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„Grammatiksatz“ – Versionsunterschied

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[[Grammatik]]{{–}}[[Satz]] {{agrie.-lat.-dt.}} 'grammatikalischer Satz', 'Satz gemäß oder in der Grammatik'
[[Grammatik]]{{–}}[[Satz]] {{agrie.-lat.-dt.}} 'grammatikalischer Satz', '[[Wortsatz]] gemäß einer [[Grammatiklehre]]'


Ein '''Satz''' ist eine aus einem [[Wort]] oder mehreren [[Wörter|Wörtern]] bestehende in sich geschlossene [[Spracheinheit|sprachliche Einheit]]. Definitionen des Satzbegriffs sind in verschiedenen Perspektiven gegeben worden, die sich miteinander nicht decken. Vor allem kann der Begriff ''Satz'' [[grammatikalisch]] [[definiert]] werden, als größte Einheit, die durch die Regeln der [[Syntax]] erzeugt werden kann. Manche Auffassungen sehen den Satz auch [[kommunikativ]] als die kleinste [[Verständigungseinheit]], mit der eine [[Sprechhandlung]] (ein [[Sprechakt]]) vollzogen wird, nach anderen Auffassungen wird hierzu der Begriff der [[Äußerung#Äußerung im Sinne der Linguistik|Äußerung]] genutzt.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-1 [1]]</sup>
Ein '''Satz''' ist eine aus einem [[Wort]] oder mehreren [[Wörter|Wörtern]] bestehende in sich geschlossene [[Spracheinheit|sprachliche Einheit]]. Definitionen des Satzbegriffs sind in verschiedenen Perspektiven gegeben worden, die sich miteinander nicht decken. Vor allem kann der Begriff ''Satz'' [[grammatikalisch]] [[definiert]] werden, als größte Einheit, die durch die Regeln der [[Syntax]] erzeugt werden kann. Manche Auffassungen sehen den Satz auch [[kommunikativ]] als die kleinste [[Verständigungseinheit]], mit der eine [[Sprechhandlung]] (ein [[Sprechakt]]) vollzogen wird, nach anderen Auffassungen wird hierzu der Begriff der [[Äußerung#Äußerung im Sinne der Linguistik|Äußerung]] genutzt.<ref><span class="reference-text">Tugendhat, Wolf: ''Logisch-semantische Propädeutik''. 1983, S. 22</span></ref>
== <span id="Begriff">Begriff</span> ==
== <span id="Begriff">Begriff</span> ==
<p>Es existieren vielfältige Ansätze, den Satzbegriff zu bestimmen, Sammlungen kommen auf annähernd 200 [https://de.wikipedia.org/wiki/Definition Definitionen] von ''Satz''.<sup id="cite_ref-kessel-1_2-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-kessel-1-2 [2]]</sup> Jede linguistische Schule entwickelt ihren eigenen Satzbegriff.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-3 [3]]</sup> Die unterschiedlichen logischen, philosophischen, kommunikationswissenschaftlichen und psychologischen Perspektiven werden als „kaum miteinander in Einklang“<sup id="cite_ref-pelz147_4-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-pelz147-4 [4]]</sup> zu bringen angesehen. Entsprechend wird angenommen, „dass hinter der Bezeichnung Satz nicht ein einzelner Begriff, sondern eine ganze Familie sich überschneidender Begriffe steht.“<sup id="cite_ref-5" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-5 [5]]</sup></p>
<p>Es existieren vielfältige Ansätze, den Satzbegriff zu bestimmen, Sammlungen kommen auf annähernd 200 [https://de.wikipedia.org/wiki/Definition Definitionen] von ''Satz''.<ref><span class="reference-text">Kessel, Reimann: ''Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache'', Fink, Tübingen 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825227049 ISBN 3-8252-2704-9], S. 1.</span></ref> Jede linguistische Schule entwickelt ihren eigenen Satzbegriff.<ref><span class="reference-text">So Gadler: ''Praktische Linguistik'', 3. Aufl. (1998), S. 107.</span></ref> Die unterschiedlichen logischen, philosophischen, kommunikationswissenschaftlichen und psychologischen Perspektiven werden als „kaum miteinander in Einklang“<ref name=":0"><span class="reference-text">Pelz: ''Linguistik'' (1996), zu 8.1, S.&nbsp;147.</span></ref> zu bringen angesehen. Entsprechend wird angenommen, „dass hinter der Bezeichnung Satz nicht ein einzelner Begriff, sondern eine ganze Familie sich überschneidender Begriffe steht.“<ref><span class="reference-text">Duden: ''Die Grammatik'', 7. Aufl. (2005), [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3411040475 ISBN 3-411-04047-5], Rn. 1163.</span></ref></p>
=== <span id="Definitionsbefund">Definitionsbefund</span> ===
=== <span id="Definitionsbefund">Definitionsbefund</span> ===
<p>Hier können nur einige verbreitete Definitionen des Satzes wiedergegeben werden:</p>
<p>Hier können nur einige verbreitete Definitionen des Satzes wiedergegeben werden:</p>
==== <span id="Schulduden">Schulduden</span> ====
==== <span id="Schulduden">Schulduden</span> ====
<p>Eine Schulduden-Definition<sup id="cite_ref-6" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-6 [6]]</sup> des Satzes ist: „Der Satz ist eine geschlossene sprachliche Einheit, die sich aus kleineren Einheiten (Wörtern und Wortgruppen) zusammensetzt.“</p><p>Da es auch Sätze aus einem Wort gibt (Beispiel: „Geh!“), kann mit einer solchen Definition der Satz nicht in allen Fällen vom Wort unterschieden werden. Es muss auch definiert werden, was mit dem Begriff „geschlossene sprachliche Einheit“ gemeint ist. Je nach Definition könnte auch eine zusammenhängende Wortgruppe ([https://de.wikipedia.org/wiki/Konstituente Konstituente]) unter so eine Bezeichnung fallen. So ist in der obigen Definition die Wortfolge „in sich geschlossene sprachliche Einheit“ auch in gewissem Sinn eine in sich geschlossene sprachliche Einheit. Es soll also eine besondere Art von Abgeschlossenheit geben, die den Satz auszeichnet.</p>
<p>Eine Schulduden-Definition<ref><span class="reference-text">Langemann, Felgentreu (Hrsg.): Duden: ''Basiswissen Schule: Deutsch'', 2. Aufl. (2006), [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3411715928 ISBN 3-411-71592-8], S.&nbsp;130.</span></ref> des Satzes ist: „Der Satz ist eine geschlossene sprachliche Einheit, die sich aus kleineren Einheiten (Wörtern und Wortgruppen) zusammensetzt.“</p><p>Da es auch Sätze aus einem Wort gibt (Beispiel: „Geh!“), kann mit einer solchen Definition der Satz nicht in allen Fällen vom Wort unterschieden werden. Es muss auch definiert werden, was mit dem Begriff „geschlossene sprachliche Einheit“ gemeint ist. Je nach Definition könnte auch eine zusammenhängende Wortgruppe ([https://de.wikipedia.org/wiki/Konstituente Konstituente]) unter so eine Bezeichnung fallen. So ist in der obigen Definition die Wortfolge „in sich geschlossene sprachliche Einheit“ auch in gewissem Sinn eine in sich geschlossene sprachliche Einheit. Es soll also eine besondere Art von Abgeschlossenheit geben, die den Satz auszeichnet.</p>
==== <span id="Duden-Grammatik">Duden-Grammatik</span> ====
