Zum Inhalt springen

„Rechtsordnung“ – Versionsunterschied

aus AufEinWort, der freien Forschung
[ungesichtete Version][ungesichtete Version]
Die Seite wurde neu angelegt: „<p>Als '''Rechtsordnung''' (oder ''Rechtssystem'') bezeichnet man die Gesamtheit des [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsgeltung gültigen] objektiven [https://de.wikipedia.org/wiki/Recht Rechts] in dessen Anwendungsbereich, beispielsweise das Recht eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Staat Staates]. Neben dem durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Legislative Legislative] gesetzten Recht ([https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsetzung Rechtsetzung]) geh…“
 
Keine Bearbeitungszusammenfassung
Zeile 1: Zeile 1:
<p>Als '''Rechtsordnung''' (oder ''Rechtssystem'') bezeichnet man die Gesamtheit des [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsgeltung gültigen] objektiven [https://de.wikipedia.org/wiki/Recht Rechts] in dessen Anwendungsbereich, beispielsweise das Recht eines [https://de.wikipedia.org/wiki/Staat Staates]. Neben dem durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Legislative Legislative] gesetzten Recht ([https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsetzung Rechtsetzung]) gehört zur staatlichen Rechtsordnung als Summe aller Rechtssätze auch das [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewohnheitsrecht Gewohnheitsrecht] und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Auslegung_(Recht) Gesetzesauslegung] durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Judikative Judikative] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtspflege Rechtspflege]), sodann die zwangsweise Durchsetzung des Rechts mit Hilfe der [https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsgewalt Staatsgewalt] (insbesondere durch die [https://de.wikipedia.org/wiki/Polizei Polizei] oder den [https://de.wikipedia.org/wiki/Gerichtsvollzieher Gerichtsvollzieher], der auch [https://de.wikipedia.org/wiki/Privatrecht privatrechtliche] Ansprüche durchsetzt).</p><p>Recht, das durch staatliches [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltmonopol Gewaltmonopol] garantiert und durchsetzbar ist, unterscheidet sich von vorstaatlichen („primitiven“) Rechtsordnungen, die lediglich auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Moral Moral], Sitte und Tradition beruhen, deren Ansprüche und Pflichten also nicht über eine unabhängige zentrale Staatsgewalt durchgesetzt werden können. Auch das [https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerrecht Völkerrecht] stellt eine vorstaatliche Ordnung dar: „Das sogenannte Völkerrecht ist lediglich primitives Recht auf internationaler Ebene.“<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsordnung#cite_note-1 [1]]</sup> Die Rechtsordnung eines Rechtsgebietes steht in Wechselbeziehungen zu der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftsordnung Wirtschaftsordnung] und insgesamt zu der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaftsordnung Gesellschaftsordnung] der darin lebenden Menschen.</p>
[[Recht]]{{-s-}}[[Ordnung]] {{dt.}}
 
