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„Richtlinie“ – Versionsunterschied

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<p>Als '''Richtlinie''' wird in den deutschsprachigen Staaten eine Handlungs- oder Ausführungsvorschrift einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Institution Institution] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Instanz_(Recht) Instanz] bezeichnet, die jedoch kein [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz#Gesetz_im_formellen_Sinn förmliches Gesetz] ist (zu den Besonderheiten der Richtlinien der Europäischen Union siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie_(EU) EU-Richtlinie]). Ob und für wen eine Richtlinie eine Bindungswirkung entfaltet, ist abhängig von der Befugnis und Anerkennung des Herausgebers der Richtlinie sowie von der Art und dem Umfang der für die jeweils betroffenen Adressaten geltenden Verbindlichkeit. Die Regelungswirkung einer Richtlinie kann somit nur im Einzelfall beurteilt werden.</p><p>Der Begriff wird mehrdeutig verwendet. Es gibt einerseits ''technische Richtlinien'', die von einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation Organisation] ausgegeben werden und einen Handlungsrahmen vorgeben. Andererseits werden ''rechtliche Richtlinien'' von einem dazu formellgesetzlich ermächtigten Gremium beschlossen. In beiden Fällen haben Richtlinien einen bestimmten Geltungsbereich, der je nach Anwendungsfall z.&nbsp;B. arbeitsrechtlich sanktionierbar sein kann oder nicht. Verwaltungsvorschriften – wie z.&nbsp;B. die sogenannten Einkommensteuerrichtlinien – sind reine Dienstanweisungen des (Finanz-)Ministers an die (Finanz-)Beamten und entfalten z.&nbsp;B. keine Bindungswirkung für den Bürger oder Gerichte.</p><p>Als '''Richtlinie''' wird in den deutschsprachigen Staaten eine Handlungs- oder Ausführungsvorschrift einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Institution Institution] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Instanz_(Recht) Instanz] bezeichnet, die jedoch kein [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz#Gesetz_im_formellen_Sinn förmliches Gesetz] ist (zu den Besonderheiten der Richtlinien der Europäischen Union siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie_(EU) EU-Richtlinie]). Ob und für wen eine Richtlinie eine Bindungswirkung entfaltet, ist abhängig von der Befugnis und Anerkennung des Herausgebers der Richtlinie sowie von der Art und dem Umfang der für die jeweils betroffenen Adressaten geltenden Verbindlichkeit. Die Regelungswirkung einer Richtlinie kann somit nur im Einzelfall beurteilt werden.</p><p>Der Begriff wird mehrdeutig verwendet. Es gibt einerseits ''technische Richtlinien'', die von einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation Organisation] ausgegeben werden und einen Handlungsrahmen vorgeben. Andererseits werden ''rechtliche Richtlinien'' von einem dazu formellgesetzlich ermächtigten Gremium beschlossen. In beiden Fällen haben Richtlinien einen bestimmten Geltungsbereich, der je nach Anwendungsfall z.&nbsp;B. arbeitsrechtlich sanktionierbar sein kann oder nicht. Verwaltungsvorschriften – wie z.&nbsp;B. die sogenannten Einkommensteuerrichtlinien – sind reine Dienstanweisungen des (Finanz-)Ministers an die (Finanz-)Beamten und entfalten z.&nbsp;B. keine Bindungswirkung für den Bürger oder Gerichte.</p>
[[richt]]{{–}}[[Linie]] {{lat.-dt.}} {{Wrtdtng}} die durch Meßmittel und Maß vorbestimmend ausrichtende gedachte, gezeichnete oder mittelbar gebildete Linie, entlang dieser geleitet, geführt, gebaut, gerichtet, sich gerichtet, … wird ohne selbst als wirkliche handergreifbare Linie zu bestehen, wie es vglw. bei einer ''[[Richtschnur]]'' gegeben ist.
 