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<p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Duden Duden]-Grammatik<sup id="cite_ref-duden2005-1164_7-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-duden2005-1164-7 [7]]</sup> bietet mehrere Satzdefinitionen an. Die erste ähnelt der oben angeführten Schulduden-Definition:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Ein Satz ist eine abgeschlossene Einheit, die nach den Regeln der [https://de.wikipedia.org/wiki/Syntax Syntax] gebildet worden ist.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <cite>Variante I, Duden: ''Die Grammatik''</cite><sup id="cite_ref-duden2005-1164_7-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-duden2005-1164-7 [7]]</sup></div></div><p>Ein Problem hierbei ist, dass wohl auch syntaktisch falsche Strukturen als Sätze bezeichnet werden können (Beispiel: „Ich habe fertig!“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Trapattoni Trapattoni])). Auch gibt es nicht regelgerecht gebildete Sätze, die akzeptiert werden (Akzeptabilität trotz fehlender (schulmäßiger) Grammatikalität). So bei bewussten Verstößen gegen Selektionsbeschränkungen (Beispiel: „Wir sind Papst“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Bild-Zeitung Bild-Zeitung])).</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Ein Satz ist die größte Einheit, die man mit den [https://de.wikipedia.org/wiki/Produktionsregel Regeln] der Syntax erzeugen kann.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <cite>Variante II, Duden: ''Die Grammatik''</cite><sup id="cite_ref-duden2005-1164_7-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-duden2005-1164-7 [7]]</sup></div></div><p>Diese Definition lehnt sich an die Satzdefinition von [https://de.wikipedia.org/wiki/Leonard_Bloomfield Bloomfield] an, der den Satz „als größte selbständige syntaktische Form, die durch keinerlei grammatische Konstruktionen ihrerseits in eine größere syntaktische Form eingebettet ist“,<sup id="cite_ref-bußmann2002_8-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-bu%C3%9Fmann2002-8 [8]]</sup><sup id="cite_ref-pelz148_9-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-pelz148-9 [9]]</sup> definierte und dessen Satzdefinition als die des amerikanischen Strukturalismus gilt.<sup id="cite_ref-bußmann2002_8-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-bu%C3%9Fmann2002-8 [8]]</sup> Dieser Wortlaut wiederum hebt nur auf „Wurzelsätze“ ab und lässt offen, wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Nebensatz Nebensätze] einzustufen sind.<sup id="cite_ref-pelz148_9-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-pelz148-9 [9]]</sup></p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Ein Satz ist eine Einheit, die aus einem finiten Verb und allen vom Verb verlangten [https://de.wikipedia.org/wiki/Satzglied Satzgliedern] besteht.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <cite>Variante III, Duden: ''Die Grammatik''</cite><sup id="cite_ref-duden2005-1164_7-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-duden2005-1164-7 [7]]</sup><sup id="cite_ref-10" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-10 [10]]</sup></div></div><p>Diese Definition hebt darauf ab, dass die Wörter ''wir'' und die Wortgruppe ''zogen nach dem Süden'' für sich genommen noch kein Satz sind, erst die Wortfolge ''Wir zogen nach dem Süden'' ist ein Satz. In dieser Definition ist nicht berücksichtigt, wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Ellipse_(Linguistik) Ellipsen] einzustufen sind. Ebenso werden [https://de.wikipedia.org/wiki/Nebensatz#Infinitivs%C3%A4tze infinite Nebensätze] nicht berücksichtigt.</p>
<p>Die [https://de.wikipedia.org/wiki/Duden Duden]-Grammatik<ref name=":1"><span class="reference-text">Duden: ''Die Grammatik'', 7. Aufl. (2005), [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3411040475 ISBN 3-411-04047-5], Rn. 1164.</span></ref> bietet mehrere Satzdefinitionen an. Die erste ähnelt der oben angeführten Schulduden-Definition:</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Ein Satz ist eine abgeschlossene Einheit, die nach den Regeln der [https://de.wikipedia.org/wiki/Syntax Syntax] gebildet worden ist.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <cite>Variante I, Duden: ''Die Grammatik''</cite><ref name=":1" /></div></div><p>Ein Problem hierbei ist, dass wohl auch syntaktisch falsche Strukturen als Sätze bezeichnet werden können (Beispiel: „Ich habe fertig!“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Giovanni_Trapattoni Trapattoni])). Auch gibt es nicht regelgerecht gebildete Sätze, die akzeptiert werden (Akzeptabilität trotz fehlender (schulmäßiger) Grammatikalität). So bei bewussten Verstößen gegen Selektionsbeschränkungen (Beispiel: „Wir sind Papst“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Bild-Zeitung Bild-Zeitung])).</p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Ein Satz ist die größte Einheit, die man mit den [https://de.wikipedia.org/wiki/Produktionsregel Regeln] der Syntax erzeugen kann.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <cite>Variante II, Duden: ''Die Grammatik''</cite><ref name=":1" /></div></div><p>Diese Definition lehnt sich an die Satzdefinition von [https://de.wikipedia.org/wiki/Leonard_Bloomfield Bloomfield] an, der den Satz „als größte selbständige syntaktische Form, die durch keinerlei grammatische Konstruktionen ihrerseits in eine größere syntaktische Form eingebettet ist“,<ref name=":2"><span class="reference-text">So referierend [https://de.wikipedia.org/wiki/Hadumod_Bu%C3%9Fmann Hadumod Bußmann] (Hrsg.): ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3520452030 ISBN 3-520-45203-0] („Satz“).</span></ref><ref name=":3"><span class="reference-text">Pelz: ''Linguistik'' (1996), zu 8.1, S. 148.</span></ref> definierte und dessen Satzdefinition als die des amerikanischen Strukturalismus gilt.<ref name=":2" /> Dieser Wortlaut wiederum hebt nur auf „Wurzelsätze“ ab und lässt offen, wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Nebensatz Nebensätze] einzustufen sind.<ref name=":3" /></p><div class="Vorlage_Zitat"><div><blockquote><p>„Ein Satz ist eine Einheit, die aus einem finiten Verb und allen vom Verb verlangten [https://de.wikipedia.org/wiki/Satzglied Satzgliedern] besteht.“</p></blockquote></div><div class="cite">– <cite>Variante III, Duden: ''Die Grammatik''</cite><ref name=":1" /><ref><span class="reference-text">ähnlich wie der Duden Kessel, Reimann: ''Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache''. Fink, Tübingen 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825227049 ISBN 3-8252-2704-9], S.&nbsp;1: „Ein Satz ist eine sprachliche Konstruktion aus verschiedenen Satzgliedern, in deren Zentrum ein Prädikat steht.“</span></ref></div></div><p>Diese Definition hebt darauf ab, dass die Wörter ''wir'' und die Wortgruppe ''zogen nach dem Süden'' für sich genommen noch kein Satz sind, erst die Wortfolge ''Wir zogen nach dem Süden'' ist ein Satz. In dieser Definition ist nicht berücksichtigt, wie [https://de.wikipedia.org/wiki/Ellipse_(Linguistik) Ellipsen] einzustufen sind. Ebenso werden [https://de.wikipedia.org/wiki/Nebensatz#Infinitivs%C3%A4tze infinite Nebensätze] nicht berücksichtigt.</p>
==== <span id="Satz_als_Subjekt-_und_Prädikateinheit">Satz als Subjekt- und Prädikateinheit</span> ====
==== <span id="Satz_als_Subjekt-_und_Prädikateinheit">Satz als Subjekt- und Prädikateinheit</span> ====