Als '''Rechtsordnung''' (oder ''Rechtssystem'') bezeichnet man die Gesamtheit des [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsgeltung gültigen] objektiven [[Recht|Rechts]] in dessen Anwendungsbereich, beispielsweise das Recht eines [[Staat|Staates]]. Neben dem durch die [[Legislative]] gesetzten Recht ([[Rechtsetzung]]) gehört zur staatlichen Rechtsordnung als Summe aller Rechtssätze auch das [[Gewohnheitsrecht]] und die [https://de.wikipedia.org/wiki/Auslegung_(Recht) Gesetzesauslegung] durch die [[Judikative]] ([[Rechtspflege]]), sodann die zwangsweise Durchsetzung des Rechts mit Hilfe der [[Staatsgewalt]] (insbesondere durch die [[Polizei]] oder den [[Gerichtsvollzieher]], der auch [[privatrechtlich|privatrechtliche]] Ansprüche durchsetzt).<p>Recht, das durch staatliches [[Gewaltmonopol]] garantiert und durchsetzbar ist, unterscheidet sich von vorstaatlichen („primitiven“) Rechtsordnungen, die lediglich auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Moral Moral], Sitte und Tradition beruhen, deren Ansprüche und Pflichten also nicht über eine unabhängige zentrale Staatsgewalt durchgesetzt werden können. Auch das [[Völkerrecht]] stellt eine vorstaatliche Ordnung dar: „Das sogenannte Völkerrecht ist lediglich [[primitives Recht]] auf internationaler Ebene.“<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsordnung#cite_note-1 [1]]</sup> Die Rechtsordnung eines Rechtsgebietes steht in Wechselbeziehungen zu der [https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftsordnung Wirtschaftsordnung] und insgesamt zu der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesellschaftsordnung Gesellschaftsordnung] der darin lebenden Menschen.</p>
== <span id="Struktur">Struktur</span> ==
== <span id="Struktur">Struktur</span> ==
<p>Die religiösen Bürgerkriege Europas führten in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChe_Neuzeit frühen Neuzeit] zu der Forderung nach einer friedenssichernden [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewalt Gewalt], um ein verlässlich geordnetes Zusammenleben zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Wirksamkeit_(Recht)#Staatliche_Rechtsgew%C3%A4hrleistung gewährleisten] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hobbes Thomas Hobbes]).<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsordnung#cite_note-2 [2]]</sup> Die dazu notwendige Widerspruchsfreiheit des staatlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Recht Rechts] wird zunächst durch die übergeordnete staatliche Verfügungsmacht über das Recht ([https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Bodin Jean Bodin]) – die „Kompetenzenhoheit“ – und des Weiteren durch einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Stufenbau_der_Rechtsordnung#Die_Kompetenzenordnung_als_R%C3%BCckgrat_der_widerspruchsfreien_Ordnung_des_Rechts „Stufenbau“] der Regelungsbefugnisse (Kompetenzen) gesichert.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsordnung#cite_note-3 [3]]</sup> So begründen übergeordnete Kompetenzen die nachgeordneten Kompetenzen (z.&nbsp;B. begründet die [https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung Staatsverfassung]die Kompetenz des Gesetzgebers, Gesetze begründen die Kompetenzen der Verordnungsgeber). Auch pflichtenbegründende Einzelakte, also [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwaltungsrecht Verwaltungs-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsprechung Rechtsprechungsakte] und selbst private Rechtsgeschäfte (Akte der [https://de.wikipedia.org/wiki/Privatautonomie Privatautonomie]) erhalten ihre Rechtsverbindlichkeit durch eine in solcher Weise begründete rechtliche Ermächtigung. Die Rangordnung der Kompetenzen bestimmt die Rangordnung des Rechts, das auf Grund dieser Kompetenzen erlassen wird. Auf diese Weise bildet die Stufenordnung der Kompetenzen das Rückgrat der insgesamt widerspruchsfreien Struktur einer staatlichen Rechtsordnung.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsordnung#cite_note-4 [4]]</sup></p><p>Daraus, wie die Kompetenzen in einem Staat verteilt sind, ergeben sich wichtige Eigenschaften eines Staates. Werden sie ausgewogen auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsorgan Organe] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzgebung Gesetzgebung], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Regierung Regierung] und Verwaltung und der Gerichtsbarkeit aufgeteilt, so entsteht ein ausbalanciertes System der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltenteilung Gewaltenteilung] und Gewaltenkontrolle. Gewaltenteilung und gerichtliche Kontrollkompetenzen über Akte der Staatsgewalt sind wichtige Bedingungen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsstaat Rechtsstaatlichkeit].</p>
<p>Die religiösen Bürgerkriege Europas führten in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChe_Neuzeit frühen Neuzeit] zu der Forderung nach einer friedenssichernden [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewalt Gewalt], um ein verlässlich geordnetes Zusammenleben zu [https://de.wikipedia.org/wiki/Wirksamkeit_(Recht)#Staatliche_Rechtsgew%C3%A4hrleistung gewährleisten] ([https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Hobbes Thomas Hobbes]).<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsordnung#cite_note-2 [2]]</sup> Die dazu notwendige Widerspruchsfreiheit des staatlichen [https://de.wikipedia.org/wiki/Recht Rechts] wird zunächst durch die übergeordnete staatliche Verfügungsmacht über das Recht ([https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Bodin Jean Bodin]) – die „Kompetenzenhoheit“ – und des Weiteren durch einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Stufenbau_der_Rechtsordnung#Die_Kompetenzenordnung_als_R%C3%BCckgrat_der_widerspruchsfreien_Ordnung_des_Rechts „Stufenbau“] der Regelungsbefugnisse (Kompetenzen) gesichert.