* ''Geometrie:''
* ''Recht:'' eine rechtsverbindliche Vorschrift oder Anweisung, ohne Gesetzescharakter,
* allgemein: Anweisung für jemandes Verhalten in bestimmten Fällen
* ''Regel'', die den Umgang mit einer Sache vorgibt, aber nicht den Zwang enthält, sich daran zu halten; s. [[Regel (Richtlinie)]]
* lat. [[directrix]]
 
== Richtlinie ==
Als '''Richtlinie''' wird in den deutschsprachigen Staaten eine Handlungs- oder Ausführungsvorschrift einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Institution Institution] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Instanz_(Recht) Instanz] bezeichnet, die jedoch kein [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz#Gesetz_im_formellen_Sinn förmliches Gesetz] ist (zu den Besonderheiten der Richtlinien der Europäischen Union siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie_(EU) EU-Richtlinie]). Ob und für wen eine Richtlinie eine Bindungswirkung entfaltet, ist abhängig von der Befugnis und Anerkennung des Herausgebers der Richtlinie sowie von der Art und dem Umfang der für die jeweils betroffenen Adressaten geltenden Verbindlichkeit. Die Regelungswirkung einer Richtlinie kann somit nur im Einzelfall beurteilt werden.<p>Der Begriff wird mehrdeutig verwendet. Es gibt einerseits ''technische Richtlinien'', die von einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation Organisation] ausgegeben werden und einen Handlungsrahmen vorgeben. Andererseits werden ''rechtliche Richtlinien'' von einem dazu formellgesetzlich ermächtigten Gremium beschlossen. In beiden Fällen haben Richtlinien einen bestimmten Geltungsbereich, der je nach Anwendungsfall z.&nbsp;B. arbeitsrechtlich sanktionierbar sein kann oder nicht. Verwaltungsvorschriften – wie z.&nbsp;B. die sogenannten Einkommensteuerrichtlinien – sind reine Dienstanweisungen des (Finanz-)Ministers an die (Finanz-)Beamten und entfalten z.&nbsp;B. keine Bindungswirkung für den Bürger oder Gerichte.</p><p>Als '''Richtlinie''' wird in den deutschsprachigen Staaten eine Handlungs- oder Ausführungsvorschrift einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Institution Institution] oder [https://de.wikipedia.org/wiki/Instanz_(Recht) Instanz] bezeichnet, die jedoch kein [https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz#Gesetz_im_formellen_Sinn förmliches Gesetz] ist (zu den Besonderheiten der Richtlinien der Europäischen Union siehe [https://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie_(EU) EU-Richtlinie]). Ob und für wen eine Richtlinie eine Bindungswirkung entfaltet, ist abhängig von der Befugnis und Anerkennung des Herausgebers der Richtlinie sowie von der Art und dem Umfang der für die jeweils betroffenen Adressaten geltenden Verbindlichkeit. Die Regelungswirkung einer Richtlinie kann somit nur im Einzelfall beurteilt werden.</p><p>Der Begriff wird mehrdeutig verwendet. Es gibt einerseits ''technische Richtlinien'', die von einer [https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation Organisation] ausgegeben werden und einen Handlungsrahmen vorgeben. Andererseits werden ''rechtliche Richtlinien'' von einem dazu formellgesetzlich ermächtigten Gremium beschlossen. In beiden Fällen haben Richtlinien einen bestimmten Geltungsbereich, der je nach Anwendungsfall z.&nbsp;B. arbeitsrechtlich sanktionierbar sein kann oder nicht. Verwaltungsvorschriften – wie z.&nbsp;B. die sogenannten Einkommensteuerrichtlinien – sind reine Dienstanweisungen des (Finanz-)Ministers an die (Finanz-)Beamten und entfalten z.&nbsp;B. keine Bindungswirkung für den Bürger oder Gerichte.</p>
== <span id="Abgrenzung">Abgrenzung</span> ==
== <span id="Abgrenzung">Abgrenzung</span> ==
<p>Der Begriff der '''Norm''' ist an ein allgemeines Verständnis gebunden und häufig nicht kodifiziert, wie beispielsweise im Fall von ''ethischen Normen''. Im Gegensatz dazu ist eine Richtlinie mit einem Handlungsbezug versehen und in einem Dokument niedergelegt.</p><p>Der Begriff der '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung Verordnung]''' entstammt demselben Zusammenhang wie ein Gesetz und regelt das Ausführen eines Gesetzes verbindlich. Im Gegensatz dazu bleibt eine Richtlinie eine bloße Empfehlung beispielsweise nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Stand_der_Technik Stand der Technik].</p><p>Der Begriff der '''Vorschrift''' bezeichnet eine Regelung innerhalb einer Organisation ohne bindende Wirkung für das Handeln außerhalb dieser Organisation. Im Gegensatz dazu kann von einer Richtlinie innerhalb einer Organisation im Rahmen der an die jeweilige Rolle gebundenen Kompetenzen abgewichen werden.