<p>Der Satz wird auch definiert als sprachliche Einheit, die aus Subjekt und Prädikat besteht.<sup id="cite_ref-11" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-11 [11]]</sup> Dies soll auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] zurückgehen.<sup id="cite_ref-pelz147_4-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-pelz147-4 [4]]</sup></p><p>Entsprechend definiert die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Traditionelle_Grammatik&action=edit&redlink=1 traditionelle Grammatik] den Satz als bestehend aus: Satzaussage ([https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikat_(Grammatik) Prädikat]), Satzergänzung ([https://de.wikipedia.org/wiki/Objekt_(Grammatik) Objekt]) und Satzgegenstand ([https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Grammatik) Subjekt]). Unter dem Einfluss des nicht-aristotelischen Prädikatsbegriffs der modernen Logik kann auch formuliert werden, dass Satz im Sinne einer Aussage aus der Benennung eines Objekts (Subjekt) und die Verbindung des benannten Objekts mit einer Eigenschaft im weiteren Sinne (Prädikat) bestehe.<sup id="cite_ref-12" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-12 [12]]</sup></p><p>Damit wird jedoch nicht der grammatische Satz im Allgemeinen, sondern nur der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deklarativsatz Deklarativsatz] in der Perspektive der traditionellen oder modernen Logik beschrieben. Satz ''im engeren Sinn'' ist für die Logik eine „sprachliche Form“, deren Eigentümlichkeit es ist, wahr oder falsch zu sein.<sup id="cite_ref-13" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-13 [13]]</sup> Werden in der modernen Philosophie und Logik auch Satz und Deklarativsatz häufig in gleichem Sinne ([https://de.wikipedia.org/wiki/Synonymie synonym]) verwendet,<sup id="cite_ref-14" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-14 [14]]</sup>so werden durch eine solche definitorische Engführung Fragesätze, Befehlssätze und Wunschsätze etc. nicht erfasst.</p>
<p>Der Satz wird auch definiert als sprachliche Einheit, die aus Subjekt und Prädikat besteht.<ref><span class="reference-text">Nach Michael Dürr, Peter Schlobinski: ''Deskriptive Linguistik'' (2006), S. 271 neben der Verbalsatz-Definition die zweite Hauptdefinition.</span></ref> Dies soll auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles Aristoteles] zurückgehen.<ref name=":0" /></p><p>Entsprechend definiert die [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Traditionelle_Grammatik&action=edit&redlink=1 traditionelle Grammatik] den Satz als bestehend aus: Satzaussage ([https://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4dikat_(Grammatik) Prädikat]), Satzergänzung ([https://de.wikipedia.org/wiki/Objekt_(Grammatik) Objekt]) und Satzgegenstand ([https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Grammatik) Subjekt]). Unter dem Einfluss des nicht-aristotelischen Prädikatsbegriffs der modernen Logik kann auch formuliert werden, dass Satz im Sinne einer Aussage aus der Benennung eines Objekts (Subjekt) und die Verbindung des benannten Objekts mit einer Eigenschaft im weiteren Sinne (Prädikat) bestehe.<ref><span class="reference-text">So Volmert: ''Sprache und Sprechen''. In: Volmert (Hrsg.): ''Grundkurs Sprachwissenschaft'', 5. Aufl., 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825218791 ISBN 3-8252-1879-1], S. 25.</span></ref></p><p>Damit wird jedoch nicht der grammatische Satz im Allgemeinen, sondern nur der [https://de.wikipedia.org/wiki/Deklarativsatz Deklarativsatz] in der Perspektive der traditionellen oder modernen Logik beschrieben. Satz ''im engeren Sinn'' ist für die Logik eine „sprachliche Form“, deren Eigentümlichkeit es ist, wahr oder falsch zu sein.<ref><span class="reference-text">Quine: ''Grundzüge der Logik'', 8. Aufl. (1993), S. 25.</span></ref> Werden in der modernen Philosophie und Logik auch Satz und Deklarativsatz häufig in gleichem Sinne ([https://de.wikipedia.org/wiki/Synonymie synonym]) verwendet,<ref><span class="reference-text">Detel: ''Grundkurs Philosophie I: Logik'' (2007), S. 22.</span></ref>so werden durch eine solche definitorische Engführung Fragesätze, Befehlssätze und Wunschsätze etc. nicht erfasst.</p>
==== <span id="Satz_als_Rede-_oder_Textelement">Satz als Rede- oder Textelement</span> ====
==== <span id="Satz_als_Rede-_oder_Textelement">Satz als Rede- oder Textelement</span> ====
<p>Der Satz wird auch definiert als Grundeinheit, aus der eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Rede Rede] oder ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Text Text] besteht.<sup id="cite_ref-15" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-15 [15]]</sup></p><p>Damit wird aber die Schwierigkeit, den Satz zu definieren, mit der Schwierigkeit, die Rede oder den Text zu definieren, eingetauscht. Zudem gibt es das Phänomen 1-Wort = 1-Satz = 1-Text (Beispiel: „Hilfe!“).</p>
<p>Der Satz wird auch definiert als Grundeinheit, aus der eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Rede Rede] oder ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Text Text] besteht.<ref><span class="reference-text">Duden: ''Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht'' (2007), S. 183; Pospiech: ''Syntax''. In: Volmert (Hrsg.): ''Grundkurs Sprachwissenschaft'', 5. Aufl., 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825218791 ISBN 3-8252-1879-1], S. 1&nbsp;15.</span></ref></p><p>Damit wird aber die Schwierigkeit, den Satz zu definieren, mit der Schwierigkeit, die Rede oder den Text zu definieren, eingetauscht. Zudem gibt es das Phänomen 1-Wort = 1-Satz = 1-Text (Beispiel: „Hilfe!“).</p>
==== <span id="Satz_als_kommunikative_Einheit">Satz als kommunikative Einheit</span> ====
==== <span id="Satz_als_kommunikative_Einheit">Satz als kommunikative Einheit</span> ====
<p>Der Satz erscheint so nur pragmatisch kommunikativ definierbar. So definierte schon [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_B%C3%BChler Bühler] Sätze als „die einfachen selbständigen, in sich abgeschlossenen Leistungseinheiten oder kurz die Sinneinheiten der Rede.“<sup id="cite_ref-16" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-16 [16]]</sup> Ähnlich kann Satz auch definiert werden als „jede selbständige, abgeschlossene sprachliche Äußerung, die in einem kommunikativen Handlungszusammenhang geäußert wird (und prinzipiell verstanden werden kann)“<sup id="cite_ref-17" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-17 [17]]</sup> oder als kleinste kommunikative Verständigungseinheit, durch die ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprechakt Sprechakt] vollzogen wird.<sup id="cite_ref-18" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-18 [18]]</sup></p>