<sup id="cite_ref-3" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsordnung#cite_note-3 [3]]</sup> So begründen übergeordnete Kompetenzen die nachgeordneten Kompetenzen (z.&nbsp;B. begründet die [https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung Staatsverfassung]die Kompetenz des Gesetzgebers, Gesetze begründen die Kompetenzen der Verordnungsgeber). Auch pflichtenbegründende Einzelakte, also [https://de.wikipedia.org/wiki/Verwaltungsrecht Verwaltungs-] und [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsprechung Rechtsprechungsakte] und selbst private Rechtsgeschäfte (Akte der [https://de.wikipedia.org/wiki/Privatautonomie Privatautonomie]) erhalten ihre Rechtsverbindlichkeit durch eine in solcher Weise begründete rechtliche Ermächtigung. Die Rangordnung der Kompetenzen bestimmt die Rangordnung des Rechts, das auf Grund dieser Kompetenzen erlassen wird. Auf diese Weise bildet die Stufenordnung der Kompetenzen das Rückgrat der insgesamt widerspruchsfreien Struktur einer staatlichen Rechtsordnung.<sup id="cite_ref-4" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsordnung#cite_note-4 [4]]</sup></p><p>Daraus, wie die Kompetenzen in einem Staat verteilt sind, ergeben sich wichtige Eigenschaften eines Staates. Werden sie ausgewogen auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Staatsorgan Organe] der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetzgebung Gesetzgebung], der [https://de.wikipedia.org/wiki/Regierung Regierung] und Verwaltung und der Gerichtsbarkeit aufgeteilt, so entsteht ein ausbalanciertes System der [https://de.wikipedia.org/wiki/Gewaltenteilung Gewaltenteilung] und Gewaltenkontrolle. Gewaltenteilung und gerichtliche Kontrollkompetenzen über Akte der Staatsgewalt sind wichtige Bedingungen der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsstaat Rechtsstaatlichkeit].</p>
Zeile 10: Zeile 12:
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturrecht Naturrecht] und ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ordre_public ordre public]'' als überpositives Recht stellen gewissermaßen übergeordnete Ordnungskriterien bereit, an denen sich eine Rechtsordnung zu messen hat, werden allerdings in den einzelnen Rechtsordnungen zum Teil auch ihrerseits wieder unterschiedlich bestimmt oder ausgelegt. Ob das [https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerrecht Völkerrecht] eine global gültige Rechtsordnung darstellt, ist wissenschaftlich und international umstritten.</p><p>Neben den Rechtsnormen stehen Moral- und Gewissensnormen. ''Moralnormen'' sind nichtstaatliche soziale Verhaltensregeln; ''Gewissensnormen'' sind Normen und Maßstäbe, die der Einzelne für sich persönlich als verbindlich betrachtet.</p>
<p>[https://de.wikipedia.org/wiki/Naturrecht Naturrecht] und ''[https://de.wikipedia.org/wiki/Ordre_public ordre public]'' als überpositives Recht stellen gewissermaßen übergeordnete Ordnungskriterien bereit, an denen sich eine Rechtsordnung zu messen hat, werden allerdings in den einzelnen Rechtsordnungen zum Teil auch ihrerseits wieder unterschiedlich bestimmt oder ausgelegt. Ob das [https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerrecht Völkerrecht] eine global gültige Rechtsordnung darstellt, ist wissenschaftlich und international umstritten.</p><p>Neben den Rechtsnormen stehen Moral- und Gewissensnormen. ''Moralnormen'' sind nichtstaatliche soziale Verhaltensregeln; ''Gewissensnormen'' sind Normen und Maßstäbe, die der Einzelne für sich persönlich als verbindlich betrachtet.</p>
=== <span id="Deutschland">Deutschland</span> ===
=== <span id="Deutschland">Deutschland</span> ===
<div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable noprint"><div class="noviewer noresize" role="presentation" aria-hidden="true">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Deutschlandlastige_Artikel ]</div><div><div>Dieser Artikel oder Absatz stellt die [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Deutschlandlastige_Artikel Situation in Deutschland] dar. Bitte hilf uns dabei, die Situation in anderen Staaten zu schildern.</div></div></div><p>Als Rechtsnormen im vorbeschriebenen Sinne gelten im deutschen Recht</p>
<div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable noprint"><div class="noviewer noresize" role="presentation" aria-hidden="true">[https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Deutschlandlastige_Artikel]</div><div><div>Dieser Artikel oder Absatz stellt die [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Deutschlandlastige_Artikel Situation in Deutschland] dar. Bitte hilf uns dabei, die Situation in anderen Staaten zu schildern.</div></div></div><p>Als Rechtsnormen im vorbeschriebenen Sinne gelten im deutschen Recht</p>
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung Verfassungs]­normen, die in den Artikeln des [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland Grundgesetzes] sowie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Landesverfassung_(Deutschland) Landesverfassungen] geregelt sind;
*[https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassung Verfassungs]­normen, die in den Artikeln des [https://de.wikipedia.org/wiki/Grundgesetz_f%C3%BCr_die_Bundesrepublik_Deutschland Grundgesetzes] sowie der [https://de.wikipedia.org/wiki/Landesverfassung_(Deutschland) Landesverfassungen] geregelt sind;
*einfach[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz gesetzliche] Normen, wie z.&nbsp;B. das [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerliches_Gesetzbuch BGB] oder das [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) StGB];
*einfach[https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz gesetzliche] Normen, wie z.&nbsp;B. das [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerliches_Gesetzbuch BGB] oder das [https://de.wikipedia.org/wiki/Strafgesetzbuch_(Deutschland) StGB];

