaotong(1910–2005), Hauptwerk: Xiangtu Zhongguo 鄉土中國, englisch From the Soil: The Foundations of Chinese Society
- Max Gluckman(1911–1975)
- Louis Dumont(1911–1998)
- Victor Turner(1920–1983), Hauptwerk: The Ritual Process (1969)
- Mary Douglas(1921–2007), Hauptwerk: Purity and Danger (1966)
- Eric Wolf(1923–1999), Hauptwerk: Europe and the People Without History (1982)
- Ernest Gellner(1925–1995), Hauptwerk: Nations and Nationalism (1983)
- Clifford Geertz(1926–2006), Hauptwerk: The Interpretation of Cultures (1973)
- Marvin Harris(1927–2001)
- Pierre Clastres(1934–1977), Hauptwerk: La Société contre l’État (1974), deutsch Staatsfeinde: Studien zur politischen Anthropologie
Zeitgenössische Anthropologie (+)
- Jack Goody (1919–2015)
- Georges Balandier (1920–2016)
- René Girard (1923–2015)
- Fredrik Barth (1928–2016)
- Marshall Sahlins (1930–2021), Hauptwerk: Stone Age Economics (1974)
- Maurice Godelier (* 1934)
- Marc Augé (1935–2023)
- Maurice Bloch (* 1939)
- Michael Taussig (* 1940)
- Paul Rabinow (1944–2021), Hauptwerk: Essays in the Anthropology of Reason (1997), deutsch Anthropologie der Vernunft
- George Marcus (* 1946)
- Arjun Appadurai (* 1949), Hauptwerk: Modernity at Large (1996)
- Philippe Descola (* 1949)
- David Graeber (1961–2020)
- Thomas Hylland Eriksen (* 1962)
(+) Auch wenn viele Institute im deutschsprachigen Raum 'Ethnologie' als Fachbezeichnung gewählt haben, soll die Bezeichnung 'Anthropologie' den gegenwärtig starken Einfluss der englischsprachigen anthropology beziehungsweise der französischsprachigen anthropologie reflektieren. Allerdings zeichnet sich auch im deutschen Sprachraum ein Bedeutungswandel ab, der einer bisher eher physisch-biologisch oder philosophisch verstandenen Anthropologie eine Sozial- und Kulturanthropologie gegenüberstellt.
Gegenwärtige deutschsprachige Ethnologen
- Gerd Spittler (* 1939), Universität Bayreuth
- Fritz W. Kramer (1941–2022), Hochschule für bildende Künste Hamburg
- Michael Oppitz (* 1942), Universität Zürich
- Georg Pfeffer (1943–2020), Freie Universität Berlin
- Mark Münzel (* 1943), Philipps-Universität Marburg
- Hans Peter Duerr (* 1943), Universität Bremen
- Ute Luig (* 1944), Freie Universität Berlin
- Bernhard Streck (* 1945), Universität Leipzig
- Karl-Heinz Kohl (* 1948), Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
- Markus Schindlbeck (* 1949), Staatliche Museen Berlin
- Thomas Bierschenk (* 1951), Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- Günther Schlee (* 1951), Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung
- Andre Gingrich (* 1952), Universität Wien
- Carola Lentz (* 1954), Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- Thomas Hauschild (* 1955), Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
- Christoph Antweiler (* 1956), Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
- Judith Schlehe (* 1956), Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- Christian Rätsch (1957–2022), freiberuflicher Autor und Referent
- Susanne Schröter (* 1957), Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
- Mareile Flitsch (* 1960), Universität Zürich
- Michael Bollig (* 1961), Universität zu Köln
- Dieter Haller (* 1962), Ruhr-Universität Bochum
- Anka Krämer de Huerta (* 1962), Ludwig-Maximilians-Universität München
- Bettina Beer (* 1966), Universität Luzern
- Roland Hardenberg (* 1967), Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
- Matthias Krings (* 1967), Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- Hansjörg Dilger (* 1968), Freie Universität Berlin
Siehe auch
'
- Liste von Ethnologen (A–Z)
- Deutschsprachige Ethnologie-Studiengänge
- Moving Anthropology Student Network (transnationales Netzwerk für Studierende)
- Ethnizität (Einordnung kultureller Identitäten)
- Liste von Museen für Völkerkunde (mit Ethnographischen Museen)
- Interkulturelle Kommunikation (zwischen unterschiedlichen Kulturen)
- Liste von Folklore- und Volkskundegesellschaften
Literatur
- Grundlagen und Einführungen
- Christoph Antweiler: Ethnologie lesen. Ein Führer durch den Bücher-Dschungel (= Arbeitsbücher, Kulturwissenschaft. Band 1). 3., überarbeitete und ergänzte Auflage. Lit, Münster 2004, ISBN 3-8258-5608-9(mit CD-ROM).