</p><p>Der Begriff des '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Standard Standards]''' ist in seiner Gültigkeit an die herausgebende Organisation gebunden, wie beispielsweise internationale Normen (englisch ''Standards''). Er beschreibt einen technischen Konsens. Im Gegensatz dazu sind Richtlinien derselben Organisation schwächer im bezogenen Konsens.</p><p>Der Begriff '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Leitsatz Leitsatz]''' fasst den Inhalt eines längeren Textes selektiv in komprimierter Form zusammen. Leitsätze werden vornehmlich in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswissenschaft Rechtswissenschaft] genutzt, um die tragenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Entscheidung_(Gericht) Entscheidungsgründe]durch das Gericht darzustellen.</p><p>Der Begriff der '''Leitlinie''' (u.&nbsp;a. in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Medizinische_Leitlinie Medizin]) ist formal schwächer und spiegelt mindestens im Konsens publizierte Standards wider. Im Vergleich zur ''Richtlinie'' ist eine '''Leitlinie''' eine empfehlende Handlungsanweisung ohne bindenden Charakter und ohne Zuschnitt auf einen speziellen Fall. Grundsätzlich gilt, dass eine Leitlinie empfiehlt, hingegen eine Richtlinie [https://de.wikipedia.org/wiki/Normativ normativ] fordert. Damit werden Leitlinien, im Gegensatz zu den verbindlichen Richtlinien, als eine Entscheidungshilfe für ein adäquates [https://de.wikipedia.org/wiki/Handeln Handeln] bzw. Vorgehen verstanden.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie#cite_note-1 [1]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachwissenschaft Sprachwissenschaftlich] wird die Leitlinie (Leitfaden, englisch ''guideline'') auf den [https://de.wikipedia.org/wiki/Ariadnefaden Ariadnefaden] zurückgeführt.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie#cite_note-2 [2]]</sup></p>
<p>Der Begriff der '''Norm''' ist an ein allgemeines Verständnis gebunden und häufig nicht kodifiziert, wie beispielsweise im Fall von ''ethischen Normen''. Im Gegensatz dazu ist eine Richtlinie mit einem Handlungsbezug versehen und in einem Dokument niedergelegt.</p><p>Der Begriff der '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Verordnung Verordnung]''' entstammt demselben Zusammenhang wie ein Gesetz und regelt das Ausführen eines Gesetzes verbindlich. Im Gegensatz dazu bleibt eine Richtlinie eine bloße Empfehlung beispielsweise nach dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Stand_der_Technik Stand der Technik].</p><p>Der Begriff der '''Vorschrift''' bezeichnet eine Regelung innerhalb einer Organisation ohne bindende Wirkung für das Handeln außerhalb dieser Organisation. Im Gegensatz dazu kann von einer Richtlinie innerhalb einer Organisation im Rahmen der an die jeweilige Rolle gebundenen Kompetenzen abgewichen werden.</p><p>Der Begriff des '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Standard Standards]''' ist in seiner Gültigkeit an die herausgebende Organisation gebunden, wie beispielsweise internationale Normen (englisch ''Standards''). Er beschreibt einen technischen Konsens. Im Gegensatz dazu sind Richtlinien derselben Organisation schwächer im bezogenen Konsens.</p><p>Der Begriff '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Leitsatz Leitsatz]''' fasst den Inhalt eines längeren Textes selektiv in komprimierter Form zusammen. Leitsätze werden vornehmlich in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtswissenschaft Rechtswissenschaft] genutzt, um die tragenden [https://de.wikipedia.org/wiki/Entscheidung_(Gericht) Entscheidungsgründe]durch das Gericht darzustellen.</p><p>Der Begriff der '''Leitlinie''' (u.&nbsp;a. in der [https://de.wikipedia.org/wiki/Medizinische_Leitlinie Medizin]) ist formal schwächer und spiegelt mindestens im Konsens publizierte Standards wider. Im Vergleich zur ''Richtlinie'' ist eine '''Leitlinie''' eine empfehlende Handlungsanweisung ohne bindenden Charakter und ohne Zuschnitt auf einen speziellen Fall. Grundsätzlich gilt, dass eine Leitlinie empfiehlt, hingegen eine Richtlinie [https://de.wikipedia.org/wiki/Normativ normativ] fordert. Damit werden Leitlinien, im Gegensatz zu den verbindlichen Richtlinien, als eine Entscheidungshilfe für ein adäquates [https://de.wikipedia.org/wiki/Handeln Handeln] bzw. Vorgehen verstanden.<sup id="cite_ref-1" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie#cite_note-1 [1]]</sup> [https://de.wikipedia.org/wiki/Sprachwissenschaft Sprachwissenschaftlich] wird die Leitlinie (Leitfaden, englisch ''guideline'') auf den [https://de.wikipedia.org/wiki/Ariadnefaden Ariadnefaden] zurückgeführt.<sup id="cite_ref-2" class="reference">[https://de.wikipedia.org/wiki/Richtlinie#cite_note-2 [2]]</sup></p>