Version vom 11. Mai 2024, 14:14 Uhr

Recht‎-s-Ordnung Vorlage:dt.

Als Rechtsordnung (oder Rechtssystem) bezeichnet man die Gesamtheit des gültigen objektiven Rechts in dessen Anwendungsbereich, beispielsweise das Recht eines Staates. Neben dem durch die Legislative gesetzten Recht (Rechtsetzung) gehört zur staatlichen Rechtsordnung als Summe aller Rechtssätze auch das Gewohnheitsrecht und die Gesetzesauslegung durch die Judikative (Rechtspflege), sodann die zwangsweise Durchsetzung des Rechts mit Hilfe der Staatsgewalt (insbesondere durch die Polizei oder den Gerichtsvollzieher, der auch privatrechtliche Ansprüche durchsetzt).

Recht, das durch staatliches Gewaltmonopol garantiert und durchsetzbar ist, unterscheidet sich von vorstaatlichen („primitiven“) Rechtsordnungen, die lediglich auf Moral, Sitte und Tradition beruhen, deren Ansprüche und Pflichten also nicht über eine unabhängige zentrale Staatsgewalt durchgesetzt werden können. Auch das Völkerrecht stellt eine vorstaatliche Ordnung dar: „Das sogenannte Völkerrecht ist lediglich primitives Recht auf internationaler Ebene.“[1] Die Rechtsordnung eines Rechtsgebietes steht in Wechselbeziehungen zu der Wirtschaftsordnung und insgesamt zu der Gesellschaftsordnung der darin lebenden Menschen.

Struktur

Die religiösen Bürgerkriege Europas führten in der frühen Neuzeit zu der Forderung nach einer friedenssichernden Gewalt, um ein verlässlich geordnetes Zusammenleben zu gewährleisten (Thomas Hobbes).[2] Die dazu notwendige Widerspruchsfreiheit des staatlichen Rechts wird zunächst durch die übergeordnete staatliche Verfügungsmacht über das Recht (Jean Bodin) – die „Kompetenzenhoheit“ – und des Weiteren durch einen „Stufenbau“ der Regelungsbefugnisse (Kompetenzen) gesichert.[3] So begründen übergeordnete Kompetenzen die nachgeordneten Kompetenzen (z. B. begründet die Staatsverfassungdie Kompetenz des Gesetzgebers, Gesetze begründen die Kompetenzen der Verordnungsgeber). Auch pflichtenbegründende Einzelakte, also Verwaltungs- und Rechtsprechungsakte und selbst private Rechtsgeschäfte (Akte der Privatautonomie) erhalten ihre Rechtsverbindlichkeit durch eine in solcher Weise begründete rechtliche Ermächtigung. Die Rangordnung der Kompetenzen bestimmt die Rangordnung des Rechts, das auf Grund dieser Kompetenzen erlassen wird. Auf diese Weise bildet die Stufenordnung der Kompetenzen das Rückgrat der insgesamt widerspruchsfreien Struktur einer staatlichen Rechtsordnung.[4]