<p>Der Satz erscheint so nur pragmatisch kommunikativ definierbar. So definierte schon [https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_B%C3%BChler Bühler] Sätze als „die einfachen selbständigen, in sich abgeschlossenen Leistungseinheiten oder kurz die Sinneinheiten der Rede.“<ref><span class="reference-text">So nach Michael Dürr, Peter Schlobinski: ''Deskriptive Linguistik'' (2006), S. 2&nbsp;71.</span></ref> Ähnlich kann Satz auch definiert werden als „jede selbständige, abgeschlossene sprachliche Äußerung, die in einem kommunikativen Handlungszusammenhang geäußert wird (und prinzipiell verstanden werden kann)“<ref><span class="reference-text">Homberger: ''Sachwörterbuch zur Sprachwissenschaft'' (2000): „Satz“; ähnlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Kuno_Lorenz Kuno Lorenz]: ''Satz'', in: [https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Mittelstra%C3%9F Jürgen Mittelstraß](Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie.'' 2. Auflage. Band 7. Stuttgart, Metzler 2018, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783476021069 ISBN 978-3-476-02106-9], S. 222: „ein im kommunikativen Aspekt vollständiger sprachlicher Ausdruck im Unterschied zum Wort als einem im signifikativen Aspekt vollständigen sprachlichen Ausdruck“.</span></ref> oder als kleinste kommunikative Verständigungseinheit, durch die ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprechakt Sprechakt] vollzogen wird.<ref><span class="reference-text">So (referierend und zweifelnd) Tugendhat, Wolf: ''Logisch-semantische Propädeutik'' (1983), S.&nbsp;22.</span></ref></p>
== <span id="Satz_als_Bestandteil_der_parole_oder_langue">Satz als Bestandteil der parole oder langue</span> ==
== <span id="Satz_als_Bestandteil_der_parole_oder_langue">Satz als Bestandteil der parole oder langue</span> ==
<p>Herrschend wird der Satz der Ebene der [https://de.wikipedia.org/wiki/Parole_(Linguistik) parole] (de Saussure) zugeordnet oder als „Sinneinheit der Rede“ (Bühler) (s.&nbsp;o.) bezeichnet. Es soll nicht sinnvoll sein, „auch auf der Ebene der langue … nach einer zeichenhaften Einheit ‚Satz‘ zu suchen, die – wie Wort und Morphem – aus einer festen Ausdrucks- und Inhaltsseite besteht“<sup id="cite_ref-19" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-19 [19]]</sup>. Gleichwohl werden in der Grammatik (vor allem?) „auch die lautlichen oder schriftlichen Träger eines Satzes … syntaktisch … also sekundär auf Ebene der langue, untersucht“.<sup id="cite_ref-20" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-20 [20]]</sup></p>
<p>Herrschend wird der Satz der Ebene der [https://de.wikipedia.org/wiki/Parole_(Linguistik) parole] (de Saussure) zugeordnet oder als „Sinneinheit der Rede“ (Bühler) (s.&nbsp;o.) bezeichnet. Es soll nicht sinnvoll sein, „auch auf der Ebene der langue … nach einer zeichenhaften Einheit ‚Satz‘ zu suchen, die – wie Wort und Morphem – aus einer festen Ausdrucks- und Inhaltsseite besteht“<ref><span class="reference-text">Volmert, Sprache und Sprechen, in: Volmert (Hrsg.), Grundkurs Sprachwissenschaft, 5. Aufl. (2005), [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825218791 ISBN 3-8252-1879-1], S. 25</span></ref>. Gleichwohl werden in der Grammatik (vor allem?) „auch die lautlichen oder schriftlichen Träger eines Satzes … syntaktisch … also sekundär auf Ebene der langue, untersucht“.<ref><span class="reference-text">Kuno Lorenz: ''Satz'', in: Jürgen Mittelstraß (Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie.'' 2. Auflage. Band 7. Stuttgart, Metzler 2018, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783476021069 ISBN 978-3-476-02106-9], S. 222</span></ref> <span id="Satzklassifikation">Satzklassifikation</span></p>
== <span id="Satzklassifikation">Satzklassifikation</span> ==
<p>Sätze können nach unterschiedlichen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Unter anderem:</p>
<p>Sätze können nach unterschiedlichen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Unter anderem:</p>
*kommunikativ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Satzart Satzarten]) in (insbesondere): [https://de.wikipedia.org/wiki/Deklarativsatz Deklarativsatz], [https://de.wikipedia.org/wiki/Fragesatz Fragesatz] und Aufforderungssatz;
*kommunikativ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Satzart Satzarten]) in (insbesondere): [https://de.wikipedia.org/wiki/Deklarativsatz Deklarativsatz], [https://de.wikipedia.org/wiki/Fragesatz Fragesatz] und Aufforderungssatz;
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<p>Eine traditionelle Unterscheidung ist die zwischen einfachem Satz und zusammengesetztem Satz.</p>
<p>Eine traditionelle Unterscheidung ist die zwischen einfachem Satz und zusammengesetztem Satz.</p>
==== <span id="Einfacher_Satz">Einfacher Satz</span> ====
==== <span id="Einfacher_Satz">Einfacher Satz</span> ====
<p>Der ''einfache Satz'' (auch: Einzelsatz)<sup id="cite_ref-21" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-21 [21]]</sup> ist ein Satz, der nur ein konjugiertes Verb enthält.<sup id="cite_ref-22" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-22 [22]]</sup></p><p>Der einfache Satz kann<sup id="cite_ref-23" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-23 [23]]</sup> darüber hinaus noch weitere [https://de.wikipedia.org/wiki/Satzglied Satzglieder] enthalten, entweder als notwendige [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplement_(Syntax) Ergänzung] (zum Beispiel Subjekt) oder als Angabe (zum Beispiel Attribute oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Adverbiale_Bestimmung adverbiale Bestimmungen])<sup id="cite_ref-Pospiech-119_24-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-Pospiech-119-24 [24]]</sup></p>
<p>Der ''einfache Satz'' (auch: Einzelsatz)<ref><span class="reference-text">Duden: ''Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht'' (2007), S. 184</span></ref> ist ein Satz, der nur ein konjugiertes Verb enthält.<ref><span class="reference-text">Kürschner: ''Grammatisches Kompendium''. 4. Aufl. 2003. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825215261 ISBN 3-8252-1526-1], S. 2&nbsp;06 („ein einziges Prädikatverb“).</span></ref></p><p>Der einfache Satz kann<ref><span class="reference-text">Nach Gadler: ''Praktische Linguistik''. 3. Aufl. (1998), S. 1&nbsp;09, ''muss'' ein einfacher Satz mindestens ein Subjekt und ein Prädikat enthalten, siehe aber unten zu Kurzformen.</span></ref> darüber hinaus noch weitere [https://de.wikipedia.org/wiki/Satzglied Satzglieder] enthalten, entweder als notwendige [https://de.wikipedia.org/wiki/Komplement_(Syntax) Ergänzung] (zum Beispiel Subjekt) oder als Angabe (zum Beispiel Attribute oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Adverbiale_Bestimmung adverbiale Bestimmungen])<sup id="cite_ref-Pospiech-119_24-0" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-Pospiech-119-24 [24]]</sup></p>
*Beispiel: „Der Wolf heulte in der Nacht den Mond an.“
*Beispiel: „Der Wolf heulte in der Nacht den Mond an.“
<p>Zu den einfachen Sätzen zählen auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Ellipse_(Linguistik) elliptische] Sätze und Kurzformen.<sup id="cite_ref-25" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-25 [25]]</sup></p>
<p>Zu den einfachen Sätzen zählen auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Ellipse_(Linguistik) elliptische] Sätze und Kurzformen.<ref><span class="reference-text">Gadler: ''Praktische Linguistik'', 3. Aufl. (1998), S. 109.</span></ref></p>
*Beispiel: „Komm!“
*Beispiel: „Komm!“