- Hugo Bernatzik (Hrsg.): Die große Völkerkunde. Sitten, Gebräuche und Wesen fremder Völker. 3 Bände. Leipzig 1939.
- Kaj Birket-Smith: Geschichte der Kultur. Eine allgemeine Ethnologie. 3. Auflage. Zürich 1956.
- Kunz Dittmer: Allgemeine Völkerkunde. Formen und Entwicklung der Kultur. Vieweg & Sohn, Braunschweig 1954.
- Hans Fischer, Bettina Beer: Ethnologie. Einführung und Überblick. Reimer, Berlin 2012, ISBN 978-3-496-02844-4.
- Hans Peter Hahn: Ethnologie. Eine Einführung. Suhrkamp, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-29685-1 (ergänzende Informationen: ethnologie-einfuehrung.de).
- Dieter Haller: Dtv-Atlas Ethnologie. 2., vollständig durchgesehene und korrigierte Auflage. dtv, München 2010, ISBN 978-3-423-03259-9.
- Frank Heidemann: Ethnologie. Eine Einführung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-8252-3467-6 (Leseprobe in der Google-Buchsuche).
- Karl-Heinz Kohl: Ethnologie, die Wissenschaft vom kulturell Fremden. Eine Einführung. 3., neubearbeitete Auflage. Beck, München 2012, ISBN 978-3-406-46835-3 (Leseprobe in der Google-Buchsuche).
- Friedrich Ratzel: Völkerkunde. 3 Bände, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1901 (Band 1 – Internet Archive, Band 2 – Internet Archive und Band 3 – Internet Archive).
- Herbert Tischner (Hrsg.): Völkerkunde. Frankfurt am Main 1960.
- Nachschlagewerke
- Walter Hirschberg (Hrsg.): Neues Wörterbuch der Völkerkunde, Dietrich Reimer, Berlin 1988, ISBN 3-496-00875-X.
- Geschichte und theoretische Strömungen
- Sibylle Alsayad, Adelheid Seyler (Hrsg.): Ethnologen-Lexikon. Biographien, Werke, Theorien. Weissensee, Berlin 2006, ISBN 3-89998-070-0.
- Thomas Bargatzky: Ethnologie. Eine Einführung in die Wissenschaft von den urproduktiven Gesellschaften. Buske, Hamburg 1997, ISBN 3-87548-039-2 (Leseprobe in der Google-Buchsuche).
- Christian F. Feest, Karl-Heinz Kohl (Hrsg.): Hauptwerke der Ethnologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 380). Kröner, Stuttgart 2001, ISBN 3-520-38001-3.
- Andre Gingrich: Erkundungen. Themen der ethnologischen Forschungen. Boehlau, Wien 1999, ISBN 3-205-98992-9.
- Werner Petermann: Die Geschichte der Ethnologie. Hammer, Wuppertal 2004, ISBN 3-87294-930-6.
- Han F. Vermeulen: Before Boas: the genesis of ethnography and ethnology in the German Enlightenment (= Critical Studies in the History of Anthropology). University of Nebraska Press, Lincoln 2015, ISBN 978-0-8032-5542-5.
- Heinzpeter Znoj: Geschichte der Ethnologie. In: Bettina Beer, Hans Fischer (Hrsg.): Ethnologie – Einführung und Überblick. 7., überarbeitete und erweiterte Auflage. Reimer, Berlin 2012, ISBN 978-3-496-02844-4, S. 35–53.
Weblinks
'
- Literatur von und über Ethnologie im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Deutsche Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie (DGSKA): Offizielle Website. Institut für Ethnologie und Afrikastudien, Universität Mainz.
- Gesellschaft für Ethnographie (GfE): Offizielle Website. Institut für Europäische Ethnologie, Universität Berlin.