Daraus, wie die Kompetenzen in einem Staat verteilt sind, ergeben sich wichtige Eigenschaften eines Staates. Werden sie ausgewogen auf Organe der Gesetzgebung, der Regierung und Verwaltung und der Gerichtsbarkeit aufgeteilt, so entsteht ein ausbalanciertes System der Gewaltenteilung und Gewaltenkontrolle. Gewaltenteilung und gerichtliche Kontrollkompetenzen über Akte der Staatsgewalt sind wichtige Bedingungen der Rechtsstaatlichkeit.

Ausgestaltung

In den meisten Rechtsordnungen des kontinentaleuropäischen Rechtskreises werden Rechtsnormen systematisch vier Bereichen zugeordnet:

Naturrecht und ordre public als überpositives Recht stellen gewissermaßen übergeordnete Ordnungskriterien bereit, an denen sich eine Rechtsordnung zu messen hat, werden allerdings in den einzelnen Rechtsordnungen zum Teil auch ihrerseits wieder unterschiedlich bestimmt oder ausgelegt. Ob das Völkerrecht eine global gültige Rechtsordnung darstellt, ist wissenschaftlich und international umstritten.

Neben den Rechtsnormen stehen Moral- und Gewissensnormen. Moralnormen sind nichtstaatliche soziale Verhaltensregeln; Gewissensnormen sind Normen und Maßstäbe, die der Einzelne für sich persönlich als verbindlich betrachtet.

Deutschland

Als Rechtsnormen im vorbeschriebenen Sinne gelten im deutschen Recht

Neben den Gesetzen gibt es noch einige andere Rechtsquellen. So haben beispielsweise Urteile des Bundesverfassungsgerichts in den Fällen des § 31 Abs. 2 BVerfGG Gesetzeskraft. Ob anderen Gerichtsurteilen der Status einer Rechtsquelle zukommt (so genanntes Richterrecht), ist umstritten und wird im deutschen anders als im angelsächsischen Rechtskreis (Case Law) traditionell eher verneint. Das ungeschriebene Gewohnheitsrecht gehört ebenfalls zur Rechtsordnung.

In Deutschland kann man zusammenfassend zwei Rechtsgebiete unterscheiden: Einmal das öffentliche Recht, zu dem auch das Staatsrecht und das Strafrecht gezählt werden, und dann das Privatrecht, zu dem das Zivilrecht sowie das sonstige Privatrecht oder Sonderprivatrecht (Handelsrecht und andere Bereiche, teilweise auch das Arbeitsrecht) gehören. Zentralwerk des Zivilrechts ist das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Man kann auch das übergeordnete Verfassungsrecht und das Strafrecht verselbständigen. Die Einteilung der Rechtsnormen und der Rechtsgebiete soll aber keine Theorie bleiben. Praktisch muss diese Diskussion für den rechtssuchenden Menschen selbst umsetzbar sein. So hat der demokratische Gesetzgeber daraus Garantien für den jeweiligen unterschiedlichen gerichtlichen Rechtsschutz zu geben. Eine solche Garantieordnung ist eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für einen funktionierenden Rechtsstaat.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. E. A. Hoebel, zitiert nach E. Hilgendorf: dtv-Atlas Recht, Band 1: Grundlagen, Staatsrecht, Strafrecht, dtv, München 2012, S. 54.
  2. Reinhold Zippelius, Rechtsphilosophie, 6. Aufl., § 28 I.
  3. Reinhold Zippelius, Rechtsphilosophie, 6. Aufl., § 28 II 2.
  4. Text im Anschluss an Zippelius, Das Wesen des Rechts, 6. Aufl., Kap. 2 f.