==== <span id="Zusammengesetzter_(komplexer)_Satz">Zusammengesetzter (komplexer) Satz</span> ====
==== <span id="Zusammengesetzter_(komplexer)_Satz">Zusammengesetzter (komplexer) Satz</span> ====
<p>Ein ''zusammengesetzter Satz'' (auch: komplexer Satz) ist ein Satz, in dem mehr als ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Finites_Verb finites Verb] vorkommt<sup id="cite_ref-26" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-26 [26]]</sup> oder – mit anderen Worten – der aus einfachen Sätzen (Teilsätzen) zusammengesetzt<sup id="cite_ref-Pospiech-119_24-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-Pospiech-119-24 [24]]</sup> ist.</p><p>Sind die Teilsätze eines zusammengesetzten Satzes gleichgeordnet, so nennt man sie ''Hauptsätze'' und bezeichnet den Satz insgesamt auch als [https://de.wikipedia.org/wiki/Satzreihe Satzreihe] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Parataxe Parataxe].</p><p>Im Fall der Über- und Unterordnung bezeichnet man den komplexen Satz auch als [https://de.wikipedia.org/wiki/Satzgef%C3%BCge Satzgefüge] (auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Hypotaxe Hypotaxe]) und unterscheidet zwischen den ''Hauptsätzen'' (HS) und ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Nebensatz Nebensätzen]'' (NS). Der Nebensatz ist der einem anderen inhaltlich untergeordnete Teilsatz – der etwa den [https://de.wikipedia.org/wiki/Proposition_(Linguistik) Aussageinhalt] eines anderen Teilsatzes näher bestimmt. Der Teilsatz, der keinen anderen Teilsatz näher beschreibt, ist ein Hauptsatz.</p><p>Von einem Nebensatz kann ein weiterer Nebensatz abhängen.</p>
<p>Ein ''zusammengesetzter Satz'' (auch: komplexer Satz) ist ein Satz, in dem mehr als ein [https://de.wikipedia.org/wiki/Finites_Verb finites Verb] vorkommt<ref><span class="reference-text">Vgl. Kürschner: ''Grammatisches Kompendium''. 4. Aufl. 2003. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825215261 ISBN 3-8252-1526-1], S. 206 (mehr als ein Prädikatverb enthaltend).</span></ref> oder – mit anderen Worten – der aus einfachen Sätzen (Teilsätzen) zusammengesetzt<ref><span class="reference-text">Pospiech: ''Syntax''. In: Volmert (Hrsg.): ''Grundkurs Sprachwissenschaft''. 5. Aufl., 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825218791 ISBN 3-8252-1879-1], S. 1&nbsp;19.</span></ref> ist.</p><p>Sind die Teilsätze eines zusammengesetzten Satzes gleichgeordnet, so nennt man sie ''Hauptsätze'' und bezeichnet den Satz insgesamt auch als [https://de.wikipedia.org/wiki/Satzreihe Satzreihe] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Parataxe Parataxe].</p><p>Im Fall der Über- und Unterordnung bezeichnet man den komplexen Satz auch als [https://de.wikipedia.org/wiki/Satzgef%C3%BCge Satzgefüge] (auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Hypotaxe Hypotaxe]) und unterscheidet zwischen den ''Hauptsätzen'' (HS) und ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Nebensatz Nebensätzen]'' (NS). Der Nebensatz ist der einem anderen inhaltlich untergeordnete Teilsatz – der etwa den [https://de.wikipedia.org/wiki/Proposition_(Linguistik) Aussageinhalt] eines anderen Teilsatzes näher bestimmt. Der Teilsatz, der keinen anderen Teilsatz näher beschreibt, ist ein Hauptsatz.</p><p>Von einem Nebensatz kann ein weiterer Nebensatz abhängen.</p>
*Beispiel: „Ich ging spazieren (HS), da die Sonne scheinen sollte (NS&nbsp;1), die jedoch ausblieb (NS&nbsp;2).“
*Beispiel: „Ich ging spazieren (HS), da die Sonne scheinen sollte (NS&nbsp;1), die jedoch ausblieb (NS&nbsp;2).“
<p>Einen komplexen Satz mit Satzreihen und Satzgefügen nennt man auch ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Satzperiode Satzperiode]''.<sup id="cite_ref-27" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-27 [27]]</sup></p><p>Sätze können mit einer Konjunktion ([https://de.wikipedia.org/wiki/Syndetisch syndetisch]) oder mit mehreren Konjunktionen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Polysyndetisch polysyndetisch]) oder ohne Konjunktionen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Asyndetisch asyndetisch]) miteinander verbunden werden.</p><p>Beispiel:</p>
<p>Einen komplexen Satz mit Satzreihen und Satzgefügen nennt man auch ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Satzperiode Satzperiode]''.<ref><span class="reference-text">Kessel, Reimann: ''Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache''. Fink, Tübingen 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825227049 ISBN 3-8252-2704-9], S.&nbsp;8.</span></ref></p><p>Sätze können mit einer Konjunktion ([https://de.wikipedia.org/wiki/Syndetisch syndetisch]) oder mit mehreren Konjunktionen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Polysyndetisch polysyndetisch]) oder ohne Konjunktionen ([https://de.wikipedia.org/wiki/Asyndetisch asyndetisch]) miteinander verbunden werden.</p><p>Beispiel:</p>
*Syndetisch: „Ich kam, ich sah und ich siegte.“
*Syndetisch: „Ich kam, ich sah und ich siegte.“
*Polysyndetisch: „Ich kam und ich sah und ich siegte.“
*Polysyndetisch: „Ich kam und ich sah und ich siegte.“
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*[https://de.wikipedia.org/wiki/Anakoluth Anakoluth] (= Satzbruch), in der gesprochenen Sprache als Reparaturphänomen, oder aber als rhetorischer Effekt. Beispiel: der angefangene Nebensatz in „Wie wenn da einer, und er hielte ein frühgereiftes Kind das schielte hoch in den Himmel.“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Gernhardt Robert Gernhardt])
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Anakoluth Anakoluth] (= Satzbruch), in der gesprochenen Sprache als Reparaturphänomen, oder aber als rhetorischer Effekt. Beispiel: der angefangene Nebensatz in „Wie wenn da einer, und er hielte ein frühgereiftes Kind das schielte hoch in den Himmel.“ ([https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Gernhardt Robert Gernhardt])
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ellipse_(Linguistik) Ellipse], z.&nbsp;B. der zweite Satz in: „Die siegreiche Sache gefiel den Göttern. Aber die unterlegene dem Cato.“ (Vollständige Struktur: „Die unterlegene [Sache] [gefiel] dem Cato.“)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Ellipse_(Linguistik) Ellipse], z.&nbsp;B. der zweite Satz in: „Die siegreiche Sache gefiel den Göttern. Aber die unterlegene dem Cato.“ (Vollständige Struktur: „Die unterlegene [Sache] [gefiel] dem Cato.“)
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Nominalsatz Nominalsatz], meist verstanden als Satz ohne das [https://de.wikipedia.org/wiki/Kopula_(Grammatik) Kopulaverb] ''sein''. Beispiel: „Frau weg, Geld weg, Wohnung weg“.<sup id="cite_ref-28" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Satz_(Grammatik)#cite_note-28 [28]]</sup>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Nominalsatz Nominalsatz], meist verstanden als Satz ohne das [https://de.wikipedia.org/wiki/Kopula_(Grammatik) Kopulaverb] ''sein''. Beispiel: „Frau weg, Geld weg, Wohnung weg“.<ref><span class="reference-text">Überschrift in [https://de.wikipedia.org/wiki/Bild_(Zeitung) Bild].</span></ref>