- Virtuelle Fachbibliothek Ethnologie (EVIFA): Offizielle Website. Universitätsbibliothek der Universität Berlin.
- Dieter Haller: Interviews with German Anthropologists. In: Video Portal for the History of German Anthropology post 1945. Universität Bochum (englisch; 260 Kurzportraits, plus 15 Ethnologen und Ethnologinnen in deutschsprachigen Videos, englisch untertitelt).
- Lorenz Khazaleh: Ethnologie / Sozialanthropologie Blog. Oslo (deutsch/englisch).
- Forum Ethnologie im Nationalsozialismus (FEiNS): Offizielle Website. Cristian Alvarado, Lateinamerika-Zentrum, Universität Hamburg.
Einzelnachweise
- Ende 2012 waren im Ethnographic Atlas weltweit genau 1300 Ethnien erfasst, von denen oft nur Stichproben ausgewertet wurden, beispielsweise im internationalen HRAF-Projekt.
- Christoph Antweiler: Urbanität und Ethnologie. Aktuelle Theorietrends und die Methodik ethnologischer Stadtforschung. In: Zeitschrift für Ethnologie. Band 129, Heft 2, 2004, S. 285–307.
- Professur für Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie. Europa-Universität Viadrina (EUV), Fakultät für Kulturwissenschaften, Frankfurt (Oder), 2014, abgerufen am 11. Juni 2014: „Das Lehrgebiet »Vergleichende Kultur- und Sozialanthropologie« wird an anderen deutschen Universitäten in der Regel unter dem Namen »Ethnologie« bzw. »Völkerkunde« vertreten. Mit der Änderung des Namens von Ethnologie zu Anthropologie wird an der Europa-Universität Viadrina zum einen betont, dass das Fach sich nicht auf die Untersuchung fremder Kulturen beschränkt, sondern sich in besonderem Maße auch der eigenen Kultur und Gesellschaft zuwendet.“
- Michel Panoff, Michel Perrin: Taschenwörterbuch der Ethnologie. Berlin 1982, S. 93–95.
- Nikolaus Münzel: Kurze Einführung in die Ethnomedizin. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 3, 1985, S. 5–9, hier: S. 5 f. (zitiert)
- Vergleiche Alexander Knorr a.k.a. Zephyrin Xirdal: Volkskunde vs. Völkerkunde? „Kulturwissenschaftliche Technikforschung“ and „Cyberanthropology“. In: xirdalium.net. Eigener Blog, 16. Februar 2006,abgerufen am 11. Juni 2014 (englisch).
- Klaus E. Müller: Das magische Universum der Identität. Elementarformen sozialen Verhaltens. Ein ethnologischer Grundriss. Campus, Frankfurt u. a. 1987, ISBN 3-593-33855-6, S. 386–387.
- Hans-Jürgen Greschat: Naturreligionen, erschienen in: Horst Balz et al. (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie, Band 24: „Napoleonische Epoche – Obrigkeit“. Walter de Gruyter, Berlin / New York 1994, ISBN 978-3-11-019098-4, S. 185–188.
- David Gibbons: Atlas des Glaubens. Die Religionen der Welt. Übersetzung aus dem Englischen, Frederking & Thaler, München 2008, ISBN 978-3-89405-719-0, S. 92.
- Philip Franz Fridolin Gondecki: Wir verteidigen unseren Wald. Philosophische Doktorarbeit Universität Bonn 2015, S. 144.
- Han F. Vermeulen: Before Boas: The Genesis of Ethnography and Ethnology in the German Enlightenment. University of Nebraska Press, Lincoln/ London 2015, ISBN 978-0-8032-5542-5.
- Jürgen Jensen: Die Geschichte der Ethnologie – eine Serie von Lehrmeinungen einiger weniger Fachvertreter? Hamburg 2008; Literaturbericht zu Rössler Die deutschsprachige Ethnologie bis ca. 1960. Ein historischer Abriss 2007; ethno-im-ns.uni-hamburg.de (PDF; 57 kB; 7 Seiten).
- Heike Drotbohm: Ethnologie. In: Helmut Reinalter, Peter J. Brenner (Hrsg.): Lexikon der Geisteswissenschaften: Sachbegriffe – Disziplinen – Personen. Böhlau, Wien u. a. 2011, ISBN 978-3-205-78540-8, S. 919–929, hier S. 921.