Version vom 15. Mai 2024, 12:08 Uhr

richt–Linie Vorlage:lat.-dt. Wrtdtng: die durch Meßmittel und Maß vorbestimmend ausrichtende gedachte, gezeichnete oder mittelbar gebildete Linie, entlang dieser geleitet, geführt, gebaut, gerichtet, sich gerichtet, … wird ohne selbst als wirkliche handergreifbare Linie zu bestehen, wie es vglw. bei einer Richtschnur gegeben ist.

  • Geometrie:
  • Recht: eine rechtsverbindliche Vorschrift oder Anweisung, ohne Gesetzescharakter,
  • allgemein: Anweisung für jemandes Verhalten in bestimmten Fällen
  • Regel, die den Umgang mit einer Sache vorgibt, aber nicht den Zwang enthält, sich daran zu halten; s. Regel (Richtlinie)
  • lat. directrix

Richtlinie

Als Richtlinie wird in den deutschsprachigen Staaten eine Handlungs- oder Ausführungsvorschrift einer Institution oder Instanz bezeichnet, die jedoch kein förmliches Gesetz ist (zu den Besonderheiten der Richtlinien der Europäischen Union siehe EU-Richtlinie). Ob und für wen eine Richtlinie eine Bindungswirkung entfaltet, ist abhängig von der Befugnis und Anerkennung des Herausgebers der Richtlinie sowie von der Art und dem Umfang der für die jeweils betroffenen Adressaten geltenden Verbindlichkeit. Die Regelungswirkung einer Richtlinie kann somit nur im Einzelfall beurteilt werden.

Der Begriff wird mehrdeutig verwendet. Es gibt einerseits technische Richtlinien, die von einer Organisation ausgegeben werden und einen Handlungsrahmen vorgeben. Andererseits werden rechtliche Richtlinien von einem dazu formellgesetzlich ermächtigten Gremium beschlossen. In beiden Fällen haben Richtlinien einen bestimmten Geltungsbereich, der je nach Anwendungsfall z. B. arbeitsrechtlich sanktionierbar sein kann oder nicht. Verwaltungsvorschriften – wie z. B. die sogenannten Einkommensteuerrichtlinien – sind reine Dienstanweisungen des (Finanz-)Ministers an die (Finanz-)Beamten und entfalten z. B. keine Bindungswirkung für den Bürger oder Gerichte.

Als Richtlinie wird in den deutschsprachigen Staaten eine Handlungs- oder Ausführungsvorschrift einer Institution oder Instanz bezeichnet, die jedoch kein förmliches Gesetz ist (zu den Besonderheiten der Richtlinien der Europäischen Union siehe EU-Richtlinie). Ob und für wen eine Richtlinie eine Bindungswirkung entfaltet, ist abhängig von der Befugnis und Anerkennung des Herausgebers der Richtlinie sowie von der Art und dem Umfang der für die jeweils betroffenen Adressaten geltenden Verbindlichkeit. Die Regelungswirkung einer Richtlinie kann somit nur im Einzelfall beurteilt werden.

Der Begriff wird mehrdeutig verwendet. Es gibt einerseits technische Richtlinien, die von einer Organisation ausgegeben werden und einen Handlungsrahmen vorgeben. Andererseits werden rechtliche Richtlinien von einem dazu formellgesetzlich ermächtigten Gremium beschlossen. In beiden Fällen haben Richtlinien einen bestimmten Geltungsbereich, der je nach Anwendungsfall z. B. arbeitsrechtlich sanktionierbar sein kann oder nicht. Verwaltungsvorschriften – wie z. B. die sogenannten Einkommensteuerrichtlinien – sind reine Dienstanweisungen des (Finanz-)Ministers an die (Finanz-)Beamten und entfalten z. B. keine Bindungswirkung für den Bürger oder Gerichte.