== <span id="Der_Satz_in_der_gesprochenen_Sprache">Der Satz in der gesprochenen Sprache</span> ==
== <span id="Der_Satz_in_der_gesprochenen_Sprache">Der Satz in der gesprochenen Sprache</span> ==
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*[http://www.christianlehmann.eu/ling/lg_system/grammar/nexion/index.html Christian Lehmann: ''Nexion – Complex sentences''] <small>umfassende Behandlung des zusammengesetzten Satzes aus semasiologischer und onomasiologischer Sicht [englisch]</small>
*[http://www.christianlehmann.eu/ling/lg_system/grammar/nexion/index.html Christian Lehmann: ''Nexion – Complex sentences''] <small>umfassende Behandlung des zusammengesetzten Satzes aus semasiologischer und onomasiologischer Sicht [englisch]</small>


== <span id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</span> ==
== <span id="Einzelnachweise">[[Enzlnchwse]]</span> ==
 
#<span class="reference-text">Tugendhat, Wolf: ''Logisch-semantische Propädeutik''. 1983, S. 22</span>
#<span class="reference-text">Kessel, Reimann: ''Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache'', Fink, Tübingen 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825227049 ISBN 3-8252-2704-9], S. 1.</span>
#<span class="reference-text">So Gadler: ''Praktische Linguistik'', 3. Aufl. (1998), S. 107.</span>
#<span class="reference-text">Pelz: ''Linguistik'' (1996), zu 8.1, S.&nbsp;147.</span>
#<span class="reference-text">Duden: ''Die Grammatik'', 7. Aufl. (2005), [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3411040475 ISBN 3-411-04047-5], Rn. 1163.</span>
#<span class="reference-text">Langemann, Felgentreu (Hrsg.): Duden: ''Basiswissen Schule: Deutsch'', 2. Aufl. (2006), [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3411715928 ISBN 3-411-71592-8], S.&nbsp;130.</span>
#<span class="reference-text">Duden: ''Die Grammatik'', 7. Aufl. (2005), [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3411040475 ISBN 3-411-04047-5], Rn. 1164.</span>
#<span class="reference-text">So referierend [https://de.wikipedia.org/wiki/Hadumod_Bu%C3%9Fmann Hadumod Bußmann] (Hrsg.): ''Lexikon der Sprachwissenschaft.'' 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3520452030 ISBN 3-520-45203-0] („Satz“).</span>
#<span class="reference-text">Pelz: ''Linguistik'' (1996), zu 8.1, S. 148.</span>
#<span class="reference-text">ähnlich wie der Duden Kessel, Reimann: ''Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache''. Fink, Tübingen 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825227049 ISBN 3-8252-2704-9], S.&nbsp;1: „Ein Satz ist eine sprachliche Konstruktion aus verschiedenen Satzgliedern, in deren Zentrum ein Prädikat steht.“</span>
#<span class="reference-text">Nach Michael Dürr, Peter Schlobinski: ''Deskriptive Linguistik'' (2006), S. 271 neben der Verbalsatz-Definition die zweite Hauptdefinition.</span>
#<span class="reference-text">So Volmert: ''Sprache und Sprechen''. In: Volmert (Hrsg.): ''Grundkurs Sprachwissenschaft'', 5. Aufl., 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825218791 ISBN 3-8252-1879-1], S. 25.</span>
#<span class="reference-text">Quine: ''Grundzüge der Logik'', 8. Aufl. (1993), S. 25.</span>
#<span class="reference-text">Detel: ''Grundkurs Philosophie I: Logik'' (2007), S. 22.</span>
#<span class="reference-text">Duden: ''Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht'' (2007), S. 183; Pospiech: ''Syntax''. In: Volmert (Hrsg.): ''Grundkurs Sprachwissenschaft'', 5. Aufl., 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825218791 ISBN 3-8252-1879-1], S. 1&nbsp;15.</span>
#<span class="reference-text">So nach Michael Dürr, Peter Schlobinski: ''Deskriptive Linguistik'' (2006), S. 2&nbsp;71.</span>
#<span class="reference-text">Homberger: ''Sachwörterbuch zur Sprachwissenschaft'' (2000): „Satz“; ähnlich [https://de.wikipedia.org/wiki/Kuno_Lorenz Kuno Lorenz]: ''Satz'', in: [https://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Mittelstra%C3%9F Jürgen Mittelstraß] (Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie.'' 2. Auflage. Band 7. Stuttgart, Metzler 2018, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783476021069 ISBN 978-3-476-02106-9], S. 222: „ein im kommunikativen Aspekt vollständiger sprachlicher Ausdruck im Unterschied zum Wort als einem im signifikativen Aspekt vollständigen sprachlichen Ausdruck“.</span>
#<span class="reference-text">So (referierend und zweifelnd) Tugendhat, Wolf: ''Logisch-semantische Propädeutik'' (1983), S.&nbsp;22.</span>
#<span class="reference-text">Volmert, Sprache und Sprechen, in: Volmert (Hrsg.), Grundkurs Sprachwissenschaft, 5. Aufl. (2005), [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825218791 ISBN 3-8252-1879-1], S. 25</span>
#<span class="reference-text">Kuno Lorenz: ''Satz'', in: Jürgen Mittelstraß (Hrsg.): ''Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie.'' 2. Auflage. Band 7. Stuttgart, Metzler 2018, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/9783476021069 ISBN 978-3-476-02106-9], S. 222</span>
#<span class="reference-text">Duden: ''Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht'' (2007), S. 184</span>
#<span class="reference-text">Kürschner: ''Grammatisches Kompendium''. 4. Aufl. 2003. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825215261 ISBN 3-8252-1526-1], S. 2&nbsp;06 („ein einziges Prädikatverb“).</span>
#<span class="reference-text">Nach Gadler: ''Praktische Linguistik''. 3. Aufl. (1998), S. 1&nbsp;09, ''muss'' ein einfacher Satz mindestens ein Subjekt und ein Prädikat enthalten, siehe aber unten zu Kurzformen.</span>
#<span class="reference-text">Pospiech: ''Syntax''. In: Volmert (Hrsg.): ''Grundkurs Sprachwissenschaft''. 5. Aufl., 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825218791 ISBN 3-8252-1879-1], S. 1&nbsp;19.</span>
#<span class="reference-text">Gadler: ''Praktische Linguistik'', 3. Aufl. (1998), S. 109.</span>
#<span class="reference-text">Vgl. Kürschner: ''Grammatisches Kompendium''. 4. Aufl. 2003. [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825215261 ISBN 3-8252-1526-1], S. 206 (mehr als ein Prädikatverb enthaltend).</span>
#<span class="reference-text">Kessel, Reimann: ''Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache''. Fink, Tübingen 2005, [https://de.wikipedia.org/wiki/Spezial:ISBN-Suche/3825227049 ISBN 3-8252-2704-9], S.&nbsp;8.</span>
#<span class="reference-text">Überschrift in [https://de.wikipedia.org/wiki/Bild_(Zeitung) Bild].</span>

Version vom 24. Juli 2024, 07:39 Uhr

Grammatik–Satz Vorlage:agrie.-lat.-dt. 'grammatikalischer Satz', 'Wortsatz gemäß einer Grammatiklehre'

Ein Satz ist eine aus einem Wort oder mehreren Wörtern bestehende in sich geschlossene sprachliche Einheit. Definitionen des Satzbegriffs sind in verschiedenen Perspektiven gegeben worden, die sich miteinander nicht decken. Vor allem kann der Begriff Satz grammatikalisch definiert werden, als größte Einheit, die durch die Regeln der Syntax erzeugt werden kann. Manche Auffassungen sehen den Satz auch kommunikativ als die kleinste Verständigungseinheit, mit der eine Sprechhandlung (ein Sprechakt) vollzogen wird, nach anderen Auffassungen wird hierzu der Begriff der Äußerung genutzt.[1]

Begriff

Es existieren vielfältige Ansätze, den Satzbegriff zu bestimmen, Sammlungen kommen auf annähernd 200 Definitionen von Satz.[2] Jede linguistische Schule entwickelt ihren eigenen Satzbegriff.[3] Die unterschiedlichen logischen, philosophischen, kommunikationswissenschaftlichen und psychologischen Perspektiven werden als „kaum miteinander in Einklang“[4] zu bringen angesehen. Entsprechend wird angenommen, „dass hinter der Bezeichnung Satz nicht ein einzelner Begriff, sondern eine ganze Familie sich überschneidender Begriffe steht.“[5]

Definitionsbefund

Hier können nur einige verbreitete Definitionen des Satzes wiedergegeben werden:

Schulduden

Eine Schulduden-Definition[6] des Satzes ist: „Der Satz ist eine geschlossene sprachliche Einheit, die sich aus kleineren Einheiten (Wörtern und Wortgruppen) zusammensetzt.“

Da es auch Sätze aus einem Wort gibt (Beispiel: „Geh!“), kann mit einer solchen Definition der Satz nicht in allen Fällen vom Wort unterschieden werden. Es muss auch definiert werden, was mit dem Begriff „geschlossene sprachliche Einheit“ gemeint ist. Je nach Definition könnte auch eine zusammenhängende Wortgruppe (Konstituente) unter so eine Bezeichnung fallen. So ist in der obigen Definition die Wortfolge „in sich geschlossene sprachliche Einheit“ auch in gewissem Sinn eine in sich geschlossene sprachliche Einheit. Es soll also eine besondere Art von Abgeschlossenheit geben, die den Satz auszeichnet.