Abgrenzung

Der Begriff der Norm ist an ein allgemeines Verständnis gebunden und häufig nicht kodifiziert, wie beispielsweise im Fall von ethischen Normen. Im Gegensatz dazu ist eine Richtlinie mit einem Handlungsbezug versehen und in einem Dokument niedergelegt.

Der Begriff der Verordnung entstammt demselben Zusammenhang wie ein Gesetz und regelt das Ausführen eines Gesetzes verbindlich. Im Gegensatz dazu bleibt eine Richtlinie eine bloße Empfehlung beispielsweise nach dem Stand der Technik.

Der Begriff der Vorschrift bezeichnet eine Regelung innerhalb einer Organisation ohne bindende Wirkung für das Handeln außerhalb dieser Organisation. Im Gegensatz dazu kann von einer Richtlinie innerhalb einer Organisation im Rahmen der an die jeweilige Rolle gebundenen Kompetenzen abgewichen werden.

Der Begriff des Standards ist in seiner Gültigkeit an die herausgebende Organisation gebunden, wie beispielsweise internationale Normen (englisch Standards). Er beschreibt einen technischen Konsens. Im Gegensatz dazu sind Richtlinien derselben Organisation schwächer im bezogenen Konsens.

Der Begriff Leitsatz fasst den Inhalt eines längeren Textes selektiv in komprimierter Form zusammen. Leitsätze werden vornehmlich in der Rechtswissenschaft genutzt, um die tragenden Entscheidungsgründedurch das Gericht darzustellen.

Der Begriff der Leitlinie (u. a. in der Medizin) ist formal schwächer und spiegelt mindestens im Konsens publizierte Standards wider. Im Vergleich zur Richtlinie ist eine Leitlinie eine empfehlende Handlungsanweisung ohne bindenden Charakter und ohne Zuschnitt auf einen speziellen Fall. Grundsätzlich gilt, dass eine Leitlinie empfiehlt, hingegen eine Richtlinie normativ fordert. Damit werden Leitlinien, im Gegensatz zu den verbindlichen Richtlinien, als eine Entscheidungshilfe für ein adäquates Handeln bzw. Vorgehen verstanden.[1] Sprachwissenschaftlich wird die Leitlinie (Leitfaden, englisch guideline) auf den Ariadnefaden zurückgeführt.[2]

Beispiele

EU-Richtlinie

Eine EU-Richtlinie im Recht der Europäischen Union ist ein Rahmengesetz, das die Mitgliedsstaaten zur Verwirklichung eines bestimmten Ziels verpflichtet. Sie richtet sich als „Arbeitsauftrag“ an die nationalen Gesetzgeber der EU-Staaten, damit diese hierzu richtliniengemäßes nationales Recht schaffen. Erst damit gilt sie unmittelbar.

Eine EU-Richtlinie kann auch, ganz oder teilweise, unmittelbar gelten, wenn der nationale Gesetzgeber sie nicht bis zum in der Richtlinie vorgegebenen Termin in nationales Recht umsetzt.

Das Gegenstück hierzu sind EU-Verordnungen, die unmittelbar in der gesamten EU gelten und in allen Ländern gleich anzuwenden sind. Auf die Geltung der EU-Verordnungen hat kein Parlament der Mitgliedstaaten Einfluss.

Siehe auch

Literatur

  • Karsten Fehn, Sinan Selen: Rechtshandbuch für Feuerwehr und Rettungsdienst. Stumpf & Kossendey, Wien 2003, ISBN 3-932750-73-X.
  • Roland Bornemann: Zur Rechtsnatur rundfunkrechtlicher Richtlinien. In: Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht (ZUM), 2012, S. 89 ff.
  • Andreas Corcaci: Compliance in der Europäischen Union. Mengentheoretische Konzeptformation und logische Formalisierung anhand einer QCA qualitativer Fallstudien. Springer VS, Wiesbaden 2019, ISBN 978-3-658-27473-3.
Wiktionary: Richtlinie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Marion Huber: Leitlinien: Gerüst, nicht Korsett. In: Österreichische Ärztezeitung. Nr. 11, 10. Juni 2013 (aerztezeitung.at).
  2. Maria Bruckmann, Friedrich Mai: Über die Akademie von Athen. Firma Robugen, Esslingen ohne Jahr, S. 101.