Duden-Grammatik

Die Duden-Grammatik[7] bietet mehrere Satzdefinitionen an. Die erste ähnelt der oben angeführten Schulduden-Definition:

„Ein Satz ist eine abgeschlossene Einheit, die nach den Regeln der Syntax gebildet worden ist.“

– Variante I, Duden: Die Grammatik[7]

Ein Problem hierbei ist, dass wohl auch syntaktisch falsche Strukturen als Sätze bezeichnet werden können (Beispiel: „Ich habe fertig!“ (Trapattoni)). Auch gibt es nicht regelgerecht gebildete Sätze, die akzeptiert werden (Akzeptabilität trotz fehlender (schulmäßiger) Grammatikalität). So bei bewussten Verstößen gegen Selektionsbeschränkungen (Beispiel: „Wir sind Papst“ (Bild-Zeitung)).

„Ein Satz ist die größte Einheit, die man mit den Regeln der Syntax erzeugen kann.“

– Variante II, Duden: Die Grammatik[7]

Diese Definition lehnt sich an die Satzdefinition von Bloomfield an, der den Satz „als größte selbständige syntaktische Form, die durch keinerlei grammatische Konstruktionen ihrerseits in eine größere syntaktische Form eingebettet ist“,[8][9] definierte und dessen Satzdefinition als die des amerikanischen Strukturalismus gilt.[8] Dieser Wortlaut wiederum hebt nur auf „Wurzelsätze“ ab und lässt offen, wie Nebensätze einzustufen sind.[9]

„Ein Satz ist eine Einheit, die aus einem finiten Verb und allen vom Verb verlangten Satzgliedern besteht.“

– Variante III, Duden: Die Grammatik[7][10]

Diese Definition hebt darauf ab, dass die Wörter wir und die Wortgruppe zogen nach dem Süden für sich genommen noch kein Satz sind, erst die Wortfolge Wir zogen nach dem Süden ist ein Satz. In dieser Definition ist nicht berücksichtigt, wie Ellipsen einzustufen sind. Ebenso werden infinite Nebensätze nicht berücksichtigt.

Satz als Subjekt- und Prädikateinheit

Der Satz wird auch definiert als sprachliche Einheit, die aus Subjekt und Prädikat besteht.[11] Dies soll auf Aristoteles zurückgehen.[4]

Entsprechend definiert die traditionelle Grammatik den Satz als bestehend aus: Satzaussage (Prädikat), Satzergänzung (Objekt) und Satzgegenstand (Subjekt). Unter dem Einfluss des nicht-aristotelischen Prädikatsbegriffs der modernen Logik kann auch formuliert werden, dass Satz im Sinne einer Aussage aus der Benennung eines Objekts (Subjekt) und die Verbindung des benannten Objekts mit einer Eigenschaft im weiteren Sinne (Prädikat) bestehe.[12]

Damit wird jedoch nicht der grammatische Satz im Allgemeinen, sondern nur der Deklarativsatz in der Perspektive der traditionellen oder modernen Logik beschrieben. Satz im engeren Sinn ist für die Logik eine „sprachliche Form“, deren Eigentümlichkeit es ist, wahr oder falsch zu sein.[13] Werden in der modernen Philosophie und Logik auch Satz und Deklarativsatz häufig in gleichem Sinne (synonym) verwendet,[14]so werden durch eine solche definitorische Engführung Fragesätze, Befehlssätze und Wunschsätze etc. nicht erfasst.

Satz als Rede- oder Textelement

Der Satz wird auch definiert als Grundeinheit, aus der eine Rede oder ein Text besteht.[15]

Damit wird aber die Schwierigkeit, den Satz zu definieren, mit der Schwierigkeit, die Rede oder den Text zu definieren, eingetauscht. Zudem gibt es das Phänomen 1-Wort = 1-Satz = 1-Text (Beispiel: „Hilfe!“).

Satz als kommunikative Einheit

Der Satz erscheint so nur pragmatisch kommunikativ definierbar. So definierte schon Bühler Sätze als „die einfachen selbständigen, in sich abgeschlossenen Leistungseinheiten oder kurz die Sinneinheiten der Rede.“[16] Ähnlich kann Satz auch definiert werden als „jede selbständige, abgeschlossene sprachliche Äußerung, die in einem kommunikativen Handlungszusammenhang geäußert wird (und prinzipiell verstanden werden kann)“[17] oder als kleinste kommunikative Verständigungseinheit, durch die ein Sprechakt vollzogen wird.[18]

Satz als Bestandteil der parole oder langue

Herrschend wird der Satz der Ebene der parole (de Saussure) zugeordnet oder als „Sinneinheit der Rede“ (Bühler) (s. o.) bezeichnet. Es soll nicht sinnvoll sein, „auch auf der Ebene der langue … nach einer zeichenhaften Einheit ‚Satz‘ zu suchen, die – wie Wort und Morphem – aus einer festen Ausdrucks- und Inhaltsseite besteht“[19]. Gleichwohl werden in der Grammatik (vor allem?) „auch die lautlichen oder schriftlichen Träger eines Satzes … syntaktisch … also sekundär auf Ebene der langue, untersucht“.[20] Satzklassifikation

Sätze können nach unterschiedlichen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Unter anderem:

  • kommunikativ (Satzarten) in (insbesondere): Deklarativsatz, Fragesatz und Aufforderungssatz;
  • nach der Verbstellung des finiten Verbs in: Stirnsatz, Kernsatz und Spannsatz;
  • nach der Anzahl und Beziehung finiter Verben in: einfacher Satz und zusammengesetzter Satz;
  • in Hauptsatz und Nebensatz (auch: Gliedsatz).
  • aufgrund syntaktischer Unvollständigkeit (Anakoluth, Ellipse, Fragment, Nominalsatz)

Stirnsatz, Kernsatz, Spannsatz

In der Grammatik des Deutschen unterscheidet man nach der Stellung des finiten Verbs zwischen:

Stirnsatz (Verb-Erst-Stellung)
An erster Stelle steht das finite Verb im Deutschen vor allem bei Entscheidungsfragen oder bei Aufforderungssätzen.
Beispiele: „Gehst Du schon?“ „Geh jetzt!“
Kernsatz (Verb-Zweit-Stellung)
An zweiter Stelle steht das Verb im Deutschen in Hauptsätzen, die Deklarativsätze sind.
Beispiel: „Ich schreibe jetzt diesen Satz.“
Spannsatz (Verb-Letzt-Stellung)
Die Endstellung hat das finite Verb im Deutschen in eingeleiteten Nebensätzen.
Beispiel: „Nachdem ich dieses Beispiel geschrieben habe, höre ich auf.“

Einfache und zusammengesetzte Sätze

Eine traditionelle Unterscheidung ist die zwischen einfachem Satz und zusammengesetztem Satz.

Einfacher Satz

Der einfache Satz (auch: Einzelsatz)[21] ist ein Satz, der nur ein konjugiertes Verb enthält.[22]

Der einfache Satz kann[23] darüber hinaus noch weitere Satzglieder enthalten, entweder als notwendige Ergänzung (zum Beispiel Subjekt) oder als Angabe (zum Beispiel Attribute oder adverbiale Bestimmungen)[24]

  • Beispiel: „Der Wolf heulte in der Nacht den Mond an.“

Zu den einfachen Sätzen zählen auch elliptische Sätze und Kurzformen.[24]

  • Beispiel: „Komm!“

Zusammengesetzter (komplexer) Satz

Ein zusammengesetzter Satz (auch: komplexer Satz) ist ein Satz, in dem mehr als ein finites Verb vorkommt[25] oder – mit anderen Worten – der aus einfachen Sätzen (Teilsätzen) zusammengesetzt[26] ist.

Sind die Teilsätze eines zusammengesetzten Satzes gleichgeordnet, so nennt man sie Hauptsätze und bezeichnet den Satz insgesamt auch als Satzreihe oder Parataxe.

Im Fall der Über- und Unterordnung bezeichnet man den komplexen Satz auch als Satzgefüge (auch Hypotaxe) und unterscheidet zwischen den Hauptsätzen (HS) und Nebensätzen (NS). Der Nebensatz ist der einem anderen inhaltlich untergeordnete Teilsatz – der etwa den Aussageinhalt eines anderen Teilsatzes näher bestimmt. Der Teilsatz, der keinen anderen Teilsatz näher beschreibt, ist ein Hauptsatz.

Von einem Nebensatz kann ein weiterer Nebensatz abhängen.

  • Beispiel: „Ich ging spazieren (HS), da die Sonne scheinen sollte (NS 1), die jedoch ausblieb (NS 2).“

Einen komplexen Satz mit Satzreihen und Satzgefügen nennt man auch Satzperiode.[27]

Sätze können mit einer Konjunktion (syndetisch) oder mit mehreren Konjunktionen (polysyndetisch) oder ohne Konjunktionen (asyndetisch) miteinander verbunden werden.

Beispiel:

  • Syndetisch: „Ich kam, ich sah und ich siegte.“
  • Polysyndetisch: „Ich kam und ich sah und ich siegte.“
  • Asyndetisch: „Ich kam, ich sah, ich siegte.“

Der Nebensatz ist im Deutschen oft an der Stellung der gebeugten (finiten) Verbform erkennbar. Ein Teilsatz mit Einleitewort (Relativpronomen, Fragewort, unterordnende Konjunktion) und finiter Verbform am Ende ist ein Nebensatz. Daneben existieren allerdings auch uneingeleitete Nebensätze.

Unvollständiger Satz

Unter den Begriff „Satz“ fallen auch unvollständige Sätze, also Sätze, denen ein notwendiges Satzglied oder auch mehr fehlt. Es werden verschiedene Typen unterschieden:

  • Anakoluth (= Satzbruch), in der gesprochenen Sprache als Reparaturphänomen, oder aber als rhetorischer Effekt. Beispiel: der angefangene Nebensatz in „Wie wenn da einer, und er hielte ein frühgereiftes Kind das schielte hoch in den Himmel.“ (Robert Gernhardt)
  • Ellipse, z. B. der zweite Satz in: „Die siegreiche Sache gefiel den Göttern. Aber die unterlegene dem Cato.“ (Vollständige Struktur: „Die unterlegene [Sache] [gefiel] dem Cato.“)
  • Nominalsatz, meist verstanden als Satz ohne das Kopulaverb sein. Beispiel: „Frau weg, Geld weg, Wohnung weg“.[28]

Der Satz in der gesprochenen Sprache

Beim Reden trennt eine kurze Pause einen Satz von einem vorhergehenden. Die Satzmelodie hängt von der Art des Satzes (Aussage, Frage, Aufforderung) ab. Ein Satz ist (meist) als Einheit zu erkennen. Die Zuordnung von Sätzen und ihrer Bedeutung ist nicht immer eindeutig.

Der Satz und die (deutsche) Orthografie

Zur schriftlichen Kennzeichnung wird im Deutschen der Satzanfang großgeschrieben; der Satz endet mit einem Satzzeichen: Punkt [.], Ausrufezeichen [!], Fragezeichen [?] und gegebenenfalls Auslassungspunkte […]. Im Inneren von zusammengesetzten Sätzen dienen auch Komma [,], Semikolon [;] und der Gedankenstrich [–] zur Kennzeichnung des Satzbaus.

Siehe auch

Wiktionary: Satz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikiquote: Satz – Zitate
  1. ↑ Tugendhat, Wolf: Logisch-semantische Propädeutik. 1983, S. 22
  2. ↑ Kessel, Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache, Fink, Tübingen 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S. 1.
  3. ↑ So Gadler: Praktische Linguistik, 3. Aufl. (1998), S. 107.
  4. ↑ a b Pelz: Linguistik (1996), zu 8.1, S. 147.
  5. ↑ Duden: Die Grammatik, 7. Aufl. (2005), ISBN 3-411-04047-5, Rn. 1163.
  6. ↑ Langemann, Felgentreu (Hrsg.): Duden: Basiswissen Schule: Deutsch, 2. Aufl. (2006), ISBN 3-411-71592-8, S. 130.
  7. ↑ a b c d Duden: Die Grammatik, 7. Aufl. (2005), ISBN 3-411-04047-5, Rn. 1164.
  8. ↑ a b So referierend Hadumod Bußmann (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0 („Satz“).
  9. ↑ a b Pelz: Linguistik (1996), zu 8.1, S. 148.
  10. ↑ ähnlich wie der Duden Kessel, Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. Fink, Tübingen 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S. 1: „Ein Satz ist eine sprachliche Konstruktion aus verschiedenen Satzgliedern, in deren Zentrum ein Prädikat steht.“
  11. ↑ Nach Michael Dürr, Peter Schlobinski: Deskriptive Linguistik (2006), S. 271 neben der Verbalsatz-Definition die zweite Hauptdefinition.
  12. ↑ So Volmert: Sprache und Sprechen. In: Volmert (Hrsg.): Grundkurs Sprachwissenschaft, 5. Aufl., 2005, ISBN 3-8252-1879-1, S. 25.
  13. ↑ Quine: Grundzüge der Logik, 8. Aufl. (1993), S. 25.
  14. ↑ Detel: Grundkurs Philosophie I: Logik (2007), S. 22.
  15. ↑ Duden: Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht (2007), S. 183; Pospiech: Syntax. In: Volmert (Hrsg.): Grundkurs Sprachwissenschaft, 5. Aufl., 2005, ISBN 3-8252-1879-1, S. 1 15.
  16. ↑ So nach Michael Dürr, Peter Schlobinski: Deskriptive Linguistik (2006), S. 2 71.
  17. ↑ Homberger: Sachwörterbuch zur Sprachwissenschaft (2000): „Satz“; ähnlich Kuno Lorenz: Satz, in: Jürgen Mittelstraß(Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. 2. Auflage. Band 7. Stuttgart, Metzler 2018, ISBN 978-3-476-02106-9, S. 222: „ein im kommunikativen Aspekt vollständiger sprachlicher Ausdruck im Unterschied zum Wort als einem im signifikativen Aspekt vollständigen sprachlichen Ausdruck“.
  18. ↑ So (referierend und zweifelnd) Tugendhat, Wolf: Logisch-semantische Propädeutik (1983), S. 22.
  19. ↑ Volmert, Sprache und Sprechen, in: Volmert (Hrsg.), Grundkurs Sprachwissenschaft, 5. Aufl. (2005), ISBN 3-8252-1879-1, S. 25
  20. ↑ Kuno Lorenz: Satz, in: Jürgen Mittelstraß (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie. 2. Auflage. Band 7. Stuttgart, Metzler 2018, ISBN 978-3-476-02106-9, S. 222
  21. ↑ Duden: Rechtschreibung und Grammatik – leicht gemacht (2007), S. 184
  22. ↑ Kürschner: Grammatisches Kompendium. 4. Aufl. 2003. ISBN 3-8252-1526-1, S. 2 06 („ein einziges Prädikatverb“).
  23. ↑ Nach Gadler: Praktische Linguistik. 3. Aufl. (1998), S. 1 09, muss ein einfacher Satz mindestens ein Subjekt und ein Prädikat enthalten, siehe aber unten zu Kurzformen.
  24. ↑ Gadler: Praktische Linguistik, 3. Aufl. (1998), S. 109.
  25. ↑ Vgl. Kürschner: Grammatisches Kompendium. 4. Aufl. 2003. ISBN 3-8252-1526-1, S. 206 (mehr als ein Prädikatverb enthaltend).
  26. ↑ Pospiech: Syntax. In: Volmert (Hrsg.): Grundkurs Sprachwissenschaft. 5. Aufl., 2005, ISBN 3-8252-1879-1, S. 1 19.
  27. ↑ Kessel, Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. Fink, Tübingen 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S. 8.
  28. ↑ Überschrift in Bild.